Landrat Prinz Nicolaus Handjery (1836-1900)

Name seit 1883, benannt nach Prinz Nicolaus Handjery (1836-1900), Landrat des Kreises Teltow von 1870 bis 1885. Die Handjerys gehörten der griechischen Minderheit im muslimisch beherrschten Konstantinopel an. Sie hatten sich im 18. Jahrhundert im Stadtteil Phanar im Nordwesten Konstantinopels niedergelassen. Der ursprüngliche Familienname Hangherli ist später in Handjery umgeschrieben worden. Der Urgroßvater des Landrats, Gheorghi Hangherli (gest. 1789), war Mediziner. Wichtiger für das Fortkommen der Familie war aber dessen unverheirateter Bruder Samuel Hangherli (1700-1774), der in den Jahren 1763 bis 1774 zwei Mal die Position eines Patriarchen der griechisch-katholischen Gemeinde Konstantinopels bekleidete. Er ebnete seinen Neffen Alexander (1768-1854) und Constantin (1760-1799) den Weg in hohe Positionen des osmanischen Reiches. Constantin war von 1797 bis 1799 Fürst der Walachei, Alexander von März bis Juli 1807 Fürst von Moldawien.

 

Während der griechischen Revolution 1821 gelang Handjerys Großvater Alexander mit Frau Smaragda Callimaki, Sohn Telemach und weiteren fünf Kindern die Flucht über Odessa nach Moskau. Telemach Hangherli (1792-1850) trat in den russischen Staatsdienst ein. Telemach Hangherli war verheiratet mit Caroline von Glasenapp (gest. 1879 in Berlin), Tochter des Gouverneurs von Westsibirien, Georg Johann von Glasenapp (1749-1819). In Moskau war sie Hofdame der Zarin Fjodorowna Alexandra (1798-1860) gewesen.

 

 

 

 

 

 

Mit dem inzwischen neunjährigen Sohn Nicolaus ließen sich die Handjerys 1845 schließlich in Dresden nieder. Telemach kaufte die westfälischen Güter Ulenburg, Beck, Schockenmühle und Gohfeld. Nach seinem Tod 1850 zogen Mutter Caroline und Sohn Nicolaus nach Berlin, wo der spätere Landrat – seit 1851 preußischer Staatsbürger – 1854 am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium sein Abitur ablegte. Es folgte ein Jura-Studium und nach der Promotion 1857 eine Karriere beim Militär. Nach komplizierten Verhandlungen zwischen dem Auswärtigen Amt in Berlin sowie den russischen und türkischen Gesandtschaften gestattete Prinz Wilhelm von Preußen Handjery 1859 die Führung des Titels Prinz. 1864 folgte die Prüfung zum Regierungsreferendar in Potsdam, 1867 wurde er zum Regierungsassessor und am 13. August 1870 durch Wilhelm I. zum Teltower Landrat ernannt.

 

Die Vorgänger Handjerys hatten die Geschicke des Kreises meist von ihren Gütern aus gelenkt. Die offizielle Kreisstadt Teltow spielte als Verwaltungssitz eine untergeordnete Rolle. In gewisser Weise knüpfte er an diese Praxis an, als er ein Jahr nach Amtsantritt die Verlegung der Kreisverwaltung in ein Mietshaus in der Matthäikirchstraße 20/21 im Tiergarten durchsetzte, wenige hundert Meter entfernt von der Flottwellstraße. Dort wohnte der Zeit seines Lebens unverheiratete Handjery gemeinsam mit seiner Mutter Caroline geborene Glasenapp.

 

1873 kaufte der Landkreis für 192.000 Reichsmark das Grundstück Körnerstraße Nr. 24 an der Grenze zwischen Schöneberg und Tiergarten. Dort entstand das Kreishaus, in dem die Verwaltung für die nächsten 18 Jahre unterkam. Unter Landrat Ernst von Stubenrauch erfolgte 1891 der Umzug in einen repräsentativen Neubau in der Viktoriastraße Nr. 17/18. Die Verlegung der Kreisverwaltung war nicht nur der großstädtisch geprägten Persönlichkeit des Prinzen Handjery geschuldet. Der Landrat reagierte damit zugleich auf die immer stärker werdende Verflechtung des nördlichen Kreisgebiets mit der Hauptstadt. Die neue Kreisordnung des Kaiserreichs forderte darüber hinaus eine effiziente kommunale Verwaltung. Er hatte erkannt, dass die Zeit der gutsherrlich geprägten Kreisverwaltung abgelaufen war. Einfluss war nur in engster Fühlung mit den Regierungsstellen der Hauptstadt möglich. Als Mitglied der Deutschkonservativen Partei hatte er Sitz und Stimme sowohl im Reichstag als auch im Preußischen Abgeordnetenhaus.

 

Unter seiner Ägide entstanden 26 neue Chausseen. Er war es auch, der die Bildung selbstständiger Kommunen beförderte – so auch 1874 die Gründung der Gemeinde Friedenau. Nach 14 Jahren im Amt wurde Prinz Nicolaus Handjery am 16. März 1885 zum Regierungspräsidenten im schlesischen Liegnitz ernannt. Ein Gehirnschlag streckte den Prinzen am 7. Dezember 1900 nieder. An der Seite seiner Mutter, der Fürstin Caroline Handjery, fand der Junggeselle auf dem St. Matthäi-Friedhof in Schöneberg seine letzte Ruhe.

Robert W. Stuber (1920-1948) & Charles H. King (1923-1948)

Handjerystraße Nr. 2

Flugzeugabsturz

 

Am 25. Juli 1948 starben die US-amerikanischen Piloten Robert W. Stuber und Charles H. King vor dem Haus Handjerystraße Nr. 2. in den Trümmern ihrer abgestürzten „Douglas C-47 Skytrain“. Eine schwarze Granittafel am Wohnhaus erinnert an das Unglück. Die Umstände des Absturzes sind bis heute unklar. Auch nach 69 Jahren hält sich die US-Air Force noch immer bedeckt. Die Friedenauer müssen sich mit einer vagen Mitteilung begnügen: „At about 01.00 hours, the aircraft struck the top of a building and crashed into the street in front of an apartment building“.

 

 

 

 

 

 

Nachdem die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) am 24. Juni 1948 alle Land-, Schienen- und Wasserwege von den westlichen Besatzungszonen nach Berlin blockiert hatte, ordnete US-General Lucius Clay die Errichtung einer Luftbrücke an. Vorbereitet waren die Alliierten auf diese Aktion der Sowjets nicht. Den USA standen anfangs 32 zweimotorige „Douglas C-47 Skytrain“ zur Verfügung, relativ langsame Maschinen mit einer Höchstgeschwindigkeit von 370 km/h, die mit maximal 12 Flügen täglich nicht genug Güter heranschaffen konnten. Am 26. Juni flogen die ersten „Skytrains“ der US Air Force von Frankfurt-Rhein-Main Airbase und Wiesbaden-Erbenheim zum Flughafen Tempelhof. Die Royal Air Force ließ erstmals am 28. Juni vom Fliegerhorst Wunstorf Airfield B.116 „Dakotas“ zum Flugplatz Gatow fliegen. Ab Juli nutzten die Briten auch Flugboote zwischen Hamburg-Finkenwerder und Berlin-Wannsee.

 

Am 23. Juli 1948 wurde Generalleutnant William Henry Tunner Befehlshaber der „Combined Airlift Task Force“ von US- und Royal Air Force. Er optimierte Flugzeugtypen, Landebahnen, Wartung, Entladung und Flugrouten. Die drei Luftkorridore wurden zu Einbahnstraßen, wobei im nördlichen (von Hamburg nach Berlin) und im südlichen (von Frankfurt und Erbenheim nach Berlin) die Hinflüge abliefen und im mittleren Korridor (von Berlin nach Hannover) die Rückflüge stattfanden. In den Korridoren flogen sie entsprechend ihrer unterschiedlichen Geschwindigkeiten in fünf Ebenen mit einem Höhenabstand von 500 Fuß. Immer wieder kam es im Luftraum über Berlin zu massiven Staus von Frachtflugzeugen, weil diese wegen schlechter Sicht nicht wie geplant in Abständen von drei Minuten in Tempelhof landen konnten. Die nachkommenden Flugzeuge mussten in Höhen von 3.000 bis 11.000 Fuß geparkt werden. Erst Ende 1948 konnte die US Air Force für Tempelhof einen Instrumentenflug durch GCA (Ground Controlled Approach) ermöglichen. Mit diesem Radar und den Anweisungen aus dem Kontrollturm über Sprechfunk konnten die Flugzeuge auf einem virtuellen Gleitpfad ohne Sicht auf die Landebahn geleitet werden. Die Tempelhofer Start- und Landebahn war dem Dauerbetrieb nicht gewachsen. Am 8. Juli 1948 wurde mit dem Bau der südlichen Start- und Landebahn „Runway B“ begonnen.

 

Ein zweimotoriges Transportflugzeug der US-Air Force war am späten Abend des 24. Juli in Wiesbaden-Erbenheim Airfield gestartet und befand sich im Anflug auf die Nordbahn 09L / 27R der Tempelhof Air Base. Die von der Handjerystraße etwa 5 Kilometer entfernte 2094 Meter lange und 43 Meter breite Piste verfügte damals nur über eine einfache Landebahnbeleuchtung. Im Spätherbst 1948 erhielt Tempelhof eine vollständige Befeuerung für den Betrieb bei Nebel und Dunkelheit. Zu den gesicherten Fakten gehört, dass die aus Richtung Westen kommende C-47 mit einer Geschwindigkeit von etwa 300 km/h gegen den Turm des Friedenauer Gymnasiums am Maybachplatz prallte. Der Aufprall muss so stark gewesen sein, dass die Maschine zurückgeschlagen wurde und schließlich frontal auf die dahinterliegende Fassade des vierstöckigen Wohnhauses Handjerystraße Nr. 2 aufschlug. Das Kerosin explodierte und setzte das Haus in Brand. Die Balkons der ersten Stockwerke wurden zerstört. Auf der Straße wurden drei Passanten verletzt. Die Hausbewohner kamen mit dem Schrecken davon. Nicht überprüfbar ist die Vermutung, dass die beiden Piloten völlig übermüdet waren, als sie zu ihrem (zweiten) Versorgungsflug der Luftbrücke von Erbenheim nach Tempelhof gestartet waren. Bekannt war allerdings, dass es Engpässe beim Personal gab. Um die Flüge nach Plan durchzuführen, mussten die Schichten drastisch verlängert werden. Einsätze von 36 Stunden und mehr waren keine Seltenheit.

 

Bei den knapp 280.000 Flügen über die drei Flugkorridore zwischen Frankfurt, Hamburg, Hannover und Berlin gab es mehrere Unfälle. Genauere Angaben sind nicht möglich, da der Zugang zu den militärischen Unterlagen bis heute eingeschränkt ist. Normalerweise sind die Unfälle des Flugzeugtyps „Douglas“ anhand der einzelnen Fabriknummern bei „Aviation Safety Network“ komplett aufgelistet. Den Absturz vom 28. Juli 1948 in Friedenau sucht man vergeblich. Insgesamt sollen 39 Briten, 31 Amerikaner und 13 Deutsche während der Blockade tödlich verunglückt sein. Oberleutnant Robert W. Stuber wurde 1920 in St. Joseph Arlington (California) geboren. Sein Grab befindet sich auf dem Fort Rosecrans National Cemetery San Diego (California). Leutnant Charles H. King wurde 1923 in Britton (South Dakota) geboren. Beerdigt wurde er auf dem Britton Cemetery, Britton, Marshall County, South Dakota. General William H. Tunner zog nach Beendigung der Luftbrücke Bilanz: „Die Zahl der Unfälle betrug weniger als 50 Prozent dessen, was für dieselbe Zahl von Flugstunden damals bei der US Air Force zu erwarten war.“ Ein schwacher Trost für die Hinterbliebenen.

 

Paul Simmel. Quelle Musenblätter. www.musenblaetter.de

Handjerystraße Nr. 17

Paul Simmel

 

„Lieber Karlsruher! Als ich vor etwa 10 Jahren meine Lebensversicherung bei Dir abschloss, da tat ich dies – heute kann ich es ja gestehen – weniger aus innerer Überzeugung, sondern eigentlich nur deshalb, weil Dein Vertreter sich so sehr um mich bemühte. In den ersten Jahren, wenn Du mir mit der Pünktlichkeit des Finanzamtes Deine Prämien-Rechnungen sandtest, war ich nicht immer sehr erfreut über dieses ewige Zahlenmüssen. Aber in dem letzten Jahr war es anders. Ich wurde so krank, wie noch niemals in meinem Leben zuvor, musste monatelang die Fürsorge meiner Frau, die Hilfe von Ärzten und Krankenschwestern in Anspruch nehmen und in den langen Stunden im Krankenbett bin ich mir erst klar darüber geworden, welche Beruhigung es doch für mich ist, meine treue Gefährtin versorgt zu wissen, wenn ich einmal plötzlich das Tor durchschreiten müsste. Wenn ich wieder ganz gesund bin, werde ich Deinen Vertreter, der mich damals mit so vieler Ausdauer bearbeitete, noch einmal persönlich dafür danken, dass er mich von dieser Sorge befreit hat. Denn jetzt weiss ich erst richtig, was eine Lebensversicherung ist. Dein Paul Simmel.“

 

 

Diesen Brief nebst nebenstehender Zeichnung schickte der Karikaturist Paul Simmel (1887-1933) drei Tage vor seinem Freitod am 20. März 1933 an seinen Versicherer. Simmel kämpfte viele Jahre gegen eine schwere Zuckerkrankheit. Laut „Morgenpost“ vom 24. März 1933 „erlitt Simmel vor einiger Zeit einen Nervenzusammenbruch, von dem er in einem Sanatorium Erholung suchte“. Anfang März 1930 war er wieder in seine Wohnung zurückgekehrt, „noch immer leidend, aber trotzdem eifrig schaffend. In einem Schwermutsanfall nahm er in der Nacht eine starke Dosis eines Schlafmittels zu sich. Freiwillig schied er aus dem Leben“.

 

Paul Simmel war neben Heinrich Zille (1858-1929) der bekannteste Berliner Karikaturist. Während Zille sein Milljöh in den Gassen, Kaschemmen und Hinterhöfen suchte und mit seinen Zeichnungen oft genug auch „anklagte“, begegnete Simmel dem Alltag mit Scherz, Satire und Ironie. Tiefere Bedeutungen steckten bei beiden dahinter. Simmel hatte ab 1909 an der Berliner Kunstakademie studiert, lebte in den Weltkriegsjahren in München und Paris, kehrte zurück und wohnte von 1918 bis 1926 in der Handjerystraße Nr. 17. Seine Karikaturen erschienen in der „Illustrirten Zeitung“, in der „Morgenpost“, in den „Lustigen Blättern“ und „ULK – ein illustriertes Wochenblatt für Unsinn, Leichtsinn und Kneipsinn“. Er war ein gefragter Mann. Selbst die für Karikaturen nicht gerade berühmte „Vossische Zeitung“ erkannte in ihrem Nachruf an, dass „Simmel zu den künstlerischen Humoristen gehörte, die sich früh einen sehr persönlichen Stil gebildet haben. Jede Arbeit von ihm ist sogleich als ein Werk seiner Hand zu erkennen. Es ist die volkstümliche realistische Plastik seiner köstlichen kleinen Meisterstücke, die absolut sichere, lebenstreue, oft nur durch winzige Verschiebungen die komische Wirkung beschwörende Linienführung, die musterhaft saubere und einheitliche Durchführung der Komposition, die Simmels Blättern ihr Gepräge geben. Das Leben der Großstadt, das Getriebe Berlins, die Unart seiner Bewohner, die Alltäglichkeit des kleinen Bürgertums, die sonderbaren Käuze, die zwischen den Philistern auftauchen, nicht zuletzt die Kinder, diese seine echten Berliner Rangen, das spielte hier die Hauptrolle. Eine Besonderheit war Simmels lustige Beschriftung mit kindlichen Lettern, die in ihrem bewussten Ungeschick doppelt drollig wirkten. Sprachlich sind diese in die Zeichnung hineingeschriebenen kurzen Texte ebenso witzig und schlagkräftig wie die Unterschriften, die er sich erfand“.

 

Wem die Karikaturen in den Zeitungen nicht genug waren, holte sich Simmel als Buch nach Hause: Wer lacht da (1916), Simmel-Sanatorium Berlin (1920, Das neue Simmel-Buch (1923), Ausgerechnet Paul Simmel (1924), An mein Volk! (1926), Das große Simmel-Album (1927), Die Berliner Schnauze (1928), Frische Simmeln (1929), Simmel-Sanatorium (1931), Meine lieben Zeitgenossen (1932), Neues Paul-Simmel-Album – Unveröffentlichte, letzte Arbeiten des Künstlers (1933), Simmels Sammel Surium (1937). Die Ostberliner Verlage warteten ab 1953 mit Ausgaben auf, der Westen folgte wenig später.

 

23 Jahre nach dem Tod des „Ur-Berliners“ erkannte der Senat von Berlin am 3. Dezember 1956, dass Paul Simmel „zu jenen Persönlichkeiten gehört, die sich durch ihr überragendes Lebenswerk um Berlin verdient gemacht haben“. Sein Grab auf dem Neuen Zwölf-Apostel-Friedhof (Grablage Z-L-97) wurde zur Ehrengrabstätte erhoben. Die besteht nun seit 61 Jahren. Es geht also doch!

 

Simmels Witz kann man, muss man nicht mögen. Seine leichtfüßigen Karikaturen sind offensichtlich ganz nach dem Geschmack der Senatskanzlei, denn nach 61 Jahren Ehrengrab ist es erstaunlich, dass Paul Simmel nicht schon längst aus der Ehrengrabliste „getilgt“, sondern auf der aktuellen Liste vom Oktober 2018 noch immer verzeichnet ist. Das ist keine Selbstverständlichkeit.

 

Handjerystraße Nr. 18. H&S 2006

Handjerystraße Nr. 18

Baudenkmal Landhaus

Entwurf Architekt Max Nagel

Bauherr Max Ruhnow

1885

 

In der Handjerystraße befinden sich zwischen Renée-Sintenis-Platz und Perelsplatz neben Landhäusern der frühen Bebauung Mietswohnhäuser der neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts, große Wohnhäuser aus der Zeit um 1910 und Wohnbauten, die nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg entstanden sind. In dieser für Friedenau so typischen Mischung sind gleichsam alle Bauphasen dokumentiert. Das freistehende, eingeschossige, dreiachsige Landhaus in der Handjerystraße Nr. 18 wurde 1885 nach Plänen von Max Nagel errichtet. Der Rohziegelbau hat im Süden ein zweigeschossiges Querhaus mit Querdach, an der Nordseite befindet sich in einer Holzlaube der seitliche Hauseingang, von dem aus der Vierfelder-Grundriss erschlossen wird. Die Fassaden werden durch rote Ziegelstreifen belebt. Topographie Friedenau 2000

 

 

 

 

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Handjerystraße Nr. 20. Gossner-Mission, um 1910

Handjerystraße Nr. 20

Ehemaliges Haus der Goßner-Mission

 

Johannes Evangelista Goßner (1773-1858) war Prediger, Stifter und Gründer von diakonischen und missionarischen Organisationen. In Berlin stellte er 1827 beim Evangelischen Konsistorium den Antrag auf Übernahme als Pfarrer. Bekannt ist, dass die Ortspfarrer die Zusammenarbeit mit ihm verweigerten. Auf der ständigen Suche nach einer festen Anstellung gelang dem Hilfsprediger 1837 die Gründung des Elisabeth-Krankenhauses als erstes evangelisches Krankenhaus. Wenig später kam ein Missionsseminar hinzu, in dem sich Frauen für den Dienst in der Mission ausbilden ließen. Ende des 19. Jahrhunderts waren beide Einrichtungen jedoch so groß geworden, dass schließlich 1890 in der Handjerystraße ein Wohn- und Seminarhaus errichtet werden musste.

 

 

 

Das Missionshaus war ein dreigeschossiger Backsteinbau – ein Koloss neben den eingeschossigen Landhäusern, die 1885/86 nach Entwürfen des Architekten Max Nagel errichtet worden waren. Im Erdgeschoss, eigentlich hoher Souterrain, befanden sich Speisesaal, Buchhandlung, Botenwohnung, Wirtschafts- und Lagerräume, im ersten Stock die Dienstwohnung des Direktors, im zweiten eine weitere Dienstwohnung sowie Gasträume für Besucher und Missionare, im dritten Stock Lehrsaal, Arbeits- und Schlafräume der Missionszöglinge sowie Bibliothek und Museum, auf dem Dachboden schließlich die „Posaunenstube“.

 

Es kam das Jahr 1933. In der Kirchengemeinde „Zum Guten Hirten“ hält die innerevangelische Glaubensbewegung der „Deutschen Christen“ Einzug. Sie ist von Anfang an eng mit den Nationalsozialisten verbunden und kann bei den Kirchenwahlen 1933 auch in Friedenau eine „satte Mehrheit“ für sich verbuchen – vor allem repräsentiert von den Pfarrern Siegfried Nobiling und Bruno Marquardt, für den „das Christuskreuz unsere christliche Gesinnung zum Ausdruck bringt und das Hakenkreuz dem unsere restlos deutsch-völkische Einstellung hinzufügt“. In Opposition dazu scharte sich eine Minderheit der Friedenauer Protestanten um Pfarrer Paul Vetter (1869-1938). Diese „Gemeindegruppe der Bekennenden Kirche“ lehnte den Führungsanspruch der Nationalsozialisten innerhalb der Kirche ab und führte fortan ein „unabhängiges Gemeindeleben“ in den Räumen der benachbarten „Goßner Mission“. Damit war die Spaltung der Friedenauer Kirchengemeinde zu einer Tatsache geworden. Der 1935 angebaute Betraum, auch „Goßner-Saal“ genannt, diente als gottesdienstlicher Versammlungsort für die Bekennende Kirche sowie für getaufte Juden in Berlin.

 

Das Goßner-Haus hatte Krieg und Bombenabwürfe überstanden, lag aber 1945 dennoch in Schutt und Asche, da Soldaten der Roten Armee „an allen vier Seiten des Gebäudes Feuer gelegt“ haben sollen. Weniger betroffen war der „Goßner-Saal“, so dass kurze Zeit später dort wieder Gottesdienste gefeiert werden konnten. Der Wiederaufbau des Gesamtgebäudes zog sich acht Jahre hin. Am 1. Advent 1953 wurde das neue Haus der Goßner-Mission wieder eröffnet. 1968 zog das Berliner Missionswerk als Mieter ein. 1979 verkaufte die Goßner Mission das Missionshaus an das Berliner Missionswerk, das es 1999 wieder verkaufte. Unter der Adresse Handjerystraße Nr. 20 wird heute eine Patentanwaltskanzlei aufgeführt. Das Haus als solches, ob als dreigeschossiger Ziegelbau (1890), viergeschossiger Putzbau (1953) oder als siebengeschossiger „Schöner-Wohnen-Bau“ bleibt in dieser Gegend ein Fremdkörper.

 

Handjerystraße Nr. 21. H&S 2019

Handjerystraße Nr. 21

Baudenkmal Landhaus

Entwurf Architekt Max Nagel

Bauherr P. Woysche

1886

 

Das zweigeschossige Rohziegel-Landhaus hat vier Achsen und einen Mittelrisalit, dem im Erdgeschoss ein Verandavorbau mit Altan im Obergeschoss vorgesetzt ist. Der Mittelrisalit besitzt einen Quergiebel mit Querdach. Das Haus weist einen Sechsfelder-Grundriss auf, der von der Gartenseite aus durch ein vorgezogenes Treppenhaus erschlossen wird. Im südlichen Bauwich wurde nachträglich ein zweigeschossiger, einachsiger Anbau angefügt. Die Einfriedung des Vorgartens hat sich original erhalten. Die beiden Häuser Handjerystraße Nr. 18 und Nr. 21 vermitteln in ihrer Maßstäblichkeit, Materialität und Gliederung einen stadträumlichen Eindruck von der einstigen Bebauung der Straße.

Topographie Friedenau, 2000

 

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Handjerystraße Nr. 22. H&S 2019

Handjerystraße Nr. 22

Albestraße Nr. 9

Baudenkmal Mietshaus

Entwurf A. Müller

Bauherr Robert Thiele

1887-1888

 

In der nördlichen Handjerystraße finden sich auf der westlichen und der östlichen Straßenseite Landhäuser der ersten Bauphase zusammen mit frühen Mietwohnhäusern der neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts und großen Mietwohnhäusern der Zeit um 1910 in der für Friedenau typischen Mischung. Auf der westlichen Straßenseite sind interessante Beispiele aus allen drei Bauphasen überliefert.

 

 

 

Das dreigeschossige, sechsachsige, freistehende Mietwohnhaus stellt eine Übergangsform vom Landhaus zum kleinen Mietwohnhaus nach der neuen Bauordnung von 1887 dar. Das Gebäude ist mit einem Mansarddach gedeckt. Das Erdgeschoss zeigt Putzrustika, die beiden Obergeschosse sind mit roten Ziegeln verblendet. Der Eingang ist im westlichen Bauwich in der Albestraße Nr. 9 angeordnet. Zur Albestraße hin weist das Haus im Erdgeschoss eine kleine, offene, zweisäulige Loggia mit einem Altan im ersten Obergeschoss auf, zur Handjerystraße hin einen zweigeschossigen, zweiachsigen Erker mit einem Altan im zweiten Obergeschoss. Topographie Friedenau, 2000

 

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Handjerystraße Nr. 24. H&S 2019

Handjerystraße Nr. 24

Baudenkmal Mietshaus

Entwurf Architekt Fr. Schulz-Heikenkopf

Bauherr Architekt Georg Mais

1910-1911

 

Das viergeschossige Mietwohnhaus wurde als neoklassizistischer Bau auf niedrigem Souterrain errichtet. Die Fassade folgt einem typischen Gliederungsschema: zwei Achsen in der Mitte, dann beiderseits je ein Erker und seitliche Loggien. Die Loggien werden in der Dachzone durch einen großen, aufgebrochenen, klassizistischen Giebel zusammengefasst. Über den Erkern des dritten Obergeschosses sind Reliefs mit einander zugewandten liegenden Löwen angeordnet, die Mitte zeigt eine antikisierende Opferszene beiderseits eines Altars in Relief. Über dem ersten Obergeschoss sind in den Brüstungsfeldern Reliefs mit Figuren in antikisierender Gewandung zu sehen. Bemerkenswert ist die Eingangstür aus Bronze mit einer gleichmäßigen Felderung und quadratischen Schliffglasscheiben. Topographie Friedenau, 2000

 

Über dieses Haus fanden wir unter dem 06.12.2014 einen Beitrag des Tagesspiegels (Auszug): Neulich wollten wir die Fassade auffrischen, das hübsche Veronese-Grün erneuern, weil ihm das Berliner Wetter im Laufe der Jahrzehnte einen deutlichen Stich ins Algige verpasst hatte. Ausführlich war ja vergangene Woche im Tagesspiegel die Rede von den bemitleidenswerten Berliner Denkmalschützern, die mit einer brutalstmöglich schlank gesparten Rumpfbesetzung unermüdlich gegen Investoren kämpfen, die aus Geldgier nationales Erbe verfallen lassen oder kaputtsanieren. Das sind die Bösen.

 

Wir dagegen wollten die Guten sein, unser Heim pflegen und im Wert erhalten. Es ging weder um einen die Silhouette zerstörenden Dachausbau, es sollten keine Gewerbeflächen im Souterrain eingerichtet werden, keine Stahlgerüstbalkone in den Außenmauern verankert. Und doch haben sie uns ganz hart rangenommen, die Power Rangers von der Unteren Denkmalschutzbehörde, als wären wir Immobilienhaie, denen man jeden Zahn einzeln herausbrechen muss. Für uns hatten sie Zeit. Jede Menge Zeit, um sich in alles einzumischen, um das letztinstanzliche Machtwort auch noch über das nebensächlichste Detail zu sprechen. Wochenlang warteten wir, bis unsere Sachbearbeiterin entschieden hatte, welcher Farbton für die Kellertüren angemessen sei. Die Rollläden im unbewohnten Souterrain mussten durch Gitterstäbe ersetzt werden, bei den Blumengittern auf den Balkonbrüstungen war es selbstverständlich unsere Pflicht, die per Analyse festgestellte Originalbeschichtung zu rekonstruieren: Goldbronze. Dabei durften die Teile nicht ins Farbbad getaucht, sondern mussten per Hand angepinselt werden. Geld spielte offenbar keine Rolle für die Denkmalschützer. War ja auch nur unseres.

 

Ein Blick ins Gesetz macht schnell klar: Widerstand gegen die Behörde ist ziemlich zwecklos. „Der Denkmalschutz“, schleuderte uns einer der Fachgutachter entgegen, „ist dazu da, das Denkmal vor seinen Besitzern zu schützen!“ Danach erklärte er, welchen Anteil Glimmer, Marmorstaub und Splitterglas unser Fassadenputz haben müsse, damit er dem Originalmaterial entspricht. Gemäß einer weiteren wissenschaftlichen Analyse. Die wir auch bezahlt hatten. Aber: Denkmalschützer sind keine Unmenschen. Sie sind zu Zugeständnissen bereit. Natürlich würden sie es bevorzugen, wenn wir die lockeren Putzstellen so auffüllen ließen, dass die Erneuerungen sofort ins Auge fallen. Wenn dann aber allen acht Eigentümern die Tränen über die Wangen rinnen beim Gedanken daran, dass wir jahrelang auf die Renovierung hingespart hatten, um am Ende eine fleckige Patchwork-Fassade zu bekommen, wird doch eine einheitliche Oberfläche erlaubt.

 

Bei der Farbe aber bleibt die Sachbearbeiterin hart. Die kommt nicht mehr infrage, nachdem eine weitere Analyse ergeben hat, dass die Außenhaut unseres Hauses 1911 „putzsichtig“ ausgeführt worden ist. Also kein Veronese-Grün mehr. „Sieht aus wie nasser Ostseesand“, seufzt meine Frau, als nach sechs Monaten die Planen fallen. Am Ende kostet der Spaß fast das Doppelte von dem, was ohne Denkmalschutzvorgaben zu berappen gewesen wäre. Dafür sind wenigstens alle zahlenden Beteiligten mit dem Ergebnis unglücklich. „Nun mecker’ nicht rum“, sagt der pragmatisch veranlagte Freund. „Wenigstens kannst du einen Teil der Kosten über die Steuer absetzen.“

 

Handjerystraße Nr. 33-36, Postamt Friedenau. Foto H&S, 2006

Handjerystraße Nr. 33-36

Schmargendorfer Straße Nr. 27-29

Baudenkmal Post

Entwurf Architekt Ludwig Meyer

Bauherr Deutsche Reichspost

1915-1920

Umbau

Entwurf Robert Gaedicke

1930-1935

 

 

 

 

 

 

Am Renée-Sintenis-Platz fragen wir uns immer, wie lange die Deutsche Post den Friedenauern noch das Postamt lässt. Als nach 1908 begonnen wurde, den kreisrunden Wilmersdorfer Platz (heute Reneé-Sintenis-Platz) mit Mietshäusern zu bebauen, wurde das Grundstück an der Ecke Handjerystraße Nr. 33-36 und Schmargendorfer Straße Nr. 27-29 erst einmal freigehalten. Hier hatte die Gemeinde ursprünglich den Bau des Rathauses Friedenau vorgesehen. Da dieses dann am Lauterplatz (heute Breslauer Platz) entstand, wurde das Gelände 1914 der Reichspost verkauft. In seinem Buch „Posthorn & Reichsadler“ (1987) berichtet der Architekturhistoriker Falk Jaeger über den Postbau:

 

„Eine wesentliche Vorgabe stellte natürlich die Kreisform des Wilmersdorfer Platzes dar, von der die Hauptfassade des Postamts ein Segment bilden sollte. Durch die Grundform des Gebäudes sah sich der Architekt und Postbaurat Ludwig Meyer bereits auf eine Stilepoche festgelegt. Er entwarf einen kräftigen Rustika-Sockel mit Rundbogenfenstern, setzte darüber zwei Normalgeschosse, abgeschlossen vom mehrteiligen Hauptgesims. Das dritte Stockwerk erscheint als vergrößertes Attikageschoss. Beherrscht wird die Hauptfassade von der Kolossalordnung der fünf Mittelachsen. Stark kanellierte ionische Pilaster fassen drei Geschosse zusammen und tragen das als Gebälk ausgebildete Hauptgesims. Eine spätbarocke Kolossalfassade wäre nicht vollständig ohne eine Balustrade mit ordentlichen Vasen auf dem Dach. Das mittlere Feld blieb frei für die lorbeerumkränzte Reliefkartuche mit dem Reichsadler. Gleichfalls unverzichtbar das Belvedere auf dem Dachfirst, hier in der besonders aufwendigen Form eines sechssäuligen Monopteros, also eines griechischen Rundtempels ...

 

Die Schaufassade zum Wilmersdorfer Platz zeigte einen ausgewogenen Aufbau. Zu ihrer gelungenen Proportionierung gehörte unverzichtbar der Belvedere-Turm als Pointe und krönender Abschluss. Klassizistisches Schmuckdekor in Form von Rosetten in den Brüstungsfeldern der Erdgeschossfenster, ein Merkurkopf auf dem mittleren Schlußstein, Fahnen- und Waffenreliefs auf dem Architrav und Fruchtsträuße auf den Pilasterspiegeln des Obergeschosses zieren zusätzlich die Hauptfassade ... Nur bei genauem Hinsehen fällt an der Nordfassade, rechts der Toreinfahrt, eine Baugrenze auf. Hier setzt der Erweiterungsbau an, mit dem Postbaurat Meyer 1926-29 das Gebäude in unveränderter Formensprache verlängert hat.

 

Im Innern wusste der Architekt Ludwig Meyer mit der konkaven Fassade nichts anzufangen. Die zum Platz orientierten Räume haben lediglich eine gebogene Außenwand, die übrige Raumeinteilung und mit ihr das Konstruktionssystem gehorchten dem rechten Winkel. Am deutlichsten wird das in der Schalterhalle, die aus der besonderen Form keinen gestalterischen Nutzen zu ziehen vermag. Für eine Vorhalle und den Windfang gibt es keinen Raum, stattdessen ragt der Windfang als Einbau in die Halle hinein. Die normale Gebäudetiefe reicht für den Saal nicht aus, weshalb er um knapp drei Meter nach hinten aus dem Baukörper hinausgeschoben wurde ...

 

Keine glücklichere Hand hatte der Architekt mit der Unterbringung der Funktionen in den Obergeschossen. Der Zuschnitt und die Erschließung der Räume ergaben sich bei der Verteilung auf die Stockwerke eher zufällig. Im Südflügel des zweiten Obergeschosses war neben der Hauptkasse des Telegraphenamts und der Anmelde- und Rechenstelle noch Platz für die Dienstwohnung des Postdirektors (sechs Zimmer, Mädchenkammer, Bad und Küche, am Mittelflur aufgereiht wie die Büroräume). Der Mitteltrakt war im ersten Obergeschoss in Amtsstuben aufgeteilt, darüber lag der Umschalterraum der Telefontechnik, darüber wiederum der große Saal des Vermittlungsamts. Dieser Saal erreichte mit seinem Zwischenboden für die Leitungsführung und dem notwendigen Luftraum für die zahlreichen Gehilfinnen, wie die Fräuleins vom Amt offiziell genannt wurden, eine überdurchschnittliche Raumhöhe ...“

 

Das Friedenauer Postamt ist das letzte, das vor dem Ende des Kaiserreichs in Berlin gebaut wurde und ein herausragendes Dokument staatlicher Repräsentation bei einem Infrastrukturbau der Wilhelminischen Ära.

 

Handjerystraße Nr. 38. H&S 2019

Handjerystraße Nr. 38

Baudenkmal Mietshaus

Entwurf & Ausführung Architekt E. Kreuschmer

Bauherr Zimmermeister E. Kreuschmer

1910-1911

 

Auf dem Grundstück hat der Architekt ein wuchtiges, viergeschossiges neoklassizistisches Mietwohnhaus auf hohem Souterrain gebaut. Es zeigt eine symmetrische Straßenfassade mit zwei Fensterachsen in der Mitte, zwei Erkern und zwei Loggienbalkons. Durchfahrt und Eingang sind in der Mitte in einer Korbbogennische kombiniert. Das Erdgeschoss ist rustiziert. Die Brüstungsfelder sind mit Medaillons besetzt. Über dem ersten Obergeschoss sind die Erker mit Blendgiebeln, über dem dritten mit Rundgiebeln abgeschlossen. Die eindrucksvolle Front des Hauses wird über dem vierten Obergeschoss durch einen mächtigen Quergiebel mit einem Halbrundfenster bekrönt.

Topographie Friedenau, 2000

 

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Handjerystraße Nr. 42-43, Restaurant Prinzen Handjery, 1910. Archiv Barasch

Handjerystraße Nr. 42-43

Schmiljanstraße Nr. 21

Baudenkmal Mietshaus

Entwurf & Bauherr Klitscher und Afdring

Ausführung Zimmermeister H. Sonntag

1908-1909

 

An der Kreuzung Schmiljan-/Handjerystraße fallen drei sehr unterschiedliche Bauwerke ins Auge, zwei Mietwohnhäuser von 1893 und 1908 und das ehemalige AOK-Gebäude von 1956-58. Die Kontraste zwischen den drei Bauten könnten kaum größer sein, sie verkörpern den historischen Wandel des Quartiers.

 

 

 

 

Das ebenfalls viergeschossige Mietwohnhaus Handjerystraße Nr. 42-43 Ecke Schmiljanstraße Nr. 21 entstand als Reformmietshaus mit asymmetrischer Fassadengliederung. Das Haus hat zwei Treppenaufgänge, die jeweils als Zweispänner ausgelegt sind. Im Erdgeschoss war das vornehme Restaurant „Zum Prinzen Handjery“ eingerichtet, in dem der Haus- und Grundbesitzer-Verein Friedenau seine Vereinsabende abhielt. Das Restaurant war nach dem Landrat des Kreises Teltow, Nikolaus Prinz von Handjery, der seine schützende Hand über die Anfänge der Gemeinde Friedenau gehalten hatte, benannt. Auch heute befindet sich hier ein Restaurant. Das Haus weist durchweg eine asymmetrische Gliederung der beiden Straßenfassaden auf. Erker mit Loggien und Wintergärten, ein Jugendstilportal und durch Säulchen gegliederte Reihenfenster des Restaurants im Erdgeschoss an der Handjerystraße sind kompositorisch frei verteilt. Die Einfriedung an der Handjerystraße besteht aus einem floralen schmiedeeisernen Jugendstilgitter. Die Fassade an der Schmiljanstraße ist vereinfacht worden, während die an der Handjerystraße gut erhalten blieb. Topographie Friedenau, 2000

 

Soweit wir uns zurückbesinnen können, gab es in diesem Haus im Erdgeschoss immer ein Restaurant. Das war um 1910 das wohlfeile Etablissement „Zum Prinzen Handjery“, das war in den letzten Jahren eine gutbürgerliche Wirtschaft mit süddeutscher Küche. An lauen Abenden waren die Terrassenplätze hinter der Einfriedung an der Handjerystraße gefragt, aber wegen des Autolärms auf der Schmiljanstraße etwas problematisch. Nun scheinen die Tage gezählt zu sein. Am Fenster prangt ein Schild: „Demnächst Neueröffnung Tagespflege.“

 

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Handjerystraße Nr. 44-45. H&S 2019

Handjerystraße Nr. 44-45

Baudenkmal Verwaltungsgebäude

Entwurf Robert Schöffler

Bauherr AOK Berlin

1956-1958

 

An der Kreuzung Schmiljan-/Handjerystraße fallen drei sehr unterschiedliche Bauwerke ins Auge, zwei Mietwohnhäuser von 1893 und 1908 und das ehemalige AOK-Gebäude von 1956-58. Die Kontraste zwischen den drei Bauten könnten kaum größer sein, sie verkörpern den historischen Wandel des Quartiers.

 

 

 

 

 

 

Das dreigeschossige AOK-Gebäude mit Flachdach Handjerystraße 44-45 Ecke Schmiljanstraße 11 wurde 1956-58 auf einem L-förmigen, zweibündigen Grundriss erbaut. Schöffler hat um diese Zeit eine Reihe von AOK-Bezirksstellen in Berlin (Spandau, Tiergarten, Wedding) errichtet. Es ist einer der wenigen Bauten der fünfziger Jahre in Friedenau. Das Gebäude hat eine dem Verlauf der Handjerystraße folgende, konvex gebogene Fassade mit eng gestellten vertikalen Pfeilern. Die zurückgesetzten Brüstungsfelder zwischen den Pfeilern sind mit rotbraunen Keramikfliesen verblendet, einige frei verteilte gelbe, blaugrüne, rote und grüne Einzelfliesen lockern die Brüstungsfelder auf. Der Eingang mit dem gerundeten Vordach ist asymmetrisch in der Fassade angeordnet. Die Fassade des Kopfbaus an der Ecke ist nicht durch Pfeiler gegliedert, sondern als glatte Wandfläche mit beigen und einzelnen andersfarbigen Keramikfliesen verkleidet. Die dreiläufige Treppe im Inneren wird durch ein dreigeschossiges Treppenhausfenster mit Glasbausteinen an der Hofseite erhellt. Der Bau wird durch ein weit überstehendes Flachdach abgeschlossen. Topographie Friedenau, 2000

 

Nach diesen blumigen Worten wird klar, dass auch die Denkmalexperten nicht so recht wussten, warum ausgerechnet dieses Gebäude auf die Liste der Kulturdenkmäler von Friedenau gesetzt wurde. Gebaut für die AOK als Verwaltungsgebäude, später genutzt von der WTG (Westfälische Telefongesellschaft) und schließlich, als es Denkmal war, wurde das Gebäude 2013 dem Bezirksamt Schöneberg „günschtig“ angeboten und dem vom Bezirk subventionierten Nachbarschaftsheim (NBHS) angetragen. „ Nachdem (im Bezirksamt bzw. NBHS) diverse Nutzungskonzepte erörtert wurden, entschied sich das NBHS für die Einrichtung und Betreibung eines Wohnheimes für Frauen und Kinder, also keine Notunterkunft, sondern ein richtiges zu Hause, solange die Asylverfahren noch nicht abgeschlossen sind. Das wiederum veranlasste die auch vom Bezirksamt subventionierte Stadtteilzeitung sogleich zu einem Jubelartikel: Es ist ein Schmuckstück geworden und macht Friedenau alle Ehre. Von außen hat sich das Haus nicht verändert. Aber das Innenleben wurde komplett umgestaltet. Helligkeit und freundliche Farben dominieren. Auf drei Ebenen (Erdgeschoss, 1. und 2. Etage) sind wohnlich gestaltete Zimmer entstanden, je nach Personenzahl für 2, 3 oder 4 in unterschiedlicher Größe. Selbst für eine Familie bis zu 8 Personen gibt es ein Appartement. Die Einrichtung ist funktional, die blauen Teppichböden in den Zimmern und das gelbe Linoleum in den Fluren vermitteln eine wohnliche Atmosphäre. Ein Großteil der Möbel verdankt das Haus übrigens einer Spende von Ikea. Auf jeder Etage gibt es eine Teeküche mit Aufenthaltsraum und Toiletten, im 1. Stock einen geräumigen Sanitärbereich mit Duschen. In der Großküche mit Speiseraum im Untergeschoss wurden 6 Arbeitsbereiche eingerichtet, jede Bewohnerin erhält eine Komplettausstattung an Koch- und Essgeschirr. Weiterhin gibt es natürlich ein Büro, Spielzimmer für die Kinder, Lernzimmer mit Computern für Kurse und Hausaufgaben, ein Krankenzimmer.

 

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Handjerystraße Nr. 47. H&S 2019

Handjerystraße Nr. 47

Baudenkmal Landhaus

Entwurf Architekt Max Nagel

Bauherr Sanitätsrat Dr. Beutlin

1887

 

Das zweigeschossige, kubische Landhaus wurde als Rohziegelbau mit einem dreigeschossigen Turm an der Ostseite des Hauses erbaut. Das Landhaus mit einem Vierfelder-Grundriss erhebt sich auf einem Souterrain. Der Zugang erfolgt über eine kleine Freitreppe im Erdgeschoss des Turms, in dem auch die Treppe ins Obergeschoss führt. Über dem Obergeschoss ist noch ein Drempel mit kleinen Attikafenstern ausgeführt. Die Türen und Fenster sind mit weißen Putzfaschen gerahmt. Ab 1924 war das Haus im Besitz des Siemens-Direktors Oskar Arlt, der dort lange Zeit wohnte. Topographie Friedenau, 2000

 

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Handjerystraße Nr. 65. H&S 2019

Handjerystraße Nr. 65

Schmiljanstraße Nr. 12

Baudenkmal Mietshaus

Entwurf James Ruhemann

Ausführung & Bauherr Otto Kaiser

1893

 

Das viergeschossige Eckhaus mit 7:10 Achsen (ohne Eckerker) hat zwei Aufgänge, von denen der eine als Ein- und der andere als Zweispänner ausgelegt ist. Die Fassaden an den beiden Straßen sind jeweils durch einen Standerker in der Mittelachse gegliedert. Das Erdgeschoss mit Läden ist verputzt, die Obergeschosse sind mit gelben Ziegeln verblendet. Die Fenster haben breite Putzfaschen und die Fassaden sind mit architektonischen Elementen der Neorenaissance reich dekoriert. Topographie Friedenau, 2000

 

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Handjerystraße Nr. 65. H&S 2019

Handjerystraße Nr. 70

Baudenkmal Landhaus

Entwurf Maurermeister H. Franzke

Bauherr Fellmann

1885-1887

 

Auf dem Grundstück erhebt sich ein freistehendes, eingeschossiges, siebenachsiges, neobarockes Landhaus in Putzbauweise. Das Haus zeigt einen leicht vorspringenden, dreiachsigen Mittelrisalit, der von einem breiten Querbau im Dachgeschoss bekrönt wird, das beiderseits von je zwei Gauben mit Volutengiebeln flankiert wird. Das Haus weist einen Sechsfelder-Grundriss auf. Es verfügt heute über je einen Eingang in den beiden Bauwichen. Im nördlichen Bauwich ist der alte Eingang in einer kleinen Pfeilerhalle, im südlichen Bauwich ein neuer Eingang angelegt worden. Die originale Einfriedung ist erhalten. Topographie Friedenau, 2000

 

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Handjerystraße Nr. 71. H&S 2019

Handjerystraße Nr. 71

Baudenkmal Mietshaus

Entwurf Architekt H. Franzke

Bauherr Kaufmann Carl Gruiot

1888

 

Das dreigeschossige Mietwohnhaus ohne Souterrain, aber mit einem ausgebauten Mansardgeschoss spiegelt die veränderte baurechtliche Situation nach Inkrafttreten der neuen Bauordnungen von 1887 beziehungsweise 1892, die ein Überschreiten der zweigeschossigen Bauweise erlaubten. Das Erdgeschoss zeigt eine Putzrustika, die beiden Obergeschosse eine Verblendung mit roten Ziegeln und mit weißen Putzfaschen gerahmte Fenster. Die neunachsige Fassade gliedern zwei vorspringende, jeweils zweiachsige Risalite mit Quergiebeln und weiße Putzlisenen. Das Haus ist in Formen der Neorenaissance gehalten. Topographie Friedenau, 2000

 

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Handjerystraße Nr. 72, Detail. H&S 2019

Handjerystraße Nr. 72

Baudenkmal Mietshaus

Entwurf Architekt James Ruhemann

Bauherr Rudolf Strauß

1892-1896

 

Das viergeschossige, elfachsige, streng symmetrisch angelegte Haus ohne Souterrain wurde mit einem auskragenden Mittelerker errichtet. Die seitlichen Balkon-Loggien haben schmiedeeiserne Brüstungen. Das Entrée öffnet sich durch eine zweiflügelige, schmiedeeiserne, verglaste Haustür. Das Vestibül ist mit Mettlacher Fliesen auf dem Fußboden und Stuckrahmen und ionischen Pilastern an den Wänden ausgestattet. Das Vorderhaus ist ein Zweispänner. Die Seitenflügel haben eigene Aufgänge mit je vier Wohnungen. Topographie Friedenau, 2000

 

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Handjerystraße Nr. 77

Bully Buhlan: Ich hab' noch einen Koffer in Berlin

 

Was für eine traurige Nachricht! Einige Jahre hat sich das Ehepaar Kerkloh um das Grab des Sängers Bully Buhlan auf dem Dahlemer Waldfriedhof gekümmert. Nun verlassen die Eheleute Berlin – und hoffen darauf, Nachfolger für die Pflege des Grabes zu finden. Wie ernst es ihnen damit ist, macht der Artikel im „Tagesspiegel“ vom 18. Dezember 2017 deutlich. Zuerst baten sie ihren Sohn Thomas um Hilfe, der sich wiederum an den „rasenden Reporter“ Boris Buchholz wandte. So kam die ganze Geschichte in den „Tagesspiegel“ – obendrein, was ziemlich ungewöhnlich ist, mit seiner Bitte um Zuschriften an tkerkloh@googlemail.com.

 

Ein bisschen Nachilfe schadet nicht. Bully Buhlan wurde am 3. Februar 1924 in Lichterfelde geboren. Als die im Funkhaus an der Masurenallee tonangebende sowjetische Kulturadministration im Juni 1945 das „Radio Berlin Tanzorchester“ (RBT) des „Berliner Rundfunks“ gründen ließ, machte Orchesterchef Michael Jary Bully Buhlan zum Frontsänger für seine swingende Big Band.

 

 

 

 

Als der Arbeitersänger und Spanienkämpfer Ernst Busch (1900-1980) vom sowjetischen Stadtkommandanten Alexander Georgewitsch (1902-1981) die Erlaubnis erhielt, die im Spanischen Bürgerkrieg selbst gesungenen Lieder auf Schallplatte zu pressen, gründete Busch laut Handelsregister Charlottenburg vom 18. März 1947 den Schallplattenverlag „Lied der Zeit" mit dem spanischen Labelnamen „Amiga“ (Freundin). Statt der Kampflieder wurden von „Amiga“ im Mai 1947 die „Capri-Fischer“ mit Kurt Reimann und wenig später „Chattanooga Choo Choo“ mit Bully Buhlan gepresst – damals bekannt unter dem Titel „Verzeihn Sie, mein Herr, fährt dieser Zug nach Kötzschenbroda“. Die weitaus bekanntere Version lieferte Udo Lindenberg 1983 mit dem „Sonderzug nach Pankow“.

 

1949 hatte Bully Buhlan einen langfristigen Vertrag mit Deutschlands größter Plattenfirma „Polydor“ in der Tasche. „Troubadour der Berliner“ nannte man ihn oder auch „Die singende Luftbrücke“. Es entstanden die für ihn typischen Lieder: „Ich hab’ mich so an dich gewöhnt“, „Ham' se nich' 'ne Braut für mich“, „Lieber Leierkastenmann“, „Ich hab’ noch einen Koffer in Berlin“, „Das Lied von der Krummen Lanke“. Es kam zur Zusammenarbeit mit RIAS Berlin und seinen Duett-Partnerinnen Rita Paul, Mona Baptiste und Bibi Johns. Der kesse Sonnyboy aber wurde für viele zum Inbegriff des Berliners. Von Lichtfelde zog er in die Handjerystraße Nr. 77, dann gings nach Steglitz auf den Fichtenberg und schließlich nach Zehlendorf.

 

Er starb am 7. November 1982 in Berlin. Sein Grab befindet sich auf dem Dahlemer Waldfriedhof (Grabstelle Feld 11/Nr. 397/398). Dort entdeckte es vor drei oder vier Jahren das Ehepaar Kerkloh – nichts weiter als Fans von Bully Buhlan. Sie entfernten den Wildwuchs, beschnitten die Hecken und legten ab und an ein Gebinde nieder. Nun aber verließen sie Berlin und sorgten sich um die Grabpflege.

 

So ist Berlin. Es musste erst die Presse bemüht werden, um darum zu bitten, dass sich in Zukunft jemand um die Pflege des Grabes von Bully Buhlan auf dem Dahlemer Waldfriedhof kümmert. Danach brauchte der Senat ein Jahr, um dem Grab im November 2018 den Status „Ehrengrabstätte des Landes Berlin“ zu geben. Nun ist das Grab  für die nächsten 20 Jahre „gerettet“.

 

Handjerystraße Nr. 82-83. H&S 2019

Handjerystraße Nr. 82-83

Niedstraße Nr. 10-11

Baudenkmal Mietshaus

Entwurf & Bauherr Eduard Götze

1889

 

In der nördlichen Handjerystraße finden sich auf der westlichen und der östlichen Straßenseite Landhäuser der ersten Bauphase zusammen mit frühen Mietwohnhäusern der neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts und großen Mietwohnhäusern der Zeit um 1910 in der für Friedenau typischen Mischung. Auf der westlichen Straßenseite sind interessante Beispiele aus allen drei Bauphasen überliefert. Das viergeschossige, neobarocke Mehrfamilienwohnhaus - mit neun Achsen an der Handjery- und acht Achsen an der Niedstraße - besitzt zwei Aufgänge, von denen je zwei Wohnungen pro Geschoss erschlossen werden. Die beiden Straßenfassaden des Eckhauses werden durch einen leicht vorspringenden, verputzten Eckrisalit akzentuiert, mit gekoppelten Fenstern nach beiden Seiten. Dem Eckrisalit entspricht ein flacher Seitenrisalit in der Handjerystraße mit gekoppelten Fenstern, der in der Niedstraße wegen der ungleichen Grundstückslängen nicht ausführbar war. Beide Fassaden haben jeweils sieben Achsen ohne die Risalite. Die unteren beiden Geschosse sind verputzt, die oberen beiden mit roten Klinkern verkleidet. Jede zweite Achse ist durch aufwendige Fenstergewände - im ersten Obergeschoss mit Dreiviertelsäulen und Rundgiebeln - betont. Das originale Lanzengitter ist erhalten; der Eckrisalit wird von der Einfriedung ausgespart, um den Zugang zum Laden an der Ecke zu ermöglichen. Topographie Friedenau, 2000

 

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Handjerystraße Nr. 87-88. Wikipedia, Bodo Kubrak 2013

Handjerystraße Nr. 87-88

Albestraße Nr. 8

Baudenkmal Landhausgruppe

Entwurf Max Nagel

Bauherr Friedrich Bache

1885-1886

 

In der nördlichen Handjerystraße finden sich auf der westlichen und der östlichen Straßenseite Landhäuser der ersten Bauphase zusammen mit frühen Mietwohnhäusern der neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts und großen Mietwohnhäusern der Zeit um 1910 in der für Friedenau typischen Mischung. Auf der westlichen Straßenseite sind interessante Beispiele aus allen drei Bauphasen überliefert.

 

Die beiden Landhausbauten des „Tiele-Winckler-Hauses“, das zweigeschossige, vierachsige Haus an der Ecke Handjerystraße Nr. 87/Albestraße Nr. 8 und das eingeschossige, vierachsige Haus Handjerystraße Nr. 87-88 wurden als Rohziegelbauten erbaut. 1986 wurden sie durch einen modernen Zwischenbau verbunden. Das Thiele-Winkler-Haus dient geistig behinderten Erwachsenen als Wohnheim. Das zweigeschossige Eckhaus ist als grauer Ziegelbau mit roten Ziegelmustern (aus Streifen und Kreuzen) und Eckfassungen ausgeführt und wird an der Fassade zur Albestraße durch ein vorspringendes Treppenhaus erschlossen. Das Zeltdach des Eckhauses zeigt im Gesimsbereich eine auffallende Knaggenkonstruktion. Das giebelständige, eingeschossige Haus Nr. 88 auf hohem Souterrain ist in gelben Ziegeln mit einer Fülle von Mustern (wiederum aus Streifen und Kreuzen) erbaut worden. Sein Giebel zeigt ein Rundbogendoppelfenster mit kleineren Rundbogenfenstern in den Abseiten. Topographie Friedenau, 2000

 

1927 übernahm es der „Friedenshort“, eine Einrichtung der Berliner Stadtmission, und machte daraus eine Pflegestelle für geistig behinderte Mädchen. Seit 1970 heißt es „Tiele-Winckler-Haus“ und betreut geistig behinderte Volljährige.

 

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Handjerystraße Nr. 89. H&S 2019

Handjerystraße Nr. 89

Baudenkmal Mietshaus

Entwurf G. Luedecke

Bauherr Otto Müller

1888

 

In der nördlichen Handjerystraße finden sich auf der westlichen und der östlichen Straßenseite Landhäuser der ersten Bauphase zusammen mit frühen Mietwohnhäusern der neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts und großen Mietwohnhäusern der Zeit um 1910 in der für Friedenau typischen Mischung. Auf der westlichen Straßenseite sind interessante Beispiele aus allen drei Bauphasen überliefert. Das zweigeschossige Haus wurde als roter Ziegelbau mit Putzfaschen errichtet und als Zweifamilienwohnhaus mit einer separaten Geschoßtreppe konzipiert. Das Haus hat einen Seitenflügel entlang der nördlichen Grundstücksgrenze mit Veranden und einer Dachterrasse. Es stellt eine Übergangsform vom Landhaus zum Mietwohnhaus nach der neuen Bauordnung von 1887 dar. Topographie Friedenau, 2000

 

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Handjerystraße Nr. 91-92 Ecke Schnackenburgstraße Nr. 8. H&S 2019

Handjerystraße Nr. 91-92

Schnackenburgstraße Nr. 8

 

Die Schnackenburgstraße hatte ab 1872 den Namen Querstraße I. Am 5. September 1885 erhielt sie den Namen Feurigstraße, benannt nach Johann Adolph Albert Friedrich Feurig (1830-1890), dem Amts- und Gemeindevorsteher von Schöneberg. Er war für den Kreis Teltow Leiter der Amtsbezirke Schöneberg, Wilmersdorf und Friedenau. Unter seinem Vorsitz fand 1875 die erste Wahl der Gemeindeverordneten von Friedenau statt, in der Georg Roenneberg (1834-1895) zum ersten ehrenamtlichen Gemeindevorsteher von Friedenau gewählt wurde.

 

Das Amtsbüro befand sich damals in der Albestraße Nr. 32/33. Sein Nachfolger im Amt, nun als hauptamtlicher Gemeindevorsteher, war von 1892 bis 1902 sein Bruder, der Major a. D. Albert Roenneberg (1842-1906). In seiner Amtszeit zog die Amts- und Gemeindeverwaltung 1896 mit dem gesamten Büro als Mieter in das Haus Feurigstraße Nr. 8 Ecke Handjerystraße Nr. 91-92.

 

 

 

 

Eigentümer beider Häuser war der Maurermeister Ch. Binternagel, wohnhaft Wilmersdorf, Bernhardstraße Nr. 3-4. Verwalter für beide Anwesen war Gärtner F. Hinz. Außerdem gab es im Haus noch die Mieter A. Lämmer (Rentiere), C. Lehmann (Kaufmann) und M. Semf (Eisenbahnbeamter). Im Eckladen präsentierte Fleischermeister O. Bork im Schaufenster seine frischen Schlachtungen. Am Hauseigang selbst befand sich ein Briefkasten für Post an die Gemeinde, am Vorgartenzaun hingen vier Schaukästen mit den Bekanntmachungen der Gemeinde.

 

1904 holte sich die Gemeinde mit dem Juristen Bernhard Schnackenburg (1867-1924) endlich einen erfahrenen Verwaltungsfachmann – der erste Bürgermeister von Friedenau. 1909 wurde Schnackenburg Oberbürgermeister von Altona.

 

Mit der Eröffnung des Rathauses Friedenau am Lauterplatz 1917 wurde das Amtsbüro in der Feurigstraße Nr. 8 aufgegeben. Schöneberg hatte am 9. Februar 1895 den „Weg hinter den Dorfgärten“ in Feurigstraße umbenannt. Mit der Bildung von Groß-Berlin am 1. Oktober 1920 wurde die Stadt Schöneberg und die Gemeinde Friedenau Teil von Berlin und bildeten den 11. Berliner Verwaltungsbezirk, so dass es nun eine Feurigstraße in Friedenau und eine Feurigstraße in Schöneberg gab. Am 9. September 1931 wurde die Friedenauer Feurigstraße in Schnackenburgstraße umbenannt.

 

Die Gemeindeverwaltung von Friedenau im Jahr 1914

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Güterbahnhof Wilmersdorf, Kleingleichrichterwerk. Foto H&S 2016

Handjerystraße Nr. 98-99

Baudenkmal Kleingleichrichterwerk

Entwurf Architekt Richard Brademann

Bauherr Reichsbahn

1927-1928

 

Vom Güterbahnhof Wilmersdorf ist nach dem Abriss von Gleisanlagen, Lagerhäusern und dem 1971 vom Architekten Rainer G. Rümmler (1929-2004) geschaffenen turmartigen Stellwerk nur noch das Kleingleichrichterwerk mit Adresse Handjerystraße Nr. 98-99 geblieben. Das entstand 1927/28 nach einem Entwurf von Richard Brademann (1884-1965) als Sichtziegelbau. Er fand nach dem Studium an der Technischen Hochschule Charlottenburg zur Preußischen Eisenbahnverwaltung, aus der 1924 die Deutsche Reichsbahn wurde. Als Leiter des Dezernats 50 A der Reichsbahndirektion Berlin entwarf der Oberbaurat zwischen 1922 und 1939 im Zusammenhang mit der Elektrifizierung der Berliner Stadt-, Ring- und Vorortbahnen zahlreiche Bahnhöfe, Umspanngebäude und Stellwerke – allesamt in einem klaren, sachlichen und von der Funktion geprägten expressionistischen Stil. Der Backstein wurde zum wichtigsten Gestaltungsmittel des Hausarchitekten der Deutschen Reichsbahn.

 

Betrachtet man seine zahlreichen Bauten, von denen viele den Zweiten Weltkrieg überstanden haben, kommt man zu der Einschätzung, dass Brademann ein „Besessener“ gewesen sein muss, ein archetypischer Fachbeamter, vorbildlich und mustergültig, der nur an Laufbahn und Karriere dachte. 1931 wurde er Mitglied der NSDAP. Der 2011 erschienenen Publikation „Die Reichsbahn und die Juden 1933–1939“ von Alfred Gottwaldt ist zu entnehmen, dass er bereits im April 1933 über Missstände in der Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft geklagt und auch nicht davor zurückgeschreckt haben soll, missliebige Personen zu diffamieren. Nach 1945 galt er als Nazi, dem eine Rückkehr zur angestammten Position bei der Reichsbahn nicht mehr ermöglicht wurde. Brademann wurde auf dem Alten Zwölf-Apostel-Kirchhof beerdigt. Da er nicht verheiratet war, keine Hinterbliebenen zurückließ und offensichtlich weder Reichs- noch Bundesbahn eine Verlängerung der  Nutzungsrechte im Sinn hatten, wurde das Grab eingeebnet. Erhalten sind seine Backsteinkörper, darunter der Bahnhof Wannsee, das Schalt- und Gleichrichterwerk Halensee, heute Sitz der S-Bahn-Betriebszentrale, und auch das Kleingleichrichterwerk am ehemaligen Güterbahnhof Wilmersdorf.

 

 

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