Grabstätte Familie Prowe. Foto H&S, 2014

Familie Prowe

 

Für die Grabstätte der Familie Prowe werden als Urheber die Namen Oskar Haustein und Valentino Casal genannt. Nicht geklärt werden konnte bisher, ob es sich bei „Prowe“ – wie oft zu lesen ist – um den „Gutsbesitzer Wilhelm Prowe“ oder um den „Bankier W. Prowe“ handelt. Da ein Gutsbesitzer mit Wohnung in Friedenau eher ungewöhnlich wäre, orientieren wir eher auf das Adressbuch von 1908, in dem im Zusammenhang die Privatadresse „Prowe, W., Bankier, Friedenau, Hedwigstr. 3“ und die Geschäftsanschrift „Prowe, Wilhelm, Bankgeschäft, W 8, Charlottenstraße Nr. 58“ notiert sind.

 

Oskar Haustein war Architekt. In Friedenau sind nach seinen Entwürfen die Mietshäusers Moselstraße Nr. 7/8 (1895/96), Schnackenburgstraße Nr. 11 (1896), Dickhardtstraße Nr. 7/8 (1896), Dickhardtstraße Nr. 5 (1902) und Dickhardtstraße Nr. 2 (1909/10) entstanden. Es ist davon auszugehen, dass Haustein das Grundkonzept für das Familiengrab entwickelt hat, zu dem wohl die in Grautönen gehaltene „Scheintür“ und die Einfassung der Anlage mit der Brüstung gehören.

 

 

Nachdem Kaiser Wilhelm II. 1895 verkündete hatte, im Tiergarten eine Siegesallee mit 32 Marmor-Standbildern der Fürsten Brandenburgs und Preußens zu schaffen, und Bildhauer Reinhold Begas prophezeite, dass seine Kollegen „von der handwerksmäßigen Technik kaum eine Ahnung haben, da sie ja nur Modelleure sind, und Modell auf Modell zum Steinmetz wandert“, schlug Casals Stunde. Er hatte den Umgang mit Marmor gelernt, konnte mit dem Punktierkreuz die Maße vom Gipsmodell auf den rohen Stein übertragen, beherrschte Konturieren und Ziselieren, und wusste die Qualitäten von Statuario, Bianco und Ordinario zu unterscheiden.

 

Zehn der berühmten Bildhauer hatten nichts Eiligeres zu tun, als Casal mit der Umsetzung ihrer Gipsentwürfe in Marmor zu beauftragen. Zwischen 1899 und 1901 entstanden in Casals Bildhauerhof elf von 32 Monumenten für die Siegesallee. Bereits „im Januar 1899 kaufte ich mir ein großes Grundstück in Friedenau für ein Haus für meine Familie (Wilhelmstraße Nr. 7, heute Görresstraße) und errichtete „eine Reihe von Ateliers“ auf dem Grundstück Bachestraße Nr. 10, an dessen Außenwand in Versalien der Schriftzug ATELIER V. CASAL prangte. Valentino Casal stand als Steinmetz und Bildhauer in der Gunst des Kaisers, immer wieder begab er sich nach „Klein-Carrara“ in Friedenau.

 

So kam es wohl, dass Casal 1906 nach dem Tod von Prowe gebeten wurde, das Grabmal zu gestalten. Das gemauerte Wandgrab des dreiachsigen Scheinmausoleums wurde mit weißem Marmor verkleidet, die in der Bildhauerwerkstatt von Valentino Casal (1867-1951) gefertigt wurden. Die beiden Wandflanken der Grabmalwand sind als rundbogig schließende Stelen mit vertieften Inschriften ausgebildet. Der Scheinrisalit ist in Form eines Tempelpylonen mit Scheintür und Inschriftentafel aus hellgrauem Marmor ausgeführt. Rechts der Scheintür ist die Figur einer Trauernden aus Carrara-Marmor angelehnt. Die von Casal signierte Skulptur von 1908 steht auf einem vorgelagerten Podest mit dreistufigem Abschluss. Die Grabstelle ist durch eine Balustrade und eine mittige zweiflügelige Eisentür begrenzt. Das Grab der Familie Prowe ist als „Grabmalskunstwerk“ eingestuft.

 

Für Deutschlands Friedhöfe schuf Casal insgesamt 26 große Privatstandbilder, darunter 1908 mit 4,55 m Höhe und 8,20 m Breite die marmorne Grabstätte mit Relief, Figuren und Porträtköpfen für die Familie Hünlinghof auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg.

 

 

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