Baustellenbegehung

 

Begegnung zweier S-Bahn-Züge am 5. Juli 2017 um 17.22 Uhr
Durchfahrt eines Güterzuges am 5. Juli 2017 um 17.23 Uhr

 

Ungünstiger hätte die Baustellenbegehung am 5. Juli 2017 nicht beginnen können. Zuerst begegneten sich um 17.22 Uhr zwei S-Bahnzüge und eine Minute später gab es um 17.23 Uhr die Durchfahrt eines Güterzuges. Versammelt hatten sich auf dem Bahndamm etwa 50 Personen, darunter BÖAG-Chef Lars Böge, sein neuer Partner von der HELABA-Immobiliengruppe, viel Bezirksamt, wenig BVV, das rot-grüne Sprachrohr Stadtteilzeitung, die überall mitmischen wollende Bürgerinitiative Breslauer Platz und kritische Anwohner. Die wurden in drei Gruppen aufgeteilt. Wir haben uns für die Gruppe von Investor Lars Böge entschieden, weil sich zu ihr auch Baustadtrat Jörn Oltmann (GRÜNE), Stadtentwicklungssprecher Christoph Götz (SPD) und der HELABA-Abgesandte gesellte.

 

So euphorisch wie beim Spatenstich am 16. September 2016 klang Lars Böge nicht mehr. Motto: „Die Mühen der Gebirge liegen hinter uns, vor uns liegen die Mühen der Ebenen.“ Es mag daran liegen, dass sich entgegen aller Erwartungen keine der städtischen Wohnungsbaugesellschaften von Berlin, weder DEGEWO, GESOBAU, GEWOBAG, HOWOGE, STADT UND LAND noch WBM, an dem Bauprojekt beteiligt. Wir haben die Ausführungen von BÖAG-Vorstand Lars Böge auf Video dokumentiert und geben hier die wesentlichen Punkte stichwortartig wieder:

 

Vegetation: Für die inzwischen gefällte/entfernte Vegetation wird es Ersatzpflanzungen geben.

 

Baustraße: Für den Bau wird es eine (einzige) Baustraße geben, die neben dem S-Bahnhof Innsbrucker Platz an der Hauptstraße entstehen wird. Der Zugang von der Handjerystraße wird entsprechend der bezirklichen Auflagen dafür nicht genutzt.

 

Baubeginn: Mit dem Bauaushub soll Mitte 2018 im Westen an der Handjerystraße begonnen werden. Der erste Bauabschnitt an der Handjerystraße wird den Bereich „geförderter Wohnungsbau“ umfassen. Dort wird u.a. eine Kindertagesstätte für 500 Kinder entstehen. Im Abstand von etwa einem halben Jahr werden anschließend die weiteren Baufelder in Richtung Osten erschlossen.

 

Edeka: Da der Zugang zum Wohnquartier von der Handjerystraße mit dem „Edeka-Markt nicht gut genug gewürdigt wird“, gibt es Gespräche mit Edeka. Geplant ist ein Abriss des Marktes und an dessen Stelle ein mehrgeschossiger Neubau, in dessen Erdgeschoss wieder ein Markt vorgesehen ist.

 

Gelände: Das Gelände wird in wesentlichen Teilen um 2 m abgetragen, so dass die Bauten nicht über die Häuserhöhe der Bennigsenstraße hinausragen. Im tieferliegenden südlichen Bereich an der Handjerystraße wird das Gelände nicht abgetragen.

 

Wohnungen: Unter 5 Prozent der Wohnungen können konventionell gebaut werden. Das bedeutet, dass ein Großteil der Wohnungen mit „Lüftungen“ versehen werden muss. Die Öffnungen der Wohnungen zur Nordseite sollen (wegen Lärm und Schmutz) so klein wie möglich gehalten werden. Die eindeutige Orientierung der Wohnungen geht Richtung Süden.

 

Geförderter Wohnungsbau: Da die Offerten der städtischen Berliner Wohnungsbaugesellschaften unter den BÖAG-Erwartungen blieben und sich letztendlich keine Berliner Wohnungsbaugesellschaft an dem Bauprojekt beteiligt, wird BÖAG den Bereich „geförderter Wohnungsbau aus dem eigenen Familienbestand errichten. Diese Gebäude wird BÖAG langfristig (etwa 30 Jahre) im Bestand halten.

 

HELABA: Seit etwa einem Monat gibt es mit der HELABA Immobiliengruppe (OFB Projektentwicklung) einen Partner, mit dem BÖAG den freifinanzierten Wohnungsbau errichten wird. Die bisherigen Planungen sehen eigentlich keinen Eigentumswohnungsbau vor. Das muss man am Ende dann mal sehen.

 

Bauzeit: Geplant wird im Moment mit einer Gesamtrealisierungszeit bis 2021/22. Es sollen Wohnungen gebaut werden, die von der Bevölkerung abgenommen werden. Das hängt auch von den Wohnungsgrößen ab. Vorgesehen ist eine natürliche Durchmischung.

 

Hauptstraße: Im Osten an der Hauptstraße wird ein Hochhaus mit etwa der Höhe des „Atomhauses“ (Hauptstraße 93) entstehen. Dieses muss zwingend einer gewerblichen Nutzung zugeführt werden. Im Erdgeschoss wird ein Nahversorgungskomplex entstehen.

 

Konzept: Das Wohnprojekt wird weitestgehend autofrei gehalten. Für die Anwohner entstehen unter den Häusern Tiefgaragen, die ganz wesentlich über den Zugang Hauptstraße erreicht werden. An der Handjerystraße entsteht ein weiterer kleinerer Stadtplatz mit einer Zufahrt zu den Tiefgaragen für die Bewohner des geförderten Wohnungsbaus.

 

Brückenteil Hauptstraße: Das von der Deutschen Bahn nicht mehr genutzte westliche Brückenteil mit dem Widerlager an der Hauptstraße wird entfernt.

 

S-Bahnhof Innsbrucker Platz: Der S-Bahnhof Innsbrucker Platz soll neben dem bisher einzigen Zugang Innsbrucker Platz/Hauptstraße einen weiteren Zugang im Süden erhalten, über den die Anwohner direkt vom Gelände zur Station gelangen können.

 

Zugang Lauterstraße: Unter der kuriosen Überschrift „Die städtische Verlängerung der Lauterstraße“ hatte die „Arbeitsgruppe Güterbahnhof Wilmersdorf“ der „Bürgerinitiative Breslauer Platz“ für die geplante Treppe von der Lauterstraße hoch zum Bahndamm kürzlich „eine gestaltete Geländeanlage des Straßenzugs“ gefordert, die „selbstverständlich behindertengerecht gestaltet werden müsse sowie für Kinderwagen, Einkaufswagen und Radfahrer nutzbar sei“. Da wir weder freischaffende Architekten/Dipl. Ing. noch von anno dunnemals sind, hatten wir uns mit der Forderung beschäftigt. Für eine Rampe gibt es keinen Platz und für einen (ständig zu wartenden) Fahrstuhl wohl auch im rot-grünen Bezirksamt keine Mehrheit. Behinderte können das Wohngebiet jederzeit barrierefrei über Perelsplatz und Handjerystraße erreichen. Das ist fernab jeder Diskriminierung, das ist letztendlich Vernunft. BÖAG-Vorstand Lars Böge hat die Forderung jetzt rundweg abgelehnt: „Der Zugang Lauterstraße bekommt ein Treppe“.

 

Sollten wir nicht korrekt zitiert oder über Details fachlich unzureichend berichtet haben, bitten wir um Hinweise.

 

 

Einladung auf Umwegen

 

Auf Umwegen haben wir von der hier abgebildeten Einladung zu einer Baustellenbesichtigung auf dem ehemaligen Güterbahnhof Wilmersdorf Kenntnis erhalten. Da diese Einladung nach unserer Kenntnis nur an einen „ausgewählten“ Personenkreis ergangen ist, machen wir sie hiermit öffentlich, weil sie sich offenbar an alle Friedenauer richtet, denn wenn „der Bezirk“ einlädt, dann sind doch wohl ganz allgemein die Bürger angesprochen. Alle, die Interesse an dem umstrittenen Bauprojekt haben, sollten sich demnach am 5. Juli um 17.30 Uhr auf dem Gelände einfinden.

 

Selbstredend enthält die Einladung einige Ungereimtheiten. Geladen wird auf die „Friedenauer Höhe“, eine Marketingbezeichnung für einen aufgeschütteten Bahndamm. Das ist eher peinlich! Einlader ist neben den „Investoren“ BÖAG und HELABA Immobiliengruppe OFB Projektentwicklung auch „Der Bezirk“, also nicht die von den Bürgern durch Wahl bestimmte Bezirksverordnetenversammlung oder das fachlich zuständige Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg. Wer ist „Der Bezirk“? Im Zweifel die Bürger, die also allen Anlass haben, sich auf dem inzwischen abgerodeten Gelände über die „Projektfortschritte“ zu informieren.

 

Mit dabei beim gemeinsamen Rundgang ist dann doch in offizieller Funktion Bezirksstadtrat Jörn Oltmann, der maßgebliche Beförderer des Immobiliencoups in Friedenau. Bis Stunden vor seiner Wahl im November 2016 war er Immobilienhändler. Nun setzt er seine „Arbeit“ als Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung und Bauen in Tempelhof-Schöneberg fort. Dass dies für Bündnis90/Die Grünen geschieht, ist bedenkenswert, wird doch mit dem Areal des ehemaligen Güterbahnhofs Wilmersdorf eine Grünfläche vernichtet, die für Friedenau bitter nötig gewesen wäre.

 

Eingeladen sein wird wohl auch „Malmendier Partners“, eine „Partnerschaft von Rechtsanwälten mit beschränkter Berufshaftung“ mit Sitz am Kurfürstendamm, deren Anwälte Dr. Bertrand Malmendier, Dr. Mathias Hellriegel, Dr. Jörg Schendel, Dr. Henrike Maaß, Dr. Michael Wild und Dr. Lisa Teichmann bereits das Bezirksamt für den „Bebauungsplan 7-68“ beraten haben und nun „die BÖAG AG bei der Entwicklung des Güterbahnhofs Wilmersdorf in Friedenau beraten“.

 

 

Die Einladung als PDF

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„Die städtische Verlängerung der Lauterstraße“

 

Der freischaffende Architekt, Dipl. Ing. und Sprecher der „Bürgerinitiative Breslauer Platz“ Joachim W. Glässel kann es nicht lassen. Der Befürworter des Bauprojekts auf dem ehemaligen Güterbahnhof Wilmersdorf moniert, wie wir von mehreren Seiten hören, nun den Treppenentwurf der BÖAG-Architekten. Diese Treppe soll vom „westlichen Quartiersplatz“ zur Lauterstraße hinunterführen.

 

Glässel fordert, wie wir hören, dass „die städtische Verlängerung der Lauterstraße natürlich eine gestaltetet Geländeanlage des Straßenzugs werden“ müsse. Selbstverständlich müsse diese Verbindung behindertengerecht gestaltet werden sowie für Kinderwagen, Einkaufswagen und Radfahrer nutzbar sein. Die Bürgerinitiative habe dies schon vormals moniert, ohne dass es geändert worden sei. Wenn das zutrifft, dann fragen wir uns, was genau Glässel und seine Mitstreiter eigentlich wollen. Es gibt doch nur drei Möglichkeiten: Treppe, Rampe, Fahrstuhl

 

Bürgerinitiative und Glässel haben doch mit dem unsäglichen und menschenunfreundlichen Aufmarschplatz vor dem Rathaus Friedenau schon bewiesen, dass sie von städtebaulicher Planung nichts verstehen. Damit sich das an der Lauterstraße nicht wiederholt, wäre es besser, sie würden sich nicht wieder einmischen.

 

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