Kein Lärmschutz am Innenring

 

Bekannt wurde Anfang April 2018, dass die Deutschen Bahn AG den Antrag auf Planfeststellung für die Elektrifizierung des westlichen Güter-Innenrings zurückgezogen. Das ist bedauerlich für die gesamte Bahntrasse zwischen Westend und Tempelhof, das ist letztendlich auch eine schlechte Nachricht für die Wohnbebauung auf dem ehemaligen Güterbahnhof Wilmersdorf. Es wird also keine Verbesserungen beim Lärmschutz an der von S-Bahn, Bahn und Stadtautobahn stark belasteten Strecke geben. Auch Friedenau wird weiterhin mit den von Dieselloks gezogenen Güterzügen leben müssen.

 

Mit der Elektrifizierung des Innenrings hätten die bisherigen Anlagen ihren „Bestandsschutz“ verloren. Damit wäre die gesamte Trasse als „Neubau“ eingestuft worden, für die Lärmschutz nach aktuellen Maßstäben verpflichtend ist. Mit der Befürwortung des DB-Antrags wollten auch SPD und GRÜNE von Tempelhof-Schöneberg zwei Fliegen mit einer Klappe wollten schlagen, weil die DB damit für einen umfassenden Lärmschutz mit bis zu 6 Meter hohen Lärmschutzwänden hätte sorgen müssen.

 

Fakt wäre allerdings gewesen, dass die Deutsche Bahn AG nach der Elektrifizierung in der Lage gewesen wäre, ICE- und Güterzüge aus allen Himmelsrichtungen mitten durch die Stadt fahren zu lassen. Das hätte zweifellos zu einer Zunahme des Zugverkehrs geführt. Nach dieser „Pleite“ orientiert Tempelhof-Schöneberg „auf das kleinere Übel“: Mit dem Diesellokbetrieb „werden die Belastungen wohl auch in Zukunft überschaubar bleiben“.

 

Von einer Journalistin aus dem Haus Springer mit Wohnung Handjerystraße erhielten wir am 5. Mai 2018 folgende Nachricht: Ich vermute, dass www.friedenau-aktuell.de demnächst auch über den Bau-Stillstand auf der Friedenauer Höhe berichtet und die Gründe dafür nennt.

 

In der Tat fanden in den bisherigen Mai-Tagen keinerlei Bauarbeiten statt. Die Gründe dafür konnten wir bisher nicht herausfinden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Name seit 1912, vorher Straße 43. Benannt nach dem Stadtplaner Reinhard Baumeister (1833-1917). Die Baumeisterstraße liegt nach den festgelegten Grenzen von 1874 nicht in Friedenau, sondern auf dem Gebiet der Gemarkung Schöneberg. Die Gegend wird mitunter auch als „Gefühltes Friedenau“, „Neu-Friedenau“ oder „Hinter der Wannseebahn“.bezeichnet. Sie beginnt an der Rubensstraße und mündet kurz vor dem Wannseebahnhof in die Sponholzstraße. Das um die Jahrhundertwende noch unbebaute Gebiet lag im Schöneberger Westen, hart an der Grenze zur Landgemeinde Friedenau und verkehrsgünstig zwischen Hauptstraße und Wannseebahn mit der Station Friedenau. Den Bebauungsplan für das ehemalige „Willmann’sche Gelände“ zwischen Haupt-, Rubens-, Baumeister- und Sponholzstraße hatte der Schöneberger Stadtbauinspektor Paul Wolf (1879-1957) vor dem Ersten Weltkrieg entwickelt. Da Schöneberg nach dem Weltkrieg fast 15.000 Wohnungssuchende zu versorgen hatte, stürzte sich Stadtbaurat Heinrich Lassen (1864-1953) auf das vorhandene Material. Als Bauherr fungierte die „Wohnstätten-Gesellschaft mbH“. Das Bezirksamt übernahm Entwurf, Bauleitung und Ausführung. 1922 begannen die Bauarbeiten, zwei Jahre später konnten die ersten Wohnungen bezogen werden.

 

 

Stadtplaner Reinhard Baumeister (1833-1917)

Reinhard Baumeister (1833-1917)

 

 

Der Mann fehlt! Er wäre in der Lage gewesen, dem derzeit gängigen Berliner Dilettantismus von Senatsstadtentwicklung und Bezirksbaustadträten Einhalt zu gebieten. Es muss leider davon ausgegangen werden, dass keiner dieser politisch orientierten Macher jemals sein fundamentales Standardwerk Stadterweiterungen in technischen, baupolizeilichen und wirtschaftlichen Beziehungen in den Händen, geschweige denn studiert haben. Der Stadtplaner Reinhard Baumeister (1833-1917) gilt noch heute als Begründer des wissenschaftlichen Städtebaus in Deutschland.

 

Wohl nicht umsonst verleiht die Fakultät für Architektur der TU München den Reinhard-Baumeister-Preis, wohl nicht umsonst stellen zahlreiche Technische Universitäten den kompletten Text von Baumeisters Stadterweiterungen auf ihre Websiten. Prämiert werden herausragende Arbeiten im Bereich von Regional- und Landschaftsplanung nebst verwandter Disziplinen, in denen aufgezeigt wird, dass es möglich ist, eine tragfähige Stadt- und Landschaftsstruktur zu planen, in deren Gestaltung die Stadtbevölkerung aktiv einbezogen werden kann.

 

Baumeister wurde am 19. März 1833 in Hamburg geboren. Er studierte ab 1849 am Polytechnikum Hannover und ab 1851 am Polytechnikum Karlsruhe Bauingenieurwesen. Danach war er im badischen Staatsdienst tätig. 1862 wurde er als Professor an das Polytechnikum Karlsruhe berufen. Nach der Veröffentlichung seines Werkes Stadterweiterungen 1876 im Berliner Verlag Ernst hatte er sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts als führender Theoretiker der Stadtplanung durchgesetzt. Als einer der ersten forderte er die Trennung von City, Wohn- und Industriegebieten, soweit sie sich gegenseitig störten, die Gestaltung von städtischen Grünflächen, Plätzen und Alleen und die Beachtung lokaler Besonderheiten bei der Stadtplanung. Die Technische Hochschule Charlottenburg würdigte ihn 1906 mit dem Ehrendoktortitel. Reinhard Baumeister starb am 11. Februar 1917 in Karlsruhe.

 

 

 

In seinem Vorwort zu Stadt-Erweiterungen in technischer, baupolizeilicher und wirthschaftlicher Beziehung“ schreibt Reinhard Baumeister im April 1876:

 

Die Erweiterung der Städte erfolgt gegenwärtig nicht mehr so rasch, ja überstürzend, wie vor einigen Jahren. Umso eher ist ein planmäßiges Verfahren möglich und ratsam, durch welches die ferner zu erwartende Entwickelung zum allgemeinen Besten geleitet werden kann. Gute Pläne, richtige Grundsätze zur Wahrung der öffentlichen Interessen, im Übrigen freie Entfaltung der privaten Kräfte und Neigungen: auf diesen Wegen mag eine Stadterweiterung wohl glücklicher fortschreiten, als bisher mehrfach der Fall gewesen.

 

Das vorliegende Buch macht den Versuch, diesen Gegenstand nach den genannten Richtungen systematisch zu behandeln. Es will teils Bestehendes schildern, Bauten und Entwürfe, Meinungen und Verordnungen, teils mit Hülfe der Kritik und der Wissenschaft Gutes für die Zukunft vorbereiten helfen. Dass dabei die technischen, die baupolizeilichen und die wirtschaftlichen Beziehungen nicht immer streng aus einander gehalten, dass unter diesen Namen auch noch sonstige Gebiete berührt wurden, liegt in der Natur der Sache, und wird daher wohl Entschuldigung finden. Die Darstellung ist durch mehrere Rücksichten eingeschränkt worden. Einmal sind bei jeder Stadterweiterung örtliche Verhältnisse von so großem Einfluß, dass allgemein passende Regeln weniger als auf anderen technischen und wirtschaftlichen Gebieten aufgestellt werden können. Sodann sind die zahlreichen Baustatuten, Enteignungs-Gesetze, gesundheitlichen Verordnungen usw. keineswegs erschöpft, sondern nur in charakteristischen Beispielen vorgeführt. Vielleicht ist auch aus Unkenntnis Etliches vernachlässigt, was Erwähnung verdient hätte. Endlich hoffte der Verfasser, das Buch für alle die verschiedenartigen Kreise, welche mit Stadterweiterungen zu tun haben, eigentlich für jeden gebildeten Bürger, nützlich und verständlich zu machen, und musste deshalb namentlich in technischen Dingen sich entsprechend zurückhalten.

 

 

Solist Alfred Bürkner (Klarinette). Philharmonie 1936

Baumeisterstraße Nr. 8

Alfred Bürkner (1905-1981)

 

In diesem Hause lebte von 1946 bis zu seinem Tode der Klarinettist und Berliner Kammervirtuose Alfred Bürkner (1905-1981). Von 1921 bis 1925 studierte er Klarinette bei Oskar Schubert, bereits von 1922 bis 1924 war er Klarinettist an der Großen Volksoper Berlin. Von 1925 bis 1973 gehörte er dem Berliner Philharmonischen Orchester an. 1930 zählte er zu den Gründungsmitgliedern der Kammermusikvereinigung der Berliner Philharmoniker, der ältesten Kammermusikvereinigung dieses Orchesters, die unter anderem Namen noch heute besteht. Er ist beigesetzt auf dem Friedhof Eisackstraße, Abt. 11-2-295.

 

Aus Alfred Bürkner: Friedenau. Straßen, Häuser, Menschen. Stapp Verlag Berlin, 1996