Adam-Kuckhoff-Platz. Quelle Google-Hahn & Stich

Adam-Kuckhoff-Platz

 

Das namenlose Dreieck zwischen Südwestkorso und Landauer- bzw. Laubacher Straße entstand mit der Anlage des Südwestkorso und der Bebauung durch Georg Haberland und seine Terrain-Gesellschaft Berlin-Südwesten in den Jahren zwischen 1906 und 1909. Zur Verschönerung des Straßenzugs gestattete Bürgermeister Erich Walger (1867-1945) auf dem Platz 1911 den Erikabrunnen mit den 1,20m hohen bronzenen Putten nach einem Entwurf von Bildhauer Emil Cauer (1867-1946). Walger, bis zum Zusammenschluss mit Schöneberg im Jahre 1920 Friedenaus letzter Bürgermeister der bis dahin selbstständigen Gemeinde, soll eine Tochter mit Vornamen Erika gehabt haben. Da die Familien Walger und Cauer freundschaftlich verbunden waren, könnte der Brunnenname tatsächlich auf Tochter Erika Walger zurückgehen. Nicht zu recherchieren war bisher, ob die Bronzefiguren während des Zweiten Weltkriegs eingeschmolzen oder zerstört wurden.

 

An Details der Rekonstruktion konnte sich Heinz Spilker im Jahr 2016 nicht mehr erinnern, so dass nur die offizielle Verlautbarung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung bleibt:

 

 

 

 

Auf einem zweigestuften Sockel steht eine Schale mit vier vorgelagerten Podesten. An gegenüberliegenden Seiten sitzen zwei gleiche Putten (Bronze) mit dem Rücken zum Becken (Sandstein) und halten eine Schale über den Kopf, aus der sie Wasser schütten. Auf den anderen beiden Podesten stehen sich Gruppenplastiken gegenüber: zwei spielende Putten mit einer Gans bzw. einem Fisch als Wasserspeier im Arm. Im Becken ist eine Sprudelfontäne installiert. Zwei Figuren wurden von Heinz Spilker frei nachgestaltet. Maße: Sockel Ø 5,70 m, Schale Ø 3,00 m, Schale Höhe 0,70 m, Höhe der Putten 1,10m und 1,20m, Sockel aus Sandstein, Putten aus Bronze.

 

Da Heinz Spilker auch die zerstörten Brunnenfiguren für den Kinderbrunnen am Barbarossaplatz nach Fotografien wieder hergestellt hat, es sich obendrein bei beiden Brunnen um Kinderfiguren handelt, sind Namensverwechslungen irgendwie verständlich. Für den Barbarossaplatz gibt es folgende Angaben: Maße: Ø 6,00 m, Höhe der Figuren 0,60 m, Gesamthöhe 2,00 m, Becken aus Muschelkalk, Figuren aus Bronze, Sanierung und Wiederherstellung 1989.

 

Der Platz mit dem Erikabrunnen erhielt am 30. August 1990 den Namen Adam-Kuckhoff-Platz, benannt nach dem Schriftsteller und Widerstandskämpfer Adam Kuckhoff (1887-1943). Ursprünglich geplant war Adam und Greta Kuckhoff-Platz, was aus zeitgeschichtlicher Sicht und der beabsichtigten Erinnerung richtig gewesen wäre. Das Ehepaar Kuckhoff wohnte von 1936 bis zur Verhaftung durch die Gestapo im Jahr 1942 in der Wilhelmshöher Straße Nr. 18. Mit der fadenscheinigen Begründung, es gäbe bereits in Ost-Berlin eine Kuckhoff-Straße, sprach sich die Schöneberger Bezirksverordnetenversammlung dagegen aus.

 

Noch ärgerlicher ist die Gedenktafel, die am 30. August 1990 von Bezirksbürgermeister Michael Barthel (SPD) am Haus Wilhelmshöher Straße Nr. 18 enthüllt wurde. Der vom Historiker Klaus Zernack (1931-2017) entworfene Text hätte nicht gebilligt werden dürfen, weil seine Frau Greta Kuckhoff (1902-1981) nicht genannt wird. Erst 26 Jahre später gesteht die Historische Kommission zu Berlin (auf Nachfrage) ein: Dass Greta Kuckhoff auf der Tafel nicht erwähnt wird, ist in der Tat ein Versäumnis.

 

Ausführliche Beiträge zu Adam und Greta Kuckhoff finden Sie unter Wilhelmshöher Straße Nr. 18.

 

Friedenauer Lokal-Anzeiger, 1911

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Der Bildhauer Heinz Spilker (geb. 1927), Meisterschüler von Renée Sintenis an der Hochschule für Bildende Künste, erhielt 1982 den Auftrag, die Brunnenanlage zu rekonstruieren. Spilker wurde am 25. November 1927 in Herford geboren, lernte Tischler, legte 1944 die Gesellenprüfung ab und arbeitete nach Kriegsende im erlernten Beruf. Nach einer Italien-Reise fasste er den Entschluss, Bildhauer zu werden. 1951 begann er das Studium an der Meisterschule für das Kunsthandwerk Bielefeld in der Bildhauerklasse von Arnold Rickert (1889-1974). 1953 wechselte er an die Hochschule für Bildende Künste in Charlottenburg, wurde Meisterschüler von Renée Sintenis (1888-1965) und befasste sich erst einmal mit der Darstellung von Tieren.

 

Mit der Gestaltung von Reliefs für den öffentlichen Raum hat Heinz Spilker die „Erinnerungs-Kultur“ in Berlin mitgeprägt. Dazu gehören u. a.

 

Gedenktafel Maler und Grafiker George Grosz (1893-1959), Savignyplatz 5 (1980),

Gedenktafel Lyrikerin Nelly Sachs (1891-1970), Maaßenstraße 12

Gedenktafel Sozialreformerin Alice Salomon (1872-1948), Barbarossastraße 65, (1984)

Gedenktafel, Marlene Dietrich (1901-1992), Leberstraße 65 (1992).

Gedenktafel Maler Leo Lesser Ury (1861-1931), U-Bahnhof Nollendorfplatz (1976)

Grabrelief Maler Conrad Felixmüller (1897-1977), Friedhof Zehlendorf