Christoph Meckel, 1974. Foto Dietmar Bührer

Christoph Meckel wird 83

 

Das Foto von Christoph Meckel entstand vor 44 Jahren und stammt von Dietmar Bührer. Meckel war 39 und Bührer 26. Beide kamen Anfang der 1970er Jahre nach Berlin. Meckel war mit Gedichten und Zeichnungen aufgefallen, erschienen in kleinen Verlagen mit kleinen Auflagen, bibliophile Bücher, sein Markenzeichen lebenslang. Bührer war Drucker, erst „Schwarzwälder Bote“, dann „Telegraf“ und „Nachtdepesche“.

 

„Immer neugierig auf Künstler“, begann Bührer mit dem Fotografieren. Immer neugierig war damals auch das 1972 gegründete „Tip-Magazin“, für das er 1974/75 „ca. 80 Westberliner Künstler“ fotografierte. Das Entrée bereitete ihm die Schriftstellerin, Dichterin und Malerin Aldona Gustas (* 1932). Sie hatte die Gruppe „Malerpoeten“ initiiert, in der sich Künstler versammelt hatten, die zugleich Malerei und Poesie betrieben, darunter Nicolas Born (1937-1979), Günter Bruno Fuchs (1928-1977), Günter Grass (1927-2015), Kurt Mühlenhaupt (1921-2006), Viktor Otto Stomps (1897-1970) und Christoph Meckel (* 1935).

 

Christoph Meckel hatte inzwischen einige Literaturpreise erhalten. 1967 war im Verlag „Friedenauer Presse“ das Zeitgespräch in zehn Sonetten von Christoph Meckel und Volker von Törne „Die Dummheit liefert uns ans Messer“ erschienen. Es folgte die Erzählung  „Kraut und Gehilfe“ mit 2 ganzseitigen Illustrationen, die im Frühjahr 1970 entstanden war und zum ersten Mal im Oktober 1970 bei der „Friedenauer Presse“ im Verlag Wolff's Bücherei, Andreas Wolff, Berlin-Friedenau, veröffentlicht wurde. 1973 erschien in der Nymphenburger Verlagsanstalt sein erster Roman „Bockshorn“. Die letztendlich tragische Geschichte zweier Halbwüchsiger, die sich mit Betteln, Diebstählen und Tricks durchs Leben schlagen (wollen), wurde zwei Jahre später vom Ostberliner Aufbau Verlag als Lizenzausgabe übernommen. 1984 verfilmte Frank Beyer den Stoff für die DEFA.

 

Meckels „liebste Figuren in Literatur und Kunst sind Komödianten und Gaukelburschen aller Art. Sie sind Kunstfiguren, sie haben etwas an sich, sagt der König im Märchen, und läßt sie laufen. Mir hätte genügt, eine Kunstfigur in der Welt zu sein, aber ich wurde geboren, das sieht mir ähnlich, ich kann daran nichts ändern. Zwanzig Jahre später entdeckte ich, daß es mir möglich war, solche Kunstfiguren zu schreiben und zu zeichnen, durch meine beiden Handwerke lebendig zu machen“.

 

Vor einigen Jahren hatte Dietmar Bührer „die Idee, nach 40 Jahren alle Künstler, die noch leben, nochmals zu fotografieren. Thema Zeitensprünge“. Dazu ist es leider nicht gekommen. Meckels Liebe für kleine Verlage hat jedoch bei ihm Spuren hinterlassen. Inzwischen kümmert er sich mit seiner „edition bührer“ um Fotografie und Literatur – selbstverständlich mit Sitz in der Friedenauer Odenwaldstraße.

 

In allen biografischen Veröffentlichungen findet sich ein Standardsatz: „Christoph Meckel lebt in Freiburg im Breisgau und Berlin.“ Wo auch immer er am 12. Juni 2018 seinen 83. Geburtstag erlebt, geblieben ist von 1974 bis heute die Friedenauer Adresse Brünnhildestraße Nr. 3 – seit 44 Jahren.

 

Alles Gute, Christoph Meckel.

 

 

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