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Ehrengrabstätten

 

„... sind Ausdruck der Ehrung Verstorbener, die zu Lebzeiten hervorragende Leistungen mit engem Bezug zu Berlin erbracht oder sich durch ihr überragendes Lebenswerk um die Stadt verdient gemacht haben. Die Grundlage bildet das Friedhofsgesetz. Danach stellt das Land Berlin unentgeltlich Ehrengräber zur Verfügung. Das zuständige Bezirksamt übernimmt die Kosten für die Grabpflege und die Instandhaltung des Grabmals.“ Diese Ehrengräber sind mit einem rötlichen Stein gekennzeichnet, der die zweizeilige Aufschrift „Ehrengrab, Land Berlin“ über dem Wappen der Stadt, den Berliner Bären, trägt.

 

Derzeit existieren in Berlin 667 Ehrengrabstätten, darunter auf dem Friedhof an der Stubenrauchstraße 9 Ehrengräber. Es gab Zeiten, in denen das, was als Ehrengrab gilt, von politischen Rahmenbedingungen abhängig war. Dazu gehört die „Gedenkstätte der Sozialisten“ auf dem Zentralfriedhof in Friedrichsfelde, für den die SED bestimmte, wer sich für die „sozialistische Idee“ verdient gemacht hatte.

 

 

 

Nichts gegen die Ehrengräber auf dem Friedhof Stubenrauchstraße, aber nachdenklich macht die derzeitige offizielle Auswahl schon: Architekturhistoriker Christian Borngräber, Komponist Ferruccio Busoni, Ehrenbürgerin Marlene Dietrich, Kommunalpolitiker Johannes Homuth, Architekt Paul Kunow, Fotograf Helmut Newton, Schriftsteller Oskar Pastior, Schriftsteller Paul Zech und Verleger Rudolf Zech. Das Sammelsurium wirft die Frage auf, ob für den Friedenauer Quartiersfriedhof noch historische Gesichtspunkte relevant sind. Als der Optiker Carl Bamberg 1892 starb, gewährte ihm die Gemeinde Friedenau ein Ehrengrab. Im Jahr 2005 wurde dem Gründer der weltberühmten „Werkstätten für Präzisions-Mechanik und Optik“ dieser Status vom Senat aberkannt. Zehn Jahre später, im Dezember 2015, strich der Senat das seit 1907 bestehende Ehrengrab des Fotopioniers Ottomar Anschütz aus der Ehrengräberliste. Für die Gemeinde Friedenau war die Würdigung eine Selbstverständlichkeit. Er und die Firma C.P. Goerz hatten mit der „Goerz-Anschütz-Klapp-Camera“ den Namen Friedenau in die Welt getragen.

 

„Nach und nach beginnt der Berliner Senat, die Ehrengräber wegzustreichen." Der Satz von Olaf Ihlefeldt, dem Verwalter des Südwestkirchhofs in Stahnsdorf, macht nachdenklich. Aktuell betroffen hat es da draußen nun „die Gräber des Funkpioniers Georg Graf von Arco (1869–1940) und des Botanikers Hugo Conwentz (1855-1922). Ich bin neugierig, ob sie auch das Grab von Heinrich Zille kündigen.“ Schon wird gemunkelt, dass es auch den sozialdemokratischen Politiker Rudolf Breitscheid (1874-1944) und den impressionistischen Maler Lovis Corinth (1858-1925) „treffen“ soll.

 

Dem Senat von Berlin und auch dem Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg ist der Sinn für Geschichte abhandengekommen. Der Friedhof an der Stubenrauchstraße ist ein traditioneller Quartiersfriedhof. Zu Grabe getragen wurden dort Friedenauer, darunter der Mechaniker Carl Bamberg, die Baumeister Richard Draeger, Wilhelm Haeger und Paul Kunow, der Apotheker Albert Hirt, der Gutsbesitzer Wilhelm Prowe, die Kommunalpolitiker Johannes Homuth, Hugo Moeller, Heinrich Sachs, Georg und Albert Roenneberg sowie der Photograph Ottmar Anschütz. Ihre Gräber, teilweise unter Denkmalschutz stehend, sind (noch) vorhanden, aber weitgehend sich selbst überlassen. Nachzuvollziehen ist, dass die Politiker mit Friedhof und Gräbern "keinen Blumentopf gewinnen können". Aber: „Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft." (Wilhelm von Humbold)

 

 

Aktuelle Liste der Ehrengrabstätten auf dem Friedhof Schöneberg III Tempelhof-Schöneberg, 12161 Berlin, Stubenrauchstraße 43-45 (Juli 2016):

 

Borngräber, Christian 04.04.1945-15.10.1992 (Grablage: 22-35) - Architekturhistoriker, Designtheoretiker

Busoni, Ferruccio 01.04.1866-27.07.1924 (Grablage: 6-56) - Komponist

Dietrich, Marlene 27.12.1901-06.05.1992 (Grablage: 34-363) - Ehrenbürgerin, Schauspielerin

Homuth, Johannes 30.03.1839-02.03.1922 (Grablage: 25-1) - Politiker, Stadtältester in Friedenau, Geheimer Kanzleirat

Kunow, Paul 12.07.1848-12.01.1936 (Grablage: 27-287/289) - Architekt, Politiker, Gemeindeältester

Newton, Helmut 31.10.1920-23.01.2004 (Grablage: Abt. 34 Nr. 367) - Fotograf

Pastior, Oskar 20.10.1927-04.10.2006 (Grablage: 034 0001-0001) - Schriftsteller und IM des rumänischen Geheimdienstes

Zech, Paul 19.02.1881-07.09.1946 (Grablage: 23-49/51) - Schriftsteller, Redakteur, Dramaturg, Übersetzer, Bibliothekar

Zech, Rudolf 02.10.1904-21.11.1972 (Grablage: 23-49/51) - Verleger, Maler

 

Seit Dezember 2006 wurden folgende Ehrengrabstätten aus der Liste gelöscht:

 

Carl Bamberg 12.07.1847-04.06.1892 (Grablage: 7-33-35) - Mechaniker

Heinrich Richter-Berlin  23.04.1884-26.01.1981 (Grablage: 36/110) - Maler

Werner Schröder 19.12.1907-02.07.1985 (Grablage: 16/42) - Zoologe, Direktor des Berliner Aquariums

Gerhard Taschner 25.05.1922-21.07.1976 (Grablage: 22/311) - Geigenvirtuose

Ottomar Anschütz 16.05.1846-30.05.1907 (Grablage: 31/23-24) - Photograph, Pionier der Phototechnik

 

 

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