Auf dem Plan vom Wilmersdorfer Oberfeld von 1874 ist der Weg vom Friedrich-Wilhelm-Platz zum Hamburger Platz als Stuttgarter Straße eingetragen. Nachdem es 1871 mit Wilhelm I. (1797-188) den ersten deutschen Kaiser gab, wurde die Straße 1876 Wilhelmstraße benannt. Nach 1933 installierten die Nationalsozialisten Albert Leo Schlageter (1894-1923) zum „Märtyrer“, weil er während der Ruhrbesetzung wegen Sprengstoffanschlägen 1923 von einem französischen Militärgericht zum Tode verurteilt und in der Golzheimer Heide hingerichtet wurde. Aus der Wilhelmstraße wurde 1937 die Golzheimer Straße.

 

Alfred Bürkner gab in seinem Standardwerk „Friedenau – Straßen, Häuser, Menschen“ 1996 eine Erklärung: „Ihre jetzige Nummerierung bekam die Görresstraße mit der Umbenennung 1937. Bisher zählte die (vom Friedrich-Wilhelm-Platz aus gesehen) rechte Straßenseite zwölf Gebäude mit den Nummern 1, 2, 3/4, 5/6, 7 bis 11 und 11a, 11b und 11c, die andere Straßenseite zählte vom Südwestkorso aus von Nummer 12 bis Nummer 23. Bei der „neuen“ Zählweise (gerade Hausnummern rechts, ungerade links) fehlen (bis heute) die Nummern 5, 7 und 17.“ Nach 1945 wurde eine Umbenennung diskutiert. Der Vorschlag „Aufbaustraße“ wurde verworfen. 1947 kam es zur Görresstraße, benannt nach dem Publizisten und Gründer des „Rheinischen Merkur“ Joseph Görres (1776-1848). Straßenpläne und Adressbücher verdeutlichen die Veränderung.

 

Die Entstehung der Bildhauerkolonie in der Wilhelmstraße (heute Görresstraße) ist auf das Jahr 1899 zurückzuführen. Da erwarb der Italiener Valentino Casal für sich und seine aus Ostpreußen stammende Ehefrau Ida Eva Alexandra geb. Sucht das Anwesen Wilhelmstraße Nr. 7/Bachestraße Nr. 10. Die Bauten entwarf der am Friedrich-Wilhelm-Platz residierende Architekt Oskar Haustein. Hinter dem Casal’schen Wohnhaus entstand der Bildhauerhof, in dessen Ateliers ab September 1899 aus Gipsentwürfen die marmornen Denkmäler für die „Siegesallee“ gearbeitet wurden. Nebenan bauten sich Ludwig Manzel (Nr. 9) und Johannes Götz (Nr. 6) Landhäuser mit Ateliers.

 

Casal, Götz und Manzel bewirkten, dass in der Wilhelmstraße in den folgenden Jahrzehnten Bildhauer und Maler wohnten bzw. arbeiteten, darunter u. a. Wilhelm Haverkamp (siehe Schwalbacher Str. Nr 9), Paul Hüttig, Otto Wesche, Franz Rosse, Johannes Hoffert, Edmund Gomansky, Paul Hubrich, August Dressel, Otto Wenzel, Heinrich Mißfeldt, Leonhard Sandrock, Eberhard Encke, George Morin, Johannes Hinrichsen, Ludwig Isenbeck, Johann, Michael Bossard, Paul Hamann, Georg Hengstenberg und (aktuell) Michael Schoenholtz - sie machten Friedenau zu Klein-Carrara.

 

 

Fuhrunternehmen Pählchen, 1912. Görresstraße 23, vorher Wilhelmstraße 15. Archiv Barasch

Der erste Siedler: Pählchen’sches Haus

Wilhelmstraße Nr. 15 (Görresstraße Nr. 23)

 

Angefangen hat es mit der „Wilhelmstraße“ im Jahr 1895, ohne Hausnummern, aber mit dem Hinweis „Baustelle Pählchen’sches Haus“. Eigentümer des Grundstücks war der Bauunternehmer Hermann Pählchen aus der Rheinstraße Nr. 52. Hervorgetan hat er sich als Baumeister des dreigeschossigen Wohnhauses Perelsplatz Nr. 17 (1890) für den Fleischwarenhändler August Striesche. 1891 schuf er das für Friedenau ungewöhnlich hohe fünfgeschossige Eckhaus an der Rheinstraße Nr. 19 Ecke Schmiljanstraße Nr. 16 und das Haus Rheinstraße Nr. 17 mit Vorderhaus, Läden, Seitenflügel und Quergebäude (1893).

 

Die Bautätigkeiten in der Wilhelmstraße begannen erst 1901: Nr. 1-6, Nr. 8-13 und Nr. 17-21 waren als „Baustellen“ deklariert. Nr. 14 diente vorerst als „Lagerplatz“. Die von Hermann Pählchen errichteten Bauten des Fuhrhofs auf dem Grundstück Nr. 15 war die ersten Bauten in der Wilhelmstraße. In ihrer Grundstruktur sind sie bis heute erhalten.

 

Unter dem Menüpunkt „Görresstraße Fuhrhof Hermann Pählen“ finden Sie einen ausführlichen Beitrag.

 

Valentino Casal

Der zweite Siedler: Valentino Casal

Wilhelmstraße Nr. 7 (Görresstraße Nr. 16)

 

Am 24. Januar 1899 hatte der „Friedenauer Lokal-Anzeiger“ von einem weiteren „Terrain-Ankauf“ erfahren: „Herr Bildhauer Valentino Casal wird in der Wilhelmstraße ein größeres Atelier erbauen, zu welchem die Bauzeichnungen bereits eingereicht sind. Es wird vermutet, dass der berühmte Bildhauer sein Atelier nach Friedenau zu verlegen beabsichtigt.“ Bereits am 16. März 1899 genehmigte die Gemeindevertretung „das Baugesuch zur Errichtung von Wohn- und Werkstattgebäuden an der Wilhelmstraße“. Eingetragen ist das „Casal’sche Haus“ unter Wilhelmstraße Nr. 7. Es entstand ein Wohnhaus für die Familie und im Laufe der nächsten Jahre auf dem weit in die Tiefe reichenden Anwesen der „Bildhauerhof“. Casal war der zweite Grundstückseigentümer in der Wilhelmstraße und mit seinem „Atelier V. Casal“ der Initiator von „Klein Carrara“, wie Wilhelm II. die von Bildhauern bevölkerte Wilhelmstraße bezeichnete.

 

1903 erwarb Ludwig Manzel das Grundstück Wilhelmstraße Nr. 9. Johannes Götz folgte 1904 mit der Villa Nr. 6. In ihrem Gefolge wartete eine Heerschar von Bildhauern mit einer (zeitweisen) Adresse Wilhelmstraße auf.

 

 

Unter dem Menüpunkt „Görresstraße Atelier Valentino Casal“ finden Sie einen ausführlichen Beitrag.

 

Paul Hamann (1891-1973)

Paul Hamann (1891-1973)

Wilhelmstraße Nr. 15 (Görresstraße Nr. 21)

 

Der Bildhauer, Zeichner und Grafiker Paul Hamann (1891-1973) hatte 1924 in Hamburg die Groupe artistique franco-allemand“ gegründet, die auch einen engeren Kontakt mit der Novembergruppe in Berlin pflegte. 1926 kam Hamann mit seiner Frau, der Malerin Hilde Guttmann (1898-1987), nach Berlin. Sie nahmen eine Wohnung in der Künstlerkolonie am Breitenbachplatz. Als die Bewohner dort Ende der 1920er Jahre mehr und mehr Ziel nationalsozialistischer Provokationen und Übergriffe wurden, mieteten die Hamanns 1929 von Eigentümerin Witwe H. Wesche ein freigewordenes Atelier in der Wilhelmstraße Nr. 16 (Görresstraße Nr. 21).

 

 

 

 

 

Das Atelier wurde Treffpunkt. Am 21. November 1931 veröffentlichte die Hamburger Illustrierte unter dem Titel Prominenten Rendezvous einen Artikel der Fotojournalistin Ursula Wolff-Schneider (1906-1977) mit einer Aufnahme aus dem Atelier Hamann, darauf abgelichtet (von rechts) Erich Engel, Fritz Kortner, Max Schmeling, Paul Hamann, Gustaf Gründgens, Francesco von Mendelsohn und Hilde Hamann.

 

Paul und Hilde Hamann stammten aus Familien mit jüdischen Wurzeln. Nicht entgangen war ihnen, dass einige Künstler der Novembergruppe schon 1932 im Fokus der Nazis standen und schließlich nach dem 30. Januar 1933 mundtot gemacht wurden. Im April 1933 emigrierten Paul und Hilde Hamann nach Paris. Mit der „Rheinlandbefreiung“ am 7. März 1936 und der Stationierung von Truppenteilen der Wehrmacht im Rheinland wurde den beiden die politische Situation in Frankreich zu unsicher. Das Ehepaar zog nach London. Nachdem Belgien, Luxemburg, die Niederlande und Nordfrankreich 1940 von der Wehrmacht besetzt wurden, internierte die britische Regierung die Emigranten auf der Isle of Man. Dort trafen die Hamanns unter anderem auf Kurt Schwitters, Fred Uhlmann, Walter Nessler, Erich Kahn und den Kunsthistoriker Klaus Hinrichsen. 1941 wurde Hamann aus dem Lager entlassen. Die Ehe war im Exil gescheitert. 1950 erwarben beide noch die britische Staatsbürgerschaft, gingen aber fortan getrennte Wege. In London sind sie gestorben, er am 16. Januar 1973, sie am 1. November 1987.

 

Insbesondere für Paul Hamann führte die Emigration zum künstlerischen und beruflichen Desaster. Als er nach Berlin kam, hatte er ein neues, schonenderes Verfahren zur Abnahme von Lebendmasken entwickelt, das die zeitraubende und schmerzhafte Methode mit Gipsabdrücken erheblich verbesserte – eine Erfindung, die ihn über Nacht zu einem begehrten Porträtkünstler machte.

 

Mit der neuen Abformmasse war eine aufwendige Vorbereitung der abzunehmenden Körperpartie durch Einfetten oder Einölen oder gar ein Rasieren nicht mehr notwendig. Der Unterschied zwischen der gelatineartigen Abform-Masse von Hamann, die unter anderem aus Wachs und Glycerin bestand, und Gips war vor allem die Elastizität. Mit einem Pinsel trug er die angewärmte Abformmasse Schicht für Schicht auf. Bevor er die Nase bedeckte, steckte er den Klienten Strohalme in die Nasenlöcher, so dass diese während der kurzen Aushärtungsphase atmen konnten. So konnte das Gesicht vollständig bedeckt werden. Nach Abnahme der Negativform goss Hamann diese mit Gips aus, um eine Positivform zu erhalten, die er dann zur kompletten Kopfbüste ausarbeitete, von der er dann in der Kunstgießerei Gleiwitz einen Abguss herstellen ließ. Mit seiner „Vollmaske“ erreichte er eine enorme Detailgenauigkeit. Eine „Sitzung“ bei Paul Hamann dauerte nur noch 40 Minuten.

 

Nach Recherchen von Jens Kremb vom Kunsthistorischen Institut der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn (2015) kann davon ausgegangen werden, dass im Atelier Wilhelmstraße Nr. 16 (Görresstraße Nr. 21) u. a. die Lebendmasken von Bertolt Brecht, Gustaf Gründgens, John Heartfield, Paul Kemp, Erich Knobloch, Carola Neher, Renée Sintenis und Conrad Veidt entstanden. Die Atelierregale mit den Lebendmasken deuten eine weitaus höhere Produktion an.

 

Die Lebendmaske von Lion Feuchtwanger konnte Hamann schon nicht mehr in Berlin fertigen. Feuchtwanger war im November 1932 zu Vorträgen nach London und in die USA aufgebrochen. Die nationalsozialistische „Machtergreifung“ Ende Januar 1933 machte seine Rückkehr nach Deutschland unmöglich. Er sich in Sanary-sur-mer nieder, dem Zentrum des deutschsprachigen Exils in Südfrankreich. Ob Feuchtwangers Maske dort oder aber in Hamanns Pariser Atelier Cité Fleurie entstanden ist, kann aus Feuchtwangers Tagebucheintrag vom 22.10.1934 nicht entschlüsselt werden: „Hamann … um meine Maske abnehmen zu lassen. Paul Hamann hatte ein schonendes Verfahren zur Abnahme von Lebendmasken entwickelt, das ihn bekannt machte.“

 

Hamann wollte mit seinen Lebendmasken eine Galerie bedeutender Zeitgenossen schaffen. Entstanden sind fast 100 Arbeiten, die wohl viel damit zu tun hatten, dass er „populär“ war und es eine Menge von Personen gab, die bereit waren, sich von ihm eine Lebendmaske abformen zu lassen. Dazu gehören u. a. Jean Cocteau, Noel Coward, Paul Eluard, Aldous Huxley, Raymond Mortimer, Edward Sackville-West und Man Ray. Für Hamann spricht, dass er diese „Produktion“ wohl nur als „handwerkliche Arbeit“ einstufte, die lediglich im Kunsthandel und nicht auf Kunstausstellungen vertreten war.

 

In Le masque du jour geht André Breton auf die Rolle von Paul Hamann während des Abformprozesses ein: „Während einer kurzen Sitzungspause bei Paul Hamann konnte ich in vollem Ausmaß die Gründe für seinen Erfolg schätzen lernen, den er als Erster bei diesem schwierigen Unterfangen errungen hat. Ich glaube, dass er diesen Erfolg der Tatsache verdankt, dass er es auf seine Art verstand, eine wirklich rationelle und in ihrer Ausgestaltung äußerst feinfühlige Methode zu entwickeln. Die Entwicklung dieser Methode verlangte ein äußerstes Feingefühl, das bei ihm sofort ins Auge fällt und vermuten lässt, dass ihm auf längere Zeit niemand gleichkommen wird.

 

Zunächst sei hier die psychologische Methode erwähnt: mit ihrer Hilfe wird versucht, die Haltung und den Ausdruck der Person zu ermitteln, die ihrem persönlichen und natürlichen Wesen am nächsten kommt, die sie am häufigsten einnimmt, und mit der sie sich am meisten vertraut fühlt. Jede leichte Unruhe, jede geringste Verkrampfung, die bei den Vorbereitungen zum Maskenabdruck, der sich eine Person unterzieht, etwas Ungewohntes oder Ungewöhnliches hervorrufen könnte, löst sich schnell auf, so als schaue man in den Spiegel mit dem Wunsch, sich sehr ruhig und sehr klar zu sehen. Der Empfang von Paul Hamann, die Sicherheit seiner Gesten, seine perfekte Zeiteinteilung, sein Bemühen, den Kontakt mit der Außenwelt auch nicht einen Augenblick zu verlieren, hilft dem Klienten, diese sonderbare Mauer, in die er eintritt, zu ertragen, die nur einen leichten nasalen Atem, einen winzigen Lichtschimmer zwischen den Augenlidern durchlässt.

 

Nachdem ich hin und wieder andere Techniken vergleichend beurteilen konnte, scheint mir die von Paul Hamann auf sein Ziel hin ideal abgestimmt zu sein. Man muss einfach gesehen haben, wie er mit seinen Händen behutsam um den Kopf herumgleitet, bis er das Gesicht allmählich erfasst hat, um zu wissen, welche Kenntnis der äußeren wie auch tiefer liegenden Sensibilität und der Vermeidung jeglicher reflexartiger Bewegung jeden einzelnen seiner Erfolge ausmachen. Das Gesicht ist so geschickt in Zonen eingeteilt, dass ein außergewöhnlich präzises Gleichgewicht entsteht, damit ein in die Mauer neu eingesetzter Stein nicht wie ein Fallbeil ins Auge rutschen kann. Um das zu erreichen, wird minutiös auf die feinen Unterschiede der Hauteigenschaften geachtet; vor allem aber wird das Versprechen eingehalten, nichts Unangenehmes geschehen zu lassen. Das gibt mir das sichere Gefühl, dass das Abbild, das ich von mir erwarte, auch wirklich das meinige ist. Dieses Ziel im Auge behaltend, hatte ich nicht einen Augenblick lang das Gefühl, mich von meiner gewohnten Gefühlswelt zu entfremden. Paul Hamann ist es gelungen, den unbarmherzigen kleinen Gott, der über unsere versteinernden Springbrunnen regiert, zu unserem Vorteil zu beugen.“

 

Durch Emigration, Exil und Weltkrieg sind von dieser Galerie bedeutender Zeitgenossen nur wenige Exemplare erhalten geblieben. Der Künstler Paul Hamann ist in Deutschland so gut wie unbekannt.

 

Wie bereits in mehreren Texten thematisiert, sehen die Pläne der Bauwert AG von Jürgen Leibfried vor, das gewachsene Bauensemble Görresstraße Nr. 21 und Nr. 23 in naher Zukunft zunichte zu machen. Wenn das geschieht, dann wird bald auch vergessen sein, dass Paul und Hilde Hamann und eine Reihe ihrer Atelierbesucher nach 1933 von den Nationalsozialisten ins Exil getrieben wurden. Von der Eigentümerin Bauwert AG und den Behörden ist jetzt verantwortliches Handeln für das historische Erbe dieses Ortes gefragt. Was die Bauwert AG angeht, so hat die jüngste Vergangenheit gezeigt, dass der profitable Bau von Luxuswohnungen im Vordergrund steht. Was auch immer Jürgen Leibfried im Fall Görresstraße und dem möglichen Erhalt des Atelierhauses „versprechen“ wird, er hat längst seine Glaubwürdigkeit verloren. Politik und Behörden wollen oder können das offenbar nicht begreifen. Sonst würden sie diesem Verlust an Erinnerung nicht blindlings zustimmen, sondern mutig dagegen vorgehen.

 

 

Das Berliner Atelier von Paul Hamann

 

 

Galerie bedeutender Zeitgenossen

 

Eingang zum ehemaligen Buchhändlerkeller Görresstraße 8. H&S 2017

Der Buchhändlerkeller

Görresstraße Nr. 8

vorher Wilhelmstraße Nr. 5 & 6

 

Zwischen 1967 und 1976 gab es in der Görresstraße Nr. 8 den „Buchhändlerkeller“. Der literarische Veranstaltungsort wurde 1967 von Klaus-Peter (KP) Herbach (1944-2004), dem Pressereferenten der Akademie der Künste, und dem Arbeitskreis Berliner Jungbuchhändler e. V. im Keller einer ehemaligen Bäckerei eingerichtet.

 

Dr. Christian G. Pätzold hat am 3. Dezember 2017 auf http://www.kuhlewampe.net/ über „50 Jahre Buchhändlerkeller Berlin“ geschrieben. Wir veröffentlichen diesen Beitrag mit freundlicher Genehmigung des Autors.

 

 

 

 

 

 

50 Jahre Buchändlerkeller

 

Eine 68er Institution in Berlin feierte 50. Jubiläum. Im Buchhändlerkeller werden vor allem Bücher und Lebensgeschichten vorgestellt und diskutiert, an den Wänden gibt es aber auch Kunstausstellungen. Es ist kein Wunder, dass der Buchhändlerkeller bis heute existiert, denn die Revolte von 1968 war eng mit Büchern verbunden. Alle Beteiligten lasen damals unheimlich viele Bücher. Nur sind die meisten alten 68er inzwischen in ihren 70er und 80er Jahren und relativ gebrechlich, wenn sie noch leben.

 

Im Buchhändlerkeller funktioniert alles durch persönliches Engagement der Vereinsmitglieder. So kommen etwa 2 bis 3 Veranstaltungen pro Woche zusammen. Um die Kosten zu decken, muss ein Eintrittsgeld verlangt werden. Der Buchhändlerkeller ist heute immer noch eine der angesehensten literarischen Adressen in Berlin, ist aber schon lange kein Keller mehr, sondern ein schicker Laden im Erdgeschoss der Carmerstraße 1 in Berlin Charlottenburg. Ich erinnere mich gern an die Veranstaltungen, die ich im Buchhändlerkeller besucht habe. Daher wünsche ich dem Buchhändlerkeller weitere 50 Jahre. Wünschen kann man sich ja was.

 

Anlässlich des Festes zum 50. Jubiläum schrieb der Buchhändlerkeller: 50 Jahre - nur wenige literarische Institutionen in Berlin blicken auf längere kontinuierliche Arbeit im Dienst der aktuellen Belletristik, des literarischen Erbes und der gesellschaftspolitischen Debatte zurück. 1967 richteten KP (Klaus Peter) Herbach und linke Buchhändler und Lehrlinge aus dem gewerkschaftsnahen „Arbeitskreis Berliner Jungbuchhändler e.V.“ ihren „Buchhändlerkeller“ unter einer ehemaligen Bäckerei in der Friedenauer Görresstraße ein. Es wurde gelesen, diskutiert und gemeinsam demonstriert - bis der Keller nach einer Überschwemmung unbrauchbar wurde.

 

1976 dann der Neuanfang in der Charlottenburger Carmerstraße 1 in den Räumen der ehemaligen Galerie Mikro von Michael S. Cullen, der hier u.a. erstmals in Berlin Christo ausgestellt hatte. Kein Keller mehr, sondern das Parterre eines noblen Gründerzeithauses und jeden Donnerstag eine aktuelle Lesung, gefördert von Verlagen, vom Senat und vom Börsenverein, bis zu KP Herbachs Tod im Januar 2004.

 

Ein neuer Vorstand aus dem Freundeskreis von Herbach erweiterte das Programm um Ausstellungen, Filmvorführungen und viele andere Formen und Sujets - die Senatsförderung versiegte trotzdem: Der Buchhändlerkeller als „Institution“ mit kontinuierlichem Programm passte nicht mehr in das Projektkonzept der permanenten Innovation. Doch gute 10 Jahre nach dem Ende der Subvention gibt es den sympathischen Buchhändlerkeller immer noch, und er erfährt nach wie vor viel Zuspruch für die Veranstaltungen und für den Ort selbst als originellem Treffpunkt von Liebhabern eines aktuellen, aber auch weit zurückreichenden Literatur- und Bildungsbegriffs, verbunden mit kritischer gesellschaftspolitischer Auseinandersetzung."

 

Wie es mit dem Buchhändlerkeller weiter geht, weiß man nicht so genau, denn die jetzigen ehrenamtlichen Macher_Innen des Buchhändlerkellers sind doch schon sehr in die Jahre gekommen. Die jungen Leute leben heute im digitalen Cyberspace. Da ist so etwas wie ein Buchhändlerkeller ziemlich old school.

 

Skulpturengruppe von Eberhard Encke auf dem Dach der Deutschen Botschaft in St. Petersburg, 1913

Eberhard Encke (1881-1936)

Wilhelmstraße Nr. 6 (Görresstraße 12)

 

Eberhard Encke (1881-1936) war der Sohn des Bildhauers Erdmann Encke (1843-1896). Er studierte an der Akademie der Bildenden Künste München. Nach einer zweijährigen Studienreise in Rom wurde er 1907 mit dem „Rom-Preis“ der „Preußischen Akademie der Künste“ ausgezeichnet. Von 1908 bis 1911 war Encke Meisterschüler des Bildhauers Louis Tuaillon (1862-1919) an der Berliner Akademie.

 

Für den Bau der deutschen Botschaft in Sankt Petersburg nach Entwürfen des Architekten Peter Behrens (1868-1940) schuf Eberhard Encke die Skulpturengruppe „Rosse führende Dioskuren“. Kaum war die Botschaft 1913 fertiggestellt, wurde sie gestürmt. Die bekrönende Figurengruppe wurde heruntergerissen. Sie ist seither verschollen. In seiner Behrens-Monographie schrieb der Architekturhistoriker Stanford Anderson (1934-2016) den bemerkenswerten Satz: „Behrens konnte dem ‚Mob‘ kaum ein passenderes Symbol zum Attackieren geben.“ Das Gebäude gehört heute dem Justizministerium der Russischen Föderation – ohne die Skulpturen auf dem Dach. Eberhard Encke wurde neben seinem Vater auf dem Alten Friedhof Wannsee in einem Ehrengrab beigesetzt. Das Familiengrab existiert noch immer.

 

 

In Berlin sind von Eberhard Encke u.a. folgende Werke erhalten: „Faustkämpfer für den Fehrbelliner Platz“, „Figuren und Giebelrelief“ für das Krematorium Wilmersdorf, „Zwei Hasenfiguren“ auf dem Geländer der Hasensprung­-Brücke in Grunewald sowie die Kriegerdenkmale für die „Gefallenen des XXII. Reservekorps“ im Ersten Weltkrieg in Wilmersdorf (1924) und die „Gefallenen des Kaiser-Franz-Garde-Grenadier-Regiments“ in Kreuzberg.

 

Haus Wilhelmstraße Nr. 6. Familienarchiv Ursula Mennerich

Johannes Götz (1865-1934)

Wilhelmstraße Nr. 6 (Görresstraße Nr. 12)

 

Nur wenige Jahre konnte der „Friedenauer Lokal-Anzeiger“ über „unseren Mitbürger Herrn Professor Johannes Götz“ schreiben. Von den berühmten Bildhauern, die nach 1899 den Ruf der Bildhauerkolonie in der Wilhelmstraße begründeten, war er die kürzeste Zeit in Friedenau ansässig. 1905 ist für das Grundstück Wilhelmstraße Nr. 6 angekündigt: „Baustelle, Eigentümer, Prof. Johannes Götz, Bildhauer, Charlottenburg, Atelier Leibnizstraße Nr. 33, Wohnung Pfalzburger Straße Nr. 74.“ Der Umzug in das neue Haus ist wohl damit zu erklären, dass Götz seit 1904 mit der aus Magdeburg stammenden Marianne Schwartzkopff verheiratet und Sohn Rudolf geboren war. 1906 wurde in Friedenau Tochter Dorothea geboren.

 

Bereits am 19. Januar 1911 meldete das Blatt: „Die Villa des Herrn Prof. Götz ist bekanntlich in den Besitz des Herrn Kommissionsrat Heinrich Sachs (1858-1922) übergegangen. Herr Prof. Götz wird in nächster Zeit seinen Wohnsitz nach Berlin verlegen. Das Atelier bleibt jedoch hier bestehen, da nur das Wohngebäude von Herrn Kommissionsrat Sachs käuflich erworben wurde.“

 

 

Da uns Frau Ursula Mennerich im September 2019 aus dem Familienarchiv von Johannes Götz umfangreiches Material für diese Webseite zur Verfügung gestellt hat, das hier erstmals veröffentlicht wird und einen detaillierten Einblick in das Friedenauer Geschehen der Jahre 1906 bis 1911 ermöglicht, mussten wir im Interesse der Übersichtlichkeit - analog der Beiträge über die Familie Pählchen und den Bildhauerhof von Valentino Casal - für diese Dokumente und Fotos unter Görresstraße Bildhauer Joahnnes Götz einen eigenständigen Menüpunkt anlagen.

 

 

Georges Morin, Reifentänzerin, um 1900

Georges Morin (1874-1950)

Wilhelmstraße Nr. 7 (Görresstraße Nr. 16)

 

Georges Morin gehört (neben Heinrich Mißfeldt) zu jenen Künstlern „der um die Jahrhundertwende entstandenen Bildhauerkolonie in der Wilhelmstraße, über die eine ungebrochene Nutzungskontinuität durch namhafte Künstler nachgewiesen werden kann. Die Bedeutung des Ortes für die Künstler sowie die mit diesem Ort verbundenen Kunstwerke bedürfen noch eingehender Forschungen“ (LDA, 2019).

 

Das ist in der Tat so, denn Morin taucht als Mieter eines Ateliers in der Wilhelmstraße Nr. 7 erst 1923 auf. Da war Valentino Casal, der rechtmäßige Besitzer des Bildhauerhofes, vom Deutschen Reich längst enteignet worden. Eigentümer war inzwischen das Bezirksamt XI (Schöneberg) der Stadt Berlin und als Grundstücksverwalter fungierte der „Städtische Obergärtner H. Gottberg“, der 1922 noch als „Friedenauer Gemeindegärtner“ Mitglied der „Deutschen Dendrologischen Gesellschaft“ wurde.

 

George Morin hatte von 1892 bis 1896 an der Preußischen Akademie der Künste unter anderem bei den Bildhauern und Medailleuren Ernst Herter (1846-1917) und Peter Breuer (1856-1930) studiert. Nach dem Examen ging er nach Paris, später nach Italien und England. Um die Jahrhundertwende kehrte er nach Berlin zurück und bezog 1900 eine Wohnung in der Köthener Straße Nr. 39.

 

 

 

 

 

Als die Französische Friedrichstadtkirche auf dem Gendarmenmarkt 1905 umgestaltet wurde, soll er gemeinsam mit den Bildhauern Ernst Müller-Braunschweig und Martin Schauß dafür die Attika-Figuren geschaffen haben. Dazu passt, dass er sich ein Atelier in der Kurfürstenstraße Nr. 126 zulegte, was er bis mindestens 1920 nutzte. Erste Anerkennung als Künstler fand er 1914 auf der „Großen Berliner Kunstausstellung“ mit seiner Skulptur „Wellenspiel“. Von da ab wohnte er in der Schwäbische Straße Nr. 19 (IV. Stock). Ab 1923 ist er im Adressbuch unter „Morin, Georges, Bildhauer, Friedenau, Wilhelmstr Nr. 7; Wohnung W 30, Schwäbische Str. Nr. 19“ eingetragen.

 

Bis Ende des Ersten Weltkriegs arbeitete Morin vorrangig mit Marmor: „Das Problem“ (1910) oder „Weiblicher Akt mit Kompass“ (1912). Bereits 1911/12 veröffentlichte er in der „Kunstwelt“ ein Plädoyer für die „Medaillenkunst“, und stellte damit, so könnte sein Gesamtwerk betrachtet werden, die Weichen für seine nachfolgende Arbeit als Kleinplastiker und Medailleur. Während der Weimarer Republik wurde Morin Mitglied der Bezirkskunstdeputation, der Vereinigung Bildender Künstler in Berlin und bis zur Auflösung 1933 des Reichsverbands bildender Künstler. Auffallend an seinem Werk sind eine Vielzahl von Tänzerinnen-Figuren und Kleinplastiken, was ihm bis heute vor allem auf Auktionen eine gewisse Präsenz garantiert.

 

Last but not least: Vor dem Haus Uhlandstraße Nr. 150 an der Ecke zur Pariser Straße in Wilmersdorf steht die Skulptur „Fischreiterin“. Sie wurde 1929 von Georges Morin geschaffen und in der Bildgießerei von Hermann Noack in Bronze gegossen. „Dargestellt ist eine nackte schlanke Frau, die auf einem Fisch reitet. Sie sitzt nicht auf dem Tier, sondern sie hat ihre durchgestreckten Beine an die Seiten des Fisches gepresst, sodass ihr Gesäß über dem Fisch schwebt. Mit beiden Händen hält sie sich an der weit nach oben ragenden Rückenflosse fest. Ihr Gesicht mit lächelndem Mund ist leicht nach unten geneigt und sie blickt nach vorn herunter zum Fisch. Schwungvoll geht ihr Haar nach hinten, wodurch die Bewegung beim Reiten unterstrichen wird. Die Oberfläche des Fisches ist detailreich ausgearbeitet. Im hinteren Bereich finden sich eine Vielzahl von Schuppen, vorn sind die markanten großen Augen und der leicht geöffnet Mund zu sehen. Die Skulptur ist als Brunnenfigur ausgelegt: aus einer im Mund befindlichen Röhre kann ein Wasserstrahl austreten.“ (Wikipedia)

 

 

George Morin über Medaillenkunst, 1911/12

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Heinrich Mißfeldt im Atelier. Archiv Horst Mißfeldt

Heinrich Mißfeldt (1872-1945)

Wilhelmstraße Nr. 7 (Görresstraße Nr. 16)

 

Heinrich Christian Ludwig Mißfeldt wurde am 20. Dezember 1872 in Kiel geboren. Der Vater war Inhaber einer Ziegelei und bestand offensichtlich darauf, dass sein Spross erst einmal eine Lehre als Holzbildhauer absolvierte. Mit 19 Jahren ging er an die Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums in Berlin. Sie war 1868 eröffnet worden, um dem wachsenden Gewerbe ein Mehr an künstlerischem Empfinden zu vermitteln, das wiederum zu besser gestalteten Produkten führen sollte. Die Schüler wurden in Tages- und Abendkursen unterrichtet. Es folgte ein Studium an der Akademie der Künste. 1899 trat Mißfeldt mit ersten Arbeiten an die Öffentlichkeit, zuerst in Kiel mit der Statuette des niederdeutschen Schriftstellers Klaus Groth (1899), dann für Husum das Grabmal aus Bronze und Granit für den Schriftsteller Johann Meyer (1904), später den Grabstein der Familie Taeschner auf dem Luisenstädtischen Friedhof in Berlin und 1903 mit der Bronzestatuette „Kugelspieler“ – der künstlerische Durchbruch.

 

 

Am 5. Oktober 1906 gab es in Kiel die Hochzeit mit der 1867 in Kiel geborenen Ottilie Dorothea Friederike, Bertha geb. Meyer. Im Adressbuch von 1907 ist der Bildhauer Heinrich Mißfeldt in der Wilhelmstraße Nr. 7 eingetragen. Es ist davon auszugehen, dass mit dieser Adresse der Bildhauerhof von Valentino Casal gemeint ist, in dem er ein Atelier gemietet hatte. Dort müsste die Marmorfigur „Abschied“ entstanden sein, die Kaiser Wilhelm dann für das Schloss Wiesbaden erworben hat.

 

Als der Abschied von Bürgermeister Bernhard Schnackenburg anstand, bestellte die Gemeinde Friedenau bei Mißfeldt eine Bronze, die Schnackenburg 1909 zum Antritt als Oberbürgermeister von Altona überreicht wurde – gegossen in der Bildgießerei Hermann Noack. Heinrich Mißfeldt bleibt Friedenauer. Das Atelier in der Wilhelmstraße behält er. Dort entstehen 1921/22 eine Reihe von Kriegerdenkmalen, darunter 1923 aus Ziegeln und Muschelkalk das Mahnmal für die Opfer des Ersten Weltkriegs (1923). 1910 zieht die Familie in die Eschenstraße Nr. 6 und 1936 in die Stierstraße Nr. 20. Zur Zeitgeschichte gehört allerdings auch, dass nach seinem Entwurf das bronzene „Reliefportrait Adolf Hitler“ in der Größe von 7,8 x 8,2 cm entstand, gegossen bei Noack, signiert mit H. Mißfeldt und von der Lehrgießerei der Vereinigten Aluminium-Werke AG vielfach vervielfältigt. Heinrich Mißfeldt starb am 27. Oktober 1945 in Torgau.

 

Rathaus Schöneberg. Foto H&S, 2015

Hinrichsen & Isenbeck

Wilhelmstraße Nr. 7 (Görresstraße Nr. 16)

 

Der Bildhauer Ludwig Isenbeck (1882-1958) und der Architekt Johannes Hinrichsen gehören nicht zur allerersten Garde, aber sie haben mit den Skulpturen am Schöneberger Rathaus (1911-1913) oder mit dem Fassadenschmuck am Weinhaus Huth (1911-1912) Werke hinterlassen, die gewürdigt werden sollten. Was sollen Bürger davon halten, wenn Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) während ihrer Führung durch das Rathaus Schöneberg am 16. Februar 2013 „zur Architektur nicht allzu viel erzählen möchte“ (oder nicht kann), und es dabei belässt, dass „der Fassadenschmuck und die vier Turmfiguren Werke der Friedenauer Bildhauer Johannes Hinrichsen und Ludwig Isenbeck sind“.

 

Schon in der vom Bezirksamt im Jahr 2014 höchst aufwändig erstellten Dokumentation über „Das Rathaus Schöneberg“ bleibt die Information dürftig. Wir zitieren: „Hinrichsen, Johannes (?), Bildhauer und Architekt (Werkstatt Hinrichsen & Isenbeck, Berlin-Friedenau); Bildhauerische Arbeiten in Stein, Keramik und Metall für zahlreiche öffentliche Bauten in Berlin, u.a. Fassadenschmuck Weinhaus Huth, Restaurationsgebäude im Berliner Zoo); Bauplastische Gestaltung am Außenbau, u.a. Figuren am Turm sowie in Eingangshalle, um 1914. - Isenbeck, Ludwig (1882-1958), Bildhauer (Werkstatt Hinrichsen & Isenbeck, Berlin-Friedenau); Bildhauerische Arbeiten in Stein, Keramik und Metall für zahlreiche öffentliche Bauten in Berlin, u.a. Fassadenschmuck Weinhaus Huth, Restaurationsgebäude im Berliner Zoo); Bauplastische Gestaltung am Außenbau, u.a. Figuren am Turm sowie in Eingangshalle, um 1914.“

 

Zu befürchten ist, dass die Fassadengestalter „Hinrichsen & Isenbeck“ demnächst ganz in Vergessenheit geraten. Obwohl der Bundestag schon vor Jahren eine „Deutsche Digitale Bibliothek" beschlossen hat, ist auch das ansonsten verdienstvolle Architekturmuseum der TU Berlin bisher nicht in der Lage, das 1912 von Hinrichsen & Isenbeck „als Bildhauer“ geschaffene Gipsmodell „Allegorie der Fruchtbarkeit“ für das Portal des Weinhauses Huth am Potsdamer Platz (Inventarnummer 42285) als Bild zu zeigen. Nach wie vor aber gilt: „Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen.“

 

Von „Hinrichsen & Isenbeck“ sind in Berlin u.a. erhalten: „Skulpturen am Schöneberger Rathaus" (1911-1913), „Muschelkalkskulpturen“ als Fassadenschmuck am Weinhaus Huth Potsdamer Platz (1911-1912), „Fassadenschmuck Schiller-Oberschule“ (Leibniz-Realschule) Schillerstraße Charlottenburg (1911-1913), „Bildhauerarbeiten Vier Jahreszeiten“ Eosander-Schinkel-Grundschule (Gemeindeschule) Nithackstraße Charlottenburg (1913-1914), „Vier-Winde-Brunnen“ am Rathaus Lankwitz (1910), „Springer“ an der Fassade des Stadtbades Lichtenberg (1928).

 

Signatur Edmund Gomansky

Edmund Gomansky (1854-1930)

Wilhelmstraße Nr. 7 (Görresstraße Nr. 16)

 

Edmund Gomansky (1854-1930) studierte an der Berliner Akademie der Künste. Er war Schüler von Fritz Schaper (1841-1919) und Rudolf Siemering (1835-1905). Unter Siemerings Anleitung entstand 1891 die Skulptur „Betende Knaben“ für die Königlichen Museen Berlin. 1895 nahm Gomansly am Wettbewerb für das Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Chemnitz teil. Der Entwurf wurde prämiert, ausgeführt jedoch der Entwurf von Wilhelm von Rümann (1850-1906). Erfolgreicher verlief 1900 der Wettbewerb für den Brunnen in Oppeln. Sein „Ceres-Brunnen“ auf dem ehemaligen Friedrichsplatz wurde 1907 zum 100. Jahrestag des Oktoberedikts von 1807 und damit der Preußischen Agrarreformen eingeweiht. Die Skulpturen von Demeter (Ceres) und ihrer Tochter Persephone (Proserpina) sowie Poseidon (Neptun) mit Meeresgott Glaukos und einem Fischernetz und Herakles mit einer Hacke symbolisieren Landwirtschaft, Fischerei und Bergbau. Gomanskys Marmorskulptur „Mutter mit Kind“ (1898) war gemeinsam mit der „Vatergruppe“ von Wilhelm Haverkamp (1864-1929) bis 1960 Bestandteil einer Marmorsitzbank auf dem Andreasplatz. Sie befindet sich heute im Volkspark Friedrichshain.

 

 

Fritz Burger Bildnis Ludwig Manzel, 1912, Nationalgalerie Berlin

Ludwig Manzel (1858-1936)

Wilhelmstraße Nr. 9 (Görresstraße Nr. 20)

 

Der Bildhauer Ludwig Manzel (1858-1936) hatte die Nase allzeit vorn. 1891 schuf er zur Einweihung des Teltower Kreishauses in der Berliner Viktoriastraße eine Büste von Ernst von Stubenrauch. 1898 fertigte er für die Sommerresidenz von Kaiser Wilhelm II. in Cadinen ein kaiserliches Wappen. 1900 ließ er seinen Gipsentwurf von Kurfürst Friedrich I. für die Gruppe 15 der Siegesallee von Valentino Casal in Marmor fertigen. 1903, kaum hatte er des Kaisers Worte vom „Klein Carrara in Friedenau“ vernommen, ließ er sich das Landhaus in der Wilhelmstraße Nr. 9 errichten. In den allerletzten Wochen der Weimarer Republik stellte er zum 22. Oktober 1932 die Muschelkalksteinwand für das Grabmal von Filmregisseur Friedrich Wilhelm Murnau (1888-1931) auf dem Stahnsdorfer Südwestkirchhof her. Als die Nationalsozialisten die Macht übernommen hatten, präsentierte er nach Ansicht des Berliner Lokal-Anzeigers „eine ausgezeichnete Bronzemedaille von Dr. Goebbels“.

 

Manzels Arbeiten demonstrieren Macht und Überlegenheit. Das Überschreiten der menschlichen Proportionen wurde vielfach zum Maßstab. Damit setzte er auffällige Zeichen, sowohl bei profanen Denkmalen als auch bei sakralen Bauten, wozu das 1924 gefertigte Monumentalrelief „Christus“ auf dem Südwestkirchhof. Der aus dem 11. Matthäus-Kapitel entnommene Titel, „Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken“, stellt eine fragwürdige Botschaft dar.

 

 

 

 

 

Manzels Monumentalkunst kommt nicht von ungefähr. Seine Ausbildung erhält er an der Akademie der Künste bei Albert Wolff (1815.1892) und Fritz Schaper (1841-1919). Ihre idealistischen Schöpfungen, Kolossalstatuen, Reiterstandbilder, Marmorgruppen, Bronzereliefs, blieben nicht ohne Einfluss. Schaper geriet zum „väterlichen Freund“, an den er sich „in künstlerischen und menschlichen Nöten, auch noch lange nach der Schülerzeit“ wenden konnte. Später schlüpfte er selbst in diese Rolle. In sein Haus Wilhelmstraße Nr. 9 holte er sich als Untermieter den Bildhauer Paul Hubrich (1869-1948), seinen Schüler und wohl auch lebenslanger Bildhauer-Gehilfe.

 

Ludwig Manzel, seit 1912 Präsident der Preußischen Akademie der Künste, unterzeichnete zwei Monate nach Beginn des Ersten Weltkriegs neben Max Liebermann, Engelbert Humperdinck, Gerhard Hauptmann und Max Planck jenen Aufruf „An die Kulturwelt“, in dem diese „Protest gegen die Lügen und Verleumdungen erheben, mit denen unsere Feinde Deutschlands reine Sache in dem ihm aufgezwungenen schweren Daseinskampfe zu beschmutzen trachten“.

 

Das Grab von Ludwig Manzel befindet sich auf dem Stahnsdorfer Südwestkirchhof (Block Heilige Geist, Gartenblock V, Gartenstelle 1) – darauf eine wohl von den Bildhauern Willibald Fritsch (1876-1948) und Paul Hubrich initiierte Porträtplakette mit der Inschrift: „Dem hochverehrten Meister zum fünfzigsten Geburtstage gewidmet von seinen dankbaren Schülern.“

 

Grab von Paul Hubrich auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf. H&S 2007

Paul Hubrich (1869-1948)

Wilhelmstraße Nr. 9 (Görresstraße Nr. 20)

 

Geblieben ist vom Bildhauer Paul Hubrich (1869-1948) nicht viel. Einzig auf dem Südwestkirchhof in Stahnsdorf ist einiges von ihm erhalten. Neben seiner eigenen Grabstätte (Block Heilig Geist, Gartenblock VI, Erbbegräbnis 27) die „Trauernde Maria“ (1912) am Grab Skaba, das „Muschelkalkdenkmal“ (1930) am Grab von Charlotte Birnbaum (Block Charlottenburg, Gartenblock III, Gartenstelle 79) und die Marmorskulptur „David“, die aus seinem Nachlass stammt und sich nun auf dem Grab Seefeld (Block Erlöser, Gartenblock II, Gartenstelle 19/20) befindet.

 

 

Das „Christus-Relief“ von Ludwig Manzel auf dem Südwestkirchhof gehört irgendwie auch dazu. Das monumentale Werk mit zwölf Meter Breite und zwei Meter Höhe „Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken“ (Matthäus 11,28) wurde zuerst als Gipsentwurf auf der Großen Berliner Kunstausstellung von 1911 gezeigt. Um die Christusfigur im Zentrum gruppierte Manzel 24 Figuren. Die steinerne Ausformung für den Friedhof besorgte wohl nicht der Meister selbst, sondern sein Schüler.

 

Paul Hubrich war ein treuer Diener seines Herrn. Das kuriose Verhältnis begann auf der Berliner Kunstgewerbeschule. Nach 1904 war Hubrich mit Genrestatuen und Büsten auf der Großen Berliner Kunstausstellung vertreten, nach 1906 zog er als Mieter in das Eigenheim von Ludwig Manzel in die Wilhelmstraße Nr. 9. Als der Meister 1908 seine Villa in der Charlottenburger Sophienstraße bezog, blieb sein Schüler vorerst im Haus. 1919 zog Hubrich in das Haus der Privatiere Lindner in der Niedstraße Nr. 33. Dort wohnt er 1943 noch immer – nun mit Berufsbezeichnung „Steinmetzmeister“.

 

 

Leonhard Sandrock, 1912

Leonhard Sandrock (1867-1945)

Wilhelmstraße Nr. 16 (Görresstraße Nr. 21)

 

Als Alfred Bürkner 1996 sein Buch „Friedenau“ veröffentlichte, wies er unter Görresstraße Nr. 21 (Wilhelmstraße Nr. 16) darauf hin, dass „auf dem hinteren Teil des Grundstückes ein Atelierhaus steht, in dem die bildhauerische Tradition der Görresstraße mit dem Bildhauer Michael Schoenholtz (geb. 1937) fortgeführt wird. Er meinte damit auch die Bildhauer Franz Rosse (1858-1900), Johannes Hoffart (1851-1921) und Edmund Gomansky (1854-1930), die das Atelier zeitweise genutzt hatten. Nachzutragen ist, dass dort auch Schriftsteller, Zeichner, Kunstgewerbler und Maler gewirkt haben.

 

Dass dieses Anwesen ein „Künstlerdomizil“ wurde, hat wohl mit Otto Wesche zu tun, der einst für die Zwickauer Marienkirche den „Engel“ und für seine Familie auf dem Friedhof ein Wandgrab geschaffen hatte. Wesche war Mitinhaber der Firma „Wesche & Ramcke“, die in Zwickau ab 1871 ein „Bildhauerei und Stuckatur-Geschäft“ betrieb. 1901 legte er sich in Friedenau das Anwesen Wilhelmstraße Nr. 16 zu. Da „die Stadt Meerane den Bildhauer Otto Wesche aus Berlin-Friedenau mit zwei Brunnenprojekten beauftragte“, entstand um diese Zeit wohl auch das Atelier. Genutzt hatte er es nicht. Jedenfalls sind bildhauerische Arbeiten von ihm nicht bekannt.

 

Ab 1909 mietete der Oberleutnant a. D. Leonhard Sandrock (1867-1945) das Atelier. Er war am 5. März 1867 im schlesischen Neumarkt geboren worden, hatte das Gymnasium in Schweidnitz besucht und war 1887 in die preußische Armee eingetreten. Ein Reitunfall beim Feldartillerie-Regiment in Verden beendete seine militärische Karriere. Der fortan gehbehinderte Mann zog mit Ehefrau Ellen geb. Schmidt nach Berlin und studierte ab 1894 Malerei. Er wurde Mitglied des „Vereins Berliner Künstler“, beteiligte sich ab 1899 regelmäßig an der Großen Berliner Kunst-Ausstellung und gehörte dem 1920 gegründeten „Künstlerbund Schöneberg-Friedenau“ an.

 

 

 

1912 entdeckte ihn Max Osborn (1870-1946), der Kunstkritiker der „Vossischen Zeitung“. Er bezeichnete Sandrock als „eins der stärksten und hoffnungsvollsten Talente der Berliner Malerzunft“, von dem „noch Vieles und Gutes zu erwarten“ ist. Sandrock wusste um den Einfluss der Zeitungen. Bereits am 28. Juni 1911 hatte er an Redakteur Ganske von der illustrierten Tageszeitung „Der Tag“ geschrieben: „Sie wollten mich doch immer einmal in meinem Atelier besuchen. Ich habe augenblicklich eine größere Zahl an Bildern da, so dass ich Ihnen doch wenigstens etwas zeigen kann. Passt es Ihnen an einem der kommenden Nachmittage? Ich würde mich jedenfalls sehr darüber freuen. Mein Atelier liegt Friedenau, Wilhelmstraße 16 in derselben Straße, wo die Ateliers von Martin Götz und Casal liegen. Vielleicht ist es am einfachsten, Sie telephonieren mich einmal an (Amt Pfalzburg 8401). Ich bin mit ziemlicher Sicherheit morgens bis 9 Uhr und dann nachmittags von 2 1/2-4 Uhr zu Hause zu erreichen.“ Zu Hause, das war von 1907 bis 1918 die Wohnung in der Stubenrauchstraße Nr. 58. Im Jahr 1919 zog das kinderlose Ehepaar in die Niedstraße Nr. 31. Dort wohnten sie bis zu ihrem Tod. Leonhard Sandrock starb mit 78 Jahren am 30. Oktober 1945 (unter bis heute ungeklärten Umständen), die sieben Jahre jüngere Ehefrau Ellen geb. Schmidt ein Jahr später am 8. Dezember 1946. Nicht bekannt ist, wo die beiden begraben wurden. Der Mietvertrag für das Atelier Wilhelmstraße Nr. 16, aus der 1937 Golzheimer Straße Nr. 21 geworden war, existierte bis 1945.

 

Leonhard Sandrock, dies wird beim Betrachten seiner Gemälde deutlich, reiste viel. Immer wieder Hamburg, Nordsee, Ostsee, Adria, Mittelmeer, die „Marinebilder“, die vor Ort und in Ruhe entstanden sind, und dann Schlesien und Westfalen, die „Industriebilder“ der Stahlwerke, die wegen Hitze, Lärm, Dampf und Dreck vor Ort nur skizziert und später im Atelier in Öl umgesetzt werden konnten.

 

Nach seinem Tod wurde Sandrock zum „vergessenen Maler des Impressionismus“. Da „29 Gemälde, Aquarelle und Graphiken dem Hamburger Hafen direkt zuzuordnen und von den übrigen Hafenbildern wahrscheinlich eine ganze Anzahl in Hamburg entstanden waren", gab es 1992 eine erste Ausstellung im „Altonaer Museum“. Die Kunsthistorikerin Dorothy von Hülsen steuerte dazu den Katalog „Leonhard Sandrock - Ausgewählte Werke aus öffentlichem und privatem Besitz“ bei. Es ist ganz zweifellos ihr Verdienst, dass Werk und Leben von Leonhard Sandrock vor der Vergessenheit bewahrt wurden. Für Dorothy von Hülsen war Sandrock „ein versierter Handwerker. Neben der Fähigkeit, das Gesehene naturgetreu malen zu können, besaß er die große Begabung, Wesentliches vom Nebensächlichen zu trennen, inhaltliche und malerische Akzente zu setzen, Bildausschnitte zu wählen, die den Beschauer direkt ins Bild führen“. Zu seinen Lebzeiten hatten neben der Nationalgalerie Berlin einige deutsche Museen seine Gemälde erworben. Weitere Bilder entstanden im Auftrag der Industriewerke in Schlesien und Westfalen.

 

Das Ehepaar Sandrock hatte keine Kinder. So ging Dorothy von Hülsen der Frage nach, was aus dem Nachlass wurde. Etwa fünfzig Gemälde, Zeichnungen, Lithographien, Radierungen und Skizzenbücher waren früh in den Besitz des Sohnes der Cousine von Ehefrau Ellen Sandrock übergegangen. In den 1930er Jahren hatte der Berliner Kaufmann Heinrich König eine größere Anzahl an Gemälden von Sandrock erworben. Während des Weltkriegs zog er – mit den Bildern – in den Spreewald. Nach der Währungsreform übersiedelte die Familie in den Rheingau und vertraute den Transport der Sandrock-Gemälde der Tochter Melanie an. Ihr gelang es, die Bilder ohne Keilrahmen Stück für Stück aus der damals sowjetisch besetzten Zone nach West-Berlin zu bringen. Von dort gingen sie per Post nach Westdeutschland. Zehn Jahre nach dem Tod des Ehepaars König wurde der Nachlass mit über 300 Bildern dem Kunsthändler Eduard Sabatier in Verden angeboten.

 

Sabatier sorgte (nicht uneigennützig) dafür, dass das Werk „des vergessenen Malers“ an die Öffentlichkeit kam. 1992 präsentierte das „Altonaer Museum“ in Hamburg die Ausstellung „Leonhard Sandrock 1867-1945: Ausgewählte Werke aus öffentlichem und privatem Besitz“. 1997 folgte in der Zitadelle Spandau eine Würdigung Sandrocks mit „Maschinen-Dampfdome-Arbeit". Und zu seinem 150. Geburtstag erinnerten 2017 gleich zwei Bremer Museen an den deutschen Impressionisten: Das Overbeck-Museum Bremen zeigte den „Industriemaler“ und das Museum Schloss Schönebeck den „Marinemaler“. Das weitere Geschäft übernahmen Auktionshäuser, darunter die 1919 in Schöneberg gegründete Kunsthandlung Leo Spik. Sandrocks Werke, ob nun Darstellungen von Häfen, Schiffen, Lokomotiven oder Stahlwerken, gelten inzwischen als „Geheimtipp“.

 

Berlin ist mit den bisher bekannten Gemälden „Im Krögelhof“ (1914), „Bahnhof Schöneberg“, „Straßenbahndepot“ (1930), „Schlesischer Bahnhof“, „U-Bahnbau bei Nacht in der Motzstraße“ (Berlin Museum), „Gasometer“, „In der Zentrale der Berliner Elektrizitätswerke“ und „Ansicht von Schloss Köpenick“ (o. J) etwas „zu kurz“ gekommen.

 

 

Quelle: Katalog Pro Art

Graphische Ausstellung im Schöneberger Rathaus, 1923

 

Mit der Entstehung von Groß-Berlin und der Übernahme von Friedenau in den Verwaltungsbezirk Schöneberg wurde 1920 auch der „Künstlerbund Schöneberg-Friedenau“ gegründet. Leonhard Sandrock wurde Mitglied. Zu den Ereignissen dieser Jahre gehört die 1923 von der „Bezirks-Kunstdeputation“ und dem „Künstlerbund Schöneberg-Friedenau“ organisierte Ausstellung „Graphische Ausstellung eines Schöneberger Sammlers“ in der Halle des Schöneberger Rathauses. Basis war die Sammlung von Sebastian Malz (1873-1945), darunter u.a. Werke von Adolph Menzel, Hans Thoma, Wilhelm Steinhausen, Richard Albitz, Fritz Ascher, Wilhelm Blanke, Fritz Geyer, Hans Hartig, Ernst Kolbe, Carl Kayser-Eichberg, Max Fabian, Alfred Liedtke, Franz Müller-Münster, Paul Plontke, Cornelia Paczka, Hermann Sandkuhl, Franz Stassen, Georg Wolters und Leonhard Sandrock.

 

Sebastian Malz war Inhaber der „Kunstdruckerei Sebastian Malz und Sohn“ in der Gothaer Straße Nr. 16, die das lithografische Verfahren der Algraphie weiterentwickelt hatte. Der Begriff Algraphie setzt sich aus den Wörtern „Aluminium“ und dem griechischen „graphein“ (schreiben) zusammen, und weist daraufhin, dass bei diesem Verfahren eine „gekörnte Aluminiumplatte“ verwendet wird. Malz hat bereits 1910 seine Erfahrungen mit dem Flachdruckverfahren zur Buchillustration in „Die Techniken der Algraphie: mit besonderer Berücksichtigung der künstlerischen Herstellungsverfahren jeder Art und Behandlung derselben im Druck“ publiziert. Die Druckergebnisse von „Malz und Sohn“ genossen bei Künstlern einen hervorragenden Ruf.

Quelle: Katalog Pro Art

Die Kunsthistorikerin Dorothy von Hülsen veröffentlichte 1992 in ihrem Katalog „Leonhard Sandrock: Ausgewählte Werke aus öffentlichem und privatem Besitz“ ein bisher unbekanntes Foto, das wahrscheinlich aus dem Landesarchiv Berlin stammt. Es ist etwa um 1925 entstanden und zeigt Leonhard Sandrock und seine Frau Ellen. Da die Sandrocks zu dieser Zeit in der Niedstraße Nr. 31 wohnten und hinter der Bank Birken zu sehen sind, liegt es nahe, dass dieses Foto im „Birkenwäldchen“ auf dem Maybachplatz (Perelsplatz) aufgenommen wurde.