Marlene Dietrich und ihre Mutter

 

Bei dem traditionell geringen Marktanteil des RBB kann kaum davon ausgegangen werden, dass viele Berliner die „Abendschau“ am 11. November 2016 gesehen haben. Vor Volkstrauertag und Totensonntag hat sich der Sender wieder eine neue Serie ausgedacht. Es gab einen Bericht von Christian Walther über den Friedhof Stubenrauchstraße. Résumé: Kurz, schnell und oberflächlich. Von dem promovierten Politologen hätte man das Wort Quartiersfriedhof erwarten können. Stattdessen wieder die Schublade „Künstlerfriedhof“ und als Beleg die Hinweise auf Marlene Dietrich, Helmut Newton und Ferruccio Busoni.

 

Immerhin sind dem Reporter die Schilder „Nutzungsrecht abgelaufen. Bitte in der Friedhofsverwaltung vorsprechen“ auf - und die Anmerkung eingefallen, „wenn nicht bald jemand die Kosten übernimmt, wird das Grab eingeebnet“. Konkret bezog er sich auf die Ruhestätte von Josefine von Losch (Grabstelle 13-89): „Hier ruht in Gott unsere geliebte treusorgende Mutter und Großmutter Josefine von Losch geb. Felsing. * 27. Nov. 1875; † 3. Nov. 1845.“ Bemerkt hat er nicht die auffällige Schieflage des Grabsteins.

 

Josefine von Losch ist die Mutter von Marlene Dietrich. Sie war mit dem Polizeileutnant Louis Erich Otto Dietrich verheiratet und lebte mit den Töchtern Elisabeth (1900–1973) und Marlene (1901-1992) in der Sedanstraße 65 (heute Leberstraße) in Schöneberg. Nach dem Tod ihres Mannes heiratete Josefine Dietrich geborene Felsing den Leutnant Eduard von Losch (1875-1916). Das Kriegsende erlebte Marlene Dietrich mit den amerikanischen Truppen in Pilsen. Kurze Zeit später hatte die Rote Armee im besetzten Berlin ihre Mutter Josefine von Losch ausfindig gemacht. Als die Amerikaner im Juli 1945 in Berlin eingerückt waren, konnte die Dietrich per US-Militärfunk mit ihrer Mutter sprechen. Ende September sahen sie sich zum ersten Mal seit 1931 in Berlin wieder. Vier Wochen später starb Josefine von Losch am 3. November 1945. Zur Beisetzung auf dem Friedhof Stubenrauchstraße flog Marlene Dietrich aus New York ein.

 

Marlene Dietrich starb am 6. Mai 1992 in Paris und es war ihr Wunsch, in Berlin begraben zu werden. Das geschah am 16. Mai 1992 in unmittelbarer Nähe zum Grab ihrer Mutter Josefine von Losch. Berlin hat sich in der Sache „Marlene“ nicht gerade mit Ruhm bekleckert.  Erst am 1. Dezember 1992 konnte sich der Senat von Berlin zu einer Ehrengrabstätte entschließen, erst zum 100. Geburtstag am 27. Dezember 2001 entschuldigte sich die Stadt (über den Chef der Senatskanzlei André Schmitz) für die Anfeindungen, die ihr nach dem Krieg in Deutschland entgegen geschlagen seien. Nichts von den Kontroversen über eine Straßenbenennung, nichts über die Absage der offiziellen Gedenkveranstaltung. Am 16. Mai 2002 wurde Marlene Dietrich postum zur Ehrenbürgerin von Berlin ernannt. An ihrem 20. Todestag im Jahr 2012 waren die Berliner über die nachlässige Grabpflege enttäuscht und empört - verantwortlich das Friedhofsamt von Tempelhof-Schöneberg.

 

Der Friedhofsverwaltung war bekannt, dass die Nutzungsrechte der Grabstätte Josefine von Losch abgelaufen waren, die Stelle vor ihrer Einebnung stand und der in Schieflage geratene Grabstein obendrein auch noch „eine Gefährdung für die Öffentlichkeit“ darstellte. Für die Rettung musste erst der 25. Todestag von Marlene Dietrich und eine Spende des „Förderkreises des Museums für Film und Fernsehen“ kommen. Nun ist die Grabstelle wieder hergerichtet. Peinlich für das rot-grüne Bezirksamt, peinlich auch für die BVV-Volksvertreter, die erst im Nachhinein den Verzicht auf die Grabnutzungsgebühr für weitere 20 Jahre „großzügig gewährten“. Geld kostet es dem Bezirksamt nicht. Die Arbeit vor Ort müssen eben die Friedhofsgärtnern zusätzlich „mitmachen“. So werden von der Politik Taten verkauft!

 

Die Beispiele von Gräbern bedeutender Persönlichkeiten Berlins, die im Bestand gefährdet sind, ließe sich beliebig fortsetzen. Mit den Ruhestätten dieser Menschen verschwindet jeweils ein Teil des Stadt-Gedächtnisses. Erinnerung wird erschwert, wenn nicht ganz unmöglich gemacht. Die Pflege und Sicherung von Grabstellen bedeutender Persönlichkeiten darf nicht dem Zufall überlassen werden.

 

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Zum 25. Todestag von Marlene Dietrich

 

Margo Lion, Oskar Karlweis und Marlene Dietrich in Es liegt in der Luft, 1928. Archiv Margo Lion

 

 

Am 15. Mai 1928 konnte eine unbekannte junge Schauspielerin nach der Uraufführung der Revue Es liegt in der Luft" mit dem Text von Marcellus Schiffer und der Musik von Mischa Spoliansky in der Komödie am Kurfürstendamm  ihren ersten großen Erfolg feiern. Die Das Terzett Wenn die beste Freundin mit Marlene Dietrich, Margo Lion und Oskar Karlweis gehört seither zu den unvergesslichen Songs.

 

Die Berliner Festwochen 1977 standen unter dem Thema Die Zwanziger Jahre. Eingeladen hatten wir Marlene Dietrich, Margo Lion und Mischa Spoliansky. Trotz intensiver Bemühungen ist es nicht gelungen, Marlene Dietrich zu einer Reise von Paris nach Berlin zu bewegen. Margo Lion in Paris, immer noch befreundet mit Marlene, versuchte es mit einigen Telefonaten. Auch Mischa Spoliansky in London bekam keine Zusage. So traten Margo Lion und Mischa Spoliansky ohne die „beste Freundin“ im Renaissancetheater auf - ein umjubeltes Konzert, bei dem aus Respekt vor Marlene Dietrich auf Das Lied von der besten Freundin verzichtet wurde. Am Ende des Abends geschah etwas ganz Ungewöhnliches: „Brova Mischa! Bravo Margo!", schrie der Kritiker Friedrich Luft aus dem Saal. Es lag alles plötzlich wieder in der Luft.

 

Mischa Spoliansky starb 1985 in London, Margo Lion 1989 in Paris. Geblieben ist der letzte gemeinsame Auftritt - auf Schallplatte.

 

 

Die Originalaufnahme von 1928

Hier stehe ich an den Marken meiner Tage. FAZ, 12.10.2006

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