Name seit dem 1. Oktober 1964, vorher Marktplatz bzw. Lauterplatz, benannt nach der Lauter, einem Fluss in der Pfalz. Zum Lauterplatz gehört seit dem 22. Oktober 1875 die Lauterstraße (bis 1872 Grenzstraße). Die 570 Meter lange Straße beginnt am Bahndamm an der Ringbahntrasse und führt entlang des Platzes bis zur Kreuzung Schmargendorfer Straße und Rheinstraße. Sie wurde als eine der ersten Straßen angelegt und beidseitig mit Linden bepflanzt.

 

Nachdem während des Kalten Krieges der Schlesische Bahnhof zum Ostbahnhof (1950), die Straße Am Schlesischen Bahnhof zu Am Ostbahnhof (1951) wurde und schließlich in Friedrichshain der Name Breslauer Straße (1964) aus dem Stadtplan verschwand, war das zu viel für jene, denen die Erinnerung an die deutschen Ostgebiete am Herzen lag. So beriet das Abgeordnetenhaus am 3. Juli 1964 über den Antrag der CDU-Fraktion: Wir sind der Meinung, dass wir alles tun müssen, um die ostdeutschen Straßennamen in Berlin zu erhalten. Sie sind nicht nur eine Erinnerung für uns, sondern auch Mahnung und Verpflichtung. Der Lauterplatz hieß nun Breslauer Platz. Ignoriert wurde, dass die Hauptstadt des aus historischer Sicht zweifellos von Deutschen geprägten Schlesiens seit 1945 zu Polen gehört und Wroclaw heißt.

 

 

Marktplatz - Lauterplatz - Breslauer Platz

 

Ein Jahr nach der Gründung von Friedenau wurde am 22. Oktober 1875 durch den Gemeindevorstand bekannt gemacht, dass die bisherige Grenzstraße in Lauterstraße umbenannt wird. Bis dahin markierte sie die Grenze zwischen dem Friedenauer Terrain des Landerwerb und Bauverein auf Aktien und den Schöneberger Terrainbesitzern jenseits der Straße. Erst 1903 ist die Fregestraße als Grenze zwischen den Gemarkungen Friedenau und Schöneberg eingetragen.

 

Das Dreieck zwischen Hauptstraße (damals Friedenauer Straße), Lauterstraße und Niedstraße blieb zunächst namenlos. Mitunter wurde er Schulplatz genannt, was darauf zurückzuführen ist, dass 1875 in unmittelbarer Nähe in der Albestraße Nr. 31/32 die I. Gemeindeschule eröffnet worden war. Gebräuchlich war auch der Name Marktplatz. Im Herbst 1881 fand hier zum ersten Mal ein Markt statt. Sieben Jahre nach der Gründung von Friedenau, immer noch unzureichenden Wegen nach Berlin, war Gemeindevorsteher Georg Roenneberg erst einmal froh, dass den Zugezogenen überhaupt etwas angeboten wurde. Da das Chaos mit Pferdefuhrwerken und Händlerbuden überhandnahm, erließ die Gemeinde 1909 eine Polizei-Verordnung und Orts-Statute für den Amts- und Gemeindebezirk Friedenau bei Berlin.

 

Im § 1 hieß es: Die Wochenmärkte in Friedenau werden Mittwoch und Sonnabend abgehalten. Fällt auf einen dieser Markttage ein Festtag, so wird der Markt an dem darauf folgenden Wochentage abgehalten. Nach § 2 durften feilgehalten werden: Erzeugnisse des Bodens, der Land- und Forstwirtschaft, der Jagd und Fischerei. Lang ist‘s her. Irgendwann kam der Donnerstagnachmittag hinzu, so dass heute mittwochs 8-13 Uhr, donnerstags 12-17 Uhr und samstags 8-13 Uhr Markt abgehalten wird.

 

Am 13. Oktober 1913 erfolgte die Grundsteinlegung für das Friedenauer Rathaus und 1917 die Eröffnung – unter der Adresse Niedstraße Nr. 1 und 2. In den amtlichen Adressbüchern von Friedenau ist weder 1913 noch 1917 ein Lauterplatz aufgeführt. Zu den unmittelbar am Platz liegenden Eckhäusern der Lauterstraße ist vermerkt: Nr. 14/15 siehe auch Niedstraße Nr. 40/ 41; Nr. 18 gehört zur Schmargendorfer Straße Nr. 1. Im Jahr 1927 erwähnt Griebens Reiseführer erstmals die Bezeichnung Lauterplatz und das 1913/15 von Altmann in Sandstein erbaute Rathaus mit gut gegliederter Fassade. Seit 1909 hielten hier die Straßenbahnlinien, die von der Endhaltestelle Rubens- Ecke Canovastraße über Beckerstraße, Saarstraße, Rheinstraße, Hauptstraße nach Potsdamer Platz führten. Offiziell hieß die Haltestelle Rathaus Friedenau. Erst nach dem Weltkrieg findet sich im Fahrplan der Linie 88 die Bezeichnung Lauterplatz. Das blieb so bis zum 1. Oktober 1964. Da war Kalter Krieg.

 

Bereits 1950 hatte Ost-Berlin nach Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze für den Schlesischen Bahnhof den Bezug zu ehemaligen deutschen Ostgebieten getilgt und in Ostbahnhof umbenannt. Als dann am 20. März 1964 die im Ostteil liegende Breslauer Straße umbenannt wurde, musste Westberlin die Erinnerung an die verlorengegangenen deutschen Ostgebiete wachhalten. Da Schöneberg Patenbezirk für Schlesiens war, wurde die Umbenennung von Lauterplatz in Breslauer Platz beschlossen. Bezirksbürgermeister Josef Brunner (SPD) ignorierte in seiner Rede, dass die Hauptstadt des aus historischer Sicht zweifellos von Deutschen geprägten Schlesiens seit 1945 zu Polen gehört und Wroclaw heißt. Die Friedenauer sollen sich mit der Bezeichnung lange nicht angefreundet und daher den Begriff Breslauter Platz geprägt haben.I

 

Literaturnobelpreisträger Günter Grass, einst in Danzig geboren, was inzwischen polnisch ist und Gdańsk heißt hat die Umbenennung von Lauterplatz zu Breslauer Platz noch 1972 im Tagebuch einer Schnecke ignoriert: Wenn wir am Sonnabend auf unseren Friedenauer Wochenmarkt gehen, dann kaufen wir Dill und Gurken, Havelaal und Heilbutt, Birnen und Pfifferlinge, Hasenläufe und Vierländer Mastenten. Lang ist’s her. Mit der Zeit verkam der Platz an marktfreien Tagen zum Parkplatz.

 

Der Bürgerplatz vor dem Rathaus Friedenau gilt als das Herz von Friedenau. Unter diesem Slogan plante das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg eine Neugestaltung dieses Stadtplatzes, allerdings erst, als das Rathaus Friedenau als Verwaltungssitz aufgegeben worden war. Im Jahr 2011 trat eine Bürgerinitiative Breslauer Platz auf den Plan. Die ersten Ideen, damals noch von Fachleuten geliefert, waren überzeugend. Die Lauterstraße sollte bis hin zur Ecke Schmargendorfer Straße wieder beidseitig mit Linden bepflanzt werden – sogar an eine Neupflanzung von 4 Bäumen auf dem Platz war angedacht.

 

Was als Bürgerbeteiligung vorgesehen war, nutzte die Bürgerinitiative alsbald als Mitmachfalle aus. Plötzlich gab es Arbeitsgruppen und Führungskräfte für die Abteilungen Behörden, Botanik, Kulturhaltestelle, Platzgestaltung, Wasserstelle und Marktstände. Es begann ein trickreiches Spiel zwischen dem fachlich kompetenten Baustadtrat (CDU) und den ausufernd-spinnenden BI-Vertretern, die sich je nach Sachlage mit den nichtzuständigen Stadträten von SPD und GRÜNEN verbündeten. Bezirksstadträtin Christian Heiß (GRÜNE) brachte es am 24. März 2018 endlich auf den Punkt: Ich rede ständig mit Mitgliedern der Bürgerinitiative und bekomme immer unterschiedliche Meinungen zu hören. So geht das nicht. Sie werde solche individuellen Gespräche in Zukunft ablehnen und nur noch auf öffentliche und transparente Diskussionen setzen.

 

Mit der Bürgerinitiative Breslauer Platz geriet der angedachte Bürgerplatz ins Abseits. In den Mittelpunkt rückte der denkmalgeschützte Pavillon mit Kiosk, Wartehalle und Imbiss von Baumeister Heinrich Lassen. Eine unterirdische Kulturhaltestelle mit Aktionsraum sollte entstehen, auch eine Wasserstelle (sprich Brunnen). Nach langem Hin und Her zwischen BI und Bezirksamt, was einiges an Mehrkosten verursachte, gibt es (oft ungenutzte) Sitzbänke zwischen modischen Blumenkübeln, die (teilweise) eine Sperrung der Lauterstraße zwischen Nied- und Schmargendorfer Straße für den Autoverkehr – und vor allem die Aufpflasterung von Lauter- und Niedstraße zur Vergrößerung des Marktplatzes. Entstanden ist ein steinerner Aufmarschplatz, dessen Pflasterung ziemlich an das Nürnberger Parteitagsgelände erinnert, aber gar nichts mit Friedenau gemein hat.

 

Auf allen historischen Photographien von 1906 bis zu diesem Umbau ist ersichtlich, dass die Lauterstraße vom Ringbahndamm an der Bennigsenstraße bis zur Ecke Schmargendorfer Straße über den Marktplatz hinweg beidseitig mit Bäumen bepflanzt war. Diese vier Bäume fehlen. Sie strukturierten Straße und Platz. Sie würden den heutigen Aufmarschplatz erträglicher machen. Marktleiter König würde auch an den engeren Samstagen sicher eine Lösung finden. Es geht um den Platz: Wenn kein Wochenmarkt stattfindet, dann tut sich dort nämlich nichts. Ich sehe an marktfreien Tagen kaum einen Menschen.

 

Polizei-Verordnung von 1909

ePaper
Teilen:
Entwurf Fugmann & Janotta, 2010

Das Jahr 2010

 

Jahrzehnte dämmerte der Platz vor sich hin. An marktfreien Tagen wurde er zum Parkplatz. Im Jahr 2010 wurde der Bürgerplatz vor dem Rathaus Friedenau als das Herz von Friedenau“ entdeckt. Das Bezirksamt erteilte dem Architekturbüro Fugmann & Janotta den Auftrag, Entwürfe für die Umgestaltung des Breslauer Platzes zu erstellen. Am 8. Dezember 2010 wurde darüber im Rathaus Friedenau informiert. Auf dem Podium die Jürgen Terlinden (Tiefbauamt), Siegmund Kroll (Stadtplanungsamt), Bezirksstadtrat Oliver Schworck (SPD), Harald Fugmann, Bodo Fuhrmann (Sachverständiger) sowie unter den rund 100 interessierten Bürgern auch die Herren Uwe Elfert, Joachim Glässel und Gregor Mann. Im Bericht des SPD-Ortsvereins Friedenau hieß es: Die Veranstaltung fand in sachlicher Atmosphäre statt. Die konstruktiven Diskussionsbeiträge der anwesenden Bürger ließen bei aller Kritik im Einzelnen insgesamt eine verhaltene Zustimmung im Saal zu den Vorschlägen der Sachverständigen spüren.

 

 

 

Zusammenfassung: Der Marktbetrieb mittwochs, donnerstags und samstags bleibt bestehen. Die Parkplätze fallen ersatzlos weg. Der Bodenbelag soll in einer freundlichen Sandfarbe erscheinen. Neue Laternen sollen den Platz freundlicher erleuchten. Zum Schutz der Glasfenster der unterirdischen Toilettenanlage sollen Straßenmöbel aufgestellt werden. Die geplante Baumbepflanzung wurde kritisiert - anstatt Schnurbaum Maulbeerbaum. Der Wunsch nach einem Brunnen wurde intensiv diskutiert. Der Platzumbau startet im Oktober 2011 und soll 2012 beendet sein.

 

Zu einer ganz anderen Einschätzung kamen die drei Friedenauer Herren: Das Bezirksamt stellte Pläne vor, die aber auf den entschiedenen Widerstand des Publikums stießen. Es war große Empörung. Lieblos sei das Vorhaben. Teurer Belag, gerade einmal drei Bänke und ein Baum. Wenig Aufenthaltsqualität für 700.000 Euro. Da haben wir spontan eine Bürgerinitiative gegründet. Noch am selben Abend.

 

Darauf hin setzte sich der kommunalpolitische Pressedienst paperpress im November 2011 kritisch mit den Plänen der Bürgerinitiative Breslauer Platz auseinander und fragte, wer denn nun die gut funktionierende und engagierte Gruppe Friedenauer Bürger sei, die mit kompetenten und erfahrenen Mitstreitern einen realisierbaren und bürgerfreundlichen eigenen Entwurf zur Umgestaltung des Breslauer Platzes entwickelt. Welches Mandat hat diese Initiative? Wen und wie viele vertreten sie tatsächlich? Wie steht es um jene Friedenauer, die nicht in der BI verankert sind, aber auch berechtigte Anliegen haben?

 

Die erste BI-Information vom August 2011

ePaper
Teilen:
Logo BI Breslauer Platz. Quelle BI-Info Material

Bürgerinitiative Breslauer Platz

 

Wir waren nicht dabei, als am 26. Januar 2011 die Gründung der Bürgerinitiative Breslauer Platz (BI) vollzogen wurde. Wir haben demnach auch nicht den Vortrag des Architekturhistorikers Peter Lemburg gehört: Seine Ausführungen wurden von der BI nicht dokumentiert. Warum wohl?

 

Im März 2011 starteten Bürgerinitiative und das von Magrit Knapp gegründete Friedenau-Netzwerk ihre Informationskampagne mit Plänen, Zeichnungen und dem Einsammeln von Unterstützerunterschriften. Wir haben auch unterschrieben.

 

Diese Unterschrift hätten wir zurückziehen müssen, als deutlich wurde, dass der vom Bezirksamt veranlasste Entwurf zu einem Kampf zwischen Bezirksamt, Architekturbüro Fugmann & Janotta und der selbsternannten Bürgerinitiative Breslauer Platz ausartete.

 

Euphorisch feierte die BI im Mai 2011 ihren Erfolg: Es war gelungen, die amtliche Seite von der Überlegenheit unseres Entwurfs gegenüber dem Fugmann-Entwurf zu überzeugen!!! Der nächste Schritt im Verfahren wird also ohne das Architekturbüro Fugmann & Janotta stattfinden. Es wurde verabredet, dass das weitere Vorgehen auf der Grundlage unseres Entwurfes von einer engen Zusammenarbeit zwischen dem Amt, dem mit der weiteren Planung zu beauftragenden Architekten und uns als BI getragen sein soll.

 

 

Ein nicht genehmes Architekturbüro war ausgeschaltet. Der Architekturhistoriker Peter Lemburg, einziger kompetenter Fachmann im Vorfeld, taucht danach in den Dokumenten und den veröffentlichten Fotos der BI nicht mehr auf. Hat er sich zurückgezogen oder ist er auf Distanz zu den werkelnden Laien gegangen? Das Unheil nahm jedenfalls mit der Bildung von Arbeitsgruppen seinen Lauf. Zuständig waren nun für AG Behörden Rechtsanwalt Peter Splettstößer-Heise, für AG Botanik Künstler Uwe Elfert, für AG Kulturhaltestelle der BI-Hofberichterstatter Ottmar Fischer, für AG Platzgestaltung der spätere BI-Vorsitzende Dipl.Ing. Joachim Glässel, für AG Wasserstelle (Brunnen) Gregor Mann, für AG Marktstände der Samstagsmarktbrotverkäufer Wilfried Maue.

 

In der vom Bezirksamt subventionierten Stadtteilzeitung sorgte BI-Mitglied Ottmar Fischer für permanente unabhängige Berichterstattung. Um die Connections zu SPD und GRÜNEN und anderes kümmerte sich die Initiatorin des Friedenau-Netzwerk Magrit Knapp, die bereits 2012 mit der Verdienstmedaille des Bezirks Tempelhof-Schöneberg für besondere Verdienste und herausragendes ehrenamtliches Engagement geehrt wurde.

 

Allein die Auflistung der BI-Ideen, Blumenampeln an den Laternen, weil das in Tirol so schön aussieht (Magrit Knapp), Kulturhaltestelle im unterirdischen Pissoir, Trinkbrunnen mit einer Bronzeskulptur von Auguste Hähnel, Sitzbänke, Aufstellung der Markstände, Auswahl des Pflasters, machte deutlich, dass die BI in allen Bereichen mitmischen wollten. Unter Beteiligung der Bürgerschaft am Planungsverfahren kam das Übliche: Information des Bezirksamts über den gegenwärtigen Planungsstand am Sonnabend, den 20.10.2012 zwischen 11 und 14 Uhr auf dem Wochenmarkt. Da zahlreiche Anregungen eingegangen und Dokumentation und Auswertung abgeschlossen waren, konnten schon einen Monat später Bezirksamt und BI zur Information in die Friedrich-Bergius-Schule einladen. Den gesetzlichen Vorschriften war genüge getan.

 

Der Platz wurde – trotz fachlicher Einwände von Bauamt und Baustadtrat Daniel Krüger – maßgeblich unter dem Einfluss der „Bürgerinitiative Breslauer Platz“ zu einem quartiersfremden Aufmarschplatz umgestaltet. Krügers Pech, er war Mitglied der CDU und damit jederzeit von ROT-GRÜN überstimmbar. Fakt ist wohl auch, dass die Führer der Bürgerinitiative allesamt nicht am Platz wohnen, die damaligen Einwände ignorierten und die aktuellen Beschwerden der Anwohner Nr. 14-18 einfach nicht zur Kenntnis nahmen.

 

Die von der BI erwünschte Platzergreifung durch die Bürgerschaft findet nicht statt. Da der BI nach dem missglückten Platzumbau die Argumente ausgehen, werden nun alte Hüte in neuer Verpackung hervorgeholt. Jetzt müssen die auf dem Platz spielenden „Flüchtlingskinder aus dem ehemaligen Rathaus“ herhalten, weil „eilige Autofahrer auf der zur Spielstraße umdeklarierten Lauterstraße zu waghalsigen Beschleunigungen“ ansetzen, weil „nach wie vor Autos unter Missachtung der durchgehenden weißen Linie rechts und links der markierten Fahrbahn parken, so dass der Platz weiterhin in zwei Hälften geteilt ist, mithin das erwünschte Erscheinungsbild einer einheitlichen Platzfläche mit den dadurch neu sich ergebenden Nutzungsmöglichkeiten verfehlt wird“. Die Anwohner können allerdings die Behauptungen der BI nicht bestätigen.

 

Die BI gibt nicht auf. Der Sprecher der BI Dipl.Ing. Joachim Glässel traf sich vor Ostern 2017 mit Stadträtin Christiane Heiß (GRÜNE). Sie kamen „dahingehend überein, für den Anlieferverkehr eine Lieferzone an der Ecke Niedstraße einzurichten sowie eine Kurzparkzone am Platz in der Rheinstraße. Außerdem soll der in die Niedstraße einmündende Verkehr aus der Rheinstraße durch eine vorgezogene Bürgersteig-Nase verlangsamt werden“.

 

Wie einem von der BI versandten Rundbrief zu entnehmen ist, wurde auch „verabredet, die Aufstellung eines Trinkbrunnens weiter zu verfolgen. Die BI hat dazu einen Edelstahl-Säulenbrunnen vorgestellt, dessen technischer Kern allen Anforderungen der Trinkwasserverordnung genügt“. Die Toilettenfrage wurde erst einmal vertagt, da das Land Berlin eine Neuorganisation des öffentlichen Toilettenwesens plant und das Bezirksamt den Breslauer Platz als neuen Standort auf die Dringlichkeitsliste setzen ließ.

 

Pläne und Entwürfe der Bürgerinitiative Breslauer Platz

 

Umbau Breslauer Platz

Breslauer Platz heute

 

Vor einiger Zeit waren die Macher der Bürgerinitiative Breslauer Platz dort ständig präsent. Da wurde über das Pflaster diskutiert, da wurden modische Blumenkübel ausgesucht, da wurde Woche für Woche über die Aufstellung der Marktstände palavert. Jetzt, da das Kind in den Brunnen gefallen ist, den sie trotz roter und grüner Unterstützung noch immer nicht durchgesetzt haben, halten sie sie sich fern, wohl auch, weil sie inzwischen auch vom deutlichen Unmut der Anwohner gehört haben. Jetzt versorgen sie nur noch die Kübelpflanzen mit Wasser, weil sie sich dazu verpflichtet haben.

 

Einen Platz für die Bürger wollten sie schaffen, geschafft haben sie einen unwirtlichen Aufmarschplatz, den die Friedenauer einfach nicht haben wollen. Marktleiter König brachte es auf den Punkt: Wenn kein Wochenmarkt stattfindet, dann tut sich dort nämlich nichts. Ich sehe an marktfreien Tagen kaum einen Menschen. Die von der Bürgerinitiative für den Breslauer Platz so sehr herbeigeredete Machtergreifung durch die Bürger findet einfach nicht statt. Das Gegenteil ist der Fall: Die Bürger meiden den Platz und ziehen sich unter die wenigen noch verbliebenen Bäume vor den Häusern der  Lauterstraße zurück.

 

Aus für den Brunnen auf dem Breslauer Platz

 

Wir wollten einen richtigen Brunnen auf dem Platz, forderte BI-Sprecher Joachim Glässel noch einmal am 23. März 2018 während einer öffentlichen Diskussion, zu der Bezirksstadträtin Christiane Heiß (DIE GRÜNEN) in das Rathaus Schöneberg eingeladen hatte, und meinte damit wohl jenen mittelalterlichen Schmuckbrunnen, mit dem die BI seit 2011 hausieren ging. Alles sei besprochen worden und dann habe die BI so nebenher erfahren, dass das Bezirksamt einen Trinkbrunnen bestellt und auch noch den Standort anders gewählt hätte, als wir das vorgeschlagen haben.

 

Bezirksstadträtin Christiane Heiß kontert: Ich rede ständig mit Mitgliedern der Bürgerinitiative und bekomme immer unterschiedliche Meinungen zu hören. So geht das nicht. In Zukunft lehnt sie solche individuellen Gespräche ab setzt nur noch auf öffentliche und transparente Diskussionsveranstaltungen.

 

Die Gründe für das Scheitern sind vielfältig. Hauptverantwortlich ist die Bürgerinitiative Breslauer Platz. Sie hat widersprüchlich, mit unterschiedlichen Stimmen und ungeschickt agiert. Auch der SPD-Antrag Passender Brunnen für den Breslauer Platz bleibt unklar. Unklar blieb, wer überhaupt einen Brunnen auf dem Breslauer Platz fordert. Für die Händler des Wochenmarkts machte Marktmeister König klar: Der Breslauer Platz ist 137 Jahre lang ohne Brunnen ausgekommen. Und er wird auch ohne Brunnen weiter funktionieren. König warnte davor, die Händler mit einem solchen Bauwerk zu behindern. Die Händler beleben diesen Platz. Wenn kein Wochenmarkt stattfindet, dann tut sich dort nämlich nichts. Ich sehe an marktfreien Tagen kaum einen Menschen. Nun gibt es einen Trinkbrunnen auf der Westseite des Platzes, den die Berliner Wasserbetriebe von April bis Oktober betreiben.

 

Was bleibt? Es bleibt die ernüchternde Erkenntnis, dass sich eine Bürgerinitiative mit unklarer Struktur und mannigfacher Stimmenvielfalt in eine Sackgasse manövrierte. Es bleibt die Beobachtung, dass ein Bezirksamt den Dialog mit den Bürgern nicht einmal im Ansatz beherrscht.