Ludwig Manzel. Bildnis von Fritz Burger, 1912. Nationalgalerie Berlin

Ludwig Manzel (1858-1936)

Wilhelmstraße Nr. 9 (Görresstraße)

 

Der Bildhauer Ludwig Manzel (1858-1936) hatte die Nase allzeit vorn. 1891 schuf er zur Einweihung des Teltower Kreishauses in der Berliner Viktoriastraße eine Büste von Ernst von Stubenrauch. 1898 fertigte er für die Sommerresidenz von Kaiser Wilhelm II. in Cadinen ein kaiserliches Wappen. 1900 ließ er seinen Gipsentwurf von Kurfürst Friedrich I. für die Gruppe 15 der Siegesallee von Valentino Casal in Marmor fertigen. 1903, kaum hatte er des Kaisers Worte vom „Klein Carrara in Friedenau“ vernommen, ließ er sich das Landhaus in der Wilhelmstraße Nr. 9 errichten. In den allerletzten Wochen der Weimarer Republik stellte er zum 22. Oktober 1932 die Muschelkalksteinwand für das Grabmal von Filmregisseur Friedrich Wilhelm Murnau (1888-1931) auf dem Stahnsdorfer Südwestkirchhof her. Als die Nationalsozialisten die Macht übernommen hatten, präsentierte er nach Ansicht des Berliner Lokal-Anzeigers „eine ausgezeichnete Bronzemedaille von Dr. Goebbels“.

 

Manzels Arbeiten demonstrieren Macht und Überlegenheit. Das Überschreiten der menschlichen Proportionen wurde vielfach zum Maßstab. Damit setzte er auffällige Zeichen, sowohl bei profanen Denkmalen als auch bei sakralen Bauten, wozu das 1924 gefertigte Monumentalrelief „Christus“ auf dem Südwestkirchhof. Der aus dem 11. Matthäus-Kapitel entnommene Titel, „Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken“, stellt eine fragwürdige Botschaft dar.

 

 

 

 

 

Manzels Monumentalkunst kommt nicht von ungefähr. Seine Ausbildung erhält er an der Akademie der Künste bei Albert Wolff (1815.1892) und Fritz Schaper (1841-1919). Ihre idealistischen Schöpfungen, Kolossalstatuen, Reiterstandbilder, Marmorgruppen, Bronzereliefs, blieben nicht ohne Einfluss. Schaper geriet zum „väterlichen Freund“, an den er sich „in künstlerischen und menschlichen Nöten, auch noch lange nach der Schülerzeit“ wenden konnte. Später schlüpfte er selbst in diese Rolle. In sein Haus Wilhelmstraße Nr. 9 holte er sich als Untermieter den Bildhauer Paul Hubrich (1869-1948), seinen Schüler und wohl auch lebenslanger Bildhauer-Gehilfe.

 

Ludwig Manzel, seit 1912 Präsident der Preußischen Akademie der Künste, unterzeichnete zwei Monate nach Beginn des Ersten Weltkriegs neben Max Liebermann, Engelbert Humperdinck, Gerhard Hauptmann und Max Planck jenen Aufruf „An die Kulturwelt“, in dem diese „Protest gegen die Lügen und Verleumdungen erheben, mit denen unsere Feinde Deutschlands reine Sache in dem ihm aufgezwungenen schweren Daseinskampfe zu beschmutzen trachten“.

 

Das Grab von Ludwig Manzel befindet sich auf dem Stahnsdorfer Südwestkirchhof (Block Heilige Geist, Gartenblock V, Gartenstelle 1) – darauf eine wohl von den Bildhauern Willibald Fritsch (1876-1948) und Paul Hubrich initiierte Porträtplakette mit der Inschrift: „Dem hochverehrten Meister zum fünfzigsten Geburtstage gewidmet von seinen dankbaren Schülern.“