Name seit 16.3.1888, vorher bis 1880 Steglitzer Weg, danach Grüner Weg. Benannt nach der hessischen Stadt Laubach. Die Straße ist die Gemarkungsgrenze zwischen Wilmersdorf und Friedenau. Straße und Häuser Nr. 30-56 gehören zu Wilmersdorf, Nr. 1-29 zu Friedenau.

 

St. Marien-Kirche. Foto H&S, 2016

Laubacher Straße Nr. 10-11

Katholische Kirche St. Marien

 

Der Entwurf von Regierungsrat Christoph Hehl für die katholische Kirche in Friedenau entstand im Jahre 1912. Das Herz des Bauwerkes ist ein elliptisches Gewölbe, 18 X 21,50 m Durchmesser und 23,50 m lichter Höhe, an das sich Hauptchor und die zwei Nebenchöre einerseits, der Turm und die Vorhallen anderseits anfügen. Da der katholische Kultus einen Prozessionsumgang fordert, für den in der hiesigen Gegend die Straße nicht in Frage kommt, so wurde um die Hauptkuppel herum ein Seitenschiff gelegt, das gleichzeitig das Widerlager der Kuppel bildet.

 

Seitliche Ausbauten, Verstärkungen der Widerlager verwirklichen als Querschiffe in diesem Grundriss den schon Hehl reizenden Gedanken der Verbindung von Basilika- und Zentralanlage. Damit ist gleichzeitig die anzustrebende Übersichtlichkeit der Anlage, der freie Blick auf den Hochaltar fast restlos gelöst.

 

 

 

 

Konstruktiv bot nun das Bauwerk erhebliche Schwierigkeiten. Über den oblongen Grundriss konnte nicht mehr ohne weiteres ein Kuppelgewölbe mit zentral gerichteten Fugen, gegebenenfalls mit Verstärkungsrippen, angeordnet werden. Es entstand eine eigenartige Konstruktion. Die Rippen wurden tragende Körper, die, infolge der Grundrissgestaltung, die Formen von Halbkreisbogen bis zu steilen Spitzbogen, unter Beibehaltung desselben Halbmessers, durchlaufen. Mit ihnen wurden die als Teile einer Kuppel behandelten Zwischenfelder gleichzeitig in radial gerichteten Fugen ausgeführt und Rippen und Zwischenfelder möglichst weit über den Kämpfer hinaus durch Auskragung gebildet.

 

Das ganze Gewölbe ist in reiner Maurertechnik ohne Eiseneinlagen oder dergl. aus Backsteinen gemauert worden. Nur der Schlußstein, 3 X 2,30 X 0,60 m groß, ist der Druckfestigkeit halber und wegen der notwendigen Auflast aus Sandstein ausgeführt. Die gefundene Konstruktion ermöglichte ein leichtes Lehrgerüst, da nur die Rippen durch Bogen zu unterstützen waren, und vereinfachte daher die Ausführung erheblich.

 

Die Ringspannung im Gewölbe bot eine gute Versteifung der Rippen und gab dem Gewölbe die für die statischen Verhältnisse des Baues so vorzügliche Eigenschaft des reinen Kuppelgewölbes. Hierdurch wurde es ermöglicht, dass weit unterhalb des Kämpfers des Zentralgewölbes erst die Widerlager des Umganges angreifen, und dass die zur Sicherheit bis zum vollkommenen Abbinden des Gewölbes notwendige Ringverankerung in Höhe des radialen Gewölbeansatzes sehr geringe Abmessung erhalten konnte.

 

Die zehn das Zentralgewölbe und den Obergaden tragenden Säulen sind aus Rathenower Handstrichbacksteinen gemauert worden, wie denn überhaupt das ganze Gebäude im Sinne der nordischen Backsteinbaukunst früherer Zeit gehalten ist, aber unter selbständiger eigenartiger Formengabe und Verwendung von. Goldmosaiksteinchen in Fugen, Marmorplättchen in Friesen und Handstrichbacksteinen Klosterformats. .Der untere Teil des äußeren Mauerwerks besteht aus Granitbruchsteinen aus den Beuchaer Brüchen.

 

Das Zierwerk, wie die Ausbildung der Kapitelle, der figürliche Schmuck, die Kreuzigung und das Marienbild an den Außengiebeln der Querschiffe, sind aus lederharten Tonblöcken mit dem Messer von Hand ohne Modelle nach Zeichnung vom Verfasser herausgeschnitten worden. -Die Blöcke wurden dann in Backsteinwürfel zerlegt, gebrannt und vermauert. Nur für die Figuren hat Professor Haverkamp in Friedenau Modelle gefertigt. Der Turm, dessen Helm ebenfalls in Backstein gemauert ist, erhebt sich zu einer Höhe von 60 m.

 

Zum Schluss sei bemerkt, dass die Teilung Großberlins in viele politische Gemeinden von erheblichem Einfluss auf die eines Bauwerks sein kann. Der Bauherr der Kirche ist die katholische Gemeinde Steglitz und die sich davon abzweigende Gemeinde in Friedenau. Der Bauplatz der Kirche liegt aber zum größten Teile in der Gemeinde Wilmersdorf. Nur ein schmaler Streifen, 1,10 m breit, im Zuge der Laubacher Straße, gehört zum Friedenauer Gemeindegebiet. So mussten denn sämtliche Eingänge der Kirche in diesen schmalen Streifen hineingelegt werden, und es entstand die Lösung, den Turm zum Teil in das Oblong des Zentralgewölbes hinschneiden zu lassen und ihm eine Vorhalle vorzulegen, die die Eingänge und Windfänge aufnehmen. Dass im Zuge der Laubacher Straße die Kanalisationsleitung mitten unter dem Turm hindurchläuft und liegen bleiben musste, diente nicht gerade zur Vereinfachung der technischen Lösung der Aufgabe.

 

Am 11. Oktober 1914 konnte die Kirche dem Gebrauch übergeben werden. Die innere Einrichtung, Glasfenster, Hochaltar, Kanzel, Beichtstühle und Gebrauchsgegenstände des Kultus usw. sind sämtlich nach Entwürfen und Zeichnungen des Verfassers ausgeführt worden. Der ornamentale und figürliche Schmuck ist mit Ausnahme der Figuren der Kreuzigungsgruppe des Hochaltars, für die Professor Haverkamp die Modelle fertigte, ebenfalls nach Zeichnung und Modellüberarbeitung des Verfassers hergestellt.

 

Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass es Pflicht des Architekten ist, nicht nur das Bauwerk selbst in allen Teilen, sondern auch alle mit ihm in Beziehung stehenden Einzelheiten zu entwerfen und durchzuarbeiten sowie ihre Ausführung zu überwachen. Nur so wird endlich einmal die unkünstlerische Ausstattung auszurotten sein, mit der fabrikartige Geschäftsbetriebe, sogenannte Kunstanstalten, unsere Monumentalbauten verunstalten. Nur so können der Allgemeinheit die Augen geöffnet werden, dass sie das Süßliche dieser Figuren, Altäre und Einrichtungsgegenstände erkennt und ablehnt. Dass freilich hierzu den Architekten erst der mühevolle Weg des eingehenden Studiums guter alter Kunst führen kann, strenge Selbsterziehung und der Verzicht auf große Gesten, das ist eine Grundwahrheit, der sich kein Baukünstler verschließen darf und soll. In der liebevollen, verständigen und mit dem Ganzen charaktervoll verbundenen Durchbildung der Einzelheiten liegt ebenso wie in der guten Massenverteilung die große Wirkung der alten Bauwerke.

 

Die neuen katholischen Kirchen in Friedenau und Schöneberg (Auszug).

Architekt: Karl Kühn in Charlottenburg. Zentralblatt der Bauverwaltung, 31. August 1918

Ehm Welk, Die Heiden von Kummerow. Deutscher Verlag Berlin, 1937

Laubacher Straße Nr. 16

Ehm Welk (1884-1966)

 

„Ehm-Welk-Haus ab Februar 2019 geschlossen.“ Die Zeitungsmeldung brachte in Erinnerung, dass der später von der DDR arg „benutzte“ Schriftsteller einige Jahre in der Laubacher Straße Nr. 16 gewohnt hatte. Das war von 1925 bis 1928, damals allerdings Journalist, dessen Zeitungstätigkeiten wohl zutreffender als journalistische Gastspiele einzuordnen sind.

 

Ehm Welk, der Bauernsohn aus dem uckermärkischen Biesenbrow, der eigentlich Gustav Emil Welk heißt und seinen Spitznamen „Ehm“ als Vornamen nutzte, hatte nach der Dorfschule mit 16 Jahren das Weite gesucht. Nach einer kaufmännischen Lehre wurde er 1904 Volontär bei der Stettiner Abendpost, später Mitarbeiter der Stettiner Neuesten Nachrichten und 1909 sogar Chefredakteur der Stolper Neusten Nachrichten, für drei Monate, dann von 1910 bis 1919 Chefredakteur des Braunschweiger Allgemeinen Anzeigers. Nach einem „Gastspiel“ bei der Braunschweiger Morgenzeitung setzte er sich 1922 nach Amerika ab. Ein Jahr später kehrte er zurück, schrieb in Berlin für Zeitungen, heiratete 1924 die Schriftstellerin Agathe Lindner (1892-1974) und bezog mit ihr die Wohnung in der Laubacher Straße.

 

1927 hatte der Ullstein Verlag die Grüne Post gestartet, eine Sonntagszeitung für Stadt und Land, die alsbald eine Auflage von über einer Million Exemplaren erreichte. Ehm Welk wurde einer der Autoren. Nachdem Goebbels 1934 die deutsche Journaille gefragt hatte, warum es keine Kritik mehr gäbe, sie solle doch einfach etwas mutiger sein, nahm Ehm Welk ihn beim Wort. Unter dem Pseudonym Thomas Trimm schrieb er am 29. April 1934 in der Grünen Post die Glosse „Herr Reichsminister, bei aller Aufforderung von Ihnen, ich weiß nicht so recht.“

 

Welk wurde verhaftet. Es muss offensichtlich einen Kompromiss gegeben haben. Nach kurzer Zeit kam er frei, verließ die Wohnung in der Laubacher Straße und zog am 1. April 1935 mit Frau Agathe und Vater Gottfried in den Spreewald nach Lübbenau. Von einem „bedingtem Berufsverbot“ wird berichtet. Es ist allerdings kaum vorstellbar, dass Ehm Welk 1937 nach der Umwandlung des Ullstein Verlags in den Deutschen Verlag der NSDAP dort ohne Zustimmung der Nationalsozialisten als Lektor tätig werden konnte.

 

 

Es heißt, „am Kompromiss stirbt die Kunst, wenn auch der Künstler weiterlebt“. Nicht so bei Ehm Welk. In Lübbenau entstand der Erfolgsroman „Die Heiden von Kummerow“, 1937 erschienen nicht wie oft verkündet bei Ullstein, sondern im Deutschen Verlag, der später auch in vielen Feldausgaben veröffentlicht wurde.

 

Mit dem Spreewald war es langsam genug. 1940 zog die Familie nach Neunkirchen bei Stettin. Diesem Umzug müssen wiederum einige Überlegungen vorausgegangen sein. Welk war bekannt, dass Kuno Popp (1893-1973), Leiter der Landesstelle Pommern des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda, bereits 1929 in die NSDAP eingetreten war. Inzwischen stand er auch noch dem Landesfremdenverkehrsverband und der Landeskulturverwaltung vor, dessen Protektion Ehm Welk genoss. In Neunkirchen entstanden „Die Gerechten von Kummerow“, 1943 erschienen wiederum im Deutschen Verlag. Für Literaturkritiker hält Welk in seinen Schilderungen des Dorflebens „deutlichen Abstand zum NS-Regime“, weshalb er sogleich zum Autor der „Inneren Emigration“ während des Nationalsozialismus gezählt wird.

 

1945 ging Neuenkirchen an Polen und Welk in die Sowjetische Besatzungszone, zuerst nach Ueckermünde, wo er das Kulturamt leitete, 1946 als Direktor an die Volkshochschule in Schwerin. An Schreiben war nicht zu denken. Nach Gründung der DDR erinnerten sich die aus dem Exil zurückgekehrten Genossen, Johannes R. Becher (1891-1958), Alexander Abusch (1902-1882), Alfred Kurella (1895-1975), Erich Weinert (1890-1953), an den „sozialkritischen“ Schriftsteller Ehm Welk. Er konnte hilfreich sein. 1950 bekam er das Haus Dammchaussee Nr. 23 in Bad Doberan. Dort schrieb er schließlich 1953/54 nach der gleichnamigen Verserzählung von Fritz Reuter das Drehbuch für den schablonenhaften DEFA-Film „Kein Hüsung“. In Erinnerung geblieben ist allerdings der Film „Die Heiden von Kummerow und ihre lustigen Streiche“ von 1967, eine deutsch-deutsche Gemeinschaftsproduktion von Neue Deutsche Filmgesellschaft mbH München-Geiselgasteig, Neue Realfilm Walter Koppel Hamburg und DEFA-Studio für Spielfilme Potsdam-Babelsberg u. a. mit Paul Dahlke, Theo Lingen und Ralf Wolter.

 

Ehm Welk, geehrt mit Nationalpreis, Ehrenbürgerschaft von Bad Doberan und Angermünde, Vaterländischer Verdienstorden, Ehrendoktorwürde, Professur an der philosophischen Fakultät der Universität Greifswald und Briefmarke starb 1966 in Bad Doberan, seine Frau Agathe Lindner-Welk 1974. Nach ihrem Tod wurde das Wohnhaus in der Dammchaussee Nr. 23 auf seinen Wunsch hin 1979 eine kulturelle Begegnungsstätte -  das Ehm-Welk-Haus. Man musste nicht in der DDR gelebt haben, um zu wissen, dass Ehm Welk von der SED benutzt wurde. Diese Situation war ihm allerdings nicht ganz unbekannt. Das Grübeln über Wenn und Aber scheint ihm fremd gewesen zu sein.

 

Erst lange nach seinem Tod kam heraus, dass seine Werke in den sozialistischen Jahren „stark verändert neu aufgelegt“ wurden. Nicht beantwortet ist bisher die Frage, ob diese Änderungen von den Lektoren des Hinstorff Verlages oder von Ehm Welk selbst veranlasst wurden. Im hohen Alter sprach er davon, dass er „die Kummerows als eine Art individuellen Protests gegen Ungemach, Niedertracht und Sorge geschrieben hatte, als eine scheinbare Übermacht, die Gegenwart zu zerrütten und Zukunft zu verstellen drohte: Ich ließ die Unzulänglichkeiten stehen und ging den Weg zurück ins Land meiner Kindheit“.

 

Dies müsste erläutert werden. Von Bedeutung ist aber auch die ungewisse Zukunft des Ehm-Welk-Hauses. Für den parteilosen Bürgermeister ist es ein „Literaturmuseum von überregionaler Bedeutung, dessen Bestand zu sichern und weiter auszubauen ist“. Für den Freundeskreis „muss das Haus für die Nachwelt erhalten bleiben“. Für die FDP belasten „die Kosten nachfolgende Generationen“. Und wenn die SPD nur erwähnt, dass der „Verkauf nie ein Thema im Finanzausschuss war“, dann heulen die Alarmglocken auf. Wie auch immer man zu Ehm Welk steht, Mecklenburg-Vorpommern ist mit Kultur nicht gerade gesegnet. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig sollte nach Bad Doberan und weniger nach dem Willy-Brandt-Haus schauen.