Ottomar Anschütz (1846-1907)

 

Am 24. Juli 2016 erreichte uns folgende Nachricht: Ich bin entsetzt über die Vorgänge in Berlin. Wie kann man eine Persönlichkeit wie Ottomar Anschütz nur so behandeln und aus der Ehrengräberliste streichen. Ottomar Anschütz war der erste Photograph der Welt, der

 

* fliegende Störche photographiern konnte

* die ersten Flugversuche von Otto Lilienthal auf dem Fliegeberg in Lichterfelde photographierte

* die ersten Kinovorstellungen der Welt am 25. November 1894 und am 22. März 1895 in Berlin ermöglichte

* die erste Pressekamera der Welt erfand, die von der Firma Goerz Friedenau produziert und weltweit vertrieben wurde

* mit seinen Photographien den Besuchern des Bundestages noch heute von der Grundsteinlegung des Reichstagsgebäudes berichtet

 

Holger Anschütz, Urenkel

 

Das Land Berlin hat der Grabstätte des Foto-Pioniers Ottomar Anschütz auf dem Friedhof Stubenrauchstraße im Herbst 2009 den Status als Ehrengrabstätte aberkannt. Unmittelbar danach stellte das zuständige Bezirksamt die Pflege ein und überließ das Grab dem Verfall. Zu den einmaligen Fotografien von Ottomar Anschütz (1846-1907) gehören seine Serienaufnahmen vom 29. Juni 1895. Am „Fliegeberg“ in Lichterfelde sind Otto Lilienthal Flüge bis zu 80 Meter Weite gelungen – fotografiert von Ottomar Anschütz. Für Bundesfinanzministerium und Deutsche Post Anlass genug, diesen „ersten Gleitflug“ im Jahr 2016 mit einer Sonderbriefmarke zu würdigen, für deren grafische Gestaltung die Fotos von Anschütz die Grundlage bildeten.

 

Da die Proteste aus dem In- und Ausland gegen die Aberkennung der Ehrengrabstätte unüberhörbar wurden, ließ die Senatskanzlei im Juni 2018 wissen, „dass die Anerkennung der Grabstätte von Ottomar Anschütz als Ehrengrabstätte des Landes Berlin [für Herbst 2018 wieder] vorgesehen ist“. Schönebergs Bezirksstadträtin Christiane Heiß teilte dazu am 07.06.2018 mit, dass „das Grab aber aufgrund fehlender Ressourcen nicht gepflegt werden kann. Das Bezirksamt sieht auch keine Möglichkeit, eigene Instandsetzungsmaßnahmen durchzuführen“.

 

Weiteres Material zu Ottomar Anschütz finden Sie unter dem Menüpunkt Friedenau-Wielandstraße, seiner letzten Wohnadresse in Friedenau.

Druckversion Druckversion | Sitemap
© friedenau-aktuell, 2017