Wir bitten um Hilfe

 

Das Land Berlin hat der Grabstätte des Foto-Pioniers Ottomar Anschütz auf dem Friedhof Stubenrauchstraße im Herbst 2009 den Status als Ehrengrabstätte aberkannt. Unmittelbar danach stellte das zuständige Bezirksamt die Pflege ein und überließ das Grab dem Verfall.

 

Zu den weltberühmten Arbeiten von Ottomar Anschütz (1846-1907) gehören seine einmaligen Serienfotografien vom 29. Juni 1895. Am „Fliegeberg“ in Lichterfelde sind Otto Lilienthal Flüge bis zu 80 Meter Weite gelungen – fotografiert von Ottomar Anschütz. Für Bundesfinanzministerium und Deutsche Post Anlass genug, diesen „ersten Gleitflug“ im Jahr 2016 mit einer Sonderbriefmarke zu würdigen, für deren grafische Gestaltung die Fotos von Anschütz die Grundlage bildeten.

 

Da die Proteste aus dem In- und Ausland gegen die Aberkennung der Ehrengrabstätte unüberhörbar wurden, ließ die Senatskanzlei im Juni 2018 wissen, „dass die Anerkennung der Grabstätte von Ottomar Anschütz als Ehrengrabstätte des Landes Berlin [für Herbst 2018 wieder] vorgesehen ist“.

 

Schönebergs Bezirksstadträtin Christiane Heiß teilte dazu am 07.06.2018 mit, dass „das Grab aber aufgrund fehlender Ressourcen nicht gepflegt werden kann. Das Bezirksamt sieht auch keine Möglichkeit, eigene Instandsetzungsmaßnahmen durchzuführen“. Dies trifft auf dem Friedhof Stubenrauchstraße auch für eine Reihe weiterer bisher „ungeschützter“ Gräber von Persönlichkeiten zu, die zur Geschichte von Friedenau gehören.

 

Wir, Peter Hahn und Jürgen Stich, die Betreiber der Website www.friedenau-aktuell.de, haben uns daher entschlossen, um Beiträge von Privatpersonen für die Wiederherstellung der Grabstätte von Ottomar Anschütz zu werben. Eine Fachfirma für Grabdenkmal wird den Zustand des Grabes von 1907 wieder herstellen. Diese Aktion soll gleichsam ein Zeichen setzen.

 

Wir bitten Sie sehr herzlich um Unterstützung, Eine Spendenbescheinigung kann auf Grund dieser privaten Initiative nicht ausgestellt werden. Für Ihren Beitrag haben wir bei der Commerzbank ein Sonderkonto eingerichtet:

 

Peter Hahn + Jürgen Stich

Konto-Nr. DE66 1004 0000 0552 4921 01

Verwendungszweck: Grab Anschütz

 

 

Auch der VORPOMMERN KURIER ruft zur Hilfe auf

 

Ihr habt sie gewählt,

 

nun müsst ihr bis 2021 damit leben – wenn es überhaupt so lange geht. Die Differenzen von Rot-Rot-Grün im Senat erreichen inzwischen auch die rot-grüne „Zählgemeinschaft“ des Bezirks Tempelhof-Schöneberg. Unter der Überschrift „Bauen ja, aber nicht um jeden Preis“ erklärte die Linksfraktion am 31. Mai 2018:

 

„Dass uns die SPD und GRÜNE mit ihren gestellten Stadträten so viel Einfluss im Bezirk Tempelhof-Schöneberg zubilligen, dass wir mit 5-köpfiger Fraktion in der BVV Bauprojekte verhindern könnten, ist wohl reichlich übertrieben. SPD und GRÜNE verfügen über eine eigenständige Mehrheit und sollten bei Fehlentwicklungen nicht mit dem Finger auf andere zeigen. DIE LINKE Tempelhof-Schöneberg stellt sich sinnvollen Wohnungsbauprojekten, die bezahlbares Wohnen in unserem Bezirk ermöglichen, nicht entgegen. Aber genau an diesem Anspruch werden wir Bauprojekte auch künftig messen.“

 

Der GRÜNE Jörn Oltmann avancierte im Herbst 2016 vom Immobilienhändler zum Bezirksstadtrat, Stellvertretenden Bezirksbürgermeister und Leiter der Abteilung Stadtentwicklung und Bauen. Damit wurde der Bock zum Gärtner gemacht. Zweifellos gehört er zu jenen Ideologen, die für eine wachsende Stadt mit jährlich 40.000 zuziehenden Neubürgern plädieren. Je mehr, desto besser. Und so genehmigt er einen Bauantrag nach dem anderen, überschrieben mit „Nachverdichtung“ oder „Dachausbau“. Dafür stehen Wielandstraße 17, Innsbrucker Straße 19, Hauptstraße 77, Stierstraße 8 und 22 sowie die Siedlung Am Mühlenberg.

 

Vor einigen Tagen haben wir uns ein „Friedenauer Kiezgespräch“ mit Politikern „gegönnt“. Da waren Alteingesessene mit den bekannten Klagen und – zu unserem Erstaunen – einige Neu-Berliner, die sich darüber wundern, dass ihre Kinder auf den „schuleigenen“ Plätzen nicht Fußballspielen können und die (bisher) kostenlosen Parkplätze in den Ceciliengärten von „Nichtanwohnern“ genutzt werden – und erstmals (mit Schrecken) vernehmen, dass sich die Lage verschärfen wird, wenn nebenan auf dem Güterbahnhofsgelände über 900 Wohnungen entstanden sind. So hatten sie sich das „beschauliche“ Friedenau nicht vorgestellt. Schon fallen die Formulierungen „zu voll, kein Lebensgefühl, zu teuer“.

 

Bereits 1981 hatte das „Deutsche Institut für Urbanistik“ in einer Expertise festgestellt, dass „Friedenau mit öffentlichen Grünflächen extrem unterversorgt ist, Sportflächen nur als Schulsportflächen in ungenügender Größe vorhanden sind, die Spielplatzsituation durch schwere Unterversorgung gekennzeichnet ist und der Bau von dringend erforderlichen Kindertagesstätten notwendig ist.

 

Die derzeitige massive bauliche Verdichtung führt zum Verlust von öffentlichen und privaten Freiflächen, reduziert die Flächen für Abkühlung, Versickerung und Gartenbiotope und bringt eine noch höhere Einwohnerdichte. Die bestehenden Probleme des hohen Freiflächendefizits könnten mit baurechtlichen Einschränkungen begrenzt werden.

 

Schon 1981 wurde ein Erhaltungsgebot für Friedenau gefordert, „um weiteren städtebaulichen und irreparablen Schaden zu vermeiden“. Doch nun setzen SPD und GRÜNE auf Dauerzuzug und mehr Steuereinnahmen und nehmen steigende Preise für Mieten und Eigentumswohnungen billigend in Kauf. Es geht nur noch ums Geschäft.

 

 

 

Hauptstraße 02.05.2018. Foto H&S

Neue Alleenbäume auf Zeit

 

Zwischen Innsbrucker Platz und Kaisereiche wurden auf dem Mittelstreifen von Haupt- und Rheinstraße in diesem Frühjahr erstaunlich viele Bäume gepflanzt. Den Bürgern ist allerdings nicht entgangen, dass seit geraumer Zeit auf diesem Straßenabschnitt Alleenbäume der beiden Bürgersteigseiten abgesägt und nicht durch Neupflanzungen ersetzt wurden. Geblieben sind „mit Augen verzierte“ Baumstubben oder nur noch „leere“ Beetkanten.

 

Diese Aktion rief die Erinnerung an die Heerstraße zurück. Dort wurden im vergangenen Herbst 62 Bäume für die Anlage neuer Fuß- und Radwege gefällt. Ist jetzt Friedenau an der Reihe? In den 1960er Jahren wollte der ADAC die Alleenbäume opfern, weil „Menschenleben Vorrang vor Ästhetik und Naturschutz“ hätten. Jetzt könnten GRÜNE GRÜN für den fahrradfreundlichen Umbau der Stadt opfern.

 

 

 

Sollte sich unsere Vermutung bestätigen, dann müssten zwischen Innsbrucker Platz und Walter-Schreiberplatz mindestens 180 Bäume gefällt werden. Zurückbleiben würden dann schmalere Bürgersteige und Radwege. Wären derartige Eingriffe in Natur und Historie gerechtfertigt?

 

Da sich Bezirksstadträtin Christiane Heiß (GRÜNE) bisher in Friedenau nur mit Baumfällungen und nicht mit Ersatzpflanzungen hervorgetan hat, stellten wir Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) und der CDU-Fraktion der BVV Tempelhof-Schöneberg die Frage, ob es „beabsichtigt ist, die Alleenbäume zwischen Innsbrucker Platz und Walter-Schreiber-Platz beidseitig zu entfernen und dafür neue Radwege und schmalere Bürgersteige anzulegen?“

 

Die Antwort gab die zuständige Bezirksstadträtin Christiane Heiß am 17.05.2018: „Die Baumpflanzungen auf dem Mittelstreifen wurden im Rahmen einer Großspende durch die Berliner Stadtbaumkampagne gepflanzt. Vorgabe für die Spende war zusammenhängende Standorte zu finden die sofort bepflanzbar waren. Diese Vorgaben konnten nur auf dem Mittelstreifen erfüllt werden, da auf den Bürgersteigseiten zum Teil Baumstubben verblieben sind und die Leitungssituation erst geprüft werden muss. Es ist beabsichtigt auch die Ersatzpflanzungen auf den Bürgersteigseiten schnellstmöglich im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten durchzuführen. Maßnahmen des Radwegebaues sind hier zurzeit nicht geplant.“

 

Hinter dieser Antwort verbirgt sich das ganze politische Dilemma zwischen Senat und Bezirk. Bezirksstadträtin Christiane Heiß kennt offensichtlich die Koalitionsvereinbarung von Rot-Rot-Grün nicht. Dort ist 2016 nachzulesen, dass „die Vorplanungen und Planfeststellungsverfahren“ für die Straßenbahntrasse „Alexanderplatz – Kulturforum – Kleistpark – Hauptstraße – Rheinstraße – Rathaus Steglitz (M48 und M85) sofort einzuleiten sind, sodass die bauliche Umsetzung innerhalb der Wahlperiode 2016 bis 2021 beginnen kann“.

 

Die Wiedereinrichtung der Straßenbahnlinie (einst Linie 74) ist sinnvoll. Die Entscheidung von Bezirksstadträtin Christiane Heiß ist kurzsichtig. In Kenntnis der Straßenbahnbaupläne hätte sich das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg gegen die Vorgaben der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz wehren müssen, für die von der Berliner Stadtbaumkampagne gespendeten Bäume „sofort bepflanzbare zusammenhängende Standorte“ zu benennen.

 

Der großmundig verkündete „neue Berliner Stadtbaum“ auf dem Mittelstreifen von Haupt- und Rheinstraße hat keine Zukunft. Gepflanzt wurden „Kaiserlinden“ und „Winterlinden“, die in der Regel schnell Wuchshöhen von 15 bis 40 m und einen Kronendurchmesser von bis zu 30 m erreichen können. Da die Linden teilweise in einem ungewöhnlich geringen Abstand zueinander gesetzt wurden, liegt der Verdacht nahe, dass das Bezirksamt selbst schon jetzt das Absägen dieser Bäume in absehbarer Zeit einkalkuliert hat.

 

Bezirksstadträtin Christiane Heiß wäre gut beraten, die Ersatzpflanzungen auf den Bürgersteigseiten schnellst möglich zu veranlassen und sich nicht in die vage Politiker-Formulierung „im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten“ zu retten.

 

 

Zu diesem Thema hat der Bezirksverordnete Ralf Olschewski (CDU) eine Mündliche Anfrage gestellt, die von Bezirksstadträtin Christiane Heiß für das Bezirksamt am 16.05.2018 wie folgt beantwortet wurde:

 

1.

Frage

Wie viele Straßenbäume wurden auf dem Mittelstreifen der Hauptstraße zwischen Innsbrucker Platz und Breslauer Platz neu gepflanzt?

 

 

Antwort

Wie bereits in der 14. Sitzung des Ausschusses für Straßen, Verkehr, Grün- und Umwelt vom 26.03.2018 mitgeteilt, wurden auf dem Mittelstreifen 41 Straßenbäume im Rahmen der von der Sen UVK initiierten Stadtbaumkampagne gepflanzt.

 

2.

Frage

Warum wurden die vorhanden Lücken in den Baumreihen am östlichen und westlichen Fahrbahnrand der Hauptstraße bzw. in den Nebenstraßen von Friedenau nicht vorrangig geschlossen?

 

 

Antwort

Es handelte sich hier um eine Großspende, mit der Vorgabe, schnell verfügbare, eng zusammenhängende Baumstandorte zu benennen. In den Baumreihen am Fahrbahnrand, bzw. in den Nebenstraßen, war das aufgrund noch vorhandener Baumstubben und ungeklärten Leitungssituationen kurzfristig nicht möglich.

 

Nachfragen

1. Ist mittelfristig beabsichtigt, im o.a. Straßenabschnitt auf die Baumreihen am östlichen und westlichen Fahrbahnrand zugunsten eines Fahrradweges zu verzichten?

 

Antwort

Bisher ist nicht geplant, auf die Baumreihen am östlichen und westlichen Fahrbahnrand zu verzichten. Planungen zum Radwegebau liegen in diesem Straßenraum nicht vor.

Die Ersatzpflanzungen sind hier im Rahmen von weiteren Abschnitten der Stadtbaumkampagne bzw. von bezirkseigenen Pflanzmaßnahmen im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten beabsichtigt.

 

Das Streckennetz der Straßenbahn im Berliner Westen. Stand 1958 und heute. Quelle Berliner Morgenpost, 2018
Werkstattprozess Güterbahnhof Wilmersdorf-Friedenau. Quelle BA TS

Neue Töne in der Stadtteilzeitung

 

Die „Stadtteilzeitung für Schöneberg-Friedenau-Steglitz“ ist bekannt für ihre rot-grüne „Hofberichterstattung“. Monat für Monat erscheint sie gedruckt in einer Auflage von 10.000 Stück, subventioniert vom Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg-auch die Online-Ausgabe.

 

Das umstrittene Bauprojekt „Friedenauer Höhe“ auf dem ehemaligen Güterbahnhof Wilmersdorf ist in der „Stadtteilzeitung“ von Anfang an positiv beschrieben, teils bejubelt worden – obwohl es an warnenden Stimmen auch an dieser Stelle unter www.friedenau-aktuell.de wahrlich nicht gefehlt hat. Doch die Redaktion mit Ottmar Fischer ließ sich nicht beirren.

 

 

 

 

Umso erstaunlicher ist nun die Kehrtwende des „ehrenamtlichen Redakteurs“ in der jüngsten Ausgabe der Stadtteilzeitung. Erstmals hat er offenbar bemerkt, dass Investoren und Bezirksamt Bürgerwillen und Eingaben vollkommen ignorieren. Auch wenn die Kritik sehr schwammig vorgetragen wird – es ist immerhin ein Anfang für eine seriöse Berichterstattung. Noch am 21. Februar 2013 publizierte Fischer auf der Website der Bürgerinitiative „Breslauer Platz“ unter dem Titel „Friedenau bekommt ein Kind“ einen Jubelartikel zur Bebauung des Güterbahnhofs Wilmersdorf.

 

Ottmar Fischer hätte spätestens zur Baustellenbegehung am 5. Juli 2017 erkennen können, dass es mit den ursprünglichen Plänen auf dem Güterbahnhofsgelände nichts wird. Damals verkündete BÖAG-Chef Lars Böge, dass sich keine der städtischen Wohnungsbaugesellschaften an dem umstrittenen Bauprojekt „Güterbahnhof Wilmersdorf“ beteiligen wird, und daher als neuer Partner die HELABA-Immobiliengruppe eingestiegen ist.

 

Hätten Fischer und andere Gutgläubige schon damals richtig zugehört, dann hätten sie hellhörig werden müssen: Da fielen doch die Sätze wie: „BÖAG wird den Bereich geförderter Wohnungsbau aus dem eigenen Familienbestand errichten. Dieses wird BÖAG langfristig (etwa 30 Jahre) im Bestand halten“. Und: „BÖAG wird den freifinanzierten Wohnungsbau mit dem Partner HELABA errichten.“ Und: „Die bisherigen Planungen sehen eigentlich keinen Eigentumswohnungsbau vor. Das muss man am Ende dann mal sehen.“ Denn: „Es sollen Wohnungen gebaut werden, die von der Bevölkerung (gemeint ist wohl von Immobilienkäufern) abgenommen werden. Das hängt auch von den Wohnungsgrößen ab. Vorgesehen ist eine natürliche Durchmischung.“

 

Das böse Erwachen für „Stadtteilzeitung“ und die das Bauprojekt unterstützende Bürgerinitiative „Breslauer Platz“ kam offenbar bei einer nebulösen „Verkaufsveranstaltung“ der BÖAG am 1. März im Rathaus Schöneberg. Zwar hatten die Bürgerinitiative und ihr Vorsitzender Joachim Glässel noch versucht, die Veranstaltung als eine Art Bürgerinformation zu verbrämen, doch die Absicht der Investoren trat klar zutage.

 

Nun muss Redakteur Ottmar Fischer einräumen, dass „davon auszugehen ist, dass vieles von dem wieder verlorengegangen ist, was in dem zweijährigen Werkstattverfahren von einer zahlreich und interessiert mit Vorschlägen und Ideen daran teilnehmenden Bürgerschaft vorgetragen wurde“. So sei „keine Rede mehr von der Ermöglichung verschiedener Eigentumsformen, etwa für Baugenossenschaften, angedacht für die hufeisenförmige Gebäudereihe parallel zur Bennigsenstraße, womit auch die speziellen Wohnungszuschnitte verschwunden sind, vorgeschlagen für besondere Wohnformen wie betreutes Wohnen für Alte oder Behinderte, für kooperierende Alleinerziehende oder generationenübergreifende Verbünde.“

 

Fischer weiter: „Es ist auch nichts mehr zu entdecken von der einst auch in Politik und Verwaltung begrüßten Bürgerschaftsidee von einer Quartiersgestaltung als Ergänzung zur Friedenauer Gliederungstradition mit individuell gestalteten Fassaden und ihren zahlreichen Varianten in der Außenansicht. Erste Vorhabenentwürfe lassen vielmehr darauf schließen, dass von der ursprünglichen Idee nichts weiter übrig geblieben ist als die Friedenauer Grundstruktur von baumbestandenen Straßen, die über Plätze miteinander verbunden sind.“

 

Dass Baustadtrat Jörn Oltmann (Grüne) in derselben Veranstaltung weiterhin von dem „schlechthin attraktiven Bauvorhaben für den Bezirk“ sprach, kann Fischer in seinem arg weichgespülten Artikel nicht richtig erklären. Das auch von ihm selbst unter dem Titel „Friedenau bekommt ein Kind“ zuvor hochgejubelte Bauprojekt sei leider wahrlich „kein Gipfel“, muss Fischer am Ende resümieren. Eine späte Einsicht, traurig für die Friedenauer, schlecht für Friedenau und für die künftigen Bewohner der Häuser an der Autobahn mit den allertrübsten Aussichten verbunden.

 

Pressemitteilung von OFB/BÖAG noch am Abend des 1. März 2018

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Information der OFB Immobilien GmbH vom 23.02.2018

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Zu unserem Beitrag erreichten uns am 28.02.2018 nachfolgende Bemerkungen eines Anwohners aus der Bennigsenstraße:

 

"Den betreffenden Aushang habe ich gestern unten in unserem Haus entdeckt, angebracht offenbar von einem Sympathisanten dieses Projekts. Die clandestine Verbreitung dieser Einladung spricht Bände. Gezeigt werden soll wohl die väterliche (wahlweise: mütterliche) Sorge des Investorenteams um die Anwohner/innen, garniert mit Einlagen aus der einschlägigen Investorenlyrik („Wie ein Hamburger Investor sein Herz für Berlin entdeckt"), auf die wahrscheinlich auch die hartnäckigsten Befürworter dieses zerstörerischen Projekts nicht mehr hereinfallen dürften. Es ist leicht zu erkennen, dass es sich um eine reine Werbeveranstaltung handelt. Auch dem beteiligten Bezirksamt (Oltmann etc.) geht es vor allem darum, zu demonstrieren, wie intensiv man in der „wachsenden Stadt“ seine Truppen zur Beseitigung der Wohnungsnot publikums- und medienwirksam in Stellung bringt."

 

Wir leben, solange sich jemand an uns erinnert. (Dante, Divina Comedia)

 

Berlin lässt seine Toten im Stich“

„Unter jedem Grabstein eine Weltgeschichte“

„Das vernachlässigte Erbe“

„Berlin entzieht immer mehr Persönlichkeiten das Ehrengrab“

„Ehrengräber abgewickelt?“

Ehrengräber in Berlin – eine reine Willkürsache?“

„Ehrengräber mit Verfallsdatum“

„Bezirke lassen unsere Ehrengräber verkommen“

 

 

Die Schlagzeilen häufen sich. Friedhöfe sind nicht nur letzte Ruhestätten. Sie dokumentieren das Geistesleben der Stadt. Die Berliner Friedhöfe sind einzigartig in Europa. Ihre Vielfalt hängt mit der Stadtgeschichte zusammen. Bedingt durch die späte Gründung von Groß-Berlin im Jahr 1920, gab es keine Zentralfriedhöfe wie in Paris oder Wien. Hier hatte jedes Dorf Kirche und Kirchhof, jede Gemeinde ihren kommunalen Friedhof. So entstanden neben Gräbern mit regionalgeschichtlichen Akzenten auch künstlerisch hochwertige Grabanlagen. Denkmalschützer konnten die ganze Pracht bislang weder dokumentieren, geschweige denn sichern. So kommt es zu einem Wettlauf gegen die Zeit, bei dem jährlich erhebliche Bausubstanz verlorengeht.

 

Mit dem „Groß-Berlin-Gesetz“ von 1920 gingen alle Rechte und Pflichten der Gemeinden und Gutsbezirke auf Groß-Berlin über. Das galt auch für die bis dahin selbstständige Gemeinde Friedenau. Auf dem Friedhof Stubenrauchstraße hatte sie den Friedenauer Ehrenbürgern Wilhelm Fröauf (1814-1899), Carl Hacker (1811-1892), Johannes Homuth (1839-1922), Hugo Moeller (1840-1911) und Heinrich Sachs (1858-1922) für alle Zeiten die letzte Ruhe eingeräumt. Was ist daraus geworden?

 

Fröauf wurde eingeebnet. Hacker wurde neu belegt. Sachs, noch 1952 vom Senat mit dem Status Ehrengrabstätte bedacht, wurde nicht verlängert und Moellers Grab wird ohne Pflege „links“ liegen gelassen, weil noch ein bisschen Respekt vor dem bedeutenden Grabgestalter Hans Dammann besteht. Bestehen blieb (bisher) das Grab des Friedenauer Ehrenbürgers Johannes Homuth.

 

Nicht viel besser ist es um die „nur“ als Ehrengrabstätten der Gemeinde Friedenau eingestuften Gräber bestellt. Zu Carl Bamberg (1847-1892), seit 1892 ein Ehrengrab, wurde Schönebergs Oberbürgermeister Alexander Dominicus gelegt, sein Grabstein mal hier, mal dort platziert und der Status als Ehrengrabstätte des Landes Berlin im Jahr 2005 vom Senat aberkannt.

 

Ottomar Anschütz (1846-1907), Ehrengrab der Gemeinde Friedenau seit 1907, wurde der Status als Ehrengrabstätte im Jahr 2009 vom Berliner Senat aberkannt. Das Grab von Friedrich Bache (1841-1917) wurde eingeebnet. Das Grab von Hermann Hähnel (1830-1894) und seiner Frau Auguste, die doch den Ortsnamen „Frieden Au“ kreiert haben soll, existiert nicht mehr. Die Wandgräber der Familien Herms, Albert Hirt und Prowe sind (noch) erhalten, weil sie als Denkmal geschützt sind oder (noch) als regionalhistorische Grabmale angesehen werden. Erhalten sind die Grabstätten Adolf Fehler, Robert Hertel, Carl Lorenz und Georg Roenneberg, weil sich offensichtlich Nachfahren darum kümmern.

 

Wir wollen nicht behaupten, dass diese Toten sich im Senatssinn „durch ihr überragendes Lebenswerk um die Stadt verdient gemacht haben“, auch nicht, dass sie „in der breiteren Öffentlichkeit deutlich präsent sind“, aber es waren zweifellos Persönlichkeiten, die zur Geschichte von Friedenau gehören. Das gilt erst recht für die „Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft“ als Folge des Ersten und Zweiten Weltkrieges. So gesehen ist der Friedhof Stubenrauchstraße vorrangig kein „Künstlerfriedhof“, sondern ein schlichter Quartiersfriedhof, auf dem zuallererst Friedenauer begraben liegen.

 

Wie aber sieht es dort aus: Als aktuelle Ehrengrabstätten des Landes Berlin sind derzeit auf dem Friedhof Stubenrauchstraße deklariert:

 

Architekturhistoriker Christian Borngräber (1945-1992), Komponist Ferruccio Busoni (1866-1924), Schauspielerin und Ehrenbürgerin von Berlin Marlene Dietrich (1901-1992), Kommunalpolitiker Johannes Homuth (1839-1922), Architekt Paul Kunow (1848-1936), laut Berliner Senat „Star-Fotograf“ Helmut Newton (1920-2004), Schriftsteller und „IM Otto Stein“ des rumänischen Geheimdienstes „Securitate“ Oskar Pastior (1927-2006) und Schriftsteller Paul Zech (1881-1946) nebst (ziemlich unverständlich sein Vater, der Verleger Rudolf Zech (1904-1972). Nichts gegen diese Toten und nichts soll ihre Ruhe stören, aber mit der unmittelbaren Friedenauer Geschichte haben sie wenig zu tun.

 

Das Problem besteht darin, dass der Senat im Jahr 2008 Zuständigkeit und Anerkennungsverfahren für Ehrengrabstätten von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zur Senatskanzlei verlegte und gleichzeitig neue Auswahlkriterien festlegte: „Ehrengrabstätten sind Ausdruck der Ehrung Verstorbener, die zu Lebzeiten hervorragende Leistungen mit engem Bezug zu Berlin erbracht oder sich durch ihr überragendes Lebenswerk um die Stadt verdient gemacht haben.“ Seit diesem Zeitpunkt gilt:

 

- Andenken an Person, die in der breiteren Öffentlichkeit deutlich präsent sind

- Schwerpunkt der Verdienste mit engem Berlin-Bezug

- Andenken in der Fachöffentlichkeit

- Wirken und Werke, die in der breiten Öffentlichkeit deutlich präsent sind

 

Der Senatskanzlei muss damals schon bewusst gewesen sein, dass Gräber von Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts „verschwinden“ werden, da diese in der allgemeinen Öffentlichkeit kaum, sondern günstigenfalls nur Spezialisten der jeweiligen Wissensgebiete bekannt sein dürften. Der Senatskanzlei musste auch bewusst gewesen sein, dass mit dieser Vorgehensweise dem historischen Gedächtnis der Stadt nachhaltigen Schaden zufügt wird.

 

Bis heute hat das Land Berlin keine Regelung für Erhalt und Pflege von kulturgeschichtlich bedeutenden, handwerklich hochwertigen und als Denkmal zu schützende Grabstätten erarbeitet. Nur mit Einführung dieser Kategorien und Kostenübernahme durch das Land Berlin kann die Gefahr gebannt werden, dass diese Gräber nicht ausgelöscht, geschleift oder gar eingeebnet werden.

Berlin-Tegel am 27.10.2017

Abschied von Air Berlin

 

Viele Jahre wohnte er gegenüber im II. Stock der Eckwohnung Stierstraße Nr. 9. Viele Jahre nahmen wir dort an seinen Festivitäten teil, die er allzu gerne abhielt. Immer möglichst viele Leute, dabei Vater, Mutter, Ehefrau Veronika und Piloten und Stewardessen von Air Berlin. War er unterwegs, dann war es in der Stierstraße still, kaum war er da, dann hörten wir seine Stimme und sein Lachen

 

Als am 5. September 2006 der erste Spatenstich für den Flughafen Berlin Brandenburg „Willy Brandt“ erfolgte, bekannt wurde, dass der Flugbetrieb im Oktober 2011 starten und Air Berlin dort Basis und Drehkreuz installieren würde, dachte er lange über das Für und Wider eines Wohnsitzwechsels nach. Schließlich erwarb er ein Häuschen in Altglienicke – wenige Minuten von der Arbeitsstelle entfernt. Von Friedenau kam er lange nicht los.

 

 

Dirk Sommerfeld wurde 1964 in Steglitz geboren. Er machte den (teuren) Pilotenschein, war danach 5 Jahre bei „Germania“ und wechselte dann zu „Air Berlin“. Dort flog er die „Mittelstrecke“, was Flugziele bis zu 3000 km und eine Flugdauer von 3,5 h bedeutete, zuerst mit der von ihm geliebten Boeing, später mit dem Airbus. Am 27. Oktober 2017 war er 22 Jahre bei „Air Berlin“. Ein wortgewaltiger Mann, in den Betriebsrat gewählt und vom fliegenden Personal geschätzt.

 

Einige Male sind wir mit ihm geflogen, nach Palma de Mallorca zum Beispiel, wo wir mit der Crew zwei höchst angenehme Tage verbringen konnten, selbstverständlich perfekt organisiert von Kapitän Sommerfeld, oder den Hin- und Rückflug nach Madeira. An den erinnerten wir uns, als am 7. August 2017 auf dem „Aeroporto de Santa Catarina“ von Funchal, der 2016 in „Aeroporto de Cristiano Ronaldo“ umbenannt wurde, 56 Verbindungen wegen heftiger Winde annulliert werden mussten. Auf dem Weg von Tegel über die Luftkontrollstationen Maastrich, Brest, Madrid, Lissabon und Funchal erklärte er uns im Cockpit die Schwierigkeiten für den extrem schwierigen Anflug auf Madeira. Die Landebahn befindet sich direkt am Steilhang zwischen Atlantik und Bergen und wird oft von heftigen Scherwinden heimgesucht.

 

Dirk Sommerfeld gehört zu jenen Air-Berlin-Piloten, die auch nach dem Ende dieser Fluggesellschaft weiterfliegen werden. Er wechselt zu Ryanair. In einem Interview erklärt er seine Beweggründe. Wir wünschen dem ehemaligen Friedenauer alles Gute.

 

Die „City Trees“ kommen

 

Endlich einmal wieder hat die CDU einen Antrag bei den Rot-Grünen von Tempelhof-Schöneberg durchgebracht. Das Bezirksamt ließ am 09.10.2017 mitteilen, dass die Teilnahme am Modellprojekt „City Trees“ grundsätzlich befürwortet wird. „City Trees“ sollen so „eine Art intelligente Mooswände sein, die genauso viel Kohlendioxid binden können wie 275 Bäume“. 25 dieser Mooswände sollen in verkehrsreichen innerstädtischen Bereichen aufgestellt werden, um die Effizienz des Begrünungssystems großformatig zu belegen – davon zwei in Tempelhof-Schöneberg. Nun ist die CDU „sehr gespannt, an welchen Stellen im Bezirk die Mooswände aufgestellt und wie die langfristigen Ergebnisse für die Luftreinhaltung sein werden“.

 

Künstliche Mooswände sollen für ein verträgliches Stadtklima sorgen. Sind sie nicht eher ein Ablenkungsmanöver, damit auf Grünflächen weiter gebaut und die Stadt noch mehr verdichtet werden kann? Absurder geht’s nimmer.

 

Foto vom 12. September 2017. Etwa in Höhe des Baggers gegenüber dem Bahnsteig des S-Bahnhofs Innsbrucker Platz müsste der Blindgänger liegen. Foto H&S

 

 

Wann kommt die nächste Bombe?

 

Nach umfangreicher Vorbereitung haben Spezialisten der Polizei in Berlin die Weltkriegsbombe auf dem ehemaligen Güterbahnhof Wilmersdorf unschädlich gemacht. Gegen 1 Uhr am 3. Oktober 2017 war es so weit. Die Entschärfung des 250 Kilogramm schweren Sprengkörpers sei erfolgreich verlaufen, teilten Feuerwehr und Polizei in der Nacht zum Dienstag beinahe zeitgleich mit. Schwierig war laut Polizei, dass die Bombe auf einem Erdhügel in Höhe einer S-Bahn-Trasse lag und nicht in einer Grube gesprengt werden konnte. Die 10 000 evakuierten Menschen konnten in ihre Wohnungen zurückkehren. Viele Friedenauer hatten in der Notunterkunft im Rathaus Schöneberg ausgeharrt, zahlreiche Nachbarn trafen sich aber auch im „Literaturhotel“ in der Fregestraße, um dort wenigstens einige Stunden schlafen zu können.

 

Gerade die älteren Bewohner waren sich einig: Es ist nur eine Frage der Zeit, wann die Bagger auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs Wilmersdorf den nächsten Blindgänger aus der Erde fördern. So beruhigend es ist, dass nach über sieben Jahrzehnten eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt und unschädlich gemacht werden konnte, so beunruhigend ist aber auch der laxe Umgang von Deutsche Bahn AG, Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg und Bauherr BÖAG für ein Gelände, das bekanntermaßen am 30.01.1944 den schwersten Luftangriff ertragen musste.

 

Nach der Aktion in der Nacht zum 3. Oktober, bei der etwa 450 Beamte im Einsatz waren, um eine Evakuierung von rund 10.000 Menschen in einem Sperrkreis von 500 Metern zu organisieren, die Ringbahn zwischen Halensee und Südkreuz stillgelegt wurde, die S-und U-Bahnhöfe Innsbrucker Platz geschlossen sowie A100 und Hauptverkehrsstraßen gesperrt wurden, fragt man sich schon, ob die vorliegenden Kampfmittel- und Altlastengutachten von den Kommunalpolitikern in Tempelhof-Schöneberg allzu leichtfertig abgetan wurden.

 

Im Gutachten der „Luftbilddatenbank Dr. Carls GmbH Estenfeld“ zur „Kampfmittelvorerkundung“ vom 21.05.2015 wurde festgestellt:

 

„Der schwerste dokumentierte Angriff auf die Stadtteile Wilmersdorf, Schöneberg und Friedenau fand am 30.01.1944 statt. Bei diesem Angriff wurden 1.500 Sprengbomben, darunter Luftminen (ca. 1.300-1.500 kg Sprengstoff), sowie zahlreiche Brandbomben abgeworfen. Mit dem Auffinden von Bombenblindgängern sowie Handkampfmitteln und Granaten muss im Auswertungsgebiet gerechnet werden. Es besteht weiterer Erkundungsbedarf. Wir empfehlen die Konsultation des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Berlin oder einer Fachfirma für die Kampfmittelbeseitigung.“

 

„Bis Kriegsende wurden weitere Gebäude und abgestellte Waggons im gesamten Auswertungsgebiet zerstört. Teilweise sind diese Schäden sehr schnell wieder behoben worden und luftsichtig bereits nach kurzer Zeit nicht mehr nachvollziehbar, woraus Erkenntnislücken resultieren. Die zügigen Aufräumarbeiten sind der Grund dafür, dass trotz der Luftangriffe keine Bombentrichter bzw. Blindgängerverdachtspunkte im Untersuchungsgebiet identifiziert werden können. Diese Aussagen können nur auf die verwendeten Quellen bzw. die verfügbaren Luftaufnahmen bezogen werden und lassen keine darüber hinaus gehenden Schlussfolgerungen zu. Für die Ermittlung der tatsächlichen Kampfmittelbelastung kommen ausschließlich technische Methoden der Kampfmittelerkundung in Betracht.“

 

Das Berliner IMB Ingenieurbüro Majer & Bendzko merkte am 22.05.2008 im „Gutachten Liegenschaftsrisiko“ an, dass die „Tiefenbohrungen“ in 0,5 m Tiefe bzw. 1,9 m Tiefe abgebrochen wurden und nur einmal „bis 3,0 m Tiefe u. GOK (unter Geländeoberkante) erfolgreich“ waren.

 

Zum Thema „Kampfmittel“ heißt es: „Im Rahmen der Festlegung der Bohransatzpunkte vor Ort am 23.04.2008 wurden alle 64 Bohransatzpunkte mittels Oberflächensondierung auf Kampfmittel untersucht. Es konnten nur 19 Punkte freigegeben werden. An 45 Bohransatzpunkten konnte die Freigabe nicht erteilt werden, da trotz überwiegend zurückgebauter Gleisanlagen weitere massive ferromagnetische Störungen im oberflächennahen Bereich vorhanden sind … In Abstimmung mit der Deutschen Bahn AG wurde eine bohrbegleitende Kampfmitteluntersuchung der nicht freigegeben Bohrpunkte in der Zeit vom 05. bis 06.05.2008 durchgeführt. Es konnte an allen 64 Bohrpunkten baubegleitend die Kampfmittelfreigabe erteilt werden und die geplanten Bohrarbeiten bis in den gewachsenen Bodenbereich durchgeführt werden.“

 

Aber war das wirklich ausreichend? Es gab offenbar keine weiteren Untersuchungen in der Tiefe, obwohl die BÖAG für ihren Bau von der heutigen Geländeoberkante mehr als 7 Meter in den Boden eindringt, weil eine Tiefgarage entstehen soll und die Neubauten die Höhe der Häuser Bennigsenstraße nicht überschreiten dürfen, wurden nur Bodenuntersuchungen bis zu 3 m Tiefe vorgenommen. Zu befürchten sind deshalb weitere Funde auf dem Gelände mit all den Folgen, die in der Nacht zum 3. Oktober die Friedenauer bereits einmal aufgeschreckt haben.

 

 

Bombe auf dem Güterbahnhof Wilmersdorf

 

Nach Polizeiangaben wurde am 2. Oktober 2017 gegen 11.30 Uhr ein Blindgänger auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs Wilmersdorf entdeckt. Dieser liegt direkt an den Gleisen der Ringbahn nahe dem Innsbrucker Platz. Es handelt sich um eine 250-Kilo-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg.

 

Die S-Bahn teilte mit, dass der Verkehr auf der Ringbahn zwischen Halensee und Südkreuz unterbrochen ist. Die U9 fährt auf der Station Bundesplatz durch. Die U-Bahn-Station Innsbrucker Platz ist geschlossen. Die U4 fährt nur noch bis Rathaus Schöneberg. Für die Entschärfung soll ein 500-Meter-Sperrkreis um den Fundort gezogen werden. Nach Angaben der Polizei wird es auch zu Straßensperrungen kommen.

 

 

Aufnahme vom 10. Mai 2005. Foto H&S

 

Gutachten Liegenschaftsrisiko

 

Im Auftrag der Deutschen Bahn AG gab das Ingenieurbüro Majer & Bendzko am 22.05.2008 folgendes Gutachten ab:

 

"Im Zuge der Feldarbeiten wurden Hinweise auf eventuell durchzuführende Maßnahmen zur Tiefenenttrümmerung vorgefunden. Die folgenden Bohransatzpunkte mussten aufgrund von Bohrhindernissen verschoben werden ... Über die dargestellten Bohrhindernisse hinaus ist davon auszugehen, dass auf der gesamten Untersuchungsfläche weitere unterirdische Bauwerke (z.B. Fundamente, Schächte) vorhanden sind.

 

Kampfmittel

Im Rahmen der Festlegung der Bohransatzpunkte vor Ort mit dem Auftraggeber Deutsche Bahn AG am 23.04.2008 wurden alle 64 Bohransatzpunkte mittels Oberflächensondierung auf Kampfmittel untersucht. Es konnten nur 19 Punkte freigegeben werden. An 45 Bohransatzpunkten konnte die Freigabe nicht erteilt werden, da trotz überwiegend zurückgebauter Gleisanlagen weitere massive ferromagnetische Störungen im oberflächennahen Bereich vorhanden sind.

 

In Abstimmung mit dem Auftraggeber Deutsche Bahn AG wurde eine bohrbegleitende Kampfmitteluntersuchung der nicht freigegeben Bohrpunkte in der Zeit vom 05. bis 06.05.2008 durchgeführt. Es konnte an allen 64 Bohrpunkten baubegleitend die Kampfmittelfreigabe erteilt werden und die geplanten Bohrarbeiten bis in den gewachsenen Bodenbereich durchgeführt werden.

 

Zusammenfassende Ergebnisdarstellung

Im Ergebnis der Untersuchungen wird eingeschätzt, dass der Standort 1019 kein Gefährdungspotential bezüglich einer Altlastenrelevanz besitzt. Weitere Untersuchungen werden für nicht erforderlich gehalten. Für den Fall einer Umnutzung hinsichtlich einer sensibleren Verwendung der Flächen wird unter Beachtung der künftigen Nutzung eine erneute Überprüfung der Flächen erforderlich."

 

***

 

Unter dem Punkt "Dokumentierte Kriegsereignisse" wurde von den Gutachtern der LUFTBILDDATENBANK aufgeführt:

 

"Die Auswertung der Archivalien und der Fachliteratur führte zu dem Ergebnis, dass Berlin zwischen 1 940 und 1 945 stetiges Ziel strategischer und taktischer Alliierter Luftangriffe war. Der schwerste dokumentierte Angriff auf die Stadtteile Wilmersdorf, Schöneberg und Friedenau fand am 30.01.1944 statt. Bei diesem Angriff wurden 1.500 Sprengbomben, darunter Luftminen (ca. 1.300-1.500 kg Sprengstoff), sowie zahlreiche Brandbomben abgeworfen. Die Einnahme Berlins wurde von schweren Luft- und Bodenkämpfen begleitet. Ab dem 23.04.1945 wurde die Stadt sukzessive von Norden und Osten durch die Rote Armee eingenommen. Die vollständige Einnahme der Stadt war am 02.05.1945 abgeschlossen."

 

Gutachten Kampfmittelvorerkundung, 2015

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Gutachten Altlastenrisikountersuchung, 2008

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Quelle: Polizei

Laut Polizei müsse für die geplante Bombenentschärfung vor Ort ein Sperrkreis von 500 Metern eingerichtet werden. Es sei noch nicht abzuschätzen, wie viele Anwohner ihre Häuser verlassen müssten. Die A 100 sollte um die Abfahrt am Innsbrucker Platz in beide Richtungen gesperrt werden. Auch auf der vielbefahrenen Hauptstraße wird eine Unterbrechung des Verkehrs vorgesehen.

Schreiben der Senatsverwaltung für Finanzen vom 28.08.2017

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Mündliche Anfrage der BV Elisabeth Wissel vom 19.07.2017

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Antwort von Bezirksstadtrat Jörn Oltmann (DIE GRÜNEN) vom 19.07.2017

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Posteingang vom 06.09.2017
 
"Seit Jahren werben Architekten, wie ich für "städtebauliche Nachverdichtung", aus vielen Gründen, spätestens mit der DD-Wiedervereinigung waren dieSorgen erheblich, Berlin könne sich an den Rändern verhalten, wie ein "ungezogen Kind". Es ist eine Schande, an Ort und Stelle ein Exempel zu statuieren und kann nur der Regulierungswut gewisser Politiker geschuldet sein - mit dem Begriff der "Nachhaltigkeit" hat das nichts mehr zu tun, hier geht es nur noch um Spekulation, das war und sollte für uns kein Handlungsmotiv mehr darstellen!"
 
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