Grabstätte Familie Albert Hirt. Foto H&S, 2014

Grabstätte Familie Albert Hirt

 

Albert Hirt war Inhaber der Adler-Apotheke in der Rheinstraße Nr. 16 und Sohn von Julius Franz Hirt, dem höchsten Richter im Fürstentum Reuß-Gera, der mit Louise Francisca geb. Raithel verheiratet war. Das Ehepaar hatte sieben Kinder, darunter Albert Hirt, der Apotheker wurde und 1892 die Lizenz für eine Apotheke in Friedenau bekam. Der von ihm und seiner Frau Marie geb. Bräunlich geführte Salon im eigenen Landhaus in der Wielandstraße Nr. 15 wurde zum Treffpunkt der Friedenauer Prominenz, darunter der Bildhauer Valentino Casal.

 

Nachdem Kaiser Wilhelm II. 1895 verkündete hatte, im Tiergarten eine Siegesallee mit 32 Marmor-Standbildern der Fürsten Brandenburgs und Preußens zu schaffen, und Bildhauer Reinhold Begas prophezeite, dass seine Kollegen „von der handwerksmäßigen Technik kaum eine Ahnung haben, da sie ja nur Modelleure sind, und Modell auf Modell zum Steinmetz wandert“, schlug Casals Stunde. Er hatte den Umgang mit Marmor gelernt, konnte mit dem Punktierkreuz die Maße vom Gipsmodell auf den rohen Stein übertragen, beherrschte Konturieren und Ziselieren, und wusste die Qualitäten von Statuario, Bianco und Ordinario zu unterscheiden.

 

 

 

 

Zehn der berühmten Bildhauer hatten nichts Eiligeres zu tun, als Casal mit der Umsetzung ihrer Gipsentwürfe in Marmor zu beauftragen. Zwischen 1899 und 1901 entstanden in Casals Bildhauerhof elf von 32 Monumenten für die Siegesallee. Bereits „im Januar 1899 kaufte ich mir ein großes Grundstück in Friedenau für ein Haus für meine Familie (Wilhelmstraße Nr. 7, heute Görresstraße) und errichtete „eine Reihe von Ateliers“ auf dem Grundstück Bachestraße Nr. 10, an dessen Außenwand in Versalien der Schriftzug ATELIER V. CASAL prangte. Valentino Casal stand als Steinmetz und Bildhauer in der Gunst des Kaisers, immer wieder begab er sich nach „Klein-Carrara“ in Friedenau.

 

So kam es wohl, dass Casal 1905 nach dem Tod von Albert Hirt gebeten wurde, das Grabmal zu gestalten. Das mit Marmor verkleidete Wandgrab wurde auf einem Granitsockel errichtet. Im erhöhten Mittelteil wurde flache Rundbogennische eingearbeitet, vor der eine Engelsfigur aus Carrara-Marmor aufgestellt wurde. Die Inschriften auf dem Grabstein sind nur noch unvollständig zu entziffern: Rechts „Albert Hirt, Apotheker (* 5. April 1849; † 26. November 1905), Gabriele Hirt (* 3. Juli 1897; † 11. Juli 1958), Charlotte Hirt (* 1. Mai ?; † 19. November ?), links Marie Hirt geb. Bräunlich (* 2. Juli 1863; † 23. Februar 1930), Fritz Heilgendorff (* 9. Juli 1880; † 26. Februar 1957), Ruth Heilgendorff geb. Hirt (* 11. März ????; † 28. Januar ?). Das Grab der Familie Hirt ist als „Grabmalskunstwerk“ eingestuft. (Grabstelle 12/23-24)

 

 

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