Eschenstraße Nr. 2. Wikipedia Bodo Kubrak, 2013

Eschenstraße Nr. 2

Baudenkmal Mietshaus

Entwurf & Bauherr Architekt Josef Becker

1905

 

Das viergeschossige Mietswohnhaus Eschenstraße Nr. 2, das der Architekt Josef Becker (wie auch die Häuser Nr. 6 und 7) nach eigenen Plänen für sich selbst als Bauherr 1905 errichtet hat, zeigt in der Ecksituation auf der Nordseite der hier stumpfwinklig abknickenden Straße eine asymmetrische, dreizehnachsige Straßenfassade mit drei Risaliten. Der mittlere Risalit nimmt das straßenseitig gelegene Treppenhaus auf. Die Risalite werden von unterschiedlich ausgeführten Quergiebeln mit Fachwerk bekrönt, die dem steilen Schieferdach eine malerische Gliederung geben. Die gut erhaltene Stuckfassade zeigt eine Rustizierung des Erdgeschosses und eine Gliederung der Risalite mit rustizierten Pfeilervorlagen, die mit Frauenköpfen geschmückt sind. Die Brüstungen zwischen den Pfeilervorlagen sind mit Stuck-Kartuschen gefüllt. Das dritte Obergeschoss ist durchgehend mit kleinen Pilastern gegliedert. Die Jugendstil-Fassade des Hauses demonstriert die Qualität der neuen, nicht mehr historistisch orientierten Berliner Mietshausarchitektur. Der Vorgarten ist mit einem Jugendstilgitter zwischen Ziegelpfeilern eingefriedet. Topographie Friedenau, 2000

Paul Rosenhayn, Die Drei auf der Platte, 1915

Eschenstraße Nr. 3

Paul Rosenhayn (1877-1929)

 

Kennen Sie Paul Rosenhayn? Wir kannten den Autor bisher auch nicht. Das scheint eine Bildungslücke zu sein, weil die 1915 veröffentlichten und nun wieder erhältlichen Detektivgeschichten für Krimifans „eine echte Entdeckung“ sind. Sie gestehen ein, dass „die Sprache manchmal etwas antiquiert wirkt, aber dies würde durch ausgefallene Plots und Bezüge auf das Zeitgeschehen“ wettgemacht.

 

Joe Jenkins ist der Held, ein amerikanischer Privatdetektiv, der sich nach seiner Ankunft in Berlin an angeblich unlösbare Fälle macht: Ein verschollener Geheimvertrag, ein geheimnisvolles grünes Licht, ein zurückgekehrter Toter, ein hinterhältiger Mord in der Theaterszene, ein rätselhafter Flugzeugabsturz. Joe Jenkins übernimmt jeden Fall, sofern die Polizei mit ihrer Weisheit am Ende ist, und sorgt mit seinem Verstand für Aufklärung und Gerechtigkeit.

 

Dieser Paul Rosenhayn (1877-1929) wurde in Hamburg geboren, absolvierte zunächst die Schule in England, danach ein deutsches Gymnasium. Die Sprachkenntnisse, das Verständnis für die beiden Milieus, öffneten ihm die Welt. Er unternahm Reisen, Europa, Amerika, Indien, entschied sich für den Journalismus, schrieb für englische und deutsche Zeitungen und ließ sich in der Friedenauer Eschenstraße Nr. 3 nieder. Hier begann er mit Kriminalgeschichten.

 

Der weltgewandte Journalist wusste, was er dem Publikum liefern musste. Er orientierte sich an Sherlock Holmes, lieferte auf 15 bis 25 Seiten spannende Geschichte und legte 1915 die „Elf Abenteuer des Joe Jenkins“ vor:

 

 

 

 

 

Eschenstraße Nr. 6. Wikipedia Bodo Kubrak, 2013

Eschenstraße Nr. 6

Baudenkmal Mietshaus

Entwurf & Bauherr Architekt Josef Becker

1905

 

In der Eschenstraße, die als später eingefügte Wohnstraße die Görres- mit der Stubenrauchstraße verbindet, sind im Knick der Straße drei einander gegenüberliegende Mietwohnhäuser, die alle von dem Architekten Josef Becker aus dem Jahr 1905 stammen, als Baudenkmale eingetragen. Die drei Bauten mit ihren verschieden gestalteten Fassaden dokumentieren ein reiches Entwurfsrepertoire des Architekten. Das Mietwohnhaus Eschenstraße Nr. 6 hat zwei Aufgänge und eine zwölfachsige, völlig symmetrische Fassade. Beiderseits der beiden straßenseitigen Treppenhäuser ist je ein Erker mit äußeren Balkonloggien angeordnet, in der vierachsigen Mitte befindet sich pro Geschoß je ein Doppelbalkon. Das Dach wird durch einen eingeschossigen Dachpavillon mit Atelier überhöht, in der Brüstung unter dem Atelierfenster befindet sich ein großes Rankenrelief mit Früchten und Vögeln. Die Erker sind im ersten und zweiten Obergeschoß durch korinthische Kolossalpilaster gegliedert, und ihr oberer gerader Abschluß ist mit seitlichen Voluten verziert. Die beiden Hauseingänge werden durch neoromanische Trichterportale mit Archivolten und Säulchen hervorgehoben. Dieses Haus ist noch mit historistischen Elementen gestaltet worden.

Topographie Friedenau, 2000

 

 

 

 

 

In der Eschenstraße Nr. 6 wohnte von 1907 bis 1937 der Bildhauer Heinrich Mißfeldt (1872-1945). Sein Atelier hatte er im Casalschen Bildhauerhof an der Bachestraße Nr. 10. Heinrich Christian Ludwig Mißfeldt wurde am 20. Dezember 1872 in Kiel geboren. Der Vater war Inhaber einer Ziegelei und bestand offensichtlich darauf, dass sein Spross erst einmal eine Lehre als Holzbildhauer absolvierte. Mit 19 Jahren ging er an die Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums in Berlin. Sie war 1868 eröffnet worden, um dem wachsenden Gewerbe ein Mehr an künstlerischem Empfinden zu vermitteln, das wiederum zu besser gestalteten Produkten führen sollte. Die Schüler wurden in Tages- und Abendkursen unterrichtet. Es folgte ein Studium an der Akademie der Künste. 1899 trat Mißfeldt mit ersten Arbeiten an die Öffentlichkeit, zuerst in Kiel mit der Statuette des niederdeutschen Schriftstellers Klaus Groth (1899), dann für Husum das Grabmal aus Bronze und Granit für den Schriftsteller Johann Meyer (1904), später den Grabstein der Familie Taeschner auf dem Luisenstädtischen Friedhof in Berlin und 1903 mit der Bronzestatuette „Kugelspieler“ – der künstlerische Durchbruch.

 

Am 5. Oktober 1906 gab es in Kiel die Hochzeit mit der 1867 in Kiel geborenen Ottilie Dorothea Friederike, Bertha geb. Meyer. Im Adressbuch von 1907 ist der Bildhauer Heinrich Mißfeldt in der Wilhelmstraße Nr. 7 eingetragen. Es ist davon auszugehen, dass mit dieser Adresse der Bildhauerhof von Valentino Casal gemeint ist, in dem er ein Atelier gemietet hatte. Dort müsste die Marmorfigur „Abschied“ entstanden sein, die Kaiser Wilhelm dann für das Schloss Wiesbaden erworben hat.

 

Als der Abschied von Bürgermeister Bernhard Schnackenburg anstand, bestellte die Gemeinde Friedenau bei Mißfeldt eine Bronze, die Schnackenburg 1909 zum Antritt als Oberbürgermeister von Altona überreicht wurde – gegossen in der Bildgießerei Hermann Noack. Heinrich Mißfeldt bleibt Friedenauer. Das Atelier in der Wilhelmstraße behält er. Dort entstehen 1921/22 eine Reihe von Kriegerdenkmalen, darunter 1923 aus Ziegeln und Muschelkalk das Mahnmal für die Opfer des Ersten Weltkriegs (1923). 1910 zieht die Familie in die Eschenstraße Nr. 6 und 1936 in die Stierstraße Nr. 20. Zur Zeitgeschichte gehört allerdings auch, dass nach seinem Entwurf das bronzene „Reliefportrait Adolf Hitler“ in der Größe von 7,8 x 8,2 cm entstand, gegossen bei Noack, signiert mit H. Mißfeldt und von der Lehrgießerei der Vereinigten Aluminium-Werke AG vielfach vervielfältigt. Heinrich Mißfeldt starb am 27. Oktober 1945 in Torgau.

 

Eschenstraße Nr. 7. Wikipedia Bodo Kubrak, 2013

Eschenstraße Nr. 7

Baudenkmal Mietshaus

Entwurf & Bauherr Architekt Josef Becker

1905

 

In der Eschenstraße, die als später eingefügte Wohnstraße die Görres- mit der Stubenrauchstraße verbindet, sind im Knick der Straße drei einander gegenüberliegende Mietwohnhäuser, die alle von dem Architekten Josef Becker aus dem Jahr 1905 stammen, als Baudenkmale eingetragen. Die drei Bauten mit ihren verschieden gestalteten Fassaden dokumentieren ein reiches Entwurfsrepertoire des Architekten.

Das Nachbarhaus Eschenstraße Nr. 7 wurde 1905 von Josef Becker als Jugendstilmietwohnhaus errichtet: Es ist ebenfalls viergeschossig, aber dreizehnachsig, und besitzt zwei Aufgänge. Es hat eine leicht asymmetrische Fassade mit zwei Erkern, von denen der östliche über dem Hauseingang auskragt, während der westliche sich als Standerker neben dem entsprechenden Eingang erhebt. Die vierachsige Mitte wird von einem um ein Stockwerk erhöhten Dachpavillon mit einer Reihe schmaler Fenster und einem Atelierdachflächenfenster bekrönt. Das Erdgeschoß zeigt Putznutung und das erste Obergeschoß glatten Putz. Die übrigen Obergeschosse sind durch schmale vertikale Rücklagen mit Blattornamenten - speziell in den Lisenen der Erker - gegliedert. Die Vorgarteneinfriedung ist gut erhalten, auf den Einfriedungspfeilern der Zugänge sind lebensgroße musizierende und singende Kinderfiguren aufgestellt.

Topographie Friedenau, 2000

 

Eschenstraße Ecke Stubenrauchstraße. 1910. Archiv Barasch

Aus dem Friedenauer Lokal-Anzeiger, 18.06.1907

Zuschriften

 

Sehr geehrte Redaktion! In Ihrem geschätzten Blatte war in letzter Zeit mehrfach von Balkons die Rede. Es wurde da anschaulich geschildert, wie die Straßenpassanten unter den üblen Neigungen von Balkonbewohnern zu leiden haben, von denen sich die einen als Wiedertäufer, die anderen gar als Pyrotechniker betätigen. Ein andermal wird geklagt, dass den glücklichen Besitzern solcher Schmuckkästchen der luftige und duftige Aufenthalt aus diesen dadurch verleidet wird, dass eine Vertreterin des schönen Geschlechts der Aufforderung: „Singe, wem Gesang gegeben" nur allzu reichlich Folge leistet. Als ich, auf meinem Balkon sitzend, dies alles las, da dankte ich im Stillen meinem Schöpfer, dass ich außer Petrus Niemanden über mir habe, der mich begießen kann, auch die musikalischen Darbietungen in unserer stillen Straße sind erträglicher Natur. Herz, was willst du mehr? Doch dass auf dieser schönen Erde es nie zu wohl dem Menschen werde, dafür wird bekanntlich immer gesorgt, — in unserem Falle (denn ich schreibe im Interesse der gesamten Nachbarschaft) ist es wieder eine Vertreterin des zarten Geschlechts, die aus durchaus unzarte Manier „Schicksal" spielt. Oder glaubt die Dame, dass das Aufhängen intimer und intimster Wäschestücke auf dem Balkon zum Schmucke der Straße dient oder imstande ist, beim Nachbar ästhetische Gefühle auszulösen? Wo bleibt da das Auge des Gesetzes, oder noch besser die Feuerwehr?! Ein Bewohner der Eschenstraße.

Adressbuch Eschenstraße, 1906
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