Name seit 2. November 1892, benannt nach dem Baumeister Hermann Hähnel (1830-1894), bis dahin Straße 43a. Die Straße hat eine Länge von 315 Meter. Zu Friedenau gehörten ursprünglich die Häuser Nr. 1 und Nr. 2 sowie Nr. 19 und Nr. 20. Mitte 1950 kam die Hähnelstraße zu Friedenau.

 

Hermann Hähnel (1830-1894) war Mitbegründer des 1871 gegründeten Landerwerb- und Bauvereins auf Actien. Der Maurermeister studierte an der Berliner Bauakademie und war nach dem Examen ab 1854 als Bauführer tätig. 1856 wurde er in den Architekten-Verein zu Berlin aufgenommen. Von 1859 bis 1865 war Mitarbeiter von Edmund Knoblauch (1841-1883) beim Bau der Synagoge in der Oranienburger Straße. 1866 machte er sich als Architekt und Bauunternehmer selbstständig. Seine Bauten sind nicht mehr erhalten. Es ist davon auszugehen, dass er zu den Schöpfern der geputzten Landhäuser gehörte – wie beispielsweise dem einzigen noch erhaltenen Haus Moselstraße Nr. 12, das sich der Kaufmann Carl August Dittmann 1877 in der Frühzeit von Friedenau errichten ließ, und dessen Baumeister unbekannt ist.

 

Seine Ehefrau Auguste (1828-1902) soll nach der Unterzeichnung des Friede von Frankfurt im Jahr 1971 für die Landhauskolonie den Namen Friedens-Aue vorgeschlagen haben. Am 9. November 1874 genehmigte Kaiser Wilhelm II. der neuen Landgemeinde den Namen Friedenau. Baumeister Hähnel bewohnte eine Villa an der Ecke der Rhein- und Kirchstraße, die er an den Bauunternehmer Hermann Pählchen verkaufte. Dort entstand 1893/94 das Haus Schmiljanstraße Nr. 17 Ecke Rheinstraße Nr. 18. Die Hähnels zogen nach Zehlendorf. Nach dem Tod ihres Ehemannes zog Auguste Hähnel vw. Baumeister wieder zurück und erwarb 1899 das Mietswohnhaus Ringstraße Nr. 11 (heute Dickhardtstraße), das der Bauherr und Architekt H. Franzke 1890/91 errichtet hatte. Hermann und Auguste Hähnel wurden auf dem Friedhof Stubenrauchstraße bestattet. Das Grab existiert nicht mehr.

 

Hähnelstraße Nr. 1. Hahn & Stich, 2018

Hähnelstraße Nr. 1

Ecke Lauterstraße Nr. 37

Entwurf Architekt Erich Rösler

1891-1892

 

Das viergeschossige Mietswohnhaus wurde in barockisierenden Formen gebaut. Das Eckhaus wird von zwei Treppenaufgängen erschlossen. Das Souterrain und das Erdgeschoss sind in Putzrustika ausgeführt. Die beiden Fassaden weisen dreizehn Achsen an der Hähnel- und sieben an der Lauterstraße auf. Die Ecke wird durch einen Standerker akzentuiert, die Fassade an der Hähnelstraße symmetrisch durch zwei Standerker beiderseits der Mittelachse gegliedert. An der Lauterstraße dagegen wird die Fassade in der Mittelachse durch einen Standerker betont, der originellerweise gleichzeitig die Eingangshalle für den Eingang Lauterstraße bildet. Die Laibungen und Ädikulen der Fenster werden in den einzelnen Geschossen variiert. Das Haus ist schon im Vorgriff auf die Bauordnung von 1892 entworfen worden. Topographie Friedenau, 2000

 

Hähnelstraße 3

Hähnelstraße Nr. 3

 

In Vorbereitung

Hähnelstraße 4

Hähnelstraße Nr. 4

 

In Vorbereitung

Hähnelstraße 5

Hähnelstraße Nr. 5

Vom Antiquariat zu Putz-Zeit

 

Rüdiger Barasch lebt seit 40 Jahren in Friedenau. 1972 zog er in den 3. Stock des Gartenhauses Perelsplatz Nr. 16. Auf den zwei Ecken von Hähnel- und Stierstraße hatte er seine Antiquariate, zuerst 1977 in Hähnelstraße Nr. 5 Ecke Stierstraße Nr. 12 als Nachmieter des alternativ-bunten Kinderladen, dann ab 1978 in Hähnelstraße Nr. 6 Ecke Stierstraße Nr. 6.

Bauherr und Eigentümer war Schlächtermeister Wilhelm Behr, Inhaber der Fleischwarenfabrik in der Schöneberger Kolonnenstraße Nr. 57/58, Aktionär der Viehmarkts-Aktiengesellschaft von Johann Christian August Sponholz und Kunde der einflussreichen Vieh- und Fleischmarktbank Sponholz, Ehestädt & Schröder. Im Jahr 1905 zog Behr ein. Fünf Jahre später war er Rentier und Abonnent der Allgemeinen Fleischer Zeitung aus dem Verlagshaus Sponholz GmbH Berlin-Schöneberg. Im Haus gab es zwei Läden, mal Schlächter, Schuhmacher, Parfümerie oder Sattler.

Im Vergleich zu den permanenten Eigentümerwechseln der benachbarten Anwesen bleibt das Eckhaus Hähnel- Nr. 5 Ecke Stierstraße Nr. 12 bis mindestens 1943 vier Jahrzehnte im Besitz des Wurstfabrikanten. Am 1. April 1978 bot sich Rüdiger Brasch die Gelegenheit, günstigst einen Eckraum in der Stier- Nr. 6 Ecke Hähnelstraße Nr. 6 zu mieten. 1998 beendete er das Mietverhältnis. In den folgenden zwei Jahrzehnten gab es Ein- und Auszüge mit variantenreichen Nutzungen. Aktuell ist dort die Putz-Zeit Gebäudereinigung Deutschland GmbH & Co. KG untergekommen, nach eigener Beurteilung flexibel, kompetent, leistungsstark und zuverlässig.

 

 

Rüdiger Barasch hat seine Friedenauer Geschichte auf Zetteln zu Papier gebracht, die er uns für die Veröffentlichung zur Verfügung stellte. Weiteres zur Rüdiger Barasch finden Sie unter Aus fremden Federn - Barasch' Streunereien.

 

Hähnelstraße Nr. 7. Hahn & Stich, 2018

Hähnelstraße Nr. 7

Baudenkmal Mietshaus

Entwurf Regierungsbaumeister und Magistratsbaurat Otto Jaeckel

1910

 

Das viergeschossige, sechsachsige Mietshaus wurde 1910 nach Plänen des Regierungsbaumeisters und Magistratsbaurat Otto Jäckel erbaut. Das Vorderhaus auf hohem Souterrain weist je eine 4- und eine 5-Zimmer-Wohnung pro Geschoss auf, der Seitenflügel je eine 2-Zimmer-Wohnung. Alle Wohnungen haben Bad/WC. Die Straßenfassade ist asymmetrisch aufgebaut: In der Mittelachse wird der Hauseingang durch ein ionisches Säulenportal mit einem aufgebrochenen Giebel betont. In den drei Obergeschossen ist in der Mitte ein zweiachsiger Erker mit Balkons an der Ostseite angeordnet, die größere Wohnung verfügt über breite und tiefe Loggienbalkons. Der Eingang führt über ein elegantes Vestibül mit kassettiertem Tonnengewölbe, Vertäfelung und prismatischen Wandlampen im Jugendstil in das vornehme Treppenhaus. Topographie Friedenau, 2000

 

Der Bau geht zurück auf die Berliner Baupolizeiverordnung vom 15. Januar 1887. Dort wird im Teil I § 3 „Höhe“ gefordert: „Gebäude dürfen in den Frontwänden stets 12 m hoch und nicht höher als 22 m errichtet werden. Unter Höhe der Gebäude wird in den vorstehenden Bestimmungen das Maß von Oberkante Bürgersteig bzw. Oberkante Hofpflaster dicht am Gebäude gemessen, bis zur Oberkante des Hauptgesimses. Nur für Dachaufbauten durfte diese Begrenzung teilweise überschritten werden, in keinem Falle konnten in einem Gebäude mehr als fünf zu dauerndem Aufenthalte von Menschen bestimmte Geschosse angelegt werden (§ 37 Zum Aufenthalte von Menschen bestimmte Räume).

 

Hähnelstraße Nr. 8. LDA Berlin

Hähnelstraße Nr. 8

Baudenkmal Mietshaus

Entwurf Architekt und Maurermeister Eugen Freier

Bauherr Gertrud Mais

1908

 

Das viergeschossige, achtachsige Mietshaus verfügt pro Geschoss im Vorderhaus über zwei 5-Zimmer-Wohnungen und in den Seitenflügeln über je eine Kleinwohnung. Die Straßenfassade ist beiderseits der mittleren vier Fensterachsen durch flach vortretende Risalite und seitliche Loggien gegliedert. Souterrain und Hochparterre sind durch Putzbänderung als Sockel gekennzeichnet, die Obergeschosse sind glatt verputzt und weisen sparsamen Schmuck auf. Das Vestibül zeigt eine kassettierte Decke, mit feinem Dekor stuckierte Wandfelder über Stuckmarmor sowie einen Fußboden und eine Treppe aus Marmor. Der Vorgarten ist mit einem originalen Jugendstilgitter zwischen verputzten Pfeilern eingefriedet. Topographie Friedenau, 2000.

 

 

Hähnelstraße Nr. 9

Baudenkmal

Entwurf Ernst Buckenauer

Bauherr Eduard Cassirer & Cassirer, Salo

1908-1909

 

An diesem Haus erinnert eine Gedenktafel daran, dass hier 1921-24 der Schriftsteller Kurt Hiller (1885-1972) lebte: Hier wohnte von 1921-1934 Kurt Hiller. 17.8.1885-1.10.1972. Der expressionistische Schriftsteller emigrierte 1934 nach erlittener KZ-Haft. Er kehrte 1955 nach Deutschland zurück. Von 1969 bis zu seinem Tod war er Mitglied der Freien Akademie der Künste in Hamburg.

 

Den inhaltsleeren Text formulierte die Historische Kommission zu Berlin. Nichts davon, dass Hiller schon während seines Jura-Studiums in Berlin als Stänkerer und Zankapfel bekannt war. Eine Biographie über den heute fast nur noch als Pionier der expressionistischen Literatur bekannten Publizisten war seit langem überfällig. Der in Rostock lebende Historiker Daniel Münzner hat sich dieser Aufgabe gestellt: Kurt Hiller. Der Intellektuelle als Außenseiter ist im Wallstein Verlag Göttingen erschienen. Das Buch wurde in der FAZ vom 15. Juni 2016 mit einer ziemlich detaillierten Rezension gewürdigt.

 

 

 

Dieser arme Homosaxone

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Maskulinist und APO-Opa. FAZ, 15.06.2016

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Hähnelstraße Nr. 10. Hahn & Stich, 2018

Hähnelstraße Nr. 10

Ecke Hauptstraße Nr. 70

Baudenkmal Mietshaus

Entwurf Baumeister Max H. Grunewald

Bauherr Max H. Grunewald

 

Zu diesem Haus erhielten wir im Frühjahr 2020 eine Mail aus den USA, in der wir höchst freundlich gefragt wurden, ob wir über Informationen zu den Familien Nikusch – Freiwald verfügen, die in den 1950er Jahren in der Hähnelstraße 10 wohnten. Gesendet wurden uns auch drei Fotos von Bildern, die offenbar 1955 bzw. 1956 von E. Nikusch geschaffen und seinerzeit als Dankgeschenk in die USA geschickt wurden. Die heutigen Besitzer dieser Bilder würden gerne Kontakt zu diesen Familien aufnehmen.

 

Wir wollten helfen, bastelten einen Aushang mit den Bildern für das Eckhaus Hähnelstraße Nr. 10 Hauptstraße Nr. 70. Leider erhielten wir bisher keine Nachricht.

 

Weiteres in Vorbereitung

 

 

 

 

 

Hähnelstraße Nr. 14. Hahn & Stich, 2006

Hähnelstraße Nr. 14

Baudenkmal Mietshaus & Einfriedung

Entwurf Architekt Max Traeger

1910-1911

 

Das viergeschossige, achtachsige Mietshaus verfügt über je eine 5- und eine 6-Zimmer-Wohnung pro Geschoss. Die Fassade ist weitgehend symmetrisch aufgebaut, beiderseits der beiden mittleren Fensterachsen treten flache Standerker mit seitlichen Balkons vor, außen sind Loggien angeordnet. Die obersten Geschosse der Erker sind mit Ziegelbehang versehen, der östliche Erker ist asymmetrisch noch um ein Dachgeschoss erhöht. Die Rücklage zwischen den Erkern ist über dem Hochparterre durch einen Fusswalm mit Ziegeln geschützt, darunter ist der Hauseingang zwischen Jugendstilpilastern asymmetrisch eingefügt: Über einem Segmentbogenportal mit Maske im Giebelfeld umgibt ein Flechtbandornament das ovale Oberlicht des Vestibüls. Das Vestibül zeigt an den Seitenwänden eine biedermeierlich anmutende Wandverkleidung mit je fünf Spiegeln, die durch Säulchen getrennt werden. Auch die Wohnungstüren zeigen biedermeierliche Gestaltung. Die Jugendstil-Vorgarteneinfriedung ist erhalten. Topographie Friedenau, 2000.

 

Hähnelstraße Nr. 15. Hahn & Stich, 2006

Hähnelstraße Nr. 15

Baudenkmal Mietshaus & Einfriedung

Entwurf und Bauherr Baugeschäft Grosskopf & Schulz

1910-1911

 

Das viergeschossige, achtachsige Mietshaus besitzt je zwei 6-Zimmer-Wohnungen pro Geschoss. Die Fassade ist - dem spiegelbildlichen Grundriss entsprechend - symmetrisch aufgebaut: Neben zwei Fensterachsen beiderseits der Mittelachse tritt je ein Erker vor, den jeweils tiefe Loggien flankieren. Der mittlere Fassadenbereich mit den Erkern wird durch einen hohen Dachpavillon bekrönt. Das Erdgeschoss ist durch Putznutung als Sockel betont. Die Obergeschosse zeigen nur wenig Dekor, die mittleren Achsen sind durch Pilaster gegliedert. Durch ein einfaches Rundbogenportal mit Oberlicht betritt man ein tonnengewölbtes, flach kassettiertes Vestibül, das mit einer Holztäfelung, ovalen Spiegeln, Marmorstufen und einem Glühlampenbogen am Durchgang zum Treppenhaus ausgestattet ist. Topographie Friedenau, 2000

 

Als Eigentümer des Grundstücks ist 1915 die Holzhandlung Cassirer Söhne eingetragen, allerdings noch mit der Anmerkung Baustellen, gehört zu Schöneberg. Als wir vor Jahren einmal das Haus bewunderten, machte uns der damalige Besitzer auf die Einfriedung des Vorgartens aufmerksam. Die Splitter der Weltkriegsbombe, die an der Kreuzung Hähnel- und Stierstraße niederging, hatte selbst an den stählernen Gitterstäben ihre bis heute sichtbaren Spuren hinterlassen.