Wilmersdorfer Waldfriedhof Güterfelde. Foto Peter Hahn, 2010

 

Der Friedenauer Friedhof in Güterfelde

 

Als der Wilmersdorfer Pfarrer Bestattungen auf seinem Kirchhof aus Platzgründen nicht mehr dulden wollte, sah sich die Gemeinde Friedenau im Jahre 1877 gezwungen, einen eigenen Gottesacker anzulegen. „Geopfert“ wurde der Hamburger Platz, eine grüne Oase mitten im Quartier – der heutige Quartiersfriedhof  Stubenrauchstraße. Dreißig Jahre später wurde auch dort der Platz knapp. Die Gemeinde beschloss den Ankauf einer Fläche von 12,25 Hektar in der Gemarkung Gütergotz (heute Güterfelde) zur Anlage einer neuen Bestattungsfläche. Planung und Ausführung übernahm der Friedenauer Gemeindebaurat Hans Altmann. Die Anlage erinnert mit ihren im Halbrund geschwungenen Wegen und Schmuckplätzen an den Friedenauer Ortsgrundriss – eine Wiederholung der gerühmten „Carstenn-Figur“ aus den 1870er Jahren, jene regelmäßige städtebauliche Straßenstruktur mit Allee, umlaufenden Straßenzügen und Plätzen. Es entstanden Kapelle, Verwaltungsgebäude, Blumenladen, Wirtschaftshof und Gärtnerei.

Die Begräbnisstätte wurde 1914 als „Waldfriedhof Friedenau in Gütergotz“ eröffnet. Mit der Bildung von Groß-Berlin im Jahr 1920 verlor Friedenau seine Eigenständigkeit und wurde Ortsteil von Schöneberg. Der Friedhof erhielt den Namen „Waldfriedhof Schöneberg in Gütergotz“. 1937 übernahm der Bezirk Wilmersdorf die Verwaltung. Nun war es der „Wilmersdorfer Waldfriedhof Gütergotz“. Als die Nationalsozialisten 1937 alles Slawische aus dem Sprachgebrauch tilgten, wurde aus Gütergotz Güterfelde und aus dem Totengarten der „Wilmersdorfer Waldfriedhof Güterfelde“. So ist es bis heute geblieben, und so kam es, dass das Bezirksamt Wilmersdorf als „Eigentü,er" für die Unterhaltung zuständig und der Güterfelder Friedhofsverwalter als DDR-Bürger auch in den Mauerjahren Angestellter von Wilmersdorf war – wobei sein Gehalt 1:1 ausgezahlt wurde – eine DM West zu einer Mark Ost.

Nach dem Bau der Mauer 1961 wurde es ruhig um den Friedenauer Friedhof in Güterfelde. Nur noch Tote aus der näheren Umgebung fanden dort ihre letzte Ruhe. So kam es letztendlich, dass in den einhundert Jahren weniger als die Hälfte der Gesamtfläche belegt wurde. Nach der Wiedervereinigung war es nur eine Frage der Zeit, bis der Berliner Senat im Jahr 2006 auf das Überangebot von Friedhofsflächen reagierte. Insgesamt werden auf den Friedhofsflächen innerhalb der Stadt und im Umland 700 Hektar überflüssig, darunter die 12,25 Hektar des Wilmersdorfer Waldfriedhofs Güterfelde. Es besteht die Gefahr, dass Berlin verwertbare Teile der Anlage verkauft. Interessenten gibt es.

Damit wäre aber die unter Denkmalschutz stehende Anlage mit ihren Bauten als Ganzes gefährdet. Um diesen Gedankenspielen Einhalt zu gebieten, wurde inzwischen der „Förderverein Hans-Altmann-Park“ gegründet. Er möchte mit seinen Aktivitäten deutlich machen, dass vor den Toren der Stadt mit dem Südwestkirchhof (1909) von Gartenbaumeister Louis Meyer, dem Friedenauer Friedhof in Güterfelde von Hans Altmann (1914) und dem Wilmersdorfer Waldfriedhof Stahnsdorf (1920) von Stadtgartendirektor Erwin Barth Totengärten von überregionaler Bedeutung entstanden sind, die mit all ihren Bauten als Einheit für die Nachwelt zu erhalten sind. Ziel des Vereins ist der Erhalt der Friedenauer Anlage für die Öffentlichkeit durch Umwandlung in einen Friedhofspark und die Nutzung von Bauten und Park für Kunst und Kultur. http://hans-altmann-park.net

 

 

Das Grab von Max Schreck. Foto H&S, 2011

Max Schreck (1879-1936)

 

Wer war das? Mit diesem Namen können viele (zunächst) nichts anfangen. Ruft man dann den „kahlen Schädel“, die „riesigen Ohren“, die „gewaltigen Vorderzähne“ und die „krallenartigen Fingernägel“ in Erinnerung, kommt die Antwort: „Nosferatu“. Um diesen großartigen Stummfilm von Friedrich Wilhelm Murnau aus dem Jahre 1922 wissen auch jene, denen die Horrorfilme „Nacht der lebenden Toten“ (1968) oder „Schweigen der Lämmer“ (1991) und „Shadow of the Vampire“ (2000) näher und zeitgemäßer sind.

Die Rolle des Grafen Orlok spielte Max Schreck. Seine eindringliche Darstellung machten die „Symphonie des Grauens“ zu einem Meisterwerk, sein unheimlicher Vampir hat das Genre Horrorfilm bis heute geprägt.

Max Schreck ist eigentlich „Friedenauer“, obwohl er am 6. September 1879 in Berlin-Tiergarten geboren wurde. Mit sechs Jahren lernt er den Vorort kennen, nachdem sein Vater, der Topograph der „Königlich Preußischen Landesaufnahme“ beim Generalstab, 1885 das Landhaus in der Albestraße 5 erworben hatte. Das Haus existiert noch immer – eines der ältesten von Friedenau. In diesem Vier-Parteien-Haus lebten dann Vater Schreck, Mutter Pauline geb. Michaelis, Großvater und Onkel. Das Umfeld war günstig, gegenüber befand sich die Schule, anfangs mit nur einer, später mit drei und schließlich mit einer Gymnasial-Klasse.

 

 

 

Max Schreck wurde Schauspieler, absolvierte die Wanderungen durch die Provinztheater und fand nach Stationen an mehr als einem Dutzend Stadt- und Hoftheatern seine theatralische Heimat bei den Münchner Kammerspielen. Dort stand der 56-Jährige am 19. Februar 1936 zum letzten Mal auf der Bühne. Am nächsten Morgen, dem 20. Februar um halb neun Uhr, war er nicht mehr. Drei Tage später nahm das Ensemble der Kammerspiele in der Aussegnungshalle des Münchner Ostfriedhofs Abschied. Den Rest besorgte die „Großdeutsche Feuerbestattung“. Die Urne wurde nach Stahnsdorf überführt und dort am 14. März 1936 in der 70 mal 70 Zentimeter großen Urnengrabstelle UR 670 seiner Mutter Pauline auf dem Güterfelder Friedhof beigesetzt. Sie war zwei Jahre zuvor am 9. Oktober 1934 in ihrer letzten Friedenauer Wohnung in der Bennigsenstraße 26 verstorben.

 

Es kamen der Weltkrieg und die langen Mauerjahre. Hinterbliebene gab es nicht. Die Nutzungsrechte waren abgelaufen, der Grabstein verschwunden und Gras darüber gewachsen. Als der Historiker Stefan Eickhoff Anfang der 1990er Jahre für sein Buch „Max Schreck – Gespenstertheater“ recherchierte, rekonstruierte er gemeinsam mit dem Güterfelder Friedhofsverwalter Erwin Mahlow die Grablage. Peter Hahn, der sich in seinen Publikationen intensiv mit den „Berliner Friedhöfen in Stahnsdorf“ beschäftigt hatte, wollte nicht einleuchten, dass der „Meister“ Friedrich Wilhelm Murnau (1888-1931) mit einem monumentalen Berliner Ehrengrab auf dem Südwestkirchhof bedacht und sein Held Max Schreck sich nebenan mit einem bescheidenen Urnengrab ohne Grabstein begnügen sollte. Der „Förderkreis des Museums für Film und Fernsehen Berlin“ war dazu bereit. Er beauftragte den Steinmetzmeister Heinz-Otto Melior, eine Gedenkstele für Schrecks Grab zu schaffen. Die handgearbeitete Granitstele von 23x12x138 Zentimeter mit einer angeschliffenen Schriftfläche und der vertieften mit dunkler Farbe ausgelegten Inschrift wurde zum 75. Todestag von Max Schreck am 20. Februar 2011 enthüllt. Stefan Eickhoff hielt die „Güterfelder Laudatio“. Ein Stück Filmgeschichte wurde in Erinnerung gerufen.

 

Max Schreck: Güterfelder Laudatio von Stefan Eickhoff

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Lageplan Wilmersdorfer Waldfriedhof Güterfelde. Quelle. Peter Hahn

Gutachtliche Äußerung zum Denkmalwert

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Der Text wurde uns von Uta Schaubs und Dr. Marcus Cante vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege  freundlicher Weise zur Verfügung gestellt. Danke!

 

Wilmersdorfer Waldfriedhof Güterfelde

Ehemaliger Waldfriedhof Friedenau in Gütergotz (heute unter dem Namen Wilmersdorfer Waldfriedhof Güterfelde). Auf youtube ist dieser (zweite) Friedenauer Friedhof filmisch dokumentiert:

 

Hans-Altmann-Park (Friedenauer Waldfriedhof) Teil 1

https://www.youtube.com/watch?v=poCl-1JIrAk

 

Hans-Altmann-Park (Friedenauer Waldfriedhof) Teil 2

https://www.youtube.com/watch?v=HFKnE7uvgfY

Brücke der Friedhofsbahn über den Teltowkanal. Foto H&S 2005

Brückenabriss

 

Anfang des 20. Jahrhunderts brach Panik aus, zuerst bei der Kirchensynode, dann bei der Gemeinde Friedenau. Der Platz auf den innerstädtischen Friedhöfen wurde knapp. 1909 eröffnete die Kirche den Südwestkirchhof, 1914 Friedenau gleich nebenan den „Waldfriedhof Friedenau in Gütergotz“. Kurz zuvor war am 3. Juni 1913 die 4,4 km lange Trasse der „Friedhofsbahn“ vom S-Bahnhof Wannsee nach Stahnsdorf-Friedhof dem Verkehr übergeben worden. Die Fahrt von Friedenau mit Umsteigen in Wannsee dauerte 35 Minuten.

 

So blieb es bis April 1945. Vor dem Anrücken der Roten Armee wurde die Brücke über den Teltowkanal gesprengt und der Betrieb eingestellt. Ab 27. Mai 1948 gab es wieder eine Stahlfachwerkbrücke mit einer Spannweite von 62 Metern über den Teltowkanal und die Verbindung nach Stahnsdorf. Nach dem 13. August 1961 und dem Mauerbau war Schluss. 1969 verlegte die DDR für ihre „perfekte“ Grenzsicherung mit Westberliner Segen die angestammte Autobahntrasse über Dreilinden weiter östlich nach Drewitz.

 

 

 

Seither befinden sich die Trassen der ehemaligen Friedhofsbahn und der A 115 auf gleichem Niveau – inklusive „rostiger“ Eisenbahnbrücke und „blauer“ Autobahnbrücke. Die Wiederinbetriebnahme der Friedhofsbahn, von Evangelischer Kirche und Speckgürtelanwohnern gefordert, war realitätsfern, weil an Teltowkanal und Autobahn nur ein millionenschweres „Darunter“ oder „Darüber“ möglich ist.

 

Jahre wurde um die Brücke gestritten. Die Deutsche Bahn bot den Gemeinden Kleinmachnow und Stahnsdorf 2014 sogar den Kauf einer rund 75.000 m² großen Fläche von Bahntrasse und Brücke zum Kauf an. Nun ist der Abriss des „Denkmals“ wohl besiegelt, weil die Verkehrssicherheit nicht mehr gewährleistet werden kann und Gefahr für die Schiffe auf dem Teltowkanal besteht. Auch die zum „Deutschen Wandertag 2012“ diskutierte „Umrüstung zu einer Fußgängerbrücke“ scheiterte an den Finanzen. Die Kommunen Stahnsdorf und Kleinmachnow haben im Januar 2018 ihre Zustimmung zum Rückbau erteilt.

 

Noch ist die Brücke da und eine Wanderung vom S-Bahnhof Berlin-Wannsee zu all dem „Ehemaligen“ ist durchaus empfehlenswert. Was tut sich da nicht alles auf: Grenzgebiet zwischen West-Berlin und DDR, Autobahntrasse zum Berliner Autobahnring, Reste der Station Dreilinden aus den 1930er Jahren, Wassergrenzübergangsstelle Dreilinden (GüSt) für Schiffe, Raststätte Dreilinden, Trasse der Friedhofsbahn, Übungsgelände für Wehrmacht, Rote Armee und  NVA in Stahnsdorf, Bahnsteigreste des S-Bahnhof Stahnsdorf-Friedhof – einst die Station für die drei „Berliner Friedhöfe in Stahnsdorf“.

 

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