Name seit 2. November 1892, benannt nach dem Baumeister Hermann Hähnel (1830-1894), bis dahin Straße 43a. Die Straße hat eine Länge von 315 Meter. Zu Friedenau gehörten ursprünglich nur die Häuser Nr. 1 und Nr. 2 sowie Nr. 19 und Nr. 20 an der Ecke zum Maybachplatz (Perelsplatz), da die Lauterstraße die Gemarkungsgrenze zwischen Friedenau und Schöneberg markierte. Zu Schöneberg gehörten die Häuser Nr. 3 bis Nr. 18. Ab 1940 gehörten zum Ortsteil Friedenau die Häuser Nr. 1 bis Nr. 5 und Nr. 16 bis Nr. 20, zu Schöneberg Nr. 6 bis Nr. 15a. Erst Mitte der 1950er Jahre kam die Hähnelstraße zu Friedenau.

 

Hermann Hähnel war Mitbegründer und Aufsichtsratsmitglied des 1871 gegründeten Landerwerb- und Bauvereins auf Actien. Seine Frau Auguste (1828-1902) soll nach der Unterzeichnung des „Frieden von Frankfurt“ im Jahr 1971 für die Landhauskolonie den Namen Friedens-Aue vorgeschlagen haben. Am 9. November 1874 genehmigte Kaiser Wilhelm II. der neuen Landgemeinde den Namen Friedenau.

 

 

 

Hermann Hähnel (* 29. März 1830 in Herzberg; † 14. November 1894 in Berlin) war Maurermeister, Bauunternehmer und Architekt. Seine praktische Ausbildung erfolgte in Jüterbog. Ab 1847 absolvierte er Gewerbeinstitut und Königliche Akademie der Künste. Nach zweijähriger Tätigkeit in verschiedenen Architekturateliers ging Hähnel 1851 als Maurermeister nach Merseburg. Ab 1853 studierte er an der Berliner Bauakademie, legte dort sein Examen ab und war ab 1854 als Bauführer tätig. 1856 wurde er in den Architekten-Verein zu Berlin aufgenommen. Von 1859 bis 1865 war Mitarbeiter von Edmund Knoblauch (1841-1883) beim Bau der Synagoge in der Oranienburger Straße. 1866 machte er sich als Architekt selbstständig. Von Hermann Hähnel sind in der Landesdenkmalliste keine Bauten aufgeführt. Es ist davon auszugehen, dass er zu den Schöpfern der frühen „geputzten“ Landhäuser gehörte, die mit der fortschreitenden Vorortbebauung weichen mussten.

 

Der Friedenauer Lokal-Anzeiger berichtete am 16. Juni 1902:

 

Am Sonnabend starb im 74. Lebensjahre in ihrer kleinen Villa Ringstraße 11 die verw. Frau Baumeister Hähnel, die unserem so prächtig emporblühenden Ort den Namen gegeben hat. Herr Baumeister Hähnel, der Ehemann der jetzt Verstorbenen, war Mitbegründer und Aufsichtsrathmitglied des 1871 gegründeten Landerwerb- und Bauvereins auf Aktien zu Berlin. Im Jahre 1872, nachdem die ersten Häuser der neuen Kolonie errichtet waren, sollte dieselbe auch einen Namen erhalten. Endlich, nach langen Berathungen einigte man sich auf den Vorschlag der Verstorbenen, zum Andenken an dem Friedensschluß des Jahres 1871, der Kolonie den Namen „Friedensau“ zu geben. Später ist dann das runde „s“ fortgelassen und hieß die Kolonie, als sie im Jahre 1875 selbstständige Gemeinde wurde, nun Friedenau.

 

Baumeister Hähnel bewohnte eine Villa an der Ecke der Rhein- und Kirchstraße, die er um das Jahr 1894 an dem verstorbenen Bauunternehmer Herrn Pählchen verkaufte, der auf der Baustelle das große Eckhaus Rheinstraße 18 erbaute und eine Bauparzelle an den Bauunternehmer Herrn Stöckel verkaufte, der das Haus Rheinstraße 17 baute. Die Ecke gehört jetzt den beiden hiesigen Töpfermeistern Herren Hermann und Robert Fiebig und das Grundstück Rheinstraße 17 Herrn Dr. Guthmann.

 

Nach Verkauf der Villa zog Herr Baumeister Hähnel nach Zehlendorf, wo er bald verstarb. Seine Leiche wurde auf dem Friedenauer Kirchhof beigesetzt und wird seine Ehefrau neben ihm ruhen. Die Verstorbene zog nach dem Tode ihres Mannes wieder nach Friedenau, und zwar im Hause Rheinstraße 15, wo der damalige Besitzer desselben. Herr Rathgen, einen Theil der prächtigen Rosen der ehemaligen Hähnel’schen Villa in seinem Garten verpflanzt hatte. Frau Hähnel pflegte diese Rosen wie ihre Kinder. Als sie dann 1898 die Villa Ringstraße 11 kaufte, legte sie dem jetzigen Besitzer des Hauses Rheinstraße 15 ans Herz, ihre Kinder der Flora weiter zu pflegen. Leider sind dieselben wegen ihres Alters bei späterem Umpflanzen bis auf einen Stock eingegangen, der auch infolge Alters sehr zurückgegangen ist, aber in diesem Frühjahr drei Knospen getrieben hat, welche der Verstorbenen nach dem Aufblühen auf ihr Grab gelegt werden sollen. Die Beerdigung findet morgen Nachmittag 3 Uhr von der Leichenhalle des hiesigen Friedhofs statt.

 

Nachtrag: Die Grabstätte von Hermann und Auguste Hähnel auf dem Friedhof Stubenrauchstraße existiert nicht mehr. In der Hähnelstraße und der Hauptstraße sind bemerkenswerte Mietswohnhäuser erhalten.

 

Hähnelstraße Nr. 1. Hahn & Stich, 2018

Hähnelstraße Nr. 1

Ecke Lauterstraße Nr. 37

Entwurf Architekt Erich Rösler

1891-1892

 

Das viergeschossige Mietswohnhaus wurde in barockisierenden Formen gebaut. Das Eckhaus wird von zwei Treppenaufgängen erschlossen. Das Souterrain und das Erdgeschoss sind in Putzrustika ausgeführt. Die beiden Fassaden weisen dreizehn Achsen an der Hähnel- und sieben an der Lauterstraße auf. Die Ecke wird durch einen Standerker akzentuiert, die Fassade an der Hähnelstraße symmetrisch durch zwei Standerker beiderseits der Mittelachse gegliedert. An der Lauterstraße dagegen wird die Fassade in der Mittelachse durch einen Standerker betont, der originellerweise gleichzeitig die Eingangshalle für den Eingang Lauterstraße bildet. Die Laibungen und Ädikulen der Fenster werden in den einzelnen Geschossen variiert. Das Haus ist schon im Vorgriff auf die Bauordnung von 1892 entworfen worden. Topographie Friedenau, 2000

 

Hähnelstraße Nr. 7. Hahn & Stich, 2018

Hähnelstraße Nr. 7

Baudenkmal Mietshaus

Entwurf Regierungsbaumeister und Magistratsbaurat Otto Jaeckel

1910

 

Das viergeschossige, sechsachsige Mietshaus wurde 1910 nach Plänen des Regierungsbaumeisters und Magistratsbaurat Otto Jäckel erbaut. Das Vorderhaus auf hohem Souterrain weist je eine 4- und eine 5-Zimmer-Wohnung pro Geschoss auf, der Seitenflügel je eine 2-Zimmer-Wohnung. Alle Wohnungen haben Bad/WC. Die Straßenfassade ist asymmetrisch aufgebaut: In der Mittelachse wird der Hauseingang durch ein ionisches Säulenportal mit einem aufgebrochenen Giebel betont. In den drei Obergeschossen ist in der Mitte ein zweiachsiger Erker mit Balkons an der Ostseite angeordnet, die größere Wohnung verfügt über breite und tiefe Loggienbalkons. Der Eingang führt über ein elegantes Vestibül mit kassettiertem Tonnengewölbe, Vertäfelung und prismatischen Wandlampen im Jugendstil in das vornehme Treppenhaus. Topographie Friedenau, 2000

 

Der Bau geht zurück auf die Berliner Baupolizeiverordnung vom 15. Januar 1887. Dort wird im Teil I § 3 „Höhe“ gefordert: „Gebäude dürfen in den Frontwänden stets 12 m hoch und nicht höher als 22 m errichtet werden. Unter Höhe der Gebäude wird in den vorstehenden Bestimmungen das Maß von Oberkante Bürgersteig bzw. Oberkante Hofpflaster dicht am Gebäude gemessen, bis zur Oberkante des Hauptgesimses. Nur für Dachaufbauten durfte diese Begrenzung teilweise überschritten werden, in keinem Falle konnten in einem Gebäude mehr als fünf zu dauerndem Aufenthalte von Menschen bestimmte Geschosse angelegt werden (§ 37 Zum Aufenthalte von Menschen bestimmte Räume).

 

Hähnelstraße Nr. 8. LDA Berlin

Hähnelstraße Nr. 8

Baudenkmal Mietshaus

Entwurf Architekt und Maurermeister Eugen Freier

Bauherr Gertrud Mais

1908

 

Das viergeschossige, achtachsige Mietshaus verfügt pro Geschoss im Vorderhaus über zwei 5-Zimmer-Wohnungen und in den Seitenflügeln über je eine Kleinwohnung. Die Straßenfassade ist beiderseits der mittleren vier Fensterachsen durch flach vortretende Risalite und seitliche Loggien gegliedert. Souterrain und Hochparterre sind durch Putzbänderung als Sockel gekennzeichnet, die Obergeschosse sind glatt verputzt und weisen sparsamen Schmuck auf. Das Vestibül zeigt eine kassettierte Decke, mit feinem Dekor stuckierte Wandfelder über Stuckmarmor sowie einen Fußboden und eine Treppe aus Marmor. Der Vorgarten ist mit einem originalen Jugendstilgitter zwischen verputzten Pfeilern eingefriedet. Topographie Friedenau, 2000.

 

 

Hähnelstraße Nr. 9

Baudenkmal

Entwurf Ernst Buckenauer

Bauherr Eduard Cassirer & Cassirer, Salo

1908-1909

 

An diesem Haus erinnert eine Gedenktafel daran, dass hier 1921-24 der Schriftsteller Kurt Hiller (1885-1972) lebte: Hier wohnte von 1921-1934 Kurt Hiller. 17.8.1885-1.10.1972. Der expressionistische Schriftsteller emigrierte 1934 nach erlittener KZ-Haft. Er kehrte 1955 nach Deutschland zurück. Von 1969 bis zu seinem Tod war er Mitglied der Freien Akademie der Künste in Hamburg.

 

Den inhaltsleeren Text formulierte die Historische Kommission zu Berlin. Nichts davon, dass Hiller schon während seines Jura-Studiums in Berlin als Stänkerer und Zankapfel bekannt war. Eine Biographie über den heute fast nur noch als Pionier der expressionistischen Literatur bekannten Publizisten war seit langem überfällig. Der in Rostock lebende Historiker Daniel Münzner hat sich dieser Aufgabe gestellt: Kurt Hiller. Der Intellektuelle als Außenseiter ist im Wallstein Verlag Göttingen erschienen. Das Buch wurde in der FAZ vom 15. Juni 2016 mit einer ziemlich detaillierten Rezension gewürdigt.

 

 

 

Dieser arme Homosaxone

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Maskulinist und APO-Opa. FAZ, 15.06.2016

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Hähnelstraße Nr. 10. Hahn & Stich, 2018

Hähnelstraße Nr. 10

Ecke Hauptstraße N. 70

Baudenkmal Mietshaus

Entwurf Baumeister Max H. Grunewald

Bauherr Max H. Grunewald

 

In Vorbereitung

Hähnelstraße Nr. 14. Hahn & Stich, 2006

Hähnelstraße Nr. 14

Baudenkmal Mietshaus & Einfriedung

Entwurf Architekt Max Traeger

1910-1911

 

Das viergeschossige, achtachsige Mietshaus verfügt über je eine 5- und eine 6-Zimmer-Wohnung pro Geschoss. Die Fassade ist weitgehend symmetrisch aufgebaut, beiderseits der beiden mittleren Fensterachsen treten flache Standerker mit seitlichen Balkons vor, außen sind Loggien angeordnet. Die obersten Geschosse der Erker sind mit Ziegelbehang versehen, der östliche Erker ist asymmetrisch noch um ein Dachgeschoss erhöht. Die Rücklage zwischen den Erkern ist über dem Hochparterre durch einen Fusswalm mit Ziegeln geschützt, darunter ist der Hauseingang zwischen Jugendstilpilastern asymmetrisch eingefügt: Über einem Segmentbogenportal mit Maske im Giebelfeld umgibt ein Flechtbandornament das ovale Oberlicht des Vestibüls. Das Vestibül zeigt an den Seitenwänden eine biedermeierlich anmutende Wandverkleidung mit je fünf Spiegeln, die durch Säulchen getrennt werden. Auch die Wohnungstüren zeigen biedermeierliche Gestaltung. Die Jugendstil-Vorgarteneinfriedung ist erhalten. Topographie Friedenau, 2000.

 

Hähnelstraße Nr. 15. Hahn & Stich, 2006

Hähnelstraße Nr. 15

Baudenkmal Mietshaus & Einfriedung

Entwurf und Bauherr Baugeschäft Grosskopf & Schulz

1910-1911

 

Das viergeschossige, achtachsige Mietshaus besitzt je zwei 6-Zimmer-Wohnungen pro Geschoss. Die Fassade ist - dem spiegelbildlichen Grundriss entsprechend - symmetrisch aufgebaut: Neben zwei Fensterachsen beiderseits der Mittelachse tritt je ein Erker vor, den jeweils tiefe Loggien flankieren. Der mittlere Fassadenbereich mit den Erkern wird durch einen hohen Dachpavillon bekrönt. Das Erdgeschoss ist durch Putznutung als Sockel betont. Die Obergeschosse zeigen nur wenig Dekor, die mittleren Achsen sind durch Pilaster gegliedert. Durch ein einfaches Rundbogenportal mit Oberlicht betritt man ein tonnengewölbtes, flach kassettiertes Vestibül, das mit einer Holztäfelung, ovalen Spiegeln, Marmorstufen und einem Glühlampenbogen am Durchgang zum Treppenhaus ausgestattet ist. Topographie Friedenau, 2000

 

Als Eigentümer des Grundstücks ist 1915 die Holzhandlung Cassirer Söhne eingetragen, allerdings noch mit der Anmerkung Baustellen, gehört zu Schöneberg. Als wir vor Jahren einmal das Haus bewunderten, machte uns der damalige Besitzer auf die Einfriedung des Vorgartens aufmerksam. Die Splitter der Weltkriegsbombe, die an der Kreuzung Hähnel- und Stierstraße niederging, hatte selbst an den stählernen Gitterstäben ihre bis heute sichtbaren Spuren hinterlassen.