Lageplan hinter der Haltstelle Hauptstraße. Zeitschrift für Bauwesen, 1911

 

Betriebsbahnhof Hauptstraße/Eisackstraße

 

Die elektrische Untergrundbahn der Stadt Schöneberg

Vom Geheimen Baurat Stadtbaurat Gerlach in Schöneberg

Aus "Zeitschrift für Bauwesen", 1911.

 

3. Betriebsbahnhof und Werkstätten.

Für den Betriebsbahnhof und die Werkstätten wurde am südlichen Ende der Bahn der innere Teil eines städtischen Baublockes gewählt, der von der Holbeinstraße, Innsbrucker Straße und der Straße 43 an der Ringbahn begrenzt wird. Damit kein wertvolles Bauland in Anspruch genommen zu werden brauchte, ist der Bahnhof so auf Hinterland gelegt worden, daß nach der Innsbrucker Straße hin ein Baustreifen von 25 m Tiefe verbleibt, durch dessen Bebauung die Bahnhofsanlage völlig verdeckt wird.

 

Wagenhalle und Werkstätten sind so weit wie möglich nach Süden vorschoben, um in nördlicher Richtung für die spätere Erweiterung dieser Gebäude Gelände frei zu halten. Die Zufahrt erfolgt, wie schon früher gesagt, südlich von der Haltestelle Hauptstraße aus mit Hilfe einer eingleisigen Rampe, die an der Wagenhalle vorbei nach den dahinter liegenden Verschiebegleisen führt. Die Züge müssen daher zurückgesetzt werden, um in die Wagenhalle zu gelangen. Diese Anordnung gestattet, einerseits die Verschiebegleise in die Spitze des dreieckigen Grundstückes hineinzudrängen und anderseits Platz zu erhalten für eine spätere Erweiterung der Wagenhalle und der Werkstätten. Trotzdem ist die Länge der Verschiebegleise so reichlich bemessen, daß auf ihnen zum Teil Züge bis zu 5 Wagen umgesetzt werden können.

 

Die Wagenhalle überspannt 5 nebeneinander liegende Gleisstränge für je einen Zweiwagenzug, die durch Weichenstraßen an drei Ausziehgleise angeschlossen sind; sie läßt sich so weit vergrößern, daß auf jedem Gleise 6 bis 7 Wagen Platz finden. Bemerkenswert ist, daß die Bedienungsgänge zwischen den Gleisen nicht wie sonst in Schienenoberkante, sondern etwas vertieft liegen, damit die an den Längsseiten der Wagen sitzenden Vorrichtungen und Schaltkästen bequem zugänglich sind. Nur an den beiden Enden der Wagenhalle befindet sich je ein in Schienenoberkante liegender Quergang zum Überschreiten der Gleise.

 

Das neben der Wagenhalle liegende Werkstättengebäude, das ebenfalls erweiterungsfähig ist, besteht aus zwei großen Räumen mit zwei Gleisen. Das östliche kürzeste Aufstellungsgleis ist mit den beiden Werkstättengleisen durch eine Weiche verbunden, die das Umsetzen einzelner Wagen ermöglicht, was für den vorliegenden Zweck genügt. Der vordere Raum dient im wesentlichen für die Instandsetzung der Untergestelle und der elektrischen Einrichtung der Wagen, hier befindet sich daher zum Versetzen der Untergestellrahmen, Radsätze, Motoren usw. ein Laufkran von 5 Tonnen Tragfähigkeit, der die beiden Gleisstränge bestreicht. Zum Teil unter der Kranlaufbahn, zum Teil in ihrer Verlängerung sind zwei Leitspindeldrehbänke, eine schwere Räderdrehbank, eine Shapingmaschine, eine Hobelmaschine und verschiedene kleinere Werkzeugmaschinen aufgestellt. In dem vorderen Raum sind ferner die Schmiede mit einem doppelten Schmiedefeuer und einem 75 kg-Luftdruckhammer, sowie die Ankerwickelei untergebracht. Der hintere Raum des Werkstättengebäudes dient vornehmlich zur Instandsetzung der Wagenkasten, also zum Lackieren und zur Ausführung von Holzarbeiten. Er besitzt dementsprechend eine abgetrennte Tischlerei, in der auch Glaser- und Polsterarbeiten vorgenommen werden. Außerdem sind in dem hinteren Raume noch das Lager, die Streckenschaltanläge sowie die Diensträume für die Werkmeister und den Betriebsingenieur untergebracht. Bei Anordnung der Diensträume wurde Wert darauf gelegt, sie dem Werkstättenlärm zu entziehen.

 

In der südöstlichen, für die Gleisanlage nicht ausnutzbaren Ecke des Grundstücks ist ein kleines Nebengebäude errichtet, das außer dem Raum für den Pförtner einen Wasch- und Ankleideraum sowie einen Speiseraum für das Werkstätten- und Bahnpersonal und die Abortanlagen enthält. Der Raum für den Pförtner ist so gelegt, daß dieser die Einfahrt bequem übersehen kann. Da er auch die Fernsprechsammelstelle zu bedienen hat, so ist diese in den Pförtnerraum gelegt. Sämtliche Räume werden im Winter durch eine Zentralheizungsanlage erwärmt. Die westliche Wand der Wagenhalle ist der Raum- und Kostenersparnis halber unmittelbar auf die östliche Seitenmauer der Gleiszufahrtsrampe aufgesetzt. An das Nebengebäude schließt sich südlich, nach der Wannseebahn zu, an der Straße 43 das Umformerwerk an, das von der „Elektrizitätswerk-Südwest-Aktiengesellschaft" auf eigene Rechnung erbaut ist und den von ihrem Kraftwerk am Tempelhofer Weg zu liefernden Hochspannungsstrom auf die für die Zwecke der Untergrundbahn geeigneten Betriebsspannung umformt.

 

Aus Zeitschrift für Bauwesen, 1911
Aus Zeitschrift für Bauwesen, 1911

 

Weiteres in Vorbereitung

 

 

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