Name seit 1912, vorher Straße 39. Benannt nach Cecilie von Mecklenburg-Schwerin (1886-1954), Tochter des Großherzogs Friedrich Franz III. von Mecklenburg-Schwerin. Seit 1905 war sie die Ehefrau von Kronprinz Wilhelm von Preußen und daher bis 1918 die letzte Kronprinzessin des Kaiserreichs. Die Ceciliengärten wurden durch die Boden-AG-Berlin angelegt, vom Architekten Paul Wolf 1912 geplant und in den Grundzügen durch Heinrich Lassen 1924-1928 gebaut.

Plan von 1901

Die Geschichte der Ceciliengärten

 

Der Bebauungsplan für das sogenannte „Schöneberger Südgelände“ zwischen Friedenauer Straße (Hauptstraße), Südring und Stammbahn (Wannseebahn) hat zwischen 1875 und 1922 einige Veränderungen hinnehmen müssen. Erst nach Vollendung „seiner Ceciliengärten“ fand der inzwischen 64-jährige Architekt, Baubeamte und Kommunalpolitiker Heinz (Heinrich) Lassen mit „Der Leidensweg eines Bebauungsplans“ (in „Stadtbaukunst, 1928) deutliche Worte.

Das Land gehörte einst dem Schöneberger Großbauern „Willmann“. In den 1890er Jahren war durch die „Boden-Aktiengesellschaft Berlin-Nord“ eine Parzellierung und Bebauung mit „breiteren Straßen und eingestreuten Grünflecken“ geplant. Nachdem der Architekt Paul Wolf zum Stadtbauinspektor von Schöneberg berufen war, stellte er 1912 einen neuen „Bebauungsplan für das Willmann’sche Gelände“ auf.

 

 

 

Das Projekt erhielt den Namen „Ceciliengärten“, benannt nach Kronprinzessin Cecilie Auguste Marie von Mecklenburg-Schwerin (1886-1954), der Ehefrau von Kronprinz Friedrich Wilhelm (1882-1951). Paul Wolf wollte eine Idylle errichten, eine nach außen hin ziemlich abgeschlossene Gartenstadt inmitten der Großstadt, mit „durchsonnten Wohnungen durch Nord-Süd-Ausrichtung sämtlicher Baublocks“, ohne „Berliner Zimmer und Hinterhäuser“ und mit „Spielplätzen für die liebe Jugend“. Es kam der Weltkrieg, das Projekt verschwand in der Schublade und Wolf ging 1914 als Stadtbaurat nach Hannover.

Mit der Bildung von Groß-Berlin verlor Schöneberg 1920 seine Selbstständigkeit und bildete von da an gemeinsam mit Friedenau den 11. Berliner Verwaltungsbezirk Schöneberg. Am 21. Februar 1921 wählten die Stadtverordneten den Reichstagsabgeordneten der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) Emil Berndt (1874-1954) zum Schöneberger Bürgermeister. Stadtbaurat wurde der 57-jährige Professor Heinrich Lassen.

Er stellte einen dritten Bebauungsplan auf. Nach dem „Reichsheimstättengesetz“ von 1920 hatte er einen erheblichen Anteil an Grünflächen nachzuweisen: 87 ha Freiflächen und Parks, 34,3 ha Dauerkleingärten und nur 16,4 Prozent Bauland. Damit waren mit den nahen Friedhöfen Maxstraße und Zwölf Apostel 63,6 Prozent Grünland. Der Rest war Straßenland. Auf dieser Basis konnte Lassen an die Ideen seines Vorgängers Paul Wolf anknüpfen. Die „Gemeinnützige Heimstättengesellschaft der Berliner Straßenbahn“ und die „Wohnstättengesellschaft mbH“ erwarben die parzellierten Blöcke. Die Projektierung der Wohngebäude wurde den veränderten Wohnbedürfnissen angepasst – im Prinzip Mietskasernen in einer zeitgemäßen Ausführung. 1922 wurde mit dem Bau begonnen, 1927 war er vollendet.

Festzuhalten ist allerdings, dass die „Ceciliengärten“ mit den zeitgleich entstandenen Siedlungen der Architekten Max und Bruno Taut (Hufeisen, Lindenhof) oder gar der von Heinrich Tessenow koordinierten Zehlendorfer „Siedlung am Fischtalgrund“ städtebaulich, architektonisch und ästhetisch nicht das Wasser reichen konnte. Ausgenommen vielleicht das Mietshaus Ceciliengärten 1, Ecke Trägerstraße, das bereits 1918 nach dem Entwurf von Paul Wolf als Musterbau entstanden ist, ausgenommen auch der „Atelierturm“ an der Semperstraße.

Der Weltkrieg hat auch in den „Ceciliengärten“ seine Spuren hinterlassen. Die Häuser Nr. 4-7, Nr. 8-9, Nr. 39, Nr. 47 sowie Rubensstraße Nr. 32-38 und Nr. 40 waren teilweise schwer beschädigt. In den Nachkriegsjahren wurden die Wohnbauten „vereinfacht“ wieder aufgebaut. In die im Turm gelegene Atelierwohnung des Malers Hans Baluschek (1870-1935) wurden zwei eingebaut. Während die Grünanlagen bereits 1977 zum Gartendenkmal erklärt wurden, wurde die Gesamtanlage erst 1995 in die Berliner Denkmalliste aufgenommen.

Vor der 750-Jahr-Feier Berlins im Jahr 1987 wurden die „Ceciliengärten“ weitgehend denkmalgerecht saniert. Ob dazu auch die Dachausbauten mit Gauben der Häuser Nr. 42-49 gehören mussten, bleibt allerdings fraglich. Nach historischen Plänen wurde auch der zentrale Platz restauriert und die Rasenfläche wie gehabt mit Rosen umpflanzt. Nicht vergessen wurde auch die Kunst, der ovale Brunnen mit Wasserfontäne, der Fuchsbrunnen mit der 1912 von Max Esser (1885-1945) und Paul Wolf entworfenen Plastik, selbst die Skulpturen „Der Morgen“ und „Der Abend“, 1925 von Georg Kolbe (1877-1947) geschaffen, in den Wirtschaftswunderjahren auf dem Wittenbergplatz und im Rudolph-Wilde-Park dekorativ aufgestellt, kamen wieder an ihren angestammten Platz zurück.

Die Eigentumsverhältnisse der „Ceciliengärten“ sind verwirrend. Dem Bezirk sind lediglich die aufwändig zu erhaltenden Grünflächen und Straßen geblieben. Die Wohngebäude selbst wurden zum Spielball der Immobilienbranche. Schöneberg hat ein Kleinod leichtfertig aus der Hand gegeben.

 

 

Siedlung Ceciliengärten. Heinz Lassen, 1927

ePaper
Heinrich Lassen, vor 1930

Heinrich Lassen (1864-1953)

 

Heinrich Lassen (auch Heinz Lassen) wurde am 27. März 1864 in Flensburg geboren. Er studierte an der Königlich Technischen Hochschule Charlottenburg und war später Dozent an der Baugewerkschule. Mit der Bildung von Groß-Berlin am 1. Oktober 1920 verlor Schöneberg seine Selbstständigkeit und bildete von da an gemeinsam mit Friedenau den 11. Berliner Verwaltungsbezirk Schöneberg. Der bisherige Friedenauer Gemeindebaurat Hans Altmann verlor seinen Posten. Am 21. Februar 1921 wählten die Stadtverordneten den Reichstagsabgeordneten der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) Emil Berndt (1874-1954) zum Schöneberger Bürgermeister. Kaum vorstellbar ist, dass er auch die Stimme von Theodor Heuss erhielt, der bereits am 23. Februar 1919 für die liberale Deutsche Demokratische Partei“ (DDP) als Stadtverordneter in das Schöneberger Rathaus eingezogen war.

 

Zum Stadtbaurat wurde der 57-jährige Professor Heinrich Lassen gewählt. Bekannt war er geworden als Architekt von Konsul Franz Frischen, der 1911 Schloss Jamitzow (Vorpommern) abreißen und durch Lassen ein neues Gebäude mit 50 Zimmern errichten ließ. In Berlin schuf er zwischen 1911 und 1915 den roten Backsteinbau von Haus Auhagen (Arnimallee) sowie die Landhäuser Reimer (Podbielskiallee) und Keppel (Humboldtstraße).

 

Da bereits vor dem Ersten Weltkrieg von der „Boden-Aktiengesellschaft Berlin-Nord“ Entwicklungsarbeiten für das Gebiet zwischen der Haupt-, Rubens-, Baumeister- und Sponholzstraße geleistet worden waren, stürzte sich Lassen mit seiner Hochbauverwaltung auf dieses Material. Er respektierte den Grundgedanken seines Vorgängers Paul Wolf, realisierte aber eine Wohnanlage, deren städtebauliche Konzeption und architektonische Ausgestaltung im Kontrast zu den zeitgleich entstandenen Siedlungen von Max und Bruno Taut (Hufeisensiedlung, Siedlung Lindenhof) oder gar von Heinrich Tessenows „Siedlung am Fischtalgrund“ steht. 1922 wurde mit dem Bau der „Mietskasernen in einer zeitgemäßen Ausführung“ begonnen, 1927 war die Siedlung Ceciliengärten vollendet.

 

Zu seiner Werkliste kamen 1929 hinzu Kiosk mit Wartehäuschen und Bedürfnisanstalt auf Lauterplatz (Breslauer Platz) und das Stadtbad Schöneberg (1930). Heinrich Lassen war bis 1932 Stadtbaurat von Schöneberg. Er starb am 21. Februar 1953 in seiner Geburtsstadt Flensburg.

 

Paul Wolf

Paul Wolf (1879-1957)

 

Als der Architekt und Städtebauer Paul Wolf am 30. April 1957 starb, hatte er eine bemerkenswerte Karriere hinter sich: Im Kaiserreich schuf er 1912 für Schöneberg den ersten „Bebauungsplan für das Willmann’sche Gelände“ (Ceciliengärten). Während der Weimarer Republik legte er in Hannover zwischen 1919 und 1923 die Bebauungspläne für die mustergültigen Wohnsiedlungen „Laatzen“ und „Rote Häuser“ vor. Im Dritten Reich kümmerte er sich als Baudirektor von Dresden um die Planungen für das nationalsozialistische Gauforum und im Ministerium für Aufbau der DDR erarbeitete er ab 1950 als Stadtplaner das „Gesetz über den Aufbau der Städte in der DDR“.

 

Paul Wolf, der am 21. November 1879 in Schrozberg (Hohenlohe) geboren wurde, war nach seinem Architekturstudium an der Technischen Hochschule Stuttgart erlebte während seines Lebens mehrere gegensätzliche Ansätze von Stadtplanung in ziemlich verschiedenen politischen Epochen, seine Mitgliedschaft in der NSDAP ab 1933 eingeschlossen. Er war sicher kein gestalterischer Pionier, aber er hat vor allem in den 1920er und 1930er Jahren durchaus bedeutsame Bauten hinterlassen, die mit den Begriffen Regionale Bauweisen, Gartenstadt, Funktions- und Nutzerorientierung treffend beschrieben sind. Paul Wolf war „ein Städtebauer zwischen Tradition und Revolution“.

 

 

 

 

Ceciliengärten. Entwurf Paul Wolf, 1912

Bebauungsplan für das Willmann'sche Gelände, 1912

ePaper

 

Weiteres in Vorbereitung

 

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
      Twitter & Facebook      © friedenau-aktuell, 2017