Station Wilmersdorf-Friedenau

Güterbahnhof Wilmersdorf. Foto Lars Molzberger, 1997

 

Noch bevor Berlin 1871 Hauptstadt wurde, entschied sich der preußische Staat 1862 zum Bau einer niveaufreien Bahntrasse – der heutigen Ringbahn. Zwischen Kaiserallee (heute Bundesallee) und Handjerystraße wurde der bis heute erhaltende Viaduktbau erforderlich. Gleich nebenan entstand zwischen Lauter- und Friedenauer Straße (heute Hauptstraße) der „Güterbahnhof Wilmersdorf“.

Mit Inbetriebnahme der Ringbahn im November 1877 bekam die Gegend auch eine Haltestelle, die 1881 den Doppelnamen „Wilmersdorf-Friedenau“ erhielt. Nach dem viergleisigen Ausbau des Ringes wurde am 1. Mai 1892 ein neues Stationsgebäude eröffnet. Nach Angaben von Lars Molzberger (www.berliner-stellwerke.de) befand es sich ungefähr in Höhe des Gleisabschlüsse (auch Prellböcke genannt) der heutigen Kehranlage. Auf dem Bahnhof Wilmersdorf-Friedenau steuerten ab ca. 1901 drei Stellwerke den Betriebsablauf: das Befehlsstellwerk Wl (Wilmersdorf) an der Handjerystraße, das Wärterstellwerk Wot (Wilmersdorf Ostturm) an der Hauptstraße und das Befehlsstellwerk Wlb (Wilmersdorf Bahnsteig) auf dem Bahnhof Wilmersdorf-Friedenau für den Personenverkehr der Ringbahn.

Der Eingang zum Personenbahnhof befand sich zwischen Kaiserallee und Handjerystraße, vor jenem Platz, an dem heute Sieglinde-, Isolde- und Brünnhildestraße aufeinandertreffen – seit dem 1. Mai 1983 Varziner Platz genannt. Übriggeblieben von diesem ehemaligen Bahnhofseingang ist einzig der „Tunneldurchgang“ vom Varziner Platz in Friedenau zur Bernhardstraße in Schöneberg. Zum Fahrplanwechsel 1938 wurde aus dem Ringbahnhof „Wilmersdorf-Friedenau“ der S-Bahnhof „Wilmersdorf“.

Ende der 1950er Jahre wurde mit dem Bau der Stadtautobahn begonnen. Die Trasse verläuft in weiten Teilen parallel zum S-Bahn- und Eisenbahnring. Dem Mauerbau von 1961 und der von der Ostberliner Deutschen Reichsbahn veranlassten Netztrennung folgte der Westberliner S-Bahn-Boykott. Bereits Mitte der 1960er Jahre ließ die BVG als Ersatz zur S-Bahn die Buslinie A65 vom Wedding über den Stadtring West nach Tempelhof einrichten. Aus dieser Zeit stammen auf der Stadtautobahn die bis heute erhaltenen Haltestellenbuchten mit den Treppenhäusern für den Zu- und Abgang – so auch die Haltebuchten an der Bundesallee und im Autobahntunnel Innsbrucker Platz.

Mit dem Streik der West-Berliner Reichsbahn-Eisenbahner vom September 1980 wurde der gesamte West-Berliner S-Bahn-, Eisenbahn- und Transitverkehr mit der Bundesrepublik lahmgelegt. Danach wurde der Verkehr auf der „westlichen“ Ringbahn nicht wieder aufgenommen. 1984 sah sich der Senat gezwungen, die Betriebsrechte der S-Bahn in Westberlin von der Reichsbahn zu übernehmen. Mit dem Wiederaufbau des Südrings wurde erst kurz vor der Wiedervereinigung begonnen.

Mit der Wiederaufnahme des S-Bahn-Verkehrs auf der Ringbahn am 17. Dezember 1993 wurde der S-Bahnhof von 1892 abgerissen und um rund 110 Meter nach Westen zum Bundesplatz hin verlegt. Die neue S-Bahn-Station wurde am 17. Dezember 1993 unter dem neuen Namen „Bundesplatz“ eröffnet. Dort gab es seit dem 29. Januar 1971 den U-Bahnhof der Linie U9, mit dem ein zügiges Umsteigen zwischen S- und U-Bahn möglich wurde. Die Buslinie A65 wurde nach und nach eingestellt. Die Bus-Haltestellen auf der Stadtautobahn sind geblieben – und überflüssig.

An den Fernbahngleisen, südöstlich des heutigen S-Bahnhofs, befindet sich der ehemalige Güterbahnhof Wilmersdorf. Nach Aufgabe des Güterbahnhofs wurden um 2008 die Gleisanlagen abgebaut. Im Jahr 2010 wurde das 58.000 m² große Gelände von der Deutschen Bahn verkauft. Das markante turmartige Stellwerk des Architekten Rainer G. Rümmler von 1971 wurde im Frühjahr 2014 abgerissen. Die Freistellung des Geländes von Bahnbetriebszwecken erfolgte durch Beschluss des Eisenbahn-Bundesamtes am 6. Oktober 2015.

 

Von 2007 bis 2016

 

Elke Ahlhoff (SPD) und Andreas Baldow (SPD) waren es, die am 19. September 2007 das Bezirksamt aufforderten, „unverzüglich die Freistellung von Bahnbetriebszwecken (für den Güterbahnhof Wilmersdorf) zu betreiben, dieses Gelände aus der Planfeststellung zu entlassen und die Flächen einer geordneten städtebaulichen Entwicklung zuzuführen“.

Die Genossen waren offensichtlich gut informiert, denn zwischen Dezember 2003 und November 2006 hatte die DB Services Immobilien GmbH von der Gesellschaft für Gesamtverkehrsplanung (GRI) Gutachten für das Gelände des Güterbahnhofs Wilmersdorf zu Lärm und Verkehr erbeten.

Andreas Baldow, Angestellter im Stadtentwicklungsamt, war bis 2009 Mitglied der SPD-Fraktion. Inzwischen ist er bei der CDU. Elke Ahlhoff trat 2013 „nur aus persönlichen Gründen“ als Vorsitzende der SPD-Fraktion zurück – „für viele Parteifreunde überraschend“.

Laut Handelsregister-Neueintragung vom 30.11.2015 ist Elke Ahlhoff Geschäftsführerin der „ArbeitGestalten Beratungsgesellschaft mbH Berlin“. Ihr „Unternehmen ist in der Entwicklung, Akquisition und Durchführung von Branchenentwicklungen und Modellprojekten zur Förderung von Beschäftigung, Qualifizierung und Chancengleichheit in Wirtschaft und Gesellschaft tätig“.

Ihre Firma war geradezu prädestiniert, Stunden vor der Wahl des bisherigen Immobilienhändlers Jörn Oltmann (GRÜNE) zum Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung am 16. November 2016 für dessen „MCA Berlin Immobilien GmbH“ die „sofortige Liquidation der Gesellschaft“ zu übernehmen.

Es war klar, dass Oltmann seinen Job aufgeben musste, da er als Stadtentwickler nicht parallel dazu die Immobilien-Geschäfte betreiben konnte. Nicht einleuchtend ist allerdings, dass als Liquidatorin Elke Ahlhoff benannt wurde. Ihr Unternehmen beschäftigt sich doch eigentlich mit der „Förderung von Beschäftigung“. Was aber hat das mit Immobilien gemein, wo es um Vermietung von Wohnungen und Gewerbe, um Baubetreuung, Erschließung und Sanierung geht? Der Filz wird immer dichter.

 

SPD-Antrag Ahlhoff/Baldow 19.09.2007

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Bezirksamt am 09.02.2009

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Beteiligung der Öffentlichkeit

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Dokumentation der Infoveranstaltungen

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Alternative für den Güterbahnhof Wilmersdorf

 

Der Neubauwahn engt die Freiräume für die Allgemeinheit zunehmend ein. Die letzten Freiflächen werden zu einem bedrohten Gut. Mit dem geplanten Wohnhaus in einem Hinterhof des Bayerischen Viertels wird das verengte Konzept der Politik erschreckend deutlich. Die Vereinnahmung und Kommerzialisierung der 6,4 ha des ehemaligen Güterbahnhofs Wilmersdorf durch die BÖAG und den Bau von 940 Wohnungen für über 2000 Menschen zzgl. Kraftfahrzeugen verschärft die sozialen und ökologischen Probleme.

Der Landesentwicklungsplan Berlin-Brandenburg hat darauf reagiert und zwischenzeitlich Grundzüge festgelegt. Danach sind „ausreichende Entwicklungsspielräume für Wohnsiedlungen insbesondere dort gegeben, wo gute Verkehrsanbindungen bestehen. Dies gilt für die vom Schienenverkehr gut erschlossenen Teile von Berlin und des Umlands“.

 

Unser Vorschlag

 

Die Struktur des Geländes „Ehemaliger Güterbahnhof Wilmersdorf“ bleibt erhalten. Sichtbar bleibt damit ein Detail der Berliner Entwicklungsgeschichte. Dazu gehören die Zugänge von der Haupt- und Handjerystraße und die Verkehrswege innerhalb des Areals mit der Kopfsteinpflasterung.

Die wesentlichen Gleisführungen und Verladerampen bleiben erhalten. Güterschuppen und Gleichstromgebäude werden einer kulturellen Nutzung zugeführt. Damit wird – nach dem Wegfall des Bürgersaals im Rathaus Friedenau – ein erforderliches Äquivalent geschaffen.

Auf der Verkehrs- und Ladefläche entstehen zwei Sport- und Spielplätze, mit denen das Friedenauer Defizit einigermaßen abgedeckt werden kann. Diese Plätze können ohne irgendwelche Beschränkungen von Anwohnern bzw. vom „Friedenauer TSC“ genutzt werden. Der Lärmschutz kann vernachlässigt werden, da die Kicker den Platz nur stundenweise nutzen – und sich seit Jahren auf dem Fußballplatz an der Lauterstraße vom Lärm nicht haben stören lassen.

Die Zugänge über die „Straße am Güterbahnhof“ von der Hauptstraße und von der Handjerystraße bleiben erhalten. Ein Treppen-Zugang von der Lauterstraße ist vorzusehen. Das Gelände ist autofrei zu halten. Das ist zumutbar, da das Areal von zwei S- und U-Bahnhöfen (Bundesplatz und Innsbrucker Platz) und diversen Buslinien zu erreichen ist.

Der grüne Wildwuchs wird grundsätzlich erhalten, insbesondere auch in den ehemaligen Gleisbetten vor den Verladerampen. Eine Ergänzung durch Grün sollte erfolgen. Berücksichtigt werden sollte jedenfalls, dass sich diese grüne „Landschaftsgestaltung“ eher am Charakter von „Wildwuchs“ als den heute üblichen lackierten Gestaltungskriterien orientiert.

 

Güterbahnhof IST-Zustand 2016, Foto H&S, 2002
Güterbahnhof Alternative. Bearbeitung H&S, 2016

 

Das ROT-GRÜNE Friedenau der Zukunft

 

Die bestellten Gutachten

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Einwendung Isabell Franke

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Einwendung Manfred Gill

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Einwendungen Peter Hahn

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Einwendung Michael Ickes

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Einwendung Dr. Christian G. Pätzold

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Einwendung Jörg F. Simon

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Einwendung Jürgen Stich

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Abwägung Bezirksamt 1, Teil

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Abwägung Bezirksamt 2. Teil

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Abwägung Bezirksamt 3. Teil

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Spatenstich auf dem Bahndamm

 

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) ist – obwohl auf der Einladung großartig angekündigt – schon gar nicht erst erschienen! Dem Spatenstich auf der „Friedenauer Höhe“ am 16. September 2016 fehlte damit der ganz große „Glanz“. Zwei Tage vor der Berliner Wahl hat sich „Müller, Berlin“ entschieden, dem Baustart auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs Wilmersdorf fernzubleiben. Die Enttäuschung war dem BÖAG-Chef Lars Böge anzusehen. Senatorin Dilek Kolat (SPD) und Staatssekretär Engelbert Lütke Daldrup (SPD) waren ein schwacher Ersatz.

Und wer fehlte noch? Die Friedenauer selbst, denen Bezirk und BÖAG ein wahnwitziges Bauprojekt mit 940 Wohnungen vor die Nase setzen wollen. Sie waren nicht eingeladen worden. Die Betroffenen wollte man beim Spatenstich nicht dabei haben. Sogar die unmittelbaren Nachbarn aus der Bennigsenstraße mussten draußen bleiben. Groß ist offenbar die Furcht von Investor und Politikern vor dem Unmut der Bürger. Grünflächen werden zugebaut, Luftschneisen zerstört und zukünftiges Verkehrschaos provoziert.

„Die feiern sich doch nur selbst“, war von denen zu hören, die beim Spatenstich ausgeladen waren. Polizei und Sicherheitsdienst schirmten die Gesellschaft ab. Wer durchkam, gehörte „dazu“: In der Mehrheit waren es Immobilienhändler und Bauleute, die „Pinguine“, wie sie eine Besucherin ob der schwarzen Einheitsanzüge spöttisch bezeichnete. Und natürlich die ganz große Politik: Neben Kolat und Lütke Daldrup waren Bürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD), die Stadträte Sibyll Klotz (GRÜNE), Jutta Kaddatz (CDU) und Daniel Krüger (CDU) sowie Matthias Geisthardt (SPD-Friedenau), Christoph Götz (SPD, BVV) und Ralf Kühne (GRÜNE, BVV), Jörn Oltmann (GRÜNE, BVV) und Annabelle Wolfsturm (GRÜNE, BVV) erschienen. Auch die der Rot-Grünen-Zählfraktion nahestehenden Ottmar Fischer und Joachim Glässel von der BI Breslauer Platz und Evelyn Weissberg vom Verlag Friedenauer Brücke waren gebeten und vom Investor herzlich begrüßt worden. Man kennt und schätzt sich in diesen Kreisen.

Die Reden zum „Wahlkampf-Spatenstich“ auf der „Friedenauer Höhe“ von Böge, Lütke Daldrup und Klotz sind schnell zusammengefasst. Das geplante Wohngebiet an Autobahn, S-Bahn und Güterzugtrasse sei beispielhaft für die neue Wohnungsbaupolitik Berlins. Was alle drei Redner in geradezu grotesker Überzeichnung hervorhoben: Die Friedenauer seien umfassend in die Planungen eingebunden gewesen, viele Anregungen aus der Bürgerschaft seien umgesetzt worden. Das wurde so lange gebetsmühlenartig wiederholt, bis klar war: Da ist was faul. Wer die Bürger außen vor läßt, der hatte auch davor schon wenig mit ihren Ansichten und Wünschen im Sinn.

Wie es um das umstrittene Projekt wirklich steht, konnte man nur zwischen den Zeilen erahnen. Investor Lars Böge dämpfte „Hoffnungen“, dass es mit dem Bau bald losgehen wird. Das ließ aufhorchen, besonders als Staatssekretär Lütke Daldrup forderte, „in zwei bis drei Jahren müssen die Wohnungen stehen. Wir dürfen hier nicht lange über Bodenpreise philosophieren und über die Maximierung von Erträgen“. Das aber ist die Strategie des Investors. Was viele Friedenauer befürchten, wurde nun offen ausgesprochen. Die Freifläche des ehemaligen Güterbahnhofs Wilmersdorf ist zum Spekulationsobjekt gemacht worden – mit Unterstützung der Bezirksfraktionen von SPD, Grünen und CDU.

So war der feierliche Spatenstich auf der „Friedenauer Höhe“ am Ende ein wenig feierliches Ereignis. Abgeschottet vom Rest der Welt, begaben sich die Gäste schließlich zum Buffet. Angerichtet hatte den kulinarischen Schlusspunkt „natürlich“ Berlins erste Catering-Adresse, das KaDeWe. Man lässt sich nicht lumpen. Das erwartete Medieninteresse hielt sich sehr in Grenzen. Weder der öffentlich-rechtliche Staatssender rbb noch die Berliner Tageszeitungen hielten ihr Erscheinen für erforderlich – ganz zu schweigen von den überregionalen Blättern. Da wir den nicht-geladenen Friedenauer Bürgern einen ungetrübten Eindruck geben wollen, haben wir dieses „Event“ dokumentiert.

 

Anmerkung: Zur Vollständigkeit der Berichterstattung gehört, dass nach dem offiziellen Foto zum Spatenstich noch zwei weitere PR-Spatenstiche „organisiert“ wurden. Aus urheberrechtlichen Gründen dürfen wir diese Fotos nicht veröffentlichen. Auf https://www.facebook.com/joern.oltmann finden Sie das Foto mit Martina Zander-Rade, Annabelle Wolfsturm, Dr. Sibyll Klotz, Jörn Oltmann, Catherina Pieroth-Manelli (alle BÜNDNIS90/GRÜNE) und Lars Böge (Vorstand BÖAG). Auf https://www.facebook.com/friedenauspd/ finden Sie das Foto mit Michael Streithorst und Lars Böge (beide Vorstand BÖAG) sowie Bürgermeisterin Angelika Schöttler, SPD-Kreisvorsitzende Dilek Kolat und Staatssekretär Engelbert Lütke Daldrub.

 

 

Die Reden zum Spatenstich als Video-Dokument

 

Entsorgt: Güterbahnhof Wilmersdorf. Foto H&S, 9.3.2017

Der nächste Akt

 

Auf Umwegen haben wir von der hier abgebildeten Einladung zu einer Baustellenbesichtigung auf dem ehemaligen Güterbahnhof Wilmersdorf Kenntnis erhalten. Da diese Einladung nach unserer Kenntnis nur an einen „ausgewählten“ Personenkreis ergangen ist, machen wir sie hiermit öffentlich, weil sie sich offenbar an alle Friedenauer richtet, denn wenn „der Bezirk“ einlädt, dann sind doch wohl ganz allgemein die Bürger angesprochen. Alle, die Interesse an dem umstrittenen Bauprojekt haben, sollten sich demnach am 5. Juli um 17.30 Uhr auf dem Gelände einfinden.

 

Selbstredend enthält die Einladung einige Ungereimtheiten. Geladen wird auf die „Friedenauer Höhe“, eine Marketingbezeichnung für einen aufgeschütteten Bahndamm. Das ist eher peinlich! Einlader ist neben den „Investoren“ BÖAG und HELABA Immobiliengruppe OFB Projektentwicklung auch „Der Bezirk“, also nicht die von den Bürgern durch Wahl bestimmte Bezirksverordnetenversammlung oder das fachlich zuständige Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg. Wer ist „Der Bezirk“? Im Zweifel die Bürger, die also allen Anlass haben, sich auf dem inzwischen abgerodeten Gelände über die „Projektfortschritte“ zu informieren.

 

Mit dabei ist Bezirksstadtrat Jörn Oltmann, der maßgebliche Beförderer des Immobiliencoups in Friedenau. Bis wenige Stunden vor seiner Wahl im November 2016 war er Immobilienhändler. Nun setzt er seine „Arbeit“ als Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung und Bauen in Tempelhof-Schöneberg fort. Dass dies für Bündnis90/Die Grünen geschieht, ist bedenkenswert, werden doch nun Grünfläche und Luftschneise vernichtet, die für Friedenau bitter nötig gewesen wäre.

 

Eingeladen sein wird wohl auch „Malmendier Partners“, eine „Partnerschaft von Rechtsanwälten mit beschränkter Berufshaftung“ mit Sitz am Kurfürstendamm, deren Anwälte Dr. Bertrand Malmendier, Dr. Mathias Hellriegel, Dr. Jörg Schendel, Dr. Henrike Maaß, Dr. Michael Wild und Dr. Lisa Teichmann bereits das Bezirksamt für den „Bebauungsplan 7-68“ beraten haben und nun „die BÖAG AG bei der Entwicklung des Güterbahnhofs Wilmersdorf in Friedenau beraten“.

 

 

 

Die Bahn baut den Südring aus

 

 

Über die reaktivierten Gleise im Abschnitt Halensee – Tempelhof – Baumschulenweg kann der südliche Innenring mit Zügen aus allen Himmelsrichtungen befahren werden: Aus dem Süden, Westen und Norden von Grunewald, Spandau und Pankow über Halensee sowie aus dem Osten vom Grünauer Kreuz über Baumschulenweg und Tempelhof nach Halensee. Noch sind die zweigleisige Strecke Halensee-Tempelhof und das eingleisige Teilstück Tempelhof-Baumschulenweg nicht attraktiv, da die Strecke nicht elektrifiziert ist und für das Umleiten von Zügen über den Südring jeweils eine Diesellok angekoppelt werden müsste.

 

Die Elektrifizierung des Abschnitts Halensee – Tempelhof – Baumschulenweg hat allerdings eine wesentliche Änderung der Bahnanlagen zur Folge, mit der zusätzliche Emissionen aus Lärm und Erschütterung verbunden sind. Ein langwieriges Planfeststellungsverfahren ist unumgänglich.

 

Eine Elektrifizierung der bestehenden Gleise von Tempelhof über Neukölln und den Güterbahnhof Treptow nach Frankfurter Allee und Lichtenberg ist (bisher!) nicht vorgesehen. Der Betrieb auf der Verbindungskurve zur Wannseebahn bzw. Stammbahn in Schöneberg soll (bisher!) nicht aufgenommen werden. Die Verbindungskurve von Tempelhof zur Anhalter Bahn nach Mariendorf bleibt bestehen. Über eine Elektrifizierung ist (bisher!) nichts bekannt geworden. Fakt ist allerdings, dass die Deutsche Bahn für betriebene und derzeit nicht betriebene Gleisanlagen auf Bestandschutz setzt und sich alle Optionen offenhält.

 

SPD und GRÜNE von Tempelhof-Schöneberg wollen die Probleme nicht sehen – und von den Sorgen der Anwohner nichts wissen. Zu Stadtautobahn und Ringbahn kommt mit der Bahntrasse noch mehr Lärm und Schmutz hinzu. Macht nichts, 235 von 940 Wohnungen sind „bezahlbar“, „sozial“ und „gefördert“ – für 20 Jahre. Das muss dieser „Klientel“ wohl reichen, meinen Politik und Investoren. 705 von 940 Wohnungen vermieten oder verkaufen BÖAG und Helaba an irgendwelche Anleger von irgendwoher, die niemals selbst dort wohnen werden.

 

Das vom Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg wohl für gut befundene Marketinglabel „Friedenauer Höhe“ ist Lug und Trug oder auch List und Täuschung, da das Quartier doch nur auf einem aufgeschüttetem Bahndamm entstehen soll. Es reicht SPD und GRÜNEN immer noch nicht aus, dass kürzlich ein Anwohner aus der Isoldestraße in seiner Wohnung deutliche Erschütterungen durch den Güterverkehr wahrgenommen hatte. Und es reicht ihnen auch noch nicht aus, dass die Deutsche Bahn in ihrer Antwort diese Wahrnehmung bestätigt: „Zu diesem Zeitpunkt passierte ein äußerst schwer beladener Güterzug das Bahngelände“.

 

Das Eisenbahnnetz von Berlin seit 1888

 

Weiteres folgt!

 

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