Landhaus Roux. Potsdam, Höhenstraße 2. Architekt Hans Altmann 1929/30

Landhaus Roux. Potsdam, Höhenstraße 2

Architekt Hans Altmann, 1929/30

 

Am 8. Mai 1930 hatte Max Roux, Inhaber der Askania AG, von Major a.D. Rudolf von Oppen und seiner Frau Emily Henriette geb. von Arnim, wohnhaft Höhenstraße Nr. 1-2, das 3203 Quadratmeter große Nachbargrundstück Nr. 3 erworben – „wie es steht und liegt. Für Güte und Beschaffenheit des Bodens sowie für bestimmte Eigenschaften übernehmen die Verkäufer keinerlei Gewähr“.

Die Höhenstraße am Pfingstberg war noch vor dem Weltkrieg angelegt worden. Das Haus Nr. 4 hatte die Potsdamer Architekten-Sozietät Estorff & Winkler 1927 für Marie von Estorff gebaut, die Mutter der Brüder Hans und Otto von Estorff. 1929 errichtete das Büro Haus Nr. 1-2 für die Familie von Oppen. Nun kam mit Nr. 3 und Blick auf Jungfernsee, Langhansscher Meierei und Sacrower Heilandskirche nach einem Entwurf von Hans Altmann ein Ziegelbau dazwischen. Backstein statt Glattputz. Eine Provokation.

 

 

Sieben Jahre nach der Bauabnahme forderte Herr Dr. Ing. Fritsch von der Baupolizei Potsdam am 14. Mai 1937: „Die Klinkervilla muss hellgrau gestrichen werden.“ Hinter diesem Ansinnen hat wohl weniger Nachbarin Marie von Estorff als vielmehr der Architekt Otto von Estorff gestanden, der das Potsdamer Monopol von Estorff & Winkler gefährdet sah. Grund hatte er, denn seine schlichten ein - bis zweigeschossigen hellen Putzbauten mit symmetrischen Fassaden und Walmdächern gingen über einen handwerklich gediegenen Baustil nicht hinaus.

 

Altmanns Bau jedoch war mehr. Außen setzte er auf beständiges Material und abwechslungsreiche Gliederung, innen sorgte er für eine intelligente Wohntechnik. Altmann und Roux gingen in die Offensive: „Die Pläne haben der Stadtverwaltung vorgelegen und sind genehmigt worden. Auch die Besitzerin des Nachbargrundstückes hat durch ihren Sohn, den Erbauer ihres Hauses, die Bauzeichnungen meines Hauses einsehen lassen. Bei dieser Gelegenheit wurde auch darüber Übereinstimmung erzielt, dass die Lage meines Hauses in gleicher Weise wie das Haus Höhenstraße 5 in Nordsüdrichtung erfolgen solle, so dass also das v. Estorffsche Haus Nr. 4 sozusagen in der Mitte darüber zu liegen kommt und von den beiden Häusern Nr. 3 und Nr. 5 flankiert wird. Dabei ist auch besprochen worden, dass mein Haus in holländischen Klinkern erbaut und durch ein graues Pfannendach abgedeckt wird ... Von einem einheitlichen Straßenbilde in der Höhenstraße kann unseres Erachtens überhaupt nicht gesprochen werden, denn von den in der Höhenstraße errichteten 7 Häusern haben zum mindesten 4 Häuser einen gänzlich voneinander abweichenden Baustil und auch voneinander abweichende Farben. Ich würde es daher für eine unbillige Härte halten, wenn man mich veranlassen wollte, mein Haus anzustreichen. Der Wetteranfall auf meinem hochgelegenen Grundstück ist so stark, dass schon nach kurzer Zeit der auf die Klinker aufgetragene Anstrich verwittern würde ... Endlich würde der repräsentative Zweck meines Hauses für die mit meiner Stellung verbundenen häufigen in- und ausländischen Besucher nicht erfüllt sein...“

 

Am 9. August 1937 sah die Baupolizei „von einem Anstrich der Backsteinschauseiten des Hauses Höhenstr. 3 vorläufig ab. Um jedoch eine Verbesserung des gesamten Eindrucks zu erzielen, bitte ich wenigstens die Fensterläden heller anstreichen zu lassen. Den erforderlichen Farbton wollen Sie mit der städtischen Bauberatungsstelle näher vereinbaren“.

 

Das Schicksal meinte es mit der Familie dennoch nicht gut. Am 24. April 1945 war die Rote Armee in Babelsberg, am 30. in Potsdam. Als Churchill, Truman und Stalin am 15./16. Juli eintrafen, waren die Rouxschen Kinder längst in Ratingen am Rhein. Max Roux blieb. Ziemlich eigensinnig. Immerhin war er Mitglied der NSDAP und als Chef eines Rüstungsbetriebes Wehrwirtschaftsführer des nationalsozialistischen Staates. Nach Angaben seiner Kinder Hans-Georg und Ingeborg wurde er 1946 von Russen abgeholt und nicht mehr gesehen. Hier endet seine Geschichte.

 

Das Haus Höhenstraße Nr. 3 lag bis zum Abzug der Roten Armee im August 1994 außerhalb des sowjetischen Militärstädtchen Nr. 7., dem Sperrgebiet innerhalb der Stadt Potsdam. Es wurde weder von den Sowjets beschlagnahmt noch von der DDR enteignet. Deutlich wurde dies 1950 mit der Forderung des Potsdamer Finanzamtes gegen die Erben mit dem Eintrag einer Sicherungshypothek in Höhe von 12.000 DM in das Grundbuch. Nachdem die Zahlung an den Gläubiger über die Deutsche Investitionsbank Berlin an die DDR abgewickelt war, herrschten ab 1952 wieder klare Verhältnisse. Auf Grund des Erbscheins des Staatlichen Notariats Potsdam vom 16. Dezember 1957 wurde der Bauherr Max Roux am 5. Mai 1958 aus dem Grundbuch als Eigentümer gelöscht und Frau Ingeborg Dulk geb. Roux (19202003) in Berlin-Lichterfelde und Diplom Kaufmann Hans-Georg Roux (1915-2011) in Ratingen bei Düsseldorf in ungeteilter Erbengemeinschaft eingetragen. Nach der Wende hätten die Erben mit dem Verkauf des Anwesens beinahe Schlimmes angerichtet. Ein windiger Investor wollte das schnelle Geld machen und auf dem Hang unterhalb der Klinkervilla Einfamilienhäuser errichten. Die Untere Denkmalschutzbehörde Potsdam, nicht immer glücklich agierend in den ersten 1990er Jahren, verhinderte dies, wies Landhaus und Garten als Grün-, Sport- und Erholungsfläche aus und erhob alles zusammen zum Einzeldenkmal. Nach dem seinerzeit üblichen Hin und Her zwischen Investor und Banken konnte der Unternehmer Marcel ‚Otto‘ Yon 2004 Grundstück und Haus erwerben. Jahre waren inzwischen vergangen, Jahre, in denen im Innern einiges von Altmann und Roux ohne Sinn und Verstand zunichte gemacht wurde. Für Friedenauer gibt es am Kamin in der Halle ein Wiedersehen mit der farbigen Keramik des Bildhauers Bernhard Butzke, die Hans Altmann an so vielen öffentlichen und privaten Bauten zwischen Offenbacher Straße und Bundesallee hinterlassen hat.

 

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