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Güterbahnhof Wilmersdorf

Entsorgt

Aufnahme vom September 2016. Foto H&S

 

Vom Güterbahnhof „Wilmersdorf-Friedenau“ ist nichts mehr geblieben. Nach dem Abbau der Gleisanlagen kam der Abriss des markanten Turmstellwerks von Architekt Rainer G. Rümmler und nun des Güterschuppens. Das Grün ist gerodet und demnächst wird wohl auch das Kopfsteinpflaster auf Nimmerwiedersehen entsorgt. Auf dem Gelände werden die in ihrer Einfältigkeit kaum noch zu überbietenden belanglosen Bauten von „Grüntuch-Ernst Architekten“ entstehen. Der von Rot-Grün subventionierte Hofberichterstatter der „Stadtteilzeitung“ Ottmar Fischer erfand dafür die einfältige Schlagzeile „Friedenau bekommt ein Kind“. So sicher wie das Amen in der Kirche ist, dass SPD und GRÜNE von Tempelhof-Schöneberg das lärmumtoste Areal „Friedenauer Höhe“ nennen werden. Ein Bahndamm parallel zur Autobahn bleibt es allemal.

 

Aufnahme vom 9. März 2017. Foto H&S

Zur Geschichte des Güterbahnhofs Wilmersdorf

Blick auf das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs Wilmersdorf. Im Vordergrund der Volkspark Wilmersdorf und das RIAS-Gebäude. Dahinter Wexstraße, Stadtautobahn, S-Bahnhof und Bahngelände. In der Bildmitte BCI und „Atomhochhaus“. Am rechten Bildrand Lauterstraße und Perelsplatz. Foto: H&S, 2002.

Der Güterbahnhof Wilmersdorf. Foto: Lars Molzberger, 2. August 1997 (www.berliner-stellwerke.de)

Noch bevor Berlin 1871 Hauptstadt wurde, entschied sich der preußische Staat 1862 zum Bau einer niveaufreien Bahntrasse – der heutigen Ringbahn. Zwischen Kaiserallee (heute Bundesallee) und Handjerystraße wurde der bis heute erhaltende Viaduktbau erforderlich. Gleich nebenan entstand zwischen Lauter- und Friedenauer Straße (heute Hauptstraße) der „Güterbahnhof Wilmersdorf“.

Mit Inbetriebnahme der Ringbahn im November 1877 bekam die Gegend auch eine Haltestelle, die 1881 den Doppelnamen „Wilmersdorf-Friedenau“ erhielt. Nach dem viergleisigen Ausbau des Ringes wurde am 1. Mai 1892 ein neues Stationsgebäude eröffnet. Nach Angaben von Lars Molzberger (www.berliner-stellwerke.de) befand es sich ungefähr in Höhe des Gleisabschlüsse (auch Prellböcke genannt) der heutigen Kehranlage. Auf dem Bahnhof Wilmersdorf-Friedenau steuerten ab ca. 1901 drei Stellwerke den Betriebsablauf: das Befehlsstellwerk Wl (Wilmersdorf) an der Handjerystraße, das Wärterstellwerk Wot (Wilmersdorf Ostturm) an der Hauptstraße und das Befehlsstellwerk Wlb (Wilmersdorf Bahnsteig) auf dem Bahnhof Wilmersdorf-Friedenau für den Personenverkehr der Ringbahn.

Der Eingang zum Personenbahnhof befand sich zwischen Kaiserallee und Handjerystraße, vor jenem Platz, an dem heute Sieglinde-, Isolde- und Brünnhildestraße aufeinandertreffen – seit dem 1. Mai 1983 Varziner Platz genannt. Übriggeblieben von diesem ehemaligen Bahnhofseingang ist einzig der „Tunneldurchgang“ vom Varziner Platz in Friedenau zur Bernhardstraße in Schöneberg. Zum Fahrplanwechsel 1938 wurde aus dem Ringbahnhof „Wilmersdorf-Friedenau“ der S-Bahnhof „Wilmersdorf“.

Ende der 1950er Jahre wurde mit dem Bau der Stadtautobahn begonnen. Die Trasse verläuft in weiten Teilen parallel zum S-Bahn- und Eisenbahnring. Dem Mauerbau von 1961 und der von der Ostberliner Deutschen Reichsbahn veranlassten Netztrennung folgte der Westberliner S-Bahn-Boykott. Bereits Mitte der 1960er Jahre ließ die BVG als Ersatz zur S-Bahn die Buslinie A65 vom Wedding über den Stadtring West nach Tempelhof einrichten. Aus dieser Zeit stammen auf der Stadtautobahn die bis heute erhaltenen Haltestellenbuchten mit den Treppenhäusern für den Zu- und Abgang – so auch die Haltebuchten an der Bundesallee und im Autobahntunnel Innsbrucker Platz.

Mit dem Streik der West-Berliner Reichsbahn-Eisenbahner vom September 1980 wurde der gesamte West-Berliner S-Bahn-, Eisenbahn- und Transitverkehr mit der Bundesrepublik lahmgelegt. Danach wurde der Verkehr auf der „westlichen“ Ringbahn nicht wieder aufgenommen. 1984 sah sich der Senat gezwungen, die Betriebsrechte der S-Bahn in Westberlin von der Reichsbahn zu übernehmen. Mit dem Wiederaufbau des Südrings wurde erst kurz vor der Wiedervereinigung begonnen.

Mit der Wiederaufnahme des S-Bahn-Verkehrs auf der Ringbahn am 17. Dezember 1993 wurde der S-Bahnhof von 1892 abgerissen und um rund 110 Meter nach Westen zum Bundesplatz hin verlegt. Die neue S-Bahn-Station wurde am 17. Dezember 1993 unter dem neuen Namen „Bundesplatz“ eröffnet. Dort gab es seit dem 29. Januar 1971 den U-Bahnhof der Linie U9, mit dem ein zügiges Umsteigen zwischen S- und U-Bahn möglich wurde. Die Buslinie A65 wurde nach und nach eingestellt. Die Bus-Haltestellen auf der Stadtautobahn sind geblieben – und überflüssig.

An den Fernbahngleisen, südöstlich des heutigen S-Bahnhofs, befindet sich der ehemalige Güterbahnhof Wilmersdorf. Nach Aufgabe des Güterbahnhofs wurden um 2008 die Gleisanlagen abgebaut. Im Jahr 2010 wurde das 58.000 m² große Gelände von der Deutschen Bahn verkauft. Die Freistellung des Geländes von Bahnbetriebszwecken erfolgte durch Beschluss des Eisenbahn-Bundesamtes am 6. Oktober 2015. Auf dem Gelände soll eine Siedlung mit 940 Wohnungen und damit für mehr als 2000 Menschen entstehen.

Das markante Gebäude mit dem turmartigen Stellwerk, dass nach Plänen des Architekten Rainer G. Rümmler errichtet wurde und von Juni 1971 bis etwa 2003 in Betrieb war, wurde im Frühjahr 2014 abgerissen. Sollte das Bauprojekt verwirklicht werden, müssten der noch vorhandene Güterschuppen sowie die gesamte Kopfsteinpflasterung des Geländes ebenfalls „entsorgt“ werden. Der Klinkerbau des Umspannwerks soll erhalten werden.

Aus allen vier Himmelsrichtungen

 

Über die reaktivierten Gleisanlagen kann der südliche Innenring mit Zügen aus allen vier Himmelsrichtungen befahren werden: Aus dem Süden von Grunewald über Halensee, aus dem Westen von Spandau, Westend und Halensee, aus dem Norden von Pankow über Gesundbrunnen, Westend und Halensee und aus dem Osten über Grünauer Kreuz, Schöneweide, Baumschulenweg, Köllnische Heide, Neukölln und Tempelhof nach Halensee.

Der fantastische Sound

 

Zu Stadtautobahn und S-Bahn kommt nun weiterer Lärm hinzu. Ab September rollen zwischen Halensee, Tempelhof und Neukölln wieder Güterzüge durch die Berliner Innenstadt – auch in der Nacht, mit polternden Waggons, ohrenbetäubendem Lärm und metallischen Schleifgeräuschen.

Über die reaktivierten Gleisanlagen kann der südliche Innenring mit Zügen aus allen vier Himmelsrichtungen befahren werden: Aus dem Süden von Grunewald über Halensee, aus dem Westen von Spandau, Westend und Halensee, aus dem Norden von Pankow über Gesundbrunnen, Westend und Halensee und aus dem Osten über Grünauer Kreuz, Schöneweide, Baumschulenweg, Köllnische Heide, Neukölln und Tempelhof nach Halensee.

Unter ziemlicher Geheimhaltung hat die Deutsche Bahn für Sonntag, den 4. September 2016, auf der Strecke Testfahrten angesetzt. Zwischen 15 und 17 Uhr schickte sie die relativ leise Diesellok „WFL 203/114-4“ über die neuen Gleise. Sie wurde 1971 vom VEB Lokomotivbau Hennigsdorf (LEW) an die Deutsche Reichsbahn (DR) ausgeliefert, 1998 ausgemustert, umgebaut und ist heute im Besitz der Wedler Franz Logistik GmbH & Co. KG (WFL) Potsdam.

Bekannt ist allerdings, dass auf einem Abstellgleis hinter dem S-Bahnhof Neukölln immer wieder eine „Attraktion“ abgestellt wird. Die dieselelektrische Lok mit der Betriebsnummer DSB MY 1151 wurde 1965 von der schwedischen Firma „Nydqvist och Holm AB“ (NOHAB) in Trollhättan gebaut. Seit 2012 ist sie im Besitz der „CLR - Cargo Logistic Rail“ in Barleben. Neben dem 50er Jahre-Design mit Rundnase und den trapezförmig nach unten gezogenen Frontscheiben des Führerstandes fällt diese Lok durch ihre weinrote Farbe auf. Wahre Begeisterung findet sie bei Motorenfreaks. Sie empfehlen „den fantastischen Sound des 16-Zylinder-Zweitakt-Diesels mit knapp 149 Litern Hubraum. Bei den NOHABs ist die Kraft erlebbar, der bullige Sound zu hören und gelegentlich auch zu riechen – Rußfilter gibt es keine.

Bisher übernahm die NOHAB 1151 jene Waggons mit Öl, Baustoffen und Hausmüllcontainer, den die „Neuköllln-Mittenwalder Eisenbahn-Gesellschaft AG“ von ihrem „Bahnhof Teltowkanal“ mit eigenen Diesellokomotiven über Gottlieb-Dunker-Brücke und Teltowkanal zum Güterbahnhof Neukölln fuhr. Die Weiterfahrt in Richtung Schöneweide und Grünau übernahm dann die NOHAB 1151. Da die Gleise nun nach beiden Richtungen an das Netz der DB angeschlossen sind, ist davon auszugehen, dass „der fantastische Sound“ der NOHAB 1151 demnächst auch auf der „Friedenauer Höhe“ zu vernehmen ist. „Friedenauer Höhe“, das muss erklärt werden: So nennen BÖ AG Beteiligungs-AG und Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg neuerdings ihr geplantes Wohngebiet auf dem ehemaligen Güterbahnhof Wilmersdorf – weil das Gelände sieben Meter höher als die Umgebung liegt.

 

Was auf der "Friedenauer Höhe" in Zukunft auch zu hören sein wird, ist auf You Tube bereits dokumentiert. Hier zwei Beispiele:

Testfahrten mit der Lok "WFL 203/114-4“ über die neuen Gleise am 4. September 2016

Neukölln-Halensee und zurück

Video von www.friedenau-aktuelle.de. Klicken Sie bitte auf den roten Button.

Für SPD und GRÜNE von Tempelhof-Schöneberg alles kein Problem. Sie verkaufen die Stadt, ignorieren die professionelle Gier und haben keine Antwort auf gar nichts. 940 Wohnungen entstehen, 25 Prozent davon, also 235 Wohnungen „bezahlbar“, „sozial“ und „gefördert“ - für 20 Jahre. Den kläglichen Rest von 705 Wohnungen vermietet oder verkauft die BÖ AG Beteiligungs-AG an irgendwelche Leute von irgendwoher.

Ab 8. September läuft in 16 Berliner Filmtheatern der Dokumentarfilm „Die Stadt als Beute“ von Andreas Wilcke, in dem u. a. Immobilienmakler zitiert werden: „Ich vertreibe Einkommensschichten, die sich die teure Mitte nicht leisten können, an den Rand“ oder „Muss ein Hartz IV-Empfänger am Potsdamer Platz wohnen?“ Schlimmer geht nimmer. „Berlin ist auf einem guten Kurs", sagte „Müller, Berlin" am vergangenen Sonntag. Wenn er sich da mal nicht täuscht.

Am 18. September 2016 findet die Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin und zu den Bezirksverordnetenversammlungen statt. Zwei Tage zuvor am 16. September um 13 Uhr laden BÖ AG, Michael Müller und Dr. Sibyll Klotz zum Spatenstich auf der "Friedenauer Höhe"
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© Peter Hahn