Spatenstich ohne Regierenden

 

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) ist nicht erschienen! Die Enttäuschung war dem BÖAG-Chef Lars Böge anzusehen. Senatorin Dilek Kolat (SPD) und Staatssekretär Engelbert Lütke Daldrup (SPD) waren ein schwacher Ersatz. Die Friedenauer waren nicht eingeladen worden - auch nicht die Nachbarn aus der Bennigsenstraße. Groß ist offenbar die Furcht vor dem Unmut der Bürger.

 

Grünflächen werden zugebaut, Luftschneisen zerstört und zukünftiges Verkehrschaos provoziert. „Die feiern sich doch nur selbst“, war von denen zu hören, die beim Spatenstich draußen vor blieben. Ein Sicherheitsdienst schirmte die Gesellschaft ab. Wer durchkam, gehörte „dazu“: Bauleute, Immobilienhändler, Bürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD), die Stadträte Sibyll Klotz (GRÜNE), Jutta Kaddatz (CDU), Daniel Krüger (CDU) sowie von der SPD Matthias Geisthardt und Christoph Götz, von den GRÜNEN Ralf Kühne, Jörn Oltmann und Annabelle Wolfsturm. Ottmar Fischer und Joachim Glässel von der BI Breslauer Platz und Evelyn Weissberg vom Verlag Friedenauer Brücke wurden vom Investor herzlich begrüßt.

 

 

Die „Spatenstich-Reden“ von Böge, Lütke Daldrup und Klotz sind schnell zusammengefasst. Das geplante Wohngebiet auf dem Bahndamm, nun „Friedenauer Höhe“ genannt, an Autobahn, S-Bahn und Güterzugtrasse sei beispielhaft für die neue Wohnungsbaupolitik Berlins. Was alle drei Redner in geradezu grotesker Überzeichnung hervorhoben: Die Friedenauer seien umfassend in die Planungen eingebunden gewesen, viele Anregungen aus der Bürgerschaft seien umgesetzt worden. Das wurde so lange gebetsmühlenartig wiederholt, bis klar war: Da ist was faul. Wer die Bürger außen vor läßt, der hatte auch davor schon wenig mit ihren Ansichten und Wünschen im Sinn.

 

Wie es um das umstrittene Projekt wirklich steht, konnte man nur zwischen den Zeilen erahnen. Investor Lars Böge dämpfte „Hoffnungen“, dass es mit dem Bau bald losgehen wird. Das ließ aufhorchen, besonders als Staatssekretär Lütke Daldrup forderte, „in zwei bis drei Jahren müssen die Wohnungen stehen. Wir dürfen hier nicht lange über Bodenpreise philosophieren und über die Maximierung von Erträgen“. Das aber ist die Strategie des Investors. Was viele Friedenauer befürchten, wurde nun offen ausgesprochen. Die Freifläche des ehemaligen Güterbahnhofs Wilmersdorf ist zum Spekulationsobjekt gemacht worden – mit Unterstützung von SPD, Grünen und CDU.

 

So war der feierliche Spatenstich am Ende ein wenig feierliches Ereignis. Abgeschottet vom Rest der Welt, begaben sich die Gäste schließlich zum Buffet. Angerichtet hatte den kulinarischen Schlusspunkt „natürlich“ Berlins erste Catering-Adresse, das KaDeWe. Man lässt sich nicht lumpen. Das erwartete Medieninteresse hielt sich sehr in Grenzen. Weder der öffentlich-rechtliche Staatssender rbb noch die Berliner Tageszeitungen hielten ihr Erscheinen für erforderlich – ganz zu schweigen von den überregionalen Blättern. Die Betreiber von www.friedenau-aktuell.de waren auch nicht eingeladen. Da wir aber über offizielle Presseausweise verfügen, konnte uns der Zutritt nicht verweigert werden. So können wir den nicht-geladenen Friedenauern einen Eindruck vermitteln..

 

Spatenstich-Impressionen

 

 

Die Reden zum Spatenstich als Video-Dokument

 

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