Name seit dem 12.1.1892, vorher Straße 9. Benannt nach dem Maler und Grafiker Lucas Cranach der Ältere (1472-1553). Den Bebauungsplan erstellte die Schöneberger-Friedenauer Terraingesellschaft.

 

 

 

 

In Vorbereitung

Cranachstraße 53

Da war ja im April des Jahres 1908 ganz schön was los in der Cranachstraße Nr. 58, „als Leo plötzlich in die Wohnung im zweiten Stock und in mein Zimmer stürzte und rief, er hätte erfahren, dass ich mit K fahren wolle, daraus werde aber nichts, oder ich bleibe auf der Stelle tot. Ich wurde, wie immer, eisig ruhig dabei, blieb auf meinem Platz und antwortete kein Wort. Das machte ihn noch rabiater, und er stürzte zu Dir, wobei er von mir die Adresse verlangte - ich antwortete natürlich nichts - und sich von Gertrud beide Schlüssel geben ließ. Wie ich das sah, ging ich zu K. und blieb dort über Nacht. Wie ich mich fühlte, kann ich Dir nicht beschreiben, die Nacht war fürchterlich.

Am anderen Morgen ging ich mit den Buben in die Wohnung, um nach Briefen zu sehen, traf ihn auf der Straße, schaute mich natürlich nicht um und ging rauf. Oben lagen meine Briefe geöffnet, und wie ich runter ging, war er wieder vor dem Hause und ging neben mir her. Er war bei Dir, Frau Großmann hätte ihm „alle Informationen“ gegeben, offenbar über Besuche, „der Vogel sei herausgeflogen“, aber er werde ihn schon erreichen; ferner dürfe ich keinen Schritt aus Berlin tun, ich solle es versprechen, sonst schlägt er mich sofort tot. Und er griff schon in die Tasche. Ich blieb ruhig und eisig, wandte nicht einmal den Kopf um, darauf ging er. Ich war aber innerlich von den Misshandlungen so furchtbar aufgeregt und so unglücklich, daß ich wieder zu K mußte und nicht nach Hause durfte (das Haus wurde mir zum Greuel, seit er die Schlüssel nahm).Ich fühlte mich so einsam, ratlos, ausweglos wie noch nie. Vor allem konnte ich absolut keinen Entschluß fassen: Soll ich fahren oder nicht. Ich dachte mir, Du würdest unbedingt dafür sein, daß ich fahre, und ich raffte noch schnell abends meine paar Sachen, kam um elf Uhr wieder zu K’s und am anderen Morgen fuhr ich. Du darfst jedenfalls nicht daran denken, hierher zu kommen, denn L. wird ja einen Ausbruch der Raserei haben, wenn er erfährt, ich sei doch fortgefahren, und dann schmeißt er alles hin und kommt her, um sich zu rächen. Schreibe mir bald, mein Süßer, süßer Schatz. Deine Niunia. Sei ruhig und heiter, Bubi, ich freute mich die ganze Zeit, daß ich Dich fern von Berlin, fern von dieser grausamen Aufregung und fern von Gefahr wußte. Diudiu, süßer.

 

 

 

 

 

 

 

 

Dieser Brief vom 14. April 1908 an Kostja Zetkin beschreibt das Dilemma, in das sich Rosa Luxemburg gebracht hatte. Da war Leo Jogiches, einst der „berühmte Revolutionär“ aus Litauen, den sie während ihres Studiums 1890 in Zürich kennen und lieben gelernt hatte. Sie betrachtete sich als seine Frau, wollte ein Kind, eine Familie. Er sah die Beziehung „etwas anders“, empfand ihre variationsreichen Kosenamen eher einengend und klammernd. Sie litt: „Du hast mich dahin gebracht, dass ich mich geniere, Dir Persönliches zu schreiben, von meinen Gefühlen und Eindrücken. Es scheint mir, dass es etwas Schlechtes ist, wenn man nicht von der Sache schreibt.“

Rosa Luxemburg war 1888 aus ihrer polnischen Heimat in die Schweiz geflohen und studierte ab 1889 in Zürich. Dort entwickelte sich ab 1891 eine Liebesbeziehung zu dem Marxisten Leo Jogiches. Am 19. April 1898 heiratete sie den Schlosser Gustav Lübeck. Damit hatte sie die deutsche Staatsbürgerschaft und konnte am 16. Mai 1898 gegen den Willen von Leo Jogiches nach Berlin ziehen. Vier Tage später hatte sie am 20. Mai 1898 ihre erste Wohnung in der Cuxhavener Straße Nr. 2 im Tiergarten. Ein Jahr danach war sie auf der Suche nach einer neuen Bleibe. Die fand sie am 24. Oktober 1899 in der Wielandstraße 23. Dort lebten Rosa Luxemburg und der doch von Zürich übergesiedelte Jogiches ab August 1900 in einer Wohnung, jeder in einem möblierten Zimmer. Beide waren darauf bedacht, dass „ihre Beziehung ein Geheimnis“ blieb. Im Frühjahr 1902 fand sie eine geeignetere Wohnung: Fortan stand im Adressbuch: „Lübeck-Luxemburg, Rosa, Frau Dr. jur., Schriftstellerin. Schöneberg. Cranachstr. 53 II. (Postbezirk Friedenau).“

Obwohl 1903 die Scheidung von Gustav Lübeck erfolgte, wurde im Adressbuch bis 1911 immer der Name „Luxemburg-Lübeck“ aufgeführt. Die Beziehung zwischen Rosa und Leo gestaltete sich zunehmend schwierig und ist treffender mit „politisch eng verbunden“ charakterisiert. Rosa Luxemburg aber wollte „geliebt“ werden. So kam es, dass sie ab 1907 eine Liebesbeziehung zu dem 14 Jahre jüngeren Kostja Zetkin, dem Sohn von Clara Zetkin, unterhielt, der während seiner Aufenthalte in Friedenau „anderswo zur Untermiete untergebracht wurde. Das Verhältnis sollte (auch wieder) geheim gehalten werden, vor den Genossen, vor den Freunden wie den Zetkins oder Kautskys – und vor Leo Jogiches.

Obwohl 1903 die Scheidung von Gustav Lübeck erfolgte, wurde im Adressbuch bis 1911 immer der Name „Luxemburg-Lübeck“ aufgeführt. Die Beziehung zwischen Rosa Luxemburg und Leo Jogiches gestaltete sich in den folgenden Jahren zunehmend schwierig und ist treffender mit „politisch eng verbunden“ charakterisiert. Rosa Luxemburg aber wollte „geliebt“ werden. So kam es, dass sie ab 1907 eine mehrjährige Liebesbeziehung zu dem 14 Jahre jüngeren Kostja Zetkin, dem Sohn von Clara Zetkin, unterhielt, der während seiner Berlin-Aufenthalte in der Wohnung von Frau Großmann in der Peschkestraße 14 „untergebracht“ wurde. Auch dieses Verhältnis sollte geheim gehalten werden, vor den Genossen, vor den Freunden wie den Zetkins oder Kautskys – und vor Leo Jogiches.

 

Nachfolgend als PDF die Briefe von Rosa Luxemburg an Leo Jogiches und Kostja Zetkin zwischen 1898 und 1909:

 

ePaper
Teilen:

Nachfolgend veröffentlichen wir mit freundlicher Genehmigung einen Beitrag von Dr. Christian G. Pätzold zu 100 Jahre JUNIUS-BROSCHÜRE von Rosa Luxemburg der am 21. Juni 2016 zuerst auf www.kuhlewampe.net erschienen ist.

 

ePaper
Teilen:
Grab von Paul Levi auf dem Wilmersdorfer Waldfriedhof Stahnsdorf. Foto Peter Hahn, 2005

Ein internationaler revolutionärer Sozialist

 

Im Zusammenhang mit Rosa Luxemburg möchten wir auf das Grab des von der SPD „etwas vergessenen“ Sozialdemokraten, Verteidigers und Freundes Paul Levi (1883-1930) hinweisen. Es befindet sich auf dem Wilmersdorfer Waldfriedhof in Stahnsdorf (Grablage Abteilung A/S, Familienstelle St 25).

 

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
      Twitter & Facebook      © friedenau-aktuell, 2017