Name seit dem 22. Oktober 1875, benannt nach dem Fluss Albe in Lothringen, vorher Querstraße II. Am 10. Mai 1871 wurde in Frankfurt am Main zwischen der Französischen Republik und dem Deutschen Reich der „Friede von Frankfurt“ geschlossen. Der Vertrag beendete formell den Deutsch-Französischen Krieg und bestätigte den Verzicht Frankreichs auf größere Teile von Elsass und Lothringen. Die abgetretenen Gebiete wurden im Juni 1871 dem Deutschen Reich unterstellt und als „Reichsland Elsaß-Lothringen“ bezeichnet. Nachdem der damals zuständige Kreis Teltow dem Bebauungsplan des „Landerwerb- und Bauvereins auf Actien“ zugestimmt und den geplanten Villenvorort am 9. November 1874 zur selbstständigen Landgemeinde des Landkreises erhoben hatte, wurden einige Friedenauer Straßen nach Flüssen in Elsass und Lothringen benannt.

 

Albestraße Nr. 3. Gedenktafel für Max Bruch

Albestraße Nr. 3

Max Bruch (1838-1920)

 

Max Schreck war gerade zwölf Jahre alt, da zog der Komponist Max Bruch (1838-1920) mit Frau Clara geb. Tuczek und vier Kindern am 9. September 1890 in das Haus Albestraße Nr. 3. Dreißig Jahre lebte er hier – bis zu seinem Tode. Sein bis heute populärstes Werk – ein Konzert von Weltrang – das Violinkonzert in g-Moll, op. 26, auch 1. Violinkonzert genannt, war allerdings schon im Jahr 1868 entstanden. Melodik, Klang und Struktur begründen die Beliebtheit – bei Zuhörern und Interpreten.

 

 

 

 

 

 

 

 

So sehr Bruch über den Erfolg seines Konzertes erfreut war, so sehr wurde er zu einer Belastung, da sich alle Welt nur noch auf dieses 1. Violinkonzert konzentrierte und seine anderen Kompositionen nur ungenügende Würdigung fanden. Nichts gleicht der Trägheit, Dummheit, Dumpfheit vieler deutscher Geiger, schrieb er an seinen Verleger, alle vierzehn Tage kommt einer und will mir das erste Concert vorspielen: ich bin schon grob geworden und habe zu Ihnen gesagt: Ich kann dieses Concert nicht mehr hören - habe ich vielleicht nur dieses eine Concert geschrieben? Gehen Sie hin und spielen Sie endlich einmal die anderen Concerte, die ebenso, wenn nicht besser sind! Als das nicht ausreichte, setzte er sich 1893 in der Albestraße hin, schrieb eine Xenie und forderte ein Verbot des Konzerts:

 

Da sich in neuester Zeit das erstaunliche Factum ereignet

Dass die Geigen von selbst spielten das erste Konzert

Machen wir schleunigst bekannt zur Beruhigung ängstlicher Seelen

Dass wir besagtes Concert verbieten mit Ernst.

 

Der Ärger mit dem berühmten Werk ging weiter. Nachdem der Musikverleger August Alwin Cranz das Hamburgische Musikalien-Leih-Institut von seinem Vater übernommen hatte, überließ ihm Bruch die Partitur für 250 Taler. Cranz verkaufte sie später mit Gewinn. Irgendwann gelang das Original an Mary Flagler, Erbin von Standard Oil und Sammlerin von Spielkarten und Musikhandschriften. Einhundert Jahre nach der Uraufführung ging die Originalpartitur 1968 an The Mary Flagler Cary Music Collection at the Morgan Library in New York. In Friedenau entstanden einige bedeutende Kompositionen, u. a. Violinkonzert Nr. 3 (1891), Schwedische Tänze (1892), Serenade für Violine und Orchester (1899), Konzertstück für Violine und Orchester (1910), Konzert für Klarinette, Viola und Orchester (1911), Romanze für Viola und Orchester (1912), Konzert für 2 Klaviere und Orchester (1915). Die Gemeinde war stolz. Sein achtzigster Geburtstag wurde am 6. Januar 1918 im Haus in der Albestraße gefeiert, der Bürgermeister verlieh ihm die Ehrenbürgerwürde, der Kultusminister im Auftrag des Kaisers den Kronenorden zweiter Klasse und die Berliner Universität den Ehrendoktor der Philosophie und der Theologie. Max Bruch duldete keine andersgeartete Überzeugung neben sich. Das artete, wie die Vossische Zeitung schrieb, mitunter zu äußerster Intoleranz aus. Für die nachkommenden Komponisten Richard Strauß, Hugo Wolf, Max Reger und Hans Pfitzner hatte er kein Verständnis. Er lehnte sie ab: Die bedeutenden Leute, mit denen man gelebt hat, gehen Einer nach dem Anderen dahin. Was im 20. Jahrhundert aus der Kunst werden soll, das wissen die Götter.

 

Max Bruch starb am 2. Oktober 1920. Begraben wurde er auf dem St. Matthäus-Friedhof in der Großgörschenstraße. Zur Trauerfeier erklang das Adagio seines Violinkonzertes Nr. 1.

Albestraße 5, um 1895

Albestraße Nr. 5

Max Schreck (1879-1936)

Baudenkmal Wohnhaus

Entwurf Zimmermannsmeister W. Spieß

Bauherr Gustav Schreck

1885

 

Das zweigeschossige, vierachsige Landhaus wurde auf einem klassischen Sechsfelder-Grundriss errichtet. Der Hauseingang befindet sich im Bauwich an der Westseite. Der rote Sichtziegelbau erhebt sich auf einem niedrigen Souterrain, dem zweiachsigen Mittelrisalit mit erhöhtem Quergiebel ist im Hochparterre eine Veranda mit vier gemauerten Pfeilern vorgesetzt, auf der im Obergeschoß ein Balkon und darauf wiederum ein schmiedeeiserner Altan vor dem Quergiebel des Dachgeschosses angeordnet ist. Der Quergiebel zeigt ein Zierhängewerk. Von der Veranda führt eine Treppe mit Stufenwangen in den Vorgarten hinab. Die originalen Fenster mit Halbsäulen, kleinen Kapitellen und Basen an den Schlagleisten sind gut erhalten. Über dem Hochparterre läuft ein Keramik-Zierfries um das Haus. Auch das Vorgartengitter ist gut erhalten. Das Haus stellt ein Musterbeispiel für ein größeres Rohziegel-Landhaus aus der zweiten Friedenauer Bebauungsphase dar.

Topographie Friedenau, 2000

 

 

 

 

 

 

Im Jahr 1885 errichtete der Zimmermannsmeister Spieß für den Bauherrn Gustav Ferdinand Schreck, seines Zeichens beamteter Topograph der Königlich Preußischen Landesaufnahme beim Generalstab, das zweigeschossige Landhaus Albestraße Nr. 5. Nach der Fertigstellung des roten Sichtziegelbaus zogen Vater Schreck, Mutter Pauline geb. Michaelis und der am 6. September 1879 geborene Sohn Max von der Kaiserin-Augusta-Straße 75/76 in Tiergarten – zusammen mit Onkel und Großvater – in das Friedenauer Vier-Parteien-Haus. Von Vorgarten und Souterrain führt eine Treppe zur Veranda im Hochparterre, über dem im Obergeschoss ein Balkon angeordnet ist. 130 Jahre alt ist das Haus, es steht noch immer – eines der ältesten von Friedenau.

 

Das Umfeld war für den sechsjährigen Max Schreck günstig. Gleich gegenüber befand sich die Schule, anfangs mit nur einer, später mit drei und schließlich auch mit einer Gymnasial-Klasse. Der junge Mann wollte Schauspieler werden. Er absolvierte die Schauspielschule des Preußischen Staatstheaters und machte sich auf die theatralischen Wanderjahre durch die Provinz. Seine sorgfältig gestalteten Chargenrollen, scharf gezeichnete Typen, fanden bei den Theaterkritikern kaum Beachtung, weder in der Spielzeit 1917/18 bei Max Reinhardt (1873-1943) noch in den Jahren von 1922 bis 1930 am Staatstheater unter den Regisseuren Jürgen Fehling (1885-1968) und Leopold Jessner (1878-1945). Der Kritiker Alfred Kerr (1867-1948) begnügte sich mit dem (lang)bewährten Max Schreck und im Berliner Börsen-Courier war er für Herbert Ihering (1888-1977) einer, von dem etwas ausging, der Atmosphäre um sich hatte.

 

Max Schreck, der Nischenschauspieler, nahm, was man ihm anbot, überwiegend kleine Rollen, aus denen er immer wieder etwas machte. Genug war ihm das nicht. Als ihm aber Jessner eine stumme Rolle antrug, ist das Maß voll: Bei solcher Beschäftigung leidet mein künstlerischer Ruf. Ich bitte Sie höflichst, die Rolle anderweitig zu besetzen. Gleichzeitig möchte ich mir nochmals die höfliche Anfrage gestatten, ob mir ein Urlaub nach München nicht gewährt werden kann? Ich könnte dort wenigstens spielen – mich künstlerisch betätigen.

 

Die Kammerspiele München unter Direktor Otto Falckenberg (1873-1947) wurden seine künstlerische Heimat. Hier wurde er anerkannt und gefeiert, hier gehörte er zum Ensemble, zuerst von 1919 bis 1922 und dann wieder von 1930 bis zu seinem Tod. In seinen 35 Berufsjahren spielte Max Schreck viele Rollen, auf dem Theater und in mehr als 40 Filmen. Die Rolle seines Lebens aber übertrug ihm 1922 Friedrich Wilhelm Murnau (1888-1931): Graf Orlok in Nosferatu. Sein filmisches Gespür, seine technische Begabung und Schrecks eindringliche Darstellung des unheimlichen Vampirs machten die Symphonie des Grauens zu einem Meisterwerk. Schrecks Nosferatu hat das Genre Horrorfilm bis heute geprägt.

 

Mit seinem 2009 im Belleville Verlag München erschienenen Buch Max Schreck – Gespenstertheater hat Stefan Eickhoff Schauspieler und Mensch dem Vergessen entrissen. Schon mit dem ersten Satz seiner Einleitung geht Eickhoff beispielsweise auf die wichtige erzählende Funktion der ungewöhnlich hohen Anzahl der Murnau‘schen Zwischentitel ein: Das gespenstische Licht des Abends schien die Schatten des Schlosses wiederum zu beleben. Darauf folgt die für den Schauspieler Max Schreck vielleicht ergiebigste Szene:

 

Graf Orlok sitzt an einem Tisch über Pläne gebeugt. Er langt hastig nach vorn, greift sich ein Dokument, das etwas weiter von ihm liegt. Es ist, als greife er von der Leinwand in das Kino-Auditorium. Sein Gast Hutter steht neben ihm, bereit zu assistieren. Orlok durchsucht hektisch die auf dem Tisch ausgebreiteten Unterlagen nach einem Papier, das er nicht findet. Dann hält er inne, fragt Hutter. Als dieser darauf etwas aus seinem Ranzen zieht, fällt ein Amulett mit dem Bild seiner Frau Ellen auf den Tisch und direkt vor Orloks Nase. Der ist davon gebannt, achtet nicht mehr auf die Papiere, die ihm Hutter vorlegt und greift es sich. Er betrachtet das Bild der Frau auf dem Amulett, saugt sich förmlich daran fest. ‚Wer ist das?‘ scheint er Hutter zu fragen. Hutter sagt es ihm. ‚Einen schönen Hals hat eure Frau!‘ antwortet Orlok. Der ausgetrocknet wirkende Gastgeber ist jetzt in Nahaufnahme zu sehen. Er wendet sich zu Hutter und zeigt auf das Amulett. Die schmalen, zusammengezogenen Lippen geben ein Gitter spitzer Zähne frei. Mit einem dämonischen Lächeln gibt er das Amulett zurück und unterschreibt kurzentschlossen das Dokument, das ihm verspricht, der Frau auf dem Bild nahe zu sein. Hutter ist tief beunruhigt und beginnt die Papiere wieder in seinem Ranzen zu verstauen. Er unterbricht sein Tun noch einmal und blickt seinen bei aller übertriebenen Höflichkeit äußerst bedrohlich wirkenden Gastgeber erschrocken an. Orlok merkt es und sein Blick bleibt in einer Mischung aus Gefahr und eigener Erschrockenheit an Hutters haften. Diese Zuspitzung aus absoluter Triebhaftigkeit, einer seine Umgebung bannenden Zielstrebigkeit und Erlösungssehnsucht prägt Schrecks Gestaltung des Nosferatu. Schauspielerisch gratwandert er dabei zwischen artifiziellster Stilisierung und naturalistischem Umriss. Es ist denn auch mehr als eine clevere Maske, die die Wirkung Schrecks in dem Film ausmacht. Tatsächlich war er von allen Mitarbeitern des Films derjenige mit der meisten Berufserfahrung und bei der Darstellung unheimlicher Figuren bisher keineswegs auf Regisseure und Maskenbildner angewiesen ...

 

Unvergesslich der kahle Schädel, die riesigen Ohren, die gewaltigen Vorderzähne, die krallenartigen Fingernägel. Um Murnaus großartiges Werk wissen auch jene, die sonst keinen Stummfilm kennen. Der Film ist ein Geniestreich, er steht unangefochten für den Vampirfilm – bis heute. Die Presse sah das nach der Uraufführung im Jahre 1922 nicht anders. Für die Vossische Zeitung hatte Nosferatu eine spezifisch filmische Qualität, einen eigenen Film-Stil. Die Lichtbild-Bühne schrieb von einer Sensation, von einer Meisterleistung. Herausgehoben wurde immer wieder seine Rollengestaltung, die den bis dahin unbekannten Schauspieler in der öffentlichen Wahrnehmung mitunter mit der Film-Persona verschmelzen ließ.

 

Am 19. Februar 1936 steht Max Schreck zum letzten Mal auf der Bühne – eine kleine Rolle, wie so oft, der Großinquisitor in Schillers Don Carlos. Am nächsten Morgen, dem 20. Februar um halb neun Uhr, ist er nicht mehr. Drei Tage später nahm das Ensemble der Kammerspiele auf dem Münchner Ostfriedhof Abschied. Direktor Otto Falckenberg dankte ihm für seine Treue, denn Treue war es wohl, die dein Wesen am tiefsten kennzeichnete, Treue zu den Menschen und Treue zu deiner Kunst. Darum bewunderten wir dich, den Künstler, und darum liebten wir dich, den Menschen. Der Großdeutsche Verband der Feuerbestattungsvereine e. V. kümmerte sich um den Rest. Am 14. März 1936 wurde seine Asche in der 70x70 Zentimeter großen Urnengrabstelle der Mutter auf dem Friedenauer Friedhof in Güterfelde beigesetzt. Pauline Schreck, deren Ehemann Gustav am 17. Juni 1898 verstorben und auf dem Friedhof in der Stubenrauchstraße beigesetzt wurde, muss das Haus in der Albestraße Nr. 5 irgendwann verkauft haben. Später wohnte sie bis zu ihrem Tod am 9. Oktober 1934 in der Bennigsenstraße Nr. 26. Es kamen Weltkrieg, Mauerjahre und schließlich die Wiedervereinigung. Anfang der 1990er Jahre machte sich Stefan Eickhoff auf die Suche nach dem Grab. Längst war Gras darüber gewachsen. Friedhofsverwalter Erwin Mahlow rekonstruierte an Hand der Grabkarte Schreck die Lage im Gräberfeld U - UR 670. Der Förderkreis des Museums für Film und Fernsehen Berlin beauftragte den Steinmetzmeister Heinz-Otto Melior, eine Gedenkstele für Schrecks Grab zu schaffen. Die handgearbeitete Granitstele von 23x12x138 Zentimeter mit einer angeschliffenen Schriftfläche und der vertieften mit dunkler Farbe ausgelegten Inschrift wurde zum 75. Todestag von Max Schreck am 20. Februar 2011 enthüllt. Nun sind sie wieder beisammen: Der Meister Friedrich Wilhelm Murnau in einem monumentalen Ehrengrab des Landes Berlin auf dem Stahnsdorfer Südwestkirchhof und sein Held, der Schauspieler Max Schreck in einem bescheidenen Urnengrab gleich nebenan auf dem Wilmersdorfer Waldfriedhof Güterfelde. Ein Stück Filmgeschichte.

 

Lyonel Feiniger, Zeichnung von Emil Orlik, 1906

Albestraße Nr. 16

Lyonel Feininger (1871-1956)

 

Der in New York geborene Lyonel Feininger (1871-1956) kam 1887 mit seinen Eltern nach Deutschland. Er blieb, besuchte die Kunstgewerbeschule Hamburg und studierte an der Königlichen Akademie in Berlin. Er fing früh an, für Zeitschriften zu zeichnen. Nach einem Abstecher in Paris kam er 1893 nach Berlin zurück und arbeitete als freier Illustrator und Karikaturist für die Zeitschriften Humoristische Blätter und Lustige Blätter. Für die Zeitschrift Ulk, Illustriertes Wochenblatt für Humor und Satire aus dem Rudolf Mosse Verlag, arbeitet Feininger ab 1897 als fest angestellter Zeichner. Er zieht nach Friedenau und wohnt fortan neben elf weiteren Mietern im Mietshaus Albestraße Nr. 16. Dieses Haus hatte Baumeister Paehlchen 1893/94 errichtet. 1897 ging es in den Besitz der Ziegeleibesitzer A. Gericke und Ch. Kindel aus Brandenburg an der Havel.

 

1908 zog Leininger in die Zehlendorfer Königstraße Nr. 22. Zu seinen berühmt gewordenen Bildern von Kirchen und Dorfkernen gehören auch jene Ansichten, die zwischen 1910 und 1914 in Teltow entstanden sind. Das 1918 entstandene Gemälde „Teltow II“ gehört zum Bestand der Neuen Nationalgalerie Berlin.

 

In den nationalsozialistischen Jahren galten Feiningers Werke offiziell als „Entartete Kunst“. 378 seiner Arbeiten aus öffentlichen Sammlungen wurden konfisziert. Acht Gemälde von Städteansichten, ein Aquarell und dreizehn Holzschnitte präsentierte 1937 die Ausstellung „Entartete Kunst“ in München. Ein Jahr zuvor emigrierte das Ehepaar Lyonel und Julia Feininger in die USA.

 

 

 

 

 

 

Albestraße Nr. 19. Wikipedia

Albestraße Nr. 19

Baudenkmal Mietshaus & Einfriedung

Entwurf Baugewerksmeister James Ruhemann

Bauherr Kunstbauschlosser Heinrich Klemme

1892-1893

 

Das siebenachsige, viergeschossige Mietshaus steht im Knick der Bauflucht. Die neobarocke Fassade wird durch einen Standerker asymmetrisch gegliedert, in dem das von Säulen flankierte, tiefe Eingangsportal angeordnet ist, das von einem aufgebrochenen Giebel, in dem eine Vase steht, bekrönt wird. Das Erdgeschoss des Hauses ist verputzt und mit schweren Bossenquadern rustiziert, die Obergeschosse sind mit gelben Ziegeln verkleidet und die Fenster und Türen mit weißen Putzfaschen versehen. Die Fassade zeigt im Osten Loggien, im Westen Balkons.

Topographie Friedenau, 2000

 

 

 

 

Hätte der „Tagesspiegel“ am 30. Mai 2018 nicht über die „Verdrängung einer Friedenauer Institution“ in der Albestraße Nr. 19 berichtet, wären wir kaum auf die Idee gekommen, über dieses Haus nachzudenken. Es ging um den Glasermeister und Bilderrahmenbauer Hans-Jürgen Arnsmann, der in dem schmucken Altbau von 1895 seit Jahrzehnten im Erdgeschoss sein Geschäft betreibt, und nun vom neuen Eigentümer („So eine Firma vom Ku’damm“) gezwungen wird, seine „Werkstatt für Bilderrahmung und Glasreparaturen“ zu räumen: „Das Haus wird luxussaniert. Einige Mieter sind bereits ausgezogen.“ Im Mai 2018 wurden erste Angebote offeriert: „787.000 EUR für 143 m² oder 436.000 EUR für 97 m²“.

 

In der vom Landesdenkmalamt Berlin veröffentlichten Denkmaldatenbank wird für das Haus Albestraße Nr. 19 als „Bauherr Kunstbauschlosser Heinrich Klemme“ genannt. „Klemme, H. Schlosser“ taucht in Friedenau 1885 erstmals unter der Adresse Rheinstraße Nr. 40 auf. Ein Jahr später ist „Klemme, H.“ Eigentümer des Anwesens Schmargendorfer Straße Nr. 25. Im Laufe der Jahre erweiterte er an diesem Standort sein Spektrum: Kunst- und Bauschlosser, Gitter und Ornamente, Geldschrankfabrikant, Fabrik für Gas- und Wasseranlagen. 1893 gibt es am Friedrich-Wilhelm-Platz Nr. 22 Pt. den „Bauanschläger Klemme, K.“ und unter Albestraße Nr. 19 die Angabe „Neubau Klemme, H. Schlosser, Schmargendorfer Straße Nr. 25“. Nicht zu recherchieren war bisher, ob es sich um Vater und Sohn handelt. Jedenfalls ist ab 1895 „Bauanschläger Klemme, K.“ Eigentümer des Hauses Albestraße Nr. 19 – bis zum Sommer 1905.

 

Da meldete der „Friedenauer Lokal-Anzeiger am 31. Juli 1905: „Aus Lindow in der Mark kommt uns die Trauernachricht zu, dass unser Mitbürger Karl Klemme, der dort im Sommeraufenthalte weilte, beim Baden ertrunken ist. Die Leiche konnte noch nicht geborgen werden. Herr Klemme zählt zu den ältesten Einwohnern Friedenaus und erfreute sich allgemeiner Beliebtheit.“ Offensichtlich wurde die Leiche doch bald gefunden, denn am Nachmittag des 3. August 1905 „fand 4 Uhr auf dem hiesigen Friedhofe die Beerdigung des in weiten Kreisen bekannten Herrn Karl Klemme statt, der, wie mitgeteilt, seinen Tod durch Ertrinken beim Baden in Lindow i. d. M. gefunden hatte. Eine große Anzahl Leidtragender gab dem Entschlafenen das letzte Geleite. Herr Pastor Kleine hielt die Predigt. Prächtige Kranzspenden von Freunden und Bekannten wurden an dem Grabe des so auf tragische Weise aus dem Leben Geschiedenen niedergelegt“. Was in im Ruppiner Land tatsächlich vorgefallen war, lässt sich einer „öffentlichen Belobigung“ des Regierungspräsidenten zu Potsdam vom 8. Oktober 1905 nur halbwegs entnehmen: „Der städtische Lehrer Rudolf Matthiae aus Berlin, Müllerstraße 135 und die dreizehn Jahre alte Schülerin Charlotte Wedemeyer aus Lindow, Kreis Ruppin, haben am 30. Juli d. J. die neun und elf Jahre alten Söhne Karl und Georg des Hausbesitzers Klemme aus Friedenau, welche im Wutzsee bei Lindow badeten, von dem Tode des Ertrinkens gerettet. Ich bringe diese von Mut und Entschlossenheit zeugende Tat hiermit lobend zur öffentlichen Kenntnis.“

 

Von 1906 bis mindestens 1943 ist Witwe Anna Klemme geb. Heinrich als Eigentümerin des Hauses Albestraße Nr. 19 eingetragen. Das „Betriebs- und Bureaupersonal der Klemme’schen Fabrik“ musste sich wohl um andere Arbeitsplätze bemühen. Anna Klemme ist ab 1909 Rentiere. Im Ladengeschäft links vom Hauseigang zogen andere Handwerker ein: Stuckateure, Plätterei, Klempner, Schneider.

 

Albestraße Nr. 20. Wikipedia

Albestraße Nr. 20

Baudenkmal Mietshaus & Einfriedung

Entwurf Baugewerksmeister James Ruhemann

Bauherr Schlossermeister R. Sotscheck

1892-1893

 

Das Mietwohnhaus ist ein symmetrisch aufgebautes, viergeschossiges, siebenachsiges Gebäude. Beiderseits der Mittelachse befindet sich je ein Erkervorbau mit Loggien. Das Eingangsportal in der Mittelachse wird von flankierenden Säulen mit einem aufgebrochenen Volutengiebel und einer Kartusche mit Frauenkopf gebildet. Auch dieses Haus ist im Erdgeschoß mit einer schweren Bossen-Rustika in Putz und einer Klinkerverkleidung in den Obergeschossen versehen. Die Fenster und Türen zeigen Putzfaschen. Topographie Friedenau, 2000

 

Weiteres in Vorbereitung

 

 

Albestraße Nr. 24. Hahn & Stich 2019

Albestraße Nr. 24

Baudenkmal Landhaus

Entwurf Architekt Otto Hoffmann

Bauherr Anna Seigel

1888

 

Das Landhaus, laut Inschrift „Villa Anna“, ist für den Vizeadmiral Hans Sack, einen Mitarbeiter des Großadmirals Alfred von Tirpitz, gebaut worden. Es ist ein schmales, zweigeschossiges, giebelständiges Landhaus, ein gelblichroter Ziegelbau mit einem Eingangsanbau an der Westseite. An der Ostseite trägt ein eingeschossiger, zweiachsiger gelber Ziegelanbau eine große Terrasse. Ein Schweizerhaus-Giebel (mit Knaggen und Stützen für die Pfetten und einer Verkleidung aus Zierbrettern) ziert das flach geneigte Satteldach des Hauses.

Topographie Friedenau, 2000

 

Weiteres in Vorbereitung

Albestraße Nr. 30. Wikipedia

Albestraße Nr. 30

Baudenkmal Mietshaus & Einfriedung

Entwurf Architekt Richard Draeger

Bauherr Architekt Richard Draeger

1891-1892

 

Das Haus wurde laut Inschrift über dem Hauseingang 1896 von Richard Draeger für „M. R.“ (mit den Freimaurerzeichen Winkel und Zirkel) erbaut, jedoch nach den Bauakten bereits 1891-92. Das dreigeschossige, sechsachsige Mietwohnhaus aus roten Ziegeln auf einem hohen, geböschten Souterrain wird in der Mittelachse durch einen zweiachsigen Standerker gegliedert, der oben einen Altan trägt. An Fenster- und Türgewänden sind Putzbossen in die roten Ziegelmauern eingefügt. Topographie Friedenau, 2000

 

Nach der Fertigstellung des Hauses zog der Architekt Richard Draeger 1893 mit seinem „Büro für Bauausführungen“ ein.

 

Das Grab von Richard Draeger ist erhalten und befindet sich auf dem Friedhof Stubenrauchstraße. Unter Friedhof Stubenrauchstraße finden Sie ausführliche Informationen.

Albestraße Nr. 31-33. I. Gemeindeschule 1890

Albestraße Nr. 31-33

I. Gemeindeschule Friedenau

 

Die Gemeinde Friedenau war am 1. Oktober 1875 aus dem Schulverband der Gemeinde Deutsch-Wilmersdorf ausgeschieden. In der Ringstraße Nr. 49 (seit 1962 Dickhardtstraße) wurde zunächst eine einklassige Gemeindeschule eingerichtet. 1875 kaufte die Gemeinde ein bereits bestehendes Landhaus in der Albestraße Nr. 31 und richtete einen Klassenraum für 68 Mädchen und 57 Jungen ein. Schon 1877 wurde das Grundstück Albestraße Nr. 32 erworben. Neben dem Landhaus entstanden 1890 ein größeres Schulgebäude für acht Klassen sowie eine Turnhalle. Fünf Jahre später wurde das Landhaus abgerissen. Auf dem Areal wurde 1895 der Neubau eines weiteren Schulhauses, mit dem zusätzlich die erste öffentliche Höhere Lehranstalt für Knaben eröffnet wurde.

 

 

 

 

Friedenau wuchs weiter. In der Rheingaustraße wurde eine zweite Volksschule eröffnet, in der die Mädchenklassen untergebracht werden. Die Jungen bleiben in der Albestraße. Viele Jahre nach der Gründung von Gross-Berlin und der Eingemeindung von Friedenau nach Schöneberg wurde die 1. Gemeindeschule 1932 in 18. Volksschule Berlin-Schöneberg umbenannt, aus der 1956 die „Fläming-Schule“ wurde.

 

In den 1960er Jahren vernachlässigte der Senat von Berlin seine Schulpolitik. Übersehen wurde, dass immer mehr Schüler unterzubringen waren. 1971 wurde deshalb der Neubau einer Schule als Fertigbau in der Illstraße 4-6 beschlossen, die 1973 übergeben werden konnte. Die Schulgebäude in der Albestraße 31-33 wurden abgerissen. Die Freifläche wurde zunächst als Spielplatz genutzt. Auf dem Grundstück Albestraße 31 bis 33 entstand das „Evangelische Seniorenheim“.

 

Die Aufnahme von der Einschulung im Jahr 1949 stellte uns Rolf Thärichen zur Verfügung. Die Familie Thärichen wohnte damals Bennigsenstraße Nr. 4.