Rathaus Friedenau. Quelle BA TS

Rathaus Friedenau

Architekt Hans Altmann, 1913/17

 

 

Da die Räume für die Unterbringung der Verwaltung immer unzulänglicher geworden waren, hatte die Gemeinde den Plan der Errichtung eines Rathauses erneut aufgenommen. Während weite Kreise der Bevölkerung und der Gemeindevertretung nachdrücklich den Wunsch vertraten, das Rathaus auf dem ursprünglich dafür in Aussicht genommenen Grundstücke am Wilmersdorfer Platz errichtet zu sehen, wurde nach gründlicher Untersuchung der Raumfrage und Ankauf der Grundstücke Niedstraße 1 und 2, Ecke Rheinstraße, doch der endgültige Beschluss dahin gefasst, das Rathaus am Lauterplatz, im Angesicht der Hauptverkehrsstraße Friedenaus, zu errichten.

 

Bei der Größe des Bauprogramms und dem Wunsche, nicht nur die Diensträume, sondern auch die Feuerwehr, mehrere Dienstwohnungen von Unterbeamten, einen Ratskeller und, wenn möglich, eine Wohnung für den Bürgermeister im neuen Hause unterzubringen, ergab sich, dass trotz Inanspruchnahme weitgehender Dispense für die Bauausführung das vorhandene Grundstück bei weitem nicht ausreichte, um den aufgestellten Anforderungen zu entsprechen. Es wurde deshalb zur Vergrößerung des Grundstückes ein Teil des Straßengeländes bis zu 12 Meter Tiefe durch Änderung der Baufluchtlinien zu dem Baugrundstück hinzugeschlagen. Gegen diesen Beschluss erhoben die Gegner des Rathausprojektes eine Klage im Verwaltungsstreitverfahren, welche durch das Oberverwaltungsgericht in günstigem Sinne für die Gemeindeverwaltung entschieden wurde.

 

Inzwischen war das Bauprogramm noch weiter dadurch gewachsen, dass die Gemeindevertretung unmittelbar vor dem Baubeginn beschloss, in das Rathaus einen Bürgersaal mit Nebensälen und den dazu gehörigen anderen Räumen einzubauen. Trotzdem dadurch der bereits aufgestellte Bauentwurf eine ganz wesentliche Änderung erfuhr, mußte ohne Zeitverlust mit dem Bau begonnen werden. Als derselbe aus dem Erdreich herauswuchs, brach der Krieg aus. Trotz anfänglicher Bedenken wurde der Bau mit aller Energie fortgeführt und so beschleunigt, dass bereits im Jahre 1915 fast die ganze Verwaltung in das Haus hinein verlegt werden konnte. Auch der Ratskeller konnte gleichzeitig seiner Bestimmung übergeben werden. Im nächsten Jahre folgte dann die Fertigstellung des Festsaales und seiner Nebenräume und im Jahre 1917 die Fertigstellung des Turmes. So kam Friedenau noch im letzten Augenblick zu seinem so langersehnten Rathaus.

 

Bei allen vorerwähnten Aufgaben, die dem Unterzeichneten zu entwerfen und zu bauen oblagen, hat, das muß rückhaltlos anerkannt werden, die Gemeinde stets opferwillig Mittel zu einer würdigen Ausgestaltung der Bauten bewilligt. Dies zeigt sich nicht zuletzt auch in der Ausgestaltung des Rathauses. Nicht unerwähnt bleibe, dass in dem Gesellschaftszimmer des Ratskellers Bilder von Stätten Alt-Friedenaus, welche älteren Mitbürgern in lieber Erinnerung geblieben sein dürften, der Nachwelt als Wandschmuck überliefert werden, und einst, wenn diejenigen, die die Entwicklung Friedenaus miterlebt haben, schon lange der Rasen deckt, wird ein späteres Geschlecht an diesen Bildern die schnelle Entwicklung Friedenaus noch nacherleben können ... Seitdem Friedenau mit Erschaffung Groß-Berlins seine Selbständigkeit verloren hat, ist leider damit auch ein gut Teil des Geistes gestorben, der Friedenau so schnell und mit so gutem Erfolge hat vorwärts schreiten lassen.

 

Aus: „Die bauliche Entwicklung Friedenaus“

Von Hans Altmann, Schöneberg-Friedenauer Lokal-Anzeiger vom 9. November 1924

 

 

Weiteres in Vorbereitung

 

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