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Auszug aus dem Buch "Friedenau - Geschichte und Geschichten"

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Ein Briefwechsel

26.02.2016

Herrn Prof. Dr. Michael Wildt

Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Geschichtswissenschaften

Historische Kommission zu Berlin e.V.

 

Sehr geehrter Herr Wildt,

in unserem Buch „Friedenau – Geschichte & Geschichten“ (Oase Verlag, 2015) haben wir auch über Adam und Greta Kuckhoff geschrieben. Die am 30.8.1990 enthüllte Gedenktafel mit dem von der Historischen Kommission zu Berlin „genehmigten“ Text sowie die Benennung des Platzes „nur“ in Adam-Kuckhoff-Platz sehen wir als nicht haltbar an. Unseres Erachtens haben sich die Wissenschaftler der Historischen Kommission kurz vor dem Fall der Mauer in unzulässiger Weise noch von den kalten Kriegern beeinflussen lassen. Sehen Sie eine Möglichkeit zur Korrektur?

Mit freundlichen Grüßen

Peter Hahn & Jürgen Stich

 

27.02.2016

Sehr geehrter Herr Hahn, sehr geehrter Herr Stich,

vielen Dank für Ihren Hinweis. Dass Greta Kuckhoff auf der Tafel nicht erwähnt wird, ist in der Tat ein Versäumnis. Auf der Website: www.gedenktafeln-in-berlin.de findet sie übrigens in gleicher Weise wie ihr Ehemann als Widerstandskämpferin Berücksichtigung. Ob es eine neue, veränderte Tafel geben kann, hängt davon ab, ob sich ein Geldgeber findet, der/die die Kosten übernehmen würde. Wir werden auf einer der nächsten Sitzungen des Historischen Beirats der Kulturverwaltung (https://www.berlin.de/sen/kultur/foerderung/kultureinrichtungen/gedenkstaetten-und-erinnerungsorte/historische-stadtmarkierungen/) über die Möglichkeiten einer Erneuerung der Tafel sprechen. Aber es wird sicher Zeit brauchen, bis sich ein Geldgeber gefunden hat. Vielleicht haben Sie dazu auch Vorschläge und Ideen.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Michael Wildt

Lehrstuhl Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert mit Schwerpunkt im Nationalsozialismus

Institut für Geschichtswissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin

Unter den Linden 6, 10099 Berlin

 

26.02.2016

Sehr geehrter Herr Hahn, sehr geehrter Herr Stich,

vielen herzlichen Dank für Ihre Informationen, denen wir nachgehen werden.

Bitte beachten Sie jedoch, dass Straßen- und Platzumbenennungen Aufgaben der Bezirke sind. Von daher möchten wir Sie bitten, in dieser Angelegenheit Kontakt mit dem zuständigen Bezirksamt aufzunehmen.

Was den Ersatz von existierenden Gedenktafeln bzw. die Korrektur von fehlerhaften Tafeln anbelangt, so sind wir gegenwärtig dabei, eine Bestandsaufnahme durchzuführen. Inwieweit schließlich die finanziellen Mittel vorhanden sein werden, um diese Tafeln zu ersetzen, vermag ich nicht einzuschätzen.

Mit freundlichen Grüßen

Ellen Franke

Historische Kommission zu Berlin e.V., Wissenschaftliche Geschäftsführerin

Kirchweg 33, 14129 Berlin

Und wie reagiert das Bezirksamt?

Auf eine Anfrage von Herrn Ewald Mahr (Friedenau) nach der Kuckhoff-Gedenktafel antwortete das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg:

 

Betreff: Adam-Kuckhoff-Platz; Ihre Mail vom 27.02.2016

Betr.: Adam und Grete Kuckhoff

29. Februar 2016

 

Sehr geehrter Herr Mahr,

ich habe die hiesige Straßenbenennungsakte mit folgendem Ergebnis durchgesehen:

Der ursprüngliche Antrag auf Benennung der durch Straßenberuhigungsmaßnahmen am Ende der Wilhelmshöher Straße/ Südwestkorso/ Laubacher Straße entstandenen Fläche wurde von der Fraktion der SPD  gestellt und datiert vom 24.6.1987. Er bezieht sich ausschließlich und allein auf Adam Kuckhoff. Auch der Text für das zusätzliche Erläuterungsschild wurde vorgeschlagen; hier wurde ebenfalls nur auf Adam Kuckhoff abgestellt.

Zwar wurde ein entsprechender Beschluss der BVV Schöneberg von Berlin daraufhin am 21.10.1987 gefasst, aufgrund des Vortrages des damaligen Tiefbauamtes, welches darauf hinwies, dass in Ost-Berlin bereits eine „Kuckhoffstraße“ existierte, verzögerte sich die Umsetzung der Straßenbenennung. Unter Einschaltung des bezirklichen Rechtsamtes wurden die Vorgaben zur Straßenbenennung dann dahingehend interpretiert, dass zwar grundsätzlich verwendete Namen nicht erneut verwendet werden sollen, Ausnahmen nach dieser Formulierung aber doch möglich seien.

Somit wurde der (neue, ebenfalls wieder nur auf Adam Kuckhoff bezogene) Antrag der SPD vom 21.6.1989 noch einmal behandelt; vom damals zuständigen Ausschuss für Volksbildung und Kultur erging dann am 18.10.1989 eine Beschlussempfehlung, dem Platz den Namen „Adam-und-Greta-Kuckhoff-Platz“ (!) zu geben. Allerdings nennt die dem BVV- Beschluss vom 22.2.1990 zugrunde liegende Beschlussempfehlung des genannten Ausschusses vom 21.2.1990 dann wiederum nur noch den Namen „Adam-Kuckhoff-Platz“, Greta erscheint hier nicht mehr. Entsprechend dieser letzten Beschlussempfehlung wurde dann verfahren und der Platz am 30.08.1990 im Rahmen einer kleinen Feier vor Ort in Adam-Kuckhoff-Platz benannt.

Welche Diskussionen seinerzeit stattfanden, die letztendlich zur - offenbar ja ganz bewussten und gewollten - Aufgabe der Benennung auch nach Greta geführt haben, kann von hier nicht mehr nachvollzogen werden. Ob dabei die in der ersten Beschlussempfehlung vom 18.10.1989 genannte Tätigkeit der Frau Kuckhoff als Präsidentin der Notenbank der DDR 1950- 1958 eine Rolle spielte oder, wie die Herren Hahn und Stich es formulierten, eine Beeinflussung durch den „Kalten Krieg“ vorlag, sei dahingestellt.

Gestatten Sie mir abschließend den Hinweis, dass aktuell eine Umbenennung in der angeregten Weise aufgrund der geltenden Vorgaben zur Benennung nicht durchführbar wäre.

Eine Ehrung in anderer Form, z.B. durch eine entsprechende Gedenktafel ist jedoch denkbar und dürfte dem Andenken an Frau Kuckhoff entsprechend Rechnung tragen. Auf die Frage der Gedenktafel haben Sie ja bereits von anderer Stelle eine Antwort erhalten.

Mit freundlichen Grüßen

Im Auftrag

Naß

Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg von Berlin

Abteilung Bauwesen, Straßen- und Grünflächenamt

Fachbereich Straßen- und Grünflächenverwaltung, StraGrün V 3

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