Askania-Werke AG Bundesallee

Architekt Hans Altmann, 1915-1937

 

Der Mechaniker und Optiker Carl Bamberg (1847-1892) hatte 1871 eine Werkstatt in der Berliner Linienstraße gegründet. Da er immer größere Aufträge von der kaiserlichen Marine, der preußischen Landesvermessung und der Berliner Sternwarte erhielt, verlegte er seine Werkstatt 1887/88 nach Friedenau in die Kaiserallee (heute Bundesallee). Vom Architektenbüro Kreuschmer & Co. ließ er sich eine Villa und ein zweigeschossiges Werkstattgebäude errichten.

 

 

 

Als Carl Bamberg am 4. Juni 1892 im Alter von 45 Jahren starb, übernahmen seine Frau Emma geb. Roux (1847-1937) und später auch Bambergs Sohn Paul (1876-1946) die Leitung des feinmechanischen Betriebes. 1912 übernahm Bambergs Neffe und Schwiegersohn Max Roux (1886-1946) die Geschäftsleitung.

 

In einem ersten Bauabschnitt wurde das bisherige Werkstattgebäude 1915 nach Plänen des Architekten Max Gronau um ein Geschoss aufgestockt. Im zweiten Bauabschnitt wurde 1916 wiederum nach Plänen von Max Gronau ein neuer, viergeschossiger Werkstattbau als Stahlskelettbau auf dem Nachbargrundstück Nr. 88 rechtwinklig zur Straße als Mittelflügel errichtet. 1918/19 kam in einem dritten Bauabschnitt südlich der Villa nach Plänen von Hans Altmann das viergeschossige, siebenachsige Vorderhaus hinzu – errichtet als dreiständriger Stahlbetonskelettbau, der mit Sichtziegelmauerwerk verkleidet und reichem, farbigem keramischen Bauschmuck ausgestattet wurde.

 

1919 übernahm „Carl Bamberg Optik“ die in Potsdam ansässige Firma für Feinmechanik und Optik „Otto Toepfer & Sohn“. Nach der Fusion mit der „Zentralwerkstatt für Gasgeräte GmbH Dessau“ wurde daraus 1921 die „Askania-Werke AG – Bambergwerk Berlin-Friedenau“. Bis 1940 entwickelte sich die Askania-Werke AG zu einem Großbetrieb mit etwa 20.000 Beschäftigten, der für Heer, Luftwaffe und Marine von großer Bedeutung war.

 

In einem vierten und fünften Bauabschnitt entstand 1923/24 nach Plänen von Hans Altmann das fünfgeschossige Quergebäude zum vorhandenen Mittelflügel von 1916 als dreiständriger Stahlbetonskelettbau sowie eine zweigeschossige Tischlereiwerkstatt in der Südwestecke des Grundstücks.

 

Nachdem 1934 die Villa von 1887/88 abgebrochen worden war, wurde 1934/35 in einem sechsten Bauabschnitt das viergeschossige Vordergebäude nach Plänen von Hans Altmann nach Norden um weitere acht Achsen verlängert, so dass sich Askania nun 80 Metern Länge mit seiner Schauseite als einheitlicher Rohziegelbau mit üppigem farbigen keramischen Bauschmuck präsentieren konnte.

 

Zwischen 1935 und 1937 entstanden wiederum nach Plänen von Hans Altmann in drei weiteren Bauabschnitten ein Garagenbau (1935), auf dem Grundstück Stubenrauchstraße 72 das viergeschossige Laboratorium mit Seitenflügel (1935/36) sowie auf dem hinzuerworbenen Grundstück Kaiserallee Nr. 86 als dreiachsige Erweiterung der viergeschossige Stahlbetonskelettbau.

 

Aus Werkstatt und Villa entstand im Lauf von 50 Jahren auf einer Gesamtfläche Fläche von 17.200 m² in neun Bauabschnitten eine außergewöhnliche Fabrikanlage. Dem Architekten Hans Altmann, der den Ausbau über zwei Jahrzehnte wesentlich zu verantworten hatte, ist es gelungen, den permanent geforderten Erweiterungen letztendlich auch eine städtebauliche Struktur zu geben. Das heute unter „Askania-Höfe“ bekannte Gelände gehört zur „Becker & Kries Unternehmensgruppe“.

 

 

Weiteres in Vorbereitung

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