Lageplan Wohnhaus Roux Kleinmachnow, Schlehdornweg 8

Wohnhaus Dr. Ing. Erwin Roux

Schlehdornweg 8, Kleinmachnow

Architekt Hans Altmann, 1933/34

 

Das Gebiet westlich des Zehlendorfer Damms südlich des Machnower Buschgrabens wurde ab 1895 vom Architekten und Preußischen Baurat Carl Gérard für Siedlungszwecke erworben. Auf der Basis eines Fluchtlinienplans von 1929 begannen zwischen Heideweg und Schlehdornweg die Parzellierung und der Bau von Wohnhäusern. Die Größe der Parzelle betrug in der Regel 500 qm. Gérard ist nur ein Beispiel. Für die Kleinmachnower Siedlungen war eine Vielzahl von Architekten für zahlreiche Wohnbaugesellschaften tätig. Erstaunlich ist, dass in der einschlägigen Literatur über die Bauten Ende der zwanziger und Anfang der dreißiger Jahre der Architekt Hans Altmann nicht erwähnt wird.

 

 

 

 

 

 

Altmann hatte am 27. September 1933 bei der Baupolizei des Amtsbezirks Kl. Machnow die „Bauzeichnung für den Neubau des Hauses von Dr. Ing. Erwin Roux, wohnhaft zu Berlin-Friedenau, Hähnelstraße 13, für das in Kl. Machnow, Schlehdornweg Parzelle 17 belegenes Grundstück mit der Bitte um baldige Genehmigung“ eingereicht. Das Grundstück nimmt mit einer Gesamtfläche von 1081,98 qm und einer vorgesehenen Bebauung von 117,12 qm im Vergleich zu den sonstigen Parzellen in dieser Gegend eine Sonderstellung ein. Auch der Bau selbst, Tiefgarage im Untergeschoss, Anbau im Erdgeschoss mit davorliegender Terrasse und Balkon im Obergeschoss, setzte sich vom gängigen Siedlungsstil ringsum ab.

 

Erwin Wilhelm Eduard Roux, der am 7. Februar 1891 in Innsbruck geboren, besuchte bis zum Abitur 1909 das Stadtgymnasium in Halle. Nach praktischer Arbeit in zwei Maschinenfabriken in Halle studierte er bis zum Herbst 1910 Naturwissenschaften und Rechte und ab Oktober 1911 an der Technischen Hochschule in Breslau Maschinenbau. Während des Weltkriegs diente er in den Funkerabteilungen von Thorn und Köln. Im Februar 1919 setzte er sein Studium in Breslau fort. Die Prüfung zum Diplom-Ingenieur bestand er am 18. Oktober 1919 „Mit Auszeichnung“. Vom September 1919 bis September 1921 war er 1. Assistent am Institut für Dampfmaschinen der TH Breslau. Im Juli 1921 promovierte er zum Dr. Ing. „Mit Auszeichnung“. Nach dem Studium arbeitet er als Konstrukteur bei der Lokomotivfabrik Maffei in München-Hirschau.

 

Unmittelbar nach der Fusion von „Bambergwerk Berlin-Friedenau“ mit der „Zentralwerkstatt für Gasgeräte GmbH Dessau“ hatte der Firmeninhaber der so entstandenen „Askania-Werke AG“ Max Roux seinen Cousin Erwin Roux 1921 von München nach Friedenau geholt und dort zunächst als Vorsteher die Abteilung für wärmetechnische Instrumente übernommen. Als die Erweiterungsbauten der Askania mit dem fünfgeschossigen Quergebäude und der zweigeschossigen Tischlereiwerkstatt nach Plänen von Hans Altmann anstanden, wurde er mit der Leitung der Neubauten sowie mit dem Ausbau der Organisation betraut. Im Dezember 1923 wurde er zum Betriebsleiter und Prokurist ernannt. Dr. Ing. Erwin Roux wohnte in Friedenau zunächst in der III. Etage des Mietshauses Hertelstraße 6 und von 1929 bis zur Fertigstellung seines Hauses in Kleinmachnow 1933/34 in der Hähnelstraße 13.

 

Nach 1935 nahm bei Askania die Spezialisierung für die Rüstungsindustrie zu: Kreiselinstrumente für Schiffe und Flugzeuge, Zieloptiken für Flak-Geschütze und U-Boot-Periskope, Flugleitsystem für Marschflugkörper. Firmeninhaber Max Roux wurde Mitglied der NSDAP und Wehrwirtschaftsführer. Seinem Cousin Dr. Ing. Erwin Roux wurde am 29. Mai 1936 vom Deutschen Patentamt das Patent Nr. 82525 „Cinetheodolite“ erteilt – ein kombiniertes Fotoaufzeichnungs- und Vermessungsinstrument, das z. B. Flugwege von Projektilen, Raketen oder Flugzeugen verfolgt und fotografiert. Am 15. März 1938 wurde „Cinetheodolite“ unter der Nr. 2111516 auch vom United States Patent Office bestätigt.

 

Im April 1945 wurde Erwin Roux – wie auch sein Cousin Max Roux – von der Roten Armee verhaftet und in das Speziallager der Sowjetischen Militäradministration in Sachsenhausen gebracht. Dort ist der 54-jährige Erwin Roux am 6. Oktober 1945 gestorben. Seine letzte Ruhe fand er in einem Massengrab in den Wäldern von Oranienburg.

 

Das nach einem Entwurf von Hans Altmann errichtete Einfamilienhaus im Kleinmachnower Schlehdornweg 8 hat den Zweiten Weltkrieg überstanden. Witwe Else Roux lebte mit den Kindern Inge, Dieter und Helmuth weiterhin in Kleinmachnow. Mit dem Umzug der Familie nach West-Berlin blieb das Anwesen auch während der DDR-Jahre im Familienbesitz. Im Jahr 1991 wurde es verkauft. In diesem „wunderschönen Wohnhaus“ fühlen sich auch die neuen Eigentümer mit ihren drei Kindern seit nunmehr 26 Jahren gut aufgehoben.

 

Bauschein für Haus Schlehdornweg 8 vom 15.11.1933

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US-Patent Nr. 2111516 Cinetheodolite

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