Quelle SPD

Dilek Kolat tritt ab

 

In letzter Zeit ist es ruhig geworden um Dilek Kolat. Zuerst musste sie als Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen aufgeben, dann verlor sie ihr Amt als Stellvertreterin des Regierenden Bürgermeisters und wurde schließlich mit dem Senatorenposten für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung abgespeist. Nun wird sie „überraschend“ als SPD-Kreisvorsitzende von Tempelhof-Schöneberg abgelöst.

„SPDerneuern“ nennt sich das. Die heute 51-Jährige wurde 1995 in das Schöneberger Rathaus gewählt. Ab 2001 war sie Mitglied des Abgeordnetenhauses für den Wahlbezirk Tempelhof-Schöneberg, Wahlkreis 3, Friedenau. 2004 wurde sie Kreisvorsitzende der SPD Tempelhof-Schöneberg. Sie eröffnete in der Schmiljanstraße das „Wahlkreisbüro Dilek Kolat“, was nun menschenfreundlicher „Bürgerbüro Dilek Kolat“ heißt.

 

 

Zu den Eigenheiten gehört, dass diese Einrichtung als einziges Berliner „SPD-Bürgerbüro“ die Namen der Mitarbeiter nicht nennt. Bekannt war bisher als „Büroleiterin“ Marijke Höppner (SPD), seit 2008 Mitglied der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) von Tempelhof-Schöneberg. Friedenauer haben dort aber auch schon den Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert gesichtet, obwohl er nach eigenen Angaben im Berliner Abgeordnetenhaus für Melanie Kühnemann arbeitet und obendrein der SPD-Fraktion in der BVV Tempelhof-Schöneberg angehört.

 

Am 14. April 2018 wird der neue SPD-Kreisvorstand Tempelhof-Schöneberg gewählt. „Alles hat seine Zeit“ lässt Dilek Kolat vorab verkünden. Nach dem Abtritt gibt es zehn Tage später noch einmal den Auftritt „Kolat hört zu“ im noblen „Ristorante Mario“ am Südwestkorso. Und wie das bei der SPD so üblich ist, liefert sie vorab noch einen Personalvorschlag, der laut Kolat bzw. laut Sprachregelung des Kreisverbandes „Erneuerung und Kontinuität verbindet“. Das soll der 32-jährige Lars Rauchfuß liefern. Er ist Referent in der Senatskanzlei, Chef der SPD-Abteilung Mariendorf und Mitglied der SPD-Fraktion in der BVV, wo er den Vorsitz im allesentscheidenden Hauptausschuss innehat und noch in den Ausschüssen für Eingaben, Beschwerden, Stadtentwicklung und Wirtschaft wirkt.

 

Doch damit nicht genug. Sein Bruder Jan Rauchfuß, geboren 1986, besorgt den Rest. Er ist Vorsitzender der SPD-Fraktion in der BVV, Mitglied im Hauptausschuss sowie in den Ausschüssen für Schule, Rechnungsprüfung, Geschäftsordnung, Ältestenrat und Bildung, Bibliotheken und Kultur. Damit können die Brüder Einfluss auf mehr als die Hälfte der im Rathaus Schöneberg etablierten Ausschüsse nebst den zu behandelnden Anträgen nehmen.

 

Vor ihrem weiteren Aufstieg liegen nun erst einmal die Mühen der kommunalpolitischen Ebenen. Kevin Kühnert ist sich da gar nicht sicher, ob „unsere Partei in Zukunft überhaupt noch geile Jobs zu vergeben hat. Wer da nur auf Karriere aus ist, könnte sich ganz schnell in einer toten Partei wiederfinden, wo garantiert niemand mehr Karriere machen wird“. Und doch strebt er laut „Spiegel“ in der Partei nach höherem. Dafür musste er, wie sein Vorbild Klaus Wowereit, jetzt erst einmal klare Kante zeigen. Hatte er vor dem Mitgliederentscheid von seiner Schöneberger WG gesprochen, outete er sich im März 2018 in einem Interview in der Zeitschrift „Siegessäule“ als homosexuell. Das ist seine private Sache. Die Rauchfuß-Brüder und Kevin Kühnert sollten allerdings schleunigst zur Kenntnis nehmen, dass die Wähler unter „SPDerneuern“ etwas anderes verstehen. Der seit Jahren angeprangerte Filz in Tempelhof-Schöneberg wuchert weiter.

 

Kein Lärmschutz am Innenring

 

Bekannt wurde Anfang April 2018, dass die Deutschen Bahn AG den Antrag auf Planfeststellung für die Elektrifizierung des westlichen Güter-Innenrings zurückgezogen. Das ist bedauerlich für die gesamte Bahntrasse zwischen Westend und Tempelhof, das ist letztendlich auch eine schlechte Nachricht für die Wohnbebauung auf dem ehemaligen Güterbahnhof Wilmersdorf. Es wird also keine Verbesserungen beim Lärmschutz an der von S-Bahn, Bahn und Stadtautobahn stark belasteten Strecke geben. Auch Friedenau wird weiterhin mit den von Dieselloks gezogenen Güterzügen leben müssen.

 

Mit der Elektrifizierung des Innenrings hätten die bisherigen Anlagen ihren „Bestandsschutz“ verloren. Damit wäre die gesamte Trasse als „Neubau“ eingestuft worden, für die Lärmschutz nach aktuellen Maßstäben verpflichtend ist. Mit der Befürwortung des DB-Antrags wollten auch SPD und GRÜNE von Tempelhof-Schöneberg zwei Fliegen mit einer Klappe wollten schlagen, weil die DB damit für einen umfassenden Lärmschutz mit bis zu 6 Meter hohen Lärmschutzwänden hätte sorgen müssen.

 

Fakt wäre allerdings gewesen, dass die Deutsche Bahn AG nach der Elektrifizierung in der Lage gewesen wäre, ICE- und Güterzüge aus allen Himmelsrichtungen mitten durch die Stadt fahren zu lassen. Das hätte zweifellos zu einer Zunahme des Zugverkehrs geführt. Nach dieser „Pleite“ orientiert Tempelhof-Schöneberg „auf das kleinere Übel“: Mit dem Diesellokbetrieb „werden die Belastungen wohl auch in Zukunft überschaubar bleiben“.

Erweiterung der Siedlungsachsen ins Umland

Die CDU denkt um

In die falsche Richtung

 

Mit Antrag vom 18.04.2018 an die Bezirksverordnetenversammlung von Tempelhof-Schöneberg hat bei der CDU-Fraktion offenbar ein Umdenken eingesetzt. Hatte Parteifreund Wolfgang Branoner (CDU), aufgestiegen vom Wirtschaftssenator und Staatssekretär für Stadtentwicklung zum Geschäftsführenden Gesellschafter der „Beratungsfirma SNPC“, noch im Herbst 2017 eine „Verdichtung der Stadt bis zur Grenze des gesetzlich Zulässigen“ gefordert, wollen die Schöneberger Christdemokraten nun „Übernutzung und übermäßiger Verdichtung entgegenwirken“.

 

Immerhin wird in der Begründung anerkannt, dass „vielerorts bei der Versorgung der Bevölkerung mit Grünanlagen und Sportflächen Defizite beklagt werden. Die weitere Verdichtung verschärft diese Defizite zunehmend. Freiflächen werden bebaut, die Anzahl der Nutzer erhöht sich und sogar Flächen mit grüner Infrastruktur, bzw. die dafür genutzt werden könnten, werden teilweise bebaut“.

 

 

 

Als Alternative fällt der CDU allerdings nur ein, „bisherige Verkehrsflächen“, also etwa Autobahn- und Bahntrassen, zu überbauen und „dadurch für andere Nutzungen“ zu erschließen. Das ist nicht zu Ende gedacht, da damit die Dichte von Menschen und Autos auch zunehmen werden.

 

Offensichtlich ist der CDU entgangen, dass sich die Länder Berlin und Brandenburg am 6. November 2017 darauf geeinigt haben, die sogenannten Siedlungsachsen rund um Berlin zu erweitern – weil, wie man es auch dreht und wendet, das verfügbare Bauland für Wohnraum innerhalb der Berliner Stadtgrenzen nicht ausreichen wird.

 

Deshalb sollen vor allem entlang der vorhandenen Bahnstrecken neue Siedlungsachsen geschaffen werden: Von Berlin nach Werneuchen und Wandlitz, nach Hennigsdorf und Oberkrämer (Oberhavel). Damit Einschränkungen für Wohnansiedlungen wegfallen und großflächiger Einzelhandel möglich wird, sollen Angermünde, Luckau, Blankenfelde-Mahlow und Hoppegarten als „Mittelzentren“ aufgewertet werden. Der neue Landesentwicklungsplan soll Mitte 2019 in Kraft gesetzt werden. Insgesamt würde sich damit die Fläche für den Wohnungsbau verdoppeln.

 

Das ist der einzig richtige Ansatz. Nicht jeder, der nach Berlin kommen will, kann in Berlin wohnen.

 

Werkstattprozess Güterbahnhof Wilmersdorf-Friedenau. Quelle BA TS

Trübe Aussichten

Neue Töne in der Stadtteilzeitung

 

Die „Stadtteilzeitung für Schöneberg-Friedenau-Steglitz“ ist bekannt für ihre rot-grüne „Hofberichterstattung“. Monat für Monat erscheint sie gedruckt in einer Auflage von 10.000 Stück, subventioniert vom Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg-auch die Online-Ausgabe.

 

Das umstrittene Bauprojekt „Friedenauer Höhe“ auf dem ehemaligen Güterbahnhof Wilmersdorf ist in der „Stadtteilzeitung“ von Anfang an positiv beschrieben, teils bejubelt worden – obwohl es an warnenden Stimmen auch an dieser Stelle unter www.friedenau-aktuell.de wahrlich nicht gefehlt hat. Doch die Redaktion mit Ottmar Fischer ließ sich nicht beirren.

 

 

 

 

Umso erstaunlicher ist nun die Kehrtwende des „ehrenamtlichen Redakteurs“ in der jüngsten Ausgabe der Stadtteilzeitung. Erstmals hat er offenbar bemerkt, dass Investoren und Bezirksamt Bürgerwillen und Eingaben vollkommen ignorieren. Auch wenn die Kritik sehr schwammig vorgetragen wird – es ist immerhin ein Anfang für eine seriöse Berichterstattung. Noch am 21. Februar 2013 publizierte Fischer auf der Website der Bürgerinitiative „Breslauer Platz“ unter dem Titel „Friedenau bekommt ein Kind“ einen Jubelartikel zur Bebauung des Güterbahnhofs Wilmersdorf.

 

Ottmar Fischer hätte spätestens zur Baustellenbegehung am 5. Juli 2017 erkennen können, dass es mit den ursprünglichen Plänen auf dem Güterbahnhofsgelände nichts wird. Damals verkündete BÖAG-Chef Lars Böge, dass sich keine der städtischen Wohnungsbaugesellschaften an dem umstrittenen Bauprojekt „Güterbahnhof Wilmersdorf“ beteiligen wird, und daher als neuer Partner die HELABA-Immobiliengruppe eingestiegen ist.

 

Hätten Fischer und andere Gutgläubige schon damals richtig zugehört, dann hätten sie hellhörig werden müssen: Da fielen doch die Sätze wie: „BÖAG wird den Bereich geförderter Wohnungsbau aus dem eigenen Familienbestand errichten. Dieses wird BÖAG langfristig (etwa 30 Jahre) im Bestand halten“. Und: „BÖAG wird den freifinanzierten Wohnungsbau mit dem Partner HELABA errichten.“ Und: „Die bisherigen Planungen sehen eigentlich keinen Eigentumswohnungsbau vor. Das muss man am Ende dann mal sehen.“ Denn: „Es sollen Wohnungen gebaut werden, die von der Bevölkerung (gemeint ist wohl von Immobilienkäufern) abgenommen werden. Das hängt auch von den Wohnungsgrößen ab. Vorgesehen ist eine natürliche Durchmischung.“

 

Das böse Erwachen für „Stadtteilzeitung“ und die das Bauprojekt unterstützende Bürgerinitiative „Breslauer Platz“ kam offenbar bei einer nebulösen „Verkaufsveranstaltung“ der BÖAG am 1. März im Rathaus Schöneberg. Zwar hatten die Bürgerinitiative und ihr Vorsitzender Joachim Glässel noch versucht, die Veranstaltung als eine Art Bürgerinformation zu verbrämen, doch die Absicht der Investoren trat klar zutage.

 

Nun muss Redakteur Ottmar Fischer einräumen, dass „davon auszugehen ist, dass vieles von dem wieder verlorengegangen ist, was in dem zweijährigen Werkstattverfahren von einer zahlreich und interessiert mit Vorschlägen und Ideen daran teilnehmenden Bürgerschaft vorgetragen wurde“. So sei „keine Rede mehr von der Ermöglichung verschiedener Eigentumsformen, etwa für Baugenossenschaften, angedacht für die hufeisenförmige Gebäudereihe parallel zur Bennigsenstraße, womit auch die speziellen Wohnungszuschnitte verschwunden sind, vorgeschlagen für besondere Wohnformen wie betreutes Wohnen für Alte oder Behinderte, für kooperierende Alleinerziehende oder generationenübergreifende Verbünde.“

 

Fischer weiter: „Es ist auch nichts mehr zu entdecken von der einst auch in Politik und Verwaltung begrüßten Bürgerschaftsidee von einer Quartiersgestaltung als Ergänzung zur Friedenauer Gliederungstradition mit individuell gestalteten Fassaden und ihren zahlreichen Varianten in der Außenansicht. Erste Vorhabenentwürfe lassen vielmehr darauf schließen, dass von der ursprünglichen Idee nichts weiter übrig geblieben ist als die Friedenauer Grundstruktur von baumbestandenen Straßen, die über Plätze miteinander verbunden sind.“

 

Dass Baustadtrat Jörn Oltmann (Grüne) in derselben Veranstaltung weiterhin von dem „schlechthin attraktiven Bauvorhaben für den Bezirk“ sprach, kann Fischer in seinem arg weichgespülten Artikel nicht richtig erklären. Das auch von ihm selbst unter dem Titel „Friedenau bekommt ein Kind“ zuvor hochgejubelte Bauprojekt sei leider wahrlich „kein Gipfel“, muss Fischer am Ende resümieren. Eine späte Einsicht, traurig für die Friedenauer, schlecht für Friedenau und für die künftigen Bewohner der Häuser an der Autobahn mit den allertrübsten Aussichten verbunden.

 

BI-Sprecher Joachim Glässel am 23.03.2018 im Rathaus Schöneberg. Foto H&S

Aus für den Brunnen auf dem Breslauer Platz

 

Der Brunnen auf dem Breslauer Platz ist in weite Ferne gerückt. Es ist sogar sehr wahrscheinlich, dass überhaupt kein Brunnen errichtet werden wird. Das ist das Ergebnis einer öffentlichen Diskussion, zu der Bezirksstadträtin Christiane Heiß (Bündnis90/Die Grünen) für den 23. März 2018 in das Rathaus Schöneberg eingeladen hatte.

 

Was sehr schnell klar wurde: Die Gründe für das Scheitern der Brunnen-Pläne sind vielfältig. Hauptverantwortlich scheint jedoch die Bürgerinitiative Breslauer Platz (BI) zu sein. Sie hat in den vergangenen Jahren widersprüchlich, mit unterschiedlichen Stimmen und ungeschickt agiert. Im Gegenzug haben auch Bezirksamt und Bezirksverordnetenversammlung keine klare Haltung entwickelt. Der SPD-Antrag „Passender Brunnen für den Breslauer Platz“, der am 26. März im Verkehrs- und Umweltausschuss behandelt werden soll, hat nach dem Verlauf der Debatte wohl keine Chance auf Umsetzung.

 

Seit 2012 wird über den Brunnen gestritten. Das waren Jahre der Missverständnisse und gegenseitigen Beschuldigungen. „Wir wollten einen richtigen Brunnen auf dem Platz“, sagte BI-Sprecher Joachim Glässel in Richtung der Bezirksstadträtin Heiß – und meinte damit wohl jenen mittelalterlich angehauchten „Schmuckbrunnen“, mit dem die BI seit 2012 hausieren ging – und der nun sang- und klanglos auf der BI-Website gelöscht wurde. Alles sei bereits besprochen worden und dann habe die BI „so nebenher“ erfahren, dass das Bezirksamt bereits einen kleinen „Trinkbrunnen“ bestellt und auch noch den Standort anders gewählt hätte, „als wir das vorschlagen“.

 

Glässel kritisierte, dass er und die BI auch zur Veranstaltung am 24. März nicht ordentlich eingeladen worden wären. „Ich bin irritiert“, so der BI-Vertreter. Doch auch Bezirksstadträtin Heiß zeigte sich irritiert. „Ich rede ständig mit Mitgliedern der Bürgerinitiative und bekomme immer unterschiedliche Meinungen zu hören. So geht das nicht.“ Heiß kündigte an, solche individuellen Gespräche in Zukunft abzulehnen und nur noch auf öffentliche und transparente Diskussionsveranstaltungen zu setzen.

 

Unklar blieb, wer überhaupt einen Brunnen auf dem Breslauer Platz fordert. Für die Händler des Wochenmarkts machte Marktmeister König klar: „Der Breslauer Platz ist 137 Jahre lang ohne Brunnen ausgekommen. Und er wird auch ohne Brunnen weiter funktionieren.“ König warnte davor, die Händler mit einem solchen Bauwerk zu behindern. „Die Händler beleben diesen Platz. Wenn kein Wochenmarkt stattfindet, dann tut sich dort nämlich nichts. Ich sehe an marktfreien Tagen kaum einen Menschen.“

 

Die Belange der Händler und technische Voraussetzungen sind die Grundlage dafür, dass das Bezirksamt sich allenfalls einen kleinen Trinkbrunnen auf der Westseite des Platzes vorstellen kann. Als Bauherr und Betreiber des Trinkwasserspenders würden die Berliner Wasserbetriebe einspringen. Ein Vertrag ist bereits geschlossen worden. Allerdings wäre dieser Mini-Brunnen nur von April bis Oktober in Betrieb – BI und SPD fordern eine ganzjährige Nutzung.

 

Breit diskutiert wurde auch über das zu favorisierende Trinkwasserbrunnen-Modell. Doch ob es nun das vom Bezirksamt bevorzugte „Berliner Modell“, oder das von der BI heiß ersehnte „Wiener Modell“ sein könnte - es bleibt dabei: Der große Schmuckbrunnen, den es übrigens auf dem Breslauer Platz nie gab, ist vom Tisch. Und selbst die Lilliput-Lösung wird wohl in der Schublade verschwinden.

 

Was bleibt stattdessen? Es bleibt die ernüchternde Erkenntnis, dass sich eine Bürgerinitiative mit unklarer Struktur und mannigfacher Stimmenvielfalt in eine Sackgasse manövrierte. Es bleibt die Beobachtung, dass ein Bezirksamt den Dialog mit den Bürgern nicht einmal im Ansatz beherrscht. Und es bleibt die Freude darüber, dass den Friedenauern ein Unsinns-Projekt erspart bleibt, das der Flickschusterei auf dem Breslauer Platz nur einen weiteren Flicken beschert hätte.

 

Güterbahnhof Wilmersdorf. Quelle Bezirksamt

Die Mitmachfalle

 

Eingetragene Vereine haben einen Vorstand und einen 1. Vorsitzenden, der den Verein nach außen vertritt. Bei der Bürgerinitiative Breslauer Platz e. V. ist alles ganz anders. Nirgendwo auf der offiziellen Website http://www.breslauer-platz.berlin-suedwest.de/ gibt es eine Anschrift, nirgendwo werden die handelnden Personen benannt.

 

Die 9 Mitglieder sind: Joachim Glässel (Vorsitzender, auch AG Platzgestaltung), Ottmar Fischer (Schriftführer, auch AG Kulturhaltestelle), Uwe Elfert (Kassenwart, auch AG Botanik), Gregor Mann (Kassenprüfer, auch AG Wasserstelle), Andreas Straschewski (Kassenprüfer), Magrit Knapp, Juliane Ganzel, Peter Splettstößer-Heise (auch AG Behörden) und Ewald Mahr. Thomas Protz vom Nachbarschaftsheim Schöneberg ist im Sinne des Presserechts für den Inhalt der Internetseiten www.breslauerplatz.de ist post@breslauer-platz.berlin-suedwest.de verantwortlich. Einst gehörten auch noch andere (kompetente) Fachleute dazu, die längst vor der herrschenden Klasse geflohen sind.

 

 

 

 

Am 28. Februar 2018 erhielten wir von Informanten für www.friedenau-aktuell.de einen Ablaufplan der Helaba Immobiliengruppe OFB Projektentwicklung GmbH Frankfurt als PDF und die Kopie einer E-Mail, die unter dem Account „Joachim Glässel“ verschickt wurde, jedoch mit „beste Grüße INITIATIVE BRESALAUER PLATZ e.V.“ unterzeichnet war.

 

Hier der Originaltext: „Betreff: Friedenauer Höhe - FHP Bürgerinformationsveranstaltung am 1.3.2018“ heißt es im Original: „Liebe Mitstreiter, anbei eine Einladung der BÖAG zu einer Informationsveranstaltung für die Bebauung der Friedenauer Höhen - Friedenau 2.0 ! am Do. 1. März 17:00 h im Rathaus Schöneberg Louise-Schroeder-Saal, Nr. 195, im Erdgeschoss leider wurde diese Einladung bislang NICHT vom Stadtplanungsamt umverteilt. Darum verteilen wir dies in unserem Kiezinteresse als Bürgerbeteiligte. Sendet also die Einladung bitte in euerem Umfeld und Netzwerk des Kiezes auch weiter, damit so kurzfristig noch eine gute Beteiligung zusammenkommt. beste Grüße INITIATIVE BRESALAUER PLATZ e.V.“

 

Nachdem wir Mail und Einladungs-PDF von OFB/BÖAG veröffentlicht hatten, erreichten uns dazu diverse Äußerungen von Friedenauern, die zu dem Schluss kamen, dass es sich bei der als „Infotag“ gekennzeichneten Veranstaltung um eine „Verkaufsveranstaltung“ handelt, und nicht um eine – wie Joachim Glässel für die BI Breslauer Platz formuliert – „Bürgerinformationsveranstaltung in unserem Kiezinteresse“. Glässel bedauerte schließlich im Namen der BI Breslauer Platz, dass „diese Einladung bisher NICHT vom Stadtplanungsamt umverteilt wurde“. Das Amt hatte erkannt, dass es sich um eine „Verkaufsveranstaltung“ im Rathaus Schöneberg handelt. Da sollte tunlichst jeder Zusammenhang mit einer Bürgerinformationsveranstaltung des Bezirksamts vermieden werden.

 

Kern unserer Frage ist, ob diverse Aktionen der BI Breslauer Platz mit den Prinzipien und Richtlinien der BI Breslauer Platz noch in Einklang zu bringen sind.

 

Nachdem die „BI Breslauer Platz“ im Januar 2011 gegründet worden war, gab es im März 2011 auf dem Platz erste Information. Wir haben uns seinerzeit auch in die Listen eingetragen, weil der ursprüngliche Plan mit Bäumen und Bänken „etwas hatte“. Diese Unterschrift hätten wir während des unsäglichen Planungsverlaufs zurückziehen müssen. Das haben wir nicht getan. Schwamm drüber, der Platz ist nun mal so wie er ist – ein Fremdkörper in Friedenau, der von den Bürgern nicht angenommen wird.

 

Seit etwa Januar 2017 gibt es auf der BI-Website einen Menüpunkt „Güterbahnhof“, in dem der Baubeginn begrüßt wird. Wir können uns nicht daran erinnern, dass wir der BI dazu unsere Zustimmung gegeben haben. Es stellt sich obendrein die Frage, ob die BI von den Bürgern dazu ein Mandat erhalten hatte und ob die Bürger über diese „Erweiterung“ überhaupt informiert wurden.

 

Die BI beteiligte sich schon während des Platzumbaus daran, vorbereitete politische Entscheidungen pseudodemokratisch abzusichern. Inzwischen betreibt die BI mit der Einladung zu einer Verkaufsveranstaltung ungeniert Werbung für ein umstrittenes Bauprojekt auf einem von Lärm, Abgasen und Feinstaub geplagten Areal. Sie ist inzwischen zur „Mitmachfalle“ geworden, mit der permanent manipuliert wird.

 

Die Vermischung von „BI Breslauer Platz“ und „Güterbahnhof“ geht nicht! Schon gar nicht geht, dass Joachim Glässel im Namen der BI Breslauer Platz mit Mail und Aushang in Hauseingängen eine Verkaufswerbung für Helaba, OFB und BÖAG betreibt.

 

Wie sehr die „Verkaufsveranstaltung“ am 1. März 2018 nur für Joachim Glässel eine „Bürgerinformationsveranstaltung“ war, wird schon daran deutlich, dass die OFB-Pressesprecherin Yvonne Keller unmittelbar nach der Veranstaltung eine Pressemitteilung in die Welt setzte, in der eben nicht „interessierte Bürger über den Fortgang des Bauprojekts“ zu Wort kamen, sondern BÖAG, OFB und Bezirksstadtrat Jörn Oltmann altbekannte Hüte servierten.

 

Es scheint nicht gut um das Projekt Güterbahnhof Wilmersdorf zu stehen. Entgegen aller Erwartungen beteiligt sich keine der städtischen Berliner Wohnungsbaugesellschaften an dem Bauprojekt. Das hatte zur Folge, dass die BÖAG zur Finanzierung die HELABA OFB- Immobiliengruppe mit ins Boot holen musste. Bei Lars Böge hörte sich das am 5. Juli 2017 schon mal ganz anders an: „Die bisherigen Planungen sehen eigentlich keinen Eigentumswohnungsbau vor. Das muss man am Ende dann mal sehen. BÖAG wird den Bereich geförderter Wohnungsbau aus dem eigenen Familienbestand errichten. Diese Gebäude wird BÖAG langfristig (etwa 30 Jahre) im Bestand halten.“

 

Spatenstich am 16. September 2016, Baustellenbegehung am 5. Juli 2017 und nun der Infotag am 1. März 2018: BÖAG und OFB ringen offenbar um Aufmerksamkeit für das Projekt. Sollte das Interesse für die Wohnungen an Autobahn, S-Bahn und Güterzugtrasse doch nicht so groß sein, wie erhofft? Wie gesagt: Es scheint nicht gut um den „Bahndamm“ zu stehen. Doch Kritik an dem Projekt war und ist bis heute nicht erwünscht – vom Investor nicht, aber auch nicht vom Bezirksamt. Wer weiß, wohin das führt.

 

Pressemitteilung von OFB/BÖAG noch am Abend des 1. März 2018

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Information der OFB Immobilien GmbH vom 23.02.2018

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Zu unserem Beitrag erreichten uns am 28.02.2018 nachfolgende Bemerkungen eines Anwohners aus der Bennigsenstraße:

 

"Den betreffenden Aushang habe ich gestern unten in unserem Haus entdeckt, angebracht offenbar von einem Sympathisanten dieses Projekts. Die clandestine Verbreitung dieser Einladung spricht Bände. Gezeigt werden soll wohl die väterliche (wahlweise: mütterliche) Sorge des Investorenteams um die Anwohner/innen, garniert mit Einlagen aus der einschlägigen Investorenlyrik („Wie ein Hamburger Investor sein Herz für Berlin entdeckt"), auf die wahrscheinlich auch die hartnäckigsten Befürworter dieses zerstörerischen Projekts nicht mehr hereinfallen dürften. Es ist leicht zu erkennen, dass es sich um eine reine Werbeveranstaltung handelt. Auch dem beteiligten Bezirksamt (Oltmann etc.) geht es vor allem darum, zu demonstrieren, wie intensiv man in der „wachsenden Stadt“ seine Truppen zur Beseitigung der Wohnungsnot publikums- und medienwirksam in Stellung bringt."

 

Modell Ku'damm. Quelle BWB

„Wir haben uns nie darauf verständigt.“

 

Einst stritt sich Joachim Glässel mit Stadtrat Daniel Krüger (CDU), nun streitet er sich mit Stadträtin Christiane Heiß (GRÜNE). Sein Standardsatz damals wie heute: „Wir haben uns nie darauf verständigt, beim Gespräch im November sei die Entscheidung für das Ku'damm-Modell nur beiläufig mitgeteilt worden.“ (Berliner Woche, 28.12.2017).

 

Die Verzweiflung der BI Breslauer Platz ist groß. Was ist von den Plänen noch geblieben? Nichts mit der Kulturhaltestelle. Umstritten die Bänke hinter dem Pavillon, da sie nachts zu jugendlichen Saufgelagen einladen und an Markttagen den Blick auf Händlerwagen und leere Fischkisten freigeben. Die Bepflanzung der modischen Pflanzenkübel könnte armseliger nicht sein. Die Platzgestaltung insgesamt ein steinernes Desaster. Einzig der Brunnen ist noch geblieben. Und über diesen gibt es nun Streit. Die BI, das sind maximal 9 Hanseln, favorisiert das „Wiener Modell“. Bezirksamt und Berliner Wasserbetriebe den sogenannten Mundsprinkelbrunnen „Modell Ku’damm“.

 

Seit 2011 wird über einen Trinkbrunnen, den Bautyp, seinen Standort auf dem Breslauer Platz und die Finanzierung diskutiert. Nun haben Bezirksamt und Berliner Wasserbetriebe entschieden. Es kommt das „Modell Ku'damm“ – oder sonst gar nichts. Das wäre nicht weiter tragisch. Es ging bisher auch ohne Brunnen.

 

18.000 Euro müsste das Bezirksamt für die Installation ausgeben – zuzüglich jährlich 4.000 Euro für Reinigung, Desinfektion und Inspektion. Eine hübsche Summe, mit der das Bezirksamt den seit Jahren stillgelegten „Sintflutbrunnen“ auf dem Perelsplatz wieder in Gang bringen könnte.

 

Am 23. März 2018 gibt es von 16 bis 17.30 Uhr im Rathaus Schöneberg, Louise Schroeder Saal, die öffentliche Diskussion „Ein Brunnen für den Breslauer Platz“. Vorsorglich weist Bezirksstadträtin Christiane Heiß schon mal darauf hin, dass das „geplante Modell nicht allen Friedenauern gefällt und auch der Standort nicht unstrittig ist“.

 

 

Antrag der CDU-Fraktion vom 21.02.1018

Auf der Website www.friedenau-aktuell.de haben wir Anfang Februar 2018 unter „Saarstraße Nr. 14“ das so vorzüglich und denkmalgerecht sanierte „Luise und Karl Kautsky Haus“ ausführlich vorgestellt und darauf hingewiesen, dass der vom Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg direkt vor dem Eingang aufgestellte Parkscheinautomat „nicht in die Landschaft passt“.

 

Es erstaunt in diesen Zeiten kaum, dass nicht die SPD, sondern die CDU-Fraktion die rot-grüne Verwaltung ersucht, den Parkscheinautomaten „an eine andere Stelle“ zu setzen.

 

In Erinnerung sei gerufen, dass in diesem Haus einst der sozialdemokratische Politiker Karl Kautsky wohnte und dort auch mit Rosa Luxemburg Gespräche führte.

 

Wir sind gespannt, was zur BVV-Sitzung im April 2018 herauskommt – und werden informieren.

Die Büste von Inge Keller auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof, fotografiert von Simon Neumann am 6. Februar 2018

Zum 1. Todestag der Friedenauerin Inge Keller

 

Dank Ihres virtuellen Artikels zur Goßlerstraße 27 habe ich doch tatsächlich erst so recht wahrgenommen, dass die unvergessene Inge Keller (1923-2017) in gewissem Sinne eine Friedenauerin war. Ich füge Ihnen die Momentaufnahme bei, die ich heute (am 6. Februar 2018) - an ihrem ersten Todestag - am Grab auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof fotografiert habe. Mit Inge Keller werde ich immer ein Theatererlebnis verbinden, welches nun auch schon beinahe zwei Jahrzehnte zurückliegt: „Der Besuch der alten Dame“ von Friedrich Dürrenmatt im Deutschen Theater. Das hat mich als vielleicht vierzehnjähriger Bursche enorm fasziniert, weil sich mir eine Welt auftat, die ich so noch nicht erlebt hatte. Bleiben Sie so eifrige Friedenauforscher mit offenen Augen für die Geschichten am Wegesrand vom Kiez! In diesem Sinne wohlwollende Grüße aus dem Friedrichshain von Simon Neumann.

Perelsplatz am 26. Januar 2018. Foto H&S

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte

 

Seit September 2016 werkeln die „grünen“ Bezirksstadträte Christiane Heiß und Jörn Oltmann am Perelsplatz, sie an Grünanlagen und Spazierwegen, er am Fachwerkpavillon. Im Oktober 2017 sollte das Werk vollendet sein. Vorgesehen waren Ausgaben von rund einer halben Million Euro. Die Summe dürfte im Januar 2018 um einiges überschritten sein.

 

Von den 55 Abgeordneten der Bezirksverordnetenversammlung von Tempelhof-Schöneberg, SPD (15), Grüne (13), CDU (12), AfD (6), DIE LIKE (5), FDP (4), eigentlich gedacht als Kontrollorgan für das Bezirksamt, scheint wohl keiner in Friedenau zu wohnen. Wie sonst ist der gegenwärtige Zustand rund um Pavillon und Sintflutbrunnen zu erklären? Ganz offensichtlich wird für jeden Bürger, dass es um Planung und Organisation im rot-grünen Bezirksamt mehr als schlecht bestellt ist.

Quelle: CDU-Fraktion Tempelhof-Schöneberg

Antrag der CDU-Fraktion

17.01.2018

 

Der Antrag der CDU-Fraktion an die Bezirksverordnetenversammlung von Tempelhof-Schöneberg ist durchaus erfreulich. Sollte die BVV beschließen, dass sich das Bezirksamt beim Senat für den Fortbestand der im Jahr 2009 aufgehobenen Ehrengrabstätte für den Fotopionier Ottomar Anschütz einsetzt, steht allerdings zu befürchten, dass Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) - wie bereits in anderen Fällen geschehen - das Anliegen "an den Senat weiterleitet". Damit hat sich die Angelegenheit für sie erledigt. Eine Stellungnahme oder gar ein persönliches Engagement sind nicht zu erwarten.

Eingeschränkt erreichbar

19.12.2017

 

Unter der Überschrift „Eingeschränkte Erreichbarkeit“ lässt Bezirksstadträtin Christiane Heiß (Bündnis 90/Die Grünen) in der „Pressemitteilung Nr. 608 vom 19.12.2017“ mitteilen, dass „die Friedhofsverwaltung von Tempelhof-Schöneberg vom 18. bis 29. Dezember 2017 wegen krankheitsbedingten Ausfällen von Mitarbeiter_innen nur eingeschränkt erreichbar ist“.

 

 

Die trauernden Hinterbliebenen sollten sich allerdings keine Sorgen machen, denn „bereits terminierte Bestattungen werden selbstverständlich durchgeführt und sind sichergestellt“. Auch werden „Sterbefallanmeldungen/Terminvereinbarungen vom 18. bis 22. Dezember täglich in der Zeit von 9 Uhr bis 11 Uhr telefonisch angenommen“ – vom 27. bis 29. Dezember allerdings nicht, denn da „bleibt die Friedhofsverwaltung geschlossen“.

 

Die Lage scheint geradezu dramatisch zu sein. Bereits in der „Pressemitteilung Nr. 562 vom 01.12.2017 wurde verkündet, dass die Friedhofsverwaltung „wegen aktuell krankheitsbedingten Ausfällen von Mitarbeiter_innen vom 1. bis 8. Dezember 2017 nicht erreichbar ist, keine Auskünfte erteilt und Sterbefallanmeldungen in der 49. KW angenommen werden können“. Eine Woche später gab es die „Pressemitteilung Nr. 588 vom 08.12.2017“ mit der Nachricht, dass „die Friedhofsverwaltung vom 11. bis 15. Dezember wegen krankheitsbedingten Ausfällen von Mitarbeiter_innen geschlossen bleibt“.

 

An 25 von 31 Tagen bleibt die Friedhofsverwaltung im Dezember 2017 „krankheitsbedingt nur eingeschränkt erreichbar“ bzw. ganz und gar „geschlossen“.

 

Nicht anders sieht es in der Abteilung für Stadtentwicklung und Bauen aus. Berlin braucht Wohnungen, aber Bezirksstadtrat Jörn Oltmann (auch Bündnis 90/Die Grünen) lässt mitteilen, dass „eine Bauberatung im Fachbereich Bauaufsicht aufgrund erheblicher Personalengpässe bis auf weiteres freitags nur nach vorheriger Terminabsprache erfolgt. Die Sprechzeit dienstags von 9 bis 12 Uhr wird wie gewohnt angeboten. Es wird um Verständnis gebeten“.

 

Mit dieser Bezirksverwaltung, „in der politisch Verantwortliche es dreist verstehen, jede Wahlschlappe zum Weiterwurschteln umzumünzen“, so ein Friedenauer im Original, lassen sich die Probleme der wachsenden Stadt nicht lösen. Berlin bremst sich selbst aus und Tempelhof-Schöneberg hat die Vorreiterrolle übernommen.

 

Drei Bäume für die Stierstraße

 

Im April 2017 haben „Freunde der Stierstraße“ zu einer Spendenaktion aufgerufen, mit der sie beim Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg eine Beschleunigung der überfälligen drei Baumnachbepflanzungen bewirken wollten. Der Aufruf war und ist umstritten.

 

Ein Anwohner sah darin „die schleichende Abkehr, ja, ich sehe den Verrat an einer öffentlichen Pflichtaufgabe, die parteiübergreifend einst als sinnvolle ökologische Übereinkunft galt. Zähneknirschend spende ich 40 Euronen. Auch mir blutet das Herz, wenn ich die trostlosen Stümpe sehe!“

 

Auch wir von www.friedenau-aktuell.de haben uns gegen das „im Grunde genommen ehrenwerte Anliegen“ ausgesprochen. Wenn Nachbarn „mit einer Spendensammlung dafür sorgen sollen, dass Bäume nachgepflanzt werden, macht das – mit Verlaub – den Bock zum Gärtner. Die Verwaltung stiehlt sich aus der Verantwortung und nutzt bürgerschaftliches Engagement schamlos aus“.

 

„Friedenau erweckte durch seinen ursprünglich angelegten Baumschmuck von jeher den Eindruck einer Gartenstadt. Die Gemeindeverwaltung hat sich stets bemüht, diesen Charakter zu erhalten und zu pflegen. Sie hat es verstanden, die in dem engen Bebauungsplan übrig gebliebenen geringen Grünflächen in geschmackvoller Weise anzulegen und gärtnerisch zu erhalten“, so der Friedenauer Gemeindebaurat Hans Altmann im Jahr 1924.

 

Um die Pflege von Grünanlagen und Straßenbäumen ist es heute mehr als schlecht bestellt. Der Blick über den Vorgartenzaun der Stierstraßenhäuser ist angesagt. Ringsherum in Bennigsen-, Haupt-, Lauterstraße und auf dem Perelsplatz gibt es mehr als ein Dutzend gefällter Bäume, die seit geraumer Zeit nicht ersetzt wurden.

 

Der Jubel bei den „Freunden der Stierstraße“ ist groß: „Wir sehen uns vielleicht am Ende der Woche für eine spontane Feier bei ‚unseren‘ (gespendeten) Bäumen.“ Einen Grund zum Feiern können wir nicht erkennen.

Ich hab' noch einen Koffer in Berlin

18.12.2017

 

Was für eine traurige Nachricht! Einige Jahre hat sich das Ehepaar Kerkloh um das Grab des Sängers Bully Buhlan auf dem Dahlemer Waldfriedhof gekümmert. Nun verlassen die Eheleute Berlin – und hoffen darauf, Nachfolger für die Pflege des Grabes zu finden. Wie ernst es ihnen damit ist, macht der Artikel im „Tagesspiegel“ vom 18. Dezember 2017 deutlich. Zuerst baten sie ihren Sohn Thomas um Hilfe, der sich wiederum an den „rasenden Reporter“ Boris Buchholz wandte. So kam die ganze Geschichte in den „Tagesspiegel“ – obendrein, was ziemlich ungewöhnlich ist, mit seiner Bitte um Zuschriften an tkerkloh@googlemail.com.

 

Es ist leider so, dass über Bully Buhlan heute Nachhilfe erforderlich ist. Geboren wurde er am 3. Februar 1924 in Lichterfelde. Als die im Funkhaus an der Masurenallee tonangebende sowjetische Kulturadministration im Juni 1945 das „Radio Berlin Tanzorchester“ (RBT) des „Berliner Rundfunks“ gründen ließ, machte Orchesterchef Michael Jary Bully Buhlan zum Frontsänger für seine swingende Big Band.

Als der Arbeitersänger und Spanienkämpfer Ernst Busch (1900-1980) vom sowjetischen Stadtkommandanten Alexander Georgewitsch (1902-1981) die Erlaubnis erhielt, die im Spanischen Bürgerkrieg selbst gesungenen Lieder auf Schallplatte zu pressen, gründete Busch laut Handelsregister Charlottenburg vom 18. März 1947 den Schallplattenverlag „Lied der Zeit" mit dem spanischen Labelnamen „Amiga“ (Freundin).

 

 

Statt der Kampflieder wurden von „Amiga“ im Mai 1947 die „Capri-Fischer“ mit Kurt Reimann und wenig später „Chattanooga Choo Choo“ mit Bully Buhlan gepresst – damals bekannt unter dem Titel „Verzeihn Sie, mein Herr, fährt dieser Zug nach Kötzschenbroda“. Die bekanntere Version lieferte Udo Lindenberg 1983 mit dem „Sonderzug nach Pankow“.

 

1949 hatte Bully Buhlan einen langfristigen Vertrag mit Deutschlands größter Plattenfirma „Polydor“ in der Tasche. „Troubadour der Berliner“ nannte man ihn oder auch „Die singende Luftbrücke“. Es entstanden die für ihn typischen Lieder: „Ich hab’ mich so an dich gewöhnt“, „Ham' se nich' 'ne Braut für mich“, „Lieber Leierkastenmann“, „Ich hab’ noch einen Koffer in Berlin“, „Das Lied von der Krummen Lanke“. Es kam zur Zusammenarbeit mit RIAS Berlin und seinen Duett-Partnerinnen Rita Paul, Mona Baptiste und Bibi Johns.

 

Die großen Erfolge des Berliner Lieblings liegen lange zurück. Der kesse Sonnyboy aber wurde für viele zum Inbegriff des Berliners. Er starb am 7. November 1982 in Berlin. Sein Grab befindet sich auf dem Dahlemer Waldfriedhof (Grabstelle Feld 11/Nr. 397/398). Dort entdeckte es vor drei oder vier Jahren das Ehepaar Kerkloh – nichts weiter als Fans von Bully Buhlan. Sie entfernten den Wildwuchs, beschnitten die Hecken und legten ab und an ein Gebinde nieder. Die Friedhofsverwaltung ließ sie gewähren, weil eben das Grab über Jahre „gepflegt“ wurde.

 

Unsere aktuellen Recherchen haben ergeben, dass (rein juristisch) die Grabnutzungsrechte nach mehr als 35 Jahren längst abgelaufen sind und nicht verlängert wurden. Allerdings liegt bei der Senatskanzlei ein Antrag auf Anerkennung als Ehrengrabstätte Berlins vor. Nicht zu erfahren war, wer diesen Antrag gestellt hat. Sollte der Senat im kommenden Jahr eine Ehrengrabstätte für Bully Buhlan beschließen, dann wären Grab und Pflege für die nächsten 20 Jahre gesichert. Sollte dies nicht geschehen, dann bleibt der Friedhofsverwaltung nichts anderes übrig, als das Grab irgendwann einzuebnen.

Mehr als eine Geste

Weihnachten 2017

 

Sie sind Nachbarn in Friedenau und betreiben sehr verschiedene Geschäfte: der Edeka-Markt in der Handjerystraße und die „Friedenauer Kammerkonzerte“ in der Isoldestraße. Die einen verkaufen frische Wurst, die anderen Musik auf historischen Instrumenten. Mit einer Spende zur Weihnachtszeit haben nun die Edeka-Betreiber Peter Görse und Ingo Meichsner die „Gesellschaft der Freunde der Friedenauer Kammerkonzerte e.V.“ überrascht. Das ist mehr als eine Geste und zeugt vom Respekt der Lebensmittelhändler gegenüber den Künstlern. Wir freuen uns darüber.

 

 

 

 

Seit 1986 wird in der Isoldestraße Nr. 9 musiziert. Die Gründung der „Friedenauer Kammerkonzerte“ war eine Tat von Rolf Junghanns (1945-1993) und Bradford Tracey (1951-1887). Der Deutsche und der Kanadier waren Professoren der Berliner Hochschule für Musik. Ihr Interesse galt dem Spiel auf historischen Instrumenten. Seit über drei Jahrzehnten erlebt das Publikum in der intimen Atmosphäre des Kammermusiksaals den Klang der Musik des 17. bis frühen 19. Jahrhunderts.

 

Das Überleben war oft genug gefährdet. Das Engagement des Bezirksamts von Tempelhof-Schöneberg hielt sich in Grenzen. Mehr als gute Politikerworte gab es nicht. Letztendlich ist es dem Hauseigentümer und der „Gesellschaft der Freunde der Friedenauer Kammerkonzerte e.V.“ zu verdanken, dass sich die Konzerte dennoch zu einem kulturellen Markenzeichen von Friedenau entwickeln konnten.

 

 

 

Am 14. Dezember 2017 gab die Abt. Stadtentwicklung und Bauen des Bezirksamts Tempelhof-Schöneberg dem Stadtentwicklungsauschuss einen Bericht ab. Wir veröffentlichen den Originalbericht der Verwaltung zu den Themen „3. Bürgerveranstaltung Am Mühlenberg“ und „Wielandstraße 17“. Der Bericht lag bis zum 17.12.2017 digital nicht vor. Er wurde nur analog im Stadtentwicklungsauschuss verteilt und uns zur Verfügung gestellt. Wir veröffentlichen den Bericht im Original.

 

1. Bericht der Verwaltung zur 3. Bürgerveranstaltung „Am Mühlenberg“

 

Die Siedlung „Am Mühlenberg“ bietet die Chance auf Grundstücken der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gewobag und des Bezirks mit einer behutsamen Nachverdichtung bezahlbaren neuen Wohnraum zu schaffen. Bereits im Juli 2013 führte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt das Workshopverfahren „Urban Living“ durch. Im Rahmen dieser Ideenkonkurrenz wurden erste Entwicklungskonzepte erarbeitet Im Sommer 2015 wurde in Fortführung des Workshopverfahrens ein Gutachterverfahren durchgeführt, vor dessen Hintergrund bereits zwei Bürgerveranstaltungen stattfanden. Die dritte und das informelle Verfahren abschließende Bürgerveranstaltung fand am 5. Dezember 2017 im Rathaus Schöneberg statt.

 

Eingeladen waren alle Anwohner_jnnen, um über eine von drei städtebaulichen Varianten zu entscheiden, wie diese Nachverdichtung umgesetzt werden soll. Die Varianten unterschieden sich in der Anzahl und Höhe der Gebäude, sowie in ihrer Platzierung.

 

Von den Teilnehmer_jnnen der Veranstaltung wird eine Bebauung mit zwei 12-geschossigen und einem 8-geschossigen Gebäude favorisiert. Mit 56,9 % fiel das Votum, eindeutig aus. Damit wurde der Variante der Vorzug gegeben, die am stärksten auf die Höhe der Gebäude und am meisten auf den Erhalt von Frei- und Grünflächen gesetzt hat In dieser Variante ist auch die Verlagerung der vorhandenen sozialen Einrichtung in ein neuzubauendes Gebäude enthalten.

 

In der Veranstaltung wurde unter anderem sehr intensiv nach Verkehrslösungen insbesondere für den ruhenden Verkehr gefragt, der durch die zusätzliche Bebauung verschärft wird. Es wird zu einer Verknappung der Stellplätze kommen, diesem soll jedoch durch die Erarbeitung eines Mobilitätskonzeptes begegnet werden.

 

Die gewählte Siegervariante bildet nun die Grundlage für das einzuleitende Bebauungsplanverfahren in dessen Rahmen gemäß Baugesetzbuch weitere Bürgerbeteiligungen vorgesehen sind.

 

***

 

2. Bericht der Verwaltung zur Erläuterung des Bauvorhabens Wielandstraße Nr. 17

 

Am 4. Dezember 2017 fand die zweite Bürgerveranstaltung für die Anwohner_jnnen des Neubauvorhabens Wielandstr. 17 statt. Der viergeschossige Neubau mit Staffelgeschoss wurde Anfang des Jahres als Gartenhaus genehmigt. Es ging in der gut besuchten Veranstaltung vor allem darum, die Bedenken der Anwohner_jnnen gegen den genehmigten Neubau auszuräumen und offene Fragen zu beantworten. Zahlreiche Besucher_jnnen gaben ihren Befürchtungen Ausdruck, dass zwei Bäume auf dem Nachbargrundstücken durch die Bauarbeiten Schaden nehmen könnten. Diesen Bedenken konnte mit der Erläuterung der umfangreicher, Auflagen des Umwelt- und Naturschutzamtes und der Zusage, dass ein Außendienstmitarbeiter regelmäßig Kontrollen durchführen wird, begegnet werden.

 

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Veröffentlichung des Büros der Bezirksverordnetenversammlung von Tempelhof-Schöneberg über anwesende, nicht anwesende sowie stellvertredend oder aus anderen Gremien anwesende Mitglieder der Bezirksverordentenversammlung. Wir veröffentlchen diese Liste. Da weiß der Wähler wenigstens, woran er ist.

 

Anwesenheit - 11. öffentliche Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung 

11. öffentliche Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung

Gremium: Ausschuss für Stadtentwicklung

Datum:             Do, 14.12.2017 Status: öffentlich

Zeit: 17:00 - 19:40 Anlass: ordentliche Sitzung

Raum: Sitzungsraum 195

Ort: Rathaus Schöneberg

 

Anwesend:

Reinhard Janke SPD

Sebastian Baetke AfD

Nihan Dönertas SPD

Karsten Franck AfD

Patrick Liesener CDU

Dagmar Lipper FDP

Rainer Penk GRÜNE

Lars Rauchfuß SPD

Peter Rimmler CDU

Dr. Christine Scherzinger DIE LINKE

Bertram von Boxberg GRÜNE

Axel Seltz Ausschussvorsitz SPD

Wanda Preußker Schriftführung CDU

Ralf Kühne stellv. Ausschussvorsitz GRÜNE

Jörn Oltmann Bezirksstadtrat

 

Nicht anwesend:

Alexander Gühloff CDU

Heinz Jirout GRÜNE

Elisabeth Voss  DIE LINKE

Christoph Götz SPD

Elisabeth Kiderlen GRÜNE

Ralf Olschewski CDU

Orkan Özdemir SPD

 

Stellvertretend oder aus anderen Gremien anwesend:

Matthias Bauer Vertretung für: Frau Elisabeth Voss DIE LINKE

Ingrid Kühnemann Vertretung für: Herrn Orkan Özdemir SPD

Kevin Kühnert Vertretung für: Herrn Christoph Götz SPD

Katharina Senge Vertretung für: Herrn Alexander Gühloff CDU

Christian Wülfken Vertretung für: Herrn Heinz Jirout GRÜNE

 

Ausschuss für Stadtentwicklung am 14.12.2017

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GRÜNE vernichten GRÜN

 

Die Wähler wollten es so. Schöneberg hat am 18. September 2016 mit 20,1 % GRÜN gewählt und muss nun auch mit der von den GRÜNEN favorisierten „Nachverdichtung“ leben – jedenfalls spätestens bis zur möglichen Abwahl im Jahr 2021. Diese könnte allerdings auch früher passieren, denn die SPD kommt aktuell auf 16,8 % und die Grünen nur noch auf 15 %.

 

Ob Güterbahnhof Wilmersdorf, Wielandstraße oder Mühlenberg, der frühere Immobilienhändler und jetzige Bezirksstadtrat Jörn Oltmann zieht die Nachverdichtung durch. Gegenüber der Abendschau erklärte er: „Für die Anwohner ist das mit Sicherheit eine kleine Zumutung.“ Die Argumente gegen diese Bebauung sind ihm „wurscht“. Auf der Bürgerveranstaltung am 5. Dezember 2017 ging es nicht um das „ob“, sondern nur um das „wie“. Für Oltmann war „das Ziel dieser Veranstaltung eindeutig definiert: In der Siedlung ‚Am Mühlenberg‘ soll mit einer behutsamen Nachverdichtung neuer Wohnraum geschaffen werden.

 

Die Medien waren vorher schon auf „Linie“ gebracht worden. So kann der eigentlich zur journalistischen Neutralität verpflichtete Moderator Sascha Hingst in der Abendschau vom 6. Dezember kommentarlos erklären, dass „diese Stadt Wohnungen braucht, jedes Jahr 15.000 bis 20.000, wenn Berlin weiter so schnell wächst“. Die Landesrundfunkanstalt auf Landeskurs. Fakt ist doch aber, dass das verfügbare Bauland für Wohnraum innerhalb der Berliner Stadtgrenzen begrenzt ist. Deshalb haben sich Berlin und Brandenburg nun darauf geeinigt, die Siedlungsachsen rund um Berlin zu erweitern und damit die Fläche für den Wohnungsbau zu verdoppeln. Dieser Landesentwicklungsplan soll Mitte 2019 in Kraft gesetzt werden. Spät, aber dennoch der einzig richtige Ansatz. Nicht jeder, der nach Berlin kommen will, kann in Berlin wohnen.

 

Der grüne Oltmann hat die neue Marschrichtung noch gar nicht mitbekommen. Für ihn „orientiert sich das geplante Gesamtkonzept für die Siedlung Am Mühlenberg am aufgelockerten städtebaulichen Leitbild der 1960er Jahre. Mit der Nachverdichtung wird diese Idee weiterentwickelt, ohne es durch die Neubauten zu überformen.

 

Wer also gekommen war, um sich gegen diese neuerliche „Mietskasernenbebauung“ auszusprechen, wurde herb enttäuscht. Das war schon vorher klar, denn Bezirksstadtbaurat Jörn Oltmann hatte bereits in der Pressemitteilung des Bezirksamts vom 30. November 2017 klare Kante gezeigt: „Vorstellung und Erörterung der drei Varianten inkl. Abgabe eines Votums. Welcher Entwurf dann umgesetzt werden soll, darüber können die Anwohnenden am 5. Dezember mitentscheiden.“ – Eine Nachverdichtung entweder mit vier Neubauten von acht Geschossen oder ein Neubau und zwei Hochhäuser.

 

Bürgerveranstaltungen des Bezirksamts Tempelhof-Schöneberg unter grüner Herrschaft waren und sind eine Farce. Dazu passt, dass der von Jörg F. Simon für die Mühlenberg-Initiative formulierte Antrag auf Ablehnung des Bebauungsplans „nicht erlaubt“ wurde.

 

Resolution Nachverdichtung Am Mühlenberg

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Presseinformation des Bezirksamts vom 30.11.2017

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Erklärung des Bezirksamts von 07.12.2017

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Forderung der Mühlenberg-Initiative vom 07.12.2017

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Foto H&S, 2018

Wenn GRÜNE planen

 

Seit September 2016 wird auf dem Perelsplatz „gewerkelt“. Geplant war eine Fertigstellung bis Oktober 2017. Zuständig für die Baumaßnahme ist das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg. Bezirksbaustadtrat Jörn Oltmann (Bündnis `90/Grüne) obliegt die Rekonstruktion der (ehemaligen) Bedürfnisanstalt aus dem Jahre 1909. Er sitzt im Rathaus Schöneberg. Seine Parteifreundin, Bezirksstadträtin Christiane Heiß (Bündnis `90/Grüne), ist für das grüne Drumherum nebst Spazierwegen zuständig. Sie sitzt im Rathaus Tempelhof. Nach über einem Jahr ist eine Zusammenarbeit nicht erkennbar.

 

 

 

Bis August 2017 wurde die Sanierung der Grünanlage unmittelbar vor dem Häuschen vorangetrieben. Der direkte Gehweg von der Lauterstraße wurde gepflastert, die geplante Café-Terrasse neben dem Bau wurde mit Kleinpflaster bedacht und die Pflanzrabatten mit festen Beetkanten eingefasst. Vor dem weitaus stärker frequentierten Weg gleich nebenan von der Hähnelstraße zu Sintflutbrunnen und Spielplatz, auf dem tagtäglich viele Menschen durch Löcher, Pfützen und Schlamm waten, schloss das Bezirksamt die Augen.

 

Für den 31. August 2017 hatte das „Facility Management der Abteilung Stadtentwicklung und Bauen des Bezirksamts“ zu einer Besichtigung eingeladen. Anlass war das „Interessenbekundungsverfahren zur Nutzung des denkmalgeschützten Fachwerkpavillons“ als gastronomische Einrichtung. Bei jährlichen Betriebskosten von 2.300 €, erforderlichen Investitionen des Pächters von ca. 10.000 € und einer in der Höhe noch nicht definierten monatlichen Miete hielt sich das Interesse in Grenzen. Lag es am Drumherum? Ab Oktober 2017 wurde plötzlich der gesamte Grünstreifen bis hin zur Kita-Villa „bearbeitet“. Vier Birken wurden gesetzt, weil der Perelsplatz doch einst „Birkenwäldchen“ genannt wurde. Nachdem auch der Bretterverschlag für den Geräteschuppen errichtet war, lud das Bezirksamt für den 5. Dezember 2017 zum „erneuten Besichtigungstermin“ ein.

 

Wieder war ein Dutzend Bewerber gekommen. Ihnen wurde schnell klar, dass es mit der Fertigstellung dauern würde. Obwohl das Bezirksamt eine Nutzung als „Café oder kleine Gastronomie mit kulturellen Nebenangeboten“ propagierte, der Einbau eines „Fettabscheiders“ also ziemlich nahelag, werden dem zukünftigen Pächter neben den Verhandlungen mit den Wasserbetrieben auch noch die Einbaukosten in Höhe bis zu 3.800 € überlassen. Deutlich wurde auch, dass auf den 22 Quadratmetern Innenraum keine 15 Sitzplätze unterzubringen sind, weil von der Fläche noch der Platz für eine Theke und die Einstiegsluke zum Keller von 0,80m x 1,80m abzuziehen sind. Das Häuschen auf dem Perelsplatz ist ein „Schön-Wetter-Projekt“. Bei 36,5 Sonnenstunden und 46,2 Regenstunden in den Monaten Mai bis Oktober 2016 keine guten Aussichten für das Terrassengeschäft.

 

Das Bezirksamt hätte gewarnt sein müssen. Nach aufwändiger denkmalgerechter Sanierung wurde der im Jahre 1920 von Hans Altmann errichtete Kiosk mit Bedürfnisanstalt am Südwestkorso auf dem Liane-Berkowitz-Platz im Sommer 2013 als „Kaiserdiele“ mit Biergarten eröffnet. Im Vergleich zum Perelsplatz mit einem weitaus attraktiveren Publikumspotential. Was auch immer die Gründe sein mögen, die „Kaiserdiele“ hat längst wieder dichtgemacht und wartet auf neue Zeiten. Für die beiden Häuschen hatte Altmann eine Idee. Sie waren auf „Bedürfnisse“ ausgerichtet, im Park für Frauen und Männer, am verkehrsreichen Südwestkorso zusätzlich mit einem Zeitungskiosk. Die Crux heute: Das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg hat vor der teuren Sanierung kein zukunftsträchtiges Konzept entwickelt. Der ungleich schwieriger loszuschlagende Bau am Perelsplatz wurde „überfrachtet“. Er sollte alles sein: Gastronomie, Kultur, öffentliche Toilette, gepflegte Gartenanlage, fachgerechte (denkmalgerechte) Instandhaltung von Gebäude, Außenflächen und technischen Anlagen. Im Grunde genommen will sich das Bezirksamt von Besitz und Verantwortung verabschieden. Das kann nicht funktionieren.

 

Das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf war klüger. Man übergab den Kiosk an der alten Dorfaue dem Verein „Kultur in Steglitz-Zehlendorf“, der sich seit 1996 um Angebot und Belebung des Pavillons kümmert und über Leben und Veranstaltungen informiert. Immerhin eine Möglichkeit.

 

Wer auch immer Altmanns Bedürfnisanstalt mit Leben erfüllen möchte – das Scheitern ist vorprogrammiert. Im August 2017 wurden die Ausgaben des Bezirksamts für das Projekt Perelsplatz mit über 500.000 € beziffert. Diese Summe dürfte im Dezember 2017 weit überschritten sein. Wenn die Bezirksstadträte Jörn Oltmann und Christiane Heiß (beide Bündnis `90/Grüne) derart gewaltige Ausgaben für ein konzeptionell nicht durchdachtes Vorhaben tätigen, ist doch eigentlich das Kontrollorgan „Bezirksverordnetenversammlung“ gefragt – oder gar der Rechnungshof. Ein aufwändig sanierter Leerstand ist das Letzte, was am bislang arg vernachlässigten Perelsplatz gebraucht wird.

 

Wir leben, solange sich jemand an uns erinnert. (Dante, Divina Comedia)

 

Berlin lässt seine Toten im Stich“

„Unter jedem Grabstein eine Weltgeschichte“

„Das vernachlässigte Erbe“

„Berlin entzieht immer mehr Persönlichkeiten das Ehrengrab“

„Ehrengräber abgewickelt?“

Ehrengräber in Berlin – eine reine Willkürsache?“

„Ehrengräber mit Verfallsdatum“

„Bezirke lassen unsere Ehrengräber verkommen“

 

 

Die Schlagzeilen häufen sich. Friedhöfe sind nicht nur letzte Ruhestätten. Sie dokumentieren das Geistesleben der Stadt. Die Berliner Friedhöfe sind einzigartig in Europa. Ihre Vielfalt hängt mit der Stadtgeschichte zusammen. Bedingt durch die späte Gründung von Groß-Berlin im Jahr 1920, gab es keine Zentralfriedhöfe wie in Paris oder Wien. Hier hatte jedes Dorf Kirche und Kirchhof, jede Gemeinde ihren kommunalen Friedhof. So entstanden neben Gräbern mit regionalgeschichtlichen Akzenten auch künstlerisch hochwertige Grabanlagen. Denkmalschützer konnten die ganze Pracht bislang weder dokumentieren, geschweige denn sichern. So kommt es zu einem Wettlauf gegen die Zeit, bei dem jährlich erhebliche Bausubstanz verlorengeht.

 

Mit dem „Groß-Berlin-Gesetz“ von 1920 gingen alle Rechte und Pflichten der Gemeinden und Gutsbezirke auf Groß-Berlin über. Das galt auch für die bis dahin selbstständige Gemeinde Friedenau. Auf dem Friedhof Stubenrauchstraße hatte sie den Friedenauer Ehrenbürgern Wilhelm Fröauf (1814-1899), Carl Hacker (1811-1892), Johannes Homuth (1839-1922), Hugo Moeller (1840-1911) und Heinrich Sachs (1858-1922) für alle Zeiten die letzte Ruhe eingeräumt. Was ist daraus geworden?

 

Fröauf wurde eingeebnet. Hacker wurde neu belegt. Sachs, noch 1952 vom Senat mit dem Status Ehrengrabstätte bedacht, wurde nicht verlängert und Moellers Grab wird ohne Pflege „links“ liegen gelassen, weil noch ein bisschen Respekt vor dem bedeutenden Grabgestalter Hans Dammann besteht. Bestehen blieb (bisher) das Grab des Friedenauer Ehrenbürgers Johannes Homuth.

 

Nicht viel besser ist es um die „nur“ als Ehrengrabstätten der Gemeinde Friedenau eingestuften Gräber bestellt. Zu Carl Bamberg (1847-1892), seit 1892 ein Ehrengrab, wurde Schönebergs Oberbürgermeister Alexander Dominicus gelegt, sein Grabstein mal hier, mal dort platziert und der Status als Ehrengrabstätte des Landes Berlin im Jahr 2005 vom Senat aberkannt.

 

Ottomar Anschütz (1846-1907), Ehrengrab der Gemeinde Friedenau seit 1907, wurde der Status als Ehrengrabstätte im Jahr 2009 vom Berliner Senat aberkannt. Das Grab von Friedrich Bache (1841-1917) wurde eingeebnet. Das Grab von Hermann Hähnel (1830-1894) und seiner Frau Auguste, die doch den Ortsnamen „Frieden Au“ kreiert haben soll, existiert nicht mehr. Die Wandgräber der Familien Herms, Albert Hirt und Prowe sind (noch) erhalten, weil sie als Denkmal geschützt sind oder (noch) als regionalhistorische Grabmale angesehen werden. Erhalten sind die Grabstätten Adolf Fehler, Robert Hertel, Carl Lorenz und Georg Roenneberg, weil sich offensichtlich Nachfahren darum kümmern.

 

Wir wollen nicht behaupten, dass diese Toten sich im Senatssinn „durch ihr überragendes Lebenswerk um die Stadt verdient gemacht haben“, auch nicht, dass sie „in der breiteren Öffentlichkeit deutlich präsent sind“, aber es waren zweifellos Persönlichkeiten, die zur Geschichte von Friedenau gehören. Das gilt erst recht für die „Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft“ als Folge des Ersten und Zweiten Weltkrieges. So gesehen ist der Friedhof Stubenrauchstraße vorrangig kein „Künstlerfriedhof“, sondern ein schlichter Quartiersfriedhof, auf dem zuallererst Friedenauer begraben liegen.

 

Wie aber sieht es dort aus: Als aktuelle Ehrengrabstätten des Landes Berlin sind derzeit auf dem Friedhof Stubenrauchstraße deklariert:

 

Architekturhistoriker Christian Borngräber (1945-1992), Komponist Ferruccio Busoni (1866-1924), Schauspielerin und Ehrenbürgerin von Berlin Marlene Dietrich (1901-1992), Kommunalpolitiker Johannes Homuth (1839-1922), Architekt Paul Kunow (1848-1936), laut Berliner Senat „Star-Fotograf“ Helmut Newton (1920-2004), Schriftsteller und „IM Otto Stein“ des rumänischen Geheimdienstes „Securitate“ Oskar Pastior (1927-2006) und Schriftsteller Paul Zech (1881-1946) nebst (ziemlich unverständlich sein Vater, der Verleger Rudolf Zech (1904-1972). Nichts gegen diese Toten und nichts soll ihre Ruhe stören, aber mit der unmittelbaren Friedenauer Geschichte haben sie wenig zu tun.

 

Das Problem besteht darin, dass der Senat im Jahr 2008 Zuständigkeit und Anerkennungsverfahren für Ehrengrabstätten von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zur Senatskanzlei verlegte und gleichzeitig neue Auswahlkriterien festlegte: „Ehrengrabstätten sind Ausdruck der Ehrung Verstorbener, die zu Lebzeiten hervorragende Leistungen mit engem Bezug zu Berlin erbracht oder sich durch ihr überragendes Lebenswerk um die Stadt verdient gemacht haben.“ Seit diesem Zeitpunkt gilt:

 

- Andenken an Person, die in der breiteren Öffentlichkeit deutlich präsent sind

- Schwerpunkt der Verdienste mit engem Berlin-Bezug

- Andenken in der Fachöffentlichkeit

- Wirken und Werke, die in der breiten Öffentlichkeit deutlich präsent sind

 

Der Senatskanzlei muss damals schon bewusst gewesen sein, dass Gräber von Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts „verschwinden“ werden, da diese in der allgemeinen Öffentlichkeit kaum, sondern günstigenfalls nur Spezialisten der jeweiligen Wissensgebiete bekannt sein dürften. Der Senatskanzlei musste auch bewusst gewesen sein, dass mit dieser Vorgehensweise dem historischen Gedächtnis der Stadt nachhaltigen Schaden zufügt wird.

 

Bis heute hat das Land Berlin keine Regelung für Erhalt und Pflege von kulturgeschichtlich bedeutenden, handwerklich hochwertigen und als Denkmal zu schützende Grabstätten erarbeitet. Nur mit Einführung dieser Kategorien und Kostenübernahme durch das Land Berlin kann die Gefahr gebannt werden, dass diese Gräber nicht ausgelöscht, geschleift oder gar eingeebnet werden.

Bedürnisanstalt Perelsplatz um 1909

Warnung!!!

 

Das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg von Berlin, Abt. Stadtentwicklung und Bauen, Facility Management, teilt mit, dass „im Rahmen des Interessenbekundungsverfahrens für den Fachwerkpavillon am Perelsplatz“, gemeint ist die im Jahr 1909 von Gemeindebaurat Hans Altmann entworfene Bedürfnisanstalt, „am Dienstag, den 05.12.2017 um 14.00 Uhr, ein erneuter Besichtigungstermin stattfindet. Interessenten können sich zum o.g. Termin vor dem Objekt einfinden“.

 

Die Sanierung der ehemaligen Bedürfnisanstalt am Perelsplatz steht vor dem Abschluss. Bereits am 19.09.2017 lud das Bezirksamt Interessenten dazu ein, dem Häuschen als Pächter eine gastronomische Zukunft mit öffentlicher Toilettennutzung zu eröffnen. Ohne Erfolg.

 

 

 

 

 

Das war vorauszusehen. Bei den Pachtkosten von jährlich 5.590 Euro zuzüglich der Investitionen für Innen- und Außenmöblierung, Kücheneinrichtung, Grünflächenpflege und Toilettenbetreibung sowie der Verpflichtung, das Kleinod (aus Denkmalgründen) ganzjährig zu heizen, wird es keinem Pächter möglich sein wird, bei einem (wetterabhängigen) maximal halbjährigen Betrieb halbwegs wirtschaftlich „über die Runden“ zu kommen. Die Vorstellungen des Bezirksamts sind nicht durchdacht. Wenn über eine halbe Million Euro für die Sanierung des Häuschens ausgegeben werden, müsste auch über eine „Subvention“ nachgedacht werden, ohne die ein langfristiger Erhalt nicht möglich ist.

Das Tor zur Stierstraße. Foto H&S, 2017

Das Tor zur Stierstraße

 

Berlin ist dabei, sein Gesicht zu verlieren. Grundlegendes wird verändert. Stadtbildprägendes wird kaputt gemacht. Identitätsstiftendes wird zerstört. Denkmalschützer geben auf. Stadtplaner setzen auf Verdichtung und Maximierung der Kubatur.

 

Die beiden viergeschossigen Wohnhäuser an der Ecke Haupt- und Stierstraße bilden seit über einhundert Jahren das „Tor zur Stierstraße“. Sie stehen unter Denkmalschutz.

 

 

 

 

 

 

 

 

In der Berliner Denkmaldatenbank heißt es: „Das Haus Hauptstraße Nr. 77/Stierstraße Nr. 22 wurde 1902 nach Plänen von Franz Fedler mit zwei Aufgängen errichtet. Die Straßenfassade ist asymmetrisch konzipiert. Die stumpfwinklige Ecke an der Einmündung der Stierstraße wird durch einen Erker betont, der über einem niedrigen Turmgeschoss mit einer Welschen Haube bekrönt ist. An der Hauptstraße erhebt sich ausmittig ein breiter Erker mit hohem Quergiebel, links davon sind Loggien angeordnet, zwischen dem Erker und dem Eck-Erker kragen Balkons aus, die von Kolossalpilastern flankiert werden. Die kürzere Straßenfront an der Stierstraße wird nur durch einen schmalen Erker gegliedert, dem seitlich Loggien zugeordnet sind.“

 

Das gegenüberliegende Wohnhaus Hauptstraße Nr. 76/Stierstraße Nr. 1 „wurde 1907/08 nach Plänen von Paul Meyer auf einem spitzwinkligen Eckgrundstück erbaut. Das Haus wird durch je zwei Aufgänge an den beiden Straßenseiten erschlossen. Der Kopfbau ist zweiachsig. Die beiden weitgehend identischen Straßenfronten werden jeweils durch drei in sich asymmetrische Risalite mit Quergiebeln gegliedert. Den Risaliten sind Erker, offene Loggien und Balkons zugeordnet. Die Hauseingänge werden durch Portale mit Pilastern und Putten betont“.

 

Das Stadtentwicklungsamt Tempelhof-Schöneberg besteht aus den Bereichen Stadtplanung, Bauaufsicht und Denkmalschutz, der die Aufgabe hat, Denkmale, also auch Wohn- und Geschäftshäuser, zu schützen, zu erhalten, zu pflegen. Das ist die Crux. Der Baustadtrat will bauen, muss bauen, weil davon auch sein politisches Schicksal abhängt – der ihm unterstellte Denkmalschutz will, muss und sollte bewahren. Der Konflikt innerhalb der Behörde ist vorprogrammiert.

 

Der Eingriff in den denkmalgeschützten Bestand Friedenaus geschieht in einer Zeit, in der sich die Erkenntnis durchzusetzen beginnt, dass die rücksichtslose bauliche „Verdichtung“ Berlins, die mit dem Verlust zahlreicher Grünflächen und gewachsener Wohnstrukturen einhergeht, kein zukunftsfähiges Konzept für die Schaffung neuen Wohnraums sein kann. Es scheint, dass diese Einsicht im Stadtentwicklungsamt Tempelhof-Schöneberg noch nicht gereift ist.

 

Hier wird auf die neue „Berliner Bauordnung 2017“ und die Erleichterungen für die Immobilienbranche gesetzt: „Wird bei bestehenden Gebäuden ein oberstes Geschoss zu Wohnzwecken nachträglich errichtet oder ausgebaut, muss kein Aufzug hergestellt werden. Diese Regelungen berücksichtigen den derzeitig angespannten Wohnungsmarkt, der die kostengünstige Erschließung von Wohnraumreserven im Gebäudebestand erfordert.“ Da fällt schon mal ein enormer Kostenfaktor weg.

 

Wer die gewaltigen Gerüstbauten am Haus Hauptstraße Nr. 77/Stierstraße Nr. 22 betrachtet, wird ahnen, dass der Ausbau des Dachgeschosses das „Tor zur Stierstraße“ nachhaltig verändern wird. So gut wie sicher ist, dass die bisher in der Dachschräge liegenden relativ unauffälligen Dachfenster verschwinden und durch Dachgauben ersetzt werden. Welche Modelle da auch eingesetzt werden, es spielt keine Rolle, weil die Dachlandschaft gravierend verändert wird. Das Zusammenspiel des denkmalgeschützten Ensembles zwischen Hauptstraße Nr. 77/Stierstraße Nr. 22 und Hauptstraße Nr. 76/Stierstraße Nr. 1 funktioniert nicht mehr. Das „Tor zur Stierstraße“ steht vor dem Aus.

 

Dieser Ausbau führt zur Konfrontation: Wirtschaftliche Interessen mit Maximierung der erzielbaren Kubatur gegen ästhetische und kulturgeschichtliche Forderungen des Denkmalschutzes. Schlimmer wird es allerdings um die Zukunft der Gesellschaft bestellt sein. Die Miete für diese Wohnungen, „Wohnfläche von 90 m² und mehr, bezugsfertig bis 1918, Wohnlage gut, Lärmbelastung hoch“, dürfte derzeit „bei einer Nettokaltmiete zwischen 4,10 € und 8,66 € “ liegen. Mit den teuren Luxuswohnungen im Dach geht der Zuzug zahlungskräftiger Zielgruppen einher, der mittelfristig zu einer Verdrängung der bisherigen Bewohner führen wird. SPD und GRÜNE von Tempelhof-Schöneberg - das kann doch nicht gewollt sein!

 

 

Aktuelle Immobilienangebote für Friedenau

Ausverkauf von Friedenau

 

Hat das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg und der Leiter der Abteilung Stadtentwicklung und Bauen Jörn Oltmann (Grüne) nicht die Pflicht, die Bürgerschaft rechtzeitig über Planungen zu informieren?

 

Es geht um die Häuser Hauptstraße Nr. 77 und Nr. 78/79. Beide stehen unter Denkmalschutz, beide stehen wohl kurz vor massiven Umbauten, die bisher nicht öffentlich gemacht wurden.

 

Der gewaltige Gerüstbau auf dem Dach Hauptstraße Nr. 77 lässt vermuten, dass die dort bereits vorhandenen – und noch einigermaßen äußerlich „erträglichen“ – Dachgeschosswohnungen durch „luxuriöse Traumwohnungen“ ersetzt werden sollen. Vorerst kann (mangels Information) nur spekuliert werden, dass das städtebauliche Erscheinungsbild am „Tor zur Stierstraße“ gravierende Veränderungen der Dachlandschaft zur Folge haben wird. Doch damit nicht genug.

 

 

 

 

Gleich nebenan hat nach einer Mitteilung des „Wirtschaftsmagazins Deal“ vom 19.09.2017 „Barings Real Estate Advisers im Rahmen eines bestehenden Separate-Account-Mandats“ das Büro- und Geschäftshaus Hauptstraße Nr. 78/79 erworben. „Verkäufer sind die SILVER CLOUD Invest GmbH & Co. KG aus Köln und die Klingsöhr Unternehmensgruppe Berlin.“ Mitgeteilt wird, dass die „Immobilie aktuell ca. 4.000 qm umfasst, die „durch Ausbauten auf ca. 5.100 qm erweitert werden“ können. „Der große Kinosaal (ehemaliger Roxy-Palast und später Discothek „La Belle“) ist heute an einen Bio-Supermarkt vermietet. Alle weiteren Flächen sind bereits leergezogen oder werden im Laufe des Jahres frei, sodass Barings mit der Sanierung und Repositionierung des Objektes beginnen kann. Barings plant die Einzelhandels- und Büroflächen vollständig zu sanieren und neu zu vermieten.“

 

Ein Blick in die Plansammlung des Architekturmuseums der TU Berlin macht deutlich, dass der 1928/29 entstandene Stahlskelettbau von Martin Punitzer, seinerzeit eine Kombination von Kino und Kaufhaus, so flexibel errichtet wurde, dass jederzeit wechselnde Nutzungen möglich sind. Auch der Laie wird bei genauerer Betrachtung feststellen, dass die bereits damals angelegte vielschichtige Dachgeschosslandschaft mit ihren Terrassen ganz nebenbei gewinnbringend in lukrative Maisonettewohnung, Loft oder Penthouse umgewandelt werden „könnte“.

 

Doch damit könnte es noch immer nicht genug sein. Genau hinter diesen Grundstücken befindet sich im Blockinneren zwischen Haupt- und Lauterstraße eine Grünfläche mit Stellplätzen, die – wie Beispiel Wielandstraße Nr. 17 – als „überwiegend versiegelte Fläche“ angesehen werden könnte. Laut „Berliner Woche“ geht es dem Bezirksstadtrat Jörn Oltmann (Grüne)  „politisch darum, eine möglichst kompakte Bauweise auf möglichst versiegelten Flächen zu ermöglichen“. In der Wielandstraße hielt er „eine Bebauung für angemessen“.

 

Bekannt ist uns bisher nicht, ob eine Baugenehmigung für das Blockinnere zwischen Haupt- und Lauterstraße beantragt worden ist.

 

 

Geplante Siedlungsachsen ins Land Brandenburg

Raus aus Berlin – Wohnen im Vorort

 

Begriffen hat die Berliner CDU ihre Niederlage (23,3 % auf 17,6 %) wohl noch nicht, da sie es zulässt, dass Parteimitglied Wolfgang Branoner immer noch eine „Verdichtung der Stadt bis zur Grenze des gesetzlich Zulässigen“ fordern kann. Wie man es auch dreht und wendet, Fakt ist, dass das verfügbare Bauland für Wohnraum innerhalb der Berliner Stadtgrenzen nicht ausreichen wird.

Erfreulich ist, dass sich Berlin und Brandenburg am 06.11.2017 darauf geeinigt haben, die Siedlungsachsen rund um Berlin zu erweitern. Angesichts der Wohnraumknappheit soll die Fläche für den Wohnungsbau insgesamt verdoppelt werden.

Dazu dienen neue Siedlungsachsen von Berlin nach Werneuchen und Wandlitz sowie die Verlängerung der Achse von Berlin nach Hennigsdorf bis nach Oberkrämer (Oberhavel). Außerdem sollen Angermünde, Luckau, Blankenfelde-Mahlow und Hoppegarten als sogenannte Mittelzentren aufgewertet werden, so dass es keine Einschränkungen in der Wohnansiedlung gibt und die Möglichkeit für großflächigen Einzelhandel geschaffen wird. Der Plan soll Mitte 2019 in Kraft gesetzt werden. Das ist der einzig richtige Ansatz. Nicht jeder, der nach Berlin kommen will, kann in Berlin wohnen.

 

Antrag der CDU-Fraktion vom 15.11.2017

Wird Ottomar Anschütz entsorgt?

 

Ottomar Anschütz (1846-1907) ist ein Pionier der Fototechnik. 1886 schuf er Serienfotos von einem Fuchs, die das Berliner Kunstgewerbemuseum als Studienmaterial erwarb, im Zweiten Weltkrieg verloren gingen, 2016 wieder auftauchten und sich nun wieder in den Staatlichen Museen zu Berlin befinden. 1894 fotografierte Anschütz den ersten Gleitflug von Otto Lilienthal am „Fliegeberg“ in Lichterfelde. Diese Momentaufnahmen bildeten 2016 die Grundlage für eine Sonderbriefmarke der Deutschen Post zum 125. Jahrestag des ersten Gleitflugs von Otto Lilienthal.

 

Einige Jahre zuvor strich der Berliner Senat mit den Stimmen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen im Jahre 2009 das Grab von Ottomar Anschütz auf dem Friedhof Stubenrauchstraße von der Ehrengrabliste. Das dennoch zuständige Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg überließ die Grabstätte sich selbst und dem Verfall.

 

In einer Pressemitteilung vom 18.10.2017 ließ das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg mitteilen, „dass die gesetzliche Ruhezeit gemäß § 11 Friedhofsgesetz auf den landeseigenen Friedhöfen Städtischer Friedhof Schöneberg I, Eisackstraße 40a, 10827 Berlin, sowie Städtischer Friedhof Schöneberg III, Stubenrauchstraße 43-45, 12161 Berlin, am 31. Dezember 2017 abläuft“.

 

Betroffen sind „Erd- und Urnen-Reihengrabstätten, Erd- und Urnen-Wahlgrabstätten, Erd- und Urnen-Familiengrabstätten und Urnenwandgrabstätten“ sowie auch „sämtliche Grabstätten, deren Ruhezeit schon früher erloschen ist. Die Einebnung beginnt ab Februar 2018“.

 

Da nach dem derzeitigen Berliner Friedhofsgesetz nur Ehrengrabstätten und unter Denkmalschutz gestellte Grabstätten auf längere Sicht „gesichert“ sind, nicht aber kulturgeschichtlich bedeutende und handwerklich hochwertige Grabstätten, haben wir alle in der BVV von Tempelhof-Schöneberg vertretenen Fraktionen auf die Gefahr einer weiteren „Entsorgung“ hingewiesen.

 

 

Konkret geht es uns auf dem Friedhof Stubenrauchstraße um die Grabstätte des Fotopioniers Ottomar Anschütz, dem vom Berliner Senat im Jahr 2009 der Status „Ehrengrab“ „entzogen“ wurde. Seither läßt das Bezirksamt das Grab verfallen. Es geht aber auch um die Grabstellen des Schauspielers Herbert Grünbaum oder der Schriftstellerin Dinah Nelken – nur als Beispiele genannt.

 

Da in der Vergangenheit gerade auf dem Friedhof Stubenrauchstraße regional- und kulturgeschichtlich bedeutende Grabstätten „abgeräumt“ wurden, obwohl auf allen Schöneberger Friedhöfen keinerlei Engpass an Begräbnisfläche besteht, befürchten wir, dass mit der geplanten Einebnung ohne fachliche Prüfung durch Historiker wiederum Geschichte entsorgt werden könnte – darunter beispielsweise die Grabstätten des Fotopioniers Ottomar Anschütz, des Schauspielers Herbert Grünbaum oder der Schriftstellerin Dinah Nelken.

 

Die Fraktion der CDU hat am 15.11.2017 dazu einen Antrag gestellt: In der Begründung heißt es: „Im Februar 2018 sollen auf einigen landeseigenen Friedhöfen zahlreiche abgelaufene Grabstätten eingeebnet werden. In der Vergangenheit sind durch solche „Routinevorgänge“ leider bereits einige Grabstätten der Nachwelt verloren gegangen, die von (kultur)geschichtlicher Bedeutung waren. Diesen Verlust an Zeugnissen der Kulturgeschichte gilt es künftig zu verhindern.“

 

Einen ausführlichen Bericht über Ottomar Anschütz mit zahlreichen Momentfotografien und Dokumenten finden Sie unter dem Menüpünkt Wielandstraße Nr. 33.

 

 

Berlin-Tegel am 27.10.2017

Abschied von Air Berlin

 

Viele Jahre wohnte er gegenüber im II. Stock der Eckwohnung Stierstraße Nr. 9. Viele Jahre nahmen wir dort an seinen Festivitäten teil, die er allzu gerne abhielt. Immer möglichst viele Leute, dabei Vater, Mutter, Ehefrau Veronika und Piloten und Stewardessen von Air Berlin. War er unterwegs, dann war es in der Stierstraße still, kaum war er da, dann hörten wir seine Stimme und sein Lachen

 

Als am 5. September 2006 der erste Spatenstich für den Flughafen Berlin Brandenburg „Willy Brandt“ erfolgte, bekannt wurde, dass der Flugbetrieb im Oktober 2011 starten und Air Berlin dort Basis und Drehkreuz installieren würde, dachte er lange über das Für und Wider eines Wohnsitzwechsels nach. Schließlich erwarb er ein Häuschen in Altglienicke – wenige Minuten von der Arbeitsstelle entfernt. Von Friedenau kam er lange nicht los.

 

 

Dirk Sommerfeld wurde 1964 in Steglitz geboren. Er machte den (teuren) Pilotenschein, war danach 5 Jahre bei „Germania“ und wechselte dann zu „Air Berlin“. Dort flog er die „Mittelstrecke“, was Flugziele bis zu 3000 km und eine Flugdauer von 3,5 h bedeutete, zuerst mit der von ihm geliebten Boeing, später mit dem Airbus. Am 27. Oktober 2017 war er 22 Jahre bei „Air Berlin“. Ein wortgewaltiger Mann, in den Betriebsrat gewählt und vom fliegenden Personal geschätzt.

 

Einige Male sind wir mit ihm geflogen, nach Palma de Mallorca zum Beispiel, wo wir mit der Crew zwei höchst angenehme Tage verbringen konnten, selbstverständlich perfekt organisiert von Kapitän Sommerfeld, oder den Hin- und Rückflug nach Madeira. An den erinnerten wir uns, als am 7. August 2017 auf dem „Aeroporto de Santa Catarina“ von Funchal, der 2016 in „Aeroporto de Cristiano Ronaldo“ umbenannt wurde, 56 Verbindungen wegen heftiger Winde annulliert werden mussten. Auf dem Weg von Tegel über die Luftkontrollstationen Maastrich, Brest, Madrid, Lissabon und Funchal erklärte er uns im Cockpit die Schwierigkeiten für den extrem schwierigen Anflug auf Madeira. Die Landebahn befindet sich direkt am Steilhang zwischen Atlantik und Bergen und wird oft von heftigen Scherwinden heimgesucht.

 

Dirk Sommerfeld gehört zu jenen Air-Berlin-Piloten, die auch nach dem Ende dieser Fluggesellschaft weiterfliegen werden. Er wechselt zu Ryanair. In einem Interview erklärt er seine Beweggründe. Wir wünschen dem ehemaligen Friedenauer alles Gute.

 

Erstveröffentlichung: Foto Emmy Klimsch, 1919

Eine Entdeckung!

 

Es hat uns schon erstaunt, dass unsere Website auch außerhalb Deutschlands Freunde gefunden hat. Am 20. Oktober 2017 bekamen wir eine E-Mail aus Spanien, angehängt ein Foto von 1919. Es zeigt den Schulhof der „III. Friedenauer Gemeindeschule“.

 

Vier Tage später kommt die Nachricht, dass „die Ruppin-Grundschule (früher III. Gemeindeschule) mit 600 Schülern bis zum Jahr 2024 mit rund 28 Millionen saniert wird“. Die erschreckend hohe Summe macht auch deutlich, was in den vergangenen Jahrzehnten „alles nicht getan“ wurde.

 

Das Foto stammt von Emmy Klimsch (1885-1974). Sie war die Tochter von Richard Klimsch (1857-1921), einem deutschen Banker, der in jungen Jahren nach Madrid gekommen war und schließlich Direktor der Bank von Kastilien wurde. Entdeckt wurde es von Karim Taylhardat. Sie hat 2011 bei „Ediciones temporae“ das Buch „El Madrid de Emmy Klimsch, 1919-1940“ veröffentlicht. Die bisher unveröffentlichten Aufnahmen fand sie in der Sammlung des Historikers Juan Zozaya Stabel-Hansen (1939-2017), dessen Familie einst 16 Kisten mit 900 Glasplattenphotographien von Emmy Klimsch erworben hatte.

 

Bisher haben wir über Emmy Klimsch Folgendes erfahren:

 

 

 

 

Emmy Klimsch wurde in Madrid geboren. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs übersiedelte sie nach Berlin. Dort lernte sie den Bankprokuristen Franz Hause kennen. 1914 wurde geheiratet und wenig später die Wohnung im II. Stock der Fehlerstraße Nr. 13 in Friedenau bezogen. In diesen Jahren entstanden die Fotos. Im Jahre 1922 zog das Ehepaar von Friedenau (wieder) nach Madrid. Franz Hause wurde Manager der Bank von Bilbao, und Emmy, aufs Neue von Madrid fasziniert, zog durch die Stadt und fotografierte zwischen den 1920er und 1940er Jahren Straßen, Plätze, Landschaften und Figuren. Sie war keine professionelle Fotografin, sie war eine Frau aus einer wohlhabenden Familie, die viel reiste und die Fotografie zu ihrem Hobby machte. Sie hat wohl nie daran gedacht, dass ihre Aufnahmen einmal „historisch“ wertvoll werden könnten.

 

Das Haus Fehlerstraße Nr. 13 existiert noch immer, allerdings ist der Fassadenbauschmuck, wie an so vielen Friedenauer Gründerzeitbauten, entfernt worden. Geblieben ist lediglich die Plastik an der Ecke zur Kreisauer Straße, genau gegenüber von Columbarium und Schule.

 

Das Foto vom Schulhof mit Blick auf die Rückseite des Columbariums vom Friedhof Stubenrauchstraße, die Schulgebäude und die versammelten Schüler ist aus dem II. Stock des Hauses Fehlerstraße Nr. 13 aufgenommen und muss Ostern 1919 nach der eigentlichen Eröffnung der Schule entstanden sein.

 

Die III. Gemeindeschule Friedenau (heute Ruppin-Grundschule), eine Doppelschule auf dem Grundstück zwischen Fehler-, Laubacher- und Offenbacher Straße wurde 1913/14 nach Plänen des Architekten Hans Altmann erbaut. An der Ecke Laubacher und Fehlerstraße entstand das Turngerätehaus. Es war der letzte Schulbau des Friedenauer Gemeindebaurats. Eröffnet wurde er erst einmal nicht. Es kam der Erste Weltkrieg und aus dem Haus wurde ab Dezember 1914 ein Lazarett. Auch im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude zuerst von der Wehrmacht und nach 1945 von den Besatzungstruppen genutzt.

 

Die Anlage aus rotem Sichtziegelmauerwerk und reichlichem Terrakotta-Bauschmuck besteht aus zwei dreigeschossigen, winkelförmig zueinander angeordneten Baukörpern, die durch ein Brückenbauwerk miteinander verbunden sind. Der ziemlich vielschichtige Bau, zwei Treppenhäuser, zwei Turnhallen sowie zwei Aulen, die übereinander angeordnet sind, fordert bei der nun geplanten Sanierung den Projektleiter Steven Damiano heraus. Vor allem der Denkmalschutz ist gefordert, da es neben der vom Bildhauer Bernhard Butzke geschaffenen erhaltenswerten „terrakotta-geschmückten“ Fassade auch um die mit Bühne und Emporenbrüstung ausgestattete Aula gehen muss – überwölbt mit einer Segmentbogentonne – die weitgehend original erhalten und reich dekoriert ist. Nicht zu vergessen ist auch das Brückenbauwerk mit der im dritten Obergeschoss angelegten Terrasse. Zu hoffen ist, dass die Sanierung auch das derzeit vom TSC Friedenau als Vereinshaus und Casino genutzte Turngerätehaus einschließt.

 

Karim Taylhardat wird im Archiv der Glasplattenphotographien von Emmy Klimsch weiter nach Aufnahmen aus den Friedenauer Jahren zwischen 1914 und 1922 suchen und diese für die Website zur Verfügung stellen. Wir freuen uns darauf.

 

 

Foto H&S, 25.10.2017

Erledigt

 

Nachdem wir an dieser Stelle das Bezirksamt an seine Verkehrssicherungspflicht erinnert haben, zumal unmittelbar an einem gut  genutzten Kinderspielplatz, wurde reagiert. Die Wege rund um den Sintflubrunnen sind wieder begehbar. Das Holz lagert nun rund um den Brunnen - eine Offerte an die Anwohner für Öfen und Kamine?

Verkehrssicherungspflicht

 

Zugegeben, „Xavier“ hat ein bisschen heftig gewütet. Wenig später verkündete die für den Fachbereich Grünflächen zuständige Bezirksstadträtin Christiane Heiß am 06.10.2017 in einer Pressemitteilung, dass wegen der „Sturmschäden auf dem Heidefriedhof Tempelhof die Verkehrssicherheit nicht gewährleistet werden kann“ und „der Friedhof über das kommende Wochenende“ für Besucher geschlossen ist.

 

Eine Warnung für das Betreten des Perelsplatzes ist nicht ergangen. Das ist ganz unverständlich, da unmittelbar am Spielplatz ein ziemlich gewaltiger Ast von rund 50 Zentimeter Durchmesser abgebrochen ist. Der liegt nun seit zwei Wochen mit seinem gesamten Blatt- und Astwerk zwischen Spielplatz und Sintflutbrunnen. Notdürftig angebrachte rot-weiße Absperrbänder mögen Erwachsene noch vom Betreten der Wege abhalten. Aber Kinder?

 

Grundsätzlich ist das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg für Straßen und Parkwege verkehrssicherungspflichtig, was aber nun nicht heißen soll, dass der ganze Bezirk rundum gefahrlos gehalten werden muss. Glasklare Regeln scheint es allerdings nicht zu geben. Zu vernehmen ist, dass die Verwaltung das leisten muss, was ihr zumutbar ist. Der Einzelfall landet dann beim Gericht. Das kann kompliziert werden, weil ermittelt werden muss, wann der Verkehrssicherungspflicht auf den Parkwegen letztmalig bzw. nach „Xaxíer“ nachgekommen worden ist. Auf dem Perelsplatz – wie seit langem von Anwohnern vermutet wird – ab und an – oder auch gar nicht?

 

Die „City Trees“ kommen

 

Endlich einmal wieder hat die CDU einen Antrag bei den Rot-Grünen von Tempelhof-Schöneberg durchgebracht. Das Bezirksamt ließ am 09.10.2017 mitteilen, dass die Teilnahme am Modellprojekt „City Trees“ grundsätzlich befürwortet wird. „City Trees“ sollen so „eine Art intelligente Mooswände sein, die genauso viel Kohlendioxid binden können wie 275 Bäume“. 25 dieser Mooswände sollen in verkehrsreichen innerstädtischen Bereichen aufgestellt werden, um die Effizienz des Begrünungssystems großformatig zu belegen – davon zwei in Tempelhof-Schöneberg. Nun ist die CDU „sehr gespannt, an welchen Stellen im Bezirk die Mooswände aufgestellt und wie die langfristigen Ergebnisse für die Luftreinhaltung sein werden“.

 

Künstliche Mooswände sollen für ein verträgliches Stadtklima sorgen. Sind sie nicht eher ein Ablenkungsmanöver, damit auf Grünflächen weiter gebaut und die Stadt noch mehr verdichtet werden kann? Absurder geht’s nimmer.

 

Wielandstraße Nr. 17. Das Foto von H&S entstand am 05.09.2017 um 10.55 Uhr, also vor den Baumfällungen und der Abtrennung des Bewuchses an der Brandwand.

 

 

Die Bezirksverordnete Frau Dr. Christine Scherzinger (DIE LINKE) informierte uns am 16. Oktober 2017 per E-Mail über ihre "mündliche Anfrage". Wir  veröffentlichen den Originaltext:

 

"Mündliche Anfrage der Bezirksverordneten Dr. Christine Scherzinger (DIE LINKE) zur Beantwortung für die kommende BVV-Sitzung am 18.10.2017

 

Baumfällungen in der Wielandstraße 17

 

1. Kann das Bezirksamt die Antwort von Stadtrat Oltmann auf die mdl. Frage der BV Elisabeth Wissel in der BVV am 19.07.2017 bestätigen, dass die Baugenehmigung für ein Gebäude mit 9 Wohnungen im Hinterhaus der Wielandstraße 17 bereits erteilt wurde – obwohl der Stadtrat sich beim Vor-Ort-Termin mit den AnwohnerInnen am 22.09.2017 nicht sicher war, ob sie erteilt wurde?

 

2. Ist dem Bezirksamt bekannt, dass am 12.10.2017 drei Bäume im Hinterhof der Wielandstraße 17 gefällt, sowie der Bewuchs an der Brandwand des Hinterhauses Fregestraße 73 an der Wurzel durchtrennt wurde?

 

Nachfragen:

1. Welche Einigungen und Auseinandersetzungen gibt es mit betroffenen NachbareigentümerInnen?

2. Wann und auf welcher Grundlage hat das Bezirksamt die Genehmigung zur Baumfällung bzw. Abtrennung des Bewuchses erteilt?

 

 

Foto vom 12. September 2017. Etwa in Höhe des Baggers gegenüber dem Bahnsteig des S-Bahnhofs Innsbrucker Platz müsste der Blindgänger liegen. Foto H&S

 

 

Wann kommt die nächste Bombe?

 

Nach umfangreicher Vorbereitung haben Spezialisten der Polizei in Berlin die Weltkriegsbombe auf dem ehemaligen Güterbahnhof Wilmersdorf unschädlich gemacht. Gegen 1 Uhr am 3. Oktober 2017 war es so weit. Die Entschärfung des 250 Kilogramm schweren Sprengkörpers sei erfolgreich verlaufen, teilten Feuerwehr und Polizei in der Nacht zum Dienstag beinahe zeitgleich mit. Schwierig war laut Polizei, dass die Bombe auf einem Erdhügel in Höhe einer S-Bahn-Trasse lag und nicht in einer Grube gesprengt werden konnte. Die 10 000 evakuierten Menschen konnten in ihre Wohnungen zurückkehren. Viele Friedenauer hatten in der Notunterkunft im Rathaus Schöneberg ausgeharrt, zahlreiche Nachbarn trafen sich aber auch im „Literaturhotel“ in der Fregestraße, um dort wenigstens einige Stunden schlafen zu können.

 

Gerade die älteren Bewohner waren sich einig: Es ist nur eine Frage der Zeit, wann die Bagger auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs Wilmersdorf den nächsten Blindgänger aus der Erde fördern. So beruhigend es ist, dass nach über sieben Jahrzehnten eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt und unschädlich gemacht werden konnte, so beunruhigend ist aber auch der laxe Umgang von Deutsche Bahn AG, Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg und Bauherr BÖAG für ein Gelände, das bekanntermaßen am 30.01.1944 den schwersten Luftangriff ertragen musste.

 

Nach der Aktion in der Nacht zum 3. Oktober, bei der etwa 450 Beamte im Einsatz waren, um eine Evakuierung von rund 10.000 Menschen in einem Sperrkreis von 500 Metern zu organisieren, die Ringbahn zwischen Halensee und Südkreuz stillgelegt wurde, die S-und U-Bahnhöfe Innsbrucker Platz geschlossen sowie A100 und Hauptverkehrsstraßen gesperrt wurden, fragt man sich schon, ob die vorliegenden Kampfmittel- und Altlastengutachten von den Kommunalpolitikern in Tempelhof-Schöneberg allzu leichtfertig abgetan wurden.

 

Im Gutachten der „Luftbilddatenbank Dr. Carls GmbH Estenfeld“ zur „Kampfmittelvorerkundung“ vom 21.05.2015 wurde festgestellt:

 

„Der schwerste dokumentierte Angriff auf die Stadtteile Wilmersdorf, Schöneberg und Friedenau fand am 30.01.1944 statt. Bei diesem Angriff wurden 1.500 Sprengbomben, darunter Luftminen (ca. 1.300-1.500 kg Sprengstoff), sowie zahlreiche Brandbomben abgeworfen. Mit dem Auffinden von Bombenblindgängern sowie Handkampfmitteln und Granaten muss im Auswertungsgebiet gerechnet werden. Es besteht weiterer Erkundungsbedarf. Wir empfehlen die Konsultation des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Berlin oder einer Fachfirma für die Kampfmittelbeseitigung.“

 

„Bis Kriegsende wurden weitere Gebäude und abgestellte Waggons im gesamten Auswertungsgebiet zerstört. Teilweise sind diese Schäden sehr schnell wieder behoben worden und luftsichtig bereits nach kurzer Zeit nicht mehr nachvollziehbar, woraus Erkenntnislücken resultieren. Die zügigen Aufräumarbeiten sind der Grund dafür, dass trotz der Luftangriffe keine Bombentrichter bzw. Blindgängerverdachtspunkte im Untersuchungsgebiet identifiziert werden können. Diese Aussagen können nur auf die verwendeten Quellen bzw. die verfügbaren Luftaufnahmen bezogen werden und lassen keine darüber hinaus gehenden Schlussfolgerungen zu. Für die Ermittlung der tatsächlichen Kampfmittelbelastung kommen ausschließlich technische Methoden der Kampfmittelerkundung in Betracht.“

 

Das Berliner IMB Ingenieurbüro Majer & Bendzko merkte am 22.05.2008 im „Gutachten Liegenschaftsrisiko“ an, dass die „Tiefenbohrungen“ in 0,5 m Tiefe bzw. 1,9 m Tiefe abgebrochen wurden und nur einmal „bis 3,0 m Tiefe u. GOK (unter Geländeoberkante) erfolgreich“ waren.

 

Zum Thema „Kampfmittel“ heißt es: „Im Rahmen der Festlegung der Bohransatzpunkte vor Ort am 23.04.2008 wurden alle 64 Bohransatzpunkte mittels Oberflächensondierung auf Kampfmittel untersucht. Es konnten nur 19 Punkte freigegeben werden. An 45 Bohransatzpunkten konnte die Freigabe nicht erteilt werden, da trotz überwiegend zurückgebauter Gleisanlagen weitere massive ferromagnetische Störungen im oberflächennahen Bereich vorhanden sind … In Abstimmung mit der Deutschen Bahn AG wurde eine bohrbegleitende Kampfmitteluntersuchung der nicht freigegeben Bohrpunkte in der Zeit vom 05. bis 06.05.2008 durchgeführt. Es konnte an allen 64 Bohrpunkten baubegleitend die Kampfmittelfreigabe erteilt werden und die geplanten Bohrarbeiten bis in den gewachsenen Bodenbereich durchgeführt werden.“

 

Aber war das wirklich ausreichend? Es gab offenbar keine weiteren Untersuchungen in der Tiefe, obwohl die BÖAG für ihren Bau von der heutigen Geländeoberkante mehr als 7 Meter in den Boden eindringt, weil eine Tiefgarage entstehen soll und die Neubauten die Höhe der Häuser Bennigsenstraße nicht überschreiten dürfen, wurden nur Bodenuntersuchungen bis zu 3 m Tiefe vorgenommen. Zu befürchten sind deshalb weitere Funde auf dem Gelände mit all den Folgen, die in der Nacht zum 3. Oktober die Friedenauer bereits einmal aufgeschreckt haben.

 

 

Bombe auf dem Güterbahnhof Wilmersdorf

 

Nach Polizeiangaben wurde am 2. Oktober 2017 gegen 11.30 Uhr ein Blindgänger auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs Wilmersdorf entdeckt. Dieser liegt direkt an den Gleisen der Ringbahn nahe dem Innsbrucker Platz. Es handelt sich um eine 250-Kilo-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg.

 

Die S-Bahn teilte mit, dass der Verkehr auf der Ringbahn zwischen Halensee und Südkreuz unterbrochen ist. Die U9 fährt auf der Station Bundesplatz durch. Die U-Bahn-Station Innsbrucker Platz ist geschlossen. Die U4 fährt nur noch bis Rathaus Schöneberg. Für die Entschärfung soll ein 500-Meter-Sperrkreis um den Fundort gezogen werden. Nach Angaben der Polizei wird es auch zu Straßensperrungen kommen.

 

 

Aufnahme vom 10. Mai 2005. Foto H&S

 

Gutachten Liegenschaftsrisiko

 

Im Auftrag der Deutschen Bahn AG gab das Ingenieurbüro Majer & Bendzko am 22.05.2008 folgendes Gutachten ab:

 

"Im Zuge der Feldarbeiten wurden Hinweise auf eventuell durchzuführende Maßnahmen zur Tiefenenttrümmerung vorgefunden. Die folgenden Bohransatzpunkte mussten aufgrund von Bohrhindernissen verschoben werden ... Über die dargestellten Bohrhindernisse hinaus ist davon auszugehen, dass auf der gesamten Untersuchungsfläche weitere unterirdische Bauwerke (z.B. Fundamente, Schächte) vorhanden sind.

 

Kampfmittel

Im Rahmen der Festlegung der Bohransatzpunkte vor Ort mit dem Auftraggeber Deutsche Bahn AG am 23.04.2008 wurden alle 64 Bohransatzpunkte mittels Oberflächensondierung auf Kampfmittel untersucht. Es konnten nur 19 Punkte freigegeben werden. An 45 Bohransatzpunkten konnte die Freigabe nicht erteilt werden, da trotz überwiegend zurückgebauter Gleisanlagen weitere massive ferromagnetische Störungen im oberflächennahen Bereich vorhanden sind.

 

In Abstimmung mit dem Auftraggeber Deutsche Bahn AG wurde eine bohrbegleitende Kampfmitteluntersuchung der nicht freigegeben Bohrpunkte in der Zeit vom 05. bis 06.05.2008 durchgeführt. Es konnte an allen 64 Bohrpunkten baubegleitend die Kampfmittelfreigabe erteilt werden und die geplanten Bohrarbeiten bis in den gewachsenen Bodenbereich durchgeführt werden.

 

Zusammenfassende Ergebnisdarstellung

Im Ergebnis der Untersuchungen wird eingeschätzt, dass der Standort 1019 kein Gefährdungspotential bezüglich einer Altlastenrelevanz besitzt. Weitere Untersuchungen werden für nicht erforderlich gehalten. Für den Fall einer Umnutzung hinsichtlich einer sensibleren Verwendung der Flächen wird unter Beachtung der künftigen Nutzung eine erneute Überprüfung der Flächen erforderlich."

 

***

 

Unter dem Punkt "Dokumentierte Kriegsereignisse" wurde von den Gutachtern der LUFTBILDDATENBANK aufgeführt:

 

"Die Auswertung der Archivalien und der Fachliteratur führte zu dem Ergebnis, dass Berlin zwischen 1 940 und 1 945 stetiges Ziel strategischer und taktischer Alliierter Luftangriffe war. Der schwerste dokumentierte Angriff auf die Stadtteile Wilmersdorf, Schöneberg und Friedenau fand am 30.01.1944 statt. Bei diesem Angriff wurden 1.500 Sprengbomben, darunter Luftminen (ca. 1.300-1.500 kg Sprengstoff), sowie zahlreiche Brandbomben abgeworfen. Die Einnahme Berlins wurde von schweren Luft- und Bodenkämpfen begleitet. Ab dem 23.04.1945 wurde die Stadt sukzessive von Norden und Osten durch die Rote Armee eingenommen. Die vollständige Einnahme der Stadt war am 02.05.1945 abgeschlossen."

 

Gutachten Kampfmittelvorerkundung, 2015

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Gutachten Altlastenrisikountersuchung, 2008

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Quelle: Polizei

Laut Polizei müsse für die geplante Bombenentschärfung vor Ort ein Sperrkreis von 500 Metern eingerichtet werden. Es sei noch nicht abzuschätzen, wie viele Anwohner ihre Häuser verlassen müssten. Die A 100 sollte um die Abfahrt am Innsbrucker Platz in beide Richtungen gesperrt werden. Auch auf der vielbefahrenen Hauptstraße wird eine Unterbrechung des Verkehrs vorgesehen.

Pavillon Perelsplatz am 20. September 2017. Foto H&S

Die Pleite ist vorprogrammiert

 

Zum „Interessenbekundungsverfahren Fachwerkpavillon am Perelsplatz“ teilte das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg von Berlin, Abt. Stadtentwicklung und Bauen, Facility Management, am 19.09.2017 mit, „dass die Frist zur Abgabe eines Angebotes bzw. Konzeptes seitens der zuständigen Fachverwaltung bis zum 31.12.2017 verlängert worden ist“.

Wir hatten darüber informiert, dass die Sanierung der ehemaligen Bedürfnisanstalt am Perelsplatz vor dem Abschluss steht, und sich das Bezirksamt bemüht, einen Pächter zu finden, der dem Häuschen eine gastronomische Zukunft bietet.

Wir hatten bereits befürchtet, dass es bei den vom Bezirksamt errechneten Kosten von jährlich 5.590 Euro zuzüglich der Ausgaben für Möblierung, Küche und Grünflächenpflege – sowie der Verpflichtung, das Kleinod ganzjährig zu heizen – dem Pächter wohl nicht möglich sein wird, bei einem (wetterabhängigen) maximal halbjährigen Betrieb halbwegs wirtschaftlich über die Runden zu kommen.

Die Fristverlängerung macht deutlich, dass das Bezirksamt mit seinem Konzept gescheitert ist. Wer über eine halbe Million Euro für die Sanierung des unter Denkmalschutz stehenden Häuschens ausgibt, muss auch über eine „Subvention“ nachdenken, ohne die ein langfristiger Erhalt nicht möglich ist.

 

Die Buche in der Wielandstraße. Foto H&S, 2017

Die Evangelische Kirche reagiert

 

Von dem geplanten Neubau, der nicht hinnehmbaren Verdichtung und der Gefährdung einer mehr als 130-jährigen Buche in der Wielandstraße ist auch die „Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz“ als Eigentümerin des Grundstücks Wielandstraße Nr. 16 betroffen. Da die Kirche in dieser Angelegenheit bisher geschwiegen hat bzw. gar nicht informiert war, hatten wir Bischof Dr. Markus Dröge Mitte September 2017 schriftlich gebeten, tätig zu werden.

 

Inzwischen wurden wir von der Kirchenleitung darüber informiert, dass sich Bischof Dr. Markus Dröge mit einem Schreiben an das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg von Berlin wenden wird. Leider können wir über den Inhalt des Briefes nicht informieren, da die „Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz“ unserer Bitte nach einer Kopie bisher nicht nachgekommen ist.

Und wer rettet Friedenau?

 

Entdeckt am 14. September 2017 um 14.46 Uhr am Rathaus Friedenau. Foto H&S

Sanierung Rathaus Friedenau. Foto H&S, September 2017

Neues vom Rathaus Friedenau

 

In einem Bericht der „Senatsverwaltung für Finanzen Berlin“ vom 28. August 2017 zur „Unterbringung des Finanzamtes für Fahndung und Strafsachen (FA FuSt) im Rathaus Friedenau heißt es:

 

Der Plan konnte „ab Mitte 2015 aufgrund des dringenden Flächenbedarfs zur Flüchtlingsunterbringung nicht mehr umgesetzt werden. Wegen des drastischen Anstiegs der Flüchtlingszahlen bestand zu diesem Zeitpunkt die vordringlichste Aufgabe darin, leerstehende und grundsätzlich geeignete landeseigene Gebäude als Notunterkünfte kurzfristig den Geflüchteten zur Verfügung zu stellen.“

 

„Der Umzug des FA FuSt wurde nicht vollzogen, weil im Dezember 2015 das vom Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg freigezogene Rathaus Friedenau vom LAGeSo zur Flüchtlingsunterbringung sichergestellt wurde.“ Das „Projekt Rathaus Friedenau“ für das FA FuSt „wurde nach der Entwurfsplanung abgebrochen“.

 

 

 

Da der Mietvertrag für das FA FuSt am bisherigen Standort Ullstein-/Colditzstraße am 31.12.2016 endete, war es dringend erforderlich, den Mietvertrag bis zum 01.01.2027. Laut „paperpress“ herrscht nun „bei den Fahndern große Freude“, da der geplante Umzug nach Friedenau „gegen den Willen des Finanzamtes“ erfolgen sollte.

 

Erfreulich für das einhundertjährige Friedenauer Rathaus: Die „Senatsverwaltung für Finanzen“ hat Hauptausschuss, Abgeordnetenhaus und Senat nahegelegt, die „bisher nicht in Anspruch genommenen Rücklagen in Höhe von 7.844.741 € für die Sanierung des Daches, der Fassade und der Wassererwärmungsanlage im Rathaus Friedenau“ einzusetzen. Da das Rathaus Friedenau „längerfristig als Flüchtlingsunterkunft genutzt werden soll“, sind „unabhängig von der jeweiligen Nutzung dringend Sanierungsmaßnahmen für eine nachhaltige Nutzung erforderlich. Dazu gehören energetischen Sanierung und ein teilweiser Austausch der technischen Gebäudeausstattung. Die Maßnahmen umfassen auch Instandsetzung der Dachgauben, Erneuerung der Blitzschutzanlage und der geschädigten Hofkellerdecke. Ausgenommen sind notwendige bauliche Anpassungen im Rahmen der Beibehaltung der aktuellen Nutzung des Standorts als Flüchtlingsunterkunft.

 

Die SPD-Fraktion von Tempelhof-Schöneberg scheint diese Entwicklung bisher gar nicht mitbekommen zu haben. Wie sonst ist der Antrag von Marijke Höppner und Jan Rauchfuß vom 19.07.2017 zu verstehen, in dem das Bezirksamt aufgefordert wird, „sich bei den zuständigen Stellen dafür einzusetzen, dass das Rathaus Friedenau nach der Nutzung als Unterkunft für Menschen mit Fluchterfahrung als ein öffentlich zugängliches Haus weiterhin der Bevölkerung zur sozialen Nutzung zur Verfügung gestellt werden kann“. Zu fragen ist, was die beiden Volksvertreter bei den nun gegebenen Umständen unter einem „öffentlich zugänglichen Haus“ und „sozialer Nutzung für die Bevölkerung“ verstehen? Eine durchschaubare Farce vor der Bundestagswahl.

 

Schreiben der Senatsverwaltung für Finanzen vom 28.08.2017

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Güterzug am 5.7.2017 um 17.23 Uhr auf dem Bahninnenring. Foto H&S

 

Erschütterungen in der Isoldestraße

 

Im BÖAG-Gutachten von 7.12.2015 heißt es, dass „sich zwischen den S-Bahngleisen und der geplanten Bebauung noch zwei weitere Gleise befinden. Auf diesen ist zukünftig mit Güterzugverkehr zu rechnen. Gegenwärtig finden keine Vorbeifahrten statt, so dass keine Messdaten von Zugvorbeifahrten auf diesen Gleisen vorliegen“.

 

Und heute?

 

Die Isoldestraße ist 150 Meter lang und verläuft von der Handjerystraße am Perelsplatz zum Varziner Platz. Das Wohnhaus Nr. 9 liegt etwa in der Mitte und von der Bahntrasse rund 90 Meter entfernt – das Haus der „Friedenauer Kammerkonzerte“. Am 18. April 2017 schrieb der Bewohner Joachim Perle an die Deutsche Bahn: „Schon mehrmals fiel uns in der vergangenen Zeit eine kurzzeitige starke Erschütterung des Hauses auf. Endlich konnte ich einen Grund entdecken: Am Montag, 10. April um 19.04 Uhr war die mehrere sekundenlange Erschütterung wieder zu bemerken. Ich sah einen langen Güterzug in Richtung Schöneberg fahren. Die Erschütterungen waren so stark, daß die Kronleuchter schwankten, der Dielenfußboden zitterte und sogar auf dem Sofa sitzend war das Zittern zu bemerken. Ist der Bahn das Problem bekannt? Ich halte es nicht für normal, daß in einem so großen Abstand vom Bahnkörper so starke Erschütterungen zu spüren sind.“

 

Am 5. Mai 2017 antwortete die DB Netz AG: „Wir konnten keine ungewöhnlich lauten Emissionen oder Erschütterungen im betroffenen Bereich feststellen, die durch den Zugbetrieb verursacht werden könnten ... Ihr Gebäude kann durch vorbeifahrende Züge zur Anregung gebracht werden. Dies kann sich u.U. in verschiedener Art und Weise bemerkbar machen (z.B. Vibrationen etc.). In Ihrem beschriebenen Fall vom 10.04.2017 fuhr zur genannten Zeit ein Güterzug mit einer Maximalgeschwindigkeit von 90km/h auf der Strecke 6170. Diese genannte Strecke ist sowohl für Schienenpersonen- als auch für den Güterverkehr gewidmet. Wir weisen darauf hin, dass es sich hier um eine Bestandsstrecke handelt. Dadurch kann es beispielsweise durch Baumaßnahmen in umliegenden Bereichen (z.B. Ausbauknoten Berlin Nordkreuz-Karow) immer wieder zu temporären Schwankungen im Zugaufkommen durch Umleiterverkehre kommen. Uns ist bewusst, dass die Emissionen aus dem laufenden Eisenbahnbetrieb als störend empfunden werden und bitten Sie daher die Unannehmlichkeiten zu entschuldigen.“

 

Auf eine Nachfrage erhielt der Anwohner Joachim Perle am 22. Mai 2017 folgende Antwort: „Der Zug, der zur genannten Zeit die Strecke 6170 (südlicher Berliner Innenring) befuhr, war ein Güterzug, der mit Schotter/Steinen und mit einer Lok der Baureihe 250 (ADtranz DE-AC33C) bespannt war. Genauere Informationen liegen uns leider nicht vor.“

 

Vor einem Jahr haben SPD, CDU und GRÜNE von Tempelhof-Schöneberg dem Bebauungsplan „Güterbahnhof Wilmersdorf“ mit 940 Wohnungen zugestimmt. Jetzt fordert der Bezirksverordnete Christoph Götz (SPD) für die extrem belastete Stadtschneise entlang von A100, S-Bahn-Ring und Güter-Innenring umfassende Lärmschutzmaßnahmen, weil ihm klargeworden ist, dass die Deutsche Bahn mit der „Neubaumaßnahme Elektrifizierung Güter-Innenring samt Oberleitungsmasten“ nur dazu verpflichtet werden könnte, Schallschutz hinter den Güter-Innenring-Gleisen zu gewährleisten. Damit blieben S-Bahn-Trasse und A100 außen vor, so dass die Anwohner der dicht bebauten Wohngebiete zwischen Tempelhof und Westend dem Lärm völlig ungeschützt ausgesetzt sind.

 

Für Christoph Götz ist die Antwort der zuständigen Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz „unbefriedigend“, da diese „zunächst eine Prüfung der Lärmsituation durch die Deutsche Bahn (DB) als Bauherr der Elektrifizierung des Innenrings erwartet“. Ja mei! Haben denn zwischen 2015 und der Wiederaufnahme des Zugbetriebs auf dem Bahninnenring keine Lärmmessungen stattgefunden? Es ist nicht richtig, vom „Güter-Innenring“ zu sprechen, da die DB inzwischen verkündet hat, dass die Strecke nicht nur für den Güterverkehr, sondern auch für den Schienenpersonenverkehr gewidmet ist. Prognostiziert wurden für das Jahr 2025: „Güterzug tagsüber 13 Fahrten (6-22 Uhr), Güterzug nachts 10 Fahrten (22-6 Uhr). Weiterhin kommt es auf den Gleisen zu Fahrten von Leerzügen oder Rangierfahrten von Personenzügen: 3 tagsüber und 3 nachts.“

 

„Zur genauen Beurteilung“ waren für die Gutachter schon damals „weitere Messungen empfehlenswert“. Nun kommt mit Joachim Perle aus der Isoldestraße zusätzlich das Thema „Erschütterungen“ in die Diskussion. Die Politiker im Rathaus Schöneberg haben die Anwohner ganz schön verschaukelt.

 

Die Grundstücke Wielandstraße 16 und 17. Foto H&S, 2017

130-jährige Buche soll Neubau weichen

 

Am 2. September 2017 hatten wir darüber berichtet, dass Stadtentwicklungsstadtrat Jörn Oltmann (GRÜNE) die Baugenehmigung für eine Verdichtung im Blockinneren zwischen den Grundstücken Wielandstraße Nr. 16, Wielandstraße Nr. 17 und Fregestraße Nr. 72 erteilt hat. Gebaut werden sollen neun Wohneinheiten mit Tiefgarage.

 

Da wir davon ausgehen, dass weder Jörn Oltmann noch Abgesandte der Schöneberger Stadtplanung dieses Grundstück zuvor in Augenschein genommen, den Anwohnern bisher auch keine Baupläne vorliegen, sind wir einer Einladung der Anwohner zu einer Vorortbesichtigung am 5. September 2017 nachgekommen.

 

 

Es war ein Zufall, dass just in diesem Moment eine Fachfirma vor Ort war, die für das Bezirksamt bzw. den Investor ein Angebot für Garagenabriss und Baumfällen abgeben sollten. In diesem Fall war es gut, dass es noch Fachleute gibt, die „kein Angebot abgeben werden, da damit die Wurzeln der Buche angegriffen werden“.

 

 

Oltmanns Argumentation ist hanebüchen: „Politisch geht es mir darum, eine möglichst kompakte Bauweise auf möglichst versiegelten Flächen zu ermöglichen. Grün- und Freiflächen sollen möglichst erhalten bleiben. Wohnungsneubau soll mit Augenmaß geschehen. Im Fall der Wielandstraße halte ich eine Bebauung für angemessen.“

 

Besagte Buche steht auf dem Grundstück Wielandstraße Nr. 16. Es gehört der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Die Wielandstraße erhielt ihren Namen 1884. Das unter Denkmalschutz stehende Haus des ehemaligen Hofkunsthändlers Eduard Müller entstand 1887. Die Buche könnte also mindestens 130 Jahre alt sein. Unter Vorbehalt, denn niemand weiß, was diesem Baum im Laufe seiner Entwicklung widerfahren ist. Die Buche hat aktuell in einer Höhe von 1,70 Meter einen Umfang von 3,70 Meter. Sie überragt das unmittelbar danebenstehende sechsgeschossige Wohnhaus Wielandstraße Nr. 17 um ein vielfaches – und ragt auch mit ihrer weitausladenden Krone und dem Blattwerk weit in dieses Grundstück hinein.

 

Bekannt dürfte auch dem „grünen“ Jörn Oltmann sein, dass Buchen zur Gruppe der Herzwurzler gehören, die kaum Pfahlwurzeln bilden. Ihr Wurzelsystem besteht aus vielen kräftigen Haupt- und Nebenwurzeln, die mit den Jahren viele Meter überwinden und in alle Richtungen verlaufen. Die Wurzeln sind daher deutlich im Boden verankert. Bekannt müsste obendrein sein, dass die oberflächennahen Wurzeln keine starke Bodenbearbeitung oder Oberflächenverdichtung vertragen. Darauf reagieren sie äußerst empfindlich und können die Buche damit mittelfristig zum Absterben bringen.

 

Innerhalb der heutigen überbauten Toreinfahrt und drei Meter vom Buchenstamm entfernt müsste die Einfahrt zur Tiefgarage ausgebaggert werden. Spundwände werden dann die Wurzeln abtrennen. Da obendrein der gesamte Innenhof eine Tiefgarage erhalten soll, die schließlich auch ausgebaggert werden müsste, würde das weit verzweigte Wurzelwerk in hohem Maße beschädigt bzw. ganz entfernt werden. Das Ende der Buche kann Jörn Oltmann egal sein, weil er dann nicht mehr Stadtentwicklungsstadtrat sein wird.

 

Schlimmer noch: Oltmann nimmt mit seiner Baugenehmigung den Anwohnern Luft und Licht zum Atmen und der Buche das Leben. Es kann nicht sein, dass auf Grund des Wohnungsmangels der Politik nur die Verdichtung der innerstädtischen Wohnquartiere einfällt, und es kann auch nicht sein, dass die Politik mit diesem Neubau im Blockinneren die Zeit zurückdreht. Prenzlauer Berg mit Seitenflügeln, Hinterhäusern und Quergebäuden hatten wir schon einmal – das war die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg.

 

Sehr geehrte Bezirksverordnete, am 6., 7. und 19. September 2017 und am 20. September 2017 gibt es Sitzungen des Hauptausschusses bzw. der Bezirksverordnetenversammlung. Setzen Sie sich persönlich dafür ein, dass diese Baugenehmigung zurückgezogen wird.

 

Mit freundlichen Grüßen

www.friedenau-aktuell.de

Peter Hahn & Jürgen Stich

 

Pläne und Fotos vom Ort

 

Mündliche Anfrage der BV Elisabeth Wissel vom 19.07.2017

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Antwort von Bezirksstadtrat Jörn Oltmann (DIE GRÜNEN) vom 19.07.2017

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Posteingang vom 06.09.2017
 
"Seit Jahren werben Architekten, wie ich für "städtebauliche Nachverdichtung", aus vielen Gründen, spätestens mit der DD-Wiedervereinigung waren dieSorgen erheblich, Berlin könne sich an den Rändern verhalten, wie ein "ungezogen Kind". Es ist eine Schande, an Ort und Stelle ein Exempel zu statuieren und kann nur der Regulierungswut gewisser Politiker geschuldet sein - mit dem Begriff der "Nachhaltigkeit" hat das nichts mehr zu tun, hier geht es nur noch um Spekulation, das war und sollte für uns kein Handlungsmotiv mehr darstellen!"
 

Wielandstraße Nr. 17

 

 

Die GRÜNEN erleichtern uns die Wahl. Wenn sie eine Grünfläche als „eine überwiegend versiegelte Fläche“ betrachten und daher nun das Blockinnere zwischen den Grundstücken Wielandstraße Nr 17 und Fregestraße Nr. 72 verdichten und mit neun Eigentumswohnungen und einer Tiefgarage bebauen, dann steht die Wahlentscheidung schon vor dem 24. September fest.

 

Die „Berliner Woche“ hatte in ihrer Ausgabe vom 30. August 2017 über das „Projekt“ berichtet. Darin zeigen sich die Anwohner entsetzt. Denn die laut grünem Stadtentwicklungsstadtrat Jörn Oltmann „überwiegend versiegelte Fläche“ stellt sich als begrünter Innenhof heraus. „Der grüne Mann hat nur gesehen, was er sehen wollte, damit er den Bauantrag durchdrücken kann“, so ein Anwohner. Auch auf eine mehr als 200 Jahre alte Buche – älter als Friedenau! – will Oltmann keine Rücksicht nehmen. Er unterstellt laut „Berliner Woche“ den Anwohnern vielmehr, um den Verlust ihrer Stellplätze zu fürchten.

 

Wenn unsere Informationen zutreffen, dann wurde der Bauantrag einer ausländischen Investorengruppe vor mehr als sieben Jahren eingereicht und am 26.4.2010 vom Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg mit einem Vorbescheid bedacht. Wenn der Bauantrag erst jetzt bewilligt wurde, kann man sich vorstellen, dass Stadtplanung, Bauaufsicht und Denkmalschutz im Rathaus Schöneberg wohl in den vergangenen Jahren erhebliche Bedenken gegen die Bebauung hatten.

 

„Politisch geht es mir darum, eine möglichst kompakte Bauweise auf möglichst versiegelten Flächen zu ermöglichen“, so der Dezernent in der „Berliner Woche“. „Grün- und Freiflächen sollen möglichst erhalten bleiben. Wohnungsneubau soll mit Augenmaß geschehen und trotzdem werden wir immer häufiger den Konflikt haben, dass Stellplätze wegfallen um Wohnungsbau zu ermöglichen. Dazu stehe ich in einem gewissen Rahmen. Ich mag keine Extreme. Doch im Fall der Wielandstraße halte ich eine Bebauung für angemessen.“

 

Weg von der Lauterstraße in die Grünanlage. Foto H&S 31-08.2017

Objektbesichtigung

 

Das Facility Management der Abteilung Stadtentwicklung und Bauen des Bezirksamts Tempelhof-Schöneberg von Berlin hatte für Donnerstag, den 31.08.2017 um 11 Uhr, zu einer Besichtigung der ehemaligen Bedürfnisanstalt am Perelsplatz eingeladen.

 

Das Häuschen, nach Entwürfen des Architekten und Friedenauer Gemeindebaurats Hans Altmann im Jahr 1909 errichtet, ließ das Bezirksamt seit September 2016 vom Architekturbüro Hagemann+Liss aufwändig sanieren. Wenn dann auch noch die Landschaftsarchitektin Anke Werner die Grünanlagen ringsherum wieder zu Grünanlagen gemacht hat, soll demnächst dort ein Café eröffnet werden.

 

Das Treffen hatte sich schnell herumgesprochen, und so kamen nicht nur jene, die dort als Pächter ein Geschäft wittern, sondern auch die Friedenauer Nachbarschaft, denen das Kleinod am Herzen liegt.

 

 

 

Das „Interessenbekundungsverfahren zur Nutzung des denkmalgeschützten Fachwerkpavillons“ kommt zur unrechten Zeit. Das Bezirksamt müsste eigentlich gewarnt sein. Mit enormem Aufwand wurde vor einigen Jahren Altmanns zweite Bedürfnisanstalt mit Kiosk und Gärtchen am Südwestkrso (Liane-Berkowitz-Platz) aus dem Jahre 1920 rekonstruiert, in dem dann eine „Kaiserdiele“ die gastronomische Betreuung übernahm. Drinnen 20, draußen 40 Plätze. Nach kurzer Pachtzeit musste der Wirt erkennen, „die Winter sind wirtschaftlich schwierig“. Es muss wohl so gewesen sein, denn das Etablissement hat längst wieder dicht gemacht - und das Bezirksamt streitet.

 

Eher skeptisch waren denn auch die Kommentare und Meinungen zum Betrieb des Häuschens nach der Besichtigung. Der geplante Abriss der benachbarten Turnhalle der Friedrich-Bergius-Schule würde den Café-Betrieb für längere Zeit stark beeinträchtigen – und das vielleicht gerade in der Startphase, war zu hören. Die Auflagen und Beschränkungen im denkmalgeschützten Häuschen und innerhalb des Gartendenkmals seien sehr gravierend. Ob sich ein am Ende doch nur möglicher Sommerbetrieb rechnen werde, sei mehr als unsicher.

 

Bis zum 30. September sollen nun Konzepte eingereicht werden. Wer auch immer den Versuch startet, Altmanns Bedürfnisanstalt mit Leben zu erfüllen – das Risiko des Scheiterns dürfte sehr hoch sein. Dagegen stehen die gewaltigen Investitionen des Bezirks in das Häuschen und das Gartendenkmal. Das Bezirksamt wird sich also so oder so nicht aus der Verantwortung ziehen können. Ein aufwändig sanierter Leerstand ist das Letzte, was am bislang arg vernachlässigten Perelsplatz gebraucht wird.

 

 

Interessenbekundungsverfahren Perelsplatz

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Am Ostrand des heutigen Perelsplatzes hat der Friedenauer Gemeindebaurat und Architekt Hans Altmann 1909 eine eingeschossige Bedürfnisanstalt errichtet. Der Fachwerkpavillon mit geschwungenem und schiefergedecktem Bohlenbinderdach hatte zwei Zugänge. Im Osten zur Lauterstraße hin befand sich der Eingang zum Pissoir für das Stehpinkeln von Männern. Zum Westen hin entstand als halboffene Laube ein Vorraum zum Toilettenzugang für Damen.

 

Das unter Denkmalschutz stehende Häuschen war lange Zeit als „Parkoase“ ein beliebter Treffpunkt. Da der private Betreiber und das Bezirksamt keine Einigung für das unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten äußerst schwierig zu betreibende Café erzielen konnten, gab der Pächter auf – zurück blieb ein jahrelanger Schandfleck.

 

Der Perelsplatz hieß von 1873 bis 1884 Berliner Platz, danach bis 1961 Maybachplatz, benannt nach dem preußischen Handelsminister und Minister für öffentliche Arbeiten Albert von Maybach (1822-1904). Über viele Jahrzehnte wurde die Grünanlage auch als „Birkenwäldchen“ bezeichnet, da die ursprüngliche Bepflanzung von Birken dominiert war. Die Gestaltung des Platzes wurde 1907 nach einem Entwurf von Gartenbaudirektor Fritz Zahn (1872-1942) ausgeführt. Das Typische ist verloren gegangen, weil inzwischen eine große Artenvielfalt an Bäumen und Sträuchern entstanden ist. 1961 wurde die Anlage in Perelsplatz umbenannt, zur Erinnerung an Friedrich Justus Perels (1910-1945), der von 1920 bis 1929 Schüler des damaligen Gymnasiums war. Der Widerstandskämpfer und Jurist der „Bekennenden Kirche“ wurde am 2. Februar 1945 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und in der Nacht vom 22. auf den 23. April 1945 erschossen.

 

 

 

 

Die ehemalige Bedürfnisanstalt wurde seit Anfang September 2016 saniert. Da die Arbeiten nun langsam zum Abschluss kommen, hat das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg nun ein Interessenbekundungsverfahren eingeleitet. Darüber soll ergründet werden, ob sich ein privater Pächter für das Kleinod finden läßt, der dem Bezirk die Ausgaben für Unterhalt und Betrieb erspart. Bei vom Bezirksamt errechneten Kosten von jährlich 5.590 EUR zuzüglich Kostenübernahme für Möblierung, Küchenausstattung, Umlufthaube, weitere Innenraumleuchten, Telefon, fachgerechte Pflege und Unterhaltung der zur Pachtfläche gehörenden Außenflächen einschließlich definierter Teilflächen des öffentlichen Straßenlandes sowie der öffentlichen Grünanlage sehen wir ziemlich schwarz und gar nicht rot-grün. Bei einem halbjährigen Betrieb, mehr läßt das Wetter wohl nicht zu, müssten monatlich allein 1.000 EUR für die Deckung der Kosten erwirtschaftet werden - zuzüglich der Personalausgaben. 

 

Auch wenn der Plan aufgehen sollte, es dort ab 2018 wieder ein Café geben sollte, wird der Perelsplatz ringsum auf absehbare Zeit eine einzige Baustelle bleiben - denn der momentane Zustand kann nicht bleiben.

 

Soll nicht die Grünanlage komplett saniert und wieder wie einst mehr als "Birkenwäldchen" ausgerichtet werden? Soll nicht das nach Regen kaum noch nutzbare Wegenetz erneuert werden? Soll nicht der marode Sintflutbrunnen rekonstruiert werden? Soll nicht die alte Sporthalle dahinter abgerissen und durch eine neue ersetzt werden? Soll nicht der Zaun für den Spielplatz erhöht werden, damit den Hunden das "Geschäft" im Sand vermasselt wird? Sollen nicht die Grundmauern der Friedrich-Bergius-Schule komplett frei- und trockengelegt werden? Und soll nicht am Ende der Lauterstraße von der BÖAG ein "bomforzionöser" Treppenaufgang zum projektierten Wohngebiet auf dem Bahndamm entstehen?. 

 

In eigener Sache

 

Vielleicht wundern sich einige Leser unserer Website, dass wir am 2. September 2017 der Einladung der CDU Friedenau gefolgt sind, bei einem Kiezrundgang in Friedenau die Führung zu übernehmen. Keine Angst: Die Website www.friedenau-aktuell.de bleibt parteiunabhängig, kritisch und frei. Dennoch fanden wir es gut, dass sich Kommunalpolitiker an uns gewandt haben, weil sie mehr über Friedenau in Geschichte und Gegenwart erfahren wollten. Da war uns die Partei zweitrangig, weil es darum geht, auf aktuelle Probleme hinzuweisen. Wenn wir dazu beitragen können, dann tun wir das gern. Was daraus wird, werden wir – wie immer kritisch – dokumentieren.

Sintflutbrunnen. Foto H&S, 16. Juni 2017

Denkmal in Not: Sintflutbrunnen

 

In einem Beitrag im sozialdemokratischen Kampfblatt „Paperpress“ hieß es kürzlich: „Und während auf dem Campus rund um den Schöneberger Gasometer beim G20-Afrika-Gipfel die Entwicklung voranschreitet, verkommt die Grünfläche davor. Die Welt schaut auf den Campus, der Bezirk Tempelhof-Schöneberg schaut weg. Ist Rot-Rot-Grün die Stadt eigentlich egal?“

 

Zuständig ist als Leiterin von Straßen- und Grünflächenamt Bezirksstadträtin Christiane Heiß (Bündnis 90/Die Grünen). Die Diplom-Ingenieurin für Landschaftsplanung hat sich viel mit Umwelt, Verwaltung und Akten beschäftigt und dabei die Menschen aus dem Blick verloren. Ihre Vorlieben für Gutachten, und Konzeptionen in Ehren, aber für den Job im Schöneberger Rathaus braucht es Managerqualitäten. Die hat sie nicht. Straßen und Grünflächen würden nicht so aussehen wie sie aussehen. Wie soll man diese politische Fahrlässigkeit verstehen? Zweimal hatten wir die Bezirksstadträtin schriftlich um Auskunft zum „Sintflutbrunnen“ gebeten. Die Grüne aber hüllte sich in Stillschweigen.

 

 

Nun nimmt sich die Fraktion der AfD von Tempelhof-Schöneberg dem Problem an. In zwei BVV-Anträgen vom 19.07.2017 wird das Bezirksamt ersucht, „Grünanlagen und Sintflutbrunnen auf dem Perelsplatz“ zu sanieren.

 

Was wird in der ersten öffentlichen BVV-Sitzung nach der Sommerpause am 20. September 2017 geschehen?

 

Variante 1: Die Zählgemeinschaft aus SPD und GRÜNEN lehnt mit ihrer Mehrheit beide AfD-Anträge ab.

Variante 2: SPD und GRÜNE formulieren weitergehende Anträge mit im Prinzip dem gleichen Inhalt und lassen diese zuerst abstimmen, damit sie um die AfD-Anträge "herumkommen".

Variante 3: Die beiden AfD-Anträge werden mit Stimmen von CDU, FDP, DIE LINKE, AfD, und möglicherweise Abweichlern aus SPD und GRÜNEN angenommen.

 

Wir lassen uns überraschen!

 

AfD-Antrag zur Restaurierung des Sintflutbrunnens

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AfD-Antrag zur Sanierung des Perelsplatzes

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Uwe Johnson – ein deutsch-deutscher Dichter, ein DDR-Flüchtling, ein Bewohner von Friedenau mit Atelierwohnung in der Niedstraße Nr. 14 und Familienwohnung in der Stierstraße Nr. 3, ein Avantgardist der Erzählperspektiven, ein Verfasser von Dokumentarromanen? Abstempeln oder ruhigstellen ließ und lässt er sich nie.

 

 

 

 

 

 

 

Uwe Johnsons Monumentalwerk „Jahrestage“ – ein Romanbericht „Aus dem Leben von Gesine Cresspahl“ – erzählt einen Zeitraum von achtzig Jahren – beginnend im Dreikaiserjahr 1888, endend mit dem Einmarsch der Warschauer Truppen in die Tschechoslowakei am 21. August 1968. Fünf Gesellschaftssysteme wirken auf die Protagonisten: das Kaiserreich, die Weimarer Republik, der deutsche Faschismus, die DDR sowie die westlichen kapitalistischen Staaten. Das fiktive Jerichow, zwischen Lübeck und Wismar angesiedelt, bildet als Beispiel deutscher, west- wie ostdeutscher Geschichte einen der Pole der Erzählung, das reale New York den anderen.

 

Die Romanhandlung beginnt am 20. August 1967. Zum 50-jährigen Jubiläum möchte der Suhrkamp Verlag die Möglichkeit bieten, diesen Romanbericht noch einmal zu entdecken. Interessierte Leser können mit dem „Suhrkamp-Jahrestage-Abo“ den ersten Monat des 365 Tage umfassenden Romans Tag für Tag lesen. Der Suhrkamp Verlag sendet nach Anmeldung über jahrestage@suhrkamp.de kostenlos und unverbindlich einen Monat lang täglich einen „Jahrestag“ per E-Mail zu – und „mit etwas Glück gewinnen Sie die ‚Jahrestage‘ im Schuber und die Verfilmung von Margarethe von Trotta im DVD-Paket dazu.

 

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