1874 Amts- und Gemeindeverwaltung Friedenau

 

Mit dem Erlass von Kaiser Wilhelm I. wird am 9. November 1874 die Abtrennung der Kolonie Friedenau vom Kommunalverband des Gutsbezirks Deutsch-Wilmersdorf und ihre Erhebung zu einer Landgemeinde unter dem Namen Friedenau genehmigt. Am 7. Dezember 1874 ernennt der Kreis Teltow den bisherigen Bürgermeister von Zossen Johann Adolph Albert Friedrich Feurig (1830-1890) zum Leiter des Amtsbezirks Schöneberg, Wilmersdorf und Friedenau. Er  residiert im ersten Schöneberger Rathaus an der Bahnstraße (ab 1893 Kaiser-Wilhelm-Platz). Unter seinem Vorsitz findet am 11. Januar 1875 die erste Wahl der Gemeindeverordneten von Friedenau statt. Der Geh. Exped. Sekretär Georg Roenneberg (1834-1895) mit Wohnanschrift Moselstraße Nr. 4-5 wird zum ersten Gemeindevorstand gewählt.

 

Noch vor seinem Eintritt in den Ruhestand wird die parallel zum Berliner Platz zwischen Lauterstraße und Handjerystraße verlaufende Querstraße I zum 5. September 1885 zu Ehren von Johann Adolph Albert Friedrich Feurig in Feurigstraße umbenannt. Im nach 1894 errichteten Mehrfamilienhaus von Eigentümer Maurermeister Binternagel Feurigstraße Nr. 8 an der Ecke Handjerystraße Nr. 91-92 ist ab 1896 in der 1. Etage das Büro der Amts- und Gemeindeverwaltung von Friedenau untergebracht. In den anderen Stockwerken befinden sich die Wohnungen von Gärtner, Schlächtermeister, Rentiere, Kaufmann und einem Eisenbahnbeamten. Im Zusammenhang mit diesem Umzug steht die Ernennung von Amtsvorsteher Major a. D. Albert Roenneberg (1842-1906) als Nachfolger seines Bruders Georg Roenneberg. Im Laufe der nächsten zwei Jahrzehnte hat die Gemeinde Friedenau als Mieter das komplette Haus für die Verwaltung übernommen - zusätzlich noch Räume im Haus Handjerystraße Nr. 91-92. Nach dem Amtsantritt des ersten hauptamtlichen Bürgermeisters Bernhard Schnackenburg (1867-1924) im Jahr 1904 sowie Gemeindebaurat Hans Altmann (1871-1965) wird das Hochbau- und Baupolizeiamt in der Lauterstraße Nr. 10 untergebracht.

 

Am 9. Februar 1895 hat die Stadt Schöneberg ihre bisherige „Straße 61" (Hinter den Dorfgärten) in Feurigstraße umbenannt. Mit der Bildung von Groß-Berlin im Jahr 1920 gibt es im neuen 11. Verwaltungsbezirk Schöneberg „zwei Feurigstraßen". Am 9. September 1931 wird die Friedenauer Feurigstraße in Schnackenburgstraße umbenannt.- als Erinnerung an den herausragenden Verwaltungsfachmann und Bürgermeister Bernhard Schnackenburg, der 1909 Friedenau verließ und zum Oberbürgermeister von Altona gewählt wurde.

 

Büro der Gemeindeverwaltung Friedenau, Feurigstraße Nr. 8, 1914

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Kartographie Bogen. Archiv Barasch

Der Gemeinde war bewusst, dass der fortwährende Zuzug auch eine Aufstockung der Verwaltung mit sich ziehen musste. Seit geraumer Zeit wurde am Wilmersdorfer Platz (Reneé-Sintenis-Platz) das Grundstück Handjerystraße Nr. 33-36 Ecke Schmargendorfer Straße Nr. 27-29 für den Bau eines Rathauses freigehalten. Nach dem Amtsantritt von Bürgermeister Bernhard Schnackenburg und Gemeindebaurat Hans Altmann (1871-1965) wird ein „Preisausschreiben an die Architekten Deutschlands zur Erlangung eines Entwurfes für den Rathausbau am Wilmersdorfer Platz“ gestartet. Da es nach Ansicht des (nicht uneigennützig agierenden) Architekten Altmann „kein befriedigendes Ergebnis" gibt, wird vom Rathausbau einstweilen abgesehen. 1911 zählt Friedenau rund 40.000 Einwohner. Der Rathausbau wird wieder aktuell - mit neuem Standort am Marktplatz. Dort besitzt die Gemeinde das Grundstück Niedstraße Nr. 2, kann Nr. 1 vom Gemeindeverordneten Heinrich Sachs (1858-1922) hinzukaufen und dort mit dem Abbruch von zwei älteren Landhäusern kein Problem. Eine Fläche von 3.066 m² steht zur Verfügung.

 

 

 

 

Marktplatz, 1906. Archiv Barasch

16. November 1911

 

Der „Friedenauer Lokal-Anzeiger“ berichtet am 17. November 1911 unter der Schlagzeile „Das Rathaus wird am Marktplatz errichtet: Das war das Ergebnis der gestrigen 3 ½ stündigen lebhaften Aussprache über die abermalige Platzbestimmung für das Rathaus. Damit wurde der Beschluss vom 1. Juni d. Js. umgestoßen. Von den 12 Herren, die damals für die Errichtung des Rathauses auf dem Grundstück am Wilmersdorfer Platz stimmten, blieben 8 Herren diesem Beschlusse treu, 4 sind — um den von den Herren selbst angewendeten Ausdruck zu gebrauchen — „umgefallen*. Es sind dies die Herren Schöffen Draeger und Sadée, Gemeindeverordneten Haustein und v. Wrochem. Die entscheidende Abstimmung erfolgte mit 15 gegen 8 Stimmen.“ Das Grundstück am Wilmersdorfer Platz wird an die Deutsche Post verkauft. Es entsteht das Postamt Friedenau.

 

 

 

 

 

Die nachfolgende Diskussion der Gemeindevertreter und in der Öffentlichkeit hat der „Friedenauer Lokal-Anzeiger“ ausführlich dokumentiert.

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Grundsteinlegung 1 Altmann, 2 Bache, 3 Walger, 4 Haberland, 5 Sachs, 6 Kunow, 7 Sadée

Grundsteinlegung am 18. Oktober 1913

 

Da nun „dringendere Bauaufgaben“ wie der Bau von Schulen anstehen, wird vom Rathausbau einstweilen abgesehen. Altmann, dessen erste Entwürfe für ein neues Rathaus seinerzeit „die einstimmige Zustimmung“ der Gemeindevertreter. gefunden hat, nutzt die Chance, „diesen Bauentwurf schnellstens auszuarbeiten“.

Der Raumbedarf wird größer. Neben den Büros sollten Bürgermeisterwohnung, Feuerwache, Sparkasse, Ratskeller und Bürgerfestsaal mit seperaten Eingängen entstehen. Obwohl Altmann die Bauhöhe um ein Geschoss überschritt und eine Änderung der Baufluchtlinie um 12 Meter vorsah, erteilt die Königlich-Preußische Regierung zu Potsdam am 25. Juni 1913 die Baugenehmigung.

 

 

 

 

 

 

Die Grundsteinlegung erfolgt am 18. Oktober 1913. Nach dem Glockengeläut der Kirche „Zum Guten Hirten“ spricht Bürgermeister Erich Walger (1867-1945): „Meine Herren! Der Glockenklang, der eben verhallt ist, erinnert daran, dass vor 100 Jahren unser Volk nach langer Leidenszeit sich die Freiheit  vom fremden Joch erkämpft hat, doch es bedurfte noch einer langen Entwicklung bis auf Leipzig Sedan folgen konnte, bis der jahrhundertelange Traum der Deutschen Erfüllung fand und der alte, im Kyffhäuser verzauberte Barbarossa in Gestalt Kaiser Wilhelm I. wiederkehrte. Die außerordentliche wirtschaftliche Entwicklung, die der Gründung des Reiches folgte, führte auch zur Gründung Friedenaus …

 

Wenn wir heute, am Tage der Schlacht bei Leipzig, die unserem Volke die Freiheit brachte, den Grundstein zu unserem Rathaus legen, so ist dies umsomehr ein Tag hoher Freude, als die Vorgeschichte dieses Baues eine Leidensgeschichte ist, wie sie in der Historie der Rathäuser wohl selten zu finden sein dürfte. Schon vor vielen Jahren war der Bau eines Rathauses geplant, aber wegen dringenderer Aufgaben immer wieder verschoben worden. Als aber dann wirklich ans Werk gegangen werden sollte, und statt des bis dahin in Aussicht genommenen Bauplatzes ein neuer vorgeschlagen wurde, entbrannte ein Kampf, der teils von Interessenten, teils von Uneigennützigen mit allen Mitteln geführt wurde … Wir wollen dem Wunsch und der Hoffnung Ausdruck geben, dass dieser Bau glücklich und ohne Unfall vollendet werden möge, dass er ein Wahrzeichen für den einigen, aufopfernden Bürgersinn der Gemeinde werde, und daß in ihm die Selbständigkeit, die Wohlfahrt und das Glück der Bürgerschaft allzeit ernste Förderung und unerschrockene Verteidiger finden möge.“

 

Die Urkunde zur Grundsteinlegung lautet: „Heute, am 18. Oktober 1913, am Tage der 100jährigen Wiederkehr der Völkerschlacht bei Leipzig, im Jubiläumsjahr der 25jährigen Regierung des Kaisers und Königs Wilhelm II. und im 39. Jahre des Bestehens der Gemeinde Friedenau legen wir den Grundstein zu einem Rathause, das ein dauernder Merkstein in der Geschichte des Ortes bleiben soll.“

 

Neun Monate später beginnt am 28. Juli 1914 der Erste Weltkrieg. Trotz schwieriger Bedingungen wird der Bau vorangetrieben. Im Juli 1915 fahren die Löschfahrzeuge in die Einfahrt zur Feuerwache in der Lauterstraße. Am 1. Oktober können einige Büros bezogen werden. Am 16. Dezember gibt es die erste Gemeindevertretersitzung im Sitzungssaal. Am 23. Dezember wirde der Ratskeller eröffnet. 1916 werden im Seitenflügel an der Hauptstraße Festsaal und Sparkasse, der 71 Meter hohe Rathausturm und zusätzliche Büroräume im Dachgeschoss fertiggestellt. Für Bürgermeister Walger ist das Rathaus „Wahrzeichen eines Gemeindewesens, das sich seiner Kraft und seiner Bedeutung bewusst ist“ und „ein Ort ernster Arbeit für die Beamten und die Gemeindevertreter, sowie eine Stätte der Erholung und froher Feste für die Bürgerschaft“.

 

Nachfolgend als PDF der ausführliche Bericht über die Grundsteinlegung aus dem „Friedenauer Lokal-Anzeiger“ vom 19. Oktober 1913:

 

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Am 9. November 1924 publiziert der Architekt Hans Altmann im „Schöneberg-Friedenauer Lokal-Anzeiger“ einen Beitrag zur „baulichen Entwicklung Friedenaus“, in dem er sich ausführlich über seinen Rathausbau äußert: 

 

„Bei der Größe des Bauprogramms und dem Wunsche, nicht nur die Diensträume, sondern auch die Feuerwehr, mehrere Dienstwohnungen von Unterbeamten, einen Ratskeller und, wenn möglich, eine Wohnung für den Bürgermeister im neuen Hause unterzubringen, ergab sich, dass trotz Inanspruchnahme weitgehender Dispense für die Bauausführung das vorhandene Grundstück bei weitem nicht ausreichte, um den aufgestellten Anforderungen zu entsprechen. Es wurde deshalb zur Vergrößerung des Grundstückes ein Teil des Straßengeländes bis zu 12 Meter Tiefe durch Änderung der Baufluchtlinien zu dem Baugrundstück hinzugeschlagen. Gegen diesen Beschluss erhoben die Gegner des Rathausprojektes eine Klage im Verwaltungsstreitverfahren, welche durch das Oberverwaltungsgericht in günstigem Sinne für die Gemeindeverwaltung entschieden wurde.

 

Inzwischen war das Bauprogramm noch weiter dadurch gewachsen, dass die Gemeindevertretung unmittelbar vor dem Baubeginn beschloss, in das Rathaus einen Bürgersaal mit Nebensälen und den dazu gehörigen anderen Räumen einzubauen. Trotzdem dadurch der bereits aufgestellte Bauentwurf eine ganz wesentliche Änderung erfuhr, mußte ohne Zeitverlust mit dem Bau begonnen werden. Als derselbe aus dem Erdreich herauswuchs, brach der Krieg aus. Trotz anfänglicher Bedenken wurde der Bau mit aller Energie fortgeführt und so beschleunigt, dass bereits im Jahre 1915 fast die ganze Verwaltung in das Haus hinein verlegt werden konnte. Auch der Ratskeller konnte gleichzeitig seiner Bestimmung übergeben werden. Im nächsten Jahre folgte dann die Fertigstellung des Festsaales und seiner Nebenräume und im Jahre 1917 die Fertigstellung des Turmes. So kam Friedenau noch im letzten Augenblick zu seinem so langersehnten Rathaus. Bei allen vorerwähnten Aufgaben, die dem Unterzeichneten zu entwerfen und zu bauen oblagen, hat, das muß rückhaltlos anerkannt werden, die Gemeinde stets opferwillig Mittel zu einer würdigen Ausgestaltung der Bauten bewilligt. “

 

Drei Jahre nach der Vollendung verliert das Rathaus seine eigentliche Bestimmung. Mit der Bildung von Groß-Berlin am 1. Oktober 1920 ist die selbstständige Gemeinde Friedenau nur noch Ortsteil von Schöneberg. Hans Altmann hat sich bereits 1918 als Gemeindebaurat verabschiedet – nicht ohne sich am Seitenflügel in der Hauptstraße mit einer Porträtbüste zu verewigen. Während der Weimarer Republik und in der NS-Zeit wird das Rathaus von der Schöneberger Verwaltung genutzt. Emil Berndt (1874-1954), Reichstagsabgeordneter der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) und seit Frühjahr 1921 Bürgermeister von Schöneberg, bevorzugt für seinen Amtssitz das Rathaus Friedenau – bis 1933.

 

Im Jahr 2008 veröffentlicht das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg die Broschüre „Das Rathaus Friedenau“, in der die Architekturhistorikerin Dr. Susanne Willen wesentliches Material zu Vorgeschichte, Bauausführung, Zerstörung und Wiederaufbau zusammengetragen hat. Die von ihr ausgewählten Dokumente, Ansichten und Bauzeichnungen schildern die wechselhafte Geschichte des Gebäudes. Bedauerlich ist nur, dass diese eindrucksvolle Publikation nicht im Buchhandel, sondern nur direkt im Rathaus Schöneberg zu beziehen ist (Preis 3,50 €). 

 

Hans Altmann, Die bauliche Entwicklung Friedenaus, 09.11.1924

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Rathaus Friedenau, 1947. Quelle PRS

1945

 

In den letzten Kriegstagen wird das Rathaus teilweise zerstört. Unversehrt bleiben der Seitenflügel zur Hauptstraße mit Festsaal und Sparkasse sowie Gebäudeteile an der Lauterstraße. Im Mai und Juni 1945 untersteht Friedenau der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD). Vom 1. Januar 1947 bis zum 28. Januar 1949 ist der Christdemokrat Georg von Broich-Oppert (1897-1979) stellvertretender Bezirksbürgermeister von Schöneberg. Noch unter seiner Ägide bilanziert das Hochbauamt die Halbruine: „Der gesamte Gebäudeteil am Lauterplatz ist ausgebrannt. Das Eisenbinderdach ist eingestürzt, die Decken sind zerstört oder stark beschädigt. Stehen geblieben sind die Außenwände, ein Teil der inneren Eisenfachwerkkonstruktionen und die Treppenanlage am Hofvorbau.“

 

Hans Altmann soll den Wiederaufbau seines Bauwerkes begleiten, ist aber mit der beabsichtigten „Vereinfachung“ nicht einverstanden. So kommt „eine weitere Beauftragung nicht in Frage. Infolgedessen ist Herr Altmann auch nicht berechtigt, diesbezügliche Verhandlungen mit der Baupolizei zu pflegen. Für alle Angelegenheiten betr. Wiederaufbau ist nur das Hochbauamt Schöneberg zuständig. Etwaige Versuche des Herrn Altmann bzgl. Auskünften sind zurückzuweisen und ihn an das Hochbauamt zu verweisen“.

 

Die Fotografien von 1947 machen deutlich, dass die noch vorhandene Bausubstanz eine teilweise Wiederherstellung des alten Zustandes gerechtfertigt hätte. In der Folge werden Giebel, Eckerker, Säulenportal und „überflüssige Details" abgetragen, herausragende architekturgeschichtliche Details werden ohne Not eliminiert. Bürgermeisterwohnung und Sitzungssaal werden in Büroräumen umgewandelt. Am 7. Mai 1953 ist Richtfest. Anstelle der lebendigen plastischen Außenfront entsteht zum Lauterplatz hin eine gleichförmige Fassade.

 

 

 

 

 

 

2001

Nach der zwangsweisen Vereinigung von Tempelhof und Schöneberg mit den seit dem Berlin-Gesetz von 1920 bestehenden Ortsteilen Schöneberg, Tempelhof, Friedenau, Mariendorf, Marienfelde und Lichtenrade bleiben Teile der Verwaltung im Rathaus Friedenau. Nach dem Auszug der Feuerwehr werden die Toreinfahrten zugemauert. Der Ratskeller wird zur Kantine. Der ursprüngliche Eingang an der Ecke Hauptstraße wird zugemauert.

 

2008

In diesen Jahren wird über eine Sanierung des Rathauses nachgedacht. Es gibt „umfangreiche bauhistorische Untersuchungen. Im Rahmen eines Denkmalpflegewerkes sollen Leitlinien zum Umgang mit der historischen Substanz und ihren Veränderungen erarbeitet werden. In einem ersten Bauabschnitt ist die Sanierung der Außenhülle vorgesehen“. Das Résumé der Architekturhistorikerin Dr. Susanne Willen von 2008: „Der aktuelle Bauzustand macht Instandsetzungsarbeiten dringend erforderlich.“ Es tut sich nichts.

 

2011

Als Beitrag zur Haushaltskonsolidierung entscheiden Bezirksverordnetenversammlung und Bezirksamt von Tempelhof-Schöneberg, das Objekt Rathaus Friedenau aufzugeben, weil der Investitionsbedarf für die Sanierung sehr hoch ist und die laufenden Kosten explodieren. Außerdem ist auf Grund des Personalabbaus der Raumbedarf jetzt insgesamt niedriger. Selbst für den der SPD nahestehenden kommunalpolitischen Pressedienst „paperpress“ eine „Fehlentscheidung, weil die Büroräume in absehbarerer Zeit fehlen werden. Und wenn es dann soweit ist, wird man wieder andernorts für teures Geld Büroräume anmieten müssen“.

 

2013

Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) und Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg sind übereingekommen, im Rathaus Friedenau das „Finanzamt für Fahndung und Strafsachen“ unterzubringen. Das Grundstück Niedstr. Nr. 1 & 2 wurde zum 01.01.2013 dem „Sondervermögen Immobilien des Landes Berlin“ zugewiesen. Als Mietbeginn ist der 01.01.2017 vorgesehen. Bis zu diesem Zeitpunkt werden die Mietflächen von der BIM GmbH hergerichtet. Die baulichen Maßnahmen umfassen Anpassung des Flächenzuschnitts, Herstellung der erforderlichen Raumqualitäten, Ertüchtigung der Brandschutzmaßnahmen sowie Bauwerksunterhaltung (vorrangig an Außenhülle und Dach). Neben einem zusätzlichen Außenaufzug im Innenhof sind im gesamten Dienstgebäude Treppenlifte vorgesehen. Die geschätzten Baukosten betragen rd. 8,4 Mio. € zzgl. rd. 670.000 € für Umzugs- und umzugsbedingte Folgekosten. Der Mietvertrag wird mit einer Laufzeit von 10 Jahren abgeschlossen werden. Die Mietfläche wird ca. 12.025 m² umfassen – inkl. der bisherigen Gerhart-Hauptmann-Bibliothek. Ausgenommen ist der Festsaal, der bei einer Nutzung durch Dritte „baulich und organisatorisch vollständig vom Mietbereich des Finanzamtes abgetrennt werden muss. Vorgesehen sind 13 PKW-Stellplätze. Die Dienstfahrzeuge sollen im Rathaushof untergebracht werden. Für die Anlieferung sollen „ca. vier Dauerstellplätzen vor der ehemaligen Sparkasse in der Hauptstraße" zur  Verfügung stehen – bei gleichzeitigem Wegfall der Parkplätze Breslauer Platz.

 

2015

„Der Umzug des Finanzamtes wirde nicht vollzogen, weil im Dezember 2015 das Bezirksamt das inzwischen „freigezogene Rathaus Friedenau für das LAGeSo zur Flüchtlingsunterbringung sichergestellt hat.“ Das Finanzamt hat danach die Pläne für das „Projekt Rathaus Friedenau abgebrochen. Da der Mietvertrag für das Finanzamt am bisherigen Standort Ullstein- Colditzstraße am 31.12.2016 endet, war es dringend erforderlich, eine alternative Unterbringung ab 01.01.2017 sicherzustellen. Der Hauptausschuss beschloss daher die Verlängerung dieses Mietvertrages bis zum 01.01.2027. Laut „paperpress“ herrscht nun „bei den Fahndern große Freude“, da der geplante Umzug nach Friedenau „gegen den Willen“ erfolgen sollte. Die „Senatsverwaltung für Finanzen“ hat Hauptausschuss, Abgeordnetenhaus und Senat nahegelegt, die „bisher nicht in Anspruch genommenen Rücklagen in Höhe von 7.844.741 € für die Sanierung des Daches, der Fassade, der Blitzschutzanlage, der geschädigten Hofkellerdecke und der Wassererwärmungsanlage im „Objekt Niedstraße Nr. 1+ 2, ehemaliges Rathaus Friedenau“ einzusetzen.

 

2017

Jan Rauchfuß (Prokurist SPX Consult) und seine Lebensgefährtin, die 37-jährige  „Studentin“ Marijke Höppner (Wahlkreisbüro Kolat), von der SPD-Fraktion von Tempelhof-Schöneberg, scheinen diese Entwicklung nicht mitbekommen zu haben. Wie sonst ist ihr Antrag an das Bezirksamt vom 19.07.2017 zu verstehen, „sich bei den zuständigen Stellen dafür einzusetzen, dass das Rathaus Friedenau nach der Nutzung als Unterkunft für Menschen mit Fluchterfahrung als ein öffentlich zugängliches Haus weiterhin der Bevölkerung zur sozialen Nutzung zur Verfügung gestellt werden kann“.

 

Ein „öffentlich zugängliches Haus mit sozialer Nutzung durch die Bevölkerung“ bedeutet nach unserem Verständnis, dass das Bezirksamt handlungsfähig wäre. Fakt ist aber, dass das Rathaus Friedenau an die „Berliner Immobilienmanagement GmbH“ (BIM) bzw. an das „Sondervermögen Immobilien des Landes Berlin“ abgegeben wurde. Oder sollen die fatalen Fehlentscheidung von SPD und GRÜNEN von 2011 und 2013  wieder rückgängig gemacht werden?

 

2018

Ohne Zweifel wäre es sinnvoll, aus dem Rathaus wieder ein Bürgerhaus zu machen. Ein wenig mehr Nähe zum Volk würde auch den Sozialdemokraten gut tun. Damit werden wir wohl aber bis zum Wahljahr 2022 warten müssen, wenn sich dann neue politische Mehrheiten und damit veränderte Perspektiven für das Rathaus Friedenau ergeben sollten.

 

19.07.2017 Antrag der SPD-Fraktion

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23.01.2015 Umgang mit dem Rathaus Friedenau

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28.08.2017 Verwendung restlicher Rücklagen

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