Die Rossebändiger vor dem Berliner Stadtschloss. Blick auf Zeughaus und Unter den Linden.

Rossebändiger

 

Aus „gutunterrichteten Kreisen“ hören wir, dass Bezirksamt und BVV von Tempelhof-Schöneberg durchaus bereit sein könnten, die Rossebändiger im Kleist-Park „herauszugeben“. Es versteht sich von selbst, dass mit diesem Verzicht eine grundsätzliche Neugestaltung der Anlage vor dem Kammergericht notwendig würde, und es versteht sich auch von selbst, dass diese Kosten nicht dem Bezirk überlassen werden können.

Da das rot-grüne Tempelhof-Schöneberg generell mit der künstlerisch-ästhetischen Gestaltung seiner Park- und Grünanlagen intellektuell überfordert ist, sollten die Hausherren des Humboldtforums neben der Kostenübernahme auch ein verbindliches und zukunftsträchtiges Gestaltungskonzept für den Kleist-Park liefern. Es kann auf Dauer nicht hingenommen werden, dass die Mitte ständig verschönert und die Ränder permanent vernachlässigt werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Rossebändiger sind zwei Denkmäler, die sich von 1846 bis 1950 auf der Lustgartenterrasse des Berliner Schlosses befanden, wo sie mit den Pferdefiguren am Alten Museum korrespondierten. Bei der Sprengung des Schlosses wurden sie 1950 in den Kleistpark versetzt. Die rund vier Meter hohen Bronzefiguren sind ein Werk des russischen Bildhauers Peter Clodt von Jürgensburg und waren ein Geschenk des Zaren Nikolaus I. für Friedrich Wilhelm IV. Dieser ließ sie vor dem Portal IV des Stadtschlosses aufstellen, Im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau des Berliner Schlosses als Humboldtforum sprechen sich laut Umfrage von Infratest dimap 44 Prozent der Deutschen und 51 Prozent der Berliner für die Rückführung aus.

 

Ewald Mahr aus der Dickhardtstraße 41 in 12161 Berlin „war 1948 (zwei Jahre vor Ulbrichts barbarischer Sprengung der Schloss-Ruine) als Schüler noch im 'Weissen Saal' des Schlosses gewesen, als dort in einer Ausstellung der 100-jährigen Wiederkehr der Revolution von 1848 gedacht wurde! Ich hoffe noch zwei Jahre zu leben, um bei der Eröffnung des Schlosses als 'Humboldt-Forum' dabei sein zu können. Aus Anlass der Wiedererrichtung der beiden Portale 4 und 5 am 23. Juni 2017 hat er seine Gedanken übermittelt. Wir zitieren daraus:

 

„Die SPD-Fraktion des Bezirks Tempelhof-Schöneberg hat gemeinsam mit der Fraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN verlangt, dass die Skulpturen im Schöneberger Kleistpark bleiben sollen! Drucksache Nr. 1639/XIX der BVV Tempelhof-Schöneberg (Antrag der SPD-Fraktion „Keine Umsetzung der ‚Rossebändiger‘ zur Ausschuss-Sitzung vom 27. Juni 2016).

 

Meine Stellungnahme als Berliner Bürger: Bei den beiden „Rossebändiger“-Skulpturen handelt es sich nicht um „irgendeinen Abguss“, sondern es sind die beiden Bronzegüsse von 1842, die ursprünglich für die St. Petersburger Anitschkov-Brücke geschaffen wurden. 2007 wurden beide Skulpturen restauriert und vorübergehend in den „Gropius-Bau“ als Mittelpunkt der Ausstellung über die „Macht und die Freundschaft“ zwischen Russland und Preußen gezeigt. St. Petersburg erhielt für seine Anitschkov-Brücke einen Nachguss.

 

Noch einmal: Berlin besaß für das „Königliche Schloss“ die Erstabgüsse, d. h. die beiden „Originale“, wo sie nach dem abgeschlossenen Wiederaufbau des Schlosses als „Humboldtforum“ auch wieder hingehören. Wer ist der „Eigentümer“ der Skulpturen? Nicht der Bezirk Schöneberg-Tempelhof! Sondern ganz Berlin, die Bundesrepublik Deutschland! Keine Sorge: „Preußen“ wurde durch Kontrollratsbeschluss abgeschafft! Also: Es ist eine Änderung oder Aufhebung des rot/grünen Beschlusses der BVV Tempelhof-Schöneberg vom Senat, dem Bundestag oder von wem auch immer herbeizuführen! Notfalls könnte ein Abguss bzw. ein „Neuguss“ der zwei Skulpturen für den Kleistpark aus Bezirksmitteln (!?) vorgesehen werden!“

 

 

Rossebändiger vors Schloss

 

Es wäre gut gewesen, wenn SPD-Abgeordnete der BVV Tempelhof-Schöneberg am 24. Juni die offene Baustelle des Humboldt-Forums besucht hätten. Denn dort hätten sie erleben und sehen können, mit welcher stilistischen Zurückhaltung der Wiederaufbau des Berliner Schlosses betrieben wird. Die Fehleinschätzung des baupolitischen Sprechers der SPD-Fraktion, Christoph Götz, entspringt offenbar einer völligen Unkenntnis der Situation in Berlins Mitte. Götz hatte getönt: „Die Gesellschaft Berliner Schloss will auf Kosten unseres Bezirks ihr preußisches Disneyland rund um das Humboldtforum komplettieren. Das kann nicht angehen. Wenn die Gesellschaft Dekoration für das Schloss benötigt, sollte sie sich um zeitgemäße Künstler bemühen statt im Heinrich-von-Kleist-Park zu plündern und Geschichte zu klittern“.

Um was geht es? Mit der Mehrheit der rot-grünen Zählgemeinschaft hat die BVV beschlossen, die im Kleist-Park zwischengelagerten „Rossebändiger“ nicht herauszurücken, da diese seit 1950 Teil der Schöneberger Geschichte geworden sind. Gut, wenn es so wäre, aber warum nur haben dann SPD und Grüne den Kleist-Park so verwahrlosen lassen? Ein „sicherer, sauberer und attraktiver Ort für Geschichte, Kultur und Freizeit“ ist die Anlage nicht, und bekannt ist bisher auch nicht, ob die Volksvertreter eine Sanierung vorhaben. Es klingt daher sehr verlogen, wenn die Fraktion verlauten lässt, dass „der jetzige Standort der Skulpturen Teil der wechselvollen und teils schmerzhaften Berliner Geschichte ist, die ablesbar bleiben muss“.

Die Berliner sehen das anders. Deutlicher als durch ihren Baustellenbesuch an diesem Wochenende konnten sie es nicht ausdrücken. Die SPD wäre gut beraten, ihren damaligen Beschluss zurückzuziehen, auch, um sich eine weitere Schlappe zu ersparen. Im Übrigen können wir uns kaum vorstellen, dass Tempelhof-Schöneberg in der Eigentumsfrage überhaupt ein Wörtchen mitzureden hat.

Denkmäler im Umfeld des Berliner Schlosses

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