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Die Kulturakademie Tarabya und Deniz Yücel

 

Die „Kulturakademie Tarabya“ liegt etwa 17 Kilometer oberhalb von Istanbul am europäischen Ufer des Bosporus. Nachdem das Deutsche Kaiserreich 1877 in Konstantinopel seine erste Botschaft im Osmanischen Reich eröffnet hatte, schenkte Sultan Abdülhamid den Deutschen im Villenvorort Therapia (Tarabya) ein Grundstück für den Sommersitz des Botschafters. 1885 wurde mit dem Bau begonnen, zwei Jahre später war er vollendet. In dem Park entstanden mit den Häusern für Botschafter, Botschaftssekretär und Kanzlei drei eigenständige Wohngebäude. Ab 1916 wurde auf dem Gelände auch ein deutscher Soldatenfriedhof errichtet, der einige Episoden der deutsch-türkischen Geschichte offenbart: Dardanellenschlacht 1915, Untergang des Kreuzers SMS Breslau 1918 vor der Ägäisinsel Imbros – später wurden dorthin gefallene deutsche Soldaten der beiden Weltkriege aus dem gesamten Nahen Osten umgebettet.

 

Nachdem Ankara Hauptstadt der Republik Türkei wurde und der damalige Botschafter Rudolf Nadolny in kürzester Zeit seine Gesandtschaft in Anatolien als „une maison montable“, ein Fertighaus von Christoph & Unmack AG aus Niesky in der Oberlausitz, hatte errichten lassen, wurde der imposante Botschaftsbau von Konstantinopel respektive Istanbul ab 1931 als Generalkonsulat genutzt. Beibehalten wurde die Sommerresidenz „Therapia“. Diese wurde im Jahr 2012 vom Auswärtigen Amt zur „Kulturakademie Tarabya“ umfunktioniert. Dort soll (oder sollte?) ein Ort für den deutsch-türkischen Dialog entstehen – für Stipendiaten, die hier für einige Monate arbeiten können.

 

Soweit bekannt, hatte der Journalist Deniz Yücel am 11. Dezember 2016 in einem Artikel über „delikate“ E-Mails von Berat Albayrak berichtet. Der ist Minister für Energie und Schwiegersohn von Präsident Erdoğan. Nachdem Staatsanwaltschaft der Türkei die Verhaftung von neun Verdächtigen angeordnet hatte, suchte Deniz Yücel um den 25. Dezember 2016 herum Zuflucht in der Kulturakademie. Das ging nicht ohne Vermittlung des Axel Springer Verlags und erst recht nicht ohne Zustimmung des Eigentümers – dem Auswärtigen Amt. Nach diplomatischen Gepflogenheiten ist das Gelände exterritoriales Gebiet, also vor dem Zugriff der türkischen Behörden sicher. Für Ankara war Yücels Aufenthalt in Tarabya allerdings „völkerrechtlich unzulässig“, da sich „ein türkischer Staatsbürger dem Zugriff der einheimischen Justiz entziehe“.

 

Deniz Yücel ist Deutscher, 1973 in Flörsheim am Main geboren und aufgewachsen. Er besitzt zudem die türkische Staatsbürgerschaft sowie einen deutschen und türkischen Pass. Yücel ist Korrespondent der Tageszeitung „Die Welt“ mit Sitz in Istanbul und arbeitete in der Türkei offenbar ohne die vorgeschriebene Akkreditierung. Sie war ihm verweigert worden. Nach dem Putsch und der nachfolgenden Verhaftungswelle riskant und unverantwortlich – von Deniz Yücel und Springers „Welt“. Verschlimmert wurde die Angelegenheit durch das Auswärtige Amt. Die doch vor allem in juristischen Fragen geschulten Diplomaten hätten die türkische „Pass-Position“ erkennen müssen: „Einmal Türke, immer Türke“.

 

In Tarabya war Deniz Yücel vor dem Zugriff der türkischen Behörden sicher, aber auch gefangen. Die Türkei konnte abwarten. Bevor er sich am 17. Februar 2017 in das Polizeipräsidium Istanbul begab und in Gewahrsam genommen wurde, waren wohl seine Anwälte, der Axel Springer Verlag und das Auswärtige Amt über die Vorwürfe informiert waren: Ermittlung wegen Mitgliedschaft in einer Terrororganisation, Terrorpropaganda und Datenmissbrauch. Dennoch, man kann es nicht anders formulieren, wurde Deniz Yücel „ans Messer geliefert“. Um die Diplomatie war und ist es im Auswärtigen Amt schlecht bestellt. Kein Wunder, da die leitenden "politischen" Herren Frank-Walter Steinmeier, Stephan Steinlein und Andreas Görgen ihrem Umzug ins Schloss Bellevue höhere Priorität einräumten als dem von einem undemokratischen System bedrohten mutigen Journalisten. Das Haus am Werderschen Markt lieferte nur noch ein Statement: „Wir setzen darauf, dass in dem laufenden Ermittlungsverfahren der türkischen Behörden gegen Herrn Yücel rechtsstaatliche Regeln beachtet und eingehalten werden und er fair behandelt wird, gerade mit Blick auf die auch in der Türkei verfassungsrechtlich verankerte Pressefreiheit“.

 

Erinnert sei in diesem Zusammenhang an den deutschen Botschafter in Moskau: Rudolf Nadolny erhob lautstark seine Stimme und kritisierte vehement Hitlers antisowjetische Politik. Er zeigte Haltung und stand für seine Überzeugung. Dafür wurde der Diplomat 1934 von den Nationalsozialisten aus seinem Amt entlassen. Nadolny hätte wohl auch im (noch immer nicht ausgestandenen) "Fall Böhmermann" eine Position bezogen, die den Beamten im Auswärtigen Amt und auch der Bundeskanzlerin einfach nicht in den Sinn kommen wollte. 

 

Eine Empehlung:

Peter Hahn: „Rudolf Nadolny – Der unbequeme Diplomat“

Mit einem Essay von Sten Nadolny

Oase Verlag, 2014

ISBN 978-3-88922-100-1

 

Es ist nicht einzusehen, dass die Immobilienhändler Lars Böge (Vorstand der BÖAG Beteiligungs- Aktiengesellschaft Hamburg) und der Chef-GRÜNE von Tempelhof-Schöneberg Jörn Oltmann (im Hauptberuf Geschäftsführer der MCA Berlin Immobilien GmbH) noch bis zum Jahr 2036 warten sollen, bis sie die 18.465 m² des Friedhofsareals Eisackstraße 40a vermarkten können. Das sind zwar nicht die 6,5 ha wie auf dem ehemaligen Güterbahnhof Wilmersdorf, aber immerhin groß genug für eine kleine gehobene Wohnsiedlung mit uraltem Baumbestand, die dann unter dem Stichwort „Stadtverdichtung“ verkauft werden könnte.

Es ist nicht einzusehen, dass die Gegend „unangenehmer“ sein soll. Hier wie dort verläuft parallel dazu die Stadtautobahn A 100, nach Osten liegen die Gleise der Wannseebahn, die irgendwann sicher auch wieder als Stammbahn aktiviert werden wird, und dann ist da auch noch das Schöneberger Kreuz. Ein Problem ist das nicht, da es den Herren bereits mit ihrem Neubauprojekt Güterbahnhof Wilmersdorf, was sich nun „Friedenauer Höhe“ nennt, gelungen ist, die Gutachten für Verkehr, Lärm und Dreck gefällig aussehen zu lassen.

Es ist nicht einzusehen, dass sich „Böge & Oltmann“ das Schnäppchen Eisackstraße entgehen lassen sollen, da das Land Berlin den verbliebenen Grabstellenpächtern „gleichwertige Nutzungsrechte auf den anderen landeseigenen Friedhöfen im Bezirk einräumt und obendrein auch noch die Kosten für die Umsetzung übernimmt. Ganz sicher ist auch, dass auf Grund des Bundesgesetzes über Erhalt und Pflege der dort bestatteten 338 Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft diese Umbettung nicht zu Buch schlagen wird.

Es ist nicht einzusehen, dass die Existenz von drei prominenten Grabstätten diesen Erwerb verhindern sollte. Die SPD wird sich schon um Eduard Bernstein kümmern, die CDU um Friedrich Wegehaupt und das Bezirksamt um das Grab von Rudolph Wilde, dem ersten Bürgermeisters von Schöneberg.

 

Es ist nicht einzusehen, dass der Steuerzahler, obwohl der Friedhof seit 2006 geschlossen ist, jetzt noch 20 Jahre für die Pflege der Friedhofsflächen aufkommen soll. Böge & Oltmann müssen handeln:

„Fort mit den Trümmern und was Neues hin gebaut, um uns selber müssen wir uns selber kümmern und heraus gegen uns, wer sich traut."

Ein gentrifiziertes Objekt

Beitrag von Michael Haarmann, Initiative Friedrich-Wilhelm-Platz e.V. vom 17.09.2016.

 

Normalerweise berichtet die Initiative Friedrich-Wilhelm-Platz e.V. nicht über neue Mitglieder. Jetzt die Ausnahme: Die Geschäftsinhaber von Zelal, Kaiserback, Bäckerei Schnell und Wolfgangs Schneller Imbiss sind Mitglieder der Initiative geworden. Das verwundert nicht, sind doch Pläne der BVG bekannt geworden, an die Stelle von Wolfgangs Schneller Imbiss ein höherwertiges „gentrifiziertes“ Objekt zu bauen.

 

„Ziel der BVG ist es, höhere Pachteinnahmen an dieser Stelle zu erzielen und damit das offenbar vorhandene Baurecht auszunutzen. Die jetzt schon erstaunlich hohe monatliche Pacht reicht also nicht aus. Höhere Pachten lassen sich nur erzielen, wenn mehr gastronomische Haupt- und Nebenflächen gebaut werden und Breite und Tiefe des Angebots gegenüber dem derzeitigen Zustand vergrößert werden.

Dazu meinen wir: Der Platz wurde Anfang der siebziger Jahre bereits amputiert und die Wegnahme weiterer Flächen für gastronomische Zwecke beschädigt den Platz noch mehr. Solche Eingriffe will keiner haben.

Anders als beim Bau des Imbisses (als noch verschiedene Busse hier endeten und die Busfahrer/Kontrolleure sich dort versorgen konnten) hat sich inzwischen ein breites gastronomisches Angebot von engagierten Inhabern entwickelt. Der Platz weist an dieser Stelle ein gutes soziales und wirtschaftliches Gefüge aus, das die Anwohner schätzen und für dessen Bestand wir uns einsetzen werden. Wer sich noch an das Restaurant im Hotel Klee erinnern kann: Dies wurde wegen massiver Verluste geschlossen.

Vielleicht sollte jemand einmal prüfen, ob das Baurecht der BVG nicht inzwischen verwirkt ist. Nachdenken sollte man auch darüber, ob es Aufgabe eines öffentlich-rechtlichen Unternehmens sein kann, in direkte Konkurrenz zu funktionierenden Strukturen zu treten.“

 

Nächste Versammlung der Initiative Friedrich-Wilhelm-Platz e.V. am 27.10.2016 im Gemeindehaus der Gemeinde Zum Guten Hirten in der Bundesallee 76 a um 18.00 Uhr.

Wie war eigentlich die Veranstaltung am 6. Oktober?

Betrag von Michael Haarmann, Initiative Friedrich-Wilhelm-Platz e.V. vom 20.10.2016.

 

Der Ablauf war wie folgt: Die Gruppe Planwerk stellte die Ergebnisse von Erhebungen zur Parkplatzsituation (kaum freie Parkplätze) und zu Abstellmöglichkeiten von Fahrrädern (viel zu wenig). Dann skizzierte Heinz Tibbe von Planwerk Elemente zur Gestaltung: Diese decken sich weitgehend mit den Ideen und Vorschlägen der Initiative und brachten zusätzliche Gesichtspunkte ein, die wir bisher nicht gesehen haben. Die Teilnehmer hatten dann Gelegenheit, ihre kritischen Anmerkungen zum Platz sowie ihre Wünsche auf Karten zu vermerken, die dann auf Plänen des Platzes angebracht wurden. Ergebnisse kennen wir nicht, aber die Vorgehensweise schätze ich als professionell ein.

Wir werden eine Bewertung auf unserem nächsten Vereinstreffen vornehmen, zu dem wie immer alle Interessierten eingeladen sind.

Bekannt wurde in der Veranstaltung ein genehmigter BVG-Bauantrag zur Querung (also wie erreiche ich den Aufzug von West nach Ost). Dieser Bauantrag widerspricht allen Abstimmungen und Verlautbarungen der BVG (z.B. in der Sitzung des Ausschusses für Verkehr und Grünflächen der BVV am 26.10.2015) und ist für mich ein Skandal. Interessanterweise hat offenbar die gleiche Abteilung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Verkehr, die den Auftrag zur Machbarkeitsstudie erteilt hat, den Bauantrag der BVG genehmigt. Damit wollen wir uns auch auf der nächsten Sitzung befassen.

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© Peter Hahn