Böses Spiel mit dem Exil

 

Es kann der ansonsten ziemlich informierten Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller nicht entgangen sein, dass ihre Forderung nach einem Exil-Museum und die Idee, dieses im Käthe-Kollwitz-Museum in der Fasanenstraße zu etablieren, auf Protest gestoßen ist. Aber sie, bekannt für ihre (vor-)schnellen Statements, schweigt. Wir empfehlen ihr den Schluss von Goethes "Zauberlehrling":

 

Und sie laufen! Naß und nässer/wirds im Saal und auf den Stufen./Welch entsetzliches Gewässer!/Herr und Meister! hör mich rufen!/– Ach, da kommt der Meister!/Herr, die Not ist groß!/Die ich rief, die Geister/werd ich nun nicht los.

 

„In die Ecke,/Besen, Besen!/Seids gewesen. Denn als Geister/ruft euch nur zu seinem Zwecke,/erst hervor der alte Meister.“

 

 

DER TAGESSPIEGEL veröffentlichte am 9. Mai 2017 einen Beitrag von Arne Kollwitz. Der Enkel von Käthe Kollwitz, geboren 1930, war in Berlin als Chefarzt tätig und lehrte Medizinethik. Wir veröffentlichen den kompletten Text mit Genehmigung des Autors.

 

Es ist eine traurige Tatsache: Ohne das private Käthe-Kollwitz-Museum Hans Pels-Leusdens in der Fasanenstraße würde es bis heute in ihrer Heimat- und Hauptstadt keinen Erinnerungsort an meine Großmutter geben, diese in der Nazizeit verfemte, international anerkannte große Berliner Künstlerin.

 

Und ausgerechnet zu ihrem 150. Geburtstag droht dem Museum die Kündigung durch den Besitzer des Hauses, Bernd Schultz und seine Stiftung. Betroffen wäre dadurch auch der leidenschaftliche, originelle, streitbare Berliner Maler und Galerist Hans Pels-Leusden (1908 - 1993), dessen Herzensangelegenheit die 1986 erfolgte Gründung eines Museums für die von ihm hoch verehrte Künstlerin war. Er übereignete ihm seine große Sammlung an Kollwitz-Werken und stellte ihm sein gesamtes Vermögen zum Erhalt zur Verfügung. Pels-Leusden war übrigens der Mentor und Förderer von Herrn Schultz.

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