Bauherren, ihre Firmen & die Architekten. Bauschild an der Hauptstraße. Foto H&S Oktober 2018

 

 

Neues vom Bahndamm: 1500 statt 940 Wohnungen

 

Am 24.07.2018 teilte Bezirksstadtrat Jörn Oltmann (DIE GRÜNEN) mit, dass „die bauliche Neuentwicklung auf dem ehemaligen Güterbahnhof Wilmersdorf ein sehr umfangreiches Projekt für den Bauherrn und das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg“ darstellt. Aktuell ist die Verwaltung mit den Bauherrn in der finalen Abstimmung über die Bauanträge. Es ist davon auszugehen, dass die Baumaßnahmen unverzüglich nach Erteilung der Genehmigungen starten werden“.

 

Zur Geschichte gehört, dass ursprünglich 940 Wohnungen und 780 Tiefgaragenstellplätze geplant waren. Die „finale Abstimmung“ mit dem Bezirksamt führt nun dazu, dass den Bauherrn 1500 Wohnungen, 360 Tiefgaragenstellplätze, 1800 Fahrradstellplätze und eine Kita gestattet werden. Gesetzlich ist das gedeckt, aber diese Durchsetzungspolitik des ehemaligen Immobilienhändlers Oltmann unter dem Deckmantel Demokratie hat nichts mehr mit dem grünen Streben nach einer ökologisch nachhaltigen Gesellschaft zu tun.

 

1. Um Bauen günstiger zu machen und ein Mehr an preiswerten Wohnungen zu erreichen, hat das Land Berlin die Baupflicht für Stellplätze abgeschafft.

 

2. Bei der Genehmigung des Wohnbauprojekts werden die in der Nähe liegenden Stationen des öffentlichen Nahverkehrs herangezogen. Bezirksamt und Bauherrn gehen davon aus, dass die zukünftigen Bewohner auf ein Auto verzichten und die Stationen S- und U-Bahnhof Innsbrucker Platz (S41, S42, S46, U4) bzw. S- und U-Bahnhof Bundesallee (U9) sowie die Bushaltestellen von M48, M85, 248 und 187 nutzen.

 

3. Der Bebauungsplan wurde dahingehend verändert, dass nun kleinere Wohnungen zwischen 25 und 80 Quadratmeter entstehen sollen.

 

Abgesehen davon, dass Friedenau mit 28.145 Einwohnern der am dichtesten besiedelte Ortsteil von Berlin ist, kommen künftig 2000 bis 3000 neue Bewohner hinzu. Den Bauherrn muss es nicht mehr interessieren, wenn die 360 Tiefgaragenplätze doch nicht ausreichen sollten, und die Autos dann im ohnehin mit Parkplätzen nicht gesegneten Friedenau herumkurven und einen Stellplatz suchen. Dem Bezirksamt dürfte das eigentlich nicht egal sein!

 

In Erinnerung sei gerufen, dass die BÖAG das Gelände von der DB erworben hat. Da sich die kommunalen Wohnungsbaugesellschaften nicht beteiligen wollten, war die BÖAG gezwungen, die „HELABA Immobiliengruppe“ und ihre „OFB Projektentwicklung GmbH“ ins Boot zu holen. Daraus entstand ein Bauherrn-Joint-Venture mit OFB Projektentwicklung GmbH und BÖAG Projekt AG.

 

Seit Mitte Oktober prangt in der Hauptstraße eine Werbetafel: „Friedenauer Höhe. Im Herzen Berlins, entsteht ein Zukunftsquartier, das die Vorzüge eines schönen, historisch gewachsenen Stadtteils harmonisch mit den Ansprüchen an wegweisend urbanes Leben verbindet.“

 

Den Marketingbegriff „Friedenauer Höhe“ müssen die Friedenauer ertragen. Das fällt unter Privatsache des Eigentümers. Wohl aber sind die Interessenten darüber aufzuklären, dass diese „Höhe“ 7 m über dem Niveau von Friedenau liegt und eigentlich ein Bahndamm ist. Hinter den Häusern gibt es Gleise für S-Bahn, Güter- und Personenverkehr und den sechsspurigen Autobahnring – zweifellos ein „Quartier mit exzellenter Verkehrsanbindung“, aber keinesfalls wie die Werbung behauptet, „ein ruhiges Quartier“.

 

Für den Bau haben die Partner diverse Firmen gegründet: Die FHP Friedenauer Höhe Erste GmbH & Co. KG am 10.07.2018, die FHP Friedenauer Höhe Zweite GmbH & Co. KG am 11.07.2018, die FHP Friedenauer Höhe Dritte GmbH & Co. KG am 04.08.2018, die FHP Friedenauer Höhe Vierte GmbH & Co. KG am 01.08.2018, die FHP Friedenauer Höhe Fünfte GmbH & Co. KG am 01.08.2018 und die FHP Friedenauer Höhe Sechste GmbH & Co. KG am 10.07.2018. Alle zu erreichen über die Firmenadresse Knesebeckstraße 59/61, 10719 Berlin.

 

Unter den Partnern wurde offensichtlich die Baufläche aufgeteilt. WA 1 - WA 2 entsteht nach Entwürfen von „Grüntuch Ernst Planungsgesellschaft GmbH“ und WA 5 – WA 6 nach Entwürfen von „Tchoban Voss Architekten GmbH“. Für die Baufelder WA 3 und WA 4 gibt es keine Angaben. Alles in allem ein entsetzlicher Gebäuderiegel zwischen Haupt- und Handjerystraße, ein Fremdkörper, der mit Friedenau nichts gemein hat. Die Architekten werden es sich gefallen lassen müssen, dass ihre Bauten in absehbarer Zeit wie die „Papageiensiedlung“ an der A 66 bei Frankfurt-Höchst oder der Schöneberger  „Sozialpalast“ zu jenen Orten gehören werden, die „man nicht sehen möchte, die es am besten nicht geben sollte“.

 

 

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