Gelände des ehemaligen Güterbahnhof Wilmersdorf (Friedenau). Foto Peter Hahn, 2002

 

Geschichte Güterbahnhof Wilmersdorf-Friedenau

 

Noch bevor Berlin 1871 Hauptstadt wurde, entschied sich der preußische Staat 1862 zum Bau einer niveaufreien Bahntrasse – der heutigen Ringbahn. Zwischen Kaiserallee (heute Bundesallee) und Handjerystraße wurde der bis heute erhaltende Viaduktbau erforderlich. Gleich nebenan entstand zwischen Lauter- und Friedenauer Straße (heute Hauptstraße) der „Güterbahnhof Wilmersdorf“.

Mit Inbetriebnahme der Ringbahn im November 1877 bekam die Gegend auch eine Haltestelle, die 1881 den Doppelnamen „Wilmersdorf-Friedenau“ erhielt. Nach dem viergleisigen Ausbau des Ringes wurde am 1. Mai 1892 ein neues Stationsgebäude eröffnet. Nach Angaben von Lars Molzberger von der AG Berliner Stellwerke befand es sich ungefähr in Höhe des Gleisabschlüsse (auch Prellböcke genannt) der heutigen Kehranlage. Auf dem Bahnhof Wilmersdorf-Friedenau steuerten ab ca. 1901 drei Stellwerke den Betriebsablauf: das Befehlsstellwerk Wl (Wilmersdorf) an der Handjerystraße, das Wärterstellwerk Wot (Wilmersdorf Ostturm) an der Hauptstraße und das Befehlsstellwerk Wlb (Wilmersdorf Bahnsteig) auf dem Bahnhof Wilmersdorf-Friedenau für den Personenverkehr der Ringbahn.

Der Eingang zum Personenbahnhof befand sich zwischen Kaiserallee und Handjerystraße, vor jenem Platz, an dem heute Sieglinde-, Isolde- und Brünnhildestraße aufeinandertreffen – seit dem 1. Mai 1983 Varziner Platz genannt. Übriggeblieben von diesem ehemaligen Bahnhofseingang ist einzig der „Tunneldurchgang“ vom Varziner Platz in Friedenau zur Bernhardstraße in Schöneberg. Zum Fahrplanwechsel 1938 wurde aus dem Ringbahnhof „Wilmersdorf-Friedenau“ der S-Bahnhof „Wilmersdorf“.

Ende der 1950er Jahre wurde mit dem Bau der Stadtautobahn begonnen. Die Trasse verläuft in weiten Teilen parallel zum S-Bahn- und Eisenbahnring. Dem Mauerbau von 1961 und der von der Ostberliner Deutschen Reichsbahn veranlassten Netztrennung folgte der Westberliner S-Bahn-Boykott. Bereits Mitte der 1960er Jahre ließ die BVG als Ersatz zur S-Bahn die Buslinie A65 vom Wedding über den Stadtring West nach Tempelhof einrichten. Aus dieser Zeit stammen auf der Stadtautobahn die bis heute erhaltenen Haltestellenbuchten mit den Treppenhäusern für den Zu- und Abgang – so auch die Haltebuchten an der Bundesallee und im Autobahntunnel Innsbrucker Platz.

Mit dem Streik der West-Berliner Reichsbahn-Eisenbahner vom September 1980 wurde der gesamte West-Berliner S-Bahn-, Eisenbahn- und Transitverkehr mit der Bundesrepublik lahmgelegt. Danach wurde der Verkehr auf der „westlichen“ Ringbahn nicht wieder aufgenommen. 1984 sah sich der Senat gezwungen, die Betriebsrechte der S-Bahn in Westberlin von der Reichsbahn zu übernehmen. Mit dem Wiederaufbau des Südrings wurde erst kurz vor der Wiedervereinigung begonnen.

Mit der Wiederaufnahme des S-Bahn-Verkehrs auf der Ringbahn am 17. Dezember 1993 wurde der S-Bahnhof von 1892 abgerissen und um rund 110 Meter nach Westen zum Bundesplatz hin verlegt. Die neue S-Bahn-Station wurde am 17. Dezember 1993 unter dem neuen Namen „Bundesplatz“ eröffnet. Dort gab es seit dem 29. Januar 1971 den U-Bahnhof der Linie U9, mit dem ein zügiges Umsteigen zwischen S- und U-Bahn möglich wurde. Die Buslinie A65 wurde nach und nach eingestellt. Die Bus-Haltestellen auf der Stadtautobahn sind geblieben – und überflüssig.

An den Fernbahngleisen, südöstlich des heutigen S-Bahnhofs, befindet sich der ehemalige Güterbahnhof Wilmersdorf. Nach Aufgabe des Güterbahnhofs wurden um 2008 die Gleisanlagen abgebaut. Im Jahr 2010 wurde das 58.000 m² große Gelände von der Deutschen Bahn verkauft. Das markante turmartige Stellwerk des Architekten Rainer G. Rümmler von 1971 wurde im Frühjahr 2014 abgerissen. Die Freistellung des Geländes von Bahnbetriebszwecken erfolgte durch Beschluss des Eisenbahn-Bundesamtes am 6. Oktober 2015.

 

 

 

Weiteres in Vorbereitung

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