Name seit dm 29.4.1884, benannt nach dem Dichter Christoph Martin Wieland (1733-1813), dem Begründer der Tradition des deutschen Bildungsromans.

 

 

Wielandstraße Nr. 17

Vom Immobilienhändler zum Stadtentwickler

Jörn Oltmann von den GRÜNEN schlägt zu

 

 

Die GRÜNEN erleichtern uns die Wahl. Wenn sie eine Grünfläche als „eine überwiegend versiegelte Fläche“ betrachten und daher nun das Blockinnere zwischen den Grundstücken Wielandstraße Nr 17 und Fregestraße Nr. 72 verdichten und mit neun Eigentumswohnungen und einer Tiefgarage bebauen, dann steht die Wahlentscheidung schon vor dem 24. September fest.

 

Die „Berliner Woche“ hatte in ihrer Ausgabe vom 30. August 2017 über das „Projekt“ berichtet. Darin zeigen sich die Anwohner entsetzt. Denn die laut grünem Stadtentwicklungsstadtrat Jörn Oltmann „überwiegend versiegelte Fläche“ stellt sich als begrünter Innenhof heraus. „Der grüne Mann hat nur gesehen, was er sehen wollte, damit er den Bauantrag durchdrücken kann“, so ein Anwohner. Auch auf eine mehr als 200 Jahre alte Buche – älter als Friedenau! – will Oltmann keine Rücksicht nehmen. Er unterstellt laut „Berliner Woche“ den Anwohnern vielmehr, um den Verlust ihrer Stellplätze zu fürchten.

 

Wenn unsere Informationen zutreffen, dann wurde der Bauantrag einer ausländischen Investorengruppe vor mehr als sieben Jahren eingereicht und am 26.4.2010 vom Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg mit einem Vorbescheid bedacht. Wenn der Bauantrag erst jetzt bewilligt wurde, kann man sich vorstellen, dass Stadtplanung, Bauaufsicht und Denkmalschutz im Rathaus Schöneberg wohl in den vergangenen Jahren erhebliche Bedenken gegen die Bebauung hatten.

 

Es ist nun allerdings nicht das erste Mal, dass Oltmann, der selbst aus der Immobilienbranche kommt, genau dieser den Vorzug vor dem Erhalt Friedenauer Grünflächen gibt. Erinnert sei an das Mammutprojekt auf dem Bahndamm des ehemaligen Güterbahnhofs Wilmersdorf. Dort wird eine entwicklungsfähige und als Luftschneise dringend benötigte Freifläche zugebaut, ausdrücklich gefördert vom grünen Stadtrat.

 

„Politisch geht es mir darum, eine möglichst kompakte Bauweise auf möglichst versiegelten Flächen zu ermöglichen“, so der Dezernent in der „Berliner Woche“. „Grün- und Freiflächen sollen möglichst erhalten bleiben. Wohnungsneubau soll mit Augenmaß geschehen und trotzdem werden wir immer häufiger den Konflikt haben, dass Stellplätze wegfallen um Wohnungsbau zu ermöglichen. Dazu stehe ich in einem gewissen Rahmen. Ich mag keine Extreme. Doch im Fall der Wielandstraße halte ich eine Bebauung für angemessen.“

 

Die „politischen“ Ziele des grünen Stadtrats können die Bewohner der Wielandstraße 17 und mit ihnen viele Friedenauer angesichts der tatsächlichen Entscheidungen nur noch als Zynismus verstehen. Wenn die Immobilienbranche sich einen derart starken Einfluss im Stadtentwicklungsressort von Tempelhof-Schöneberg gesichert zu haben scheint, dann sollten bei den Bürgern alle Alarmglocken schrillen. Denn die Folgen davon betreffen die Wohnqualität aller Einwohner des Bezirks.

 

Wielandstraße 16. Foto H&S, 2017

Wielandstraße Nr. 16

 

Das Haus Wielandstraße Nr. 16 liegt im „gefühlten Friedenau“. Es wurde 1887 nach Entwürfen von Architekt Carl Schäfer (1844-1908) für den Hofkunsthändlers Eduard Müller erbaut. Drei Jahre zuvor erhielt die Straße ihren Namen. Das Landesdenkmalamt Berlin hat die Villa zum Baudenkmal erklärt. Erläuterungen dazu gibt es nicht. Aktueller Eigentümer ist die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Bekannt ist uns bisher noch, dass der spätere Eigentümer, der Fabrikant Hermann Ramm, 1925 den „Einbau eines Ateliers im Dachgeschoss“ beantragte und von der Städtischen Baupolizei Schöneberg auch genehmigt bekam. 1930 war er nicht mehr. Besitzerin war nun seine Witwe Frieda Ramm. Wie es mit dem Anwesen weiterging, ist uns bisher nicht bekannt. Wir bemühen uns, die Geschichte des Hauses zu ergründen.

 

Aktuell wissen wir nur, dass sich auf dem Grundstück eine mehr als 130-jährige Buche mit einem Umfang von 3,70 Meter befindet, der, wenn es nach dem Willen des Schöneberger Bezirksstadtrats Jörn Oltmann (DIE GRÜNEN) geht, durch eine Verdichtung im Blockinneren mit Neubau und Tiefgarage und dem Entfernen ihres weitverzweigten Wurzelwerks das Ende bevorsteht.

 

 

Der Architekt Carl Schäfer auf Wikipedia

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Der Architekt Carl Schäfer in "Sächsische Biografie"

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Wielandstraße 25

Reichstheaterkammerpräsident Otto Laubinger

 

„Die Mazurka in dem traditionellen polnischen Nationalkostüm getanzt, hat den Charakter eines polnischen Nationaltanzes. Zwar wird das Verbleiben der Mazurka in den deutschen Kulturprogrammen, wie auch in der Ausbildung des tänzerischen Nachwuchses, als notwendig bejaht. Es ist jedoch darauf zu achten, dass das betont Polnische des Kostüms, insbesondere die viereckigen Mütze und die Pelz Verbrämung an den halblangen Ärmeln und dem Schuhwerk, in Fortfall kommt. Ein Fantasiekostüm kann dem Charakter des Tanzes hinlänglich gerecht werden.“

 

Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Joseph Goebbels gab den Erlass heraus und sein Reichstheaterkammerpräsident Otto Laubinger hatte mit Rundschreiben „an die Herren Landesleiter der Reichstheaterkammer, Bühnenleiter, Direktoren der Artistik, Leiter der Tanzschulen und Ballettmeister“ für die „gewissenhafte Beachtung“ zu sorgen.

 

Otto Laubinger war Schauspieler, ein bemerkenswerter offensichtlich nicht, denn der Theaterkritiker Herbert Jhering stellte ihm schon 1925 schlechte Zeugnisse aus: Im „Prinz Friedrich von Homburg“ am Staatstheater „ist Otto Laubinger sehr schwach als Hohenzollern. Er hat es zwar zu einer Sprachdisziplin gebracht. Aber er blieb unkleistisch: er rezitierte und spielte nicht die Vorgänge durch die Sprache hindurch“. Und wenig später in „Hannibal“ von Christian Dietrich Grabbe „ist Herr Laubinger von den früheren Hofschauspielern höchstens durch den geringeren Grad seines Talents unterschieden“.

 

 

 

 

Otto Laubinger, geboren am 11. März 1892 in Eichenrod, wohnte von 1923 bis 1932 in der „Wielandstraße 25 III, Post Friedenau, Telefon Rheingau 1456“. Er muss wohl geahnt haben, dass er es mit der Schauspielkunst nicht weit bringen würde. Nachdem Hitler am 9. November 1926 Joseph Goebbels zum Gauleiter von Berlin-Brandenburg ernannt hatte, und dieser aus der zerstrittenen Berliner NSDAP eine straffe Gauorganisation schuf, sah Laubinger in der nationalsozialistischen Bewegung seine Chance. 1932 trat er in die NSDAP ein. Das sollte sich auszahlen.

 

Nachdem Carl Wallauer (1874-1937), seit 1927 Präsident der Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger 1932 aus dem Amt gedrängt worden war, übernahm Laubinger zwei Monate nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 1. April 1933 die Präsidentschaft der Bühnengenossenschaft. Wenige Tage später folgte seine Ergebenheitsadresse: Er wolle sich „bewusst und überzeugt in die nationale Bewegung“ eingliedern.

 

Am 1. August 1933 war die Reichstheaterkammer ins Leben gerufen worden und Otto Laubinger deren Präsident. Er hatte nun die Aufgabe, die bisherigen Interessenverbände der künstlerisch tätigen Berufsgruppen aufzunehmen und neu zu gliedern: „Durch die Bestimmung, dass jeder Theaterberufstätige der Reichstheaterkammer angehören muss und diese Mitgliedschaft durch Zugehörigkeit zu seinem Fachverband vermittelt wird, ist auch Vorsorge getroffen, dass sich niemand ausschließen und seine eigenen Wege zum Schaden der Allgemeinheit gehen kann.“

 

Nachdem der „Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda" am 22. September 1933 die „Reichskulturkammer“ als übergeordnetes Organ unter Vorsitz von Joseph Goebbels gegründet hatte, kamen die Abteilungen Schrifttum (Hans Friedrich Blunck/Hanns Johst), Film (Fritz Scheuermann/Oswald Lehnich/Carl Froelich), Musik (Richard Strauss/Peter Raabe), Bildende Künste (Adolf Ziegler), Presse (Max Amann) und Rundfunk (Horst Dreßler-Andreß) hinzu.

 

Als der Jude Max Reinhardt die von den Nationalsozialisten angebotene „Ehren-Arierschaft“ ablehnte, das Deutsche Theater in der Schumannstraße und Berlin verließ, bat Laubinger im April 1934 den Intendanten der Berliner Volksbühne Heinz Hilpert zu sich. Der Inhalt der Unterredung ergibt sich aus dem Antwortbrief von Hilpert am 19. April 1934: „Sie haben mich zu sich gebeten und gefragt, ob ich Lust hätte, das Deutsche Theater zu übernehmen. Ich habe Ihnen mit freudiger Bereitschaft darauf ‚ja‘ gesagt und erzählt, dass ich sogar nach dieser Seite schon Schritte unternommen habe, weil ich das Empfinden hatte, dass der Boden dort mir besonders gelegen wäre. Daraufhin hat der Minister mir dieses Theater angetragen und ich habe diesen Antrag gern akzeptiert.“

 

Otto Laubinger starb am 27. Oktober 1935. Beerdigt wurde er auf dem Südwestkirchhof in Stahnsdorf (Block Epiphanien, Gartenblock II, Erbbegräbnis 32). Goebbels sprach am 15. November 1935 in Anwesenheit von Hitler, Göring und Hess in der Philharmonie die Gedenkworte. 1939 erfolgte in Köpenick die Umbenennung der Goethestraße in Laubingerstraße und des Goetheplatzes in Laubingerplatz. 1960 wurden daraus Müggelbergallee und Müggelbergplatz.

 

Ottomar Anschütz, Archiv Holger Anschütz

Wielandstraße Nr. 33

Ottomar Anschütz

* 16. Mai 1846;  † 30. Mai 1907

 

Ottomar Anschütz wurde am 16. Mai 1846 in Lissa (Provinz Posen) geboren. Zwischen 1864 und 1868 absolvierte er eine Ausbildung durch die Photographen Ferdinand Beyrich (Berlin), Franz Hanfstaengl (München) und Ludwig Angerer (Wien). Nach der Lehre spezialisierte er sich im Atelier seines Vaters in Lissa auf die Porträtphotographie. Mit seinem Namen sind jedoch vor allem zwei Begriffe verbunden: Die Momentphotographie und die Goerz-Anschütz-Patent-Camera.

Mit der Erfindung des Schlitzverschlusses vor der Belichtungsplatte war Anschütz in der Lage, Momentaufnahmen mit einer Belichtungszeit von 1/1000 sec. zu erstellen. So entstanden die Augenblicksbilder von "einem Trupp marschierender Soldaten" (1881), vom "Kaisermanöver bei Homburg" (1884), die "Fuchs-Bilder" (1886), von der "Beisetzung von Kaiser Friedrich III." in Sanssouci (1888), die "Storchen-Bilder" (1894) und - allen voran die Aufnahmen von den Flugversuchen von Otto Lilienthal (1848-1896) vom Fliegeberg in Lichterfelde. Ottomar Anschütz lebte ab 1888 in Berlin. Am 30. Mai 1907 ist er in seiner Friedenauer Wohnung Wielandstraße 33 gestorben.

 

 

Eine ausführliche Würdigung von Ottomar Anschütz finden Sie unter dem Menüpunkt "Ehrenwerte Friedenauer".

 

 

Weiteres unter Wielandstraße Nr. 33 In Vorbereitung-

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