Hans Altmann, Gemälde von Friedrich Harnisch o.J. Quelle: Archiv zur Geschichte von Tempelhof und Schöneberg (Friedenau)

Der Architekt Hans Altmann (1871-1965)

 

 

 

Nachruf

 

Friedenaus Gemeindebaurat Altmann

Eines seiner markantesten Bauwerke: das Rathaus am Breslauer Platz

 

Der wohl wirkungsvollste Gestalter der ehemals selbständigen Gemeinde Friedenau, Gemeindebaurat Hans Altmann, Ehrenmitglied des Bundes Deutscher Architekten, ist am vergangenen Donnerstag im Alter von 93 Jahren in seinem Heim am Föhrenweg 17 im Grunewald gestorben. 14 Jahre, von 1906 bis zur Eingliederung der Gemeinde Friedenau in den Bezirk Schöneberg im Jahre 1920, hat er als Baurat der Gemeinde das architektonische Bild Friedenaus maßgeblich mitgestaltet. Zu seinen markantesten Bauwerken gehören das Rathaus am Breslauer Platz, zahlreiche Schulen: u. a. die Rheingau-Schule in der Schwalbacher Str. 3-4, die Paul-Natorp-Schule in der Goßlerstr. 13-15, die Bobertal-Schule in der Offenbacher Str. 5a, die Askania-Werke in der Bundesallee, das Postgebäude am Wilmersdorfer Platz und die Friedhofskapelle in Gütergotz (heute Bezirk Wilmersdorf).

 

Der frühere Chefredakteur des „Friedenauer Lokalanzeigers“, Hermann Martinius, erinnert sich heute noch genau an den Tag der Anstellung des Baurats Altmann bei der Gemeindeverwaltung: den 1. April 1906. Hans Altmann hatte sich damals bereits mit einigen Bauten beim preußischen Staatsdienst empfohlen. Sein erster Auftrag: Das Reformrealgymnasium, die heutige Rheingau-Schule. Und mit dem hatte Bürgermeister Schnackenburg zahlreiche Bedingungen verknüpft.

 

Schnackenburg hatte zu der Zeit gerade die „Vortragsabende für Kunst und Wissenschaft“ ins Leben gerufen, die in der Aula des ehemaligen Friedenauer Gymnasiums am Maybachplatz (heute Friedrich-Bergius-Schule am Perelsplatz) stattfanden. Für diese Veranstaltungen wünschte der Bürgermeister einen schöneren und größeren Saal. Daher schlug er vor, die Aula des entstehenden Reformrealgymnasiums zu einem Bürger-Festsaal auszubauen, in dem nicht nur größere künstlerische Veranstaltungen, sondern auch Festlichkeiten der Bürger stattfinden sollten.

 

Baurat Hans Altmann bemühte sich mit Erfolg, diesen Anforderungen gerecht zu werden Und daher hat die Aula heute noch eine große Bühne, Galerien, eine Filmvorführanlage und mehrere kleine Nebenräume, in denen früher die Festessen angerichtet wurden. Unter den Festsaal baute er einen Turnsaal, der zahllosen Veranstaltungen als Tanzsaal diente. 1910 war es dann soweit: Friedenau hatte ein neues Schulgebäude, das zudem Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens der Gemeinde werden sollte. Schnackenburg, der wenige Wochen zuvor als Oberbürgermeister nach Altona gewechselt war, hatte es sich nicht nehmen lassen, an der Einweihung am 11. Oktober teilzunehmen. Jetzt fanden ständig Vorträge, Theatervorstellungen usw. im Gymnasium statt. Auch der „Haus- und Grundbesitzer-Verein“ feierte 1913 sein Jubiläum im Bürger-Festsaal.

 

Altmanns Hauptwerk aber war der Rathausbau, von 1913 bis 1915. Auch hier schuf er einen Festsaal (den heutigen Schlesiensaal), zudem einen Ratskeller mit Vereinszimmern usw., so daß der Mittelpunkt der aufstrebenden Ortschaft auch Zentrum des gesellschaftlichen Lebens der Gemeinde wurde. Mit Zugang von der Lauterstraße erhielt die Feuerwache in dem „Brennpunkt" einige Räume. Sie war dadurch zusätzlicher Schutz für den Tresor der Sparkasse im Keller. Aber auch äußerlich war das Rathaus repräsentativ. Leider sind die meisten der künstlerischen Stückarbeiten während des zweiten Weltkrieges in einer Bombennacht vernichtet worden. Doch die Dominante, der weithin sichtbare Turm, läßt die ursprüngliche Fassade noch erkennen.

 

Nach der Eingemeindung Friedenaus schied Hans Altmann aus der Kommunalverwaltung aus und betätigte sich als freischaffender Architekt. Sichtbare Zeichen dieses Schaffens: Wohnsiedlungen am Südwestkorso, Häuser in der Rheinstraße, ein Wohn- und Geschäftszentrum am Roseneck und die Askanier-Werke in Marienfelde. Aber auch in Pommern und in Schlesien baute Altmann zahlreiche Industriewerke. Sie alle sind Ausdruck seiner unermüdlichen Schaffenskraft und von nun an Gedenkmale, wie sie sich nur ausdrucksstarke Baumeister zu setzen vermochten.

 

Nachruf: DER NEUE WESTEN, 27.1.1965

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