Bahn baut Südring aus

 

Zu Stadtautobahn und S-Bahn kommt weiterer Lärm hinzu. Ab September rollen zwischen Halensee, Tempelhof und Neukölln wieder Güterzüge durch die Innenstadt – auch in der Nacht, mit polternden Waggons, ohrenbetäubendem Lärm und metallischen Schleifgeräuschen. Über die reaktivierten Gleisanlagen kann der südliche Innenring mit Zügen aus allen Himmelsrichtungen befahren werden: Aus dem Süden von Grunewald, aus dem Westen von Spandau, aus dem Norden von Gesundbrunnen und aus dem Osten über Grünauer Kreuz, Schöneweide, Baumschulenweg, Köllnische Heide, Neukölln und Tempelhof. Unter ziemlicher Geheimhaltung hat die Deutsche Bahn für Sonntag, den 4. September 2016, auf der Strecke Testfahrten angesetzt. Zwischen 15 und 17 Uhr schickte sie die relativ leise Diesellok „WFL 203/114-4“ über die Gleise. Sie wurde 1971 vom VEB Lokomotivbau Hennigsdorf (LEW) an die Deutsche Reichsbahn (DR) ausgeliefert, 1998 ausgemustert, umgebaut und ist heute im Besitz der Wedler Franz Logistik GmbH & Co. KG (WFL) in Potsdam.

 

 

Bekannt ist allerdings, dass auf einem Abstellgleis hinter dem S-Bahnhof Neukölln immer wieder eine „Attraktion“ abgestellt wird. Die dieselelektrische Lok mit der Betriebsnummer DSB MY 1151 wurde 1965 von der schwedischen Firma „Nydqvist och Holm AB“ (NOHAB) in Trollhättan gebaut. Seit 2012 ist sie im Besitz der „CLR - Cargo Logistic Rail“ in Barleben. Neben dem 50er Jahre-Design mit Rundnase und den trapezförmig nach unten gezogenen Frontscheiben des Führerstandes fällt diese Lok durch ihre weinrote Farbe auf. Wahre Begeisterung findet sie bei Motorenfreaks. Sie empfehlen „den fantastischen Sound des 16-Zylinder-Zweitakt-Diesels mit knapp 149 Litern Hubraum. Bei den NOHABs ist die Kraft erlebbar, der bullige Sound zu hören und gelegentlich auch zu riechen – Rußfilter gibt es keine.

 

Bisher übernahm die NOHAB 1151 jene Waggons mit Öl, Baustoffen und Hausmüllcontainer, den die „Neuköllln-Mittenwalder Eisenbahn-Gesellschaft AG“ von ihrem „Bahnhof Teltowkanal“ mit eigenen Diesellokomotiven über Gottlieb-Dunker-Brücke und Teltowkanal zum Güterbahnhof Neukölln fuhr. Die Weiterfahrt in Richtung Schöneweide und Grünau übernahm dann die NOHAB 1151. Da die Gleise nun nach beiden Richtungen an das Netz der DB angeschlossen sind, ist davon auszugehen, dass „der fantastische Sound“ der NOHAB 1151 demnächst auch auf der „Friedenauer Höhe“ zu vernehmen ist. „Friedenauer Höhe“, das muss erklärt werden: So nennen BÖ AG Beteiligungs-AG und Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg neuerdings ihr geplantes Wohngebiet auf dem ehemaligen Güterbahnhof Wilmersdorf – weil das Gelände sieben Meter höher als die Umgebung liegt. Was auf der Höhe in Zukunft auch zu hören sein wird, ist auf You Tube bereits dokumentiert. Hier einige Beispiele:

 

https://www.youtube.com/watch?v=2e_tt7-JYHY

 

https://www.youtube.com/watch?v=bvR3nf_YYCE

 

https://youtu.be/D7q-RMAjfmI

 

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