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Chronik: So hat alles angefangen

Antrag der SPD-Fraktion vom 10.09.2007

 

„Die Bezirksverordnetenversammlung wolle beschließen: "Die BVV fordert das Bezirksamt auf, für folgende ehemalige Bahnflächen im Bezirk Bebauungspläne gemäß AGBauGB aufzustellen:

  • An der Bautzener Straße
  • An der Crellestraße
  • Ehemaliger Güterbahnhof Tempelhof
  • Ehemaliger Güterbahnhof Wilmersdorf

Begründung: Ggf. mündlich

 

Berlin, den 10.09.2007

Elke Ahlhof, Andreas Baldow und die weiteren Mitglieder der Fraktion der SPD“

Antrag der SPD-Fraktion vom 19.09.2007

Ursprung: Antrag, Fraktion der SPD

Beratungsfolge:

19.09.2007 Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg von Berlin

14.11.2007 Ausschuss für Stadtplanung

21.11.2007 Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg von Berlin

09.02.2010 Bezirksamt

17.02.2010 Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg von Berlin

Antrag: Kiezentwicklung voranbringen

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Werkstattverfahren

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Einladung zum Bürgerbeteiligungsverfahren

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Infoveranstaltung des Bezirksamts, 01.07.2015

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Aus dem Buch: Friedenau - Geschichte & Geschichten

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Ein Briefwechsel

Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg von Berlin

Abt. Gesundheit, Soziales, Stadtentwicklung

Bezirksstadträtin Dr. Sibyll Klotz

10820 Berlin

Berlin, den 16. Juni 2015

 

Sehr geehrte Frau Klotz,

 

Ihren gelben Zettel, genannt Einladung zur „Informationsveranstaltung zum Thema Nachnutzung des ehemaligen Güterbahnhofs Wilmersdorf/Bebauungsplanverfahren 7-68”, habe ich erhalten. Leider kann ich an der Veranstaltung am 1. Juli 2015 nicht teilnehmen, da ich mich zu diesem Zeitpunkt nicht in Berlin aufhalte. Ich bitte Sie daher, meine „Anmerkungen“ in das Protokoll aufzunehmen.

1. Wer sind „Wir“, die „gerne über den aktuellen Stand der Planung informieren möchten“? Ihrem Schreiben kann ich nicht entnehmen, wer auf dieser Veranstaltung informieren wird. Sind es Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bezirksamt, BÖAG, Architekten, Gutachter?

2. Sie schreiben vom „ehemaligen Güterbahnhof Wilmersdorf”. Das ist nicht korrekt. Wenn schon „ehemaliger“, dann bitte „ehemaliger Güterbahnhof Wilmersdorf-Friedenau”. So hieß diese Anlage, deren Fläche nach meiner Kenntnis zum großen Teil innerhalb der Gemarkungsgrenzen von Friedenau liegt. Die gewählte Formulierung legt doch den Verdacht nahe, dass Sie absichtlich den Begriff „Friedenau“ nicht nutzen wollen.

3. Auffallend an Ihrem Schreiben ist, dass Sie mehrmals „die frühzeitige Beteiligung“ von Öffentlichkeit bzw. Behörden betonen („Mitte Mai 2014“, „Ende 2014“ und „Anfang diesen Jahres“, also 2015).

4. Gegenüber der Presse erklärten Sie sich bereits im Dezember 2014 mit dem Ergebnis zufrieden: „Wir haben die Nachbarn früh miteinbezogen in die Diskussion, was dort an der Stelle entstehen soll. Das ist sehr gut gelaufen."

5. Nach meinen Informationen berufen Sie sich auf 29 Stellungnahmen, von denen „nur vier das Vorhaben total ablehnten“. Meinen Sie nicht auch, dass 29 Stellungnahmen bei immerhin 27.385 Friedenauer Einwohnern „etwas wenig“ sind?

Sie reden etwas gut, was nicht gut ist. Könnte es nicht auch daran liegen, dass Sie als (grüne) Bezirksstadträtin für Stadtentwicklung zu wenig Informationspolitik betreiben? Verständlich wäre es, denn Ihre Zuständigkeiten für die drei äußerst komplizierten Abteilungen Gesundheit, Soziales und Stadtentwicklung erfordern eigentlich ein Genie für Inhalt und Organisation.

6. Ich habe Verständnis dafür, dass das allgemein als intellektuell und organisatorisch überfordert angesehene Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg nach dem Fiasko „Tempelhofer Feld“ nun ein Erfolgserlebnis braucht, und Sie sich persönlich im Hinblick auf die kommenden Wahlen mit den Schlagworten „geförderter sozialer Wohnraum“, „Grünflächen“ und „Autofrei“ profilieren wollen. Pech ist nur, dass nicht auf dem weitläufigen und ruhigen Tempelhofer Feld gebaut werden kann, sondern auf einer schmalen, von Autobahn und S-Bahn-Ring umtosten Fläche 800 bis 900 Wohnungen entstehen sollen.

7. Als „Grüne“ vertreten Sie inzwischen eine verkehrte Welt. Nicht die Allgemeinheit entscheidet über ihr Umfeld, sondern Gschaftlhuber. Kaum hatte die Deutsche Bahn AG das 60.000 Quadratmeter große Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs Wilmersdorf-Friedenau an die Hamburger Beteiligungs-Aktiengesellschaft BÖAG verkauft, lagen auch schon Bebauungspläne diverser Architekten vor. Hätten nicht der Senat bzw. Sie als Bezirksstadträtin für Stadtentwicklung sich zuallererst Gedanken über eine Bebauung machen müssen? So bleibt Ihnen nur noch das Reagieren.

8. Welcher Entwurf auch durchgesetzt werden wird, von einer „Erweiterung eines Stadtteils“ kann nicht die Rede sein, schon gar nicht von einer städtebaulich sinnvollen Lösung. Die Pläne erschrecken. Geplant sind Wohnhäuser mit 4 bis 7 Stockwerken, Punkthäuser mit 11 Geschossen, Turmhaus mit 14 Etagen und Gewerbe.

9. Das Gelände liegt 7 Meter über dem Straßenniveau der Bennigsenstraße. Wenn hinter diesen Altbauten Wohn-, Punkt- und Turmhäuser von 4, 7, 11 und 14 Geschossen gebaut werden, dann ragen diese um etliche Meter über die Dächer der Bennigsenstraße hinaus. Es wird ein Betonriegel entstehen, der gravierende Luftveränderungen zur Folge haben wird.

10. Mit dem überdimensionierten Bauvorhaben kommen noch mehr Kraftfahrzeuge in eine Gegend, die damit längst überfordert ist. Die geplanten Tiefgaragen sind eine Farce, da diese den Bewohnern zusätzliche Kosten aufbürden und daher in der Regel wenig genutzt werden.

11. Vorgesehen ist eine untergeordnete Anbindung an Haupt- und Handjerystraße unter Vermeidung von Durchgangsverkehren. Das mögen Sie ja noch hinbekommen, aber bleiben werden die Zufahrten. Das kleinere Problem wird die Zufahrt von der Hauptstraße sein. Die Zufahrt von der Handjerystraße zwischen Edeka-Markt und Friedrich-Bergius-Schule – unmittelbar an der Einmündung der Varziner Straße – wäre allerdings für die nur 7 Meter breite Handjerystraße eine unerträgliche Belastung.

12. Bisher endet die Lauterstraße vor dem Eisenbahnhügel als Sackgasse. Geplant ist dort eine Anbindung des neuen Quartiers an das ‚alte‘ Friedenau über Freitreppe, Rampe oder Stadtplatz. Das bringt Unruhe sowohl in das bisher funktionierende Wohnquartier als auch für die Sportanlagen.

13. Irrwitzig ist auch der Plan, die bestehenden Innenhöfe der Bennigsenstraße über private Treppenzugänge an das neue Quartier anzuschließen.

Sehr geehrte Frau Klotz, wie viele Friedenauer am 1. Juli 2015 auf Grund Ihrer Einladung auch in die Friedrich-Bergius-Schule kommen werden, ich halte diese Veranstaltung in Anbetracht des enormen Bauvorhabens innerhalb einer gewachsenen Quartiersstruktur für nicht ausreichend – und schon gar nicht mit Ihren gelben Zetteln ausreichend publiziert.

Ein ausführliches Papier mit Texten und Bildmaterial über den gegenwärtigen Stand – per Brief an alle Friedenauer Haushalte – wäre eine Minimalforderung. Da dem Bezirksamt dafür gegenwärtig wohl die Mittel fehlen, wäre die Finanzierung durch die BÖAG eine Alternative.

Der Plan für eine mehr als dichte Bebauung mit 800 bis 900 Wohnungen muss auf breiter Basis diskutiert werden. Aus Ihrer „grünen Vergangenheit“ heraus müssten Sie noch wissen, wie so eine Initiative inhaltlich und organisatorisch vorbereitet und durchgeführt werden könnte. Andernfalls könnten aus den bisherigen „vier Gegnern“ durchaus „mehr“ werden.

 

Mit freundlichen Grüßen

Peter Hahn

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