Wilmersdorfer Waldfriedhof Güterfelde Kapelle. Foto H&S 2004

Waldfriedhof Friedenau in Gütergotz

Architekt Hans Altmann, 1913/14

(heute Wilmersdorfer Waldfriedhof Güterfelde)

 

 

Die Prognosen von Kirchen und Kommunen über den zu erwartenden Mangel an innerstädtischen Begräbnisflächen erwiesen sich schon kurz nach dem Ersten Weltkrieg als nicht haltbar. Die Erkenntnis kam zu spät, für die Evangelische Kirche mit dem Südwestkirchhof (1909), für die Gemeinde Friedenau mit dem Waldfriedhof in Gütergotz (1914) und für die Stadt Wilmersdorf mit dem Waldfriedhof in Stahnsdorf (1920).

 

Bereits 1912 hatte Friedenau Verhandlungen über einen Friedhof im Umland aufgenommen. Gelegen kam, dass die ev. Stadtsynode am 28. März 1909 den Südwestkirchhof als zukünftigen Zentralfriedhof eingeweiht hatte. So kaufte die Gemeinde Friedenau nebenan eine Fläche von 6,5 Hektar zur Anlage einer Bestattungsfläche. 1913 kamen weitere 5,75 Hektar dazu.

 

 

 

 

 

Die Planung und Ausführung oblag Gemeindebaurat Hans Altmann, der „die Baulichkeiten des Friedhofes und seine ganze Anlage dem Charakter eines Waldfriedhofs angepasst hat. Der Eingang wird durch ein monumentales Portal von einem malerisch hingestellten Verwaltungsgebäude und einer Blumenverkaufshalle flankiert. Die geräumige Friedhofskapelle schließt sich in ihrem Charakter der Stimmung des sie umgebenden Hochwaldes an. Gärtnerei, Gewächshaus kamen dazu, und im Jahre 1919/20 ein großes Wirtschaftsgebäude“.

 

Die erste Beisetzung fand im Juni 1914 statt. Das Grabmal des Bäckermeisters Berthold Raabe und seiner Frau Elise aus der Handjerystraße Nr. 16 ist bis heute erhalten. Ein Jahr später wurde das Mausoleum für den Kolonisten Kurt Hoffmann (1853-1915) errichtet, der seit 1885 in Deutsch-Ostafrika (heute Tansania, Burundi, Ruanda und Mosambik) den Anbau von Sisal für die Produktion von Tauen, Seilen, Garn und Teppichen betrieb. Er war ein Sohn des Ringofen-Erfinders Friedrich Eduard Hoffmann (1818-1900), dessen Bruder Otto (1853-1930) wiederum die Landhäuser in der Schmargendorfer Straße Nr. 22-24 und Albestraße Nr. 24 sowie die Burg am Friedrich-Wilhelm-Platz entworfen hatte. Dieses Mausoleum befindet sich noch heute im Familienbesitz. Ihre letzte Ruhe fanden dort draußen der Schauspieler Paul Biensfeldt (1869-1933) und Max Schreck, dem grandiosen Graf Orlok aus Murnaus Film Nosferatu.

 

Altmann hat vor den Toren der Stadt ein zweites Friedenau geschaffen. Der Grundriss, die halbkreisförmig angelegten Wege, die Schmuckplätze und die Kapelle aus Klinkersteinen legen diesen Vergleich nahe. In den Jahrzehnten danach haben nicht viele Friedenauer ihre letzte Reise dorthin angetreten. Der Waldfriedhof Friedenau in Gütergotz ist mit der Zeit in Vergessenheit geraten. Die Gründe dafür sind vielschichtig.

 

Die Begräbnisstätte lag zweifellos jotwede. Obwohl die Kirche 1913 für die Friedhofsbahn Wannsee–Stahnsdorf gesorgt hatte, sträubten sich die Hinterbliebenen gegen eine Bestattung ihrer Lieben weit weg von den Wohnquartieren. Letztendlich bestand dazu auch keine Notwendigkeit, da sich die Bestattungskultur in der Zeit zwischen den Weltkriegen rasant veränderte. Feuerbestattung und platzsparende Reihengräber kamen hinzu.

 

Für Friedenauer mag noch eine weitere Irritation maßgebend gewesen sein. Eröffnet wurde die Anlage als Waldfriedhof Friedenau in Gütergotz. Mit der Bildung von Groß-Berlin im Jahr 1920 und der Eingemeindung von Friedenau wurde daraus der Waldfriedhof Schöneberg in Gütergotz. Als die Nationalsozialisten auf die Idee kamen, alles Slawische und Wendische zu tilgen, wurde 1937 aus Gütergotz Güterfelde und nach einer Verwaltungsreform daraus der „Wilmersdorfer Waldfriedhof Güterfelde“. So blieb es bis heute, auch in den Mauerjahren, in denen das Bezirksamt Wilmersdorf für die Anlage verantwortlich und der Güterfelder Friedhofsverwalter als Bürger der DDR Angestellter von Wilmersdorf war – wobei sein Gehalt über die Notenbank 1:1 ausgezahlt wurde.

 

Das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege erstellte im Jahr 2001 eine „Gutachtliche Äußerung zum Denkmalwert“ des ehemaligen Friedenauer Friedhofs und kam darin zu dem Ergebnis: „Wegen des vorstehend dargelegten Denkmalwertes bedarf der Waldfriedhof Güterfelde des gesetzlichen Schutzes.“ (Ausführlicher Text nachfolgend als PDF)

 

Es war nur eine Frage der Zeit, bis der Berliner Senat im Jahr 2006 mit dem „Friedhofsentwicklungsplan“ (FEP) auf das Überangebot von Friedhofsflächen reagierte. Insgesamt werden 700 Hektar überflüssig, darunter die 12,25 Hektar des Wilmersdorfer Waldfriedhofs Güterfelde, die inzwischen als Grünfläche ausgewiesen sind. Neubestattungen werden seit 2005 nicht mehr gestattet. Erhalten werden die Soldatengräber des Ersten Weltkriegs, die Ruhestätte der Opfer des KZ Sachsenhausen, der Sowjetische Ehrenfriedhof sowie herausragende Grabdenkmale. Fakt ist aber auch, dass Wilmersdorf den Friedhof loswerden möchte. Einige Flächen sind durchaus wirtschaftlich verwertbar. Um die unter Denkmalschutz stehende Gesamtanlage zu sichern, hat sich inzwischen der „Förderverein Hans-Altmann-Park“ gegründet. Ziel ist der Erhalt für die Öffentlichkeit durch Umwandlung in einen Park und die Nutzung der Bauten für Kunst und Kultur.

 

Vor den Toren der Stadt entstanden mit dem Südwestkirchhof (1909) von Gartenbaumeister Louis Meyer, dem Friedenauer Friedhof in Güterfelde von Hans Altmann (1914) und dem Wilmersdorfer Waldfriedhof Stahnsdorf (1920) von Stadtgartendirektor Erwin Barth Totengärten von überregionaler Bedeutung, auf denen viele herausragende Persönlichkeiten ihre letzte Ruhe gefunden haben.

 

Gutachtliche Äußerung zum Denkmalwert, 2001

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Kapelle Erdgeschoss. Archiv Friedhof

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Kapelle Obergeschoss. Archiv Friedhof

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Kapelle Untergeschoss. Archiv Friedhof

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