Übersichtsplan Stadt Schöneberg, 1909. Zur Verfügung gestellt vom Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg, Stadtentwicklungsamt Fachbereich Vermessung und Geoinformation

Wie auch immer das Viertel bezeichnet wurde und wird, Friedenauer Ortsteil von Schöneberg, Neu-Friedenau, Kamerun, Schwindelschweiz, Hinter der Wannseebahn, Malerviertel, Dürerkiez, Klagen über den Dürerplatz waren zu keiner Zeit überhörbar nur eben immer andere. Im Jahr 2020 sind es Sozialer Brennpunkt, Leerstand, Ladensterben, Abriss, Umbau und nun obendrein die Rattenplage, deren Mängelbeseitigung laut Straßen- und Grünflächenamt in Arbeit ist. Die Aufhübschung mit roten Metallsitzbänken, Bäume in backsteingefassten Hochbeeten, grauem City-WC, markiertem Weg und Batterien von Straßenbollern brachte nichts. An eine Besserung glaubte wohl auch Verlegerin Evelyn Weissberg nicht. Nach vielen Jahren in der Rembrandtstraße Nr. 5 ist sie nun mit dem Verlag Friedenauer Brücke in die Hackerstraße Nr. 3 geflohen.

 

Anlass genug, den Werdegang des Malerviertels von damals bis heute in Erinnerung zu rufen.

 

Adolph Menzel, Berlin-Potsdamer Bahn, 1847

1886

Nachdem erkannt wurde, dass die beiden Gleise der Stammbahn zwischen Berlin und Zehlendorf den Verkehr mit Personen-, Güter- und Sonderzügen nicht länger bewältigen können, schien es geboten, die Zahl der Hauptfahrgeleise zwischen Berlin und Zehlendorf um ein neues Gleispaar zu vermehren und den Betrieb so einzurichten, dass die ohne Aufenthalt durchfahrenden Züge die vorhandenen Hauptgeleise und die an den Zwischenstationen haltenden Züge auf den beiden neuen Geleisen verkehren.

Schöneberg-Friedenauer Terraingesellschaft, Aktie 1889

1889

Bevor der Ausbau beschlossen und mit der Projektierung der Neuen Wannseebahn begonnen werden konnte, hatten Spekulanten eine Fläche von 26 ha erworben – umschlossen von der Bahntrasse im Westen, der Steglitzer Grenze im Süden und der Holbeinstraße im Norden. Mit diesem Gelände und einem Kapital von 2 Mio. Mark wurde am 26. März 1889 die Schöneberg-Friedenauer Terraingesellschaft für An- und Verkauf von baureifen Parzellen und Mietshäusern gegründet. Die Stadt Schöneberg machte daraus am 12. Januar 1892 das Malerviertel, versehen mit Künstlernamen, die keinerlei Ortsbezug hatten. So entstanden Holbeinstraße (vorher Straße 1), Menzelstraße (3), Rembrandtstraße und Dürerplatz (5), Begasstraße (6), Beckerstraße (7), Peter-Vischer-Straße (8), Canovastraße (9), Cranachstraße (9), Knausstraße (46). Am 15. November 1901 kamen Thorvaldsenstraße (72) und 1914 Semperstraße hinzu.

 

 

 

 

 

 

Schöneberg-Friedenauer Terraingesellschaft Schöneberger Tageblatt, 19.11.1892

Um eine Verbindung zum Schöneberger Ortszentrum zu schaffen, wurde als erstes die Holbeinstraße angelegt, die später Rubensstraße wurde. Das erste Haus am Dürerplatz Nr. 1 Ecke Rembrandtstraße Nr. 14 errichtete Baumeister Schmidt. Mit der Eröffnung der Neuen Wannseebahn gab es ab 1891 den Tunnel zum Wannseebahnhof. 1892 wurde Dürerplatz Nr. 1 ein Verkaufsbüro der Schöneberg-Friedenauer-Terraingesellschaft eingerichtet. Geworben wurde mit Gesunde Lage, vorzügliche Verbindung nach Berlin durch Wannseebahn (fast durchweg 10-Minuten-Verkehr, Fahrtzeit 9 Minuten). Ringbahn, Dampfbahn, Pferdebahn, fertige Straßen-, Kanalisations-, Gas- und Wasseranlagen. Im Adressbuch von 1893 wird der Dürerplatz unter Friedenau geführt. Als im Jahr 1900 bereits 11 Baublöcke mit etwa 200 Parzellen und 56 fertige Häuser existierten, wurde man etwas genauer: Gehört postalisch zu Friedenau, politisch zu Schöneberg. Das Dreieck wird von Norden nach Süden durch drei parallel zur Rubensstraße laufende Straßen, nämlich die Cranachstraße, Menzelstraße und Knausstraße, von Westen nach Osten durch die vom Dürerplatz auslaufende Begasstraße, die von der Saarstraßenbrücke ausgehende Beckerstraße, die Peter-Vischer-Straße und die Canovastraße zerschnitten.


 

Dürerplatz um 1900. Archiv Rüdiger Barasch

1905

Ganz so einfach lief es mit Malerviertel und Dürerkiez nicht. Paul Graetz aus der Menzelstraße Nr. 4 deutete dies am 15. Februar 1905 gegenüber dem Bezirksverein Südwest an: Als ich im Jahre 1894 den Entschluss fasste, hier heraus zu ziehen, da sahen mich meine Freunde erstaunt an und sagten, Du willst nach Kamerun, nach der Schwindelschweiz. Ich hatte keine Ahnung, dass der Ortsteil so mißkreditiert war, fand leider manches bestätigt, aber auch manches nicht so schlimm. Auch Mieter gab es um diese Zeit, darunter auch welche, die bald durch die Polizei wieder expediert wurden. Wer hat aber Schuld daran? Diejenigen, die den Ortsteil gegründet haben. Da hat die Terraingesellschaft furchtbar gesündigt.

 

 

 

Der Dürerplatz sollte ein hervorragender Schmuckplatz werden. Jahrelang zerbrach man sich den Kopf darüber, was man aus dem kleinen Dreieck machen sollte. Mit einemmal hieß es, es käme etwas ganz besonderes hin, ein Denkmal irgendeiner Persönlichkeit, die sich besonders verdient gemacht hat und mit einemmal stand eine Bedürfnisanstalt da – mit Pissoirraum, 1 Aufenthaltsraum für die Wärterin, 1 Sitz für Männer und 2 Sitze für Frauen. Ausführung in Eisenfachwerk mit Kachelbekleidung (1911).

 

Die Bebauung des Dürerplatzes zog sich lange hin. Während die Häuser Dürerplatz Nr. 1 (Ecke Rembrandtstraße Nr. 14), Dürerplatz Nr. 2, Dürerplatz Nr. 3 (Ecke Cranachstraße Nr. 1) und Dürerplatz Nr. 5 (Ecke Rembrandtstraße Nr. 15) Anfang der 1890er Jahre errichtet, Wohnungen und Handlungen für Drogen, Colonialwaren und Obst sowie Gastwirtschaften vermietet waren, hieß es für die nördliche Seite mit Dürerplatz Nr. 5 (Ecke Rembrandtstraße Nr. 15), Dürerplatz Nr. 4 (Ecke Begasstraße 5) eigentlich bis 1898 Baustelle mit ständig wechselnden Eigentümern.

 

 

Friedenauer Brücke, 1910. Archiv Rüdiger Barasch

Mit Eröffnung der Friedenauer Brücke bekam das Malerviertel eine bequeme Verbindung mit Friedenau – und Dürerplatz und Rembrandtstraße neue Probleme. Nach der Anschüttung der Brückenrampen beschloss der Schöneberger Magistrat, das durch die Anrampungen benutzte Gelände der Eisenbahn-Direktion zu pachten sowie den an der Brücke im Zuge der Saarstraße längs der Rembrandtstraße befindlichen Stacheldrahtzaun anzukaufen. Kaum war die geklärt, überraschte der Friedenauer Lokal-Anzeiger 1905 mit der Nachricht, dass in nächster Zeit mit den Arbeiten für den Güterbahnhof auf dem Wannseebahnhofgelände begonnen werden soll. Kohlenhändler und Gärtnerei, die bisher auf dem Gelände ihre Lagerplätze hatten, wurden aufgefordert, den Platz zu räumen. Zurzeit ist man mit dem Abtragen der Erde an den Böschungen der Rembrandtstraße beschäftigt. Dort werden später auch Güterabfertigungsgebäude errichtet werden. Die Bewohner und Wirte sind von dem neuen Güterbahnhof nicht sehr erfreut, man befürchtet infolgedessen Kündigungen. Die Arbeitszüge mit ihrem Rangieren und Pfeifen machen sich schon jetzt, auch in der Nacht, recht unangenehm bemerkbar.


 

Übersichtsplan Stadt Schöneberg, 1909. Zur Verfügung gestellt vom Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg, Stadtentwicklungsamt Fachbereich Vermessung und Geoinformation. Güterbahnhof

Mit dem Bau des Malerviertels war auf der Fläche zwischen Stammbahntrasse und Rembrandtstraße ein eigener Güterbahnhof am Wannseebahnhof Friedenau mit Gleisen für die Entladung von Baumaterial entstanden, der nun zunehmend Kohlenhändlern und Bauunternehmern zur Verfügung steht. Inzwischen war aber aus dem sogenannten Friedenauer Ortsteil von Schöneberg ist ein ganzes Großstadtviertel mit vielen tausend Einwohnern geworden.

 

Friedenaus Bürgermeister Bernhard Schnackenburg kam am 24. Dezember 1907 um eine Bekanntmachung nicht umhin: Es wird darüber Klage geführt, dass für Einwohner von Friedenau bestimmte Stückgutsendungen vielfach den Bahnhof Wilmersdorf-Friedenau nicht erreichen und auf den Berliner Eingangsbahnhöfen in Empfang genommen werden müssen. Zur Klarlegung der Bahnhofsverhältnisse von Friedenau machen wir darauf aufmerksam, dass der Bahnhof Friedenau der Wannseebahn am Güterverkehr nur mit einer Ladestelle für Wagenladungen beteiligt ist. Güter nach diesem Bahnhof können daher nicht abgefertigt werden. Für den Stückgutverkehr kommt der Ringbahnhof Wilmersdorf-Friedenau in Frage. Es empfiehlt sich, im Frachtbrief als Bestimmungsstation stets Wilmersdorf-Friedenau vorzuschreiben.

 

Auf dem Übersichtsplan der Stadt Schöneberg von 1909  zweigen südlich der Friedenauer Brücke von der Stammbahntrasse zwei Gleise ab und führen parallel zur Rembrandtstraße bis zum Übergangsweg vom Dürerplatz zum Wannseebahnhof.

 

1909 wurden nach dem Bericht der Potsdamer Handelskammer auf dem Wannseebahnhof Friedenau 1.599.233 Fahrkarten verkauft. Auf dem Güterbahnhof Friedenau (Wannseebahn) gingen Wagenladungen von 188.930 Tonnen ein, versendet wurden 43.714 Tonnen. Stückgutverkehr findet auf dem Wannseebahnhof nicht statt. Dazu gehörten wohl auch die Lieferungen für die Kohlenplätze von W. Nickel und J. Möller sowie der Gärtnerei H. Kuhirtl mit der Adressangabe Rembrandtstraße.

 

Wochenmarkt auf dem Dürerplatz. Aufnahme aus den 1950er Jahren

1908

Bereits am 18. August 1908 wurde ein neuer Wochenmarkt auf dem Dürerplatz und in der Rembrandtstraße abgehalten. Die Einteilung des Marktes ist so gedacht, dass in der Fahrstraße auf dem Dürerplatz nur Obst-, Gemüse- und Blumenhändler Aufstellung nehmen, während Schlächter, Käsehändler usw. in der Rembrandtstraße vom Dürerplatz bis zur Rubensstraße ihren Stand haben. Mit der Zeit wurde der Markt bis in die Cranachstraße hinein erweitert, so dass der Verkehr am Dürerplatz geradezu unterbunden wurde.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1913

Mit viel Tamtam eröffnete 1913 das Restaurant Zum Dürer. Ausgeschenkt wurden Schultheiss‘ Märzen, Original-Pilsner, Kulmbacher Reichelbräu und Münchner Bürgerbräu. Für jene, die lieber in den eigenen Wänden genießen wollten, wurden obige Biere direkt vom Fass in Siphon-Krüge gefüllt. Das Konzept ging auf. Zum Dürer erlebte noch die 1940er Jahre.

 

 

 

 

 


 

1920

 

Über den Weg vom Wannseebahnhof zum Dürerplatz erhielten wir im Frühjahr 2020 eine Zuschrift von Michael Hoffmann: Vor dem Bau der Stadtautobahn war die Durchwegung nach oben offen ,links und rechts gab es kleine Geschäfte und es gab die ‚Pappschachtel‘, für mich, ich war in den 1950er Jahren Grundschüler in der 9. Grundschule in der Rubensstraße, war von besonderem Interesse, dass im Schaufenster unter der vergilbten Gardine ein großer Mampe-Elefant aufgestellt war. Der Name spricht ja dafür, dass es zunächst ein einfacher Imbiss war. Wissen Sie etwas über dieses Restaurant?

 

In der Tat gab es im Ausgang bzw. Durchgang vom Wannseebahnhof zur Rembrandtstraße diverse Läden, neben Zigarren G. Krause Wannseebahnhof, Ausgang Dürerplatz, auch die Pappschachtel. In einer Annonce vom 28. Januar 1920 im Friedenauer Lokal-Anzeiger wurde verkündet: Die Pappschachtel ist wieder eröffnet! Wein- und Likörstuben am Tunnel des Wannseebahnhofs Friedenau, Inh. Erich W. Eckert. Vornehme Abendmusik, ausgeführt von ersten Kräften Berlins. Gute Weine. Solide Preise.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Plan von Helmut Winz

1943

Der Bombenangriff am 23./24. August 1943 hat am Dürerplatz und in den angrenzenden Straßen Ruinen hinterlassen. Ein Wiederaufbau der Häuser, das machen die Fotos aus der Nachkriegszeit deutlich, wäre durchaus möglich gewesen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1952

 

Auf dem Grundstück Dürerplatz Nr. 1 entstand 1952 nach Plänen von Ferdinand Ratzig ein Neubau, in den der Kinoarchitekt Bruno Meltendorf das Filmtheater Palette integrierte. Das Kino wurde am 13. Oktober 1952 eröffnet: Der zweigeschossige, eigenständige Kinobau öffnet sich mit abgerundeter Eckfront zum Dürerplatz. Zwei freistehende Anzeigevitrinen flankieren den Eingangsbereich über dem der schwungvolle Namenszug das vorkragende Dach bekrönt. Während das Entrée durch ein abwechslungsreiches und gegenläufiges Spiel von konkav und konvex ausladenden Formen überzeugt, weist die fast fensterlose Seitenansicht eine blockhafte Gestaltung auf. Die geschwungenen Formen bestimmen auch das Foyer, in dem eingelassene Vitrinen die Saalrückwand auflockern. Die hell-cremegelben Wände im sich leicht zur Bühne verjüngenden Saal kontrastieren mit den rot-gold gepolsterten Sitzen. Eine muldenförmige Absenkung ersetzt die sonst übliche Neigung des Parketts. Die „Palette“ hatte 587 Plätze. Gespielt wurde an sieben Tagen. Mit dem Kinosterben in den 1960er Jahren kam 1966 das Aus für die Palette. (Aus: Tobias Kuttner, Kinoarchitektur in Berlin 1895-1995)

 

 

 

 

Dürerplatz, Baustelle 1978. Quelle Museum Schöneberg

1978

 

Obwohl die im Krieg nur teilweise zerstörten Häuser Dürerplatz Nr. 4 und Nr. 5 hätten wieder aufgebaut werden können, genehmigte das Schöneberger Bauamt den Abriss und den Neubau auf den Grundstücken Dürerplatz Nr. 4 und Nr. 5/Ecke Rembrandtstraße Nr. 6 in einer vollkommen veränderten Kubatur, die im krassen Gegensatz zu den Bauten aus den Anfängen des Malerviertels standen. Die einst wohl überlegte Struktur mit zwei seitlichen Schmuckplätzen - getrennt durch eine angedachte Straße als Fortsetzung des Tunnelweges -  wurde aufgegeben. Was am Eckhaus Begas- und Menzelstraße noch an Stuck vorhanden war, wurde abgeschlagen. So war die Zeit.

Westtangente, Blick von der Friedenauer Brücke. Foto Hahn & Stich, 2016

1968

 

Mit dem Bau der Mauer waren ab 1961 innerhalb der Westsektoren von Berlin wichtige Nord-Süd-Straßenverbindungen unterbrochen. Um die neuen Verkehrsströme zu bewältigen, wurde innerhalb von sechs Wochen eine Entlastungsstraße durch den Großen Tiergarten geschlagen. Da die Probleme damit nicht gelöst waren, wurden in den 1960er Jahren Bundesallee, Schmiljanstraße und Saarstraße autobahnähnlich ausgebaut. Der Verkehr über den historischen Straßenzug der Haupt-, Rhein- und Schloßstraße blieb. Auf den freien Flächen entstand zur Entlastung von Friedenau und Steglitz neben den Trassen von Stamm- und Wannseebahn das 4,2 km lange Teilstück der Westtangente (A 103) vom Kreuz Schöneberg (A 100) bis zur Birkbuschstraße in Steglitz. Gleichzeitig wurden am Rand der Autobahn Ausbuchtungen für BVG-Haltestellen der Buslinie 84 errichtet. Nach Übernahme der S-Bahn durch die BVG und Wiederinbetriebnahme der Wannseebahn wurde der Busverkehr auf der Stadtautobahn 1985 eingestellt. Die Haltestellen an Saar-, Filanda- und Albrechtstraße wurden zurückgebaut.

 

 

Stammbahn. Google. Bearbeitung Hahn & Stich, 2019

2006

 

Spätestens mit der Inbetriebnahme des viergleisigen 3453 Meter langen Tiergartentunnels der Nord-Süd-Fernbahn für Anhalter und Dresdener Bahn am 28. Mai 2006 wurde deutlich, dass die Deutsche Bahn auch eine Reaktivierung der Stammbahn plant. Die Trasse war nie aufgegeben worden, sondern nur stillgelegt. Daher wurde am Ein- bzw. Ausgang des Tunnels bereits eine Möglichkeit geschaffen, über die eine Ein- und Ausfädelung der Stammbahnzüge und ein Halt in den Tunnelbahnhöfen Berlin-Potsdamer Platz und Berlin-Hauptbahnhof (tief) möglich wird.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2019

 

Am 15. Mai 2019 wurde in der BVV von Tempelhof-Schöneberg der Antrag Drucksache Nr. 1192/XX Rückbau der ehem. A103 (Westtangente) vom Steglitzer Kreisel zum Schöneberger Sachsendamm zu einer leistungsfähigen 4-spurigen Stadtstraße mit Radverkehrsanlagen sowie Rückbau der raumgreifenden Überleitungsfahrbahnen zur A100 beraten: Ziel ist die Schaffung eines urbanen gemischten Stadtquartiers mit kommunalen und genossenschaftlichem Wohnraum in der Größenordnung von 1.500 Wohnungen, Infrastruktur sowie gewerblichen Flächen. Die BVV stimmte dem Antrag mehrheitlich zu.

 

 

 

Ungewöhnlich findet Bürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski von Steglitz-Zehlendorf den Vorgang. Normalerweise sei es üblich, dass Nachbarn über ihre Idee vorher sprechen. Das sei nicht geschehen. Die BVV von Steglitz-Zehlendorf hat das Bezirksamt am 13. November 2019 aufgefordert, ausdrücklich zu erklären, dass die A103 (Westtangente) als Bundesautobahn bis auf Weiteres im vollen Umfang erhalten bleiben soll.

 

Eine Anhörung der Bürgerinitiativen der südlichen Vororte, die seit langem zur Entlastung des Straßenverkehrs eine Wiederinbetriebnahme der Stammbahn fordern, hielt Tempelhof-Schöneberg für nicht nötig. Marijke Höppner/Christoph Götz Geene (SPD), Rainer Penk/Ralf Kühne (GRÜNE) sowie Elisabeth Wissel (LINKE), die den Antrag einbrachten, haben ein gestörtes Demokratieverständnis.

 

Rückbau der A103 und Bebauung der Fläche mit Wohnungen sind ohne Zustimmung des Landes Berlin und auch ohne die Deutsche Bahn nicht möglich. Bekannt sein dürfte, dass bei einer Wiederinbetriebnahme der Stammbahn der gesamte Trassenabschnitt zwischen Yorckstraße und Zehlendorf ausgebaut werden müsste, da der heute notwendige Gleisabstand auch eine Verbreiterung der Bahntrasse zur Folge hätte. Dies würde neben Erneuerung bzw. Anhebung zahlreicher Brücken auch Veränderungen an bisherigen Straßenverläufen nach sich ziehen.

 

 

 

 


 

Innerhalb des Bezirksamtes Schöneberg ist es um Abstimmung auch nicht zum Besten bestellt. Obwohl die BVV den Rückbau der A103 und die Bebauung der Fläche mit Wohnungen beschlossen hat, und obwohl die Pläne der Deutschen Bahn für die Wiederinbetriebnahme der Stammbahn bekannt sind – die Bürger durchaus einen Zusammenhang erkennen – stimmte das Schöneberger Bauamt unlängst einer Erweiterung der ALDI-Fläche zwischen Dürerplatz und Rembrandtstraße zu – ohne in der Lage zu sein, Genaueres mitzuteilen. Daraufhin wurden erst einmal drei Stockwerke des Hauses Rembrandtstraße Nr. 14 entfernt. Inzwischen wurde der Abriss eingestellt. Bauarbeiten finden nicht statt. Gründe sind nicht bekannt.

 

Dürerplatz und Rembrandtstraße inklusive Tunnelzugang zum Wannseebahnhof brauchen ein städtebauliches Konzept, um die Lebensqualität des gesamten Malerviertels wieder zurückzugewinnen. Entscheidungen sind erforderlich, auch gegen vor Jahrzehnten erteilte Baugenehmigungen, auf die sich die heutigen Eigentümer im Rechtstreit berufen könnten. Da muss man durch.