Heinrich Mißfeldt im Atelier. Archiv Horst Mißfeldt

Heinrich Mißfeldt (1872-1945)

Wilhelmstraße Nr. 7 (Görresstraße Nr. 16)

 

Heinrich Christian Ludwig Mißfeldt wurde am 20. Dezember 1872 in Kiel geboren. Der Vater war Inhaber einer Ziegelei und bestand offensichtlich darauf, dass sein Spross erst einmal eine Lehre als Holzbildhauer absolvierte. Mit 19 Jahren ging er an die Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums in Berlin. Sie war 1868 eröffnet worden, um dem wachsenden Gewerbe ein Mehr an künstlerischem Empfinden zu vermitteln, das wiederum zu besser gestalteten Produkten führen sollte. Die Schüler wurden in Tages- und Abendkursen unterrichtet. Es folgte ein Studium an der Akademie der Künste. 1899 trat Mißfeldt mit ersten Arbeiten an die Öffentlichkeit, zuerst in Kiel mit der Statuette des niederdeutschen Schriftstellers Klaus Groth (1899), dann für Husum das Grabmal aus Bronze und Granit für den Schriftsteller Johann Meyer (1904), später den Grabstein der Familie Taeschner auf dem Luisenstädtischen Friedhof in Berlin und 1903 mit der Bronzestatuette „Kugelspieler“ – der künstlerische Durchbruch.

 

 

Am 5. Oktober 1906 gab es in Kiel die Hochzeit mit der 1867 in Kiel geborenen Ottilie Dorothea Friederike, Bertha geb. Meyer. Im Adressbuch von 1907 ist der Bildhauer Heinrich Mißfeldt in der Wilhelmstraße Nr. 7 eingetragen. Es ist davon auszugehen, dass mit dieser Adresse der Bildhauerhof von Valentino Casal gemeint ist, in dem er ein Atelier gemietet hatte. Dort müsste die Marmorfigur „Abschied“ entstanden sein, die Kaiser Wilhelm dann für das Schloss Wiesbaden erworben hat.

 

Als der Abschied von Bürgermeister Bernhard Schnackenburg anstand, bestellte die Gemeinde Friedenau bei Mißfeldt eine Bronze, die Schnackenburg 1909 zum Antritt als Oberbürgermeister von Altona überreicht wurde – gegossen in der Bildgießerei Hermann Noack. Heinrich Mißfeldt bleibt Friedenauer. Das Atelier in der Wilhelmstraße behält er. Dort entstehen 1921/22 eine Reihe von Kriegerdenkmalen, darunter 1923 aus Ziegeln und Muschelkalk das Mahnmal für die Opfer des Ersten Weltkriegs (1923). 1910 zieht die Familie in die Eschenstraße Nr. 6 und 1936 in die Stierstraße Nr. 20. Zur Zeitgeschichte gehört allerdings auch, dass nach seinem Entwurf das bronzene „Reliefportrait Adolf Hitler“ in der Größe von 7,8 x 8,2 cm entstand, gegossen bei Noack, signiert mit H. Mißfeldt und von der Lehrgießerei der Vereinigten Aluminium-Werke AG vielfach vervielfältigt. Heinrich Mißfeldt starb am 27. Oktober 1945 in Torgau.