Georges Morin, Reifentänzerin, um 1900

Georges Morin (1874-1950)

Wilhelmstraße Nr. 7 (Görresstraße Nr. 16)

 

Georges Morin gehört (neben Heinrich Mißfeldt) zu jenen Künstlern der um die Jahrhundertwende entstandenen Bildhauerkolonie in der Wilhelmstraße, über die eine ungebrochene Nutzungskontinuität durch namhafte Künstler nachgewiesen werden kann. Die Bedeutung des Ortes für die Künstler sowie die mit diesem Ort verbundenen Kunstwerke bedürfen noch eingehender Forschungen (LDA, 2019).

 

Das ist in der Tat so, denn Morin taucht als Mieter eines Ateliers in der Wilhelmstraße Nr. 7 erst 1923 auf. Da war Valentino Casal, der rechtmäßige Besitzer des Bildhauerhofes, vom Deutschen Reich längst enteignet worden. Eigentümer war inzwischen das Bezirksamt XI (Schöneberg) der Stadt Berlin und als Grundstücksverwalter fungierte der Städtische Obergärtner H. Gottberg, der 1922 noch als Friedenauer Gemeindegärtner Mitglied der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft wurde.

 

George Morin hatte von 1892 bis 1896 an der Preußischen Akademie der Künste unter anderem bei den Bildhauern und Medailleuren Ernst Herter (1846-1917) und Peter Breuer (1856-1930) studiert. Nach dem Examen ging er nach Paris, später nach Italien und England. Um die Jahrhundertwende kehrte er nach Berlin zurück und bezog 1900 eine Wohnung in der Köthener Straße Nr. 39.

 

 

 

 

 

Als die Französische Friedrichstadtkirche auf dem Gendarmenmarkt 1905 umgestaltet wurde, soll er gemeinsam mit den Bildhauern Ernst Müller-Braunschweig und Martin Schauß dafür die Attika-Figuren geschaffen haben. Dazu passt, dass er sich ein Atelier in der Kurfürstenstraße Nr. 126 zulegte, was er bis mindestens 1920 nutzte. Erste Anerkennung als Künstler fand er 1914 auf der Großen Berliner Kunstausstellung mit seiner Skulptur Wellenspiel. Von da ab wohnte er in der Schwäbischen Straße Nr. 19 (IV. Stock). Ab 1923 ist er im Adressbuch unter Morin, Georges, Bildhauer, Friedenau, Wilhelmstr Nr. 7; Wohnung W 30, Schwäbische Str. Nr. 19 eingetragen.

 

Bis Ende des Ersten Weltkriegs arbeitete Morin vorrangig mit Marmor: Das Problem (1910) oder Weiblicher Akt mit Kompass (1912). Bereits 1911/12 veröffentlichte er in der Kunstwelt ein Plädoyer für die Medaillenkunst, und stellte damit, so könnte sein Gesamtwerk betrachtet werden, die Weichen für seine nachfolgende Arbeit als Kleinplastiker und Medailleur. Während der Weimarer Republik wurde Morin Mitglied der Bezirkskunstdeputation, der Vereinigung Bildender Künstler in Berlin und bis zur Auflösung 1933 des Reichsverbands bildender Künstler. Auffallend an seinem Werk sind eine Vielzahl von Tänzerinnen-Figuren und Kleinplastiken, was ihm bis heute vor allem auf Auktionen eine gewisse Präsenz garantiert.

 

Last but not least: Vor dem Haus Uhlandstraße Nr. 150 an der Ecke zur Pariser Straße in Wilmersdorf steht die Skulptur Fischreiterin. Sie wurde 1929 von Georges Morin geschaffen und in der Bildgießerei von Hermann Noack in Bronze gegossen. Dargestellt ist eine nackte schlanke Frau, die auf einem Fisch reitet. Sie sitzt nicht auf dem Tier, sondern sie hat ihre durchgestreckten Beine an die Seiten des Fisches gepresst, sodass ihr Gesäß über dem Fisch schwebt. Mit beiden Händen hält sie sich an der weit nach oben ragenden Rückenflosse fest. Ihr Gesicht mit lächelndem Mund ist leicht nach unten geneigt und sie blickt nach vorn herunter zum Fisch. Schwungvoll geht ihr Haar nach hinten, wodurch die Bewegung beim Reiten unterstrichen wird. Die Oberfläche des Fisches ist detailreich ausgearbeitet. Im hinteren Bereich finden sich eine Vielzahl von Schuppen, vorn sind die markanten großen Augen und der leicht geöffnet Mund zu sehen. Die Skulptur ist als Brunnenfigur ausgelegt: aus einer im Mund befindlichen Röhre kann ein Wasserstrahl austreten. (Wikipedia)

 

 

George Morin über Medaillenkunst, 1911/12

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