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Friedrich Wegehaupt (1904-2000)

2006. Das Grab von Friedrich Wegehaupt. Foto Axel Mauruszat
2016. Das Grab von Friedrich Wegehaupt. Foto H&S

Für die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) gehörte Friedrich Wegehaupt zweifellos zu den Widerstandskämpfern während des Nationalsozialismus. Die Militärs in der Zentrale in Karlshorst hatten offensichtlich bereits aus Moskau von den deutschen Kommunisten ein Dossier über ihn erhalten: Am 25. August 1904 in Dresden geboren, Industriewerbefachmann, 1924 Jungdeutscher Orden, 1929 Volksnationale Reichsvereinigung, 1930 Mitgründer der Deutschen Staatspartei in Sachsen, 1933 Inhaftierung.

Nachdem die „Erlaubnis zur Bildung und Tätigkeit aller antifaschistischen Parteien und Gewerkschaften“ am 9. Juni 1945 erteilt worden war, wurde am 21. Juli 1945 unter Mitwirkung von Friedrich Wegehaupt die Christlich-Soziale Volkspartei in Dresden gegründet, die allerdings vier Wochen später auf Wunsch der SMAD in Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU) umbenannt werden musste. Er war von 1945 bis 1948 Vorsitzender der Bezirksgruppe und Mitglied des Kreisvorstandes Dresden und des Landesvorstandes Sachsen.

Mehr als einmal bekam er Probleme mit Besatzungsregime und SED. Während die SED zur Kommunalwahl 1946 flächendeckend zugelassen war, konnte die CDU lediglich in 20 % der Gemeinden Listen aufstellen. Voraussetzung für die Zulassung war obendrein die Bereitschaft gewesen, in dem am 29. August 1945 gegründeten „Demokratischen Block“ mitzuarbeiten. Dieser „Block“ verhinderte letztlich eine wirksame Opposition gegen die SED. Im Übrigen war die SMAD mit „ihren Leuten“ auf allen Sitzungen der CDU-Fraktion im Landtag vertreten.

Am 18. Oktober 1948 wurde Friedrich Wegehaupt verhaftet. Fast zwei Jahre war er im Gefängnis – ein politischer Häftling unter normalen Straftätern. Sein Verteidiger war der Dresdner Rechtsanwalt Günther Nollau (1911-1991), der 1950 vor dem Staatssicherheitsdienst nach West-Berlin floh und später Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz wurde. Wegehaupts Freilassung erwirkte schließlich Hugo Hickmann (1877-1955) als Abgeordneter der provisorischen Volkskammer und Vorsitzender der sächsischen Hauptbibelgesellschaft.

Kurz nach seiner Freilassung Ende April 1950 flieht Wegehaupt mit seiner Frau Irmgard geborene Oswald (1911-1991) nach West-Berlin. Wieder wird die CDU seine politische Heimat. Schwerpunkt seiner Arbeit war die Beschäftigung mit politisch Verfolgten und Flüchtlingen aus der DDR, so ab 1953 im „Gesamtverband der Sowjetzonenflüchtlinge“, aus dem 1974 der „Bund der Mitteldeutschen“ wurde. Von 1954 bis 1962 war er Mitglied der Bezirksverordnetenversammlung von Schöneberg, Stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion und Vorsitzender des Ausschusses für Eingaben und Beschwerden. Von 1963 bis 1967 war er Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses.

Viele Jahre arbeitete er als persönlicher Referent von Bundesminister Ernst Lemmer (1898-1970), der von 1957 bis 1965 die Bundesministerien für „Gesamtdeutsche Fragen“ bzw. für „Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte“ leitete. Friedrich Wegehaupt hat nie daran gezweifelt, dass es eines Tages wieder zur Einheit Deutschlands kommen würde. Mit 83 Jahren erlebte er den Fall der Mauer. Am 23. April 2000 ist er mit 95 Jahren gestorben. Angehörige hat er keine hinterlassen. Seine Ehe mit Frau Irmgard blieb kinderlos. Laut Nachruf verlor die CDU Berlin „einen väterlichen Mitstreiter. Fairness, Zuverlässigkeit und Liebenswürdigkeit waren stets mit seinem Namen verbunden. Wir werden ihm immer ein ehrendes Andenken bewahren“. Sein Grab sieht nicht danach aus.

Der Vergleich der oben abgebildeten Aufnahmen, links das Foto von Axel Mauruszat aus dem Jahr 2006, rechts der aktuelle Zustand, hat uns irritiert.

 

Die im Oktober 2016 aktualisierte Liste der Berliner Ehrengrabstätten enthält folgenden Eintrag: „Wegehaupt, Friedrich. 25.08.1904-23.04.2000. Politiker, Stadtältester. Friedhof Schöneberg I. 10827 Berlin, Eisackstr. 40a (Grablage: 11-282).“

 

Mit Schreiben vom 7. November 2016 bestätigt das Bundespräsidialamt: „Die Verleihung des Verdienstkreuzes 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an Herrn Wegehaupt datiert vom 17. Juni 1969. Der zu dieser Zeit amtierende Bundespräsident Gustav Heinemann folgte mit dieser Ehrung einem Vorschlag des damaligen Bundesministers für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte.“

 

Es bleiben die Fragen:

 

Wie geht das Land Berlin mit seinen Ehrengrabstätten um? Und: Wie geht das für die Pflege zuständige Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg mit dem Ehrengrab eines Mannes um, der obendrein von 1954 bis 1962  Mitglied der Schöneberger Bezirksverordnetenversammlung war?

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© Peter Hahn