Nachverdichtung Innsbrucker Straße

Stoppt den Irrsinn!

 

Noch ist die Nachverdichtung auf dem Grundstück Innsbrucker Straße Nr. 19 als Bau gar nicht hochgezogen und schon werben  Immobilienhändler im Internt mit der ruhigen Lage, mit der unmittelbaren Nähe zu Stadtpark und U-Bahnhof Schöneberger Rathaus. Käufern wird die Mietpreisentwicklung zwischen 2014 und 2018 von 8,7 % auf 29,4 % schmackhaft gemacht.

 

Da ist der Prenzlauer Berg der Jahre 1895 bis 1910 wieder im Kommen, wo Grundstücke auf voller Breite mit einem fünfgeschossigen Vorderhäusern bebaut wurden, wo sich pro Etage zwei Wohnungen befanden, von der eine einen länglichen Raum hatte, das „Berliner Zimmer“, das in den Seitenflügel hineinragte und von einem Fenster Licht bekam, wo man sich mit dem Nachbargrundstück einen Hinterhof teilte, wo es diverse Hinterhäuser gab – damals für die ärmere Bevölkerung, heute als sozialer Wohnungsbau deklariert. Wir sind mit der Nachverdichtung wieder bei den „Mietskasernen“ angekommen.

 

Nachverdichtung Am Mühlenberg

 

Die Wähler wollten es so. Schöneberg hat am 18. September 2016 mit 20,1 % GRÜN gewählt und muss nun auch mit der von den GRÜNEN favorisierten „Nachverdichtung“ leben. Ob Güterbahnhof Wilmersdorf, Wielandstraße oder Am Mühlenberg, der frühere Immobilienhändler und jetzige Bezirksbaustadtrat Jörn Oltmann zieht die Nachverdichtung durch. Gegenüber der Abendschau erklärte er: „Für die Anwohner ist das mit Sicherheit eine kleine Zumutung.“ Die Argumente gegen diese Bebauung sind ihm „wurscht“. Eine kleine Zumutung? DIE GRÜNEN vernichten GRÜN!

 

Auf der Bürgerveranstaltung am 5. Dezember 2017 ging es nicht um das „ob“, sondern nur um das „wie“. Für Oltmann war „das Ziel dieser Veranstaltung eindeutig definiert: In der Siedlung ‚Am Mühlenberg‘ soll mit einer behutsamen Nachverdichtung neuer Wohnraum geschaffen werden“. Die Medien waren vorher schon „auf Linie“ gebracht worden. So kann der eigentlich zur journalistischen Neutralität verpflichtete Moderator Sascha Hingst in der Abendschau vom 6. Dezember kommentarlos erklären, dass „diese Stadt Wohnungen braucht, jedes Jahr 15.000 bis 20.000, wenn Berlin weiter so schnell wächst“. Die Landesrundfunkanstalt rbb auf Landeskurs.

 

Fakt ist doch aber, dass das verfügbare Bauland für Wohnraum innerhalb der Berliner Stadtgrenzen begrenzt ist. Deshalb haben sich Berlin und Brandenburg nun darauf geeinigt, die Siedlungsachsen rund um Berlin zu erweitern und damit die Fläche für den Wohnungsbau zu verdoppeln. Dieser Landesentwicklungsplan soll Mitte 2019 in Kraft gesetzt werden. Spät, aber dennoch der einzig richtige Ansatz. Nicht jeder, der nach Berlin kommen will, kann in Berlin wohnen.

 

Oltmann hat die neue Marschrichtung noch gar nicht mitbekommen. Für ihn „orientiert sich das geplante Gesamtkonzept für die Siedlung Am Mühlenberg am aufgelockerten städtebaulichen Leitbild der 1960er Jahre. Mit der Nachverdichtung wird diese Idee weiterentwickelt, ohne es durch die Neubauten zu überformen. Wer also gekommen war, um sich gegen diese neuerliche „Mietskasernenbebauung“ auszusprechen, wurde herb enttäuscht. Das war schon vorher klar, denn Bezirksstadtbaurat Jörn Oltmann hatte bereits in der Pressemitteilung des Bezirksamts vom 30. November 2017 klare Kante gezeigt: „Vorstellung und Erörterung der drei Varianten inkl. Abgabe eines Votums. Welcher Entwurf dann umgesetzt werden soll, darüber können die Anwohnenden am 5. Dezember mitentscheiden.“ – Eine Nachverdichtung entweder mit vier Neubauten von acht Geschossen oder ein Neubau und zwei Hochhäuser.

 

Bürgerveranstaltungen des Bezirksamts Tempelhof-Schöneberg unter grüner Herrschaft sind eine Farce. Dazu passt, dass der von der Mühlenberg-Initiative formulierte Antrag auf Ablehnung des Bebauungsplans „nicht erlaubt“ wurde.

 

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Am 14. Dezember 2017 gab die Abt. Stadtentwicklung und Bauen des Bezirksamts Tempelhof-Schöneberg dem Stadtentwicklungsauschuss einen Bericht ab. Wir veröffentlichen den Originalbericht der Verwaltung zu den Themen „3. Bürgerveranstaltung Am Mühlenberg“ und „Wielandstraße 17“. Der Bericht lag bis zum 17.12.2017 digital nicht vor. Er wurde nur analog im Stadtentwicklungsauschuss verteilt und uns zur Verfügung gestellt. Wir veröffentlichen den Bericht im Original.

 

1. Bericht der Verwaltung zur 3. Bürgerveranstaltung „Am Mühlenberg“

Die Siedlung „Am Mühlenberg“ bietet die Chance auf Grundstücken der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gewobag und des Bezirks mit einer behutsamen Nachverdichtung bezahlbaren neuen Wohnraum zu schaffen. Bereits im Juli 2013 führte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt das Workshopverfahren „Urban Living“ durch. Im Rahmen dieser Ideenkonkurrenz wurden erste Entwicklungskonzepte erarbeitet Im Sommer 2015 wurde in Fortführung des Workshopverfahrens ein Gutachterverfahren durchgeführt, vor dessen Hintergrund bereits zwei Bürgerveranstaltungen stattfanden. Die dritte und das informelle Verfahren abschließende Bürgerveranstaltung fand am 5. Dezember 2017 im Rathaus Schöneberg statt.

 

Eingeladen waren alle Anwohner_jnnen, um über eine von drei städtebaulichen Varianten zu entscheiden, wie diese Nachverdichtung umgesetzt werden soll. Die Varianten unterschieden sich in der Anzahl und Höhe der Gebäude, sowie in ihrer Platzierung. Von den Teilnehmer_jnnen der Veranstaltung wird eine Bebauung mit zwei 12-geschossigen und einem 8-geschossigen Gebäude favorisiert. Mit 56,9 % fiel das Votum, eindeutig aus. Damit wurde der Variante der Vorzug gegeben, die am stärksten auf die Höhe der Gebäude und am meisten auf den Erhalt von Frei- und Grünflächen gesetzt hat In dieser Variante ist auch die Verlagerung der vorhandenen sozialen Einrichtung in ein neuzubauendes Gebäude enthalten.

 

In der Veranstaltung wurde unter anderem sehr intensiv nach Verkehrslösungen insbesondere für den ruhenden Verkehr gefragt, der durch die zusätzliche Bebauung verschärft wird. Es wird zu einer Verknappung der Stellplätze kommen, diesem soll jedoch durch die Erarbeitung eines Mobilitätskonzeptes begegnet werden. Die gewählte Siegervariante bildet nun die Grundlage für das einzuleitende Bebauungsplanverfahren in dessen Rahmen gemäß Baugesetzbuch weitere Bürgerbeteiligungen vorgesehen sind.

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2. Bericht der Verwaltung zur Erläuterung des Bauvorhabens Wielandstraße Nr. 17

Am 4. Dezember 2017 fand die zweite Bürgerveranstaltung für die Anwohner_jnnen des Neubauvorhabens Wielandstr. 17 statt. Der viergeschossige Neubau mit Staffelgeschoss wurde Anfang des Jahres als Gartenhaus genehmigt. Es ging in der gut besuchten Veranstaltung vor allem darum, die Bedenken der Anwohner_jnnen gegen den genehmigten Neubau auszuräumen und offene Fragen zu beantworten. Zahlreiche Besucher_jnnen gaben ihren Befürchtungen Ausdruck, dass zwei Bäume auf dem Nachbargrundstücken durch die Bauarbeiten Schaden nehmen könnten. Diesen Bedenken konnte mit der Erläuterung der umfangreicher, Auflagen des Umwelt- und Naturschutzamtes und der Zusage, dass ein Außendienstmitarbeiter regelmäßig Kontrollen durchführen wird, begegnet werden.

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Veröffentlichung des Büros der Bezirksverordnetenversammlung von Tempelhof-Schöneberg über anwesende, nicht anwesende sowie stellvertredend oder aus anderen Gremien anwesende Mitglieder der Bezirksverordentenversammlung. Wir veröffentlchen diese Liste. Da weiß der Wähler wenigstens, woran er ist.

 

Anwesenheit - 11. öffentliche Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung 

Do, 14.12.2017 Status: öffentlich, 17:00 - 19:40, ordentliche Sitzung, Sitzungsraum 195, Rathaus Schöneberg

 

Anwesend:

Reinhard Janke SPD, Sebastian Baetke AfD, Nihan Dönertas SPD, Karsten Franck AfD, Patrick Liesener CDU, Dagmar Lipper FDP, Rainer Penk GRÜNE, Lars Rauchfuß SPD, Peter Rimmler CDU, Dr. Christine Scherzinger DIE LINKE, Bertram von Boxberg GRÜNE, Axel Seltz Ausschussvorsitz SPD, Wanda Preußker Schriftführung CDU, Ralf Kühne stellv. Ausschussvorsitz GRÜNE, Jörn Oltmann Bezirksstadtrat.

 

Nicht anwesend:

Alexander Gühloff CDU, Heinz Jirout GRÜNE, Elisabeth Voss  DIE LINKE, Christoph Götz SPD, Elisabeth Kiderlen GRÜNE, Ralf Olschewski CDU, Orkan Özdemir SPD.

 

Stellvertretend oder aus anderen Gremien anwesend:

Matthias Bauer Vertretung für Frau Elisabeth Voss DIE LINKE, Ingrid Kühnemann Vertretung für Herrn Orkan Özdemir SPD, Kevin Kühnert Vertretung für Herrn Christoph Götz SPD, Katharina Senge Vertretung für Herrn Alexander Gühloff CDU, Christian Wülfken Vertretung für Herrn Heinz Jirout GRÜNE.

 

Die Mühlenberg-Initiative wehrt sich

 

Mit Schreiben vom 4. Mai 2018 an das Bezirksamtskollegium von Tempelhof-Schöneberg: bezieht die Mühlenberg-Initiative eindeutige Position zur beabsichtigten Nachverdichtung am Mühlenberg. Da die fundiert begründeten Ausführungen auch eine grundsätzliche Bedeutung für Friedenau haben, veröffentlichen wir dieses Papier in vollem Umfang.

 

Sehr geehrte Damen und Herren, grundsätzlich sind auch wir für eine Stadtentwicklung durch Nachverdichtung. Die Zersiedelung von Außenbereichsflächen kann so zumindest begrenzt werden. Dafür müssen jedoch die städtebaulichen Bedingungen gegeben sein. Die liegen für Schöneberg und Friedenau nicht vor, weil diese Ortsteile innerhalb der „inneren Stadt“ liegen (vgl. vorbereitenden Bauleitplanung Berlins, FNP 2015). Objektiv betrachtet, entfallen somit für Schöneberg und Friedenau sämtliche Formen von Nachverdichtung.

 

Es ist nicht akzeptabel, wenn in der „inneren Stadt“ die Wohnverhältnisse schon seit Jahrzehnten hinsichtlich der Bebauungsdichte durch Missachtung der kontinuierlich größer werdenden Infrastrukturdefizite insbesondere bei öffentlichen Grünflächen (1) und unter missbräuchlicher Inanspruchnahme des geltenden Planungsrechtes (2) kontinuierlich verschlechtert werden. Diese Tatsache kann nicht durch eine unqualifizierte Mehrheitsentscheidung (3) annulliert werden, die auch noch die Grundlage für einen Bezirksamtsbeschlusses zur Einleitung eines Bebauungsplanverfahrens bilden soll.

 

Die vorgesehenen Überplanung des geltenden Bebauungsplanes für den Mühlenberg (XI-61 vom 26.04.1962) mit dem Ziel einer baulichen Nachverdichtung um mindestens 50% durch die Errichtung von einem 8geschossigen und zwei 12geschossigen Hochhäusern bei gleichzeitiger Steigerung des bestehenden Defizits an wohnungs- wie siedlungsnahen öffentlichen Grünflächen (4) kann daher von uns nicht widerspruchslos hingenommen werden. Das gilt umso mehr, als die planungs- und bauordnungsrechtlichen Bedingungen für dieses Vorhaben erst Jahrzehnte nach der Festsetzung des geltenden Bebauungsplanes und ohne die gebotene Abwägung hinsichtlich ihrer spezifischen Auswirkungen hergestellt wurden.

 

Wir erwarten daher Ihr Engagement in umgekehrter Richtung. D.h., dass überall in den Ortsteilen Schöneberg und Friedenau jede Form einer weiteren Nachverdichtung durch Wohnungsbau grundsätzlich unterbunden wird und stattdessen ausschließlich die zusätzlich erforderlichen, öffentlichen Grünflächen geschaffen werden oder zumindest, dass dafür gesorgt wird, dass die diesbezüglich bestehenden Defizite nicht noch weiter vergrößert werden.

 

Wenn schon eine Mehrheit der Bezirksverordneten sich hier weigert, ihrer stadtentwicklungspolitischen Verantwortung gerecht zu werden, sollten umso mehr Sie als oberste Verantwortungsträger*innen des Bezirks Tempelhof-Schöneberg von Berlin diese Aufgabe übernehmen und dafür sorgen, dass das betreffende Planverfahren unverzüglich eingestellt bzw. gar nicht erst eingeleitet wird.

 

Mit freundlichen Grüßen

Koordinierungsrat der Mühlenberg-Initiative

Jörg Simon

 

1 vgl. Richtwerte des Landschafts- und Artenschutzprogramms (LaPro) bei SenUmVerKlima

2 Beschluss des Bezirksamtes Temp-Schbg vom 30.07.2013: „Leitlinien für die planungsrechtliche Beurteilung bei ergänzenden Bauvorhaben in hochverdichteten Gebieten“

3 Abstimmungsergebnis der 3.“Bürgerversammlung“ vom 05.12.23017

4 Schon das LaPro 1994 registrierte für den Schöneberger Norden (nördlich des S-Bahnringes) ein Defizit an öffentlichen wohnungs- und siedlungsnahen Grünflächen von insgesamt 121 ha und für den Schöneberger Süden von insgesamt 88 ha, in der Summe also von 209 ha (das entspricht ca. 284 Fußballfeldern).

5 Flächennutzungsplan (FNP) 1984 (GFZ=über 1,5) und Bauordnung für Berlin (BauOBln) 2005 (Reduktion der Abstands-und Freiflächengrößen um 60%). 

 

Nachverdichtung Wielandstraße

 

Die GRÜNEN erleichtern uns die Wahl. Wenn sie eine Grünfläche als „eine überwiegend versiegelte Fläche“ betrachten und daher nun das Blockinnere zwischen den Grundstücken Wielandstraße Nr 17 und Fregestraße Nr. 72 verdichten und mit neun Eigentumswohnungen und einer Tiefgarage bebauen, dann steht die Wahlentscheidung schon vor dem 24. September fest.

 

Die „Berliner Woche“ hatte in ihrer Ausgabe vom 30. August 2017 über das „Projekt“ berichtet. Darin zeigen sich die Anwohner entsetzt. Denn die laut grünem Stadtentwicklungsstadtrat Jörn Oltmann „überwiegend versiegelte Fläche“ stellt sich als begrünter Innenhof heraus. „Der grüne Mann hat nur gesehen, was er sehen wollte, damit er den Bauantrag durchdrücken kann“, so ein Anwohner. Auch auf eine mehr als 200 Jahre alte Buche – älter als Friedenau! – will Oltmann keine Rücksicht nehmen. Er unterstellt laut „Berliner Woche“ den Anwohnern vielmehr, um den Verlust ihrer Stellplätze zu fürchten.

 

Wenn unsere Informationen zutreffen, dann wurde der Bauantrag einer ausländischen Investorengruppe vor mehr als sieben Jahren eingereicht und am 26.4.2010 vom Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg mit einem Vorbescheid bedacht. Wenn der Bauantrag erst jetzt bewilligt wurde, kann man sich vorstellen, dass Stadtplanung, Bauaufsicht und Denkmalschutz im Rathaus Schöneberg wohl in den vergangenen Jahren erhebliche Bedenken gegen die Bebauung hatten.

 

Es ist nun allerdings nicht das erste Mal, dass Oltmann, der selbst aus der Immobilienbranche kommt, genau dieser den Vorzug vor dem Erhalt Friedenauer Grünflächen gibt. Erinnert sei an das Mammutprojekt auf dem Bahndamm des ehemaligen Güterbahnhofs Wilmersdorf. Dort wird eine entwicklungsfähige und als Luftschneise dringend benötigte Freifläche zugebaut, ausdrücklich gefördert vom grünen Stadtrat.

 

„Politisch geht es mir darum, eine möglichst kompakte Bauweise auf möglichst versiegelten Flächen zu ermöglichen“, so der Dezernent in der „Berliner Woche“. „Grün- und Freiflächen sollen möglichst erhalten bleiben. Wohnungsneubau soll mit Augenmaß geschehen und trotzdem werden wir immer häufiger den Konflikt haben, dass Stellplätze wegfallen um Wohnungsbau zu ermöglichen. Dazu stehe ich in einem gewissen Rahmen. Ich mag keine Extreme. Doch im Fall der Wielandstraße halte ich eine Bebauung für angemessen.“

 

Die „politischen“ Ziele des grünen Stadtrats können die Bewohner der Wielandstraße 17 und mit ihnen viele Friedenauer angesichts der tatsächlichen Entscheidungen nur noch als Zynismus verstehen. Wenn die Immobilienbranche sich einen derart starken Einfluss im Stadtentwicklungsressort von Tempelhof-Schöneberg gesichert zu haben scheint, dann sollten bei den Bürgern alle Alarmglocken schrillen. Denn die Folgen davon betreffen die Wohnqualität aller Einwohner des Bezirks.

 

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Das Tor zur Stierstraße. Foto H&S, 2017

Nachverdichtung: Das Tor zur Stierstraße

 

Berlin ist dabei, sein Gesicht zu verlieren. Grundlegendes wird verändert. Stadtbildprägendes wird kaputt gemacht. Identitätsstiftendes wird zerstört. Denkmalschützer geben auf. Stadtplaner setzen auf Verdichtung und Maximierung der Kubatur.

 

Die beiden viergeschossigen Wohnhäuser an der Ecke Haupt- und Stierstraße bilden seit über einhundert Jahren das „Tor zur Stierstraße“. Sie stehen unter Denkmalschutz.

 

 

 

 

In der Berliner Denkmaldatenbank heißt es: „Das Haus Hauptstraße Nr. 77/Stierstraße Nr. 22 wurde 1902 nach Plänen von Franz Fedler mit zwei Aufgängen errichtet. Die Straßenfassade ist asymmetrisch konzipiert. Die stumpfwinklige Ecke an der Einmündung der Stierstraße wird durch einen Erker betont, der über einem niedrigen Turmgeschoss mit einer Welschen Haube bekrönt ist. An der Hauptstraße erhebt sich ausmittig ein breiter Erker mit hohem Quergiebel, links davon sind Loggien angeordnet, zwischen dem Erker und dem Eck-Erker kragen Balkons aus, die von Kolossalpilastern flankiert werden. Die kürzere Straßenfront an der Stierstraße wird nur durch einen schmalen Erker gegliedert, dem seitlich Loggien zugeordnet sind.“

 

Das gegenüberliegende Wohnhaus Hauptstraße Nr. 76/Stierstraße Nr. 1 „wurde 1907/08 nach Plänen von Paul Meyer auf einem spitzwinkligen Eckgrundstück erbaut. Das Haus wird durch je zwei Aufgänge an den beiden Straßenseiten erschlossen. Der Kopfbau ist zweiachsig. Die beiden weitgehend identischen Straßenfronten werden jeweils durch drei in sich asymmetrische Risalite mit Quergiebeln gegliedert. Den Risaliten sind Erker, offene Loggien und Balkons zugeordnet. Die Hauseingänge werden durch Portale mit Pilastern und Putten betont“.

 

Das Stadtentwicklungsamt Tempelhof-Schöneberg besteht aus den Bereichen Stadtplanung, Bauaufsicht und Denkmalschutz, der die Aufgabe hat, Denkmale, also auch Wohn- und Geschäftshäuser, zu schützen, zu erhalten, zu pflegen. Das ist die Crux. Der Baustadtrat will bauen, muss bauen, weil davon auch sein politisches Schicksal abhängt – der ihm unterstellte Denkmalschutz will, muss und sollte bewahren. Der Konflikt innerhalb der Behörde ist vorprogrammiert.

 

Der Eingriff in den denkmalgeschützten Häuserbestand Friedenaus geschieht in einer Zeit, in der sich die Erkenntnis durchzusetzen beginnt, dass die rücksichtslose „Verdichtung“ Berlins, die mit dem Verlust zahlreicher Grünflächen und gewachsener Wohnstrukturen einhergeht, kein zukunftsfähiges Konzept für die Schaffung neuen Wohnraums sein kann. Es scheint, dass diese Einsicht im Stadtentwicklungsamt Tempelhof-Schöneberg noch nicht gereift ist.

 

Hier wird auf die nagelneue „Berliner Bauordnung“ von 2017 und die darin formulierten Erleichterungen für die Immobilienbranche gesetzt: „Wird bei bestehenden Gebäuden ein oberstes Geschoss zu Wohnzwecken nachträglich errichtet oder ausgebaut, muss kein Aufzug hergestellt werden. Diese Regelungen berücksichtigen den derzeitig angespannten Wohnungsmarkt, der die kostengünstige Erschließung von Wohnraumreserven im Gebäudebestand erfordert.“ Da fällt schon mal ein enormer Kostenfaktor weg.

 

Wer die gewaltigen Gerüstbauten am Haus Hauptstraße Nr. 77/Stierstraße Nr. 22 betrachtet, wird ahnen, dass der Ausbau des Dachgeschosses das „Tor zur Stierstraße“ nachhaltig verändern wird. So gut wie sicher ist, dass die bisher in der Dachschräge liegenden relativ unauffälligen Dachfenster verschwinden und durch Dachgauben ersetzt werden. Welche Modelle da auch eingesetzt werden, es spielt keine Rolle, weil die Dachlandschaft gravierend verändert wird. Das Zusammenspiel des denkmalgeschützten Ensembles zwischen Hauptstraße Nr. 77/Stierstraße Nr. 22 und Hauptstraße Nr. 76/Stierstraße Nr. 1 funktioniert nicht mehr. Das „Tor zur Stierstraße“ steht vor dem Aus.

 

Dieser Ausbau führt zur Konfrontation: Wirtschaftliche Interessen mit dem Streben nach Maximierung der erzielbaren Kubatur gegen ästhetische Forderungen des Denkmal- und Ensembleschutzes. Schlimmer wird es allerdings um die Zukunft der Gesellschaft bestellt sein. Die Miete für diese Wohnungen, „Wohnfläche von 90 m² und mehr, bezugsfertig bis 1918, Wohnlage gut, Lärmbelastung hoch“, dürfte derzeit „bei einer Nettokaltmiete zwischen 4,10 € und 8,66 € “ liegen. Mit den teuren Luxuswohnungen im Dach geht der Zuzug zahlungskräftiger Zielgruppen einher, der mittelfristig zu einer Verdrängung der bisherigen Bewohner führen wird. Das kann nicht gewollt sein!

 

Aktuelle Immobilienangebote für Friedenau, 2018

Ausverkauf von Friedenau

 

Der Grundstückseigentümer ist nicht verpflichtet, die Mieter über seine Pläne zu informieren. Verkauft er zum Beispiel ein Dachgeschoss, dann ist das lediglich eine Angelegenheit fürs Grundbuch. Für die folgenden Baumaßnahmen ist nicht mehr der Grundstückseigentümer des Gesamtanwesens, sondern ausschließlich der Eigentümer des Dachgeschosses  zuständig. Bei Problemen ist für die Mieter nicht mehr er Ansprechpartner, sondern der Eigentümer des Dachgeschosses. Das ist Gesetz und damit werden Mieter in unwürdige Auseinandersetzungen gezwungen. Zu fragen ist daher, ob das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg nicht die Pflicht hat, die Bürger über derartige Baumaßnahmen zu informieren. Schließlich liegen der Abteilung Stadtentwicklung und Bauen die Pläne für eine Baugenehmigung lange vor.

 

Es geht um die Häuser Hauptstraße Nr. 77 und Nr. 78/79. Beide stehen unter Denkmalschutz, beide stehen wohl kurz vor massiven Umbauten, die bisher nicht öffentlich gemacht wurden.

 

 

 

Der gewaltige Gerüstbau auf dem Dach Hauptstraße Nr. 77 lässt vermuten, dass die bereits vorhandenen, noch „erträglichen“ Dachgeschosswohnungen, durch „luxuriöse Traumwohnungen“ ersetzt werden sollen. Vorerst kann nur spekuliert werden, dass das städtebauliche Erscheinungsbild am „Tor zur Stierstraße“ gravierende Veränderungen der Dachlandschaft zur Folge haben wird. Doch damit nicht genug.

 

Gleich nebenan hat nach einer Mitteilung des „Wirtschaftsmagazins Deal“ vom 19.09.2017 „Barings Real Estate Advisers im Rahmen eines bestehenden Separate-Account-Mandats“ das Büro- und Geschäftshaus Hauptstraße Nr. 78/79 erworben. „Verkäufer sind die SILVER CLOUD Invest GmbH & Co. KG aus Köln und die Klingsöhr Unternehmensgruppe Berlin.“ Mitgeteilt wird, dass die „Immobilie aktuell ca. 4.000 qm umfasst, die „durch Ausbauten auf ca. 5.100 qm erweitert werden“ können. „Der große Kinosaal (ehemaliger Roxy-Palast und später Discothek „La Belle“) ist heute an einen Bio-Supermarkt vermietet. Alle weiteren Flächen sind bereits leergezogen oder werden im Laufe des Jahres frei, sodass Barings mit der Sanierung und Repositionierung des Objektes beginnen kann. Barings plant die Einzelhandels- und Büroflächen vollständig zu sanieren und neu zu vermieten.“

 

Ein Blick in die Plansammlung des Architekturmuseums der TU Berlin macht deutlich, dass der 1928/29 entstandene Stahlskelettbau von Martin Punitzer, seinerzeit eine Kombination von Kino und Kaufhaus, so flexibel errichtet wurde, dass jederzeit wechselnde Nutzungen möglich sind. Auch der Laie wird bei genauerer Betrachtung feststellen, dass die bereits damals angelegte vielschichtige Dachgeschosslandschaft mit ihren Terrassen ganz nebenbei gewinnbringend in lukrative Maisonettewohnung, Loft oder Penthouse umgewandelt werden „könnte“.

 

Doch damit könnte es noch immer nicht genug sein. Genau hinter diesen Grundstücken befindet sich im Blockinneren zwischen Haupt- und Lauterstraße eine Grünfläche mit Stellplätzen, die als „überwiegend versiegelte Fläche“ angesehen werden könnte. Das gibt dem Baustadtrat Jörn Oltmann (GRÜNE) die Möglichkeit, „eine möglichst kompakte Bauweise auf möglichst versiegelten Flächen zu ermöglichen“. In der Wielandstraße und Innsbrucker Straße hielt er „eine Bebauung für angemessen“.

 

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