Rathaus Friedenau, 2017. Foto H&S.

Das Rathaus Friedenau

 

Das Rathaus Friedenau entstand nach Entwürfen des Architekten Hans Altmann (1871-1965). Der Regierungsbaumeister hatte am 1. April 1906 die Stelle als Gemeindebaurat von Friedenau angetreten. Bevor er sich mit dem Gedanken für den Bau eines Rathauses befassen konnte, musste er sich mit anderen Dringlichkeiten beschäftigen: Er schuf 1909 die Bedürfnisanstalt am Perelsplatz, 1910/12 die Königin-Luise-Schule in der Goßlerstraße (Paul-Natorp-Oberschule), 1911 das Gemeindehaus Zum guten Hirten, 1911 das Realgymnasium in der Schwalbacher Straße (Rheingau-Gymnasium), 1912 das Ferienheim für den Friedenauer Verein für Ferienkolonien in Zinnowitz, 1913 die III. Gemeindeschule als Doppelschule in der Laubacher Ecke Offenbacher Straße (Ruppin-Grundschule) und 1913/14 den Waldfriedhof Friedenau in Gütergotz (Wilmersdorfer Waldfriedhof Güterfelde). Alle Bauten haben den Zweiten Weltkrieg überstanden.

 

1902

Bereits 1902 wurde in der Gemeindevertretung über ein neues Rathaus gesprochen. Gedacht wurde an das der Gemeinde von Geheimrat Hertel überlassene 3000 Quadratmeter große Grundstück am Wilmersdorfer Platz (Renée-Sintenis-Platz). Auf dem Plan von 1910 war am Schmargendorfer Platz bereits ein Rathaus eingetragen. Als nach 1908 begonnen wurde, die Gegend mit Mietshäusern zu bebauen, blieb das Grundstück an der Ecke Handjerystraße Nr. 33-36 und Schmargendorfer Straße Nr. 27-29 frei. 1914 verkaufte die Gemeinde das Gelände an die Reichspost. Am 29. September 1918 wurde an dieser Stelle das Postamt Friedenau nach Entwürfen des Architekten und Postbaurats Ludwig Meyer eröffnet.

 

 

1906

Ein „Preisausschreiben an die Architekten Deutschlands zur Erlangung eines Entwurfes für den Rathausbau am Wilmersdorfer Platz“ von 1906 brachte laut Gemeindebaurat Hans Altmann im Prinzip „kein befriedigendes Ergebnis". Nur der von Altmann eingereichte Bauentwurf fand „die einstimmige Zustimmung“. Daher beschloss die Gemeindevertretung, „diesen Bauentwurf schnellstens auszuarbeiten“. Aber, so Altmann, „kaum waren die Bauplätze so weit, dass mit dem Bau hätte begonnen werden können, als sich dringendere Bauaufgaben einstellten“, so dass „von der Errichtung eines Rathauses einstweilen abgesehen wurde“, und die „Mittel zunächst für den jetzt drängenden Schulentwurf Verwendung finden konnten“.

 

1911

Friedenau hatte inzwischen mehr als 40.000 Einwohner, was ein mehr an Verwaltung bedeutete, so dass die Idee „Rathaus Friedenau“ wieder aufgegriffen wurde. Vorgesehen wurde dafür nun aber der Standort am Marktplatz an der Friedenauer Straße (Hauptstraße). Dort besaß die Gemeinde das Grundstück Niedstraße Nr. 2, Ecke Rheinstraße. Da sie das benachbarte Anwesen Niedstraße Nr. 1 vom Königlich-Preußischen Geheimen Sanitätsrat und Gemeindeverordneten Heinrich Sachs (1858-1922) hinzukaufen konnte, stand eine Fläche von 3066 Quadratmeter zur Verfügung – falls dort zwei ältere Landhäuser abgebrochen werden könnten. Der Haus- und Grundbesitzerverein sprach sich am 21. April 1911 für den Bau am Wilmersdorfer Platz aus, die Gemeindevertretung am 16. November 1911 für den Bau am Marktplatz.

 

Marktplatz 1906 (später Lauterplatz)

 

1913

Inzwischen war das Raumprogramm gewachsen. Neben den Büros sollte das Haus Bürgermeisterwohnung, Feuerwache, Sparkasse, Ratskeller und Bürgerfestsaal aufnehmen, dieser mit einem separaten Eingang, damit bei Veranstaltungen eine „Störung des Geschäftsbetriebes“ im Rathaus vermieden wird.

Altmanns Pläne standen allerdings im Widerspruch zur Bauordnung: Die Höhe sollte um ein Geschoss überschritten werden. Im Keller sollte der Ratskeller eingerichtet werden. Ein Teilstück der Straße sollte dem Baugrundstück hinzugeschlagen werden – was eine Änderung der Baufluchtlinie um 12 Meter Tiefe bedeutete. Dennoch erteilte der Bezirksauschuss der Königlich-Preußischen Regierung zu Potsdam am 25. Juni 1913 die Genehmigung.

 

Die Grundsteinlegung erfolgte am 18. Oktober 1913 um 12 Uhr – zum 100. Jahrestag der „Völkerschlacht“. Nach dem Glockengeläut der Kirche „Zum guten Hirten“ sprach Bürgermeister Erich Walger (1867-1945): „Meine Herren! Der Glockenklang, der eben verhallt ist, erinnert daran, dass vor 100 Jahren unser Volk nach langer Leidenszeit sich die Freiheit  vom fremden Joch erkämpft hat, doch es bedurfte noch einer langen Entwicklung bis auf Leipzig Sedan folgen konnte, bis der jahrhundertelange Traum der Deutschen Erfüllung fand und der alte, im Kyffhäuser verzauberte Barbarossa in Gestalt Kaiser Wilhelm I. wiederkehrte. Die außerordentliche wirtschaftliche Entwicklung, die der Gründung des Reiches folgte, führte auch zur Gründung Friedenaus … Wenn wir heute, am Tage der Schlacht bei Leipzig, die unserem Volke die Freiheit brachte, den Grundstein zu unserem Rathaus legen, so ist dies umsomehr ein Tag hoher Freude, als die Vorgeschichte dieses Baues eine Leidensgeschichte ist, wie sie in der Historie der Rathäuser wohl selten zu finden sein dürfte. Schon vor vielen Jahren war der Bau eines Rathauses geplant, aber wegen dringenderer Aufgaben immer wieder verschoben worden. Als aber dann wirklich ans Werk gegangen werden sollte, und statt des bis dahin in Aussicht genommenen Bauplatzes ein neuer vorgeschlagen wurde, entbrannte ein Kampf, der teils von Interessenten, teils von Uneigennützigen mit allen Mitteln geführt wurde … Wir wollen dem Wunsch und der Hoffnung Ausdruck geben, dass dieser Bau glücklich und ohne Unfall vollendet werden möge, dass er ein Wahrzeichen für den einigen, aufopfernden Bürgersinn der Gemeinde werde, und daß in ihm die Selbständigkeit, die Wohlfahrt und das Glück der Bürgerschaft allzeit ernste Förderung und unerschrockene Verteidiger finden möge.“

 

Die Urkunde zur Grundsteinlegung lautet: „Heute, am 18. Oktober 1913, am Tage der 100jährigen Wiederkehr der Völkerschlacht bei Leipzig, im Jubiläumsjahr der 25jährigen Regierung des Kaisers und Königs Wilhelm II. und im 39. Jahre des Bestehens der Gemeinde Friedenau legen wir den Grundstein zu einem Rathause, das ein dauernder Merkstein in der Geschichte des Ortes bleiben soll.“

 

Grundsteinlegung am 18. Oktober 1813

 

 

Die Entwürfe von Architekt und Gemeindebaumeister Hans Altmann

 

 

1914

Neun Monate später begann am 28. Juli 1914 der Erste Weltkrieg. Trotz schwieriger Bedingungen wurde der Bau vorangetrieben. Im Juli 1915 zog die Feuerwache mit den Löschfahrzeugen in die Garagen Lauterstraße. Am 1. Oktober konnten einige Büros bezogen werden. Am 16. Dezember fand die erste Gemeindevertretersitzung im Sitzungssaal statt. Am 23. Dezember wurde der Ratskeller eröffnet. Für Bürgermeister Walger ist das Rathaus „Wahrzeichen eines Gemeindewesens, das sich seiner Kraft und seiner Bedeutung bewusst ist“ und „ein Ort ernster Arbeit für die Beamten und die Gemeindevertreter, sowie eine Stätte der Erholung und froher Feste für die Bürgerschaft“.

1916 wurden im Seitenflügel an der Hauptstraße Festsaal und Sparkasse, der 71 Meter hohe Rathausturm und – da der Raumbedarf noch einmal gestiegen war – auch noch der Ausbau des Dachgeschosses zur Lauterstraße fertiggestellt.

Die viergeschossige Vierflügelanlage umschließt einen quadratischen Innenhof. Zur Hauptstraße hin schließt sich ein Seitenflügel an, in dem im Erdgeschoss die Sparkasse und darüber der Festsaaltrakt mit separatem Eingang errichtet wurden. Gerade an der Hauptstraße, aber auch in der Lauterstraße mit den ehemaligen Toreinfahrten der Feuerwache wird mit vielfältigen Bauformen und unterschiedlichstem Bauschmuck noch heute eine beeindruckende plastische Architekturgestaltung sichtbar. Dafür stehen die Namen des Architekten Hans Altmann und des Bildhauers Bernhard Butzke (1876-1952), dessen gestalterisches Können auch an der III. Gemeindeschule (Ruppin-Grundschule) oder beim Waldfriedhof Friedenau in Gütergotz (Wilmersdorfer Waldfriedhof Güterfelde) zu bewundern ist.

„Opulent“ soll auch das Gebäudeinnere gestaltet gewesen sein: Holz, Täfeleien, Keramik, Stuck, Werkstein, Schnitzereien, Bleiverglasung, Treppengeländer. Berichtet wurde über die Ausstattung des Sitzungssaals: „Die Wände sind in halber Höhe mit heller Holzvertäfelung versehen, die obere Wandhälfte mit grüner Stoffbespannung. Der Boden ist mit einem Teppich in schwarz-weißem Rosettenmuster bedeckt. Die Stühle sind grün gepolstert.“ Erwähnt wurde die Gestaltung des Festsaals mit Wappenschmuck und der „prächtige, säulenreiche Ratskellers, der zusammen mit diversen Trink- und Weinstuben das gesamte Kellergeschoss des Südriegels einnahm“.

 

 

1920

Drei Jahre nach der Vollendung verlor das Rathaus seine eigentliche Bestimmung. Die Gemeinde verlor mit der Bildung von Groß- Berlin am 1. Oktober 1920 ihre Eigenständigkeit. Schöneberg „übernahm“ Friedenau. Hans Altmann hatte sich bereits 1918 als Gemeindebaurat verabschiedet – nicht ohne sich am Seitenflügel des Rathauses in der Hauptstraße mit einer Porträtbüste zu verewigen. Fortan war er als Privatarchitekt tätig. Unter der Wohn- und Geschäftsadresse Kaiserallee Nr. 64/5 (Bundesallee) avancierte er vor allem als Chefarchitekt für die Bauten der „Askania-Werke AG – Bambergwerk Berlin-Friedenau“. Sein Artikel im „Schöneberg-Friedenauer Lokal-Anzeiger“ vom 9. November 1924 stimmt wehmütig und nachdenklich zugleich: „Seitdem Friedenau mit Erschaffung Groß-Berlins seine Selbständigkeit verloren hat, ist leider damit auch ein gut Teil des Geistes gestorben, der Friedenau so schnell und mit so gutem Erfolge hat vorwärts schreiten lassen.“

 

1933

Während der Weimarer Republik und in der NS-Zeit wurde das Rathaus von der Schöneberger Bezirksverwaltung genutzt. Emil Berndt (1874-1954), Reichstagsabgeordneter der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) und seit Frühjahr 1921 Bürgermeister von Schöneberg, bevorzugte für seinen Amtssitz das Rathaus Friedenau – bis 1933.

 

1945

In den letzten Kriegstagen wurde das Rathaus Friedenau teilweise zerstört. Unversehrt blieben der Seitenflügel zur Hauptstraße mit Festsaal und Sparkasse und Gebäudeteile entlang der Lauterstraße. Wenige Tage später unterstand Friedenau vom 29. April bis zum 30. Juni 1945 der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD). Danach wurde der parteilose Rechtsanwalt Georg von Broich-Oppert (1897-1979) Bezirksbürgermeister von Schöneberg.

Ab 1947 wurde die Halbruine mit Stützpfeilern und Deckenträgern gesichert. In einer Bilanz des Schöneberger Hochbauamts von 1949 heißt es: „Der gesamte Gebäudeteil am Lauterplatz von der Rhein- (gemeint war sicher die Hauptstraße) bis zur Lauterstraße ist ausgebrannt. Das Eisenbinderdach ist eingestürzt, die Decken sind zerstört oder stark beschädigt. Stehen geblieben sind die Außenwände, ein Teil der inneren Eisenfachwerkkonstruktionen und die Treppenanlage am Hofvorbau.“

Hans Altmann, der Schöpfer des Rathauses, sollte den Wiederaufbau begleiten. Er war allerdings mit der vom Hochbauamt beabsichtigten „Vereinfachung“ und damit der Verfälschung seines Werkes nicht einverstanden. Er protestierte erfolglos. Es mangelte nicht am Geld, es fehlte das Verständnis für Altmanns traditionsbezogene Architektur. Also kurzer Prozess: „Eine weitere Beauftragung an Altmann kommt nicht in Frage. Infolgedessen ist Herr Altmann auch nicht berechtigt, diesbezügliche Verhandlungen mit der Baupolizei zu pflegen. Für alle Angelegenheiten betr. Wiederaufbau ist nur das Hochbauamt Schöneberg zuständig. Etwaige Versuche des Herrn Altmann bzgl. Auskünften sind zurückzuweisen und ihn an das Hochbauamt zu verweisen“.

Das Foto von 1947 macht deutlich, dass die noch vorhandene Bausubstanz eine Wiederherstellung des alten Zustandes – in reduzierter Form – gerechtfertigt hätte. Nachdem bereits der Giebel und „überflüssige Details" abgetragen worden waren, begannen 1952 die Bauarbeiten. Herausragende architektur- und ortsgeschichtliche Details wurden ohne Not eliminiert, darunter Erker, Säulenportal und Quergiebel. Im Innern wurden Bürgermeisterwohnung und Sitzungssaal im ersten Obergeschoss zu Büroräumen umgewandelt. Am 7. Mai 1953 fand das Richtfest statt. Anstelle der lebendigen plastischen Außenfront entstand eine gleichförmige Fassade. Der Verlust läßt sich am besten an der Fassade Lauterstraße und am Seitenflügel an der Hauptstraße ablesen.

 

 

 

2001

Nach der Verwaltungsreform von 2001 und der Bildung von Tempelhof-Schöneberg mit der seit dem Berlin-Gesetz von 1920 beruhenden Untergliederung in die Ortsteile Schöneberg, Tempelhof, Friedenau, Mariendorf, Marienfelde, Lichtenrade wurden Teile der Schöneberger Verwaltung im Rathaus Friedenau untergebracht. Nach dem Auszug der Feuerwehr wurden die Toreinfahrten zugemauert. Jugendfreizeitheim und Kantine kamen in den Ratskeller, dessen Haupteingang, wie an der Ecke zur Hauptstraße zu besichtigen, einfach zugemauert wurde.

 

2008

In diesen Jahren gab es Überlegungen zu einer Gesamtsanierung des Rathauses Friedenau. Es gab „umfangreiche bauhistorische Untersuchungen. Erfasst und dokumentiert wurde dabei sowohl der Baubestand des kaiserzeitlichen Ursprungsbaues, als auch der Bestand der Wiederaufbauzeit, einschließlich aller vorhandenen historischen Ausstattungsmerkmale. Ein sogenannter Baualtersplan soll helfen, die verschiedenen Bau- und Umbauphasen deutlich abzugrenzen. Im Rahmen eines Denkmalpflegewerkes sollen die anstehenden Maßnahmen gebündelt und Leitlinien zum Umgang mit der historischen Substanz und ihren Veränderungen erarbeitet werden. In einem ersten Bauabschnitt ist die Sanierung der Außenhülle vorgesehen“.

Das Résumé der Architekturhistorikerin Dr. Susanne Willen von 2008: „Der aktuelle Bauzustand des Verwaltungsgebäudes macht Instandsetzungsarbeiten dringend erforderlich.“ Es tat sich nichts.

 

2011

Als Beitrag zur Haushaltskonsolidierung hat das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg Anfang 2011 entschieden, das „Objekt Rathaus Friedenau“ aufzugeben, weil der Investitionsbedarf für die Sanierung sehr hoch ist und die laufenden Kosten explodieren. Außerdem ist der Raumbedarf jetzt insgesamt niedriger – da unverhältnismäßig viel Personal abgebaut wurde. „Eine Fehlentscheidung“ schrieb später das der Berliner Sozialdemokratie ansonsten verbundene Organ „paperpress“, weil „die Büroräume in absehbarerer Zeit dem Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg fehlen werden. Und wenn es dann soweit ist, wird man wieder andernorts für teures Geld Büroräume anmieten müssen“.

 

 

 

2013

Die Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM GmbH) und der Bezirk Tempelhof-Schöneberg sind übereingekommen, im Rathaus Friedenau das „Finanzamt für Fahndung und Strafsachen“ (FA FuSt) unterzubringen. Das bebaute Grundstück Niedstr. 1/2 wurde dem „Sondervermögen Immobilien des Landes Berlin“ (SILB) zum 01.01.2013 zugewiesen. Als Mietbeginn ist der 01.01.2017 vorgesehen. Bis zu diesem Zeitpunkt werden die Mietflächen von der BIM GmbH hergerichtet. Die baulichen Maßnahmen umfassen Anpassung des Flächenzuschnitts, Herstellung der erforderlichen Raumqualitäten, Ertüchtigung der Brandschutzmaßnahmen sowie Bauwerksunterhaltung (vorrangig an Außenhülle und Dach). Neben einem zusätzlichen Außenaufzug im Innenhof sind im gesamten Dienstgebäude Treppenlifte vorgesehen. In den Kosten sind auch Maßnahmen für die erforderliche Außen- und Innensicherung des Gebäudes berücksichtigt. Die geschätzten Baukosten betragen rd. 8,4 Mio. € zzgl. rd. 670.000 € für Umzugs- und umzugsbedingte Folgekosten. Der Mietvertrag wird mit einer Laufzeit von 10 Jahren abgeschlossen werden. Die Mietfläche (Nettogrundfläche) wird ca. 12.025 m² umfassen. Die monatliche Nettokaltmiete beträgt ab 2017 rd. 57.950 €, die Betriebskosten betragen ab 2017 rd. 30.880 €.

Die bisher von der Gerhart-Hauptmann-Bibliothek genutzten Flächen waren von vornherein für das FA FuSt vorgesehen. Der Festsaal (Schlesiensaal) gehört nicht zum Mietgegenstand. Eine Weiternutzung wurde durch das FA FuSt nicht ausgeschlossen. Um eine Nutzung durch Dritte zu ermöglichen, muss dieser baulich und organisatorisch vollständig vom Mietbereich des FA FuSt abgetrennt werden. Das Nutzungskonzept des FA FuSt sieht die Einrichtung von 13 Stellplätzen vor. Die Dienstfahrzeuge des FA FuSt sollen im Rathaushof untergebracht werden. Für die Anlieferung hat das Bezirksamt angeboten, die Einrichtung von Dauerstellplätzen zu prüfen. Hierbei handelt es sich um eine Be- und Entladezone (ca. vier Stellplätze) vor der ehemaligen Bank in der Hauptstraße.

 

2015

Der geplante Umzug des Finanzamtes für Fahndung und Strafsachen (FA FuSt) in das Rathaus Friedenau konnte ab Mitte 2015 aufgrund des dringenden Flächenbedarfs zur Flüchtlingsunterbringung nicht mehr umgesetzt werden. Wegen des drastischen Anstiegs der Flüchtlingszahlen bestand zu diesem Zeitpunkt die vordringlichste Aufgabe darin, leerstehende und grundsätzlich geeignete landeseigene Gebäude als Notunterkünfte kurzfristig den Geflüchteten zur Verfügung zu stellen.

 

2017

In einem Bericht der „Senatsverwaltung für Finanzen Berlin“ vom 28. August 2017 zur „Unterbringung des Finanzamtes für Fahndung und Strafsachen (FA FuSt) im Rathaus Friedenau heißt es:

 

Der Plan konnte „ab Mitte 2015 aufgrund des dringenden Flächenbedarfs zur Flüchtlingsunterbringung nicht mehr umgesetzt werden. Wegen des drastischen Anstiegs der Flüchtlingszahlen bestand zu diesem Zeitpunkt die vordringlichste Aufgabe darin, leerstehende und grundsätzlich geeignete landeseigene Gebäude als Notunterkünfte kurzfristig den Geflüchteten zur Verfügung zu stellen. Dies betraf insbesondere das ehemalige Rathaus Friedenau“.

„Der Umzug des FA FuSt wurde nicht vollzogen, weil im Dezember 2015 das vom Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg freigezogene Rathaus Friedenau vom LAGeSo zur Flüchtlingsunterbringung sichergestellt wurde.“ Das „Projekt Rathaus Friedenau“ für das FA FuSt „wurde nach der Entwurfsplanung abgebrochen“.

Da der Mietvertrag für das FA FuSt am bisherigen Standort Ullstein- Colditzstraße am 31.12.2016 endete, war es dringend erforderlich, eine alternative Unterbringung ab 01.01.2017 sicherzustellen. Der Hauptausschuss beschloss daher die Verlängerung dieses Mietvertrages bis zum 01.01.2027. Laut „paperpress“ herrscht nun „bei den Fahndern große Freude“, da der geplante Umzug nach Friedenau „gegen den Willen des Finanzamtes“ erfolgen sollte.

Für das nun einhundertjährige Friedenauer Rathaus ist das alles erfreulich: Die „Senatsverwaltung für Finanzen“ hat Hauptausschuss, Abgeordnetenhaus und Senat nahegelegt, die „bisher nicht in Anspruch genommenen Rücklagen in Höhe von 7.844.741 € für die Sanierung des Daches, der Fassade und der Wassererwärmungsanlage im „Objekt Niedstraße 1/2, ehemaliges Rathaus Friedenau“ einzusetzen.

Fest steht, dass das Rathaus Friedenau „längerfristig als Flüchtlingsunterkunft genutzt werden soll“. Unabhängig von der jeweiligen Nutzung sind dringend Sanierungsmaßnahmen für eine nachhaltige Nutzung erforderlich. Dazu gehören energetischen Sanierung und ein teilweiser Austausch der technischen Gebäudeausstattung. Die Maßnahmen umfassen u. a. die Sanierung des Daches, Instandsetzung der Dachgauben und Fassade, Erneuerung der Blitzschutzanlage und der geschädigten Hofkellerdecke sowie der Wassererwärmungsanlage. Ausgenommen sind notwendige bauliche Anpassungen im Rahmen der Beibehaltung der aktuellen Nutzung des Standorts als Flüchtlingsunterkunft.

 

 

Rathaus Friedenau im September 2017

 

 

Die SPD-Fraktion von Tempelhof-Schöneberg scheint diese Entwicklung bisher gar nicht mitbekommen zu haben. Wie sonst ist der Antrag von Marijke Höppner und Jan Rauchfuß vom 19.07.2017 zu verstehen, in dem das Bezirksamt aufgefordert wird, „sich bei den zuständigen Stellen dafür einzusetzen, dass das Rathaus Friedenau nach der Nutzung als Unterkunft für Menschen mit Fluchterfahrung als ein öffentlich zugängliches Haus weiterhin der Bevölkerung zur sozialen Nutzung zur Verfügung gestellt werden kann“. Zu fragen ist, was die aktuell unter einem „öffentlich zugänglichen Haus“ und „sozialer Nutzung für die Bevölkerung“ verstehen?

Fakt ist, dass auch die SPD den Bau schmählich vernachlässigt und heruntergewirtschaftet hat. Als der hohe Investitionsbedarf deutlich wurde, stimmte auch die SPD für die Aufgabe des Rathauses und den Einzug der Steuerfahnder. Nun, da sich die Stimmung gedreht hat, rudert die SPD zurück und fordert ein öffentlich zugängliches Haus für die Bevölkerung – eine durchschaubare Farce vor der Bundestagswahl. Die liebedienerische „Stadtteilzeitung“ wird schon darüber berichten.

 

Antrag der SPD-Fraktion vom 19.07.2017

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Zu guter Letzt:

 

Das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg hat im Jahr 2008 eine reich bebilderte Broschüre über „Das Rathaus Friedenau“ herausgegeben. Die von der Architekturhistorikerin Susanne Willen erarbeitete Dokumentation ist sehr empfehlenswert und gehört zweifellos zu den besten Veröffentlichungen, die jemals das Rathaus Schöneberg verlassen haben. Die Broschüre kann nur im Bauamt des Rathauses Schöneberg zum Preis von 3,50 € erworben werden. Mit unserem Angebot, die Broschüre komplett mit allen Dokumenten und Fotos auf unserer Website einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, konnte sich das Amt leider nicht anfreunden.

 

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