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Hermann Kurt Hosaeus (1875-1958)

In Berlin ist nicht viel übriggeblieben von den Werken des Bildhauers Hermann Kurt Hosaeus: Ein Brunnen (1914), zwei Grabgestaltungen (1919 und 1934), drei Kriegerdenkmale (1918, 1920 und 1926). Nicht zuletzt aus diesem Grund ist es schon bemerkenswert, dass sich auf dem Friedhof Eisackstraße in der südlichsten Ecke und fast schon von Wildwuchs verdeckt eine im Jahre 1907 entstandene Skulptur aus Kunststein erhalten hat. Ob es sich dabei um ein eigenständiges Werk oder aber um Reste eines Grabmals vom abgeräumten Teil des Friedhofs handelt, konnte bisher nicht recherchiert werden. In den üblichen Veröffentlichungen wird sie unter dem Namen „Schläfer“ geführt.

Große Sympathien wird der dargestellte Jüngling heute nicht mehr erwarten können, da der Lebensweg seines Bildhauermeisters „etwas irritiert“. Hermann Kurt Hosaeus wurde am 6. Mai 1875 in Eisenach geboren, besuchte die Kunstgewerbeschulen in Dresden (1891/92) und Nürnberg (1892/94), studierte ab 1894 an der Kunstakademie München und wechselte schließlich 1896 an die Berliner Kunstakademie. Von 1898 bis 1900 soll er Meisterschüler von Reinhold Begas (1831-1911) gewesen sein. Verbindlich ist, dass der damals in Charlottenburg wohnhafte Hermann Hosaeus auf der „Großen Berliner Kunstausstellung 1899“ erstmals seine Werke der Öffentlichkeit vorstellte. Unter den Katalognummern 1425 „Concurrenz-Entwurf für einen Monumentalbrunnen“ und 1426 „Nach dem Kampf“ (Gipsstatuette) wurden die Kunstwerke als „verkäuflich“ annonciert.

Hosaeus ging im Kaiserreich mit der Zeit und spezialisierte sich auf Denkmäler, Medaillen und Kleinplastiken. Die Nationalgalerie Berlin soll „für 1.200 Mark die Kleinplastik ‚Reiter zu Pferde‘ angekauft haben“. Zu überprüfen war das bisher  nicht.

Hosaeus lehrte von 1918 als Dozent und von 1933 bis 1945 als ordentlicher Professor für Modellieren und Plastisches Gestalten an der Fakultät für Bauwesen, Abteilung Architektur, der Technischen Hochschule Berlin. Dort wird unter der Nummer 417 sein Nachlass aus den Jahren 1896 bis 1957 aufbewahrt, Biografisches, Korrespondenzen, Manuskripte, Fotografien. Obwohl das Archivmaterial als „erschlossen“ angegeben wird, kam es bislang weder zur Publikation von Werkverzeichnis und Biografie. Es mag vielleicht daran liegen, dass Hermann Hosaeus Mitglied der NSDAP war, ein Grund für die Nichtveröffentlichung ist es jedenfalls nicht.

 

Immerhin erinnerte die TH am 25. Juli 2014 schon mal an das nach Kriegsende 1918 errichtete „Denkmal für 400 gefallene Studenten“ im Lichthof, mit dem „der damals für seine zahlreichen Kriegerdenkmäler berühmte spätere TH-Dozent, Bildhauer und Medailleur Hermann Hosaeus, beauftragt wurde. Er schuf das Standbild eines bronzenen Granatenwerfers. Die Namen der Gefallenen wurden an der Wand dahinter angebracht. 1944 wurde das Denkmal zerstört“. Das Foto von damals macht allerdings auch deutlich, dass Hosaeus in seinem künstlerischen Repertoire dem Denkmalbegriff der Wilhelminischen Ära verbunden war. Innovatives lässt sich aus seinen Kriegerdenkmälern nicht ablesen. Aber auch das ist kein Grund für Kunstgeschichtsforschung und TH, ihn einfach zu ignorieren.

Nachzutragen ist, dass Hermann Hosaeus Ateliers in Siegmunds Hof 11 (ab 1900) und in der Hundekehlestraße am Roseneck (ab 1905) unterhielt. Von 1915 bis zu seinem Tod am 26. April 1958 wohnte er im eigenen Haus in Dahlem, Parkstraße 84-86. Diese Straße wurde 1934 in „Würdigung der Verdienste“ des Bankiers, Politikers und Deutschnationalen Karl Theodor Helfferich (1872–1924) in Helfferichstraße umbenannt. 1958 bekam sie den Namen Bernadottestraße. In den Sommer- und Wintersemestern der Jahre 1940 bis 1945 hielt er in diesem Haus laut Vorlesungsverzeichnis der TH Berlin dienstags und samstags Sprechstunden ab. Unter dieser Adresse wohnte viele Jahre auch seine Tochter, die Malerin Lizzie Hosaeus (1910-1998).

Schläfer, Skulptur von Hermann Hosaeus, 1907. Aufnahme Oktober 2016 H&S
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© Peter Hahn