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Der Friedhof Eisackstraße 1885, 1945, 1970

Mit der Reichsgründung im Jahr 1871 stieg im Berliner Vorort Schöneberg die Zahl der Einwohner von 2700 auf 4.555. Die Kirche, die seinerzeit für Begräbnisse noch allein zuständig war, bekam ein Problem. Der Kirchhof um die Dorfkirche an der Hauptstraße und der 1865 angelegte Alte Zwölf-Apostel-Kirchhof reichten nicht mehr aus. 1882 entschlossen sich die Zwölf-Apostel-Gemeinde und die Gemeinde Schöneberg, Friedhofsflächen im Südgelände unmittelbar neben den Gleisen von Ring- und Wannseebahn anzukaufen. So entstand 1883 der Neue Zwölf-Apostel-Kirchhof der Evangelischen Kirche am Werdauer Weg und auf einer Fläche von 44.133 m² der erste Begräbnisplatz der Gemeinde Schöneberg. Der Weg von der Hauptstraße dahin wurde mitunter auch als Kirchhofstraße bezeichnet. Ab 31. Mai 1899 war es dann die Maxstraße – bis aus ihr dann am 1. Februar 1963 die Kärntener Straße wurde.

Am 1. April 1898 wurde aus dem märkischen Dorf des Landkreises Teltow die Stadt Schöneberg mit inzwischen über 90.000 Einwohnern. Schon zehn Jahre später musste bei ständig wachsender Bevölkerungszahl auf einer Fläche von 110.342 m² der zweite Schöneberger Friedhof an der Eythstraße geschaffen werden. Mit der Bildung von Groß-Berlin am 1. Oktober 1920 verlor Schöneberg seine Selbstständigkeit und bildete von da an gemeinsam mit dem Ortsteil Friedenau den 11. Berliner Verwaltungsbezirk Schöneberg.

Damit verfügte Schöneberg – neben den vier evangelischen Kirchhöfen – über vier „landeseigene“ Friedhöfe: Maxstraße (1883), Eythstraße (1908), Stubenrauchstraße (1881) als Begräbnisplatz der Gemeinde Friedenau und den Waldfriedhof Gütergotz (1914) als ehemaliges Eigentum von Friedenau.

Friedhöfe in Schöneberg. Original FEP, Senat von Berlin. Bearbeitung H&S 2016

Für den erforderlichen Wohnungsbau, Neu-Friedenau, Lindenhof (1918/21), Ceciliengärten (1922/27), Wohnanlage Eythstraße (1929/31), standen freie Flächen nur auf dem Schöneberger Südgelände zur Verfügung. Das wiederum zog ein Hin und Her der Friedhofsplanung nach sich. Am 23. Februar 1928 beschloss das Bezirksamt die Schließung der Friedhöfe Maxstraße und Stubenrauchstraße. Da die Genehmigung durch den Magistrat allerdings erst am 10. September 1929 erfolgte, musste der Waldfriedhof in Gütergotz wieder aktiviert – und der Friedhof Maxstraße wieder eröffnet werden.

Da die Verwaltung der landeseigenen „Berliner Friedhöfe in Stahnsdorf“ inzwischen dem Bezirksamt Wilmersdorf übertragen worden war, gab es dort draußen den Wilmersdorfer Waldfriedhof Güterfelde (Gütergotz) und den 1920 eröffneten Wilmersdorfer Waldfriedhof Stahnsdorf – vielleicht eine Erklärung dafür, warum dort die Maler Gustav Heinrich Wolff (1886-1934) und Hans Baluschek (1870-1935) bestattet wurden.

Ende der 1930er Jahre traten Hitler und Speer mit der „Welthauptstadt Germania“ auf den Plan: „In der vorliegenden Sache (Südgelände) ist zunächst nichts zu veranlassen, weil in Verbindung mit der Neuplanung der Reichshauptstadt mit einer baldigen Bebauung des noch freien Geländes gerechnet werden kann.“

Am südlichen Ende der „Nord-Süd-Achse“ sollte der monumentale Südbahnhof entstehen (im Bereich des heutigen Bahnhofs Südkreuz). Die Auswirkungen für die Umgestaltung der Gleisanlagen reichten bis zum Friedhof an der Maxstraße. Im Februar 1938 teilte die Reichsbahn mit, dass sie eine im nordöstlichen Bereich, schräg über den Friedhof verlaufende Fläche für eine Bahntrasse benötige. Im Januar 1939 war die Planung abgeschlossen, am 3. April 1939 erfolgte die Entwidmung. Ein Drittel der Friedhofsfläche fiel diesen Baumaßnahmen zum Opfer.

Am 19. Juni 1939 begannen die Abtransporte der Grabsteine, einen Monat später, am 17. Juli 1939, die Umbettungen. Wenn die Nachfahren keine neue Grabstelle auf einem anderen Friedhof erwarben, erfolgte die Umbettung nach Stahnsdorf, auf den Südwestkirchhof, den Wilmersdorfer Waldfriedhof Stahnsdorf oder auf den ehemaligen Waldfriedhof Güterfelde. Bis zum 9. August 1939 sollen insgesamt 2778 Umbettungen durchgeführt worden sein. Über die tatsächliche Anzahl der Umbettungen und Überführungen von den Anlagen „Alter St. Matthäus Kirchhof“, „Kirchhof der Zwölf-Apostel-Gemeinde“ sowie „Maxstraße“ existieren keine exakten Angaben. Geschrieben wird von „rund 15.000 Särgen und Aschenurnen“.

Parallel dazu hatte die Reichsbahn auf dem geräumten Friedhofsbereichs bereits mit Abtragungen des Geländes begonnen, auf dem nach dem Zweiten Weltkrieg die bis heute existierende Kleingartenkolonie „Maxstraße“ entstand. Das Grab von Rudolph Wilde (1857-1910), dem ersten Bürgermeister von Schöneberg, längst kein Ehrengrab mehr, wurde in den verbleibenden Friedhofsteil verlegt. Kapelle und Toilettenhaus blieben. Ihr Ende besorgten die Weltkriegsbomben.

Welthauptstadt Germania - Bilder

In den 1970er Jahren kam die Stadtautobahn A 100 mit der Untertunnelung des Innsbrucker Platzes und den Fahrstreifen der Zu- und Ausfahrten von Innsbrucker Platz und Schöneberger Kreuz. Die Planung führte die Trasse diagonal über das Friedhofsgelände. Die bereits verkleinerte Fläche wurde nochmals halbiert.

Die Skulptur „Schläfer“ des Bildhauers Hermann Hosaeus (1875-1958) aus dem Jahr 1907 kam in die südliche Friedhofsecke, und obwohl am neuen Haupteingang an der Eisackstraße Büro und Feierhalle entstanden waren, noch heute Grabsteine aus den Jahren von 1951 bis 2000 auszumachen sind, führte der enorme Lärm der nahtlos angrenzenden Autobahn zu einem deutlichen Rückgang der Bestattungen.

Der Landeseigene Friedhof Schöneberg I (5021 Ld.) an der Eisackstraße 40a wurde zum 1. Januar 2006 mit 18.465 m² komplett vollständig geschlossen. Davon wurden 2008 bereits 1.820 m² entwidmet. Ab diesem Termin werden keinerlei Bestattungen mehr angenommen. Die Pflege der Friedhofsflächen wird für eine Frist von 30 Jahren nach der letzten Bestattung gewährleistet – bis 2036. Als Ersatz für Nutzungsrechte an Sondergrabstätten die bis zu diesem Zeitpunkt nicht ausgeübt worden sind, werden auf Antrag des jeweiligen Nutzungsberechtigten gleichwertige Nutzungsrechte auf den anderen landeseigenen Friedhöfen im Bezirk eingeräumt. Zum Zeitpunkt der Folgebestattung ist die Umbettung bzw. Umsetzung kostenfrei.

Gelände des Friedhofs Eisackstraße. Quelle FEP, Senat von Berlin 2006

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© Peter Hahn