Name seit 1870, benannt nach Kronprinz Friedrich Wilhelm, der nach dem Tod seines Vaters Kaiser Wilhelm I. (1797-1888) im sogenannten Drei-Kaiser-Jahr zum Kaiser Friedrich III. (1831-1888) gekrönt wurde und nach 99 Tagen starb. Nachfolger wurde sein Sohn Kaiser Wilhelm II. (1859-1941).

 

Friedrich-Wilhelm-Platz, 1955

Der Mittelpunkt von Friedenau

 

Der  Situationsplan von dem Wilmersdorfer Oberfeld wurde am 25. Juli 1874 veröffentlicht. Den Auftrag hatte der Landeigentümer, Rittergutbesitzer Johann Anton Wilhelm Carstenn (1822-1896), dem Baumeister Johannes Otzen (1839-1911) erteilt. Otzen schuf die bis heute erhaltene Struktur von Friedenau – mit breiter Allee in der Mitte, den von dort ausgehenden schmalen Seitenstraßen und im Zentrum einen ovalen Platz mit Grünflächen im Gemeinbesitz von 275 × 85 Meter , einen bereits von Cicero geforderten Stadtplatz, auf dem sich die Bewohner treffen und „zusammenraufen“ sollten. Geplant, getan. Der Platz erfüllte bis Ende der 1880er Jahre seine Funktion.

Dann forderten die Protestanten eine Kirche und dachten sich dafür den Friedrich-Wilhelm-Platz aus. Die Gemeinde Friedenau kam in die Bredouille. Der Bau von Gotteshäusern gehörte schließlich zu den Lieblingsprojekten von Kaiser Wilhelm II. Nach einigem Hin und Her war die Gemeinde am 4. Dezember 1890 bereit, einen Bauplatz am südlichen Platzrand zur Verfügung zu stellen.

 

Im Grundbuch wurde dazu ein Vermerk aufgenommen: „Der Kirchengemeinde Friedenau steht an diesem Grundstück der ungestörte und unentgeltliche Besitz, Gebrauch und Genuss zu, und wird dasselbe erst dann wieder freies Eigentum der politischen Gemeinde Friedenau, wenn die darauf erbaute evangelische Kirche als solche eingeht. Die Größe des von der Kirche eingenommenen Platzes beträgt 11 a 3 qm. Der Platz um die Kirche herum ist durchweg Eigentum der bürgerlichen Gemeinde geblieben, und daraus erklärt sich auch, dass die dort befindlichen gärtnerischen und sonstigen Anlagen von der bürgerlichen und nicht von der Kirchengemeinde unterhalten werden.“ Am 21. Oktober 1891 wurde der Grundstein gelegt. Im März 1892 begannen die Bauarbeiten nach einem Entwurf des Architekten Carl Doflein (1852-1944). Am 10. November 1893 wurde die Kirche Zum Guten Hirten eingeweiht.

 

Nach dem Sieg am 2. September 1870 der preußischen, bayerischen, württembergischen und sächsischen Truppen über die französische Armee in der Schlacht bei Sedan kam der Kriegerverein auf die Idee, für die jährliche Feier zum Sedantag auch in Friedenau ein Kriegerdenkmal zu errichten. Der Vorschlag fiel auf fruchtbaren Boden. Baumeister Ludwig Dihm (1849-1928) erbot sich für Entwurf und Ausführung – selbstverständlich auf dem Friedrich-Wilhelm-Platz, südlich die Kirche Zum guten Hirten, nördlich das Friedrich-Wilhelm-Denkmal, das am 18. Oktober 1901 eingeweiht wurde. Dem Centralblatt der Bauverwaltung vom 12. Oktober 1901 schien „der Platz weniger geeignet: Hätte man seinerzeit die Anlage eines Denkmals schon berücksichtigen können und eine wirkliche, geschlossene Platzgestaltung erstrebt, und hätte man dazu die Kirche auf der Mitte des Platzes oder besser noch weiter zurück errichtet, so würde dies die höchst erwünschte Folge gehabt haben, dass das Denkmal vor der Haupteingangsseite der Kirche errichtet werden konnte. Nunmehr musste es im Rücken der Kirche aufgebaut werden. So kann doch von der Schaffung eines schönen, einheitlichen Platzbildes leider nicht die Rede sein“.

 

Im März 1926 wartete der Schöneberg-Friedenauer Lokal-Anzeiger mit der Schlagzeile Berlin will den Friedrich-Wilhelm-Platz skalpieren auf: Die Straßenbahngleise um den Friedrich-Wilhelm-Platz sollten „auf einen besonderen, erhöhten Bahnkörper verlegt werden, der eine Rasendecke erhalten soll. Zur Ausführung des eingereichten Bauentwurfes ist die Veränderung des rings um den Platz führenden Bürgersteiges notwendig, der etwas verschmälert und auf der Ostseite um einen halben Meter, auf der Westseite um ein und einen halben Meter in die Anlagen hineingeschoben werden muss. Bei der Länge des Platzes bedeutet das eine Verminderung der Schmuckfläche um rund 400 Quadratmeter“. In seltener Einmütigkeit von Einwohner und Bezirksamt Schöneberg-Friedenau kam der Protest: „Auf, ihr Bürger! Lasst euch eure Grünflächen, deren Friedenau nur wenige und in bescheidenem Umfange hat, nicht schmälern! Lasst euch das Herzstück eurer Schmuckanlagen nicht verschandeln!“

 

Bis in die 1960er Jahre hinein war der Friedrich-Wilhelm-Platz Mittelpunkt von Friedenau – mit Kirche, Denkmal, Brunnen, Grünanlagen und Spielplatz. 1961 kam die Mauer. Westberlin brauchte eine Straßenverbindung vom Wedding nach Steglitz. Es kam der Ausbau der Bundesallee mit dem „Knick“ in die Schmiljanstraße und der Bau der U-Bahn-Linie 9, deren Trasse östlich von der Kirche Zum Guten Hirten verlegt werden musste. Daher auch der „gekrümmte Bahnsteig“. Ohne Not wurden Denkmal und Brunnen abgerissen. Mit der Schnellstraße Bundesallee wurde Friedenau in zwei Teile zerlegt. Von der Blockbebauung wurden Brandwände hinterlassen. Die Burg von Otto Hoffmann und das Landhaus von Paul Kunow wurden aus dem Zusammenhang gerissen. Eine anstehende neue Platzgestaltung hielten weder Senat noch Bezirksamt bis heute für nicht erforderlich.

 

Die Kirche Zum Guten Hirten, um 1930

Kirche Zum Guten Hirten

 

Die Villenkolonie Friedenau gehörte zuerst zu Deutsch, Wilmersdorf, da er auf der Feldmark dieses Dorfes erbaut ist. Am 1. Oktober 1889 ist Friedenau aus dem kirchlichen Verband von Deutsch-Wilmersdorf ausgeschieden und am 2. Juli 1889 zu einer selbstständigen Kirchengemeinde erhoben worden. Der unter Leitung des Geheimen Kanzleirates Robert Lefèvre (1843-1905) 1887 gegründete Kirchbauverein bemühte sich fortan, den Bau eines eigenen Gotteshauses voranzutreiben. Der ursprünglich vorgesehene Wilmersdorfer Platz war zu klein. Nach einigem Hin und Her war die Gemeinde am 4. Dezember 1890 bereit, einen Bauplatz am südlichen Rand des Friedrich-Wilhelm-Platzes zur Verfügung zu stellen.

 

Im Grundbuch wurde dazu ein Vermerk aufgenommen: „Der Kirchengemeinde Friedenau steht an diesem Grundstück der ungestörte und unentgeltliche Besitz, Gebrauch und Genuss zu, und wird dasselbe erst dann wieder freies Eigentum der politischen Gemeinde Friedenau, wenn die darauf erbaute evangelische Kirche als solche eingeht. Die Größe des von der Kirche eingenommenen Platzes beträgt 11 a 3 qm. Der Platz um die Kirche herum ist durchweg Eigentum der bürgerlichen Gemeinde geblieben, und daraus erklärt sich auch, dass die dort befindlichen gärtnerischen und sonstigen Anlagen von der bürgerlichen und nicht von der Kirchengemeinde unterhalten werden.“

 

Am 21. Oktober 1891 wurde der Grundstein gelegt. Im März 1892 begannen die Bauarbeiten nach einem Entwurf des Architekten Carl Doflein (1852-1944). Am 10. November 1893 wurde die Kirche Zum Guten Hirten eingeweiht.

 

Das Centralblatt der Bauverwaltung veröffentlichte am 11. November 1893 einen ausführlichen Bericht. Sie finden diesen auf der nachfolgenden PDF.

 

Kirche Zum Guten Hirten, Centralblatt der Bauverwaltung 11. November 1

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125 Jahre Zum Guten Hirten

27.10.2018

 

Die Kirche „Zum Guten Hirten“ am Friedrich-Wilhelm-Platz wurde am 10. November 1893 eingeweiht. 19 Jahre nach Gründung der Landhauskolonie hatte Friedenau eine eigene evangelische Kirche. Anlass genug, auf 125 Jahre zurückzublicken. Dass es innerhalb der Kirchengemeinde auch „Getrennte Wege“ gab, machte der Berliner Historiker Dr. Hansjörg Buss deutlich, der in der Kirche am 26. Oktober vor einem erstaunlich großen Publikum über die „Zeit des Nationalsozialismus“ sprach. Seine Ausführungen bekamen eine besondere Brisanz, da sich das Grab von Pfarrer Paul Vetter (1869-1938) auf dem Friedhof Stubenrauchstraße in einem erbärmlichen Zustand befindet.

 

Paul Vetter hatte sein Friedenauer Amt am 1. Juni 1910 angetreten. Mit den Pfarrern Otto Görnandt (1851-1918) und Rudolf Kleine (1870-1928) hatte der fortwährend im Wachstum begriffene Vorort nun einen dritten Geistlichen.

 

Paul Vetter wurde am 16. Oktober 1869 in Berlin geboren. Er besuchte das Friedrich-Wilhelms-Gymnasium, studierte Theologie an den Universitäten Tübingen, Halle und Berlin, bestand die erste theologische Prüfung 1892, die zweite 1894 in Berlin, war zwischen beiden Prüfungen Einjährig-Freiwilliger beim Infanterie-Regiment 35 in Brandenburg und besuchte das Lehrerseminar in Cammin. Von 1893 bis 1895 war er Mitglied des Predigerseminars in Wittenberg und 1895 bis 1896 Lehrvikar in Frankfurt an der Oder. Nach der Ordination am 6. November 1896 wurde er bis 1897 Hilfsprediger an der Lutherkirche und Pfarrverweser in Charlottenburg. 1898 wurde er Pfarrer in der Ofenstadt Velten. Mehr als 12 Jahre hat er dort gewirkt. Er wäre „gerne geblieben, wenn ihn nicht die Ausbildung seiner Kinder veranlasst hätte, von hier fortzugehen, da hier höhere Schulen noch fehlen“. Nach seiner Berufung zog er mit Frau Elisabeth und drei Kindern in das Friedenauer Gemeindehaus.

 

Elisabeth Vetter wurde in den Vorstand der „Ev. Frauenhilfe Friedenau“ gewählt. Er selbst übernahm bis 1917 die Leitung des „Christlichen Vereins Junger Männer“. Als Seelsorger war Vetter für den Bezirk III mit Büsing- 1-22, Frege- 25-27b, Goßler- 1-10, 24-30, Handjery- 44-66, Ill- 1-14, Kirch- 1-28, Rhein- 19-39a, 45-54, Ring- 15-42, Rönneberg- 1-17, Rotdorn- 1-17, Saar- 1-9, 14-21, Stubenrauch- 1-17, 59-73, Wiesbadener Straße 1-8, 83-89 sowie für Kaiserallee 76-130 und Friedrich-Wilhelm-Platz 8-9 zuständig.

 

 

Friedenau hatte inzwischen 39.400 Seelen. Eine vierte Pfarrstelle wurde nötig. Am 1. März 1916 trat Bruno Marquardt (geb. 1885), bisher Hilfsprediger an der Friedenskirche in Potsdam, sein Amt an. Nach dem Tod von Pfarrer Otto Görnandt übernahm Pfarrer Karl Foertsch (geb. 1883) im Jahr 1919 diese Stelle. Die freigewordene Stelle von Pfarrer Rudolf Kleine wurde nach seinem Tod 1928 mit Pfarrer Siegfried Nobiling (geb. 1891) besetzt.

 

Hier setzen die Forschungen von Hansjörg Buss an. Denn mit Pfarrer Nobiling hält die innerevangelische Glaubensbewegung der „Deutschen Christen“ Einzug in Friedenau. Sie ist von Anfang an eng mit den Nationalsozialisten verbunden und kann kurz nach deren Machtergreifung bei den reichsweiten Kirchenwahlen 1933 auch in Friedenau eine „satte Mehrheit“ für sich verbuchen. Repräsentiert wurden die Deutschen Christen in Friedenau von den Pfarrern Siegfried Nobiling, Bruno Marquardt und dem „farblosen“ Mitläufer Adolf Wolff. Hakenkreuz und Christenkreuz, so meinte 1934 Pfarrer Bruno Marquardt, seien keine Gegensätze: „Bringt das Christuskreuz unsere christliche Gesinnung zum Ausdruck, so fügt das Hakenkreuz dem unsere restlos deutsch-völkische Einstellung hinzu.“

 

In Opposition dazu scharte sich in dieser Zeit eine Minderheit der Friedenauer Protestanten um Pfarrer Paul Vetter. Diese „Gemeindegruppe der Bekennenden Kirche“, so Buss, lehnte den Führungsanspruch der Nationalsozialisten innerhalb der Kirche ab und führte fortan ein „unabhängiges Gemeindeleben“ in den Räumen der benachbarten „Goßner Mission“ in der Handjerystraße. Damit war die Spaltung der Friedenauer Kirchengemeinde zu einer Tatsache geworden.

 

Historiker Hansjörg Buss führte in seinem Vortrag zahlreiche Beispiele für diese Spaltung an, die von Auseinandersetzungen und einem regelrechten „Kleinkrieg“ begleitet wurde. So füllt der Streit um die Nachfolge von Pfarrer Nobiling einen dicken Aktenordner. Am Ende setzte sich Lothar Nerger durch, Mitglied der Deutschen Christen und der SA. Führungspersönlichkeiten der Bekennenden Kirche in Friedenau seien als „Volks- und Staatsfeinde“ denunziert worden, so Buss. Pfarrer Paul Vetter durfte sogar sein 25-jähriges Gemeindejubiläum im Jahr 1935 nicht im angestammten Gemeindesaal feiern, sondern musste auf Räume der benachbarten Ev. Matthäus-Kirchengemeinde in Steglitz ausweichen.

Auch Hansjörg Buss konnte nicht restlos darüber aufklären, wie sich das alltägliche Nebeneinander der beiden Friedenauer Kirchengemeinden während der Zeit des Nationalsozialismus darstellte. Pfarrer Paul Vetter wurde häufig verbal attackiert und bei der Kirchenleitung „angeschwärzt“. Seine Frau verlor ihren Führungsposten innerhalb der Evangelischen Frauenhilfe Friedenau. Zur Verhaftung oder weitergehenden Sanktionen kam es aber nicht.

 

Pfarrer Paul Vetter starb 1938 und wurde auf dem Friedhof Stubenrauchstraße beerdigt. Sein Grab ist erhalten, befindet sich aber in einem sehr schlechten Zustand. Die Gründe dafür konnten am Vortragsabend in der Kirche „Zum guten Hirten“ leider nicht geklärt werden. Pfarrer Peter Martins regte an, dass sich eine Arbeitsgruppe mit dem Thema beschäftigen solle, damit das Grab in Zukunft wieder in einen würdigen Stand versetzt wird. Die weiteren Entwicklungen müssen wir also abwarten.

 

Die Stelle von Pfarrer Vetter wurde nach 1938 übrigens zunächst nicht wieder besetzt. Die Friedenauer „Notgemeinde der Bekennenden Kirche“ setzte sich aber über die Blockade durch die Deutschen Christen hinweg und berief Pfarrer Wilhelm Jannasch, einen Gegner der Nationalsozialisten, zu ihrem Seelsorger. Jannasch war es dann, der die beiden Kirchengemeinden nach dem Ende des Kriegs als geschäftsführender Pfarrer wieder zusammenführte. Bis auf Bruno Marquardt schieden nach 1945 die Anhänger der Deutschen Christen aus ihren Pfarrämtern in Friedenau aus.

 

Der Vortrag von Hansjörg Buss und die anschließende Diskussion zeigten deutlich, dass noch viele Fragen zum Gemeindeleben in der Zeit des Nationalsozialismus nicht beantwortet sind. Wir wissen jetzt aber mehr über die Rolle, die Pfarrer Paul Vetter damals spielte. Umso wichtiger ist es, dass nun das Augenmerk auf seine Grabstelle auf dem Friedhof Stubenrauchstraße gerichtet wird. Die Erhaltung und würdige Gestaltung seiner Ruhestätte wäre ein wichtiges Signal dafür, dass die Kirchengemeinde sich aktiv mit ihrer Geschichte auseinandersetzt.

 

***

Unter dem Menüpunkt Friedhof Stubenrauchstraße finden Sie einen Beitrag zu Pfarrer Paul Vetter.

 

Vortrag Dr. Hansjörg Buss, Getrennte Wege

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Friedrich III. als Kronprinz. Gemälde von Heinrich von Angeli, 1874

Friedrich-Wilhelm-Denkmal

 

Nach dem Sieg am 2. September 1870 der preußischen, bayerischen, württembergischen und sächsischen Truppen über die französische Armee in der Schlacht bei Sedan kam der Kriegerverein auf die Idee, für die jährliche Feier zum Sedantag auch in Friedenau ein Kriegerdenkmal zu errichten. Der Vorschlag fiel auf fruchtbaren Boden. Baumeister Ludwig Dihm (1849-1928) erbot sich für Entwurf und Ausführung – selbstverständlich auf dem Friedrich-Wilhelm-Platz, südlich die Kirche Zum guten Hirten, nördlich das Friedrich-Wilhelm-Denkmal, das am 18. Oktober 1901 eingeweiht wurde.

 

Dem Centralblatt der Bauverwaltung vom 12. Oktober 1901 schien „der Platz weniger geeignet: Hätte man seinerzeit die Anlage eines Denkmals schon berücksichtigen können und eine wirkliche, geschlossene Platzgestaltung erstrebt, und hätte man dazu die Kirche auf der Mitte des Platzes oder besser noch weiter zurück errichtet, so würde dies die höchst erwünschte Folge gehabt haben, dass das Denkmal vor der Haupteingangsseite der Kirche errichtet werden konnte. Nunmehr musste es im Rücken der Kirche aufgebaut werden. So kann doch von der Schaffung eines schönen, einheitlichen Platzbildes leider nicht die Rede sein“.

 

In den 1960er Jahren wurde die Bundesallee unter Herausnahme der Straßenbahn autobahnähnlich ausgebaut und die Straßenführung am Friedrich-Wilhelm-Platz umgestaltet. Die ursprüngliche Angerform des Platzes ging verloren. Mit dem „Knick“ am südlichen Ende wurde das Reststück der Bundesallee zwischen Friedrich-Wilhelm-Platz und Walther-Schreiber-Platz seiner ehemaligen Funktion beraubt. Der Verkehr der Bundesallee wurde auf die Schmiljanstraße und weiter zur Westtangente geführt. Mit dem Bau des U-Bahnhofs Friedrich-Wilhelm-Platz wurde 1966 das Denkmal für Kronprinz Friedrich Wilhelm (1831-1888), dem „99-Tage-Kaiser“ Friedrich III. abgerissen. Alfred Bürkner schreibt in seinem Standardwerk „Friedenau“ (1996): „Bis 1966 stand in der Anlage hinter der Kirche ein 1898 von Ludwig Dihm entworfener roter Sandsteinbrunnen, den das Friedenauer Wappen und ein Bildnis Kaiser Wilhelms I. zierten. Er fiel im Zuge der Straßenneugestaltung und schlecht verstandener Modernisierung der Spitzhacke zum Opfer. Die Grünanlage hinter der Kirche verdient in ihrer heutigen Form nur die Bezeichnung ‚traurig‘“.

 

Auf der nachfolgenden PDF finden Sie einen Ausführlichen Beitrag zu diesem Denkmal aus dem Centralblatt der Bauverwaltung vom 12. Oktober 1901.

 

Friedrich-Wilhelm-Denkmal. Centralblatt der Bauverwaltung 12.10.1901

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In den 1960er Jahren wurde die Bundesallee unter Herausnahme der Straßenbahn in Abschnitten autobahnähnlich ausgebaut. In diesem Zusammenhang wurde die Straßenführung der Bundesallee am Friedrich-Wilhelm-Platz so umgestaltet, dass die ursprüngliche Angerform des Platzes durch die tangentiale Verlegung der Bundesallee mit einem „Knick“ am südlichen Ende vor dem Portal der Kirche „Zum guten Hirten“) verlorengegangen ist. Im Rahmen dieser Baumaßnahmen wurde das am 18. Oktober 1901 eingeweihte Denkmals für Kaiser Friedrich III. (1831-188, Kronprinz Friedrich Wilhelm) abgerissen. Nachfolgende Fotos wurden uns für diese Website zur Verfügung gestellt. Danke!

 

 

U-Bahnhof Friedrich-Wilhelm-Platz nach 1971

U-Bahnhof Friedrich-Wilhelm-Platz

 

Heimatstil von anno dunnemals. Selten waren sich Architekten und Denkmalschützer so einig: „Mit dieser Gestaltung wird in den original erhaltenen Zustand eingegriffen Die von herausragender gestalterischer Qualität entstandenen Bauwerke aus den 60er- und 70er-Jahren gehen unwiederbringlich verloren.“ Es geht um die radikale Umgestaltung des U-Bahnhofs Friedrich-Wilhelm-Platz.

 

Der U-Bahnhof Friedrich-Wilhelm-Platz entstand nach Entwürfen des Architekten Rainer G. Rümmler (1929-2004). Dieser Senatsbaudirektor hat zwischen 1966 und 1996 annähernd alle neu erbauten U-Bahnhöfe der Linien 6, 7, 8 und 9 gestaltet, insgesamt etwa 50 Stationen. Die Bedeutung, die Alfred Grenander (1863-1931) für die Berliner Hoch- und Untergrundbahn erlangte, fiel in den Jahren nach dem Mauerbau Rümmler zu.

 

Grenander, der zwischen 1902 und 1931 etwa 70 Hoch- und Untergrundbahnhöfe gestaltete, hatte entscheidenden Anteil an der Entwicklung Berlins zur modernen Architekturmetropole. Anders als Grenander stellte Rümmler Umfeld und Stationsnamen in dem Mittelpunkt seiner Arbeit. Die Nutzer sollten die eigentliche Funktion des U-Bahnhofs vergessen und sich an seinen Kulissen erfreuen.

 

Während Grenander auf Farbe setzte, bei der sich jede Station deutlich von vor- oder dahinter liegenden Bahnhöfen unterscheidet, stellte Rümmler das Einzelbauwerk in den Vordergrund, während Berlin Grenanders Werk weiterhin mit Respekt begegnet, und die Bauten weitgehend im Originalzustand erhalten hat, geht es Rainer G. Rümmler gut zehn Jahre nach seinem Tod respektlos an den Kragen. Einen Vorwurf kann man Rainer G. Rümmler auch viele Jahre nach seinem Tod nicht ersparen: Als Oberbaurat der Senatsverwaltung für Bau- und Wohnungswesen war er auch zuständig für den Denkmalschutz. Er hätte den Abriss von Brunnen und Denkmal auf dem Friedrich-Wilhelm-Platz verhindern können.

 

Die U-Bahnhöfe der Linie 9, Bundesplatz, Friedrich-Wilhelm-Platz, Walther-Schreiber-Platz, Rathaus Steglitz (auch der vom Architektenbüro Schüler & Witte gestaltete U-Bahnhof Schloßstraße), zeichnen sich bei aller Differenzierung durch eine erkennbare einheitliche Gestaltung aus. Die mag man mögen oder auch nicht, aber sie gehören nun einmal zur Nachkriegsgeschichte der Stadt.

 

Auf der Station Friedrich-Wilhelm-Platz sind das vor allem die quer zur Bahnsteigkante gelagerten rot lackierten Stahlausleger mit den Lampen, die grauen Stahlstützen auf dem Bahnsteig, die olivgrün gefliesten Hintergleiswände, der weiße Fliesenstreifen mit dem Bahnhofsnamen in schwarzen Lettern auf Augenhöhe. Ob Bahnsteig, Zwischengeschoss, Treppen und Ausgänge, Bau und Gestaltung sind eine ästhetische Einheit.

 

Einziges Manko des U-Bahnhofs: Er war nicht barrierefrei. Nun entsteht auf dem Mittelstreifen der Bundesallee ein Fahrstuhl hinunter zum Bahnsteig. Mehr war nicht zu tun. Aber nun wird Rümmler gleich mitentsorgt. Seine Farbgestaltung verschwindet. Grün und Rot werden aufgegeben. Schwarz und Weiß werden dominieren. Der „Modus von hellen und dunklen Kontrasten bildet die Grundeinheit des Designs“. Für das rot-grüne Verlautbarungsorgan „Stadtteilzeitung“ von Schöneberg „macht das nicht nur einen eleganten Eindruck, das entspricht auch den schwarz-weißen Farben Preußens in der Regierungszeit des Namenspatrons“. Wie bitte?

 

Doch damit nicht genug. Der U-Bahnhof Friedrich-Wilhelm-Platz wird vom Ingenieurbüro Vössing mit großflächigen Fotografien „dekoriert“. Gezeigt werden Aufnahmen von Kronprinz Friedrich Wilhelm (1831-1888), der dem Platz den Namen gab und als 99-Tage-Kaiser Friedrich III. in die Geschichte einging, sowie Bilder vom alten Friedenau, mit denen unterirdisch an die oberirdische Schönheit von anno dunnemals erinnert werden soll. Oben kommt dann das graue Erwachen. Der zentrale Platz von Friedenau ist ruiniert. Eine städtebauliche Lösung gibt es bis heute nicht.

 

 

Initiative Friedrich-Wilhelm-Platz

 

Der Verein Initiative Friedrich-Wilhelm-Platz setzt sich seit Jahren „für eine Verschönerung des Friedrich-Wilhelm-Platzes ein und orientiert sich dabei an dem Aussehen und den Funktionen, die der Platz früher einmal gehabt hat. Wir streben eine Neugestaltung an, die den Bedürfnissen und Interessen der hier lebenden Bürgerinnen und Bürger besser entspricht. Wir wollen, dass der Friedrich-Wilhelm-Platz wieder ein Ort wird, in dem wir alle uns gerne treffen und aufhalten und der vielfältig genutzt werden kann“.

 

Das derzeitige Aussehen des Platzes ist bestimmt durch die Verkehrswege, die den Platz kreuzen. „Der vielspurige Ausbau der Bundesallee in den sechziger Jahren zerschneidet den Platz in eine West- und eine Osthälfte. Viele der Begründungen dafür sind inzwischen überholt. Neue Verkehrsströme sind entstanden. Das Verkehrsaufkommen entlang der Achse Bundesallee hat sich verringert.“

 

Die Mitteilung der BVG, eine Umgestaltung und Modernisierung des U-Bahnhofs nebst seiner fünf U-Bahnhofs-Treppenzugänge sowie den Neubau eines Aufzuges auf dem Mittelstreifen der Bundesallee in Höhe der Niedstraße vorzunehmen, nutzte die Initiative, ihre Ideen einzubringen.

 

Einleuchtend war der Vorschlag, „die südlichen Ein- und Ausgänge der Station zugunsten eines zentral gelegenen Ein- und Ausgangs aufzugeben“. Von diesem sollten die Nutzer dann bequem und sicher zu ihren Zielen auf dem Platz und in den Seitenstraßen gelangen können. Nicht deutlich wurde (uns), was mit dem auf dem Platz sonstigen „untergebrachten“ Bereichen Kfz-Stellplätz, Bus-Endhaltestelle, Taxistand, Imbiss-Kiosk, City-Toilette, Basketballfeld, Netzstation sowie „Mäuerchen“ geschehen sollte, die (nach unserem Verständnis) von einem Platz einer wirklichen Gestaltung im Wege stehen.

 

Nach einigem Hin und Her ließen sich Land Berlin und Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg schließlich dazu herab, einen „Wettbewerb zur Neugestaltung des inneren Bereichs des Friedrich-Wilhelm-Platzes“ zu starten. Am 31.08.2018 fiel die Entscheidung. Der 1. Preis ging an das Büro „Mettler Landschaftsarchitektur Berlin“.

 

Gegenstand des Wettbewerbes war die Neugestaltung des inneren Bereichs des Friedrich-Wilhelm-Platzes. In den Mittelpunkt rückte nach unserer Ansicht der barrierefreie Personenaufzug auf der Mittelinsel der Bundesallee, der wiederum einen Überweg für Fußgänger und Radfahrer mit einer weiteren Ampel erforderlich machte: Die einstige Verbindung zwischen Nied- und Wilhelmshöher Straße ist damit wenigstens wieder sichtbar. Die zu besichtigende „neue“ Landschaftsarchitektur auf dem Friedrich-Wilhelm-Platz (Stand Mitte März 2019) ergibt viele Fragen und keine Antworten.

 

http://friedrich-wilhelm-platz.com/

 

Friedrich-Wilhelm-Platz Nr. 1 (links) Ecke Wilhelmstraße Nr. 23

Friedrich-Wilhelm-Platz Nr. 1

Oskar Haustein (1866-1920)

 

Er war alles auf einmal, Maurer, Zimmermeister, Bauherr und als Architekt ein Befürworter großer Wohnungen, die allerdings „nur in erster und zweiter Etage gelegen sein dürften“. So entwarf und baute Oskar Haustein (1866-1920) zwischen 1895 und 1902 in Friedenau, Schöneberg und Kreuzberg eine ganze Reihe „vornehm-klassischer“ Mietswohnhäuser. Sie haben den Weltkrieg überlebt und sie sind gefragt. Sorge bereitet allerdings die Entwicklung der Baulandpreis im Siedlungsgebiet um den Friedrich-Wilhelm-Platz, da „der Preisanstieg zwischen 2014 und 2019 bei rund 430 Prozent liegt“ – allein zwischen 2018 und 2019 bei rund 25 Prozent. Plötzlich ist auch für den „grünen“ Baustadtrat im Rathaus Schöneberg „die Entwicklung besorgniserregend, weil sich immer weniger Menschen diese hohen Preise leisten können“.

 

 

 

Die Familie Haustein gehört zu den ersten Siedlern der Villenkolonie Friedenau. Bereits 1874 ist der Tuchhändler Gustav Haustein (1826-1918) aus der Berliner Oranienstraße Nr. 123 als Eigentümer des Hauses Ringstraße Nr. 41 verzeichnet. 1895 erscheint erstmals der Architekt und Zimmermeister Oskar Haustein als Eigentümer des Hauses Hauffstraße Nr. 18. Über den bisherigen Werdegang des damals 29-Jährigen ist so gut wie nichts herauszufinden. Von 1898 bis 1919 war er ununterbrochen Mitglied der Gemeindevertretung, Männer-Turn-Verein und Verein für Handel und Gewerbe.

 

Jedenfalls hatte der Maurer- und Zimmermeister um die Jahrhundertwende am Friedrich-Wilhelm-Platz Nr. 2 bzw. später Nr. 1 ein Baugeschäft für Entwürfe u. Ausführungen von Bauten jeder Art u. Stilrichtung“ eröffnet. Bevor es so weit war, gab es wohl erst einmal ein Gerangel um die Grundstücke. 1890 sind für Nr. 1 der Architekt Hoffmann und für Nr. 2 der Architekt Nagel eingetragen. Ab 1893 sind Nr. 1 bis Nr. 15 „Baustellen“. 1897 gehört Nr.1 der Stadt Berlin und Nr. 2 den Eigentümern Rentier Gustav Haustein und dem Architekten Oskar Haustein. 1904 ist Nr. 2 im Besitz von B. Bergemann aus Berlin und Nr. 1 von G. und O. Haustein – mit der Anmerkung „siehe auch Wilhelmstraße Nr. 23“, so dass sich das gesamte Eckhaus in ihrem Eigentum befinden muss. Im Haus selbst wohnen außer den beiden Hausteins noch zehn Mieter.

 

Das Büro Haustein am Friedrich-Wilhelm-Platz war vielseitig: „Neubauten sowie jede Reparatur wird prompt und reell ausgeführt, auch werden Anschläge und Zeichnungen angefertigt. Ueber Haus- und Terrainkäufe ertheilt Auskunft Oskar Haustein.“ An Neubauentwürfen entstanden die noch heute existierenden Mietswohnhäuser Eckhaus Dickhardtstraße Nr. 7-8/Moselstraße Nr. 7-8 (Bauherr Oskar Haustein,1895), Schnackenburgstraße Nr. 11 (Bauherr Rechnungsrat Otto Bauer, 1896), Beckerstraße 6 & 6A (Bauherr Oskar Haustein, 1898), Umbau des 1885 von Max Nagel geschaffenen Landhauses Niedstraße Nr. 18 (1898), Mehringdamm Nr. 64 (Bauherr August Schade, 1899), Dickhardtstraße Nr. 5 mit der Inschrift „Oscar Haustein Architekt - Erbaut 1902“, Dickhardtstraße Nr. 2. (Bauherr Gottfried Bierhahn, 1909).

 

Zu den Geschäftsfeldern von Oskar Kaufmann gehören folgende Meldungen des „Friedenauer Lokal-Anzeiger“: „Grundstücksverkäufe. Das große Eckhaus an der Ring-und Moselstraße in Friedenau ist von Herrn Baumeister Oskar Haustein zum Preise von 190000 M. verkauft worden. Herr M. Stöckel hat in der Cranachstraße von der „Schöneberg-Friedenauer Terrain-Gesellschaft“ eine größeres Stück Bauland erworben, dessen Bebauung bereits zum Frühjahr beginnen soll.“ (27.03.1899)

 

„Zwangsversteigerungsergebnisse: Rubensstraße Nr. 38, Ecke Thorwaldsenstraße in Gemarkung Berlin-Schöneberg, dem Kaufmann Johannes Schäffer in Berlin-Lichterfelde gehörig. Fläche 13,07 Ar. Nutzungswert nicht vermerkt. Mit dem Gebot von 52400 M. bar und Übernahme von 12200 M. Hypotheken blieb der Baumeister Oskar Haustein in Berlin-Friedenau, Friedrich-Wilhelm-Platz Nr.1, Meistbietender.“ (02.07.1912)

 

Am 30. Januar 1920 war dann im „Friedenauer-Lokal-Anzeiger“ zu lesen: „Wie wir erfahren, ist der Maurer-und Zimmermeister Herr Oskar Haustein gestern Abend aus dem Leben geschieden. Er war in der letzten Zeit sehr krank; ein Gehirnleiden machte ihm viele Beschwerden und er musste vor einigen Jahren schon einmal längere Zeit ein Sanatorium aufsuchen. Haustein war 21 Jahre lang Mitglied unserer Gemeindevertretung und hat sich auch in verschiedenen Ausschüssen rege betätigt. Als die Neuordnung kam (gemeint ist die Übernahme von Friedenau durch Schöneberg), wurde auch er, wie so viele andere, nicht wiedergewählt

 

Friedrich-Wilhelm-Platz Nr. 8. LDA

Friedrich-Wilhelm-Platz Nr. 8

Ecke Goßlerstraße Nr. 1

Baudenkmal Landhaus

Entwurf Paul Kunow (1848–1936)

1889-1890

 

Es geschah am 7. Januar 1899, da erhielt Leo Schultz, der Verleger des Friedenauer Lokal-Anzeiger ein Schreiben des Amts- und Gemeindevorstehers, Major a. D., Albert Roenneberg, dessen Empfang er schriftlich bestätigen musste:

 

Wir haben beschlossen, die amtlichen Bekanntmachungen in dem „Friedenauer Lokal-Anzeiger“ vom 10. d. Mts. ab nicht mehr zu veröffentlichen und entziehen Ihrem Blatte damit die Befugnis, sich fernerhin als „Amtliches Verkündungsblatt des Amts- und Gemeinde-Vorstandes von Friedenau“ zu bezeichnen.

 

 

 

 

 

Der Vorgang führte am 14. Januar 1899 in der Gemeindevertretersitzung zu einer heftigen Debatte über die dem „Friedenauer Lokal-Anzeiger“ durch den Gemeindevorsteher zu Theil gewordene Entziehung der amtlichen Bekanntmachungen, in der sich Gemeindevertreter Paul Kunow gegen den Gemeindevorsteher wendet: „Wenn das Blatt sich jetzt wehre, so könne er es nachempfinden. Die Berliner Presse habe sich bereits der Sache bemächtigt, im „Berliner Tageblatt“ stehe ein Artikel, der nicht vortheilhaft für unsere Gemeinde sei. Seiner Meinung nach habe der Lokal-Anzeiger sich bemüht, die Interessen der Gemeinde zu vertreten, allerdings nicht im Sinne des Gemeindevorstandes. Opposition sei meist ganz vorteilhaft für ein Gemeinwesen. Wenn durch solche Notizen, wie etwa betreffs des Gymnasialbaues, Fühler herausgestreckt würden, so schade das niemandem etwas. Er glaube, daß die ganze Geschichte dem Ort nicht zum Nutzen, sondern eher zum Schaden gereichen müsse.“ Am Ende wird beschlossen, „daß die öffentlichen Bekanntmachungen des Gemeindevorstandes beiden hiesigen Blättern gleichzeitig zum kostenfreien Abdruck übersandt werden. Dieser Antrag wir mit allen Stimmen gegen diejenige des Gemeindevorstehers angenommen“.

 

Paul Kunow, geboren am 12. Juli 1848, zog 1890/91 nach Friedenau. Im Berliner Adressbuch von 1890 ist vermerkt: Mietwohnung Spandau „Achenbachstraße Nr. 14, Architekt Kunow und Witwe Kunow (verw. Schiffskapitän), vom 1. April Friedenau“. Dort ist er ab 1891 als Eigentümer der Villa Kunow Friedrich-Wilhelm-Platz/Goßlerstraße aufgeführt. Mit im Haus  „Kunow, Th. geb. Ledig, Schiffskapitäns Ww., I. Etage“.

 

Paul Kunow war Postbausekretär beim Reichspostamt. Beim Ausscheiden aus dem Dienst 1911 wurde dem 63-Jährigen der Titel Rechnungsrat verliehen. Nach den Richtlinien der Oberpostdirektion für die Einstellung von mittleren (technischen) Beamten müsste er ein Bauhandwerk erlernt, die Baugewerkschule besucht und eine mehrjährige praktische Beschäftigung bei Hochbauten der Reichs-Post- und Telegraphenverwaltung absolviert haben. Der Friedenauer Lokal-Anzeiger verkündete denn auch mit Stolz, dass dem „großen Saal des Schützenhauses, welcher gleichzeitig als Saal für das Stadttheater benutzt wird, allgemeine Anerkennung gezollt und von unserem Mitbürger Architekt Kunow erbaut wurde“.

 

Kunow gehörte der Gemeindevertretung seit 1898 an, war Mitglied in vielen Ausschüssen, darunter dem wichtigen Bauausschuss, auch der kirchlichen Gemeindevertretung Zum Guten Hirten und dem Männer-Turn-Verein. 1908 erhält er „anlässlich des Krönungs- und Ordensfestes den „Roten Adler-Orden 4. Klasse“. 1918 Kunow lehnt er eine Wiederwahl für die Gemeindevertretung aus Altersrücksichten ab: „Als 70-jähriger Mann fühle er nicht mehr die Kraft in sich, ein solches Amt auszuüben.“ Wenige Wochen später wurde er am 31. März 1918 zum Ehrenbürger und Gemeindeältesten ernannt. Selbst der Lokal-Anzeiger konstatierte, dass Kunow „streng nach seinem besten Wissen und Gewissen geurteilt und seiner einmal gefassten Meinung rückhaltlos Ausdruck gegeben hat. Er hielt an dieser seiner Meinung fest, selbst wenn er damit allein stand oder nicht im Sinne seiner Freunde handelte. Ein ‚Umfallmann‘ war er jedenfalls nicht“.

 

Paul Kunow wurde 88 Jahre alt. Er starb am 12. Januar 1936 und wurde auf dem Friedhof Stubenrauchstraße beerdigt (Grabstelle Abt. 27-287-289). Die Familiengrabstätte wurde 1911 nach dem frühen Tod seines ersten Sohnes Karl Heinrich Kunow (1889-1911) angelegt. Wenige Jahre danach kam „nach langem schweren Leiden“ der zweite Sohn Erich Kunow (1892-1919) hinzu. Es folgten Ehefrau Katharina (1858-1943) und Tochter Elfriede (1883-1975). Das Grab von Paul Kunow ist Ehrengrabstätte des Landes Berlin.

 

Geblieben ist sein Landhaus an der Ecke Friedrich-Wilhelm-Platz Nr. 8 und Goßlerstraße Nr. 1, gewürdigt in der Berliner Denkmaldatenbank: „Das eingeschossige freistehende Landhaus von Kunow in rotem Ziegelsichtmauerwerk fällt durch sein steiles Walmdach, sein spitzes Ecktürmchen neben dem Erker und durch die drei Quergiebel zu den beiden Straßen und zum Platz hin auf. Es hebt sich malerisch vom Hintergrund der durchgehenden Brandwand der beiden angrenzenden Landhäuser ab. An der Goßlerstraße ist dem Gebäude eine hölzerne Eingangslaube vorgesetzt, über eine Freitreppe betritt man das Haus. Der Grundriss (9 x 7 Meter) ist ein abgewandelter Vierfelder-Grundriss. Auf dem gartenseitigen Anbau befindet sich ein Altan des ausgebauten Dachgeschosses. Der ursprünglich vorhandene Vorgarten fiel den Straßenerweiterungen am Friedrich-Wilhelm-Platz in den siebziger Jahren zum Opfer.“ Topographie Friedenau, 2000.

 

Paul Kunow als Gemeindevertreter

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Friedrich-Wilhelm-Platz Ecke Kaiser-Allee, 1905. Archiv Barasch

Friedrich-Wilhelm-Platz Nr. 9

Ecke Bundesallee Nr. 130 und Schmiljanstraße Nr. 1

Baudenkmal Mietshaus

1892-1893

Entwurf Maurermeister R. Miehe

 

Der Südosten der Platzrandbebauung zwischen Bundesallee und Schmiljanstraße wird von einer Gruppe von vier keilförmig angeordneten Mietshäusern eingenommen: dem Eckhaus Bundesallee 130/Friedrich-Wilhelm-Platz 9/Schmiljanstraße 1 und den drei Häusern Bundesallee 129, Schmiljanstraße 2 und 3. Alle vier Mehrfamilienhäuser wurden 1892 nach Plänen von R. Miethe errichtet und sind viergeschossig, wie dies durch die neue Bauordnung von 1892 ermöglicht worden war.

 

Das Eckhaus Friedrich-Wilhelm-Platz 9/Bundesallee 130/Schmiljanstraße 1 besteht aus drei Zweispännern, die sich von drei Hauseingängen aus erschließen. Die dreiachsige Stirnseite - zum Platz hin - ist durch einen Mittelrisalit und eine Freitreppe aus Granit betont, die mit einem schönen schmiedeeisernen Geländer zum Eingang führt. Von den beiden Wohnungen pro Geschoß orientiert sich die eine zur Bundesallee und die andere zur Schmiljanstraße. Jede hat einen Erker mit zwei Balkons. In den beiden Zweispännern in der Bundesallee 130 und Schmiljanstraße 1 ist jeder Wohnung wieder ein - diesmal - dreiachsiger Erker mit zwei flankierenden Balkons zugeordnet. Topographie Friedenau, 2000

 

Die Burg. Foto H&S, 2006

Friedrich-Wilhelm-Platz Nr. 11

Die Burg

 

So also sah vor knapp 130 Jahren das Mittelalter aus. Beziehungsweise die Vorstellung, die sich die Baumeister der Zeit davon machten. Die Landhausanlage die sich der Architekt und königliche Baurat Otto Hoffmann (1853-1930) an der Ecke Friedrich-Wilhelm-Platz und Schmargendorfer Straße ab 1884 als eigenes Wohnhaus errichtete, trägt den Spitznamen „Burg“ nicht aus Zufall. Mit zahlreichen Ziertürmen, Zinnen, gotisch anmutenden Fensterformen, Kreuzgewölben und glasierten Ziegeln nimmt sie Anleihe bei der Märkischen Backsteingotik. Bei der Gruppierung der drei ursprünglich freistehenden Gebäude orientierte sich Hoffmann vor allem am englischen Landhausstil.

 

 

 

Kaum vorstellbar ist heute, dass das Anwesen am Rand der Bundesallee früher inmitten einer großzügigen Gartenanlage lag. In der nordwestlichen Ecke des Grundstücks entstand 1884 die eigentliche „Burg“, ein eingeschossiges Landhaus auf hohem Souterrain mit drei großen, gestaffelten Giebeln. In der nordwestlichen Ecke wurde ein Kutscherhaus errichtet. Im südöstlichen Bereich steht ein zweistöckiges Landhaus, an das sich die Brandwand des Nachbarhauses anschließt. Hier steht an einem hohen Staffelgiebel ein Vers aus Goethes Faust geschrieben: „Was Du ererbt von Deinen Vätern hast/ Erwirb es, um es zu besitzen.“

 

Besonders sinnfällig erscheint dieser Spruch, weil der Gebäudekomplex in den Jahrzehnten nach seiner Erbauung tatsächlich von mehreren unterschiedlichen Mitgliedern der Familie Hoffmann bewohnt wurde. In der eigentlichen „Burg“ zum Platz hin lebte der Architekt selbst, in dem zweiten Wohnhaus später sein ältester Sohn Ernst. In den Jahren 1911/12 wurde der Komplex im Norden um ein Seitenflügelgebäude erweitert.

 

Die Gebäude Friedrich-Wilhelm-Platz Nr. 11 und Schmargendorfer Straße Nr. 18 wurden 1954 bzw. 1967 vom Bezirk Schöneberg übernommen. Zehn Jahre später sollte der marode Bau 1975 abgerissen und an dieser Stelle ein neuzeitliches Jugendfreizeitheim gebaut werden. Das konnte verhindert werden. Nach Instandsetzung und Renovierung wird das Anwesen heute vom Kinder- und Jugendzentrum „Burg“ genutzt. Das mag für Kinder und Jugendliche eventuell „romantisch“ sein, ob diesem herausragenden Friedenauer Baudenkmal damit einen Gefallen getan wird, ist eine andere Frage.

 

Friedrich-Wilhelm-Platz Nr. 12

Baudenkmal  Landhaus

Entwurf & Bauherr Architekt Max Nagel

1884

1907 Umbau

 

Der ursprünglich freistehende, zweigeschossige Landhaus aus roten Ziegeln wurde später nach Norden und Süden um zwei Achsen erweitert. , vierachsige Bau ist 1911 nach Norden und Süden um je zwei Achsen erweitert worden. Mit dem Ausbau von Bundesallee und der Umgestaltung des Friedrich-Wilhelm-Platzes wurde der Vorgarten entfernt.

Das Haus wird heute vom Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg als Kindertagesstätte genutzt – vorn die sechsspurige Bundesallee mit der Kreuzung Bundesallee, Schmiljanstraße, Wiesbadener Straße und Goßlerstraße, hinten ein Spielplatz, eingekeilt von Brandwänden.

 

Friedrich-Wilhelm-Platz Nr. 13

Ecke Niedstraße Nr. 23

Baudenkmal Mietshaus

Entwurf Peter Fischer

Bauherr Ernst Scheldt & Peter Fischer

1891

 

Das viergeschossige Haus ein Zweispänner mit großen Wohnungen - ist ein zwölfachsiger neobarocker Bau mit kräftiger Putzrustika im Erdgeschoss und feiner Putzquaderung in den Obergeschossen, zweiachsigen (ursprünglich) offenen Loggienvorbauten, einem Säulenportal, einem breiten, von Konsolen getragenen Kranzgesims und einem Quergiebel mit Kartusche. Auch die Seitenansicht zur Niedstraße ist mit einem Rustikasockel und Putzquaderung versehen, in den Obergeschossen kragt ein dreieckiger Erker aus, der diese Fassade gut gliedert.

 

In diesem Haus soll, so wird vielfach und immer mit derselben Formulierung geschrieben, „in den zwanziger Jahren der Schriftsteller Maxim Gorki (1868-1936) verkehrt sein“. Das könnte möglich gewesen sein, da dort eine „Frau Prof. M. Garmaschow“ im Jahr 1928 Mieterin war. Auch Friedrich Luft (1911-1990) soll sich im Rückblick auf das Jahr 1928 an Maxim Gorki erinnert haben, der dem damals 17-Jährigen „auf der Straße begegnet“ ist.

Prinzess-Café, Friedrich-Wilhelm-Platz Nr. 14. Archiv Barasch

Friedrich-Wilhelm-Platz Nr. 14

Ecke Niedstraße Nr. 22

Baudenkmal Mietshaus

Entwurf Johannes Schuster

Bauherr Arthur J. Bach (Charlottenburg)

1911

 

Bei diesem Grundstück war alles rasch geklärt. 1910 Baustelle, 1912 Eigentümer und Bauherr der Baumeister Arthur J. Bach aus Charlottenburg, 1913 im Besitz von Zimmermeister Ullrich aus Berlin, bis zur Einführung der Vermögenssteuer im März 1922. Der viergeschossige Bau wird als Reformmietshaus bezeichnet, da er mit traditionellen Baukonzepten bricht und mit einer lebhaften Gliederung der Fassade durch Erker, Loggien, Balkons und Altane aufwartet. Im Erdgeschoss wurde ein Caféhaus mit Vorgarten eröffnet, das der Cafétier Quelms einige Jahre führte, bis er 1919 die Direktion vom Tanzpalast Schramm am (ehemaligen) Wilmersdorfer See übernahm.

 

 

Das Etablissement am Friedrich-Wilhelm-Platz Nr. 14 übernahm Max Lautenbusch. Er kreierte den Namen Prinzess-Café und bat schon für Sylvester 1918 um rechtzeitige Tischbestellung. Dem Werbespruch Jehn wa bei Schramm tanzen setzte er anderes entgegen. Am 19. Januar 1919 wurde das Café Wahllokal für den 8. Stimmbezirk Albestraße zur Deutschen Nationalversammlung. Pfingstsonntag gab es als Matinee ein Mittagskonzert mit dem Geiger Fritz Nagel und der Pianistin Maria Katerla. In Ermanglung eines fachkundigen Musikkritikers schickte der Friedenau Lokal-Anzeiger einen Lokalreporter: Man traf gutes Publikum und so viel, dass es fast schwer fiel, noch einen Platz zu bekommen. Es gab ein gediegenes Programm, F-Dur-Sonate von Grieg, Violinkonzert von Bruch, D-Dur-Romanze von Paganini, Tschaikowski, Schumann, Mendelssohn. Neben dem weichen Geigenstrich wurde die gute Klavierbegleitung erwähnt. Das bessere Friedenauer Publikum, man sah es bei dieser Gelegenheit wieder, war dankbar und wird weitere derartige Veranstaltungen mit Freude besuchen. Das Café am Friedrich-Wilhelm-Platz hat es dank der Rührigkeit seines Besitzers verstanden, sich eine gute solide Kundschaft zu schaffen und durch solche Veranstaltungen wird es den Kreis seiner Gäste nur erfreulich erweitern.

 

Dieses Konzert hat der wohl bekannteste Mieter des Hauses Friedrich-Wilhelm-Platz Nr. 14 nicht erlebt. Der Archäologe Wilhelm Dörpfeld (1853-1940) zog 1913 ein. Kurz darauf war er schon wieder mit Ausgrabungen beschäftigt, nun in Pergamon. Er hatte Architektur an der Berliner Bauakademie studiert und fand über seinen Lehrer Friedrich Adler (1827-1908) zur archäologischen Bauforschung. Bereits mit 24 Jahren kam er 1877 als Assistent des Grabungsarchitekten Richard Bohn (1849-1898) nach Olympia. Ein Jahr später wurde Dörpfeld die technische Grabungsleitung übertragen. 1882 gewann ihn Heinrich Schliemann (1822-1890) für die Ausgrabung Trojas. Er grub in Tiryns (Peloponnes), auf der Akropolis von Athen und nach Schliemanns Tod wieder in Troja. Dörpfeld gilt als Begründer des wissenschaftlichen Grabungswesens in der Archäologie. Auf seine präzisen Dokumentationen, Beschreibungen und Lagepläne von den antiken Stätten greifen die Reiseführer für Griechenland und die Türkei noch heute zurück. Wilhelm Dörpfeld starb, wie konnte es anders sein, am 25. April 1940 auf der griechischen Insel Lefkada im Alter von 83 Jahren an einem Herzleiden. Dort wurde er auch begraben.