Name seit 1912, vorher Straße 43. Benannt nach dem Bauingenieur und Städtebauer Reinhard Baumeister (1833–1917). In seinem Werk „Stadterweiterungen in technischen, baupolizeilichen und wirtschaftlichen Beziehungen“ (1876) forderte er u.a. die Gestaltung von städtischen Grünflächen, Plätzen und Alleen sowie die Beachtung lokaler Besonderheiten bei der Stadtplanung.

 

 

Stadtplaner Reinhard Baumeister (1833-1917)

Der Stadtplaner Reinhard Baumeister (1833-1917)

 

Die Baumeisterstraße gehört zum „gefühlten Friedenau“. Sie beginnt an der Rubensstraße und mündet kurz vor dem Wannseebahnhof in die Sponholzstraße. Das um die Jahrhundertwende noch unbebaute Gebiet lag im Schöneberger Westen, hart an der Grenze zur Landgemeinde Friedenau und verkehrsgünstig zwischen Hauptstraße und Wannseebahn mit der Station Friedenau.

 

Den ursprünglichen Bebauungsplan für das ehemalige „Willmann’sche Gelände“, das Gebiet zwischen der Haupt-, Rubens-, Baumeister- und Sponholzstraße, hatte der Schöneberger Stadtbauinspektor Paul Wolf (1879-1957) schon vor dem Ersten Weltkrieg entwickelt.

 

Da Schöneberg nach dem Krieg fast 15000 Wohnungssuchende zu versorgen hatte, stürzte sich der nächste Stadtbaurat Heinrich Lassen (1864-1953) mit seiner Hochbauverwaltung auf das schon vorhandene Material an Entwicklungsarbeiten. Als Bauherr fungierte die „Wohnstätten-Gesellschaft mbH“. Das Bezirksamt übernahm Entwurf, Bauleitung und Ausführung. Im Juni 1922 begannen die Bauarbeiten für das Wohnviertel. Zwei Jahre später konnten die ersten Wohnungen der um ruhige und begrünte Innenhöfe gruppierten Blöcke bezogen werden.

 

Die Verlängerung der Hedwigstraße sowie die Anlage einer Straße längs der Wannseebahn sollten die notwendigen Verkehrsbedingungen erfüllen. Bereits 1912 erhielt die bisherige „Straße 43“ den Namen „Baumeisterstraße“, benannt nach dem Stadtplaner Reinhard Baumeister, dem Begründer des wissenschaftlichen Städtebaus in Deutschland.

 

 

 

 

 

 

Der führende Theoretiker der Städteplanung gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde am 19. März 1833 in Hamburg geboren. Er studierte zunächst ab 1849 am Polytechnikum Hannover und ab 1851 am Polytechnikum Karlsruhe Bauingenieurwesen. Danach war er im badischen Staatsdienst bei verschiedensten Bauprojekten praktisch tätig. 1862 wurde er als ordentlicher Professor an das Polytechnikum Karlsruhe berufen. Dort hielt er im Wintersemester 1874/1875 die erste städtebauliche Sondervorlesung zum Thema „Stadterweiterungen“.

 

Nach der Veröffentlichung seines Werkes „Stadt-Erweiterungen in technischer, baupolizeilicher und wirthschaftlicher Beziehung“ 1876 im Berliner „Verlag von Ernst & Korn“ Berlin hatte sich Reinhard Baumeister letztendlich gegen Ende des 19. Jahrhunderts als führender Theoretiker der Stadtplanung durchgesetzt. Als einer der ersten forderte er „die Trennung von City, Wohn- und Industriegebieten, soweit sie sich gegenseitig störten, die Gestaltung von städtischen Grünflächen, Plätzen und Alleen und die Beachtung lokaler Besonderheiten bei der Stadtplanung“. Für seine technischen Leistungen hat ihm die Technische Hochschule Charlottenburg 1906 den Ehrendoktortitel Dr.-Ing. E. h. verliehen. Reinhard Baumeister starb am 11. Februar 1917 in Karlsruhe.

 

Jährlich verleiht die Fakultät für Architektur der Technischen Universität München den „Reinhard-Baumeister-Preis“. Prämiert werden herausragende Arbeiten im Bereich der Regionalplanung, der Regionalwissenschaft, der Landschaftsplanung bzw. verwandter Disziplinen. In diesem Jahr stand das Thema „Kulturlandschaft im Wandel - gestern und heute“ im Mittelpunkt des Interesses. Im Jahr 1915 erhielt den Preis Veronika Hartl, da sie „mit ihrem Entwurf bewiesen hat, dass es möglich ist, eine tragfähige Stadt- und Landschaftsstruktur zu planen, in deren Gestaltung die Stadtbevölkerung aktiv einbezogen werden kann“.

 

Die Fachwelt würdigt bis heute das engagierte Plädoyer von Reinhard Baumeister für die Bedeutung von Grün- und Freiflächen in den sich immer mehr ausdehnenden Städten. Wohl nicht umsonst stellen zahlreiche Technische Universitäten den kompletten Text von „Stadt-Erweiterungen in technischer, baupolizeilicher und wirthschaftlicher Hinsicht“ auf ihre Websiten.

 

In seinem Vorwort zu „Stadt-Erweiterungen in technischer, baupolizeilicher und wirthschaftlicher Beziehung“ schreibt Reinhard Baumeister im April 1876:

 

Die Erweiterung der Städte erfolgt gegenwärtig nicht mehr so rasch, ja überstürzend, wie vor einigen Jahren. Umso eher ist ein planmäßiges Verfahren möglich und ratsam, durch welches die ferner zu erwartende Entwickelung zum allgemeinen Besten geleitet werden kann. Gute Pläne, richtige Grundsätze zur Wahrung der öffentlichen Interessen, im Übrigen freie Entfaltung der privaten Kräfte und Neigungen: auf diesen Wegen mag eine Stadterweiterung wohl glücklicher fortschreiten, als bisher mehrfach der Fall gewesen.

 

Das vorliegende Buch macht den Versuch, diesen Gegenstand nach den genannten Richtungen systematisch zu behandeln. Es will teils Bestehendes schildern, Bauten und Entwürfe, Meinungen und Verordnungen, teils mit Hülfe der Kritik und der Wissenschaft Gutes für die Zukunft vorbereiten helfen. Dass dabei die technischen, die baupolizeilichen und die wirtschaftlichen Beziehungen nicht immer streng aus einander gehalten, dass unter diesen Namen auch noch sonstige Gebiete berührt wurden, liegt in der Natur der Sache, und wird daher wohl Entschuldigung finden. Die Darstellung ist durch mehrere Rücksichten eingeschränkt worden. Einmal sind bei jeder Stadterweiterung örtliche Verhältnisse von so großem Einfluß, dass allgemein passende Regeln weniger als auf anderen technischen und wirtschaftlichen Gebieten aufgestellt werden können. Sodann sind die zahlreichen Baustatuten, Enteignungs-Gesetze, gesundheitlichen Verordnungen usw. keineswegs erschöpft, sondern nur in charakteristischen Beispielen vorgeführt. Vielleicht ist auch aus Unkenntnis Etliches vernachlässigt, was Erwähnung verdient hätte. Endlich hoffte der Verfasser, das Buch für alle die verschiedenartigen Kreise, welche mit Stadterweiterungen zu tun haben, eigentlich für jeden gebildeten Bürger, nützlich und verständlich zu machen, und musste deshalb namentlich in technischen Dingen sich entsprechend zurückhalten.

 

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