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Stoppt den Neubauwahn!

Von Haus aus missglückt. FAZ vom 1. September 2016

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Bauherren und Architekten im Würgegriff des Bebauungsplans: Warum nur ist uns die Fähigkeit abhanden gekommen, schöne und bewohnbare Städte zu bauen?

Ein Denkanstoß vom Architekten Prof. Christoph Mäckler.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Allgemeine Zeitung

Es ist schon bemerkenswert, wenn die ansonsten doch sehr auf Marktwirtschaft setzende F.A.Z. am 16. Oktober 2015 die Schlagzeile "Stoppt den Neubauwahn!" wählt.

 

Unter diesem Titel publizierte der Architekturkritiker Arnold Bartetzky seine Rezension über die von Stadtplaner Daniel Fuhrhop veröffentlichte Streitschrift „Verbietet das Bauen!".

 

„Jahr für Jahr entstehen in Deutschland mehr als zweihunderttausend Wohnungen, Millionen Quadratmeter Bürofläche und mehrere hunderttausend Quadratmeter Handelsfläche. Jeden Tag werden siebzig Hektar Boden verbraucht. Das ist so, als würde jährlich eine Stadt wie Bonn aus dem Boden gestampft. Allein in den letzten zwei Jahrzehnten hat Deutschland genug Wohnungen gebaut, um darin alle Niederländer unterzubringen.“

 

Bartetzky wurde deutlich: „Dabei stehen in der Republik rund 1,8 Millionen Wohnungen leer. An den größten Bürostandorten sind acht Millionen Quadratmeter Bürofläche ungenutzt. Derweil überbieten sich Lobbyisten und Politiker mit Forderungen nach noch mehr Neubau. Regelmäßig wird die große Wohnungsnot ausgerufen, als wäre Deutschland ein Land von Obdachlosen.

 

Mit ihrer meist völlig austauschbaren, banalen Architektur zerstören die Neubaumassen nicht nur die Landschaft, sondern auch urbane Traditionen. Projektentwickler sind nicht an Nachhaltigkeit, sondern an Dauerproduktion von Bauvolumina interessiert.

 

Bürger, die sich ihnen entgegenstellen, haben schlechte Chancen, da sie den trickreichen Werbestrategen und Juristen potenter Investoren kaum gewachsen sind. Das Bauen per se gilt als soziale Tat und dessen Förderung als eine staatliche Pflicht.

 

Als Daniel Fuhrhop sein Buch schrieb, konnte er nicht ahnen, dass Deutschland in nur einem Jahr rund eine Million Flüchtlinge aufnehmen würde. Sein Appell, durch Sanierung, Umbau und Umnutzung konsequent den Bestand auszuschöpfen, ist allerdings auch für diese Herausforderung anregend. Denn es ist allemal besser, leerstehende Altbauten zu Unterkünften umzufunktionieren, als durch Neubauaktionismus die Architekturqualität weiter nach unten zu schrauben und Entsorgungsfälle von morgen zu produzieren. Fuhrhop wird sich wohl kaum durchsetzen. Zu stark ist dafür die Interessenallianz von Baulobbyisten. Falsch sind sie deswegen aber nicht."

 

Fuhrhops Credo: "Neu bauen schadet der Umwelt und fördert die soziale Spaltung unserer Städte."

 

Daniel Fuhrhop: „Verbietet das Bauen!" Eine Streitschrift.

Oekom Verlag, München 2015. 192 S., geb., 17,95

Kritischer Bericht der TAZ vom 31.05.2016 zum Berliner Bauwahn!

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20. Mai 2016

Vier Fragen an: Immobilienberater Bernd Heuer

 

Es gibt nicht nur boomende, sondern auch schrumpfende Kommunen. Hat das etwas mit Qualität der Stadtplanung zu tun?

 

Der Boom einer Stadt ist das Ergebnis effektiver Kommunikation, Schrumpfung das Ergebnis eines Mangels an Kommunikation. Qualität in der Stadtplanung setzt bei allen Kommunen zu jedem Zeitpunkt den kontinuierlichen Dialog unter allen Stakeholdern, den Bürgern, Liegenschaftsbesitzern, Investoren, Projektentwicklern, Stadtplanern und Politikern voraus. Instrumente zur Erreichung von Qualität sind Masterpläne, wie sie etwa in Köln und Mönchengladbach realisiert wurden. Quartiersplanungen für die Hamburger Hafencity sind exzellente Beispiele kommunikativen kommunalen Miteinanders. Schrumpfende Kommunen haben zusätzlichen Kommunikationsbedarf. Denn ideenreiche Bestandspflege und ein attraktiver Stadtumbau können nur gemeinsam mit den Bürgern entwickelt werden und setzen überdurchschnittliche Dialog-und Begeisterungsfähigkeit der Verantwortlichen im Planungsdezernat voraus.

 

Wo sehen Sie die größten Defizite der in Deutschland praktizierten Stadtplanung?

 

Stadtplanung ist eine strategische Aufgabe der kommunal Verantwortlichen. Denn letztlich geht es um Nachhaltigkeit und die Steigerung immobiler Werthaftigkeit in jeder Stadt. Problemthemen wie demographischer Wandel, Energiewende, Digitalisierung und Finanzierbarkeit müssen stets aufs Neue hinterfragt und bewusstgemacht werden. Das setzt freilich Kompetenz und Sachverstand der Beteiligten voraus. Ein Defizit, neben einem Mangel an fachlichen Voraussetzungen, besteht darin, dass die Kommunalparlamente nur für vier bis fünf Jahre gewählt werden. Empfehlenswert wäre, dass Stadtparlament und Verwaltung sich bei Stadt-, Quartier- und Immobilienentwicklungen vertraglich längerfristig festlegen.

 

Kann Stadtplanung überhaupt gutgehen, wenn Ehrenamtliche, also Laien, in den Parlamenten das letzte Wort haben?

 

In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass Stadtentwicklungsentscheidungen des Stadtrates, der sich aus Ehrenämtlern zusammensetzt, von Stadtbürgern nicht akzeptiert werden. Stuttgart 21 ist als Signal für mehr Bürgerbeteiligung in einer breiten Öffentlichkeit angekommen. Die Bürger müssen stärker durch unterschiedliche Verfahren in Entscheidungen einbezogen werden. Das ist eine der vornehmsten Aufgaben der Kommunalpolitik überhaupt. Denn die immobilen Kapitalwerte sind in der Regel immens und liegen zum Beispiel in Stuttgart bei 112 Milliarden Euro. Letztendlich werden die Bürgermeister entsprechende Akzente setzen müssen, um den Dialog zwischen Stadtverordneten, Verwaltung und den Nutzern, konkret den Bürgern, kontinuierlich zu verbessern.

 

Wo verläuft die Grenze zwischen den wirtschaftlichen Interessen der Immobilienbranche und den sozialen und politischen Interessen der Kommunalpolitik?

 

Grundlage für Stadtentwicklungen sollte der Artikel 14 des Grundgesetzes sein: Eigentum verpflichtet. Und das in einem umfassenden, auch dem Gemeinwohl dienenden Sinn des Wortes. 50 bis 70 Prozent der Liegenschaften sind Eigentum von Privatleuten. Und die sind an der Wertsteigerung ihrer Immobilie interessiert. Die Einsicht, dass diese wert steigernde Entwicklung nur eintreten kann, wenn möglichst viele Bürger eine zukunftsfähige Stadt mitgestalten und als Stadtbaukultur-Macher mitwirken, ist nicht überall anzutreffen. Es sollte Aufgabe des Stadtmanagements sein, transparent zu machen, welche Gestaltungsmöglichkeiten der Immobilieneigentümer etwa auf Quartiersebene hat. Ein lebendiger und kontinuierlicher Dialog trägt zur Lebensqualität der Stadt bei. Transparenz in der Stadtplanung, verbessert durch kontinuierliche Dialoge, schafft Vertrauen und initiiert Bürgerengagement. Nicht nur das Grundgesetz, sondern das Gemeinschaftsinteresse aller Bürger verpflichtet uns dazu, wirtschaftliche Interessen im Schulterschluss mit politischer Willensbildung und sozialer Verpflichtung zu denken und entsprechend zu handeln.

 

Die Fragen stellte Michael Psotta.

Debatte um städtebauliche Zukunft

Neue Stadtquartiere für die wachsende Stadt

Senator Andreas Geisel (SPD) möchte an 12 Standorten Schwerpunkte für den Wohnungsneubau setzen. Einige davon liegen an den Rändern der Stadt. Die Gefahr, dass gerade dort, wo das Feld noch unbestellt ist, allerlei „Berliner Beliebigkeit" entstehen kann, ist damit nicht gebannt. Geisels Ansatz, „aus dem Erbe des Siedlungsbaus der 1920er Jahre“ zu lernen und mit dem Leitbild der gemischten Stadt zu verknüpfen, ist erst einmal nur Gerede.

Vor mehr als 150 Jahren wuchs die Stadt schneller als heute. Von 826.341 Einwohnern im Jahr 1871 ging es in zehn Jahren auf 1.315.287 Einwohner. Ende 2014 hatte Berlin 3,562 Millionen Einwohner. Für 2030 wurde eine Einwohnerzahl von rund 3,828 Millionen errechnet. Damit wären doch erst einmal die 3.879.409 Millionen vom 31. Dezember 1920 erreicht. Damals entstand das „Erfolgsmodell Friedenau“ mit einer ausgewogenen Bebauung von Häusern, Vorgärten, Straßen und Plätzen – ein Vorort am Rand der Innenstadt, in dem sich Menschen auch nach einem Jahrhundert noch immer wohlfühlen.

Pressemitteilung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung vom 15. April 2016

 

Die Attraktivität Berlins und das Bevölkerungswachstum sind ungebrochen. Allein in den letzten fünf Jahren ist die Einwohnerzahl um 220.000 gestiegen; ein Ende des Trends ist bislang nicht abzusehen. Mit dem schnellen Wachstum der Stadt sind die vor wenigen Jahren noch vorhandenen Wohnungsmarkt-Reserven aufgezehrt. Der Wohnungsmarkt ist mittlerweile in der gesamten Stadt sehr angespannt. Berlin steht vor der großen Herausforderung, sehr schnell viele und vor allem preisgünstige Wohnungen zu bauen – und dabei eine lebenswerte Stadt zu bleiben. Um den akuten Bedarf zu decken, sind jedes Jahr 15.000 bis 20.000 Wohnungen notwendig. Der Senator für Stadtentwicklung und Umwelt, Andreas Geisel, hat heute 12 große Wohnungsbaustandorte vorgestellt, auf denen ein wichtiger Teil dieses Wachstum stattfinden soll.

Diese Stadtquartiere sind geplant: Elisabeth-Aue in Pankow-Blankenfelde, Blankenburger Pflasterweg/Heinersdorf in Pankow, Cluster Buch in Pankow, Michelangelostraße in Prenzlauer Berg, Johannisthal/Adlershof in Treptow, Cluster Köpenick in Köpenick, Buckower Felder in Neukölln, Lichterfelde-Süd in Steglitz, Wasserstadt Oberhavel in Spandau, Gartenfeld in Spandau-Siemensstadt, Schumacher Quartier in Reinickendorf-Tegel, Europacity/Lehrter Straße in Mitte-Moabit.

Diese – bis auf die Europacity, Wasserstadt und Adlershof – neu zu entwickelnden Quartiere sollen Heimat für 100.000 Berlinerinnen und Berliner bieten. Sie werden in der Regel jeweils etwa 3.000 bis 5.000 Wohnungen umfassen. Das macht sie ökonomisch tragfähig und schafft einen Mehrwert für ihre Nachbarschaften – weil nur bei dieser Größe eigene Schulen und andere soziale Infrastruktur für die Quartiere geschaffen werden können.

Berlins Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel betonte bei der Vorstellung der neuen Standorte: „Die neuen Stadtquartiere sollen lebendige Kieze werden, in denen die Leute gerne wohnen, arbeiten und leben. Die städtebauliche und soziale Qualität sowie die Integration in die angrenzende Nachbarschaft sind hierbei entscheidend. Wir wollen aus dem Erbe des Siedlungsbaus der 1920er Jahre lernen und es mit dem Leitbild der gemischten Stadt verknüpfen, das wir gerade in den Gründerzeitquartieren finden.“

Die neuen Stadtquartiere würden relativ dicht bebaut, sagte der Staatssekretär für Bauen und Wohnen Prof. Dr.-Ing. Engelbert Lütke Daldrup, sie seien aber gut mit Freiräumen ausgestattet. „Die Identität der neuen Stadtquartiere beruht auf ihren gestalterischen Qualitäten und ihrer sozialen Vielfalt. Sie sind robust und imstande, sich veränderten Anforderungen anzupassen. Sie sind klimafreundlich und weitgehend barrierefrei. Die neuen Quartiere sollen alle sozialen Schichten und Altersgruppen ansprechen.“

Um eine stabile Sozialstruktur zu erreichen werden landeseigene Wohnungsbaugesellschaften, Genossenschaften, Baugruppen und private Unternehmen als Bauherren einbezogen. Der Anteil von 30% Sozialwohnungen trägt zur Berliner Mischung bei und folgt dem wohnungspolitischen Ziel, bezahlbaren Wohnraum in allen Teilen der Stadt zu schaffen. „Mischung heißt auch Arbeitsplätze“, betonte Senator Andreas Geisel. „Neben dem guten Zugang zum gesamtstädtischen Arbeitsmarkt ist lokales Gewerbe wichtig. Nicht nur der örtliche Bäcker – auch Büros, Dienstleistungen, spezialisierte Werkstätten oder auch Kunst und Kultur müssen sich dort ansiedeln. Besondere Aufmerksamkeit schenken wir den Erdgeschossnutzungen. Dort spielt sich städtisches Leben ab.“

Laut Staatssekretär Lütke Daldrup sollen die Stadtquartiere gut an den ÖPNV angebunden und im Inneren vor allem fußläufig erschlossen sein. Sie bieten dem Fahrradverkehr attraktive und vernetzte Wege und unterstützen neue Formen der Mobilität wie zum Beispiel Car-Sharing. „Das erfordert eine gewisse Dichte der Bebauung mit vier bis sieben Geschossen, aber auch einladende Freiräume. Wesentlich sind attraktive Grünvernetzungen mit der Nachbarschaft. Freiräume öffnen Chancen für soziale Aktivitäten und vielfältige Möglichkeiten der Nutzung, Mitgestaltung und Aneignung. Wir bauen die Gartenstadt des 21. Jahrhunderts“, sagte Lütke Daldrup.

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© Peter Hahn